Skip to main content

Full text of "Die Landwirtschaflichen versuchs-stationen .."

See other formats


et 



) 



t 



Digitized by the Internet Archive 
in 2014 



https://archive.org/details/dielandwirtsc-haf1618reun 



Die landwirthschaftliohen 

Versuchs- Stationen. 

Organ 

für 

naturwissenschaftliche Forschungen auf 
dem Gebiete der Landwirthschaft. 

Unter Mitwirkung sämmtlicher Deutschen Versuchs-Stationen und 
landwirthschaftlichen Akademien 

herausgegeben 

von 

Prof. Dr. Friedrich Nobbe. 

Concordia parvae res crescunt . . . 



Sana XVI. 18»y3. 

Mit 2 Holzschnitten. 



Verlag 



Chemnitz. 

von Eduard Focke. 
1873. 



Inhaltsverzeichniss 

des 

XVL Bandes der »Landw. Versuchs-Stationen < . 



Autoreu. 

Seite 



Bäseke, H. : s. G. Kühn. 

Buchenau, F.: Die springenden Samen aus Mexiko 341 

Focke, W. O. : lieber die Vermehrung der Weiden 443 

Haase, A. : s. G. Kühn. 

Heidepriem, F.: Fütterungsversuche mit Schafen. Ausgeführt auf 

der landw. -chemischen Versuchs-Station Göthen. . 1 
Henneberg, W. : Der Kohlensäuregehalt der atmosphärischen Luft . 70 

— — Ueber das genetische Verhältniss der Asparaginsäure zum 

Eiweiss 184 

Hofmeister, V.: Den Apparat zum Auffangen und Sammeln der 

Schafexcremente betreffend 58 

— — Ueber den Einfluss des dem Rauhfutter beigefütterten 

Fettes in Substanz auf die Verdaulichkeit der Nähr- 
stoffe desselben 347 

Just, L. : Die Samenprüfungs- Anstalt der Centralstelle des Badischen 

landwirthschaftlichen Vereins 72 

Kiesow, J. : s. J. König. 

Knieriem, W. von: s. A. Mayer. 

König, J. : Verdaulichkeit des Heufettes 40 

— — u. Kiesow, J. Zur Kenntniss des Wiesenheufettes ... 47 

— — Ueber eine Buchenkrankheit 198 

— — Die Bestimmung der Cellulose und ihre Mängel 415 

Kühn, Gustav, Haase, A. u. Bäseke, H. : Versuche über die 

Ausnutzung der Luzerne, im frischen Zustande 

und als Heu 81 

Mayer, Adolf: Mittheilungen aus dem landwirthschaftlichen Labo- 
ratorium der Universität Heidelberg : 



a 3 - 2-0 5 



IV 



Seite 

I. Ueber das Verhältniss von Kalk und Kohlen- 
säure in Brunnenwässern 274 

II. Studien über die alkoholische Gährung . . . 277 
■ — — u. Knier iem, W. von, III. Ueber die Ursachen der Essig- 

gährung 305 

Meyer, s. Späth. 

Müller, Alexander: Ueber den gegenwärtigen Stand der Städte- 

reinigungs- und WasserbeschafFungsfrage für Berlin 241 

Nab, James. Mc. : Ueber die ^yinterlichen Farbenwechsel einiger 

Cupressineen 439 

Nessler, J. : Mittheilungen aus der landwirthschaftlichen Versuchs- 
Station zu Carlsruhe. 

I. Aschengehalt des Holzes verschieden gedüngter 
Reben 185 

II. Untersuchungen der Knochen von knochen- 
brüchigem Rindvieh 187 

Neubauer, C. : Beiträge zur qualitativen Analyse des Weinlaubs . . 427 
Orth, A. : Ueber die Priorität in Sachen der Bodenabsorption ... 56 



Pott, R. ; Mittheilungen aus dem agriculturchemischen Laboratorium 
zu Poppelsdorf. 

IV. Analyse eines Fleischmehl aus Fray-Bentos . . 193 
Ritthausen, H u. Pott, R. : Untersuchungen über den Eintluss 
einer an Stickstoff und Phosphorsäure reichen 
Düngung auf die Zusammensetzung der Pflanze und 



der Samen von Sommerweizen 384 

Sachsse, Robert; Ueber eine Methode zur quantitativen Bestimmung 

des Asparagins 61 

— — Ueber einige stickstoffhaltige Verbindungen des Milch- 
zuckers 441 

Schröder, Julius: Die Einwirkung der schwefligen Säure auf die 

Pflanzen (Fortsetzung) 447 

Schulze, Ernst: Zur Frage über die Verdauung des Heufettes . . . 329 
Sestini, Fausto: Historisches über die Absorptionskraft des Bodens 409 
Späth u. Meyer: Beobachtungen über den Einfluss des Leuchtgases 

auf die Vegetation von Bäumen 336 

W e i 8 k e , R. : Notiz zur Rothfärbung der Knochen durch Krapp- 
fütterung 412 



Sachregistere 



Allgemeines. 

Seit© 

Verhandlungen der Section für Agriculturchemie in der 45, Versamm- 
lung deutscher Naturforscher und Aerzte in Leipzig vom 12. bis 
IS. August 1872 201 

Einladung zur 46. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte. . 402 
Programm und Tagesordnung derselben . . . 403 

Personalnotizen: B. Die tzell, S. 479. ~ F. Fittb ogen , S. 479. 
— R. Heinrich, S. 225. — H. Hellriegel . S. 479. — J. v. Lie- 
big i, S. 240. — Lieb ig, Denkmal [Aufruf) S. 399. — E. 
List, S. 224. — J. Nessler, S. 239 — H. Kitthausen, 
S. 402. — E. Schulze, S. 239. — F. Schulze -h, S. 401. — 
Franz Schulze (Nekrolog) S. 401. — P. Wagner, S. 239. — 
H. Weiske, S. 225. 



Fachliterarische Eingänge . . 237 und 478 

Corrigenda 479 

Pflanzenwachsthum. Pflanzenproduction. 

lieber eine Buchenkrankheit, von J. K önig 198 

Beobachtungen über den Einfluss des Leuchtgases auf die Vegetation 

von Bäumen, von Späth u. Meyer 336 

Die springenden Samen aus Mexiko, von F. Buchenau 341 

lieber die winterlichen Farbenwechsel einiger Cupressineen, von James 

M. Nab 439 

Ueber die Vermehrung der Weiden, von W. O. Focke 443 

Die Einwirkung der schwefligen Säure auf die Pflanzen (Fortsetzung), 

von JuliusSchröder 447 

Zur Kenntniss des Wiesenheufutters, von J. König und J. Kiesow . 47 
Versuche über die Ausnutzung der Luzerne im frischen Zustande und 

als Heu, von Gustav Kühn, A. Haase, u. H. Bäseke ... 81 
Ueber das genetische Verhältniss der Asparaginsäure zum Eiweiss, von 

W. Henneberg 184 

Aschengehalt des Holzes verschieden gedüngter Reben, von J. Nessler 185 
Untersuchungen über den Einfluss einer an Stickstofl' und Phosphorsäure 

reichen Düngung auf die Zusammensetzung der Pflanze und der 

Samen von Sommerweizen, von H. Ritthausen u. R. Pott. . 384 
Die Bestimmung der Cellulose und ihre Mängel, von J. König . . . 415 
Beiträge zur qualitativen Analyse des Weinlaubs, von C. Neubauer . 427 



VI 

Seite 



Atmosphäre. Wasser. 

Der Kohlensäuregehalt der atmosphärischen Luft, vonW. Henneberg 70 
Beobachtungen über den Einfiuss des Leuchtgases auf die Vegetation von 

Bäumen, von Späth und Meyer 336 

lieber den gegenwärtigen Stand der Städtereinigungs- und Wasserbe- 

schafFungsfrage für Berlin, von Alexander Mül 1er 241 

Ueber das Verhältniss von Kalk und Kohlensäure in Brunnenwässern, 

von Adolf Ma'y er 274 

Boden. Düngstoffe. 

lieber die Priorität in Sachen der Bodenabsorption, von A. Orth . . 56 
Historisches über die Absorptionskraft des Bodens, von Fausto 

Sestini 409 

Untersuchungen über den Einfiuss einer an Stickstoff und Phosphorsäure 
reichen Düngung auf die 'Zusammensetzung der Pflanze und der 
Samen von Sommerweizen, von H. Kitthausen und R. Pott . 384 

Nahrungs- und Futtermittel. Fütterungsversuche. 

Verdaulichkeit des Heufutters, von J. König 40 

Zur Kenntniss des Wiesenheufutters. Vorläufige Mittheilung von 

J. König u. J. Kiesow 47 

Zur Frage über die Verdauung des Heufettes, von Ernst Schulze . 329 

Ueber den Einfiuss des dem Rauhfutter beigefütterten Fettes in Sub- 
stanz auf die Verdaulichkeit der Nährstoffe desselben, von V. 
Hofmeister 347 

Fütterungsversuche mit Schafen. Ausgeführt auf der landwirthschaft- 

lich-chemischen Versuchs- Station Göthen, von F. Heidepriem 1 

Versuche über die Ausnutzung der Luzerne in frischem Zustande und 
als Heu, von Gustav Kühn, A. Haase und H. Bäseke. 
(Ausgeführt auf der landwirthschaftlichen Versuchs- Station zu 
Möckern) 81 

Ein Fütterungsversuch mit Lämmern, ausgeführt auf der Versuchs- 
Station in der Königlichen Thierarzneischule zu Dresden, von V. 
Hofmeister 126 

Notiz zur Rothfärbung der Knochen durch Krappfütterung, von R. 

Weiske 412 

Technisches. 

Den Apparat zum Auffangen und Sammeln der Schafexcremente betref- 
fend. Nachträgliche Notiz von V. Hofmeister 58 

Studien über die alkoholische Gährung, von Adolf Mayer 277 

Ueber die Ursache der Essiggährung, von W. v. Knieriem und 

Adolf Mayer 305 



VII 



Seite 

lieber einige stickstoffhaltige Verbindungen des Milchzuckers, von 



Robert Sachsse 441 

Analytisches. 

lieber eine Methode zur quantitativen Bestimmung des Asparagins, von 

Robert Sachsse 61 

Aschengehalt des Holzes verschieden gedüngter Reben, vonJ. Nessler 185 
Untersuchung der Knochen von knochenbrüchigem Rindvieh, von J. 

Nessler 187 

Analyse eines Fleischmehl aus Fray-Bentos, von Pott 193 

Die Untersuchung der Superphosphate (Nach den Verhandlungen einer 
am 11. Februar 1872 in Magdeburg zusammengetretenen Con- 

ferenz) 233 

Die Bestimmung der Cellulose und ihre Mängel, von J. König . . . 415 
Beiträge zur qualitativen Analyse des Weinlaubs, von C. Neubauer. . 427 

Zur Statistik des iandwirthschaftlichen Versuchswesens. 

Geschäftsordnung für das forstliche Versuchswesen in Preussen .... 77 
Begründung einer agriculturchemischen Versuchs- Station zu Neustadt 

an der Hardt 224 

Begründung einer Versuchs-und Control-Station zu Bromberg 225 

Die Versuchs-Station an der Akademie zu Proskau 225 

Eine Versuchs-Station für Käse-Fabrikation zu Lodi 225 

Erste Conferenz der Vorstände der Versuchs-Stationen Italiens zu Rom 230 
Circulare, die Errichtung einer Samenprüfungsanstalt für Baden betref- 
fend 

Die erste agriculturchemische Versuchs-Station in Ungarn . i 



Thätigkeitsberichte aus den Iandwirthschaftlichen Versuchs-Siationen. 



Die Samenprüfungs-Anstalt der Centraistelle des Badischen Iandwirth- 
schaftlichen Vereins, von L. Just 72 

Mittheilungen aus der Iandwirthschaftlichen Versuchs-Station zu Carls- 
ruhe, von J. Nessler 185 

Mittheilungen aus dem agriculturchemischen Laboratorium zu Poppels- 
dorf, von R. Pott 193 

Mittheilungen aus dem Iandwirthschaftlichen Laboratorium der Univer- 
sität Heidelberg , von Adolf Mayer , u. W. v. Knieriem . . 274 

Bericht über die Thätigkeit der Station Weende 1871/72 erstattet von 
W. Henneberg 470 



Fütterungsversttclie mit Schafen. 



Ausgefülirt auf der landwirthscliaftlicli-clieiiiischen Versiicis-Stat- ^ (^^tlien: 

von 

F. Heidepriem. 



Im August 1869 wurden 2 dreijährige, srollkommen gesunde 
Merino-Hammel in einem Stalle getrennt r aufgestellt, dass 

einem jeden Tliiere ein Kaum von reich jj^^j^ 2 DM. zugewiesen 
war, in welchem es sich frei beweger ^ kannte. Das Futter er- 
hielten die Thiere in von allen Seit^ verschlossenen, von oben 
her zu öffnenden Holzkästen, welc' mitteist einer Scheidewand 
in zwei Abtheilungen gebracht ^aren, damit bei combinirtem 
Futter die Futterstoffe getre nnt vorgelegt und die zurück- 
gelassenen Reste gesondert f^jntfernt werden konnten. 

Zu dem in diesen Abt^aeilungen befindlichen Futter vermoch- 
ten die Thiere nur durcii eine ovale, den Kopf bequem hin- 
durchlassende Oeffnung zu gelangen, eine Einrichtung, welche der 
Verzettelung des Futters durchaus vorbeugte. Der Stall war mit 
Mauerziegeln abschüssig gepflastert, so dass der von dem Thiere 
secernirte Harn in eine am tiefsten Punkte angebrachte Ver- 
tiefung und von dort ins Freie abfliessen konnte. Drei tägliche 
Beobachtungen ergaben das Mittel der Stalltemperatur, und ver- 
mittelst einer im Stalle aufgestellten empfindUchen Decimalwage 
von 5 Centnern Tragkraft wurde Morgens um 7 Uhr vor dem 
ersten Füttern das Lebend-Gewicht eines jeden der beiden Thiere 
ermittelt. Das Futter wurde ihnen in drei Rationen, Morgens 
7 Uhr, Mittags 12 Uhr und Abends 7 Uhr vorgelegt, das im 

Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1S73. i 



2 



Laufe des Tages nicht verzehrte Futter jeden Morgen entfernt, 
zurückgewogen, die gesammten Futterreste einer jeden Versachs- 
periode vereinigt und zur nachmaligen Untersuchung aufbewahrt. 
Eine Controle der pro Tag gesoffenen Wassermengen fand eben- 
falls statt. Vor der Morgen-Fütterung nahm man täglich eine 
sorgfältige Reinigung der Futterkästen vor , weil längere Zeit 
in denselben verbleibende geringe Futterreste leicht schimmlig 
Vierden, und das Vorhandensein solcher die Fresslust der Thiere 
beeinträchtigen konnte. Die Ansammlung der Darmexcremente 
geschah in den bekannten und bewährten zuerst in Dahme und 
Dresden angwandten Kothbeuteln ; letztere wurden dreimal täg- 
lich in verschliessbare Glasgefässe entleert, der gesammte Tages- 
koth Morgens vorwogen, und nachdem derselbe zu den weiter 
anzustellenden Untersuchungen vorbereitet worden, aufbewahrt. 

Der Fütterungsversuch währte im Ganzen 80 Tage und zer- 
fiel in fünf verschiedene 16tägige Perioden. In jeder einzelnen 
dieser fünf Versuchsreihen galten die ersten acht Tage als Vor- 
fütterung; das Thier sollte sich in dieser Zeit an das verän- 
derte Futter gewöhnen, und es sollte annähernd diejenige Futter- 
menge festgestellt werden, bei welcher das Körpergewicht ein 
constantes blieb. Nach Verlauf dieser Zeit war dann mit Sicher- 
heit anzunehmen, dass die von den früheren Fütterungen her- 
rührenden unverdauten Futterantheile den Thierkörper vollstän- 
dig verlassen hatten. 

Bei den gewählten Futterrationen gelang es, beide Thiere 
nahezu im Beharrungszustande zu erhalten, bis auf die zweite 
Periode (Fütterung mit Lupinenheu und Stroh) , in welcher 
namentlich bei Hammel I eine Körperzunahme nicht zu ver- 
meiden gewesen war. Hammel H wurde während dieser Ver- 
suchsreihe von so starken Blähungen und Verstopfung heim- 
gesucht, dass der eigentliche Versuch nach 5 Tagen unterbrochen 
werden musste. Durch einige Löffel Ricinusöl und das Weg- 
lassen des Heues aus der Futterration vermochte man jedoch 
nach wenigen Tagen diese Krankheitserscheinungen zu be- 
seitigen, so dass dasselbe Thier auch zu den folgenden drei 
Versuchsreihen benutzt werden konnte. Symptome der an- 
geführten Art sollen sich nach der Erfahrung mehrerer mir 



3 



befreundeter Landwirthe nicht selten bei ausscbliesslicher Fütte- 
rung der Schafe mit Lupinenheu und Stroh einstellen, jedoch 
meist nach wenigen Tagen verschwinden. Diese Erscheinungen 
sind bekanntlich, wie die Arbeiten von Eichhorn, Sie wert 
und Ad. Beyer nachgewiesen haben, einem Gehalte der Lu- 
pinenpflanze, namentlich der Samen an einem oder mehreren 
höchst giftigen Pflanzen - Alkaloiden von dem Coniin ähnlicher 
Zusammensetzung zuzuschreiben . 

Jedes der beiden Versuchsthiere erhielt neben dem Putter 
täglich 10 Grm. Salz. Das Stroh wurde nur als Häcksel verab- 
reicht und auch das Heu ebenfalls in dieser Form, sobald ich 
bemerkte, dass die Thiere aus dem ungeschnittenen Heu nur die 
zarteren Th eile auswählten. Die für jede Futterration bestimmte 
Menge des Samens liess ich etwa 20 Stunden vor dem Verfüt- 
tern mit wenigem Wasser einquellen. In diesem erweichten 
Zustande mundete er den Thieren vortrefflich, sie frassen ihn 
mit Begierde aus den dazu bestimmten Blechgef ässen , ohne je- 
mals einen Rest zu hinterlassen. Die verwendeten Futterstoffe 
stammten aus Coswig in der Nähe von Dessau und die zur Heu- 
werbung bestimmten Lupinenpflanzen befanden sich, als sie ge- 
schnitten wurden, in der Wachsthumsperiode des beginnenden 
Ansatzes der Kapseln.. Da kurz nach dem Schnitte ein gelinder 
Regen gefallen war, so musste das Heu, wenn auch trocken, so 
doch ziemlich reichlich mit Sand behaftet, verfüttert werden, 
ein Uebelstand, welcher besonders die Probennahme, behufs der 
Untersuchung, erschwerte^). 



1) Die ausgeführten Fütterungsversuche waren sogenannte Ausnutzungs- 
versuche, sie hatten den Zweck, nachzuweisen, in welchem Grade die -wich- 
tigeren NährstofFgruppen des Heues und Strohes der gelben Lupine für sich 
und gemeinschaftlich verfüttert durch ausgewachsene Hammel verwerthet 
werden , und welchen Einfluss eine Beigabe der protem- und fettreichen 
Lupinensamen auf die Ausnutzung der genannten Futterstoffe ausübt. Die 
Schwierigkeiten einer solchen Aufgabe liegen z. Th. in der noch ungenügend 
ausgebildeten Futter- Analytik, dann aber auch in dem Umstände, dass nicht 
nur die verschiedenen Thiergattungen, sondern innerhalb einer Gattung auch 
die Racen und in gewissem Grade sogar die einzelnen Individuen eine 
verschiedene Ausnutzungsfähigkeit besitzen, und dass deshalb nur die 
ermittelten Durchschnitts -Werthe einer grösseren Anzahl von Versuchen als. 

1* 



4 



Die Untersuchung der Futterstoffe und der Kothe geschab 
nach den im Jahrgange 1865 des Henneberg'schen Journales 
für Landwirthschaft von G. Kühn, L. Aronstein und 
H. Schulze veröffentlichten Methoden. An geeigneter Stelle 
soll derjenigen Fälle gedacht werden, in denen eine geringe 
Abweichung von diesen Untersuchungsmethoden stattgefunden 
hat, und bemerke ich bei dieser Gelegenheit, dass ein Theil der 
Untersuchungen von meinem früheren Assistenten, Herrn W. Jani, 
ausgeführt worden ist. 

Die nachstehende Tabelle I giebt ein Bild von der Zusammen- 
setzung der zur Verwendung gekommenen Futterstoffe im luft- 
trockenen und im wasser- und sandfreien Zustande. Von den 
Futterresten wurden aus oben bereits angeführten Gründen nur 
die verschiedenen Heurückstände einer besondern Prüfung unter- 
worfen, während das von den Thieren zurückgelassene Stroh- 
häcksel, abgesehen von dem verschiedenen Feuchtigkeitsgehalt^ 
in seiner äussern Beschaffenheit eine so grosse Uebereinstimmung 
mit dem vorgelegten Strohe zeigte, dass von seiner Unter- 
suchung Abstand genommen werden konnte. Dass aber eine 
solche bei den Heurückständen geboten war, lehrt eine Verglei- 
chung der bei der Untersuchung des Heues selbst und der ver- 
schiedenen Rückstände desselben gewonnenen Resultate. Aus 
dem Grunde habe ich in Tabelle I auch die Zusammensetzung 
der Heurückstände mit aufgenommen. Unter der Bezeichnung 
»lufttrocken« ist derjenige Feuchtigkeitszustand zu verstehen, 
den die Futtermittel und Kothe besitzen, sobald sie während 
12 Stunden einer Temperatur von 60*^ ausgesetzt waren, und 
darauf etwa 2 Tage, die Kothe, nachdem sie gemahlen, in 
einem Zimmer an der Luft gelegen haben, wo hingegen der 
Ausdruck »Trockensubstanz« sich auf die vom Wasser befreit 
gedachten Futtermittel und Kothe bezieht. 



brauchbar erscheinen. Inwieweit die Ergebnisse der vorliegenden Versuche 
allgemeinere Gültigkeit beanspruchen dürfen, wird aus dem ferneren Ver- 
aufe der Abhandlung sich ergeben. 



5 



Tabelle I. 

Zusammensetzung der Futtermittel (lufttrocken). 









1 


Lupinenheu-Rückstände. 


Bestand theile. 


inen 
nen. 


inen 
•oh. 


inen 
eu. 




}i II. 
e 1. 




3l II. 

Q TT 

e 11. 




i-i I> 
'S « 




5" CS 


^ Od 




amm 
eriod 


immc 
'eriod 


amm 
eriod 


■1 


amm 
eriod 






















W ^ 


"Wasser . 


i 10.07 


10,34 


9,11 


10,91 


10,85 


10,72 


10,41 


12,19 


13,71 




3,36 


3,08 


4,12 


4,27 


4,80 


4,06 


4,20 


5,43 


8,30 


Sand 


0,17 


0,16 


6,26 


5,06 


8,05 


1,48 


5,69 


16,47 


14,16 




43,35 


6,23 


23,53 


25,16 


25,81 


26,38 


25,44 


25,07 


18,77 


Fett 


3,87 


1,10 


1,99 


1,89 


2,01 


2,01 


2,27 


1,11 


1,47 




13,33 


43,46 


25,56 


16,68 


15,98 


17,75 


24,12 


14,15 


17,64 


Stickstofffreie Ex- 




















tractivstoflfe . . j 


25,85 


35,63 


29,43 


36,03 


32,50 


37,60 


27,87 


25,58 


25,95 


II 100,00] 100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


100,00| 100,00] 100,00] 100,00 



Zusammensetzung der Futtermittel in wasser- und 
sandfreiem Zustande. 



Salze j 


3,74 


3,44 


4,87 


5,08 


5,92 


4,62 


5,01 


7,61 


11,51 




48,30 


6,96 


27,80 


29,94 


31,82 


30,05 


30,32 


35,14 


26,02 


Fett 


4,31 


1,23 


2,35 


2,25 


2,48 


2,29 


2,71 


•1,56 


2,04 




14,85 


48,56 


30,20 


19,85 


19,70 


20,22 


28,75 


19,83 


24,46 


Stickstofffreie Ex- 




















tractivstoffe . . 


28,80 


39,81 


34,78 


42,88 


40,08 


42,82 


33,21 


35,86 


35,97 




100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


100,00 



Obschon der Zweck der vorliegenden Versuche dies nicht 
erheischte, sind von den in den Lupinensamen enthaltenen Sal- 
zen die einzelnen Bestandtheile der Vollständigkeit der Unter- 
suchung halber quantitativ festgestellt und in 100 Theilen der 
kohlensäurefreien Asche gefunden: 

2,95 Sand 

1,11 lösliche Kieselsäure 

1,49 Chlor 

8,98 Schwefelsäure 

36,57 Phosphorsäure 

0,13 Eisenoxyd 

7,87 Kalkerde 

12,86 Magnesia 

26,93 Kali 

1,73 Natron 
100,62 

0.34 dem Chlor aequivalenter Sauerstoff 
100,28. 



6 



Die fünf Abschnitte, in welche der Ftitternngsversuch zer- 
fiel, reihen sich in folgender Weise aneinander : 

Versuchsreihe I Fütterung mit Lupinen heu, 

)) II » » Lupinenheu und Stroh, 
» III » » Lupinenstroh, 
» IV » )) Lupinenstroh und Samen, 
» V » » Lupinenheu und Samen. 

Eine Uebersicht über die bei der verschiedenen Art der 
Fütterung erhaltenen Resultate gewähren die nachstehenden Ta- 
bellen II bis VI. In denselben ist ausser dem täglich genosse- 
nen Wasserquantum, dem täglich ermittelten Lebend-Gewicht und 
der Stalltemperatur die Menge des pro Tag hingereichten und 
zurückgelassenen Futters, sodann diejenige des Tageskothes im 
feuchten und lufttrockenen Zustande tabellarisch geordnet nieder- 
gelegt. Alle Zahlenangaben ohne nähere Bezeichnung sind als 
Grammwerthe zu betrachten. 

Die während der Vorfütterung gemachten Beobachtungen 
habe ich behufs besserer Einsicht in den ganzen Fütterungs- 
versuch ebenfalls in den Tabellen aufgeführt bis auf die Ver- 
suchsreihe I , in welcher nur in den letzten Tagen der acht- 
tägigen Vorfütterung das consumirte Futterquantum und das 
Lebend-Gewicht controlirt worden war, und von welcher daher 
die betreffenden Aufzeichnungen ganz fortgelassen worden sind. 

Einer jeden Versuchsreihe wurden die als Unterlage für die 
Berechnung der Futter- und Koth-Trockensub stanz dienenden An- 
gaben über die procentischen Wassermengen beigefügt, welche 
die in Betracht kommenden Futterstoffe und der ausgeschiedene 
Koth verloren hatten, sobald sie zum Zwecke ihrer späteren ein- 
gehenden Untersuchung lufttrocken gemacht und in diesem Zu- 
stande in luftdicht verschlossenen Gefässen aufbewahrt worden 
waren. Nur in einem einzigen Falle zeigte das vom Boden 
entnommene Stroh einen geringeren Wassergehalt als im luft- 
trockenen Zustande. 



Tabelle II. 

Tersuchsreilie I. Fütterung Diit Lupineuheu. 



Monat, 


Datum. j 






Hammel 


I. 




Hammel II. 


Wasser. 


Vorgelegtes 
Heu. 


Heu- 
riickstand. 


Entleerter 
Koth 


Lebend- 
Gewiclit. 


Gesoffenes 
Wasser. 


Vorgelegtes 
Heu. 


Heu- 
rückstand. 


Entleerter 
Koth 


Lebend- 
Gewicht. 


Stalltempe- 
ratur E. 


feucht. 


luft- 
trocken. 


feucht. 


luft- 
trocken. 


August 


25 


2615 


1000 


174 


681 


306,72 


33432 


773 


1000 


258 


389 


157,26 


33583 


170 




26 


2195 


1000 


153 


660 


297,86 


32979 


1893 


1000 


299 


445 


190,38 


34799 


160 




27 


2090 


1000 


149 


708 


310,25 


32699 


825 


1000 


168 


448 


201,37 


34517 


180 




28 


2200 


1000 


172 


836 


369,93 


33166 


1400 


1000 


227 


585 


262,73 


35232 


190 




29 


2665 


1000 


142 


754 


324,90 


33448 


1543 


1000 


271 


536 


248,86 


35116 


170 




30 


2316 


1000 


95 


770 


341,96 


33332 


1480 


1000 


247 


560 


262,14 


35583 


160 




31 


1370 


1000[109 


805 


368,13 


33050 


808 


1000 


241 


522 


247,48 


35133 


140 


Septbr. 


1 


2086 


1000!103 


809 


353,45 


33398 


715 


1000 


273 


623 


291,50 


34766 


130 



Anmerkung zur Periode I. 

Bei Ueberführung in den lufttrockenen Zustand verlor an Wasser : 

das vorgelegte Heu 4,91 o/q 

der Heurückstand vom Thiere I . . 3,24 » 
» » » » II . . 5,74 n 

» Koth vom Thiere I 55,62 » 

» » » »II 54,68 » 

Tabelle III. 

Tersuchsreilie II. Fütterung mit Lupinenlieu und Stroh. 



A. Vorfütterung. 



Monat. 


Datum. 


Hammel I. 


Hammel II. 


Verzehr 


an 


Entleerter 
Koth. 


Lebend- 
Gewicht. 


Verzehr an 


Entleerter 
Koth. 


Lebend- 
Gewicht. 


Stalltempe- 
ratur R. 


Wasser. 


Heu. 


Stroh. 


Wasser. 


Heu. 


Stroh. 


Septbr. 


2 


3708 


426 


992 


935 




3208 


308 


985 


690 




140 




3 


2453 


408 


770 


953 




1492 


317 


825 


789 




120 




4 


1908 


343 


780 


1197 




1655 


295 


809 


835 




130 




5 


1859 


412 


803 


1455 




1090 


315 


562 


768 




140 




6 


2577 


416 


812 


1383 


38000 


713 


321 


713 


992 


38000 


150 




t 


1638 


405 


874 


1460 


37500 


1030 


323 


664 


918 


38000 


160 






2175 


417 


758 


1385 


37249 


1822 


270 


651 


938 


38166 


180 






2269 


395 


869 


1487 


37116 


1439 


318 


754 


1045 


38199 


180 



8 



B. Eigentlicher Fütterungsversucli. 



Monat. 


Datum. 1 


Hammel I. 


Hammel II. 


Gesoffenes 
Wasser. 


Vorgelegtes 
Heu. 


Heurückstand. 


Vorgelegtes 
Stroh. 


Strohrückstand. 


Entleerter 
Koth 


Leben d- 
Ge wicht. 


Gesoffenes 
Wasser. 


Voi'gelegtes 
Heu. 


Heurückstand. 


Vorgelegtes 
Stroh. 


Strohrückstand. 


Entleerter 
Koth 


Lebend- 
Gewicht. 


E i 

t ■ 


feucht. 


luft- 
trocken. 


feucht. 


luft- 
trocken. 


Sept. 


10 


1954 


500 


100 


1000 


189 


1380 


559,59 


36666 


1128 


500 


20411000 


167 


1045 


493,87 


37666 


19 




11 


2141 


500 


115 


1000 


165 


1221 


515,65 


36832 


1572 


500 


199 


1000 


271 


877 


418,86 


38332 


IS 




12 


2095 


500 


106 


1000 


174 


1300 


559,38 


37666 


1428 


500 


237 


1000 


232 


890 


452,57 


38666 


15 




13 


2195 


500 


95 


1000 


114 


1209 


521,32 


37915 


1441 


500 


223 


1000 


215 


1088 


541,93 


38666 


14 




14 


1784 


500 


97 


1000 


139 


1342 


577,46 


38166 


1210 


500 


242 


1000 


276 


870 


418,64 


38832 


13 




15 


1400 


500 


122 


1000 


219 


1277 


546,43 


37832 


















U 




16 


2485 


500 


103 


1000 


134 


1417 


605,2 


38168 


















14 


» 


17 


1986 


500 


91 


1000 


76 


1347 


552,27 


38749 






■ 












14 



Anmerkung zur Periode II. 

Bei Ueberführung in den lufttrockenen Zustand verlor an Wasser: 

das vorgelegte Heu 4,300/q 

der Heurückstand vom Thier e I . . 7,26 » 
» Strohrückstand » » I . . * 3,62 » 
» Heurückstand » » II . . 5,39 » 
» Strohrückstand » » II . . 5,27 » 

» Koth vom Thiere I 57,71 » 

). » » «II 59,12 « 

Dagegen nahm noch Wasser auf: 

das vorgelegte Stroh 3,10 » 



Tabelle IV. 

Tersuclisreihe III. Fütterung mit Lupinenstroli. 



A. Vorfütteruiig. 



Monat. 


Datum. 


Hammel I. 


Hammel II. 


Verzehr an 


Entleerter 
Koth. 


Lebend- 
Gewicht. 


Verzehr an 


Entleerter 
Koth. 


Lebend - 
Gewicht. 


g >— 

CO 


Wasser. 


Stroh. 


Wa.sser. 


Stroh. 


Septbr. 


18 


3190 


1349 


1523 


39249 


1435 


955 






160 


» 


19 


2026 


1260 


1297 


39249 


1046 


302 






160 


M 


20 


2088 


1218 


1350 


39415 


2247 


820 





— 


190 


» 


21 


1750 


1224 


1557 


39332 


2121 


1167 


1155 


40166 


130 




22 


2181 


1285 


1507 


39666 


1230 


1142 


1244 


39832 


140 


» 


23 


2198 


1210 


1603 


39865 


2077 


1181 


1197 


40332 


130 




24 


1290 


1129 


1623 


39415 


1313 


1131 


1250 


39832 


130 




25 


2166 


1133 


1709 


39166 


1430 


633 


1052 


39166 


15 0 



0 



9 



B. Eigentlicher Fütterungsversucli. 



Monat. 


Datum. j 






Hammel 


I. 




Hammel II. 


Gesoffenes 
Wasser. 


Vorgelegtes 
Stroh. 


Stroh- 
rückstand. 


Entleerter 
Koth 


Lebend- 
Gevvicht. 


Gesoffenes 
Wasser. 


Vorgelegtes 
Stroh. 


Stroh- 
rückstand. 


Entleerter 
Koth 


Lebend- 
Gewicht. 


Stalltempe- 
ratur R. 


feucht. 


luft- 
trocken. 


feucht. 


luft- 
trocken. 


Septbr. 


26 


2026 


1250 


76 


1254 


465,48 


39116 


446 


1250 


303 


1187 


482,28 


38500 


150 




27 


1774 


1250 


104 


1385 


534,19 


38882 


1503 


1250 


50 


1112 


489,27 


38666 


140 


» 


28 


1950 


1250 


109 


1313 


498,15 


39050 


2380 


1250 


20 


1193 


518,60 


39716 


140 


» 


29 


2082 


1250 


118 


1314 


502,47 


39083 


1720 


1250 


82 


1290 


541,15 


39749 


150 




30 


2450 


1250 


101 


1400 


516,04 


39415 


1705 


1250 


58 


1042 


458,58 


40415 


150 


Octbr. 


1 


1653 


1250 


116 


1418 


521,11 


39083 


1194 


1250 


262 


1115 


477,11 


40429 


160 


» 


2 


1770 


1250 


131 


1533 


541,76 


39083 


1006 


1250 


407 


1212 


465,17 


39583 


140 


» 


3 


1642 


1250 


140 


1491 


510,07 


38749 


1637 


1250 


431 


1236 


467,08 


39415 


140 



Anmerkung zur Periode III. 

Bei TJeberführung in den lufttrockenen Zustand verlor an Wasser : 

das vorgelegte Stroh 2,04 o/q 

der Strohrückstand vom Thiere I . . 8,03 » 
» » » " II . . 6,53 » 

» Koth vom Thiere I 63,19 » 

» )) »II 58,46 » 



Tabelle V. 

Yersuchsreihe IT. Fütterung mit Lupinenstroh und Samen. 



A. Vorftitterimg. 



Monat. 


Datum. 




Hammel 


I. 






Hamme] 


II. 






Verzehr 


an 


Entleerter 
Koth. 


Lebend- 
Gewicht. 


Verzehr an 


Entleerter 
Koth. 


Lebend- 
Gewicht. 


Stalltempe- 
ratur E. 


Wasser. 


Stroh. 


Samen. 


Wasser. 


Stroh. 


Samen. 


Octbr. 


4 


1785 


761 


70 


1316 


37915 


268 


757 


70 


944 


39249 


140 


» 


5 


1382 


800 


70 


1060 


37332 


1570 


800 


70 


890 


38832 


130 


» 


6 


1616 


1000 


70 


1213 


37166 


1301 


1000 


70 


1039 


38832 


130 


» 


7 


1540 


1000 


70 


1108 


37259 


1462 


1000 


70 


1135 


38915 


120 


» 


8 


1618 


1000 


70 


1077 


37332 


1030 


1000 


70 


972 


39166 


110 




9 


1944 


980 


70 


1001 


37500 


1542 


1000 


70 


954 


39583 


110 


» 


10 


1594 


978 


70 


1020 


37759 


1298 


1000 


70 


979 


39716 


120 


» 


11 


1292 


985 


70 


1101 


37716 


611 


992 


70 


1065 


39166 


110 



10 



B. Eigentlicher Fütteruiigsversuch. 



Monat. 


Datum. 


Hammel I. 








Hammel 


n. 






Gesoffenes 
Wasser. 


Vorgelegtes 
Stroh. 


Strohrückstand. 


Verzehrte 
Samen. 


Entleerter 
Koth 


Lebend- 
Gewicht. 


Gesoffenes 
Wasser. 


Vorgelegtes 
Stroh. 


Strohrückstand. 


Verzehrte 
Samen. 


Entleerter 
Koth 


Lebend - 
Gewicht. 


Stalltemperatur 

1 l>r<n. ....... 


feucht. 


luft- 
trocken. 


feucht. 


luft- 
trocken . 


Octbr. 


12 


1298 


1000 


17 


70 


1108 


446,74 


37500 


1654 


1000 


17 


70 


1000 


438,80 


39749 


Ii 


» 


13 


1194 


1000 


9 


70 


1009 


420,55 


37415 


690 


1000 


6 


70 


1003 


442,72 


39332 


13 


» 


14 


1833 


1000 


14 


70 


1023 


445,93 


37915 


1600 


1000 


8 


70 


1070 


470,16 


39583 


12 


» 


15 


1304 


1000 


14 


70 


1030 


431,57 


37915 


720 


1000 


21 


70 


982 


445,53 


39332 


10 




16 


1469 


1000 


33 


70 


1163 


459,15 


37865 


1706 


1000 


12 


70 


1147 


498,60 


39865 


10 


» 


17 


1347 


1000 


*17 


70 


1085 


431,18 


37749 


1511 


1000 


10 


70 


1161 


480,07 


39583 


10 




18 


1727 


1000 


20 


70 


1030 


440,38 


38083 


635 


1000 


24 


70 


1123 


473,23 


39166 


9 




19 


1162 


1000 


37 


70 


1084 


469,37 


37915 


1203 


1000 


22 


70 


1152 


501,93 


39166 


s 



Anmerkung zur Periode IV. 

Bei Ueberführung in den lufttrockenen Zustand verlor an Wasser: 

das verfütterte Stroh 3,51 % 

der Strohrückstand vom Thiere I . . 3,37 » 
» » » » II . . 8,33 » 

» Koth vom Thiere I 58,51» 

» » » »II 56,58 » 



Tabelle VI. 

Tersuchsreihe T. Fütterung mit Lupinenheu und Samen. 



A. Vorfütterung. 



Monat. 


Datum. 




Hammel 


I. 




Hammel II. 


Verzehr 


an 


Entleerter 
Koth. 


Lebend- 
Gewicht. 


Verzehr 


an 


Entleerter 
Koth. 


Lebend- 
Gcwicht. 




Wasser. 


Heu. 


Samen. 


Wasser. 


Heu. 


Samen. 


Octbr. 


20 


219 


681 


70 


672 


36166 


24 


617 


70 


754 


37915 


80 


» 


21 


1024 


543 


70 


673 


36050 


706 


568 


70 


640 


36716 


80 


» 


22 


1168 


759 


70 


797 


35583 


338 


618 


70 


613 


355S3 


70 




23 


1365 


746 


70 


855 


35465 


528 


638 


70 


538 


35166 


70 


» 


24 


1305 


787 


70 


820 


35500 


603 


652 


70 


362 


35166 


70 


» 


25 


1400 


809 


70 


862 


35116 


1404 


695 


70 


600 


35415 


80 


» 


26 


1247 


833 


70 


801 


34915 


720 


693 


70 


441 


35332 


70 


» 


27 


1319 


843 


70 


649 


34500 


1314 


754 


70 


597 


35583 


70 



11 



B. Eigentlicher Ftitternngsversuch. 







Hammel I. 








Hammel 


n. 






Monat. 


Datum. 


Gesoft"enes 
Wasser. 


Vorgelegtes 
Heu. 


eö 

CO 

^ 

■■^ 
S-i 

:S 

<u 

K 


Verzehrte 
Samen. 


Entleerter 
Koth 


Lebend- 
Gewicht. 


Gesoffenes 
Wasser. 


Vorgelegtes 
Heu. 


Heurückstand. 


Verzehrte 
Samen. 


Entleerter 
Koth 


Lebend- 
Gewicht. 


Stalltemperatur 
Reaumur. 


feucht. 


luft- 
trocken. 


feucht. 


luft- 
trocken. 


)ctbr. 


28 


1275 


900 


56 


70 


547 


259,33 


34533 


467 


900 


150 


70 


472 


252,05 


34699 


50 


» 


29 


1661 


900 


52 


70 


764 


360,53 


35083 


1748 


900 


175 


70 


410 


231,53 


35832 


50 




30 


1254 


900 


40 


70 


753 


335,39 


34799 


787 


900 


151 


70 


571 


319,25 


35666 


50 




31 


1286 


900 


38 


70 


672 


307,04 


34832 


1155 


900 


104 


70 


387 


217,88 


35832 


50 


lovbr. 


1 


1201 


900 


12 


70 


668 


309,95 


34915 


423 


900 


164 


70 


548 


290,60 


35332 


60 


» 


2 


1290 


900 


6 


70 


643 


319,89 


35533 


1693 


900 


119 


70 


550 


316,63 


35832 


70 


» 


! 3 


1042 


900 


5 


70 


772 


376,27 


35216 


1195 


900 


118 


70 


542 


313,60 


35749 


80 




I -4 


1645 


900 


4 


70 


663 


311,21 


35465 


488 


900 


112 


70 


500 


294,95 


35465 


70 



Anmerkung zur Periode V. 

Bei Ueberführung in den lufttrockenen Zustand verlor an Wasser : 

das vorgelegte Heu 2,66 o/g 

der Heurückstand vom Thiere I . . 10,48 » 
» » » i) II . . 5,70 » 

» Koth vom Thiere I 53,13 » 

» » » »II 43,81 » 

Um nimmehr zu ermitteln, welche An th eile der in den ver- 
zehrten Futtermitteln enthaltenen Nährstoffgruppen beim Durch- 
gange durch den Körper der beiden Versuch sthiere assimilirt 
worden sind, müssen wir uns zuvor mit der Zusammensetzung 
des während der einzelnen Versuchsreihen ausgeschiedenen Darm- 
kothes bekannt machen und stelle ich daher in der Tabelle VII 
die bei der Untersuchung desselben gewonnenen Kesultate zu- 
sammen, einmal auf die lufttrockene und dann auf die vom 
Sande und Wasser befreit gedachte Substanz bezogen , da diese 
beiden Bestandtheile als unwesentlich eliminirt werden müssen, 
wenn wir uns ein Urtheil über das quantitative Verhältniss, in 
welchem die wesentlichen Bestandtheile der Darmausscheidungen 
zu einander stehen, bilden wollen. Das Material für die Koth- 
untersuchungen wurde in der Weise hergestellt, dass aliquote 
Theile der in den einzelnen Tagen ausgeschiedenen Kothe im 
lufttrockenen Zustande und in dem quantitativen Verhältniss 



12 



gemischt wurden, in welchem die Tageskothe nach dem Ver- 
suche standen. 

Tabelle VII. 



Zusammensetzung der Kothe (lufttrocken). 







Hammel 


I. 




Hammel II. 


Bestandtheile, 


iode I. 


iode II. 


Ode III. 


Ode IV. 


iode V. 


iode I. 


l-H 

a 

.2 


Ode III. 


> 

ü 
TS 

o 


i> 

_o 




u 

V 


u 


Peri 






<ü 


a> 
Pi 




u 

<u 
Cm 




"Wasser 


8,03 


10,65 


11,60 


10,29 


9,44 


8,00 


10,74 


11,39 


11,05 


9,66 


Salze 


6,52 


4,25 


3,86 


4,04 


6,93 


6,67 


4,34 


3,66 


3,71 


6,74 


Sand 


15,61 


6,12 


1,59 


1,89 


16,56 


17,26 


3,83 


1,28 


1,63 


15,51 


Protein 


15,36 


11,78 


8,25 


10,31 


16,38 


17,06 


10,38 


8,56 


9,78 


15,98 


Fett 


4,15 


2,54 


1,80 


1,79 


3,93 


3,34 


2,17 


1,52 


1,57 


3,73 


Rohfaser .... 


20,67 


40,96 


45,81 


43,70 


22,28 


17,82 


39,54 


46,93 


47,12 


27,35 


Stickstofffreie 






















Extractivstoffe 


29,66 


23,70 


27,09 


27,98 


24,48 


29,85 


29,00 


26,66 


25,14 


21,03 



^ ^ ' ? f 7 71 7 / 

II 100,00| 100,00| 100,00| 100,00| 100,00 1 100,00| 100,001 100,001 100,001 100,00 



Zusammensetzung der Kothe in wasser- uud 
sandfreiem Zustande. 





8,54 


5,11 


4,45 


4,60 


9,36 


8,92 


5,08 


4,19 


4.25 


9,01 




20,12 


14,15 


9,50 


11,74 


22,13 


22,83 


12,15 


9,80 


11,20 


21,36 


Fett 


5,43 


3,05 


2,07 


2,04 


5,31 


4,47 


2,54 


1,74 


1,80 


4,98 


Rohfaser .... 


27,07 


49,21 


52,77 


49,76 


30,10 


23,84 


46,28 


53,74 


53,96 


36,55 


Stickstofffreie 






















Extractivstoffe 


38,84 


28,48 


31,21 


31,86 


33,10 


39,94 


33,95 


30,53 


25,79 


28,10 




100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


100,00 1 100,00 


100,00 


100,00 


100,00 


100,00 



In Betreff der Ermittelung der Rohfaser in den sämmtlichen 
bisher aufgeführten Futtermitteln und Kothen habe ich Folgendes 
zu bemerken. 

Die Methode der Darstellung der Rohfaser aus den Futter- 
mitteln und Kothen war im Wesentlichen die in Weende übliche. 
Eine geringe Abweichung i) bestand darin, dass das aus dem 
sauren Auszuge sich abscheidende Sediment nicht, sobald es 



1) E. Schulze und M. Märcker haben, wie aus einer im Journ. f. 
Landw. 1870, S. 21 veröffentlichten Abhandlung hervorgeht, die Rohfaser- 
bestimmung in ähnlicher Weise modificirt. 



13 



ausgewaschen, der später erhaltenen Menge der Rohfaser direet 
zugeführt, sondern dass dasselbe zuvor mit dem alkalischen Aus- 
zuge einige Stunden erhitzt und der Rückstand mehrere Male 
mit Wasser ausgewaschen wurde. Der so erhaltene und mit 
der nach Einwirkung der alkalischen Lösung hervorgegangenen 
Rohfaser auf dem Filter vereinigte Rückstand unterlag dann der 
Auswaschung, bis das Filtrat ungefärbt ablief, also nichts Or- 
ganisches mehr gelöst wurde. Nach Hinzufügung eines Tropfens 
Schwefelsäure, um die letzten für sich schwer zu entfernenden 
Antheile von Kali zu neutralisiren , wurde darauf die Aus- 
waschung mit Wasser bis zur Erschöpfung fortgesetzt. Durch 
diese unbedeutende Abänderung in der Methode ermöglichte man, 
auch den kleinen Antheil der nur der Säure ausgesetzt gewe- 
senen Substanz, welche bei der Weender Methode direet der 
Rohfaser hinzugefügt wird, noch von der durch die Behandlung 
mit Säure ungelöst gebliebenen, nicht als Rohfaser anzuspre- 
chenden organischen Substanz zu befreien. Man könnte diese 
Abänderung des Verfahrens dahin bemängeln, dass bei dem Zu- 
satz der alkalischen Flüssigkeit zu dem sauren Sedimente, die 
in der sauren Flüssigkeit gelöste organische Substanz durch 
das Alkali von Neuem ausgeschieden werden könne. Aber ein- 
mal ist die Menge der in Betracht kommenden sauren Flüssig- 
keit, also auch die der etwa darin gelösten organischen Sub- 
stanz, nur eine sehr geringe, und überdies besteht letztere zum 
Theile aus durch die Schwefelsäure gebildetem Zucker, der 
durch das Alkali nicht ausgeschieden wird. 

Die Resultate, welche nach dieser in der besprochenen 
Weise modificirten Methode erhalten wurden, fallen procentisch 
etwas niedriger aus, als die nach der unabgeänderten Weender 
Methode gewonnenen, was dafür sprechen würde, dass bei der 
letzteren ein geringer Theil der organischen Nichtfasersubstanz 
der lösenden Wirkung der alkalischen Flüssigkeit entzogen ist. 
So wurden bei der Darstellung der Rohfaser aus der Trocken- 
substanz des Kothes nach der einen und andern Methode fol- 
gende Werthe erhalten: 

Nach der unveränderten Weender Methode: 

55,67 o/o, 55,58 o/q und 57,22 o/q, Mittel 56,26 o/q. 



14 



Nach der modificirten Methode : 

53,750/0, 54,390/0 und 54,51 0/q, Mittel 54,220/o. 

Die elementare Zusammensetzung der beiden so erhaltenen 
Rohfasern zeigte keine erhebliche Verschiedenheit. In der 
aschenfrei gedachten Trockensubstanz der Rohfaser wurden durch 
Verbrennung im Sauerstoffstrome mit vorgelegtem metallischen 
Kupfer nachgewiesen 

a) nach der unveränderten Methode in 2 Versuchen: 

Kohlenstoff . . 51,46 0/^ und 51,480/o, Mittel 5j,47 0/o 
Wasserstoff . . 6,35 » » 6,55 » » 6,45 » 

b) nach der modificirten Methode in 2 Versuchen: 

Kohlenstoff . . 50,86 o/^ und 50,65 0/^, Mittel 50,750/o 
Wasserstoff . . 6,40 » » 6,55 » » 6,42 « 

Eine Stickstoffbestimmung durch Verbrennung mit Natron- 
kalk hatte ergeben: 

für a) 1,48 0/^ 

» b) 1,41 « 

Darnach berechnet sich, die Differenz als Sauerstoff aufgefasst, 
folgende elementare Zusammensetzung: 

für a) für b) 

' Kohlenstoff . . . 51,47 0/^ 50,75 o/^ 
Wasserstoff . . . 6,45 » 6,42 » 

Stickstoff ... 1,48 » 1,41 >> 

Sauerstoff ... 40,60 » 41,42» 

Bringt man diesen procentalen Zahlenwertheu die elemen- 
taren Bestandtheile der den Rohfasern noch anhaftenden Pro- 
tein-Substanz für a) mit 9,25% (^.48. 6,25), für h mit 8,81 % 
(1,41. 6,25) in Abzug, so resultirt die nachstehende elementare 
Zusammensetzung der proteinfreien Rohfaser- 



für a) für b) 

Kohlenstoff . . . 51,19 0/o 50,42 o/^, 

Wasserstoff , . , 6,38 » 6,35 » 

Sauerstoff . . . 42,43 » 43,23 >. 



Bei einer Vergleichung der so ermittelten Werthe mit denen, 
die in der im Anfange citirten Abhandlung über in Weende aus- 
geführte Fütterungsversuche für die Zusammensetzung von Roh- 
faser aus dem bei der Fütterung mit Kleeheu ausgeschiedenen 



15 



Kothe gefunden sind, ergiebt sich eine fast vollständige Ueber- 
einstimmung, da nach den Weender Versuchen die Rohfaser des 
Kleeheukothes von zwei Versuchsochsen enthielt : 

L II. 

Kohlenstoff . . . 51,1 IO/q 49,62 0^ 

Wasserstoff . . . 6,87 » 6,67 » 

Sauerstoff . . . 42,01 » 43,71 » 

100,000/0 . 100,000/0. 

Unter Benutzung der in den Tabellen I— VII niedergeleg- 
ten analytischen und Versuchsergebnisse will ich nunmehr fest- 
stellen, welche Antheile von den einzelneu Bestandtheilen der 
bei den Versuchen zur Anwendung gekommenen Futtermittel 
durch das eine und das andere Thier assimilirt worden sind. 
Nach dem Vorgange Hennebergs gehe ich von der Voraus- 
setzung aus, dass die in dem Kothe nachgewiesenen Bestandtheile 
lediglich als unverdauliche Futterreste anzusprechen sind (eine 
Annahme, welche bekanntlich wegen geringer Mengen dem Kothe 
beigemischter Stofifwechselproducte nicht ganz zutrifft) und dass, 
da die im Harne ausgeschiedenen Stoffe bereits der Ernährung 
gedient haben, die Differenz zwischen den im Kothe nachgewie- 
senen Bestandtheilen und den entsprechenden des von dem Thiere 
aufgenommenen Futters als der unverdaute Futterantheil zu be- 
trachten ist. 

Zu dem Ende werde ich in der nachfolgenden übersicht- 
lichen Zusammenstellung (Tab. VIII bis XII) angeben : 

1) Welches Quantum von Futter -Trockensubstanz und von 
den darin enthaltenen Bestandtheilen in Grammen das Thier 
während der ganzen Versuchsperiode aufgenommen hat. Beim 
Heufutter ist behufs der Berechnung der oberwähnten Zusammen- 
setzung der Rückstände Rechnung getragen worden. 

2) Die Menge der ausgeschiedenen Koth - Trockensubstanz 
und die darin nachgewiesenen Bestandtheile in Grammen. 

3) Die procentischen Antheile, welche von dem Gesammt- 
futter und von den einzelnen Bestandtheilen zur Assimilation 
gelangt sind. 

Bei den Angaben über die Trockensubstanz ist nicht nur 
das Wasser, sondern auch der Sand als unwesentlich in- Abzug 
gebracht worden. 



16 



Tabelle Vin. 



Versuchsreihe I. Lupinenheu. 



Hammel I. 1 Hammel 11. 





6438,0 


Das vorgelegte Heu enthielt : < 


Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


1790,0 
151,4 
1944,4 

2238,8 
313,4 


Trockensubstanz des Heurückstandes 


892,1 


1 1516,7 


Der Heurückstand enthielt : < 


Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


267,2 
20,1 
177,1 

382,4 
45,3 


482,7 
37,6 
298,8 

607,8 
89,8 


Das verzehrte Heu enthielt : < 


Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . , 


1522,8 
131,3 
1767,3 

1856,4 
268,1 


1307,3 
113,8 
1645,6 

1631,0 

223,6 




2041,2 


1391,5 


Im Rothe waren enthalten: < 


Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


410,6 
110,9 
552,6 

792,9 
174,3 


317,6 
62,2 
331,8 

555,7 
124,2 


Von dem verzehrten Futter 
sind in Procenten ausgenutzt : * 


Stickstofffreie Ex- 
tra ctivstoffe . . 
, Salze 


73,04 
15,54 
67,10 

57,29 
a4,99 


75,72 
45,34 
79,84 

65,93 
44,45 


Gesammtausnutzung der verzehrten Futter-Trocken- 
Gesammtausnutzung der verzehrten Futter-Trocken- 


63,55 
64,63 


71,72 
73,08 



17 



Tabelle IX. 

Versuchsreihe II. Lupinenheu und Stroh. 





Hammel I. 


Hammel H. 




3239,6 


2024,8 


Das vorgelegte Heu enthielt : < 


Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstolfe . . 
, Salze 


900,7 
76,2 
978,4 

1126,6 
157,'7 


563,0 
47,6 
611,5 

704,1 
98,6 




674,9 


877,1 


Der Heurückstand enthielt: < 


' Protein 

Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


202,8 
15,5 
136,4 

289 0 
31,2 


265,9 
23,7 
252,2 

291 4 
43,9 




6338,3 


3588,0 


Das verzehrte Stroh enthielt: <! 


Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


441,2 
77,9 
3077,8 

2523 3 
218,1 


249,8 
44,1 
1742,3 

1428 3 
123,5 


In den verzehrten Futter- 
rationen waren enthalten : 


Fett 

Rohfaser 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 
, Salze 


1139,1 
138,6 
3919,8 

3*^60 9 
344,6 


546,9 
68,0 
2101,6 

178,2 




3693,1 


1987,0 


Der Koth enthielt: < 


Fett 

Kohfaser 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 
Salze 


522,7 
112,7 
1817,5 

1051,6 
188,6 


241,4 
50,5 
919,7 

674,5 
100,9 


Von dem verzehrten Futter 
sind in Procenten ausgenutzt : 


Fett 

Rohfaser 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


54,11 
18,69 
53,63 

68,71 

45,27 


55,86 
25,74 
56,24 

63,36 
43,38 


Gesammtausnutzung der verzehrten Futter-Trocken- 
Gesammtausnutzung der verzehrten Futter-Trocken- 


58,52 
59,05 


58,04 
58,61 



Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 2 



18 



Tabelle X. 
Tersuchsreihe III. Lupinenstroh. 





XXctiilllit;! X. 


pTqtvityioI TT 
XlctlllXlit/i J.X.- 


Verzehrte Stroh-Trockensubstanz 


8030,7 


7418,0 


In dem verzehrten Stroh waren 
enthalten : 


( Protein 

Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoflFe . . 


559,1 
98,7 
3899,6 

3197,0 
276,3 


516,4 
91,2 
3602,0 

2953,1 
255,3 




3549,9 


3405,2 


Im Kothe waren enthalten : < 


Fett 

Rohfaser 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 
Salze 


337,4 
73,6 
1873,3 

1107,8 
157,8 


33;:;, 7 

59,3 
1829,9 

1039,6 
142,7 


Von dem verzehrten Futter 
sind in Procenten ausgenutzt: ^ 


' Protein 

Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


39,65 

51,96 

65,35 
42,89 


35,38 

49,20 

64,46 
44,10 


Gesammtausnutzung der verzehrten Futter- Trocken- 
Gesammtausnutzung der verzehrten Futter-Trocken- 


55,76 
56,13 


54,09 
54,45 



Tabelle XI. 

Tersuchsreihe lY. Lupinenstroh und Samen. 



Hammel I. Hammel II, 





6769,8 


6sl0,5 






471,2 


474,0 




Fett 


83,2 


83. 7 


Das verzehrte Stroh enthielt: < 


Stickstofffreie Ex- ' 


3287,3 


3307,1 




tractivstoffe . . ! 


2695,1 


2711,3 






233,0 


234,4 



Verzehrte Samen-Trockensubstanz 



Die verzelirten Samen ent- 
hielten : 



Protein 

Fett 

Rohfaser 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 
Salze 



502,7 



242,8 
21,7 
74,6 

144,8 
18,8 



19 



- 


Hammel I. 


Hammel II. 


In den verzehrten Futter- 
rationen waren enthalten : * 


( Protein. ..... 

Fett 

E-ohfaser 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


714 0 
104,9 
3361,9 

2839,9 
251,8 


716 8 
105,4 
3381, / 

2856,1 
253,2 




3108,7 


3275,4 


Der Koth enthielt; < 


Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


365 0 
63,4 
1546,9 

990,4 
143,0 


366 8 
58,9 
1767,5 

943,0 
139,2 


Von dem verzehrten Futter 
sind in Procenten ausgenutzt : ^ 


Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


48 88 
39,56 
53,99 

65,13 
o6, /9 


48 97 
44,12 
47,73 

66,98 
04,9b 


Gesammtausnutzung der verzehrten Futter-Trocken- 
Gesammtausnutzung der verzehrten Futter-Trocken- 


57,26 
57,76 


55,21 
55,58 



Tabelle XH. 

Tersuclisreihe Y. Lupinenheu und Samen. 





Hammel I. 


Hammel II. 




5931,4 


Das vorgelegte Heu enthielt : < 


( Protein 

Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tra ctivstoffe . . 


1649,1 
139,5 
1791,4 

2062,6 
288,8 




136,1 


743,5 


Im Heurückstande waren ent- 
halten : ^ 


Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivätoffe . . 
Salze 


47,8 

2,1 
27,0 

48,8 
10,4 


193,5 
15,2 
181,8 

267,5 
85,5 



2* 



20 



• 


! 

Hammel I. Hammel H. 




502,7 


Die verzehrten Samen ent- 
hielten : ^ 


Rohfaser 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


242,8 
21,7 
74,6 

144.8 
IS, 8 


Die verzehrten Futterrationen 
enthielten : * 


' Protein 

Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


1844,1 
159,2 
1839,0 

2158,6 
297,2 


1698,4 
146,0 
1684,2 

1939,9 
222,1 




1909,0 


1673,5 


Der Koth enthielt: < 


Fett 

Stickstofffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


422,6 
101,4 
574,7 

631,5 
178,8 


357,4 
83,4 
611.7 

470,3 
150,7 


Von dem verzehrten Futter 
sind in Procenten ausgenutzt : 


( Protein 

Fett 

Stickstoflffreie Ex- 
tractivstoffe . . 


77,08 
36,31 
68,75 

70,74 

39,84 


77,90 
42,88 
63,68 

75,76 
32,15 


Gesammtausnutzung der verzehrten Futter-Troeken- 
Gesammtausnutzung der verzehrten Futter-Trocken- 


69,69 
70,83 


70,52 
72,15 



Resultate der Fütterungsversiiche. 

a. Rohfaser. 

Die stickstofffreie Rolifaser des Liipinenbeues (für den 
Ausdruck »stickstofffreie« wird in der Folge stets der Kürze 
halber das Zeichen »Nfr.« gebraucht werden wurde in dem vor- 
liegenden Fütterungsversuche durch beide Thiere in einem sehr 
bedeutenden Masse ausgenutzt: jedoch ersehen wir aus der Ver- 



21 



schiedenheit der beiden Ausniitzimgszahlen 67 und 80, in wel- 
chem Grade die Höhe der Ausnutzung ein und desselben Futter- 
bestandtheiles durch die Individualität des Thieres beeinflusst 
wird. Da Fütterungsversuche mit den Futterstoffen der Lupine 
bisher nicht angestellt sind, so sind wir nicht in der Lage, die 
gewonnenen Werthe mit anderen bei gleichen Versuchen erhal- 
tenen zu vergleichen. 

Bei Versuchen mit Futterstoffen ähnlicher Constitution, die 
an anderen Orten angestellt sind, ist durchweg eine niedrigere 
Ausnutzung beobachtet worden. So wurde nach Angaben G. 
Kühn's aus dem Jahre 1869 die Rohfaser von Grünklee und 
Kleeheu durch Ochsen zu 58 und 52 % bei früheren 1858 und 
1860 in Weende ausgeführten Versuchen zu 49 resp. 39 % und 
bei den in Möckern angestellten Versuchen, je nach der mehr 
oder weniger vorgeschrittenen Ausbildung der Pflanzen zu 40 — 
51 % ausgenutzt. Die Hohenheimer von E. Wolff 1871 ver- 
öffentlichten Versuche ergaben für die Ausnutzung der Kleeheu- 
faser durch Schafe ebenfalls die Durchschnittszahl 51. 

Für das in seinem Nährstoffverhältniss schon fernerstehende 
Wiesenheu fanden andere Versuchsansteller die folgenden Zah- 
len für die Rohfaserverdauung durch Rindvieh und Schafe : 

Weender Versuche (1860 — 1861) 60% (Ochsen) 

Nach Versuchen von Peters (1863) .... 63 )> (Electorals) 

» Versuchen von Hellriegel u. Lu can US 72 » (Negretti) 

» » » » » » 54 » (Schafe) 

» » » Hofmeister (1865) . . 58 » (desgl.) 

» » » » ( » ) • • 54 » (desgl.) 

Uebereinstimmendere Werthe (Hammel I (69 %) und Ham- 
mel n 64 %) bei den vorliegenden Versuchen resultirten, sobald 
neben dem Lupinenheu noch Samen (Versuchsreihe V) verfüttert 
wurden. 

Die gefundenen Ausnutzungszahlen für die Rohfaser des 
Lupinenstrohes liegen, wie dies nicht anders zu erwarten, nie- 
driger, als die bei der Heurohfaser beobachteten. Hammel I 
verdaute 52 o/^, Hammel II 49 % Stroh-Rohfaser. 



22 



Nach Weender Versuchen (1863—1865] . . 52 0/^ (Weizenstroh) 

» » » ( » ) 59 — 65 » (Haferstroh) 

» » » ( » ) . . 60 » (Roggenstroh) 

» Hellriegel u, Lucanus (1865) . . 30 « (Bohnenstroh) 

» » » » ( » ) 50 — 51 » (Roggenstroh). 



b. Stickstofffreie Extr actstoff e. 

Während die Nfr. Extractstoflfe des Lupinenheues um 10 
resp. 14 % niedriger ausgenutzt wurden, als die Rohfaser des 
Lupinenheues, bemerlien wir, dass umgekehrt die Nfr. Extract- 
stoffe des Lupinenstrohes eine um 13 resp. 15 7o höhere Aus- 
nutzung erfahren haben. Zu einer übersichtlicheren A^erglei- 
chung stelle ich die für die Ausnutzung der Nfr. Extractstoffe 
des Lupinenheues und Strohes gefundenen Zahlen mit den in 
Weende für andere Futterstoffe festgestellten zusammen: 

Hammel I. Hammel II. 



Lupinenheu (Göthen) 
Lupinenstroh » 
Kleeheu (Weende) . 
Wiesenheu » 
Haferstroh » 



570/0 66 0/0 

65,40/o 64,50/o 

71-720/0 

57 — 61 » 

42—45 » 



Was die Beziehungen zwischen der Ausnutzung der Eoh- 
faser und der Nfr. Extractstoffe ein und desselben Futtermit- 
tels betrifft, so finden wir darüber die ersten Angaben in den 
Henneberg'- und Stohmann' sehen Beiträgen zur Begründung 
einer rationellen Fütterung der Wiederkäuer. 

Aus den Resultaten der von den Genannten angestellten 
Versuche konnte man folgern, dass eine Compensation zwi- 
schen dem unverdauten Theile der Nfr. Extractstoffe und der 
verdauten Rohfaser stattfände. Denselben Schluss zog Grouven 
aus den Salzmünder Versuchen, und auch weitere in Weende zur 
Ausführung gekommene Versuche brachten im Allgemeinen eine 
Bestätigung dieser Annahme, welche in der Gleichung 

C=C' -]-h' 
ihren Ausdruck fand, in der 

C=Nfr. Extractstoffe des Futters, 
0'= Verdaute Nfr. Extractstoffe, 
7i == Verdaute Rohfaser. 



23 



Der Referent über die Weender Versuche, G. Kühn, wies 
jedoch gleichzeitig darauf hin, dass der Werth dieser Formel 
nur eine beschränkte Gültigkeit habe, insofern die gefundenen 
Ausnutzungszahlen für die verdaute Rohfaser die für die Nfr. 
Extractstotfe nicht selten übertrafen, im Maximum um ca. 17 %; 
Trotzdem war G. Kühn und wohl mit Recht der Ansicht, dass 
obige Formel für praktische Fütterungszwecke noch verwendbar 
sei, um so mehr, als die bedeutenderen Differenzen sämmtlich 
zu Gunsten der Thiere ausfallen und die wirklich verdaute 
Menge der Nfr. Futterbestandtheile meist grösser ist, als die 
aus obiger Formel abgeleitete. 

Die vorliegenden Versuche lassen diese Differenzen aber 
und zwar in demselben Sinne noch weit bedeutender hervor- 
treten. So gestaltet sich C : C -\-h' in 



Versuchsreihe I : 


Hamme] 


I . . 


. 1 


: 1,23 


» 


I: 


» 


II . . 


. 1 


1,47 


» 


II: 


» 


I . . 


. 1 


• 1,31 


» 


II: 


» 


II . . 


. 1 


1,28 


» 


III: 




I . . 


. 1 


1,29 




III: 


» 


II . . 


. 1 


1,25 




IV: 


)) 


I . . 


. 1 


: 1,29 


» 


IV: 


» 


II . . 


. 1 


1,24 


» 


V: 


» 


I . . 


. 1 


1,29 


» 


V: 




II . . 


. 1 


1,31 



Die ursprüngliche Formel wäre hiernach in der Weise ab- 
zuändern, dass die Werthe für C zwischen ^4 (^'-1-^') und 
V2 [C'-{-h') liegen. 

Setzen wir die unverdauten Nfr. Extractstofife = 1 , so er- 
halten wir für die verdaute Rohfaser die Zahlen: 

Versuch I : Versuch II : Versuch III : Versuch IV : Versuch V : 

1,53 u. 2,36 2,00 u. 1,75 1,82 u. 1,71 1,83 u. 1,71 2,00 u. 2,28 . 

Hier sehen wir demnach, dass die Menge der verdauten 
Rohfaser die der unverdauten Nfr. Extractstofife um 45 — 136% 
übertrifft und aus dem Grunde dürfte obige Formel für die Futter- 
stoffe der Lupine überhaupt nicht zu verwenden sein. Es möchte 
sogar unthunlich erscheinen, für jede einzelne der zur Ver- 
wendung gekommenen Futterrationen die Formel, entsprechend 



24 



den erhaltenen Versuchsresultaten, zu corrigiren, weil beispiels- 
weise bei purer Heufütterung das eine Thier 1,53, das andere 
2,36 Mal mehr Rohfaser zu verdauen im Stande war, als Nfr. 
ExtractstofFe unverdaut blieben. 

c. Fettartige Substanzen (Aether-Extract) . 

Der Ermittelung des Ausnutzungs-Coefficienten für diesen 
Bestandtheil der Futtermittel stellen sich wie bekannt mancherlei 
Schwierigkeiten entgegen. Einmal sind in dem Aether noch 
andere Bestandtheile der Futtermittel, wie Chlorophyll, löslich, 
andererseits gestattet die Aether -Extraction des Rothes keinen 
sicheren Schluss auf die ausgeschiedenen unverdauten Fettan- 
theile des Futters, da einige der im Rothe vorhandenen Stoff- 
Avechsel-Producte ebenfalls durch Aether aufgelöst werden. Zwar 
ist die Menge der durch den Aether in beiden Fällen ausser 
Fett zur Lösung gebrachten Substanzen an sich gering und der 
Fehler bei fettreichen Futterrationen deshalb kein erheblicher; 
hat man es aber, wie in dem vorliegenden Falle, mit Futter- 
stoffen von geringem Fettgehalte zu thun, so muss der beregte 
Umstand die für die Fettausnutzung erhaltenen Werthe wesent- 
lich alteriren. 

So begegnen wir denn auch hier Zahlen , die in Berück- 
sichtigung der leichten Verdaulichkeit der zu der Kategorie der 
Fette gehörenden Nährstoffe wenig Vertrauen verdienen. Die 
hei der Heufütterung betreffs der Ausnutzung der fettartigen 
Körper durch das eine und andere Thier beobachteten Zahlen 
15,54 und 54,34 liegen überdies so weit auseinander, dass die 
Ursache für diese Erscheinung unmöglich allein in der durch 
die Individualität bedingten ungleichen Ausnutzungsfähigkeit ge- 
sucht werden kann. 

Es lag nun noch in der Möglichkeit, dass für die Aus- 
nutzung die gefundenen niedrigen Werthe in Verhältnissen be- 
gründet seien, die neuerdings J. Könige) in einer Arbeit: »Ueber 
die verdauliche Fettmenge im Rauhfutter« ausführlich erörtert 



1) »Landw. Versuchs-Stationen« Ed. XIII, S. 241. 



25 



hat. König macht darauf aufmerksam, dass die Aether-Ex- 
tracte der Rauhfutter aus einem in Alkohol löslichen und einem 
in demselben unlöslichen oder doch schwer löslichen Theile be- 
stehen. Ersterer, das eigentliche Fett, wird als verdaulicher, 
letzterer, der wachsartige Antheil, als unverdaulicher Bestand- 
theil charakterisirt. 

Der niedrige Procentsatz der unverdauten, in dem Lupinen- 
heu und Stroh enthaltenen fettartigen Körper machte es nun 
nicht unwahrscheinlich, dass in den letzteren der wachsartige 
Bestandtheil prävalire. Aus dem Grunde wurden die Aether- 
Extracte aus dem Heu, dem Stroh und Samen der Lupine nach 
dieser Richtung hin geprüft, jedoch im Allgemeinen negative 
Resultate erhalten. 

Von 0,063 Grm. Lupinen - Strohfett waren in Alkohol un- 
löslich 0,004 Grm. oder 6,35 Procent. 

Von 0,209 Grm. Lupinenheufett in Alkohol unlöslich 0,032 
Grm. oder 15,3 Procent. 

0,759 Grm. des Fettes der Lupinensamen wurden durch 
Alkohol nahezu vollständig zur Lösung gebracht. Aus diesen Ver- 
suchen ging fast unzweideutig hervor, dass die beobachtete ge- 
ringe Verdaulichkeit der fettartigen Bestandtheile des Lupinen- 
heues und Strohes nicht in der Natur dieser Bestandtheile selbst 
zu suchen ist, sondern den erwähnten Mängeln zugeschrieben 
werden muss, die zur Zeit noch der Methode der Fettbestimmung 
in den Futterstoffen und Kothen anhaften. 

d. Protein-Substanzen. 

Die angestellten Versuche weisen hohe Procentsätze (73 
und 76) hinsichtlich der Heu - Proteinausnutzung nach, denn die 
aus anderen Versuchen für die Ausnutzung des Rauhfutter - Pro- 
teins hervorgegangenen Werthe liegen wesentlich niedriger, nur 
für ganz jungen Rothklee fand G. Kühn die Zahl 71. 

Henneberg und Stohmann'j fanden für Wiesenheu 60 % 
» » » » » Kleeheu 51 » 



1) Journal für Landwirthschaft 1864, S. 328. 



26 



Hof meistert) fand für Wiesenheu 57% 

Hellriegel und Lucanus 2) fanden für » 56 » 

Die Ausnutzung des Lupinenstroh - Proteins gestaltete sich 
selbstverständlich bedeutend niedriger, als die des Heuproteins ; 
aber auch ein Vergleich mit anderen Stroharten nach dieser Rich- 
tung hin fällt, bis auf das Weizenstroh, zu Ungunsten des Lu- 
pinenstrohes aus. Henneberg und Stohmann stellten die 
Verdaulichkeit der stickstoffhaltigen Substanzen mehrerer Stroh- 
arten durch Ochsen wie folgt fest: 

Weizenstroh 26 0/q 

Haferstroh 49 » 

Bohnenstroh 51 » 

(Cöthener Versuche) Lupinenstroh .... 35,4 — 39,70/q. 

Wenn in dieser Beziehung die Ausnutzungsfähigkeit der 
beiden Thiere sich nur wenig unterschied, so ist sie nahezu 
oder ganz identisch in den Versuchen II und IV, in welchen 
das Stroh mit Heu resp. mit Samen verfüttert wurde. 

Bierechnen wir ferner mit Hilfe der für die einzelnen 
Nährstoffe des Heues und Strohes in den Versuchen I und III 
ermittelten Ausnutzungs - Coefficienten die zu erwartende Aus- 
nutzung der einzelnen Bestandtheile der Futtermischung von 
Stroh und Heu (Versuch II) , so stehen die berechneten Zahlen den 
beobachteten sehr nahe, wie dies die nachfolgende Zusammen- 
stellung erkennen lässt. 



Fütterungsversuch II mit Heu und Stroh. 



Ver- 
suchs- 
Thier. 


Procentische Ausnutzung von 


Protein 


Rohfaser 


Nfr. Extract- 
stofFen 


Fett 


sämmtlichen 
4 Nährstoffen 


wirk- 
liche. 


berech- 
nete. 


\yirk- 
liche. 


berech- 
nete. 


wirk- 
liche. 


berech- 
nete. 


wirk- 
liche. 


berech- 
nete. 


wirk- 
liche. 


berech- 
nete. 


No. I 
» II 


! 54,1 
55,9 


56,2 
57,3 


53,6 
56,2 


55,2 
55,4 


68,7 
63,4 


63,3 
64,8 


18,7 
25,7 


20,8 
38,5 


59,1 
58,6 


58,6 
58,9 



1) Landw. Versuchs- Stationen Bd. VI, S. 185. 

2) Ibidem Bd. VII, S. 242. 



I 



27 



Bis auf die Zahlen für die Fettausniitzung , für deren ge- 
ringe üebereinstimmung beim Thiere II das bereits früher in 
dieser Beziehung Gesagte gelten mag, differiren die gefundenen 
und berechneten Zahlen so unerheblich, dass man berechtigt ist, 
eine Beeinflussung, bezieh. Beeinträchtigung der beiden gleich- 
zeitig zur Verwendung gelangten Futterstoffe in ihrem Nähr- 
Trerthe als nicht vorhanden zu bezeichnen. 

Aus den Versuchen IV (Stroh und Samen) und V (Heu und 
Samen) kann zweierlei abgeleitet werden : 

1) Die Ausnutzung, welche die einzelnen Samenbestand- 
theile erfahren haben; 

2) die Ausnutzung der Stroh- resp. Heubestandtheile , so- 
bald der Samen als Beifutter gereicht wurde. 

Betrachten wir zuerst die Resultate, zu denen eine Berech- 
nung der Ausnutzungswerthe für die Samenbestandtheile unter 
Zuhülfenahme der für reine Stroh-, resp. Heufütterung gewon- 
nenen Zahlen führt, so sehen wir. dass dieselben nur geringen 
Werth beanspruchen können. 

Versuch IV (Stroh und Samen) ergiebt für die einzelnen 
Bestandtheile des Samens die nachstehenden procentischen Aus- 
nutzungszahlen : 

Hammel I. 

Protein 86,1 

Rohfaser . . . . 100,0 (Strohrohfaser- Ausnutzung- von 52,0 auf 52,9 erhöht) 
Nfr. Extractstoffe 57,3 
Fett 94,0 

Hammel II. 

Protein 75,1 

Rohfaser .... 0,0 ( Strohrohfaser- Ausnutzung von 49,2 auf 48,8 deprimirt) 
Nfr. Extractstoffe 100,0 (Nfr. Extractstoffe des Strohes von 64,5 auf 65,2 erhöht) 
Fett 79,3 

Aus Versuch V (Heu und Samen) resultiren für die Samen- 
bestandtheile die folgenden procentischen Ausnutzungszahlen: 

Hammel I. 

Protein 100,0 (Heuprotein - Ausnutzung von 73,0 auf 73,6 erhöht) 

Rohfaser .... 100,0 (Heurohfaser- » » 67,1 « 67,4 » 

Nfr. Extractstoffe 100,0 (Nfr. Extractstoff- >> « 57,3 « 68,1 » 

Fett 100,0 (Heufett- » » 15,5 » 26,3 « 



28 



Hammel II. 

Protein 91,1 

Rohfaser .... 0,0 (Heurohfaser- Ausnutzung von 79 auf 66,6 deprimirt) 
Nfr.ExtractstofFe 100,0 (Nfr. Extractstoff- » » 65,9 auf 73,8 erhöht) 

Fett- 29,0 

Die Samenprotein- Ausnutzung wäre hiernach theils eine voll- 
ständige, theils eine sehr hohe gewesen. Die für die übrigen 
Nährstoffe berechneten Zahlen weisen jedoch zwischen den bei- 
den Thieren derartige Unterschiede auf und sind an sich so 
wenig wahrscheinlich, dass wir uns aller auf sie basirender 
Folgerungen entschlagen müssen. So hat z. B. Hammel I die 
Samenrohfaser im Versuch IV und V nicht allein ganz , sondern 
auch die Stroh- und Heurohfaser in zum Theil sogar erheblich 
höherem Masse verdaut, während von Hammel 11 in beiden 
Versuchen von der Samenrohfaser nichts verwerthet wurde, und 
überdies eine Depression der Stroh- und Heufaser -Verdauung 
stattgefunden hat. 

Der Grund für diese Erscheinung muss darin gesucht wer- 
den, dass die analytische Bestimmung der ßohfaser noch keine 
ganz scharfe ist, dass die für die Rohfaser eines Futterstolfes 
oder Kothes gefundenen Maximal- und Minimalwerthe nicht 
selten noch bis zu 3 % differiren. 

Wenn wir z. B. von der Voraussetzung ausgehen, dass das 
Mittel der Rohfaserbestimmung für den von Hammel II in Ver- 
such IV (Stroh und Samen) ausgeschiedenen Koth einen um ca. 1,0 0 
niedrigeren Werth, als den gefundenen, ergeben hätte, eine An- 
nahme, welche durchaus zulässig ist, also nicht 53,96, sondern 
52,5, und wir berechnen mit Hülfe dieses letzteren die Rohfaser- 
ausnutzung des neben dem Stroh verfütterten Samens, so ge- 
langen wir zu dem Resultate, dass von der Samen -Rohfaser 
44,2 % verdaut sind, während wir bei Benutzung der Zahl 
53,96 einen negativen Werth erhielten. Allerdings werden wir 
durch eine so unerhebliche Abänderung der Ausnutzungszahl nur 
dann so durchaus verschiedene Resultate zu erwarten haben, 
wenn, wie in dem vorliegenden und fast jedem in der Praxis 
vorkommenden Falle, die Menge der Rohfaser des Beifutters 
gegen die im übrigen Theile der Futterration enthaltene ausser- 



29 



ordentlich klein ist. In dem besprochenen Versuche kommen 
aber auf 3307 Stroh - Eohfaser nur 74,6 Samen - Rohfaser, also 
an. der 44. Theil, und es ist einleuchtend, dass, wenn eine um 
1,5 % zu niedrig" oder zu hoch ausfallende Bestimmung- der 
Koth- Rohfaser in ihren Folgen fast gänzlich dem berechneten 
Ausnutzungs - Coefficienten der Samen -Rohfaser zur Last fällt, 
vollständig widersinnige Resultate aus einer solchen Rechnung 
hervorgehen. 

Wenn wir somit den auf diese Weise ermittelten Aus- 
nutzungswerthen für die Samenbestandtheile wenig Vertrauen 
schenken können, so dürfte es dagegen statthaft sein, den ent- 
gegengesetzten Weg einzuschlagen und die Ausnutzungsfähigkeit 
der Heu- resp. Strohbestandtheile unter dem Einfluss des Lu- 
pinensamens als Beifutter festzustellen. Hierbei würde man 
dann von der Voraussetzung auszugehen haben, dass die Nähr- 
stoffe des Samens vollständig verdaulich sind, eine Annahme, 
welche die bis jetzt an anderen Orten mit Beifutter ähnlicher 
Natur gemachten Beobachtungen durchaus bestätigen. 

Um die Vergleichung zu erleichtern, stelle ich die aus den 
Versuchen IV und V hergeleiteten Werthe mit den bei purer 
Stroh- und Heufütterung erhaltenen zusammen. 



Von den Strohbestandtheilen wurden in Procenten ausgenutzt: 





Bei reiner Strohfütterung 
(Versuch III). 


Bei Stroh- und Samen- 
fütterung (Versuch IV) . 


Hammel I. 


Hammel II. 


Hammel I. 


Hammel II. 




39,56 


35,38 


22,54 


22,62 


Fett 


25,43 


34,98 


23,80 


29,63 


E-ohfaser 


51,96 


49,20 


52,94 


46,55 


Nfr. Extractstoffe . . 


j 65,35 


64,46 


63,24 


65,22 



30 



Von den Heubestandtheilen wurden procentisch ausgenutzt: 





Bei reiner Heufütterung 


Bei Heu- 


und Samen- 




(Versuch I]. 


fütterung 


(Versuch V) . 


1 

1 


Hammel I. 


Hammel II. 


Hammel I. 


Hammel II. 


Protein 


73,04 


75,72 


73,61 




75,45 


Fett 


15,54 


45,34 


26,20 




32,90 


Rohfaser 


67,10 


79,84 


67,43 




62,00 


Nfr. Extractstoffe . . 


57,29 


65,93 


68,64 




73,80 



Hiernach hat bei beiden Thieren das Samenbeifutter eine 
sehr erhebliche Depression auf die Verdauung des Strohprotems 
ausgeübt, dieselbe von 39,6 resp. 35,4 auf 22,6 herabgedrückt. 
Diese Erscheinung steht nicht vereinzelt da, dasselbe ist schon 
mehrfach von anderen Versuchs - Anstellern in analogen Fällen 
beobachtet worden. Dagegen ist ein solcher Einfluss auf die an- 
deren Nährstoffe des Strohes nicht wahrzunehmen; allenfalls 
macht er sich beim Fett etwas bemerkbar, jedoch muss wieder- 
holt auf die Unsicherheit hingewiesen werden , mit der die für 
diese Nährstoffe gefundenen Ausnutzungszahlen überhaupt und 
speciell bei den vorliegenden Fütterungs versuchen behaftet sind. 

Der Einfluss des beigefütterten Samens auf die Heunährstoöe 
war ein durchaus anderer. Die Verdauung der Protein-Substanzen 
des Heues blieb eine unveränderte, andererseits verhielten sich 
die Thiere in Betreff der Verdauung der Rohfaser und der Nfr. 
Extractstoffe des Heues so verschieden , dass gesetzmässige Be- 
ziehungen nach dieser Richtung hin sich durchaus aus diesen 
Versuchen nicht ableiten lassen. 

Stohmann^) hat, nachdem Henneberg die Aufmerk- 
samkeit darauf gelenkt, dass die Protein - Ausnutzung als eine 
Function der übrigen Futterbestandtheile aufzufassen sei, aus 
den vorhandenen zahlreichen Beobachtungen über die Protein- 



1) Landw. Versuchs-Stationen Bd. XI, S. 401. 



31 



Ausnutzung bei verschiedenen zur Ausführung gekommenen 
Fütterungsversuchen folgenden allgemeinen Ausdruck: 



abgeleitet, in welchem 

P = Protem im verzehrten Futter, 
P' = Ausgenutzte Proteinmenge, 
H = Rohfaser, 

uC = Nfr. Extractstoflfe -{- Fett im Futter. 

Es war von Interesse festzustellen ^ ob und wie weit die 
vorliegenden Ftitterungsversuche eine Bestätigung dieser Formel 
lieferten. Zu dem Ende stelle ich nachfolgend die Menge der 
während der fünf einzelnen Versuche von den Thieren thatsäch- 
lich verdauten Proteinkörper denjenigen Werthen gegenüber, die 
aus der Stoh mann' sehen Formel berechnet sind. 

















Differenz zwischen 




Versuchs- 


Wirkliche 


Berechnete 


der berechneten 




thier. 




Ausnutzung. 


Ausnutzung. 


und wirklichen 
















Ausnutzung. 


Versuch I 




Hamme] 


I 


1112,2 Grm. 


1195,2 Grm. 


+ 7,50/0 




» 


II 


989,7 


)) 


1013,8 


» 


+ 4,3 « 


» • II ^ 




» 
» 


I 
II 


616,4 
305,5 


» 


640,6 
292,8 


)) 

n 


+ 3,9 » 
— 4,2 )) 


» III ■ 




» 


I 
II 


221,7 
182,7 


» 
» 


217,6 
212,5 


» 


— 1,8 >) 
+ 10,8 » 


» .IV 




» 


I 
II 


349,0 
350,0 


» 


346,1 
347,6 


» 
» 


— 0,8 )) 

- 1,0 „ 


» V 




» 


I 


1421,5 


» 


1497,8 




+ 5,4 » 


1 




II 


1341,0 


» 


1380,9 


» 


+ 3,0 )) 



Die Abweichungen, welche die berechnete Ausnutzung von 
der beobachteten zeigt, gehen auf der einen Seite bis -j- 
auf der andern bis — 4 Proc; ich erinnere jedoch daran, dass 
die von Stohmann selbst unter Zugrundelegung der obigen 
Formel aus 105 Fütterungs versuchen abgeleiteten Werthe zum 
Theil erheblich grössere Differenzen aufzuweisen haben. 



32 



Dass übrigens die Ausnutzung der Protein-Substanzen eines 
Futters beherrscht wird durch die Menge der gleichzeitig im 
Futter vorhandenen Nfr. Bestandtheile , erkennt man auch aus 
den vorliegenden Versuchen leicht, wenn man das quantitative 
Verhältniss, in dem die Proteinstoffe des Futters zu den Nfr. 
Nährstoffen desselben (Nfr. Extractstoffe -f- Fett) stehen, ver- 
gleicht mit demjenigen, in welchem die verdauten Protein- 
stoffe zu der Gesammtmenge der verdauten Nfr. Futterbestand- 
theile stehen. 

Die Proteinsubstanzen — 1 gesetzt, erhält man dann folgende 
Verhältnisszahlen : 



Versuchs- 


Versuchs- 


Verhältniss der 
Protemsubstanz zu 


Verhältniss der ver- 
dauten Proteinsubstanz 
zu der Gesammtmenge 
der verdauten Nfr. 


reihe. 


thier. 


den Nfr. Nährstoffen 
des Futters. 






Futterbestandtheile . 



Lupinenheu j 

II. 1 

Lupinenheu \ 
und Stroh J 

III. I 

Lupinenstroh j 

IV. 1 

Lupinenstroh > 
und Samen J 

] 

Lupinenheu > 
und Samen ) 



I 
II 

I 
II 

I 
II 

I 
II 

I 

II 



1,31 

1,33 

3,07 

3,49 

5,89 

5,90 

4,12 

4,13 

1,25 * 

1,23 



2,07 
2,48 
7,20 
7,74 
18,68 
20,35 
10.62 
10,21 
2,0(» 
1,97 



Eine Vergleichung dieser Verhältnisse zeigi; einmal, dass 
eine grosse Uebereinstimmung in der Verdauungsfähigkeit der 
stickstoffhaltigen Nährstoffgruppen auf der einen und der stick- 
stofffreien des Futters auf der andern Seite stattgehabt hat. 
ferner, dass in dem Masse als die Proteinsubstanz im Futter 
prävalirt, als das Nährstoffverhältniss ein engeres wird, auch 
relativ grössere Antheile von dem Futterproteiu verdaut werden. 



33 



Verhältniss des von den Thieren aufgenommenen 
Wassers zur Futtertrockensubstanz. 

Durch den von Henneberg i) experimentell geführten 
Nachweis, dass eine über das Bedürfniss hinaus gesteigerte 
Wasseraufnahme seitens der Thiere stets mit einem grösseren 
Eiweissumsatz der stickstoffhaltigen Gebilde im Körper oder, vom 
praktisch landwirthschaftlichen Standpunkte aus, mit einer Fut- 
terverschwendung verbunden sei, ist wiederum die Aufmerksam- 
keit mehr auf das Verhältniss der Futter- Trockensubstanz zu 
dem puren und im Futter aufgenommenen Wasser gelenkt wor- 
den. Für das Gross vieh wurde als das geeignetste Verhältniss 
das von 1 : 3,5 bis 4,5 fest gestellt. Dies Verhältniss ist nun, wie 
früher angestellte Versuche im Allgemeinen ergaben, für Schafe 
ein engeres. Die der Besprechung unterliegenden Versuche 
haben folgende Verhältnisszahlen, die Futter-Trockensubstanz 
= 1 angenommen, ergeben: 





Versuch I. 


Versuch II. 


Versuch III. 


Versuch IV, 


Versuch V. 


Hammel I . 


1 : 3,34 


1 : 1,91 


1 : 2,05 


I : 1,71 


1 : 1,92 


« II . 


1 : 2,10 


1 : 1,53 


1 : 1,71 


1 : 1,50 


1 : 1,52 



Das zweite Thier nahm demnach durchweg weniger Wasser 
auf, als das erste ; wenn wir von dem Versuche I absehen , so 
consumirte das erste Thier im Wasser etwa die doppelte, das 
zweite die anderthalbfache Menge der verzehrten Futter-Trocken- 
substanz. Damit im Zusammenhange stehend waren denn auch 
die festen Entleerungen des zweiten Thieres im Allgemeinen 
wasserärmer, als die des ersten. 



Um dem Leser der vorstehenden Abhandlung eine bessere 
Einsicht in die bei der Verfütterung der Lupinen - Futterstolfe 



*j Landw. Versuchs-Stationen Bd. XIV, S. 427. 
Landw. Yersuehs-Stat. XVI. 1»73. 



3 



34 



an Schafe gewonnenen Resultate, namentlich betreffs der für 
die einzelnen Nährstoffe erhaltenen Ausnutzungswerthe, zu ge- 
währen, habe ich dieselben in der Tabelle XIII in übersichtlicher 
Anordnung nochmals zusammengestellt. 



Tabelle XIII. 



Ver 




In 8 Tagen 
verzehrte das 
Thier an Futter- 


Koth- 
Ti'ockensub- 


Gesammt- 
ausnutzung 
der verzehr- 
ten Futter- 


Von dem verzehrten 
Futter sind ausgenutzt 
in Procenten: 


Mittleres 
Lebend- 
Gewicht 
des Thieres 
während der 

tage in Kilo. 


suchs- 
Periode. 


Trockensub- 
stanz (excl.Sand) 
in 

Grammen. 


stanz (excl. 
Sand) in 
Grammen. 


Trn**Tc pnsiib- 

stanz (excl. 
Sand) in 
Procenten. 


'S 

O 
u 




tu 

CO 

O 
« 


N freie 
organische 

Substanz. 

— 




1 


5545,9 Heu 


2041,2 


63,5 


73,0 


15,5 


67,1 


57,3 




■1 


2 


4921,3 Heu 


1391,5 


71,7 


75,7 


45,3 


79,8 


65,9 


34,8 


( 

n. 


1 

2 


2564,7 Heu 
6338,3 Stroh 

8903,0 
1147,6 Heu 
3588,0 Stroh 


3693,1 
1987,0 


58,5 
58,0 


54,1 
55,9 


18,7 
25,7 


53,6 
56,2 


68,7 
63,4 


37,8 
38,4 






4735,6 




















8030,7 Stroh 


3549,9 


55,8 


39,7 


25,4 


52,0 


65,4 


39,1 


,„| 




7418,0 Stroh 


3405,2 


54,1 


35,4 


35,0 


49,2 


64,5 


39,1 




1 


6769,8 Stroh 
502,7 Samen 


3108,7 


57,3 


48,9 


39,6 


54,0 


65,1 


37,8 


IV < 
V ' 


1 


7272,5 

16810,5 Stroh 
502,7 Samen 

7313,1' 
5795,3 Heu 
502,7 Samen 

6298^ 
5187,9 Heu 
502,7 Samen 

5690,6' 


3275,4 
1909,0 
i 167,3 


55,2 
69,7 
70,5 


49,0 
77,1 
77,9 


44,1 
36,3 
42,9 


47,7 
68,8 
63,7 


67,0 
70,7 
75,8 


39.5 
34,5 

35,7 



35 



Analytische Belege. 

Lupinen-Heu. 

Asche (C,C02, Salze, Sand). 
Lufttr. Subst. Rohasche. Salze % Mittel 

20,«4c» 2.^2.-^ / M^^ = ^'^„^7 C02 

4. 

Sand 0/^ Mittel 



..949 2,323 { Ijlfo = 0,Oll C-0,6435 Sand W"'« ! 4 120/„ 
1,939 0,511 0,015 002—0,3091 Sand 0,1869.3,78) ' 



1,3113 6,26 
0,3091 6,26 



6,26 



Wasser, Aeth erextrac t und Protein. 

1,845 0,168 H20 = 9,ll Proc. H20 
3,088 0,0615 _ =1,99 » Fett. 

lOcc. 0. = 51,3 Na20. N. Protein. 
0,680 5 CG 16,3 » 0,0255 = 0,160 = 23,53 Pct. 

Rohfaser^). 

Aschenhalt. Rohf. Asche Aschenfr. Rohf. o/(,d. lufttr. Sbst. Mittel 
3,211 1,045 \ f 0,8681 27,03 ] 

4,085 1,303 } 1,263 0,2135 1,0495 \ 1,0824 26,50 26,90 
3,984 1,303 J t 1,0824 27,17 ) 

N in der Rohfaser. 

"^^i^^it"' Aschenfr. ^,.n,r^^\ ki o t^t orv xr t» * •• % der o/o d. lufttr. 

halt. ,3 ,r 10 CC()=51 ,3 Na20. N. Protein 1; , ^ o i * 

-r, , r Rohf. ' Rohf. Subst. 

Rohf. 

0,5125 0,4257 5 CG 24,0 0,00341 0,0213 5,00 1,34 

Lupinen-Stroh. 

Asche (^C02, Salze, Sand). 
Lufttr. Subst. Rohasche Salze % Sand 

26,275. 0,932-0,5068 I ^1^^^^^2'd "'^^^ ^'^^^ 

Wasser, Aetherextract und Protein. 

HO o/o HO Fett o/^Pett 
4,646.-0,4803. 10,34. 0,0512. 1,10 

10 GG. 0 = 49,8 NaO. N. Protein 0/^, Mittel 

2,7627— 10 GG = 39,35 0,0288 0,180 6,52 \ ^ .... p ... 

2,5184 — 41,35 0,0239 0,149 5,94 / ^''^ ^ i rotem 

Rohfaser. 

Aschenh. Rohf. Asche aschenfr. Rohf. %d. lufttr. Sbst. Mittel 

2,527 1,179 j . j ) 1,1690 -16,26 j ,53. 

3,098 1,385 ( ''"''^ "'""^ ''"^^ j 1,3732 44,33 j ^^''^^ 

1) Bei der Untersuchung der Futterstoffe ist die Rohfaser vor der Ein- 
äscherung mit Alkohol- Aether extrahirt worden. 



36 



Aschenh. 
Rohf. 
0.414 



Aschenfr. 
Rohf. 
0,4105 



VioAg. 
Lösung 
1,9 cc. 



N in der Rohfaser . 
N. Protein 
0,00266 0,0167 



der Rohf. 
4,06 



Lupinen-Samen. 
Asche (C02 Salze, Sand), 
Rohasche Salze 
121,7025 4,33-1,456 j »'^1^3^02^ 1,372 3,36 1,17 



Lufttr. Subst. 



Sand 



o/o der lufttr. 
Subst. 
1,84 



4,0596 
4,0194 



0,155 
0,158 



o/o Fett 
3,81 
3,93 



Aetherextract, 
Mittel. 

3,87 



52,8898 
1.564 



Wasser und Protein. 

— 5,6948 H20 - 10,07 o/o H20 
Vio Ag. N. Protein O/q 



77,5 cc. 



0,1085 0,678 



43,35 



Aschenh. Rohf. 

4,435 0,653 
4,228 0,555 



Rohfaser. 

Asche 

— 2,44 cc. 
0,005 



Vio Ag. 



Protein 
0,021 



Rohf. d. lufttr. Subst. 
aschen- u. proteinfrei. 
13,33 o/o 



liUpinenheu-Rückstände. 



Vers. 



Vers. 



I 
I 
II 
II 

V 
V 



I 
I 
II 
II 

V 
V 



Asche 
Lufttr. Sbst. 



(C02, Sand, 
Rohasche 



Salze) . 



Hammen 1 I 
II 

I 
II 

I 
II 



28,578 2,825—0,964 

10,522 1,353 

6,068 0,339 

5,307 0,-533 

33,566 7,351 



9,359 



2,102 



Wasser 



Hammel I 
II 
I 

» II 
I 

» II 



4,5457 
3,9074 
4,770 
4,613 
29,616 
16,947 



0.4963 HO 

0,4239 

0,5112 

0,480 

3,610 

2,324 



C02 Sand o/o Salze o/^ 

0,0155 0,531 5,06 1,220 4,27 

0,001 0,8466 8,05 0,504 4,80 
0,003 0,0896 1,48 0,2464 4,06 

0,008 0,302 5,69 0,223 4,20 

0 5,5275 16,47 1,8235 5,43 

0 1,325 14,16 0,777 8,30 

Aether-Extract 

lufttr. Sbstz. Fett % 

— 10,91 4,5457 0,0868 1,89 

— 10,85 3,9074 0,0788 2,01 

— 10,72 3,679 0,0739 2,01 

— 10,41 8,980 0,204 2,27 
~ 12,19 21,213 0,236 1,11 

— 13,71 13,436 0,1975 1,47 



1) Bei dem grössten Theil der Stickstoffbestimmungen ist das bei der 
Verbrennung mit Natronkalk entweichende Ammoniak durch verdünnte Salz- 
säure absorbirt, die Flüssigkeit im Wasserbade zur Trockne gebracht und 
aus dem mit i/io Silberlösung titrirten Chlor das Stickstoffäquivalent be- 
rechnet worden. 



37 



Protein. 



Vers. I Hammel I 



II 



II 

II 

V 
V 



Ifttr. Sbst. O i/5Na20 N 
0,121 10 CG 18,7 0,0876 
2,3588 10 CG 16,9 0,0927 

2,0782 10 GG 19,6 0,085! 
1.8903 10 GG 21,8 0,079 

10 GG = 49,8 Na20 
2,078 10 GG 19,55 0,0846 
2,041 10 GC 21.8 



II 
I 
II 



1,671 
1,417 
1,870 



Vio Ag. lös. 



0,0886 



Protein 
0,5475 
0,5794 

0,5319 
0,4938 

0,5289 
0,5537 



o/o 
25,81 
24,50 

25,62 
26,00 

25,62 
27,14 



Mittel 
25,16 o/o 

22,81 » 
26,38 » 



48,6 
40,6 
40,1 



0,068 

0,0568 

0,0561 



0,425 25,44 
0,3553 25,07 
0,3509 18,77 



Rohf aser. 











Lufttr. Aschenh. 
Subst. Rohf. 




Asche 


Aschenfr. 
Rohf. 


Vers. 


I 


Hammel I 


2,886 

2,0825 


0,712 { 
0,4845j 


! 0,61 65 0,1575 


0,459oj 


» 


I 


» 


II 


3,101 
3,002 


0,688 1 
0,700 1 


jo,734 


0,1834 


0,5506| 




II 


» 


I 


3,104 
3,012 


0,7104( 
0,653 1 


! 1,012 


0,143 


0,869 j 


» 


II 


1) 


II 


4,642 
4,425 


1,387 { 
1,297 i 


1 1,695 


0,231 


1,456 1 


» 


V 


» 


I 


4,496 
5,364 


1,324 1 
1,629 1 


1 1,629 


0,828 


0,801 1 




V 




II 


5,857 
5,344 


1,933 1 
1,763 1 


j 1,933 


0,858 


1,075 1 



0.5301 



0,525 

0,610 
0,5()1 

1,1914 
1,1141 

0,651 
0,801 

1,075 
0,9805 



o'o. der 
lufttr. 
Suhst. 
18,37 

17,32 

16,65 
17,49 

19,34 
18,64 

25,67 
25,18 

14,48 
13,93 

18,35 
18,35 



Mittel 

o'o 

17,85 
47,07 
18,99 
25,42 
14,70 



18,35 



Protein in der Rohfaser. 







Aschenh. 
Rohf. 


aschenfr. 
Rohf. 


VioAg. 


N. 


Protein 


o/o d. lufttr 
Subst. 


Vers. 


I 


Hammel I 0,521 


0,3879 


2,9 cc. 


0,0041 


0,0254 


1,17 


» 


I 


II 0,601 


0,4506 


3,2 )) 


0,0044 


0,0278 


1,09 


» 


II 


I 0,349 


0,2998 


2,2 » 


0,0031 


0,0194 


1,24 




II 


II 0,730 


0,6271 


3,65 » 


0,0051 
0,0039 


0,0320 


1,30 


» 


V 


I 1,324 


0, 651 


2,8 » 


0,0245 


0,55 




V 


» II 1,696 


0,9432 


4,2 >) 


0,0059 


0,0368 


0,71 



Koth. 

Asche (G,G02, Sand, Salze. 



Rohasche CO^ Salze o/q c. Sand o/^ 



lufttr. 
Subst. 

Vers. I. Hammen. 12,779 2,840 0 0,8325 6,51 0,012 1,9955 15,62 

» II. .) I. 10,995 1,058 0,058 0,4675 4,25 0 0,673 6,12 

)' III. )) I. 9,376 0,5625 0,016 0,3617 3,86 0,0058 0,149 1,59 

» IV. » I. 8,966 0,578 0,040 0,362 4,04 0,006 0,170 1,89 



38 











Lufttr. Rohasche 
Subst. 


C02 


Salze 


% 


C. 


Sand 




Vers 


. V 


Hammel I 


17,o7()o 4,l7b 


0,03o 


1,218 


6,93 


0,010 


2,910 


lb,5b 


» 


I 


» 


II 


14,321 3,499 


0,056 


0,955 


6,67 


0,018 


2,470 


17,25 


» 


II 




II 


7,893 0,673 


0,028 


0,3425 4,34 


0 


0,3025 


3,83 




III 


» 


II 


6,9905 0,377 


0,025 


0,256 


3,66 


0,006 


0,090 


1,29 




IV 


» 


II 


6,065 0,352 


0,025 


0,225 


3,71 


0,003 


0,099 


1,63 


» 


V 


» 


II 


10,991 2,480 


0,026 


0,741 


6,74 


0,008 


1,705 


15,51 



Lufttr. 
Subst. 



Protein. 



10 C.C. 0 = 51,3 Na20. N. 



Protein 



Vers. I Hammel 


I 


1,6536 


5 C. C. 10,75 


0,0407 


0,254 


» II 




I 


0,764 


5 C. C. 20,4 


0,01435 


0,090 










Vio Ag lös. 






» III 


» 


I 


1,009 


9,5 C.C. 


0,0133 


0,083 


» IV 


» 


I 


0,594 


7,0 


0,0098 


0,061 


» V 


)) 


I 


0,764 


14,3 


0,0200 


0,125 


» I 


» 


II 


1,0265 


20,0 


0,0280 


0,175 


» II 




II 


0,909 


10,8 


0,0151 


0,0945 


» III 


» 


II 


1,005 


9,8 


0,01376 


0,086 


» IV 


)) 


II 


0,867 


9,7 


0,01358 


0,085 


» V 




II 


0,1555 


21,1 


0,02954 


0,158 



15,36 
11,78 

8,23 
10,27 
16,36 
17,05 
10,39 
8,56 
9,80 
16,01 



Aether - Extra ct. 

Hammel I. 

Vers. I. II. III. IV. V. 

Lufttr. Subst. 10,057 7,959 4,053 3,923 6,055 

Fett 0,4175 0,202 0,073 0,0705 0,238 

o/o Fett . . . 4,15 2,54 1,80 1,79 3,93. 

Hammel II. 

Vers.I. II. III. IV. V. 

Lufttr. Subst. 6,925 3,130 4,784 3,817 7,553 

Fett 0,231 0,0675 0,073 0,060 0,282 

o/o Fett . . . 3,34 2,16 1,53 1,57 3,73. 



II ohf ase r. 

^ubst ^^Rolif^' Asche aschenfr. Rohf. o/^ Mitte 
Vors. I Hammen 3,B85 ;.3865|, .„^^ , ,3,5 l,241oj;j;?^lg ^S.Wj^j^,, 



II » I 



3,322 1,59551 fl,4593 43,93] 

3,558 1,729 [3,8586 0,3294 3, 5292h, 5814 44,45U4,31 
3,991 1,944 J (1,7780 44,55] 



[1,8776 50,201 

III » I 3,5975 1,8635^1,0220 0,0155 1,0065 1,8352 51,0n50,69 

12,2095 50,85j 



3,740 1, 906.^1 (] 
3,5975 l,8635M,022O 0,0155 1,0065 ] 
4,3455 2,2435j [: 



39 



16^ 



Lufttr. 

öUDSt. 

3,3245 
3,5570 

Vers. IV Hammel I 3,2480 
3,6130 
3,3590 


» V 


4,750 
» I 4,764 
5,254 


» I 


TT 3,302 
" ^^3,642 


» I 


o,U4D 

» II 3,325 
3,294 


» III 


3,4454 
» II 3,021 
2,9495 


» IV 


3,640 
)) II 3,821 
3,455 


» V 


4,033 
» II 4,394 
3,703 



Aschenh. 
Kohfaser. 
1,753 



839 
635 
842 
676 

018 1 
039 
193 J 

3295 1 
473 I 

34051 

551 

4905 



>1,197 



•1,068 



0,953 



1,204 



0,0455 



Asche aschenfr. Rohf. % Mittel 

50,73> 
49,74i 

48,43)49,19 
49,051 
48,00. 

27,371 
27,57 [27,28 
26,89j 



i 1,6854 
1,7691 
1,5728 
1,7720 
.1,6123 



834 ] 

611 h,235 
530 J 

920 1 



024 
788 

708 
881 
567 



4,354 



■1,293 



0,380 
0,424 
0,063 



0,023 



0,026 
0,358 



0,688 



0,529 



1.141 



1,212 



1,328 



0,935 



[1,300 
'l,3135 
Ii, 4127 

(0,7380 
i0,8176 

1,2704 
1,4698 
.1,4125 

fl,7999 
1,5810 
1,5015 

[1,8831 
h,9851 
tl,7537 

[1,2351 
n,3602 
11,1331 



22,35/ 
22,45(22,40 

41,71] 

44,21^2,93 
42,88j 

52,251 

52,33^51,83 

50,9lJ 

51,74) 

51,95[51,48 
50,76] 



30,63"! 

30,96^30, 

30,60j 



73 



Rohfas er-Protein. 









Aschenh. aschenfr. 10 C.CÜ = 51.3 


N. 


Protein 


o|o der 


o|o der 








Rohfaser. Rohf. 


Na20 


aschenfr. 
Rohfaser. 


lufttr. 
Subst. 


Vers 


. I Hammen 0,3623 0,2276 


5CCÖ 24,4 


0,00339 


0,021 


9,23 


2,19 




II 




I — — 










(2,68) 










Vio Ag. lös. 








» 


III 


» 


I 0,279 0,2748 


2,5 C.C. 


0,0035 


0,022 


8,01 


4,06 




IV 


» 


I 0,310 0,2982 


3,2 


0,0045 


0,028 


9,39 


4,62 


» 


V 


» 


I 0,373 0,2403 


3,8 


0,0053 


0,033 


13,73 


3,75 


» 


I 




II 0,2595 0,1441 


2,7 


0,00378 


0,024 


16,66 


3,73 




II 


)) 


II 0,440 0,4170 


3,0 


0,0042 


0,026 


6,24 


2,68 




III 


M 


II 0,319 0,3131 


2,8 


0,0039 


0,0245 


7,83 


4,06 




IV 




II 0,433 0,4247 


3,4 


0,00476 


0,030 


7,06 


3,64 


» 


V 


» 


II 0,471 0,3400 


3,35 


0,0047 


0,029 


8,51 


2,62 



Rohfaser-Alkohol-Aetherextract. 

Extrahirt. Fett. 



Aschenh. aschenfr. 
Rohfaser. 



Vers. I Hammel 1 2) 
» II » 



o|o o|o der 
d. aschenfr. lufttr. 
Rohfaser. Kothsbst. 

— (0,85) 

- (0,67) 



1) Für diesen Versuch ist die Rohfaser - Proteinbestimmung von Versuch II, 
Hammel II als gültig angenommen. 

2) Für Versuch I und II, Hammel I sind die Werthe von Versuch I und II, 
Hammel II als gültig angenommen. 



40 









Asehenh. 


aschenfr. 


Extrahirt 


Fett 


o|o 


o|o der 










Rohfaser. 


d. aschenfr. 


lufttr. 
















Rohfaser. 


Kothsbst 


Vers. III 


Hammel I 


1,002 


0,9868 


A OOC r: 

o,yooD 


OjOIOD 


1 ,D / 


0,00 


» 


IV 


» 


I 


1,2975 


1,2482 


1,276 


0,0215 


1,72 


0,85 


» 


V 


» 


I 


1,5305 


0,98ö9 


1,4855 


0,0450 


4,56 


1 25 


n 


I 




II 


0,898 


0,4985 


0,879 


0,019 


3,81 


0,85 


» 


II 




II 


1,021 


0,9676 


1,006 


0,015 


1,55 


0,67 


» 


III 


» 


II 


1,439 


1,4122 


1,416 


0,023 


•1 CO 

l,6o 


0,ö4 




IV 


» 


II 


1,412 


1,3849 


1,392 


0,020 


1 ,44 


0,74 


» 


V 


» 


II 


1,058 


0,7651 


1,040 


0,018 


2,35 


0,72 










Corrigirte Koth-E, ohfasern. 














Vers. I 


II 


III 


IV 


V 








Hammel 


I 20,67 


40,96 


45,78 


43,72 


22,28 








» 


n 17,82 


39,58 


46,93 


47,10 


27,39 








Elementar-Analysen 


von Koth 


-Rohfasern. 





Rohfaser dargestellt nach dem älteren Henneberg'schen Verfahren. 

Rohflser. ^ 'lo^ ^ '/o^' 

I. Versuch 0,3150 0,1795 0,020 6,35 0,5945 0,1621 51,46 
II. Versuch 0,3160 0,1860 0,0207 6,55 0,5965 0,1627 51,48 

Rohfaser dargestellt nach dem modificirten Henneberg'schen Verfahren. 

I. Versuch 0,3474 0,200 0,0222 6,40 0,6480 0,1767 50,86 
II. Versuch 0,4415 0,256 0,0284 6,44 0,820 0,2236 50,65 



Verdaulichkeit des Heufettes. 

Von 

J. König. 



In einer Abhandlung über »die Elementarzusammensetzung 
der Pflanzenfette und die verdauliche Fettmenge im Rauhfutter« 
(vgl. Bd. XIII. S. 243 d. Zeitschr.) habe ich die Behauptung 
ausgesprochen, dass sich die verdauliche Menge Fett im Rauh- 
futter ziemlich annähernd durch Lösung desselben in kaltem 
Alkohol bestimmen lasse. Gegen diese Behauptung und sonstige 



41 



Punkte obiger Arbeit sind von Ernst Schulze (d. Zeitschr. 
Bd. XV. S. 81) einige Bedenken erhoben, welche sich in fol- 
gende Sätze zusammenfassen lassen : 

1. Die von mir als Fett bezeichnete Substanz des Heues 
sei kein eigentliches Fett, d. h. keine Glyceride. 

2. Wie das Heu, so enthalte auch der entsprechende Koth 
eine gewisse in kaltem Alkohol lösliche Fettmenge', welche als 
ein unverdauter Ueberrest von der gleichartigen Fettsubstanz 
des Heus angesprochen werden müsse. 

3. Der kalte Alkohol könne daher höchstens als Htilfsmittel 
dienen, um empirisch die verdauliche Fettsubstanz im Heu 
zu bestimmen. Aber auch in dieser Auffassung sei der von mir 
aufgestellte Satz auf Grund verschiedener in Weende angestellten 
Versuche unzulässig. 

Was den ersten Punkt der Einwendung anlangt , so muss 
ich Ernst Schulze nach Untersuchungen, welche ich neuer- 
dings in Gemeinschaft mit Herrn Dr. J. Kiesow, Assistenten 
hiesiger Versuchsstation, angestellt habe, vollständig Recht geben. 
Wenn ich aber in obiger Abhandlung den Ausdruck w eigent- 
liches Fett« gebraucht habe, so sollte derselbe nur den Unter- 
schied zwischen diesem Theil des Aetherextracts und dem Wachs, 
welches man ja auch zu den Fettverbindungen rechnen muss, 
scharf hervorheben, ohne zu besagen, dass dieser Theil aus 
wirklichen Glyceriden bestehe. Auf letztere deutet, wie ich 
erwähnt, die Elementarzusammensetzung, sowie ferner ihr physi- 
kalisches Verhalten hin, so dass mir diese Aüsdrucksweise be- 
rechtigt erschien. 

Ich gebe jedoch gern zu, dass der von mir gebrauchte 
Ausdruck incorrect war und richtiger »kohlenstoffärmere Fett- 
verbindungen« hätte heissen sollen. 

Der zweiten Einwendung von E. Schulze, dass man 
nämlich den in kaltem Alkohol löslichen Theil des Kothfettes 
als einen unverdauten Ueberrest von der gleichartigen Fettsub- 
stanz des Heus ansehen müsse, glaube ich jedoch widersprechen 
zu müssen. 

Zunächst will ich daran erinnern, dass das Wachs, resp. 
die wachsartige Substanz, nicht absolut unlöslich, sondern nur 



42 



schwer löslich in kaltem Alkohol ist. Nun ist es sehr leicht 
denkbar und mit chemischen Begriffen sehr wohl zu vereinigen, 
dass der kalte Alkohol, wenn er durch Lösung der kohlenstoff- 
ärmeren Verbindungen gesättigt ist, von der wachsartigen Sub- 
stanz nichts mehr aufnimmt , auf letztere jedoch lösend ein- 
wirkt, wenn erstere nicht vorhanden. 

In dieser Weise habe ich mir bei meiner früheren Arbeit 
die Löslichkeit des Kothätherextracts in kaltem Alkohol zu er- 
klären gesucht, und scheinen die neueren Untersuchungen .diese 
Annahme vollständig zu bestätigen, da es möglich ist, die durch 
kalten Alkohol abgeschiedene Wachssubstanz des Heus durch 
partielle Krystallisation aus kaltem Alkohol in mehrere Verbin- 
dungen zu zerlegen. 

Deshalb scheint mir auch die aus der Alkohol -Trennungs- 
methode allein abgeleitete Schlussfolgerung von E. Schulze, 
dass auch Wachs aus Heu (d. h. die kohlenstoffreicheren Ver- 
bindungen) verdaut werden, nicht berechtigt zu sein. (Es sei 
hier aber gleich hervorgehoben, dass man den in kaltem Alkohol 
löslichen Theil des Aetherextracts ebenfalls in dem Sinne für 
Wachs halten kann, als auch er aus einer Verbindung von Fett- 
säure mit Fettalkohol zu bestehen scheint i).) 

Für die von mir ausgesprochene Behauptung war die ge- 
fundene Elementarzusammensetzung des Kothfettes allein ent- 
scheidend. Würde nun von dem Heufett nur der in kaltem 
Alkohol lösliche Theil, die wachsartige Substanz dahingegen 
nicht verdaut, so müsste das Kothfett genau die Elementar- 
zusammensetzung des Heuwachses haben. Ich habe damals 
diese Bestimmung nicht ausgeführt, sondern mich damit be- 
gnügt, darauf hinzuweisen, dass der Kohlenstoff des verfütterten 
Heuwachses genau zwischen dem Kohlenstoffgehalt der 2 Theile 
des Kothätherextracts liege und durch eine Berechnung der er- 
steren resultire. 

Von zweien der früher untersuchten Kothsorten waren noch 
kleine Proben vorhanden, welche mir zu diesem Zweck von 
Herrn Dr. Th. Dietrich freundlichst übersandt wurden. Ich 



1) Vgl. folg. Abhandlung. 



43 



habe daraus das Fett auf bekannte Weise rein dargestellt, und 
für dasselbe folgende Elementarzusammensetzung ') gefunden : 



Wiesenheukothfett 

1. 2. 

Kohlenstoff 80,52 o/o 90,81 «/, 
Wasserstoff 13,39 » 12,98 » 



Nach der früheren Analyse verhingt : 
Wiesenheu wachs 

1. 2. 

81,90 o/o 81,50 o/o 
13,99 » 13,47 » 



Kleeheukothfett Kleeheuwachs 

1 2. J. 2. 

Kohlenstoff" 81,36 o/q 87,15 O/q 82,50 o/q 82,31 O/q 

Wasserstoff 13,25 » 13,25 « 13,26 » 13,76 » 



Diese Zahlen stimmen allerdings nicht, wie ich vermuthete, 
vollständig tiberein ; ich will aber bemerken, dass die drei Jahre 
lang aufbewahrten Kothproben, sowie das daraus dargestellte 
entchlorophyllte Fett einen schimmeligen Geruch hatten, wes- 
halb letzteres durch Aufnahme von Sauerstoff oder sonstwie 
etwa verändert gewesen sein kann. 

In besagter Abhandlung habe ich ferner die Vermuthung 
ausgesprochen, dass das durch kalten Alkohol abgeschiedene 
Wachs nicht aus einer, sondern aus mehreren Verbindungen 
bestehe, von denen die kohlenstotfärmere leichter in kaltem Al- 
kohol löslich sei, als die kohlenstoffreichere. 

Nachstehende Abhandlung wird diese Vermuthung zunächst 
für Wiesenheuwachs bestätigen. In demselben wurde ein Kör- 
per (Kohlenwasserstoff) gefunden, welcher im Mittel 

84,42 Proc. Kohlenstoff 
15,13 » Wasserstoff 



') Wiesenheukothfett : 

1. 0,1912 Grm. Subst. gaben 0,5646 Grm. Kohlensäure u. 0,2304 Grm. Wasser. 

2. 0,1806 » » « 0,5352 » » 0,2108 » 

Kleeheukothfett : 

1. 0,1767 Grm. Subst. gaben 0,5272 Grm. Kohlensäure u. 0,2108 Grm. Wasser. 

2. 0,2113 )) .) » 0,6288 « » u. 0,2526 » » 

Die 2. Analyse von Kleeheuwachs ebenfalls jetzt ausgeführt: 
0,1766 Grm. Subst. gaben 0,5330 Grm. Kohlensäure u. 0,2188 Grm. Wasser. 



44 



ergab, ferner mit grosser Wahrscheinlichkeit cerotinsaurer Ceryl- 
äther, welcher 

82,23 Proc. Kohlenstoff 
13,70 » Wasserstoff verlangt. Da nun 
die Elementaranalyse des Gesammtwachses nur 

81,5 —81,9 Proc. Kohlenstoff und 
13,47 — 13,95 » Wasserstoff ergeben hat, so 
muss bei der erwähnten Trennungsmethode neben diesen zwei 
Verbindungen noch eine dritte kohlenstoffärmere vorhanden ge- 
wesen sein. 

Für Kleeheuwachs haben wir dieses bis jetzt noch nicht mit 
Bestimmtheit nachgewiesen, glauben aber nach vorläufiger Prü- 
fung eine dem Wiesenheuwachs ähnliche Constitution annehmen 
zu können. 

So wurden im Kleeheukoth wenigstens zwei verschiedene 
Säuren, welche durch partielle Füllung aus kaltem Alkohol ge- 
trennt wurden, nachgewiesen. Schmelzpunkt und Elementar- 
zusammensetzung derselben waren folgende ^) : 

Säure von Säure von 

760,2 — 770,5 540 — 550,5 Schmelzpunkt. 

]. 2. 

Kohlenstoff 80,86 0/0 74,72 o/^ 74,42 0/0 

Wasserstoff 14,12 » 11,96 » 12,09 » 

Wenn somit auch der durch kalten Alkohol abgeschiedene 
Theil des Heuätherextracts aus mehreren wachsartigen Verbin- 
dungen besteht, und sich ihre Löslichkeit zu kaltem Alkohol in 
dem von mir ausgesprochenen Sinne verhält , so könnte doch 
von diesem Theil etwas verdaut sein und statt dessen der in 
kaltem Alkohol lösliche Theil des Kothfettes aus dem entspre- 
chenden Theil des Futterfettes herrühren, falls letzteres einen 
Körper von der procentischen Elementarzusammensetzung eut- 



^] Säure vom Schmelzpunkt 760,2 — 770,5: 
0,1180 Grm. Subst. gaben 0,3499 Grm. Kohlensäure u. 0,1500 Grm. Wasser. 

Säure vom Schmelzpunkt 540 — 550,5: 
0,i:i22 Grm. Subst. gaben 0,362.5 Grm. Kohlensäuren. 0,1493 Grm. Wasser. 
0,1623 » ») .) 0,4430 » » u. 0,1761 » » 



45 



hielte, welche für den löslichen Theil des Kothfettes gefunden 
wurde. Dieses ist allerdings der Fall. In dem in kaltem Alko- 
hol löslichen Theil des Heuätherextracts kommt neben Säuren 
mit weniger als 76 — 77 Proc. Kohlenstoff eine Verbindung vor, 
welche eine nahe/Ai gleiche proccntische Zusammensetzung mit 
dem in kaltem Alkohol löslichen Theil des Kothätberextracts 
hat. Sie wurde durch Verseifen des Fettes mit alkoholischem 
Kalihydrat, Extrahiren der Seife mit Aether gewonnen und hat 
im Vergleich zum löslichen Theil des Kothfettes folgende Ele- 
mentarzusammensetzung : 



Löslicher Theil des Kothfettes von 



Verbindung aus dem in kaltem Alkohol 
löslichen Theil von : 
Wiesenheu. Wiesenheu. 
1. 2. 1. 2. 

Kohlenstoff 80,81 o/o 80,21 o/^ 79,33 o/(, 80,030/^ 

Wasserstoff 12, 3G » 12,46 » 11,82 » 11,96 » 

Kleeheu Kleeheu 
Kohlenstoff 79,53 o/o 78,960/o 
Wasserstoff 12,43 » 13,07 » 

Ich hebe aber hervor, dass diese Verbindung aus dem lös- 
lichen Theil des Heufettes alkoholischer Natur zu sein scheint, 
sich mit einer Mischung von Kaliumbichromat und Schwefel- 
säure (vgl. folgende Abhandlung) sehr leicht oxydirt, und es des- 
halb schon problematisch bleibt, ob sich diese Verbindung (resp. 
Verbindungen) der Verdauung entzieht. 

Es müsste hiernach das Heufett beim Verdauungsprocess 
verseift werden, die Seifen zur Verdauung gelangen, während 
der alkoholische Körper unverdaut abgeschieden würde. Dieser 
Vorgang würde mit der Ansicht einiger Physiologen (so von 
Raziejewsky im Einklänge stehen, wornach ein wesentlicher 
Theil der Nahrungsfette durch den Pankreassaft und die Alka- 
lien der gallensauren Salze, sowie durch den Darmsaft in Seifen 
umgebildet wird und in Form von Seifen in das Blut übergeht. 
Die Seifen sollen sich dann später auf synthetischem Wege 
unter Zutritt von Glyceriu wiederum in Neutralfette verwandeln. 



Kühne, Lehrbuch der physiologischen Chemie 1868 S. 377. 



46 



Dieser Ansicht tritt aber neuerdings Franz Hofmann^) 
entgegen, der aus seinen Versuchen den Schluss zieht, dass das 
Fett als solches in den Organismus überzugehen im Stande sei, 
und wirklich als solches in das Blut übergehe. 

Jedenfalls ist die angeregte Frage der Verdaulichkeit des 
Heufettes im angedeuteten Sinne interessant genug, um sie weiter 
zu verfolgen , und behalte ich mir darüber weitere Mittheilun- 
gen vor. 

Was schliesslich den dritten Punkt der Einwendung von 
E. Schulze anbelangt, dass der von mir ausgesprochene Satz 
auch keine empirische Geltung haben könne, so lasse ich das 
einstweilen dahingestellt. Die von E. Schulze aufgeführten 
Zahlen über die nach der Alkohol-Trennungsmethode bestimmte 
Menge Heufett und die wirklich verdaute Menge desselben spre- 
chen allerdings nicht zu meinen Gunsten. Es ist aber selbst- 
redend, dass die Trennungsmethode keine exacte genannt wer- 
den kann, und ich habe deshalb deutlich gesagt, dass wir nach 
derselben die verdauliche Menge Heufett ziemlich annä- 
hernd bestimmen könnten. In dieser Fassung dürften die mei- 
sten der von E. Schulze aufgeführten Zahlen meiner Behaup- 
tung nicht mehr sehr schroff entgegenstehen. Dass von der all- 
gemeinen Regel Ausnahmen vorkommen können, gebe ich gern 
zu und möchte für eine solche Ausnahme auch den einen 
herangezogenen Versuch halten, wonach vom Wiesenheu nur 
15 Proc. überhaupt verdaut würden: eine Zahl, welche von der 
für die Verdaulichkeit des Heufettes gefundenen Durchschnitts- 
zahl zahlreicher Fütterungsversuche sehr erheblich abweicht. 

Wie dem auch sei, ich hoffe bei Gelegenheit von Aus- 
nutzungsversuchen mit einigen Rauhfutterstoften auch diese Seite 
der Frage, wiewohl ich ihr keine grosse praktische Bedeutung 
zuschreibe, wieder in Untersuchung zu ziehen , glaube aber, 
meine frühere Behauptung (wenigstens nach den von Tb. 
Dietrich und mir angestellten Ausnutzungsversuchen) in der 
Form aufrecht erhalten zu können: dass von dem Heufett 
im Wesentlichen die kohlenstoffärmeren Verbin- 



J) Zeitschr. f. Biologie 1872 S. 153. 



47 



düngen zur Verdauung gelangen, und dass hierfür die 
Behandlung des entcblorophy Ilten Aetherextracts mit kaltem 
Alkohol (wie früher angegeben) einigen Anhaltepunkt liefert. 



Zur Kenntniss des Wieseiilieufettes. 

Vorläufige Mitthcilinig 
von 

J. König und J. Kiesow. 

(Referirt von Ersterem.) 

Das zur Untersuchung verwendete Fett wurde auf bekannte 
Weise durch Extrahiren des Heus mit Aether dargestellt. Den 
durch Thierkohle vom Chlorophyll befreiten Aetherextract zer- 
legten wir nach der (in Bd. XIII S. 243 d. Zeitschr.) angege- 
benen Methode durch kalten Alkohol in zwei Theile, von denen 
der eine flüssig oder vielmehr zähflüssig, der andere fest und 
wachsartig war. Wir werden fortan der Kürze halber das durch 
kalten Alkohol Gelöste I. Theil, die wachsartigen Körper II. Theil 
des Wiesenheufettes nennen. 

Beide Theile wurden je dreimal mit alkoholischem Kali- 
hydrat behandelt, im Wasserbade erwärmt und zur vollständigen 
Entfernung des Alkohols zur Trockne verdampft. Der Rück- 
stand bildete eine seifenartige Masse, welche wiederholt mit 
Aether ausgezogen wurde. Zuletzt wurde dieselbe in Wasser 
gelöst, nochmals gehörig mit Aether geschüttelt, sodann mit 
Salzsäure gefällt. 

Eine quantitative Bestimmung des Verhältnisses zwischen 
Säure und der durch Aether ausgezogenen Substanz ergab, dass 
auf 1,98 Grm. der letzteren bei dem I. Theil 5,30 Grm. Säure, 
bei dem II. Theil auf 1,75 Grm. 2,02 Grm. Säure kommen. 
Wir halten jedoch diese Bestimmung aus Gründen, die sich uns 
erst im Laufe der Untersuchung aufgedrängt haben, für nicht 
genau und legen einstweilen auf diese Zahlen kein Gewicht. 



48 



Um die verschiedenen Säuren zu trennen, lösten wir die des 
II. Theiles von Wiesenheufett in warmer Kalilauge und setzten 
sodann kaltes Wasser zu. Dabei schied sich ein Theii der 
Seife aus, welcher abfiltrirt und mit Salzsäure zerlegt wurde. 
Die gefällte Säure nennen wir a- Säure. 

Das Filtrat wurde weiter eingedampft, erkalten gelassen 
und die gefällte Seife abfiltrirt. Die daraus durch Salzsäure ab- 
geschiedene Säure heisse ß-Säure. 

Beim weiteren Eindampfen des Filtrats fiel in der Kälte 
kein Salz mehr aus, weshalb mit Salzsäure versetzt wurde, um 
die noch gelöste Säure zu gewinnen. Diese mag y-Säure heissen. 

Bei dem I. Theil des Wiesenheufettes werden die Säuren 
zur weiteren Zerlegung in Natronlauge gelöst, weil sich deren 
Kaliseifen als sehr leicht löslich herausstellten. Aber auch 
dieser Weg führte nicht so, wie wir wünschten, zum Ziele. 
Aus der warmen Lösung der Natronseife wurde zwar beim Er- 
kalten ein Theil der Seife abgeschieden, jedoch gelang es nicht, 
das Filtrat, welches allem Anscheine nach noch zwei Säuren, 
eine feste und eine flüssige, enthielt, durch partielle Krystallisation 
weiterhin zu trennen. Wir haben deshalb vorläufig die Säuren 
aus dem Filtrat mit Salzsäure gefällt und das Gemenge analysirt. 

Die erstere Säure sei o-Säure , das Gemenge der letzteren 
£-Säuren genannt. 

Wir wollen bemerken, dass die zwischenliegenden Krystal- 
lisationen von den einzelnen Seifen nicht berücksichtigt wurden, 
ein Umstand, der durchaus noth wendig ist, um reine Producte 
zu erhalten. 

Die durch Salzsäure abgeschiedenen Säuren wurden in Al- 
kohol, resp. Aether gelöst, wenn nöthig mit Thierkohle entfärbt, 
erst mehrere Tage über Schwefelsäure, dann einige Stunden 
bei einer Wärme von 80^ — 90^ getrocknet. 

Nach diesen Bemerkungen geben wir in nachstehender Ta- 
belle Farbe, Schmelz- und Erstarrungspunkt ') der verschiedenen 
Säure, sowie ihre Elementarzusammensetzung-). 

1) Dieselben Avurden mit einem Noi-mal-Tliermometer bestimmt. 
■-) Zur Elementaranalyse wollen wir bemerken , dass wir die Substanz 
in ein Platinsehiffeben und darauf grobkörniges Kupferoxyd brachten. Bei 



49 



Säure : 


Farbe 


Schmelz- 
punkt 

Gels. 


Erstarrungs- 
punkt 

Gels. 


Kohlen- 
stoff 

Proc. 


Wasser- 
stoff 

Proc. 


Sauer- 
stoff 

Proc. 


a - Säure 
ß - Säure 

Y " Säure 
5 -Säure 
e - Säure 


schnecAveiss 
weiss 

gelblich-weiss 

weiss 
dunkelgelb 


760—770,4 
460,2—460,8 

340 — 360 
460,8 — 470,8 
dickf 


720,3— 710,4 
450,8 — 440,6 

460,8—46,0 
lüssig 


78,62 

) 75,29 
} 75,31 

j 72,24 
) 72,25 

} 72,81 
) 73,41 

j 73,13 
) 73,92 


16,72? 

12,12 
12,06 

11,28 
11,57 

11,63 
11,64 

11,04 
11,24 


4,64 

12,59 
12,63 

16,48 
16,18 

15,56 
14,95 

15,83 
14,84 



Die a- Säure möchten wir als Cerotinsäure €27115402^), 
welche mit der niedrigen Säure noch spurenweise verunreinigt 
war, ansprechen. Dieselbe hat näuilich nach den Angaben der 
Lehrbücher einen Schmelzpunkt von 79^, während 76^ — 77^ A 
gefunden wurde. 

Die Formel verlangt : gefunden : 

Kohlenstoff 79,020/0 78,62 0/^ 

Wasserstoff 13,17 » 16,72 ? o/^ 2) 

Wenn man als Kriterion der Reinheit der festen Fettsäuren 
ansieht, dass Schmelz- und Erstarrungspunkt identisch sind 
oder sehr nahe bei einander liegen, so sind wir geneigt, die 
ß- und 8-Säure für ziemlich rein zu halten. Die erstere würde 



den hochschraelzenden Verbindungen wurde das Platinschiffchen einige Zeit 
einer Wärme von 900 — 100^ ausgesetzt damit die Substanz in das Kupfer- 
oxyd zöge. 

Bei der Verbrennung wurde der vordere Theil der Verbrennungsröhre 
erst bis zur Rothgluth erhitzt, sodann durch dieselbe ein langsamer Strom 
von Sauerstoffgas geleitet, der bis zu Ende der Verbrennung unterhalten 
Avurde. Nur so gelang es uns, bei den schwer verbrennlichen Verbindungen 
constante Zahlen zu erhalten. Leitet man den Sauerstoff erst zu Ende der 
Verbrennung über, wie es üblich ist, so erhält man fast stets zu niedrige 
Zahlen. 

1) G=12, 0 = 16. 

2) Die Wasserstoffbestimmung halten wir für fehlerhaft , konnten jedoch 
wegen Mangel an Substanz keine Wiederholung ausführen. 

Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 4 



50 



einer empirischen Formel^) C15 H28 O2 oder Cie H30 O2 entspre- 
chen, welche 

verlangen gefunden im Mittel 
Kohlenstoff 75,00 0/0 oder 75,590/0 75.300/o 
Wasser 11,66 « « 11,81 » 12,09 » 

Ebenso könnte man die o-Säure auf den empirischen Aus- 
druck Ci3 H24 O2 zurückfuhren, welcher 

verlangt : gefunden im Mittel : 

Kohlenstoff 73,11 0/q 73,11 O/^ 

Wasserstoff 11,32 « 11,63 « 

Wir wollen hiermit einstweilen nur Vermuthungen aus- 
sprechen, welche noch sehr der Bestätigung bedürfen. 

Die letzteren Formeln gehören nicht der Essigsäure-, son- 
dern Acrylsäure-Reihe an, die bekanntUch auf denselben Koh- 
lenstoff- und Sauerstoff - Gehalt 2 Atome Wasserstoff weniger 
enthält. Es sind verschiedene Umstände, welche uns veran- 
lassen, obige Säuren in die Acrylsäure - Reihe zu verweisen. 
Zunächst kann man annehmen, dass bei der Elementaranalyse 
für gewöhnlich eher zu viel als zu wenig Wasserstoff gefunden 
wird. Nun erhalten wir aber bei allen Säuren ausser der 
a- Säure, wenn wir nach dem Kohlenstoff- Gehalt auf ein ent- 
sprechendes Glied der Essigsäure-Reihe berechnen, stets zu we- 
nig Wasserstoff. 

Als charakteristisches Merkmal der Säuren der Acrylsäure- 
Reihe wird angegeben, dass sie mit schmelzendem Kalihydrat 
in Essigsäure und eine andere höhere Säure dieser Reihe zer- 
fallen. Wir haben diesen Versuch mit kleinen Mengen der 
ß- und 5-Säure ausgeführt, aber keine Reaction in diesem Sinne 
beobachtet. 

Die Kalischmelze wurde in Wasser gelöst, mit Schwefel- 
säure die feste Fettsäure abgeschieden, das Filtrat der Destilla- 
ion unterworfen. Das Destillat reagirte ziemlich stark sauer, 

1) Die erste Formel wäre die der Cimicinsäure, die zweite die der Hy- 
pogäsäure. Mit dem Schmelzpunkt der Cimicinsäure, der zu 440 angegeben 
ist, würde der gefundene (460,2) am besten übereinstimmen. Die Hypogä- 
säure schmilzt bei 330. 



51 



lieferte mit kohlensaurem Silber ein Salz, welches beim Ein- 
dampfen an den Wänden einen Silberspiegel absetzte und mit 
Schwefelsäure und gewöhnlichem Weingeist den bekannten Ge- 
ruch nach Fruchtäther zeigte. Das Kalksalz der anderen Säure 
hatte ebenfalls bei Behandlung mit Schwefelsäure und Wein- 
geist einen Geruch nach Fruchtäther, aber nicht nach Essig- 
äther. 

Die durch Schwefelsäure abgeschiedenen festen Fettsäuren 
wurden in Aether gelöst, mit Thierkohle entfärbt und zur 
Trockne gebracht. Sie erstarrten krystallinisch , hatten einen 
den verwendeten Säuren nahe liegenden Schmelzpunkt, aber 
einen höheren Kohlenstoff- und Wasserstoffgehalt, nämlich 
Säure ^) aus der.- 

ß - Säure : " S - Säure 

Schmelzpunkt 480,6—490,2 460,4—470,2 
Erstarrungspunkt 470,8—470,3 46,0 — 450,5 

Kohlenstoff 76,240/o 75,23 o/q 

AVasserstotf 12,88 » 12,41 » 

Wir können uns diese Thatsache vorläufig nicht erklären, 
hoffen aber mit mehr Material darüber ins Klare zu kommen. 

Das Gemenge der mit s bezeichneten Säuren haben wir in 
der Vermuthung, dasselbe möge Oelsäure beigemengt enthalten, 
in Ammoniak gelöst und mit Chlorbaryum gefällt. Das Baryt- 
salz wurde mit warmem Alkohol behandelt, um Ölsäuren Baryt 
zu lösen. Das alkoholische Filtrat gab nach dem Eindampfen 
ein zähes Barytsalz , dessen Menge jedoch zu weiterer Unter- 
suchung nicht ausreichte. Der Rückstand von der alkoholischen 
Lösung stellte nach dem Trocknen ein gelbes Pulver dar. Die 
daraus mit Salzsäure abgeschiedene Säure zeigte einen Schmelz- 
punkt von 330—340,5, einen Erstarrungspunkt von 33^,5— 330; 
ihre Elementarzusammensetzung war gleich der des ganzen Ge- 
misches, nämlich : ^ 

Kohlenstoff 73,95 o/^ 
Wasserstoff 11,28 » 

1) Wenn man vom Schmelzpunkt absieht, so würde erstere Säure in der 
Elementarzusammensetzung mit Stearinsäure, letztere mit Palmitinsäure über- 
einstimmen. 

4* 



52 



Wir vermuthen, dass sich diese Säuren durch die öftere 
Umkrystallisation unter Aufnahme von Sauerstoff verändert 
haben, vreshalb wir in Zukunft zu ihrer Keindarstellung einen 
anderen Weg einschlagen werden. 

Was nun die Verbindungen des Wiesenheufettes , welche 
durch alkoholisches Kalihydrat nicht angegriffen und mit Aether 
ausgezogen wurden, anbelangt, so bemerken wir, dass die zur 
Untersuchung dienende Substanz aus dem I. Theil des Wiesen- 
heufettes wiederum ein Gemenge von verschiedenen Verbindun- 
gen zu sein schien, welche zu trennen uns bis jetzt leider nicht 
gelang. Wir wandten die partielle Krystallisation aus kaltem 
Alkohol an, haben auch einen kleineren, schwer löslicheren 
Theil abgeschieden , aber der Kest , welcher aus Weingeist in 
Blättchen krystallisirte , zeigte keinen constanten Schmelz- und 
Erstarrungspunkt. Ersteren fanden wir bei 49^ — 51^, letzteren 
bei 37^,5 — 36^. Die Elementaranalyse dieser Substanz ergab: 

1. 2. Mittel. 

Kohlenstoff 79,33 o/o 80,03 o/o T9,680/o 

Wasserstoff 11,82 » 11,96 » 11,89 » 

Sauerstoff 8,85 « 8,01 )> 8,43 » 

Mit einer Mischung von Kaliumbichromat (15 Grm.) und 
200 CG. Schwefelsäure (I Theil Schwefelsäm-e und 4 Theile 
Wasser) oxydirte sich die Masse sehr leicht, indem sich viel 
Kohlensäure entwickelte. 

Die feste Säure wurde abfiltrirt, in Kalilauge gelöst, mit 
Salzsäure gefällt Und durch Aether ausgezogen. Sie hat nach 
Entfärben mit Thierkohle ein gelblich weisses Aussehen, schmilzt 
bei 32^5 — 330,3, erstarrt bei 31^8 — 31^4. Die Elemeutar- 
zusammensetzung ist folgende: 

1. 2. Mittel 

Kohlenstoff 77,340/0 76,770/o 77,060/o 

Wasserstoff 11,88 » 11,53 » 11,71 » 

Sauerstoff 10,78 » 11,70 » 11,23 » 

Auch bei dieser Säure (resp. Säuren) ist uns der hohe 
Kohlenstoff- und geringe Wasserstoff-Gehalt bei verhältnissmässig 
niedrigem Schmelzpunkt auffallend, so dass wir glauben, wie- 
derum die Acrylsäure vor uns zu haben. 



53 



Die von der festen Säure abfiltrirte Chromsäure - Lösung 
wurde der Destillation unterworfen. Das saure Destillat gab 
mit kohlensaurem Kalk erwärmt ein in Wasser leicht lösliches 
Kalksalz, welches bei Behandlung mit Schwefelsäure und Wein- 
geist wiederum den bekannten Geruch nach Fruchtäther zeigte. 

Aus dem entsprechenden Theil des sogen. Wachses haben 
wir durch partielle Krystallisation aus kaltem Alkohol drei ver- 
schiedene charakteristische Verbindungen dargestellt, von denen 
sich die beiden ersten durch eine Mischung von Kaliumbichromat 
und Schwefelsäure ebenfalls leicht oxydirten. Das Product der 
letzten Krystallisation, welches also am leichtesten löslich war. 
zeigte einen Schmelzpunkt von 47^,5 — 60^,b und hatte folgende 
Elementarzusammensetzung : 

1. 2. Mittel 

Kohlenstoff 80,77 o/o 79,080/o 79,930/o ^ 

Wasserstoff 12,74 » 12,30 « 12,51 « 
Sauerstoff 6,49 » 8,62 » 7,56 » 

Man könnte diese Verbindung für identisch mit der aus 
dem I. Theil des Wiesenheufettes halten, da beide einen ähn- 
lichen Schmelzpunkt und gleiche Elementarzusammensetzung 
haben. 

Die letztere lieferte jedoch bei der Oxydation eine Säure, 
deren Schmelzpunkt ungefähr bei 59^ — 60*^ lag, so dass wir ge- 
neigt sind, beide Verbindungen für nicht völlig gleich zu er- 
achten. 

Die zweite Krystallisation dieses Theiles zeigte einen Schmelz- 
punkt von 7805 — 790,3, einen Erstarrungspunkt von 770,4—76^,8 
mit folgender Elementarzusammensetzung : 

Kohlenstoff 82,31 o/^ 
Wasserstoff 14,30 » 
Sauerstoff 3,29 » 

Es ist wohl nicht sehr gewagt, diese Verbindung für Ceryl- 
alkohol C27 H56 0 anzusprechen. Derselbe schmilzt bei 79^ und 
verlangt 81,81 Proc. Kohlenstoff, 14,14 Proc. Wasserstoff, wo- 
mit die gefundenen Zahlen ziemlich gut übereinstimmen. 

Ausser diesen zwei Verbindungen, welche wir für Alkohole 



54 



halten, enthält das Wachs noch eine dritte Verbindung, welche 
in kaltem Alkohol sehr schwer löslich ist, und die erste Kry- 
stallisation bildete. Dieser Körper schmilzt bei 72^,2 — 73^,5, 
erstarrt bei 72^,5 — 71^,0 und ist von folgender Elementarzusam- 
mensetzung : 

1. 2. '3. Mittel 

Kohlenstoff 84,12 0/o 84,55 0/^ 84,59% 84,42 o/q 
Wasserstoff 15,02 » 14,94 >> 15,43 » 15,13 » 

99,140/0 99,490/0 100,020/0 99,550/0 

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass wir hier einen 
Kohlenwasserstoff vor uns haben. Man könnte daran denken, 
dass sich derselbe aus dem Wachs durch Behandlung mit Kali- 
hydrat gebildet habe, und nicht fertig gebildet im Wiesenheu 
vorkomme. 

Wir erinnern aber daran , dass Referent bereits in besagter 
Abhandlung ȟber die Elementarzusammensetzung der Pflanzen- 
fette etc.« für Wiesenheu-, Haferstroh- und Erbsenstroh- Wachs 
bei einfacher Behandlung desselben mit Alkohol, Kohlenstoff- 
und Wasserstoff- Zahlen fand, welche selbst für den höchsten 
Fettsäureäther, den melissinsauren Myi'icyläther Cßo H120 ^2 zu 
hoch waren. Es ergab nämlich Wachs aus 

Wiesenheukoth Haferstroh Erbsenstroh 
Kohlenstoff 84,25 o/q 83,540/o 83,51 o/o 

Wasserstoff 14,38 » 13,85 » 14,24 » 

während diese höchste Fettsäure- Verbindung nur 82,56 Proc. 
Kohlenstoff und 13,76 Proc. Wasserstoff erfordert. 

Deshalb wurde schon damals die Vermuthung ausgespro- 
chen, dass neben dem Wachs noch ein kohlenstoffreicherer 
Körper, nämlich ein Kohlenwasserstoff, in den Pflanzen, vorkom- 
men müsse. 

Wir halten nach obigen Zahlen diese Vermuthung für be- 
stätigt, werden aber noch directe Beweise dafür beibringen , da 
es immerhin interessant ist zu constatiren, dass der Desoxyda- 
tionsprocess in den Pflanzen normal bis zur Bildung eines Koh- 
lenwasserstoffes verläuft. 

In besagter Abhandlung wurde darauf hingewiesen, dass 



55 



ein Kohlenwasserstoff von der empirischen Formel Cg Hie 85,71o/o 
Kohlenstoff und 14,29% Wasserstoff verlange. Da die vorlie- 
gende Untersuchung mit grosser Wahrscheinlichkeit cerotinsau- 
ren Ceryläther im Wiesenheufett nachgewiesen hat, so könnte 
man auch an den Kohlenwasserstoff Ce roten denken, welcher 
bei der Destillation von chinesischem Wachs entstehen soll und 
welchem die Formel C57 Hgc beigelegt wird. Letztere würde 
85,26 Proc. Kohlenstoff und 14,74 Proc. Wasserstoff verlangen, 
wovon die gefundenen Zahlen nicht sehr erheblich abweichen. 
Leider aber fehlen bis jetzt jegliche sonstigen Angaben über 
diesen Kohlenwasserstoff. 

Wir geben vorstehende Abhandlung, uns wohl bewusst, dass 
dieselbe noch durchaus Iticken- und mangelhaft ist, hoffen sie aber 
demnächst vervollständigen und vervollkommnen zu können. Sie 
soll nur eine vorläufige Notiz sein, welche uns bei unseren 
ferneren Untersuchungen als Anhaltepunkt dient, ausserdem 
die Priorität dieser Arbeit sichert. 

Aehnlich wie beim Wiesenheu werden wir auch bei ande- 
ren Pflanzen und deren Samen die Constitution des Fettes fest- 
zustellen bemüht sein. 



Versuchs-Station zu Münster im 


October 


1872. 




Analytische Belege. 






Substanz. 


Angew. 
Subst. 

Grm. 


Kohlen- 
säure. 

Grm. 


Wasser 
Grm. 


a - Säure 

Desgl. nach Behandlung mit schmelzendem 
0- Säure 

Desgl 

Desgl. nach Behandlung mit schmelzendem 


0,1721 
0,1556 
0,1507 

0,1321 
0,1305 
0,0841 
0,1690 
0,1717 

0,1673 


0,4958 
0,4296 
0,4162 

0,3692 
0,3457 
0,2229 
0,4512 
0,4622 

0,4615 


0,2590 
0 1698 
0,1636 

0,1531 
0,1325 
0,0877 
0,1770 
0,1799 

0,1869 



56 



TT r\ o 4* o rr 


Angew. 
Subst. 

Grm. 


Kohlen- 
säure. 

Grm. 


Wasser 
Grm. 




0,1822 


0,4886 


0,1810 




0,1471 


0,3988 


0,1488 


Desgl. aus dem Barytsalz dargestellt .... 


0,1532 


0,4149 


0,1558 


Verbindung aus I. Theil des Wiesenheufettes 








0,1520 


0,4422 


0,1618 




0,1583 


0,4646 


0,1705 




0,1212 


0.3437 


0,1296 




0,1309 


0,3685 


0,1359 


Verbindungen aus II. Theil des Wiesenheufettes 




nach dem Verseifen. 










0,1335 


0,3954 


0,1531 




0,1397 


0,4051 


0,1547 




0,1254 


0,3785 


0,1625 




0,1362 


0,4202 


0,1842 




0,1396 


0,4328 


0.1877 




0,1765 


0,5475 


0,2454 



lieber die Priorität in Sachen der Boden- 
absorption. 

Von 

Prof. Dr. A. Orth. 



Es ist in der neueren Zeit mehrfach darauf hingewiesen, 
dass zuerst von Bronn er in den dreissiger Jahren dieses Jahr- 
hunderts (1836) auf die Absorption des Bodens aufmerksam ge- 
macht sei, und begegnet man dieser Mittheilung mehrfach wieder 
in der neuesten Journallitteratur. Wenn es nun auch seine 
Schwierigkeiten hat, hier von Priorität zu sprechen, wo eine 
noch unzureichende Einsicht in den naturgesetzlichen Zusam- 
menhang der Sache vorhanden ist — und dies ist ja bei Bronner 
auch der Fall so erscheint es mir doch erforderlich und ge- 
recht zu sein, bei dieser für die Geologie und die Entwicklung 



57 



des organischen Lebens im Haushalte der Natur so wichtigen 
Erscheinung , wie die Absorption des Bodens unzweifelhaft be- 
zeichnet werden muss, auf den Namen Gazzeri's, Lehrers der 
Chemie in Florenz, hinzuweisen, welcher bereits in seiner 1819 
zu Florenz erschienenen Schrift : Neue Theorie des Düngers (in 
deutscher üebersetzung herausgegeben von Berg, Leipzig 1823), 
Aehnliches wie Bronner mittheilt. Gazzeri betont darin die Er- 
scheinung (S. 75 der deutschen üebersetzung), dass gefärbtes 
Mistwasser durch Thon entfärbt werde, und fügt dann wörtlich 
hinzu : 

»Die Erde, und besonders der Thon, bemäch- 
tigt sich der dem Erdreiche anvertrauten 
auflöslichen Stoffe und hält sie zurück, um 
sie den Pflanzen nach und nach, ihrem Be- 
dürfnisse angemessen, mitzuth eilen.« 
Wie weit der mit Versuchen über Dünger vielfach beschäftigte 
Autor Kenntniss von den zu Grunde liegenden Erscheinnngen 
im Boden gehabt hat, ist hierans nicht ersichtlich : es ist wahr- 
scheinlich, dass, wie bei Bronner, das Wesen dieser Processe 
wenig bekannt gewesen ist, sowie ja überhaupt Andeutungen 
über Absorption schon aus noch früherer Zeit bekannt sind, ohne 
dass man, bis auf die neuere Zeit, versucht hätte, eine wissen- 
schaftliche Erklärung dafür zu erhalten. Man mag nun viel oder 
wenig Werth auf diese Mittheilungen von Bronner und Gazzeri 
legen, jedenfalls scheint es mir nothwendig zu sein, neben dem 
Deutschen Bronner auch den Italiener Gazzeri zu erwähnen, 
ohne jedoch einem von beiden überhaupt eine Priorität betreif 
der eigentlichen Entdeckung und des Nachweises der Boden- 
absorption zuerkennen zu können : dazu ist das Wesen dieser 
erst durch J. von Liebig »geistig befruchteten« Erscheinung 
damals doch noch zu wenig ermittelt gewesen. 

Berlin, im September 1872. 



58 



Den Apparat zum Auffangen und Sammeln der 
Schafexcremente betreffend. 

Nachträgliche Notiz 

von 

Dr. Hofmeister in Dresden. 



Band XV S. 192 dieser Zeitschrift habe ich den bei Hammeln 
hierorts benutzten Harntrichter beschrieben und dabei als einen 
Uebelstand desselben hervorgehoben^ dass der Trichter nur mit 
Loslösuug sämmtlicher ihn am Körper des Thieres fixirenden 
Binden und Bandagen abgenommen werden könne. 

Diesen Uebelstand glaube ich jetzt in befriedigender Weise 
dadurch beseitigt zu haben, dass ich den Rand des Trich- 
ters, also den 1,5 Cm. dicken soliden Kautschukring, mit sei- 
nen zwei ihn ringsum unterfassenden, nach beiden Seiten aus- 
laufenden, 13 Cm. breiten Kautschukbändern u. s. w. vom eigent- 
lichen Trichter lostrennte. 

Dieser Ring mit seinen Tragbändern wurde auf einen unten 
und oben offenen, kurzen (nur 31/4 bis 4 Cm. langen Kaut- 
schukcylinder aufgelöthet und bildet so dessen obern Rand. 
Die Weite des Cylinders ist gleich dem Durchmesser des Rin- 
ges, etwa 8 — 10 Cm.; seine Wandstärke beträgt 0,4 Cm., er 
ist also ziemlich steifwandig : auf seiner äussern Oberfläche sind 
ringsum im gleichen Abstände von einander vier kleine Schnal- 
len angelöthet. Dieser mit dem dicken soliden Kautschukraude 
und den breiten Kautschuktragbändern u. s. w. versehene kurze 
Cylinder wird nun über die Harnröhre des Thieres hinwegge- 
stülpt ; die ihn tragenden Bandagen beiderseits um den Leib des 
Thieres herum, nach dem Rücken heraufgenommen, hier zusam- 
mengeschnallt und durch strafferes Anziehn sein oberer Rand 
fest an den Bauch des Thieres angepresst ; der Cyhnder aber, aus 



59 



dem der Harnschlauch des Thieres nach unten zu hervorragt, 
ausserdem noch in der Art unverrückbar befestigt, wie ich dies 
1. c. für die Anlegung des Harnbeutels genau beschrieb. Er 
bleibt auf die ganze Dauer des Versuchs am Körper des Thieres 
fest sitzen und bildet, wenn man will, den unbeweglichen 
Theil des Apparates. 

Der bewegliche Theil ist der Trichter selbst: derselbe 
hat an Stelle des losgetrennten dicken, soliden Kautschukrandes 
(Ringes) einen kurzen (ca. Cm. langen) cylindrischen , fia- 
schenhalsförmigen , steifwandigen Kaiftschukansatz angelöthet 
bekommen. Der ganze Trichter mit seinem Besätze gleicht jetzt 
einer bauchigen, weit- aber kurzhalsigen Kautschukflasche. 
Dieser Ansatz ist nun so gearbeitet, dass er, in den am Bauche 
des Thieres fixirten Cylinder hineingeschoben, genau hineinpasst : 
seine Aussenwandung legt sich ringsum dicht an die Innenwan- 
dung des Cylinders an, und reicht bis an dessen dickern oberen 
Rand heran. Ist der Ansatz des Trichters bis dahin und damit 
auch bis an die bauchige Ausweitung des daran sitzenden Trich- 
ters hineingeschoben, so umgiebt die innere Wand des Trichter- 
ansatzes jetzt die Harnröhre des Hammels, aber immer noch in 
einer Weite von 7 — 8 Cm. im Durchmesser: der entleerte Harn 
kann an der Innern Wandung des Trichteransatzes hinablaufen, 
wenn er nicht unmittelbar in den Trichter fällt und dann weiter 
durch den an die Oeffnung des Trichterbodens angelötheten 
Kautschukschlauch nach der Harnsammelflasche. Um nun den 
Trichter mit seinem Ansätze in dieser Lage zu erhalten, sind auf 
der äussern Oberfläche der bauchigen Ausweitung des Trichters 
4 Stück Kautschukriemchen aufgelöthet, welche in die 4 kleinen 
Schnallen, auf der äussern Oberfläche des am Bauche des Thieres 
fixirten Cylinders befindlich, eingeschnallt werden und somit 
den in diesen Cylinder eingeschobenen Trichteransatz in dieser 
Lage erhalten und folglich auch den ganzen Trichter mit aus- 
laufendem Kautschukschlauch tragen. Durch einfaches Ausschnallen 
dieser Tragriemchen und Herausziehen des Trichteransatzes aus 
dem fixirten Cyhnder kann jetzt der Trichter mit Leichtigkeit 
abgenommen, gereinigt und ebenso leicht wieder in seine frühere 
Lage zurückgebracht und festgeschnallt werden. 



60 

» 

Diese Art Trichter, sowie auch schon die früher beschrie- 
benen, fertigte mir Herr Lunckewitz in Dresden in ausserordent- 
lich geschickter Weise zu meiner vollen Zufriedenheit. 

Schliesslich eine kurze Bemerkung. In Nr. 8 des Centralbl. 
f. Agr. -Chemie findet sich die Angabe, dass der von mir be- 
schriebene Apparat für Hammel »im Wesentlichen in der- 
selben Weise construirt« sei, wieder von Gustav Kühn 
bei Kühen angewendete. Zugefügt wird die Bemerkung, dass 
man bei Hammeln »aller"SingS(( nicht mit den Schwierigkeiten zu 
kämpfen habe, wie bei weiblichen Thieren, bei denen After und 
Scheide unmittelbar übereinanderl legen und eine Trennung der 
festen und flüssigen Excremente daher viel schwieriger sei. 

Der Apparat von G. Kühn ist mir seiner Originalität und 
Zweckmässigkeit nach natürlich wohl bekannt. Schon die Be- 
stimmung desselben für weibliche Thiere legt es nahe, dass 
ein für Hammel bestimmter Apparat nicht wohl »im Wesentlichen 
in derselben Weise« construirt sein könne. Auch habe ich (S. 192 
Bd. XV. dieser Zeitschrift) ausdrücklich hervorgehoben, 
dass der von mir benutzte Harntrichter im Princip dem von 
H. Hellriegel bereits im Jahre 1865 {Bd. VI. S. 246 dieser 
Zeitschrift) beschriebenen nachgebildet sei. In wieweit die von 
mir angegebenen Modificationen wirkliche Verbesserungen sind, 
überlasse ich ruhig dem sachdienlichen Urtheile competenter 
Fachgenossen. 



]) Firma: Gummi- "NVaaren-Fabrik von G. H. Lunckewitz in Dresden, 
Pirnaische Strasse Nr. 54. 



61 



lieber eine Methode zur qiiantitatiyen Bestim- 
iimiig des Asparagins. 

Von 

Dr. Robert Sadisse^). 



Das Asparagin findet sich in sehr vielen Pflanzenfamilien. 
In reichlicher Menge tritt es namentlich auf bei der Keimung 
der Papilionaceen als Spaltungsproduct der Eiweisskörper. Die 
Verhältnisse, unter welchen es sich hierbei bildet, und die Rolle, 
welche es spielt, sind noch neuerdings Gegenstände der Dis- 
eussion gewesen. Piria und noch kürzlich Cossa^j konnten 
aus am Licht gewachsenen Wicken ebensoviel oder noch mehr 
Asparagin darstellen, wie aus etiolirten, während Paste ur in 
grünen, am Licht gewachsenen Wickenpflanzen kein Asparagin 
aufzufinden vermochte. Nach Pfeffer^) ist das Licht ohue 
allen Einfluss auf die Bildung des Asparagins, wohl aber spielt 
dasselbe bei der Regeneration des Asparagins zu Eiweissstoffen 
eine wenn auch nur mittelbare Rolle. Der Zweck der folgenden 
Abhandlung ist es nun, ein Verfahren anzugeben, durch welches 
sich diese und ähnliche Fragen mit mehr Sicherheit werden 
entscheiden lassen, als dies bisher der Fall war. 

Das zu den Versuchen angewandte krystallisirte Asparagin 
enthielt : 

I. II. Berechnet 

N 18,60 18,65 18,66 

H20 11,96 12,04 12,00. 

Es war also chemisch rein. 



1) Vom Herrn Verf. im Separatabzuge aus dem Journ. f. prakt. Chemie 
Bd. VI eingesandt. 

2) Landwirthsch. Versuchs-Stat. XV, 182. 

3) Bot. Zeitung. 1872. 300. 



62 



Das Verfahren zur quantitativen Bestimmung des Aspara- 
gins, welches ich im Folgenden näher beschreiben werde, beruht 
auf der bekannten Thatsache, dass Asparagin bei längerem 
Kochen mit Salzsäure in Ammoniak und Asparaginsäure zerlegt, 
und dass letztere, ebenso wie das Asparagin selbst, bei gewöhn- 
licher Temperatur von bromirter Natronlauge nicht angegriffen 
wird. Wendet man also auf eine mit Salzsäure gekochte Aspa- 
raginlösung die Methode von Knop^) an, so entwickelt sich 
nur der Stickstoff des entstandenen Ammoniaks. Es entsprechen 
also 14 Gewichtstheile des frei gewordenen Stickstoffs 132 Ge- 
wichtstheilen wasserfreien Asparagins. 

Zur Prüfung des Verfahrens habe ich zunächst eine Reihe 
von Versuchen mit reinem Avasserfreien Asparagin 2) angestellt, 
deren Resultate in der ersten Tabelle aufgeführt sind. Es be- 
deuten 1. die zum Versuch angewandten Mengen wasserfreien 
Asparagins. Dieselben wurden in 100 CG. Wasser gelöst und 
mit 10 CG. gewöhnlicher Salzsäure 12 Stunden lang am Rück- 
flusskühler gekocht. Beim Schütteln mit der genau nach Knop's 
Vorschrift frisch bereiteten Bromlauge wurden daraus die unter 
2. aufgeführten Mengen Stickgas von den unter 3 stehenden 
Temperaturen erhalten. Unter 4. stehen die durch Reduction 
auf 0^ erhaltenen Volumina, unter 5. und 6. die daraus berech- 
neten Gewichtsmengen Stickgas und Asparagin. 





1. 


2. 


3. 


4. 


5. 


G. 


1. 


0,3030 


23,8 


120 


22, S 


0,0286 


0,3064 


2. 


0,3030 


23,1 


100 


22,3 


0,0280 


0.3000 


3. 


0,0445 


3,6 


140 


3,42 


0,0043" 


0,0405 


4. 


0,0545 


4,7 


140 


4,47 


0,0056 


0,0528 


5. 


0,0330 


2,5 


130 


2,38 


0,0030 


0,0283 


6. 


0,0420 


3,1 


140 


2,94 


0,0037 


0,0350 


7. 


0,0643 


5,8 


150 


5,49 


0,0069 


0,0650 


8. 


0,0993 


9,3 


150 


8,81 


0,0110 


0,1037 


9. 


0,0370 


2,9 


110 


2,78 


0,0035 


0,0330. 



1) Vgl. Chem. Centralbl. 1860. 244 u. Zeitschr. f. analyt. Chem. IX, 225. 

2) Die beiden ersten Versuche dieser Tabelle sind mit -wasserhaltigem 
Asparagin Bß 03 + H'^ O angestellt. Es entsprechen also 14 N 150 
Asparagin. 



63 



Ein Vergleich der Zahlen von Columne 1 und 6 zeigt, dass 
man Asparagin in wässerigen Lösungen genau bestimmen kann, so 
genau, wie man es bei dem Grundfehler, der der Methode an- 
haftet, dass man nämlich jeden Versuchsfehler nahezu mit 10 
multiplicirt , indem man von 14 auf 132 umrechnet, irgendwie 
erwarten kann. Hiermit ist indess die Aufgabe noch nicht zur 
Hälfte gelöst. Es fragt sich, ist es möglich, Asparagin aus 
Pflanzentheilen quantitativ zu extrahiren und auch unter so un- 
günstigen Umständen genau zu bestimmen. Zur Entscheidung 
dieser Frage wählte ich fein gepulverte Erbsen und mischte 
diese mit wechselnden Mengen wasserfreien abgewogenen Aspa- 
ragins. Nach dem, was überhaupt darüber bekannt ist, scheinen 
die Leguminosen im günstigsten Fall etwa bis zu 2,5 Proc. 
Asparagin enthalten zu können. Piria^) gewann aus 10 Kilo- 
grm. etiolirten Wicken 240 Grm. rohes und daraus 150 Grm. 
reines Asparagin. Dieses Verhältniss habe ich als Maximum 
angenommen. Ich mischte 10 Grm. fein gepulverte Erbsen mit 
wasserfreiem Asparagin, dessen Menge bei den verschiedenen 
Versuchen zwischen 0,05 und 0,25 Grm. variirte. Auf diese 
Weise erhielt ich Gemische von 0,5 — 2,5 Proc. Asparagingehalt, 
aus denen dieser behufs quantitativer Bestimmung zunächst ex- 
trahirt werden musste. 

Eine wässerige Lösung von Asparagin hält sich bekanntlich 
unverändert lange Zeit, sobald sie nicht mit anderen Stoffen 
verunreinigt ist. Eine solche, die gleichzeitig Pflanzensaft, also 
auch eiweissartige Stoffe enthält, geht bald in Gährung über, 
wobei sich bernsteinsaures Ammoniak bildet, der sämmtliche 
Stickstoff des Asparagins also in eine durch bromirte Lauge 
direct angreifbare Form übergeführt wird. Will man also das 
eben beschriebene Verfahren benutzen, um Asparagin in Pflan- 
zentheilen zu bestimmen, so ist zunächst die Bedingung zu er- 
füllen, dass die Extraction der Pflanzen sehr rasch vor sich geht. 
Wäre das Asparagin in reinem Alkohol sehr leicht löslich, so 
würde man sich am besten dieses Mittels bedienen, um das 
Erstere aus Pflanzen auszuziehen. Dies ist jedoch nicht der Fall. 



1) Compt. rend. 16. Sept. 1844 u. Ann. eh. phys. [3] 22, 160. 



64 



Man ist somit unbedingt auf die Beihülfe des Wassers zum Ex- 
trahiren angewiesen. Indess ist es leider nur zu bekannt, wie 
schwierig es ist, gewisse Pflanzentheile, wie junge Keimpflanzen 
aus stärkemehlhaltigen Samen, die man behufs ihrer Extraction 
mit Wasser ausgekocht hat, von der Flüssigkeit schnell zu 
trennen. Etwas beschleunigen kann man die Operation, wenn 
man statt reinen Wassers ein Gemisch von gleichen Volumtheilen 
Wasser und gewöhnlichen Alkohol anwendet. In einem solchen 
ist, wie bekannt, Asparagin namentlich in der Wärme noch 
leicht löslich. Aber auch in diesem Falle geht das Filtriren, 
selbst unter Beihülfe der Luftpumpe, noch langsam genug von 
statten und misslingt häufig ganz. In folgender Weise gelangt 
man aber rasch zum Ziele. 

Man kocht die oben erwähnten Mengen gepulverter Erbsen 
mit 200 CC. einer Mischung gleicher Volumtheile Wasser und 
gewöhnlichen Alkohol 1/4 Stunde am Rückflusskühler aus. Man 
nimmt dann vom Feuer herunter und mischt noch heiss mit 
5 CC. einer kalt gesättigten alkoholischen Quecksilberchlorid- 
lösung, die man mit dem gleichen Volum Wasser verdünnt hat. 
Man schüttelt die Flüssigkeit tüchtig durch und filtrirt dann ohne 
Weiteres durch ein ziemlich grosses Faltenfilter. Die Flüssigkeit 
läuft anfangs zwar etwas trübe ^) , nach einiger Zeit vollständig 
klar und sehr rasch durch. Nachdem Alles abgelaufen ist, 
wäscht man den Niederschlag, den man soviel wie möglich mit 
auf das Filter gebracht hat, mit nochmals 200 CC. einer gleichen 
in der Spritzflasche erhitzten Mischung von Alkohol und Wasser, 
dann noch 3 — 4 Mal mit reinem kalten Wasser aus. Man erhält 
so etwa 500—550 CC. Filtrat und Wasch wasser, das bei den 
bei meinen Control versuchen mit Erbsen eingehaltenen Verhält- 
nissen zur Extraction vollkommen ausreichend war. 

Die günstigen Wirkungen, welche der Zusatz des Queck- 
silberchlorids auf den Verlauf des Filtrirens ausübt, beruhen 
jedenfalls darauf, dass dasselbe die beim Kochen mit in Lösung 



1) Filtrirt man erst nach dem vollständigen Erkalten der Flüssigkeit, 
so läuft dieselbe allerdings etwas langsamer aber vollständig klar ab. Man 
erhält in diesem Fall in 3/^ Stunde etwa 250 CC. Filtrat. 



65 



gegangeuen schleimigen Protein stoife heransfälit. Der Einfluss 
des Quecksilberchlorids unterstützt also nicht allein die OjDcra- 
tion des Filtrirens, er entfernt auch aus dem Filtrat eine grosse 
Menge stickstoffhaltiger Stoffe, deren Gegenwart für das Fernere 
nur schädlich sein kann. Andererseits bildet das Asparagin mit 
Quecksilberchlorid eine Verbindung, die durch Eindunsten der 
vermischten Lösung erhalten werden kann. Quecksilberchlorid 
ist also zunächst ohne allen schädlichen Einfluss auf Asparagin. 

Ein derartiger schädlicher Einfluss tritt allerdings bei den 
späteren Operationen auf, kann aber leicht beseitigt werden. 
Zur Ueberführung des im Auszug befindlichen Asparagins in 
Ammoniak und Asparaginsäure ist es nun nöthig, mit Salzsäure 
zu kochen. Wollte man dies ausführen, ohne vorher das Queck- 
silber beseitigt zu haben, so würde man, wie ich mich vielfach 
überzeugt habe, ganz unrichtige Zahlen erhalten, weil das Aspa- 
ragin bei längerem Kochen mit Quecksilberchlorid in saurer 
Lösung zer;Stört wird. Man verfährt daher folgendermassen : 
Man dunstet zunächst die 500—550 CG. Extract auf dem Wasser- 
bade in einer Schale ein, und zwar beginnt man passend mit 
dem Eindampfen, sobald nur die ersten Portionen der Flüssigkeit 
vom Filter abgelaufen sind. Auf diese Weise erfordert Filtriren 
und Abdampfen bei den früher angegebenen Gewichtsmengen 
nicht länger als 5 — 6 Stunden. Den Verdampfungsrückstand 
löst man, soweit er sich lösen will, in möglichst wenig reinem 
Wasser, und bringt schliesslich Alles, das Gelöste und Unge- 
löste, in ein Becherglas, wobei man darauf achtet, dass das 
Volumen der Flüssigkeit 50 CG. nicht wesentlich übersteigt. 
Man leitet nun einen raschen Strom Schwefelwasserstoff ein, bis 
die Flüssigkeit danach riecht, filtrirt dann sofort durch ein klei- 
nes Faltenfilter den Niederschlag vomx Schwefelquecksilber ab 
und wäscht denselben mit reinem heissen Wasser aus. Filtrat 
und Waschwasser lasse man nicht mehr als etwa 110 — 120 CG. 
betragen. Auch diese Operation geht sehr rasch von statten, so 
dass man nach etwa 7 Stunden die Flüssigkeit bis zum Kochen 
mit Salzsäure fertig hat. 

Ich zweifle nicht daran, dass das eben beschriebene Ex- 

Landw. Versuchs-Stat. XYI. 1873. 5 



66 



tractionsverfahren aucli bei allen anderen Pflanzentheilen mit 
gleich günstigem Erfolg angewandt werden kann. 

Erbsenpulver, mit welchem ich operirte, ist wenigstens, da 
es eine an Stärkemehl und Eiweiss reiche Substanz ist, als ein 
möglichst ungünstiger Fall anzusehen. 

Es muss indess noch eine andere Bedingung erfüllt sein, 
wenn man nach dem bis jetzt beschriebenen Verfahren genaue 
Resultate erhalten will. Der betreffende Pflanzentheil darf näm- 
lich ausserdem keine lösliche Substanz erhalten, welche beim 
Schütteln mit bromirter Lauge für sich Stickgas entwickelt, oder 
man muss im Stande sein, die aus dieser Quelle stammenden 
Stickstoffmengen genau bestimmen zu können, um sie in Abzug 
zu bringen. 

Die folgenden Versuche zeigen nun, dass Erbsen in der 
That eine derartige Substanz enthalten. Ich extrahirte Erbsen- 
pulver ohne Asparaginzusatz ganz wie oben angegeben , fällte 
mit Schwefelwasserstoff und schüttelte das etwa 100 — 120 CC. 
betragende Filtrat vom Schwefelwasserstoffniederschlag direct, 
ohne es mit Salzsäure zu kochen, nachdem es mit etwas reiner 
Kalilauge alkalisch gemacht worden war, mit bromirter Lauge. 
Die erhaltenen Resultate sind in der folgenden Tabelle zusam- 
mengestellt, zu deren Verständniss bemerkt werden mag, dass 
in allen Fällen 10 Grrm. Erbsenpulver zum Versuch dienten, und 
dass die Columnen 1—4 die gefundenen Stickstoffvolumina, die 
zugehörigen Temperaturen, die reducirten Volumina und die dar- 
aus berechneten Gewichte des Stickstoffes bedeuten: 





1. 


2. 


3. 


4. 


1. 


3,0 


150 


2,84 


0,0036 


2. 


3,8 


210 


3,52 


0,0044 


3. 


2,8 


170 


2,63 


0,0033 


4. 


3,0 


200 


2,79 


0,0035 



Mittel 0,0037. 



Asparagin ist in Erbsen nicht enthalten. Man erhält nämlich bei 
Anwendung reinen Erbsenpulvers gerade so viel Stickstoff, wenn 
man , ohne mit Salzsäure zu kochen , mit Bromlauge schüttelt, 
als wenn man vor dem Schütteln mit Salzsäure kocht, wie fol- 
gender Versuch lehrt, bei welchem wiederum 10 Grm. Erbsen 



67 



angewandt wurden, die übrigen Zahlen aber in derselben Rei- 
* henfolge aufgeftihrt sind, wie in der vorangehenden Tabelle. 

3,4 210 3,15 0,0039. 

Welcher Art die Stickstoffverbindungen sind, w^elche sich in dieser 
Weise verhalten , lasse ich einstweilen dahingestellt. Es fragt 
sich nun, ist man sicher, dass man den aus dieser unbekannten 
Quelle stammenden Stickstoff nicht mit jenem aus Asparagin 
verwechselt. Bedenkt man die Reihe von Operationen, welche 
man bei der Extraction des Asparagins vornehmen muss, das 
Auskochen, Vermischen mit Hg CP, Eindampfen, Einleiten von 
H2 S etc., so liegt die Befürchtung nahe, es könnte sich unter 
diesen Einflüssen etw^as von dem in den Extract übergegangenen 
Asparagin bereits in Ammoniak und Asparaginsäure zersetzen. 
Man würde dann beim Schütteln mit Bromlauge ohne vorheriges 
Kochen mit Salzsäure auch den Stickstoff dieses Ammoniaks 
mit erhalten, also dem Resultat des Hauptversuchs mehr Stick- 
stoff abziehen, als noth wendig wäre. Mit anderen Worten, es 
liegt die Aufgabe vor, nachzuweisen, dass Erbsen mit Asparagin 
vermischt alle die im Vorhergehenden beschriebenen Operationen, 
mit Ausnahme natürlich des Kochens mit Salzsäure, durch- 
machen können, ohne dass eine Veränderung des Asparagins 
zu bemerken wäre. Ich habe daher eine Reihe von Versuchen 
angestellt, bei w^elchen zu 10 Grm. Erbsen w^echselnde Mengen 
Asparagin hinzugemischt wurden. Dann wurde wie gewöhnlich 
verfahren und der ohne vorgängiges Kochen mit Salzsäure durch 
Schütteln mit bromirter Lauge entwickelte Stickstoff bestimmt. 
Die Resultate dieser Versuchsreihe sind in der folgenden Tabelle 
zusammengestellt. Die erste Columne derselben enthält die Aspa- 
raginmengen, welche zu 10 Grm. Erbsen hinzugemischt wurden, 
Columne 2 — 5 enthält die beobachteten Gasvoiumiua, Tempe- 
raturen, reducirten Volumina und die daraus berechneten Ge- 
wichte des entwickelten Stickstoffs. 





1. 


2 


3. 


4. 


5. 


1. 


0,0775 


3,3 


ISO 


3,09 


0,0038 


2. 


0,0895 


3,7 


170 


3,48 


0,0044 


3. 


0,2470 


3,5 


170 


3,29 


0,0041 


4. 


0,1630 


4,0 


190 


3,74 


0,0045 



Mittel 0,0043. 

5* 



68 



Dieses Mittel von 0042 Grm. Stickgas, die aus asparaginhaltigen 
Samen entwickelt werden, ist, wie man sieht, allerdings etwas 
höher, als das 0,0037 Grm. Stickstoff betragende Mittel aus den 
vier Versuchen der zweiten Tabelle, bei welchen vollständig 
asparaginfreie Samen angewandt wurden. Es zeigt also der Ver- 
gleich beider Tabellen, dass in der That durch die vorbereitenden 
Operationen eine geringe Menge von Asparagin bereits Ammo- 
niak abgegeben hat. Diese Menge, die also durch die Differenz 
beider Mittel von 0,0005 Grm. Stickstoff ausgedrückt wird, ist 
indess so unbedeutend, dass ich sie vernachlässigen zu dürfen 
geglaubt habe. 

Ich gehe nun zur Mittheilung der eigentlichen Controlver- 
suche über. Bezüglich der Herstellung der zwischen 0,5 — 2,5 
Proc. Asparagingehait schwankenden Probemischungen habe ich 
das Erforderliche schon früher mitgetheilt, ebenso verweise ich 
betreffs des Auskochens, Abdampfens etc. auf das bereits Ge- 
sagte. Nach dem Abfiitriren und Auswaschen des Schwefel- 
quecksilbers wird die Flüssigkeit, die bei keinem Versuch 120 
CC. circa überstieg, mit 10 CC. Salzsäure versetzt und am Rück- 
flusskühler gekocht. Bei den früheren in der ersten Tabelle 
mitgetheilten Versuchen mit reinem Asparagin habe ich, wie 
bemerkt, 12 Stunden lang gekocht. Es hat sich indess heraus- 
gestellt, dass dieses lange fortgesetzte Kochen keineswegs noth- 
wendig, ja dass es sogar schädlich ist, sobald man es nicht mit 
reinen Asparaginlösungen, sondern mit durch andere organische 
Stoffe verunreinigten Lösungen zu thun hat. In diesem Falle 
erhält man durch zu lange fortgesetztes Kochen mehr Stickstoff, 
als man erhalten sollte. In der unten folgenden Tabelle sind 
die mit einem * bezeichneten Versuche 3 Stunden, die anderen 
nur 1 — 1,25 Stunde mit 10 CC. Salzsäure gekocht worden. 
Man wird bemerken, dass alle Versuche der ersten Klasse einen 
nicht ganz unbeträchtlichen üeberschuss an Asparagin über die 
angewandte Menge ergaben, während die nur eine Stunde lang 
gekochten entweder zu wenig oder höchstens einen verschwin- 
dend kleinen Üeberschuss ergaben. Als Vorschrift ist daher 
einstündiges Kochen der Lösung mit 10 CC. Salzsäure zu geben. 
Man lässt hierauf vollständig vor ammoniakalischen Dünsten 



69 



geschützt erkalten, schüttet die Flüssigkeit in das Zersetziiiigs- 
gefäss M und übersättigt schwach mit Kalilösimg. In das innere 
von Knop als Einsatz bezeichnete Gefäss kommt die bromirte 
frisch bereitete Natronlauge. Dasselbe fasste bei meinen Ver- 
suchen etwa 25 CG. Da durch das Uebersättigen mit Kali eine 
allerdings ganz schv/ache Erwärmung der Flüssigkeit eintritt, 
so lasse man sehr gut erkalten und überzeuge sich, nachdem 
man das Zersetzungsgefäss mit dem Azometer verbunden hat, 
sorgfältig, dass kein Zurücksteigen der Flüssigkeitssäule in 
demselben mehr stattfindet. Ich habe mich bei den sämmtlichen 
nun folgenden Versuchen überzeugt, dass die Menge der ange- 
wandten bromirten Lauge zur Zersetzung mehr als hinreichend 
war. Nach vollständiger Beendigung des Versuchs entwickelte 
nämlich die im Zersetzungsgefäss befindliche Flüssigkeit mit Sal- 
miaklösung versetzt ganz unzweifelhaft Stickstoff. 

Die Zahlen in der folgenden Tabelle bedeuten: 1 die zum 
Versuch angewandten und zu 10 Grm. Erbsenpulver hinzuge- 
mischten Mengen Asparagin: 2, 3, 4 und 5 die beobachteten 
Volumina, Temperaturen, reducirten Volumina und die Gewichte 
des entwickelten Stickgases. Von diesen Gewichten habe ich 
das Mittel von Tabelle 2 von 0,0037 Grm. N als im Samen 
befindlich und nicht zu Asparagin gehörig abgezogen. Hierdurch 
entstehen die Zahlen der Columne 6, die auf Asparagin unter 
Golumne 7 umgerechnet sind. Ein Vergleich zwischen Columne 1 
und 7 zeigt in den meisten Fällen eine vollkommen genügende 
Uebereinstimmung. 





1. 


2. 


3. 


4. 


5. 


6. 


i . 


1.* 


0,01)72 


12,1 


150 


11,46 


0,0144 


0,0i07 


0,1009 


2. 


0,0485 


7,5 


140 


7,13 


0,0089 


0,0052 


0,0483 


3.* 


0,0930 


12,6 


200 


il,73 


0,0147 


0,0110 


0.1037 


4.* 


0,2235 


26,0 


230 


23,97 


0,0301 


0,0264 


0,2489 


5.* 


0,2445 


27,3 


230 


25,17 


0,0316 


0,0279 


0,2630 


6. 


0,2252 


21,8 


210 


20,24 


0,0254 


0,0217 


0,2046 


7. 


0,1195 


13,6 


200 


12,67 


0,0159 


0,0122 


0,1150 


8. 


0,1973 


20,7 


240 


19,02 
8,24 


0,0239 


0,0202 


0,1905 


9. 


0,0633 


9,0 


250 


0,0104 


0,0067 


0,0631 


10.2) 


0,0930 


11,8 


240 


10,84 


0,0136 


0,0099 


0,0933 



1) Wegen dieser Bezeichnungen vgl, Knop, Landw. Vers.-Stat. V, 137 
und Analyt. Zeitschr. IX, 225. 

Diese Bestimmung wurde im hiesigen agriculturckem. Lalorat. von 
Dr. Herrm. L a s k o \v s k y ausgeführt. 



70 



Eine derartige Bestimmung lässt sicli von Anfang bis Ende 
in höchstens 12 Stunden ausführen. Ich werde mich im näch- 
sten Sommer damit beschäftigen, die Entstehung und Wanderung 
des Asparagins bei der Keimung der Leguminosen zu studiren. 



Der Kohleiisäiiregehalt der atmosphärischen 

Luft. 



Durch eine den Zeitraum 18. Oct. 1868 bis 31. Juli 1871 
umfassende Untersuchung hat Prof. Franz Schulze in Rostock 
einen hinter den gewöhnlichen Angaben nicht unwesentlich zu- 
rückbleibenden Kohlensäuregehalt der Atmosphäre nachgewiesen^) . 
Während man denselben bis dahin auf Grund der Beobachtungen 
von Th. de Saussure, von Boussingault und Anderen zu 
4 Vol. Kohlensäure in 10000 Vol. Luft anzunehmen pflegte, 
ergaben die Rostocker Beobachtungen nur 2,9 Vol. mit unbe- 
deutenden und unregelmässigen Schwankungen im Laufe der 
Zeit (Min. 2,25 ; Max. 3,44). 

Die in den diesjährigen (1872) Sommermonaten auf der 
Weender Versuchs-Station ausgeführten Respirationsversuche ha- 
ben als beiläufiges Resultat eine Bestätigung der Schulze' sehen 
Daten geliefert. In 1000 Liter Luft von nebenstehender Tem- 
peratur wurden nämlich gefunden: 



Von 



Prof. Dr. W. Henneberg i). 



Kohlensäure Lufttemperatur 



Gramm. ^C. 



15 1. » desgl. 

4. Juni desgl. 

H. » desgl. 

8. » desgl. 

11. » desgl. 



29. Mai im Mittel von 12 Tagstunden 



0,558 18,2 

0,618 19,4 

0,597 18,4 

0,G10 18,7 

0,581 17, S 

0,554 17,9 



1) Aus dem Journ. f. Landwirthschaft vom Verf. mitgetheilt. 

2) Vgl. Landw. Vers.-Stat. Bd. XIV, S. 360. 



71 



Kohlensäure Lufttemperatur 



•^0/21. )) desgl. 

"^/23- " desgl. 

2^/27. » desgl. 

^8 '29. )) desgl. 



13/^4. Juni im Mittel von 24 Stunden 



^Ve- desgl. 
9/10. » desgl. 



/i2- » clesgl. 
'/t4. » desgl. 
Vis- « desgl. 



3/4. Juli desgl. 



Grmm. oc. 

0,569 16,9 

0,597 18,7 

0,577 18,3 

0,556 19,8 

0,582 16,6 

0,571 16,5 

0,616 18,1 

0,578 18,5 

0,619 20,8 

0.563 21,6 

0,600 17,4. 



Vergleicht man damit die Rostocker Werthe: 



Mai 


1869 : 


0,512 


bis 


0,572 


Grm. 


bei 


7,5 bis 17,5 


OC 




1870 : 


0,520 


» 


0,592 


» 


» 


1,8 




25,0 


» 


» 


1871 : 


0,552 


» 


0,636 






1,2 




24,1 




Juni 


1869 : 


0,504 


» 


0,632 




» 


9,3 


» 


22,5 






1870 : 


0,524 




0,556 


» 


» 


10,0 




28,2 






1871 : 


0,496 




0,640 


)) 


» 


7,5 


)) 


26,2 


» 


Juli 


1869 : 


0,484 


» 


0,584 


n 


» 


14,3 


» 


24,1 


■ » 




1870 : 


0,520 


» 


0,592 


)) 


» 


11,8 


» 


26,2 


» 




1871 : 


0,492 




0,612 


» 


» 


13,1 




21,5 


» 



SO liegt die Uebereinstimmung auf der Hand. 

Das arithmetische Mittel der Weender Zahlen beträgt für 
Kohlensäure 0,585 Grm., für Lufttemperatur 18,4 ^C. Unter 
Zugrundelegung des mittleren hiesigen Barometerstandes von 
748 Mm. berechnen sich daraus approximativ 3,2 Vol. Kohlen- 
säure pro 10000 Vol. Luft von 0 *^C. bei 760 Mm. Barometerstand. 



Thätigkeitsberichte aus den landw. Versuclis- 

Stationeii. 

Die Samenprüfungs-Ansialt der Ceiitralstelle des Badisclien laud- 

Avirtliscli afüiclien Vereins . 

Von 

Dr. L. Just. 



Als icli im Laufe des vorigen Sommers öfters Gelegenheit 
hatte, über Samenprüfungs-Anstalten mich mit Herrn Dr. Funk, 
wie Herrn Prof. Dr. Nessler zu unterhalten, erfasste ich den 
Gedanken an die etwaige Errichtung einer solchen Anstalt für 
Baden mit grosser Freude, weil ich die volle Ueberzeugung 
hatte, dass derartige Samencontrol- Anstalten berufen seien, so- 
wohl einem längst und vielseitig gefühlten praktischen Bedürfniss 
Rechnung zu tragen, als auch eine Reihe interessanter wissen- 
schaftlicher Fragen zu lösen. 

Es war mir somit sehr erfreulich, als mir von dem derzei- 
tigen Präsidenten, Herrn Dr. Herth, Gelegenheit geboten wurde, 
im Auftrage der Centraistelle nach Tharand zu reisen, um mich 
über die Einrichtung der daselbst seit mehreren Jahren durch 
Hrn. Prof. Nobbe glücklich betriebenen Samenprüfungs-Station 
zu unterrichten. 

Die Prüfungsanstalt in Tharand wurde im Jahre 1869 ge- 
gründet, zunächst in der Absicht, die Mitglieder des Dresdener 
landw. Vereins vor materiellem Schaden zu sichern, denn dort, 
wie ja auch anderweitig, war die Schwierigkeit, unverfälschte 
und gesunde Sämereien zu erhalten, sehr fühlbar geworden. Die 
Station untersucht den Mitgliedern des Dresdener landw. Ver- 
eins die eingesandten Sämereien gratis, Nichtmitglieder zahlen 
eine bestimmte Summe an die Controlanstalt für jede Unter- 
suchung. Die Anzahl der bisher durch Hrn. Professor Nobbe 
ausgeführten Untersuchungen beläuft sich auf ungefähr 17(M). 
Alle diese Untersuchungen haben schlagend nachgewiesen, dass 
der gesammte Samenhandel sehr darniederliegt. Dieser schlimme 
Zustand hat seinen Grund in der weitgehenden Unkenntniss 
über die Natur landw. Sämereien, leider oft aber auch in dem 
absichtlichen Betrug Seitens der Händler. 



73 

Es gelaug-, die traurigsten Fälschungen fest/Aistellen. Alte 
Sämereien wurden gefärbt, um ein frisches Aussehen zu erhal- 
ten ; theils durch Vermischung mit Surrogaten, theils durch Ver- 
mischung mit alten, nicht mehr keimfähigen Samen wurde die 
geringe Menge guten Samens, welche der Landwirth vom Händler 
entnahm, in hohem Grade vertheuert. Zur Illustration dieser 
Behauptung theile ich einige besonders wichtige Fälle mit. 

Es gelang festzustellen, dass Kleesamen, in der gröblichsten 
Weise verfälscht, in den Handel gebracht wurden. Der Same 
war mit kleinen Quarzkörnern gemischt, welche bis zu 25^0 iu 
Verwendung kamen . Zur Herstellung dieser Quarzkörner existirt 
eine besondere Fabrik, welche ihre üble Aufgabe so gut erfüllt, 
dass es selbst einem geübten Auge sehr schwer wird, die Täu- 
schung nachzuweisen. 

Ferner hat sich in neuerer Zeit die Station in Tharand auch 
damit beschäftigt, gärtnerische Sämereien ihrer Controle zu unter- 
werfen. Von den in Hede stehenden Samen haben oft schon 
geringe Quantitäten einen sehr hohen Preis, so dass eine Ver- 
fälschung mit werthlosem Material sehr lohnend sein muss. Die 
Samen vieler Wildlinge gleichen nun äusserlich vollkommen den 
Samen der werthvollen Varietäten, würden also zur Fälschung 
sehr geeignet sein. Eine Untersuchung durch die Keimung würde 
aber die Fälschung verrathen. — Es giebt nun Fabriken, welche 
sich damit beschäftigen, den zur Fälschung dienenden Samen 
ihre Keimfähigkeit zu nehmen, indem man dieselben sehr behut- 
sam einem Köstungsprocess aussetzt. Derartig behandelte Samen 
sind dann zur Vermischung mit der geringen Quantität werth- 
vollen Materials, welches dem Käufer geboten wird, sehr geeignet. 
Der Käufer glaubt dann leicht, es liege in der Natur des betreffen- 
den Samens, dass etwa nur 10% der Waare keimfähig sind. 

Vermischungen frischer keimfähiger Samen mit alten, welche 
ihre Keimkraft bereits eingebüsst haben, kommen ungemein häu- 
fig vor. 

Gegen alle diese Betrügereien kann nur eine geeignete Sa- 
mencontrole schützen; durch eine solche wird es leicht, mit Hülfe 
von Keimversuchen, Wägungen, mikroskopischen Untersuchun- 
gen etc. den Betrug nachzuweisen. 



1) Hier scheint ein kleines Missverständniss vorzuliegen. Die betr. Klee- 
proben waren nicht käufliche Waare, sondern vom Unterzeichneten mit je 
25 Proc. des zu Hamburg centnerweise sehr kunstvoll hergestellten Fälschungs- 
mittels für Roth- und Weissklee versetzt worden, wodurch der Beweis geführt 
werden sollte , dass selbst sanienkundige Personen ohne sehr eingehende 
Untersuchung kaum im Stande sind, den Wirkungen jener verbrecherischen 
Industrie sich zu entziehen. N. 



74 



Es liegt auf der Hand, dass schon durch den Schutz gegen 1 
derartige betrügerische Unternehmungen eine Samencontrole von I 
hober Bedeutung wird und leicht geeignet ist, den Käufer vor I 
empfindlichen Verlusten zu schützen. I 

Durch die bei der Tharander Controistation angestellten I 
Untersuchungen hat sich aber herausgestellt, dass solche Samen- 
controien besonders berufen seien, den sehr darniederliegenden 
Samenhandei überhaupt zu heben. 

Abgesehen von solchen vorhin erwähnten absichtlichen Fäl- 
schungen, erleiden die in den Handel gebrachten Sämereien eine 
Menge von Schädigungen, welche nicht im Entferntesten auf 
eine Unreellität der Händler zurückzuführen sind, sondern sich 
lediglich erklären aus der weitgehenden Unkenntniss, welche 
über die Natur unserer landw. Sämereien leider noch herrscht. 

Man wusste bisher durchaus nicht, was man eigentlich unter 
einem guten oder schlechten Samen vernünftiger Weise zu ver- 
stehen habe; die Eigenschaften der Sämereien hatten bisher in viel 
zu geringem Grade eine wissenschaftliche Durchforschung erfah- 
ren, als dass es möglich gewesen wäre, leicht die Qualität irgend 
eines Samens zu bestimmen. Erst die in Tharand angestellten zahl- 
reichen Untersuchungen waren im Stande, diesem Mangel einiger- 
massen abzuhelfen. Es kam darauf an, festzustellen, welchen 
Grad von Keimfähigkeit man bei den verschiedenen Sämereien 
ihrer Natur gemäss verlangen könne, ferner in welchem durch- 
schnittlichen Grad von ßeinheit die Sämereien herzustellen seien. 

Selbstverständlich kann Niemand verlangen, dass stets 1 OO^/q 
irgend eines Samens zur Keimung kommen. Die Pflanzen er- 
zeugen eben nicht durchweg normale Samen, ein gewisses Quan- 
tum ist immer antauglich, einmal mehr, einmal weniger. Aber 
man kann für die verschiedenartigen Sämereien wenigstens irgend 
einen Mittelwerth der Keimfähigkeit festsetzen. Sämereien, die 
dann unter solchem Mittelwerth bleiben, sind schlecht, solche, 
welche diese Mittelwerthe übersteigen, sind besonders gute. 

Herr Professor Nobbe in Tharand war nun mit vielem Fleiss 
bemüht, solche Mittelwerthe für Keimkraft und Reinheit der 
Samen festzustellen. Es wurden zu diesem Zweck Samen, die 
unter den verschiedensten klimatischen Verhältnissen gezogen 
waren, die auf den verschiedensten Bodenarten gewachsen wa- 
ren, Samen verschiedenen Alters der eingehendsten Untersuchung 
unterzogen, und so wurden auf sehr mühsamem Wege Durch- 
schnittszahlen für Keimkraft und Reinheit verschiedener Säme- 
reien gefunden. Ich theile einige mir von Hrn. Prof. Nobbe 
gütigst zur Verfügung gestellte Zahlen mit, welche sehr geeignet 
sind, zur Erläuterung zu dienen : 



75 



Keimkraft 
Mittelwerth Maximum Minimum 



Weisser Klee ... 65,7 92 38 

Bastardklee .... 57,3 80 5 

Lein 69,9 99 20 

Dill 2,7 16 0 

Penchel 2,9 59 0 

Roggen 9,3 100 86 

Mais 57,7 93 14. 



Schon aus diesen wenigen Zeilen geht das Werthvolie er- 
wähnter Untersuchungen hervor. 

Die Zahlen, welche sich für die einzelnen Sämereien erge- 
ben, sind weit auseinandergehende. Ein Klee, von welchem 
65,7% keimfähig sind, muss für eine erträgliche Durchschnitts- 
waare gelten; Lein, dessen Keimkraft etwa nur 50% beträgt, 
ist schlecht; hingegen wird man Dill, welcher 10% Keimfähig- 
keit zeigt, schon für vorzüglichen Samen erklären. 

Die Tharander Untersuchungen haben nun weiter ergeben, 
dass sehr viele in den Handel gebrachte Sämereien durchaus 
nicht in ihrer Keimfähigkeit die gefundenen Mittelwerthe er- 
reichen, im Gegentheil meist weit dahinter zurückbleiben. Trau- 
riger Weise haben sich die Landwirthe an diese schlechten 
Samen bereits derartig gewöhnt, dass sie selbst die weniger 
schlechten Sorten dieser schlechten Waare schon für gute halten. 

Bei Herstellung solcher schlechten Sämereien handelt es sich 
durchaus nicht immer um einen absichtlichen Betrug, sondern 
meist ist die Unkenntniss mit den Bedingungen, welche die Her- 
stellung eines brauchbaren Saatguts beherrschen, daran Schuld, 
dass so vielfach unbrauchbare Waare in den Handel kommt. 
Der Händler hat vielleicht gar nicht die Absicht, wenn er einen 
frischen Grassamen mit einem dreijährigen mengt, einen Betrug 
zu begehen ; er weiss einfach nicht, dass der dreijährige Samen 
seine Keimkraft schon längst verloren haben kann, so dass 
dessen Beimischung zu einem frischen Samen nothwendig die 
Landwirthe schädigen muss. Ebenso können dem Händler eine 
Menge anderer Bedingungen, welche die Herstellung eines brauch- 
baren Saatguts beeinflussen, unbekannt sein, und lediglich aus 
dieser Unkenntniss wird er, ohne die entfernteste betrügerische 
Absicht, eine wenig brauchbare Waare herstellen. 

Dasselbe, was von der Keimkraft der Samen gilt, gilt auch 
von deren Reinheit. Zumal bei kleineren Sämereien, z. B. Gras- 
samen, wird man eine unbedingte Reinheit nicht verlangen kön- 
nen, aber man kann verlangen, dass die Verunreinigung einen 
gewissen Mittel werth nicht übersteige. Ich theile auch hier einige 
in Tharand gewonnene Zahlen mit. 



76 



Verunreinigung 



Mittehverth 



Maximum 



Minimum 



Weisser Klee 
Lein . 
Timotheegras 
Raygras. . 




28,5 
35,5 
10,8 
59,3 ' 



0,5 
0.9 
32.7 



Auch diese Zablen gehen für die verschiedenen Samen weit 
auseinander. Man kann sich bei Kleesameu eine Verunreinigung 
bis zu 6ö^o nihig gefallen lassen, bei Raygras sogar eine solche 
bis 46% V . Es hat sich aber auch hier ergeben, dass sehr viele 
Handelssämereien jene Mittelwerthe der Verunreinigung oft sehr 
übersteigen und somit nicht für eine erträgliche Waare gelten 
können. 

In der Feststellung solcher Mittelwerthe für Keimkraft und 
Reinheit liegt jedenfalls eine Hauptbedeutung der Arbeiten, welche 
einer Samenprüfungs- Anstalt obliegen. Sind solche möglichst 
genaue Mittelwerthe gefunden, so hat der Landwirth einen Mass- 
stab, nach welchem er die ihm angebotene Waare beurtheilen 
kann; er wird nicht mehr, wie das bisher der Fall war, auf 
»gilt Glück hin« seine Sämereien einkaufen , sondern mit Hülfe 
der Samenprüfungs- Anstalt wird er erfahren, ob der ihm ange- 
botene Same brauchbar oder unbrauchbar ist ; aus den durch die 
Prüfung festgestellten Resultaten ersieht er leicht, in welchem 
Verhältniss der wirkliche Werth eines Samens zu dem vom Händ- 
ler geforderten Preise steht. 

Auch der reelle Händler, welchem daran liegt, eine mög- 
lichst gute Waare auf den Markt zu bringen, wird aus jenen 
Mittelwerth en ersehen, welchen Ansprüchen er mindestens gerecht 
werden muss. In dem Bestreben nach Herstellung eines brauch- 
baren Saatguts wird er durch die Samenprüfungs-Anstalt die 
grösste Unterstützung finden. Dem Leiter einer solchen Anstalt 
nämlich ist besonders Gelegenheit geboten, alle die Bedingungen, 
von denen die Gewinnung eines brauchbaren Samens abhängig 
ist, zu erforschen und festzustellen. Aus den Resultaten dieser 
Untersuchungen wird der reelle Händler wesentlichen Vortheil 
gewinnen. Die hier einschlagenden Untersuchungen sind wesent- 
lich wissenschaftlicher Natur. Es handelt sich um Untersuchung 
der Abhängigkeit der Samenerzeugung von klimatischen Ein- 
flüssen, Bodenbeschaffenheit etc., es ist die Abhängigkeit der 



1) Unter Verunreinigung ist nicht nur die Beimischung von vollkom- 
men unbrauchbarem Material, sondern überhaupt die Beimischung fremder 
Bestandtheile zu verstehen. Dieselben können bei Raygras z. B. Samen 
irgend eines anderen Grases sein , und Avären dann unter Umständen nicht 
absolut werthlos. 



Keimkraft des Samens von Licht, Wärme, Feuchtigkeit, chemi- 
schen Agentien etc. etc. festzustellen. 

In solchen und ähnlichen Arbeiten wird der Inhaber einer 
Samenprtifungs-Anstalt reiche Befriedigung finden, genügenden 
Ersatz für die vielen lästigen mechanischen Arbeiten, welche 
die Samenuntersuchung mit sich bringt. 

Wenn der Landwirth wie der reelle Händler aus solchen 
Samenprüfungs- Anstalten ihren Vortheil ziehen werden, so wer- 
den dieselben auch besonders dazu dienen, den unreellen Händler 
lahm zu legen und dessen betrügerisches Treiben aufzudecken. 
Als ich Gelegenheit hatte, im Januar d. J. der Versammlung 
des Centraiausschusses des Badischen landw. Vereins diese alige- 
meinen Sätze über Einrichtung von Samenprüfungs - Anstalten 
mitzutheilen, wurde in entgegenkommendster Weise die Errich- 
tung einer solchen Anstalt unter Mitwirkung der hiesigen Cen- 
tralstelie beschlossen und die definitive Einrichtung von der 
nähern Verabredung zwischen Herrn Präsidenten Dr. Herth, 
Herrn Generalsecretär Dr. Funk und mir abhängig gemacht. 
Ueber die Organisation der bereits in Thätigkeit begriifenen 
Prüfungsanstalt werde ich in einem folgenden Artikel berichten. 



Zur Statistik des landw. Versuchswesens. 

Geschäftsordnung für das forstliche Versuchswesen in Preussen^i. 

§ 1. (Allgemeine Eim-ichtiing.) Das mit der Forst- Akademie 
organisch verbundene forstliche Versuchswesen ressortirt von der Cen- 
tral-Forstbehörde des Finanz-Ministerii, zerfällt sachlich in 5 Abthei- 
lungen , örtlich in die bei der Forst-Akademie befindliche Haupt- 
Station und in die auf geeigneten Oberförstereien eingerichteten 
Neben-Stationen. 

Die Abtheilungen sind: eine forstliche, eine chemisch-physi- 
kalische, eine meteorologische, eine pflanzen-physiologische und eine 
zoologische. 

Die Haupt-Station vereinigt alle Abtheilungen in sich. Die 



1) Aus den Annalen der Landwirthschaft in den Königl. Preuss. Staaten, 
1872, No. 50. 



78 



Neben-Statioiieii enthalten nur die forstliche und die meteorologische 
Abtheilung oder nur eine von beiden. 

§ 2. (Director.) Die Gesammtleitung des Versuchswesens liegt 
dem Akademie-Director als Commissarius der Central-Forstbehörde 
nach deren ihm zu ertheilenden Anweisungen ob. Derselbe entwirft 
die Etats, beschliesst nach Berathung mit den betheiligten Abtheilungs- 
Vorständen, welche Versuche und Untersuchungen und in welcher 
Weise sie auszuführen sind, stellt die Arbeitspläne und speciellen 
Kosteuanschläge fest und beantragt die Bestätigung derselben durch 
die Central-Forstbehörde. 

Auf Grund des bestätigten Piaries und Kostenanschlags verfügt 
und überwacht der Director die Ausführung und disponirt über die 
verwendbaren Mittel. 

Für diejenigen Versuche und Untersuchungen, welche ausschliess- 
lich bei der Haupt-Station mit dem ständigen Personale derselben 
und in den Grenzen der etatsmässigen Mittel ausgeführt werden, be- 
darf es der Bestätigung der Arbeitspläne und Kostenanschläge durch 
die Central-Forstbehörde nicht. 

Unter der Firma: »Haupt-Station des forstlichen Versuchswesens« 
vermittelt der Director den schriftlichen Verkehr, vertheilt die ein- 
gehenden, zeichnet die abgehenden Geschäftssachen, verfügt über die 
sonstigen geschäftlichen Einrichtungen, über die Verwendung des ihm 
untergebenen Hülfspersonals (§ 5) und über alle anderen Gegenstände 
des forstlichen Versuchswesens , welche nicht den Anordnungen des 
Ministerii vorbehalten oder dem Geschäftsbereiche der Abtheilungs- 
vorstände überwiesen sind. 

Üeber sämmtliche im Laufe des verflossenen Jahres vorgenommenen 
Versuche, Untersuchungen und Erhebungen (§ 6) hat der Director im 
Januar einen Jahresbericht an die Central-Forstbehörde zu erstatten. 

§ 3. (Abtheilungsvorstände.) Die Abtheilungsvorstände entwerfen 
die Arbeitspläne und die speciellen Kostenanschläge, leiten auf Grund 
derselben die Ausführung der Versuche und Untersuchungen und 
besorgen die Zusammenstellung und Verarbeitung der Resultate, so- 
weit sie nicht in einzelnen Fällen der Director übernimmt. Sie 
bearbeiten die Geschäftsangelegenheiten ihrer Abtheilung als Decer- 
nenten und Referenten, liquidiren die innerhalb ihres Geschäftsbereichs 
bei der Haupt-Station erwachsenden Kosten und bescheinigen die dem 
Director zur Zahlungsanweisung vorzulegenden Liquidationen und Rech- 
nungen. In Abwesenheit des Directors liegt die Vertretung desselben 
dem Vorstande der forstlichen Abtheilung ob. 

In den zur Haupt-Station gehörenden Lehrforsten der Ober- 
förstereien Biesenthal und Liepe besorgt der Vorstand der forstlichen 
Abtheilung die specielle Leitung und Controle der forstlichen Ver- 
suche, Untersuchungen und Erhebungen. Er bedient sich zur Aus- 



79 



führung der Arbeiten der ihm dienstlich untergebenen Forstschutz- 
Beamten dieser Oberförstereien im Einvernehmen mit den Oberförstern, 
weiche verpflichtet sind, nicht nur die pünktliche Vollziehung der ge- 
troffenen Anordnungen mit zu überwachen, sondern auch den Zwecken 
des Versuchs Wesens in allen Beziehungen die von ihnen gewünschte 
Mitwirkung und Förderung zu leisten. Etwaiger Schriftwechsel zwischen 
dem Vorstande der forstlichen Abtheilung und den Forstschutzbeamten 
geht durch die Oberförster zur Kenntnissnahme und Visirung. 

§ 4. (Neben -Stationen.) Die Vorstände der Neben-Stationen 
(Oberförster) sind in Betreff des Versuchswesens dem Director (§ 2) 
dienstlich untergeordnet und haben dessen Anweisungen genau und 
pünktlich zu befolgen. Sie besorgen auf Grund der von der Centrai- 
Forstbehörde bestätigten , ihnen vom Director auszugsweise mit- 
zutheilenden Arbeitspläne die Ausführung der den Neben-Stationen 
überwiesenen Versuche und Untersuchungen, führen Buch über deren 
Ergebnisse, fertigen die von ihnen zu bescheinigenden und in calculo 
zu vertretenden Liquidationen über die entstandenen Kosten, weisen 
die letzteren innerhalb der ihnen von dem Director durch Vermittelung 
der Regierung (Finanzdirection) eröffneten Credite zur vorschussweisen 
Zahlung auf die Revier-Forstkasse an, berichten am l. April, 1. Juli, 
1. October über die Höhe der geleisteten Ausgaben und überreichen 
pünktlich am 28. December der Haupt-Station eine Zusammenstellung 
der im verflossenen Jahre von der Revier-Forstkasse vorgeschossenen 
Kosten nebst Belegen zur Erstattung durch die Forst-Akademiekasse. 

Der Schriftwechsel zwischen Haupt- und Neben-Stationen geht 
mit Ausnahme der periodisch einzureichenden Tabellen und der be- 
sonders schleunigen Sachen durch die Regierung (Finanzdirection), 
deren forsttechnische Mitglieder die ordnungsmässige Ausführung der 
Versuche und Untersuchungen auf den Neben-Stationen tiberwachen. 

Behufs Eröffnung eines Credits bei der Revier-Forstkasse wendet 
sich der Director an die Regierung (Finanzdirection) , welche den be- 
treffenden Rendanten mit Anweisung zu versehen hat. 

Die Berichte der Oberförster in Angelegenheiten des Versuchs- 
wesens sind an »die Haupt-Station des forstlichen Versuchswesens« zu 
richten und, abgesehen von den vorerwähnten Ausnahmefällen, per 
Couvert der Regierung (Finanzdirection) als portopflichtige Dienst- 
sache frankirt abzusenden. 

Die vorstehenden Bestimmungen erstrecken sich nicht auf Neben- 
Stationen in Privat- oder Gemeindeforsten. Die Geschäftsordnung 
für diese unterliegt in jedem einzelnen Falle besonderer Vereinbarung. 

§ 5. (Hülfspersonal. ) Das bei dem Versuchswesen verwendete 
Hülfspersonal besteht theils aus dem ständigen Hülfspersonaie der 
Haupt-Station und der meteorologischen Neben-Stationen, theils aus 



80 



vorübergehend zur Besorgung einzelner Geschäfte bestellten Htilfs- 
arbeitern und Commissionen. 

Das ständige Hiilfspersonal der Haupt-Station (Beamte für Schreib- 
und Kechnenarbeiten, für Beaufsichtigung der Versuche und Versuchs- 
felder, zur Bedienung der meteorologischen Haupt-Stationen), welches 
dem Director dienstlich untergeben ist, empfängt von diesem oder 
nach dessen Bestimmung von den Abtlieilungsvorständen, — dasjenige 
der meteorologischen Neben-Stationen von deren Vorständen (Ober- 
förstern) — seine Geschäftsanweisimg. Die auf Zeit beschäftigten 
Hülfsarbeiter und Commissionen werden von dem Director den Ab- 
theilungsvorständen überwiesen. Sie haben ihre Liquidationen den letz- 
teren zur Bescheinigung und durch diese dem Director zur Zahlungs- 
anweisung einz ureichen . 

§ 6. (Ausserordentliche Erhebungen.) In den Bereich des forst- 
lichen Versuchswesens gehören ausser den anzustellenden Versuchen 
und Untersuchungen auch Erhebungen über aussergewöhnliche Vor- 
kommnisse in den Forsten, z. B. Sturmschäden, Schneebrüche, lu- 
sectenschäden. Ueber die Art solcher Erhebungen befindet das Mini- 
sterium auf Antrag des Diiectors nach dessen Berathung mit den 
betheiligten Abtheilungsvorständen. 

§ 7. (Buchführung und Rechnungslegung.) Ueber die ange- 
stellten Versuche, Untersuchungen und Erhebungen werden bei den 
Haupt- und Neben-Stationen für jeden Gegenstand besondere Acten 
und Lagerbücher nach näherer Anweisung des Directors geführt. 

Die Acten der Haupt-Station werden in der Dienst-Registratur 
des Directors aufbewahrt, alle ein- und abgehenden Geschäftssachen 
in dessen Dienstjournal eingetragen. 

Die Lagerbücher der Neben-Station sind alljährlich au den dafür 
bestimmten Terminen an die Haupt-Station zur Berichtigung der 
dortigen Lagerbücher einzureichen. 

Die Lagerbücher der Haupt-Station werden bis zum Abschlüsse 
der Arbeiten von den Abtheilungsvorständen geführt und in deren 
Dienstlocalen aufbewahrt , nach Beendigung der Arbeiten dagegen 
an die Registratur des Directors abgegeben. 

Die Rechnungslegung erfolgt von dem Rendanten der Forst- 
Akademiekasse in der Forst-Akademierechnung. 

§ 8. (VeröffentUchung der Ergebnisse.) Ueber die Veröfient- 
lichung der Ergebnisse beschliesst der Director in Gemeinschaft mit 
den betheiligten Abtheilungsvorständen. 

Berlin, den 14. März 1872. Der Finanz-Minister: 

Camphausen. 



81 



Versuche über die Ausnutzung der Luzerne in 
Mscliem Zustande und als Heu. 

Von 

Gustav Kühn, A. Haase und H. Bäseckei). 

Ausgeführt auf der landwirthschaftlichen Versuchs-Station zu Möckern). 



Vergleichende Versuche über die Ausnutzung des blühenden 
Rothklee's im grünen und im getrockneten Zustande, über welche 
Ref. bereits im Jahre 18692) berichtete, hatten zu dem Resultate 
geführt, dass das Heufutter in allen seinen Bestandtheilen 
weniger ausgenutzt worden war als das Grünfutter, dem es 
entsprach : Da sich aber herausstellte , dass die in der Verdau- 
lichkeit von Grün- und Heufutter beobachteten Unterschiede 
nicht grösser waren, als man sie zuweilen dann wahrnimmt, 
wenn man völlig gleiches Futter zu verschiedenen Zeiten an 
ein und dasselbe Thier verfüttert, und in sofern weiter es bei- 
nahe unmöglich erschien, den Klee bei seiner Umwandlung in 
Heu vor Blattverlusten, also vor Verlusten an besonders leicht 
verdaulicher «Substanz, vollständig zu bewahren, wurden jene 
Versuche dahin ausgelegt, dass eine wesentliche Verschie- 
denheit in die Ausnutzung des Klee's durch das Trocknen an 
und für sich nicht gebracht werde, — gleichzeitig aber die Ab- 
sicht ausgesprochen, die Zulässigkeit jener Deutung durch neue 
Versuche zu controliren, die dann auch im Sommer 1870 unter 
Verwendung von Luzerne zur Ausführung gelangten. 

Bei diesen neueren Versuchen wurde im Principe dasselbe 
Verfahren wie im Jahre 1 869 befolgt, doch erlaubten die seither 
gewachsenen Hülfsmittel der Versuchs-Station namentlich bei 



1) An den rein analytischen Arbeiten hat sich, nachdem die Herren 
Haase und Bäsecke die Station verlassen, Herr Dr. A. Schmidt in 
ausgedehnter Weise betheiligt. 

2) Landw. Vers.-Stat. Bd. XI, 1869, p. 177 flg. 

Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 6 



82 



der Feststellung der verzehrten Trockensubstanz eine 
grössere Genauigkeit (durch zeitweilige Untersuchung der Futter- 
rückstände) zu bringen. Anstatt daher in Betreff der Versuchs- 
Methoden einfach auf die ältere Arbeit zu verweisen, sei es ge- 
stattet, dieselben ausführlicher zu beschreiben, so weit dies er- 
forderlich scheint. 

Zur Beantwortung der gestellten Frage, ob durch das 
Trocknen der Grünfuttergewächse an und für sich 
schon deren Verdaulichkeit verringert werde, war es 
vor Allem nothwendig, völlige Uebereinstimmung zwischen dem 
zu verfütternden Heu und Grünfutter anzustreben, und es 
wurde, um dies zu erreichen, an jedem zweiten oder dritten 
Tage ^) der Grünfütterung von dem gleichen Feldstücke und der 
gleichen Wagenladung, welche das Tagesfutter lieferte, ein ent- 
sprechendes Quantum Luzerne auf Kleereitern (Pyramiden) zu 
Heu gemacht. Die Reiter stellten wir behufs besserer Beaufsich- 
tigung nicht auf das Feld, sondern auf den Hof der Versuchs- 
Station an einen sonnigen Ort, so dass die etwa durch Wind 
oder auf andere Weise herabgerissenen Heuportionen immer 
wieder an ihren alten Platz gebracht werden konnten. 

Die Versuchsthiere — zwei Voigtländer Schnittochsen — er- 
hielten in der ersten Periode des Versuchs täglich eine be- 
stimmte Menge grüner Luzerne und in der folgenden, zweiten 
Periode des Versuchs an jedem Tage so viel Trockensubstanz, 
als sie an dem entsprechenden Tage der Grünfutter-Periode in 
Gestalt von grüner Luzerne gefressen hatten. Hierbei wurden 
die verschiedenen Heuportionen in derselben Reihenfolge, wie 
sie geworben, und in solcher Vertheilung über die einzelnen Tage 
der zweiten Periode verfüttert, dass die allmälige, durch das 
Fortschreiten der Vegetation bedingte Veränderung des Grün- 
futters auch bei der Verfütteruug zum möglichst treuen Ausdruck 
gelangte. 

Während der ersten Periode wurde sowohl das Futter 
als die Futterrückstände täglich auf ihren Gehalt an Trocken- 



1) Die specielle Beschreibung der Versuche ^vird ergeben, dass während 
der Yorfütterung hiervon etwas abgewichen wurde. 



83 



Substanz untersucht und danach der wirkliche Verzehr für 
jeden einzelnen Tag berechnet. Im Laufe der zweiten Pe- 
riode wurde dann je von der betreffenden Heuportion für jeden 
Tag* so viel abgewogen, als die Thiere an dem entsprechenden 
Tage der Grünfutter-Periode gefressen hatten; der Gehalt der 
Futterrückstände an Trockensubstanz wurde auch hier bestimmt. 

Die Ausnutzung (Verdaulichkeit; des Futters wurde 
in gewöhnlicher Weise durch Subtractiou des trockenen Darm- 
koths, resp. seiner Einzelbestandtheile von den gleichnamigen 
Bestandtlieilen des verzehrten Futters bestimmt. 

Die Stalleinrichtungen und die Methoden zur Fest- 
stellung der durch den Darm ausgeschiedenen Kothtrocken- 
substanz sowie zur Gewinnung der erforderlichen Durchschnitts- 
proben vom Darmkothe, waren dieselben, welche in der älteren 
Abhandlung (1. c. pag. 181 u. ff.) ausführlich beschrieben sind. 

I. Versuchsperiode. — Fütterung mit trockener Luzerne. 

Am 27. Mai wurden zwei Ochsen in den Versuchs-Stall 
gezogen und erhielten Mischfutter von Grünklee, Gras und Stroh : 
vom 28. Mai an gab man ihnen täglich 50 — 60 Klo. geschnitte- 
ner grüner Luzerne, welche auf 3 Mahlzeiten vertheilt wurden. 
Das eine der beiden Thiere frass und verdaute beide so schlecht, 
dass es am Mittag des 2. Juni entfernt und durch ein anderes, 
durchaus brauchbares Thier (Nr. I) ersetzt werden musste. 

Bestimmung der verzehrten Trockensubstanz. — 
In dem zugewogenen Grünfutter waren fast immer kleinere Erd- 
klumpen, Steine und verholzte Wurzelstöcke enthalten ; sie w^ur- 
den theils während des Fressens, theils aus den Futterrückständen 
ausgelesen und von dem Gewichte des Futters, resp. der Futter- 
rückstände in Abzug gebracht. 

Von dem eingebrachten Futterhaufen entnahmen wir täglich; 
— während die Rationen abgewogen wurden, eine 
Probe von einigen Kilogrammen, die sofort in thunlichst feinen 
Häcksel verwandelt wurde, von dem man nach gehöriger Mischung 
ca. 1000 Grm. zur Trockenbestimmung abwog und im Luft- 
trockenschranke bei ca. 80^ dörrte. Die vorgetrocknete Probe 

6* 



84 



blieb sodann mehrere Tage lose bedeckt an der Luft stehen, bis 
sie sich mit hygroskopischer Feuchtigkeit gesättigt, und wurde 
dann, unmittelbar nachdem ihr Gewicht bestimmt, zerkleinert 
und zum Theil in ein wohl verschlossenes Gefäss gebracht. In 
einer kleineren Probe dieses letzteren Materials bestimmten wir 
dann den Trockengehalt bei 100^ C. im Wasserstoffstrome (vgl. 
d. anal. Belege). 

Blieben — wie an den meisten Tagen geschah — Futter- 
rückstände in den Krippen zurück, so wurden zunächst die 
Steine etc. (s. o.) ausgelesen und von den »stein freien Rück- 
ständen« eine Probe in der eben beschriebenen Weise auf 
ihren Trockengehalt untersucht. 

Aus der Differenz zwischen hingereichter und zurück- 
gewogener (steinfreier) Trockensubstanz ergiebt sich der 
verzehrte Antheil derselben. 

Die folgende Tabelle bietet alle erforderlichen Daten zur 
Berechnung des wirklichen Verzehrs an jedem einzelnen Tage : 
der Uebersichtlichkeit halber sind an der gleichen Stelle auch 
die Angaben über Lebendgewicht, Wasserverzehr und mittlere 
Stall temperatur gemacht worden. 

(Siehe Tabelle folg. Seite.) 
Probenahme zur Analyse des Futters und der 
Futterrückstände. — Da es wünschenswerth schien, zu con- 
statiren, in welchem Grade die Luzerne sich auf dem Acker- 
stücke, von welchem die Rationen täglich entnommen wurden, 
allmälig während der Dauer des Versuchs verändere, wurden 
die Tagesproben ^) nicht zu einer einzigen, den Gesammtverzehr 
der Periode repräsentirenden vereinigt, sondern aus den luft- 
trockenen Rückständen 

a) der Proben vom 2 — 7. (incl.) Juni 

b) )> » » 8 — 12. )) » 

c) » » » 13 — 14. » )) 

d) )) » » 15 — 16. » » 

vier einzelne Proben gebildet und gesondert untersucht. 
Sie zeigten folgende Zusammensetzung: 

I) Welche in oben beschriebener Weise zur Trockenbestinimung entnom- 
men worden waren. 



85 



o 
TS 

c 

CO 

o 
I 



o 

6 

K 
1-1 

S 

bß 

«U 

ö 

• IH 



2 

£ o ^ 



ä 

Ol 

ü 
O 



o 



o 



o 
> 

TS 





P 6 



CO ^ 



o 



CO 
rO 

CO 

4) •i-H 

o 
o 



o 

l-H 



ü 

o 



c I S 

'S c3 W 

+j - — - 

CO 



eö bjj faß 
3 O 



1-^ o 



o 



£- CO 



4j Q 

'S -2 Ph 



~0 05 O CO 
irt OO rJH 



QO O O ■-^ — 



l— -'S* O 

T-l (M T-l 



T-i Ol 1^ OD 
t— o: ^ lO 

CS CS (M S<| 



T-H lO CD CS 

OD 

tO O O th 



00 GT) 



O •<-< SS o 

CO 05 »rS GO 



CO o o 

CO r-H i:S 05 



CS CS 05 CO CO 
O CS CS ^ GO 



05 •«-^ CS CS CO 

-H (-q 



^ CO CS CS 
^ 05 O Ol 

oToT Ol 

^ 



00 o o o o 



Qo o o o 

«JO »O lO lO 



CS CO 



!;0 O ■»-H 
iC O O t— 



Ol Ol -rH 

t— ^ cc 



r^l CO CO O 
CO CO 00 KO 



»-hOCS'^^wOOOI 



Ol Ol O O T-( 



CO 



1!0 

CS 



— ' CO O 
CO CS 



Ol ^ OD T-l 

00 Ol Ol CO 



— 1 •!-H CS 



o o o 



CD 

o 

CS 



CT) CS t— 

UO '^i 



»O T-H iO 00 Ol 
05 CO CS CO 



Ol 
CS 



t- CO 
CS CS CS 



O CO CO CO 
CS CS CS CS CS 



00 



O CS o 

CS OS CO 



Ol CS OO CO CO 
lO >0 "^t* 



CD 00 



00 00 CO •<-< — H 



CS , y-* 

O CO 



CS CO 

o o o 
o" o" o" 



CO CS CS fO 

o o o o o 
o o o"o"o 



05^ I 



uO O 
CS Ol CO 



O iiO O Ol 
00 liO X! 



CO 00 00 OO CO i-H 



OIOCSt-hwOIOOuO"* 
OOCOt-CDt^OOT-HOO 



00 CO O ^ 

^ CO T-H CS Ol 



CS 



ODO-^^^ODOO^t^ 

■^OQO-*csinr-cocD 



CS CS Ol CO CO 
lO CS CS '^l 00 



•^O'*C0r0C0C0'*C0 
CSCSCSCSCS(7<ICSCSCS 



Ol -f-i CS CS CO 
-H (^1 CS SS CS 



OOOOlOOOOiiOl^O 
OlOlOOOOlOlOlO 

Ol ^OIOOOIOIOIO 



Ol OO OO 
r- Ol r- Ol Ol 



OO -rf* Ol Ol Ol 
>0 lO -.^ ^ 



ooooooooo 



00 O 00 o o 



ooooooooo 



00 Ol o o 
lO lO TTi irt üO 



lO UO tO 
^ O 00 

^ »jo 

IC UO lO 



O iO O 

r-^ss^oTocT 

lO CO CO CO 
iO ilO >-0 >0 



CO oi~ 

Ol 00 



CO 

o 



Ol— »oooooo 
i— O Ol CO »H) T-1 i— i— 

Ss"" cd" OO lo' Co" O l— OD 



OOOOOOOOO 
lO^iO'rc'"-"* 'Jt^ CD od" 



SS SS lO O CO O lO ' OO 
iO'*l— lOlCOCSCOCO 



•rtOl^ — OOOOIQO 



r-ooi^T- iiooocot--oi 

uOiOCOCCcD^COfO«^ 



O O O O O T-i 



CS CO 



-+iC0001t— QOT-iOlcD 
OOlO'*''— 'OICO'^COUO 



CDCOOOlOOt— oooot- 

cscscocscscscscscs 



COOOOlOlOOtOOlC 

■^^^cscst-coo 



CSSSSSCSCSrfiOQCCS 



SS 



o o 



o 
o" 



CO CO 

o o 

o"o 



»OSSOOtOOOQOlOlO 

T— iiossr— (csssi— rocD 
CS CS cs'~cs"cs"'<t"»o"ocrcs" 



010CST-H.rtOOOO»iOrt^ 
OO-rJ^t— COl— OOOOD 



CS O CS ^ T-1 ^ 



CS 



ODO'*'^T-<ODOO'^l- 

■^ooO'^cs.oc-roco 



■«^O'rrCOfOCOCO'^CO 
CSCSCSCSCSCSCSCSCS 



QOcDOiOOlr^l— lOO 
OlOlOlOOOlOliCO 



Ol Ol Ol O O Ol Ol Ol o 



ooooooooo 



oooooooo 



lO kO lO lO 

t— ' t— " Tin" ..-r 

Ol o o 

•rp m 



O tO o 
CO oTco ^ 

O O -r-^ •<-( 

>-0 lO lO 



CO o o o 

CO CO »iO 



1/5 lO lO 

00 



O CD CO CO I CS lO 



I I 



r OOOOOOOO 
cd" t— " od" 



OjCO'^iOCOt-- OOOlO'-HSSCO'^iiOCD CO-rfiOcCt— 

OCäSÄS SSSSSÄÄSSCJCsSÄÄ SS 
3 O 0 



•apoii8(j 
oooiOTHCscO'^inico 



o 
o 

5jß 
Ö 

a 



CS 

CK 

ce 
03 



ä 

ü 

• 1-4 

(U 
■—I 
tUD 

SS 

+J 

(/-> 

ü 

c 

0) 



S6 



In 100 Theilen Trockensubstanz der Luzerne: 





■ 

\ Juni 


b. 
8—12. 
Juni 


c. 

13-14. 
Juni 


d. 

15—16. 
Juni 




9,65 


8,27 


7,92 


7,97 


Organische Substanz .... 


90,35 


91,73 


92,08 


92,03 


Protein- Substanz (N x 6,25) 


. 18,31 


16,56 


17,19 


17,81 


Stickstofffreie ExtractstofFe . 


. 43,02 


44,37 


41,66 


39,46 


Aetherischer Extract (Fett) 


3,18 


2,93 


3,16 


2,37 




. 25,84 


27,87 


30,07 


32,39. 



Bei der Gewinnung der Gesammtprobe von den Futterrück- 
ständen stand zu berücksichtigen, dass deren absolute Menge 
an den einzelnen V er such s tagen nicht unbedeutend wech- 
selte: es wurden mithin die lufttrockenen Rückstände (von der 
Bestimmung der Trockensubstanz) nicht in ihrer Gesammtmenge 
vereinigt, sondern von jedem in der engeren Versuchs-Periode 
mit Kothansammlung) verbliebenen Rückstände derselbe Bruch- 
theil abgewogen und diese Theile zu einer Gesammtprobe ver- 
einigt 1) . 

Im trockenen Zustande hatten die Rückstände (vom 8 — 16- 
Juni) folgende Zusammensetzung. 

In 100 Theilen Trockensubstanz der Rückstände von 





0. I. 


0. II. 




8,89 


7,93 




91,11 


92,07 


Proteinsubstanz iN x 6,25) 


. . 13,81 


12,31 


Stickstofffreie Extractstoffe . . 


. . 37,60 


37,60 




. 2,04 


1,79 




37,66 


40,37. 



1) Da in diese Proben nicht alle Rückstände vom 3 — 15., resp. vom 
2 — 15. (O. II) Juni gelangten, sondern nur die in der engeren Versuchs- 
Periode vom 8 — 15. Juni verbliebenen, so ist es streng genommen nicht 
richtig, wenn bei späteren Berechnungen das Resultat der mit ihr angestell- 
ten Analyse auf die Gesammtrückstände der weiteren Periode übertragen 
wird. Dies Verfahren dürfte indessen ziemlich unbedenklich erscheinen, da 
die Rückstände im Allgemeinen in jeder Periode denselben Charakter zeig- 
ten und auch ihre relative Menge in der weiteren und engeren Periode ziem- 
lich die gleiche ist. Es hinteiiiess nämlich im Mittel pro Tag : 

O. I vom 3 — 15. Juni 0,62 Klo. Trockensubstanz 

O. I » 8—15. » 0,67 » » 

O. II » 2 — 15. » 1,24 « » 

O. II .. 8—15. » 1^31 >. 



87 



Bestimmung der ausgeschiedenen Kothmenge 
und Probenahme zur Analyse. — Der in 24 Stunden aus- 
geschiedene und im Sammelkasten angehäufte Koth wurde auf 
2 Mal (Abends Ve Uhr und am Schlüsse des Versuchstages früh 
1 2' Uhr) gewogen. Von jeder so abgewogenen Kothmenge 
wurde nach sorgfältiger Mischung eine Probe genommen, von 
welcher 100 Grm. dazu dienten, den Trockengehalt in bekannter 
Weise (s. d. anal. Bei.) festzustellen. Die lufttrockenen Rück- 
stände dieser Einzelproben wurden am Schlüsse des Versuches 
für jedes Thier zu einer oder mehreren, in diesem Falle zu zwei 
Proben vereinigt, deren eine die Tage vom 8 — 13., die andere 
die Tage vom 14 — 16. Juni umfasst. Sie zeigten die folgende 
Zusammensetzung : 



In 100 Theilen Trockensubstanz des Darmkothes 





von 


Ochse 1 


von 


Ochse II 




8—13. 


14—16. 


8—13. 


14—16. 




Juni 


Juni 


Juni 


Juni 




17,55 


15,06 


16,41 


15,37 




82,45 


84,94 


83,59 


84,63 


Proteinsubstanz (N X 6,25) . . 


9,25 


8,50 


9,88 


9,19 


Stickstofffreie Extractstoffe . . 


26,84 


29,83 


27,89 


33,62 


Aetherischer Extract (Fett) . . 


3,76 


3,78 


4,06 


4,14 




42,60 


42,83 


41,76 


37,68. 



Da es nicht gelingt, den gefallenen Koth vollständig in 
den Sammelkasten zu bringen, vielmehr an den Wandungen der 
Kothrinne (event. an dem Stande selbst) , an dem Besen und 
Spateil) immer eine geringe Menge haften bleibt, so wurden 
Stand und Kothrinne bei Beginn des Versuchs immer völlig rein 
gewaschen. Zum Schluss des Versuchs wiederholte man die Rei- 
nigung unter Anwendung destillirten Wassers, trocknete die 
hierbei nach dem Aufweichen durch Abkratzen erhaltenen festen 
Theile (A) sowohl als die Waschflüssigkeit (Bj auf, und bestimmte 
das Gewicht der hierbei erhaltenen Trockensubstanz. In dem 
vorliegenden Falle lieferte diese Operation folgende Resultate 

1) Zur Entfernung des Kothes wurde auf jedem Stande ein besonderer 
Besen und Spatel verwendet. 



S8 



Reinigung der Stände am Schlüsse der Periode I (17. Juni 
Morgens) . 

A) fester abgekratzter Koth: Stand I: 0,85 Klo. feucht = 0,179 
Klo. lufttrockener = 0,170 trockener Substanz. 

Stand II: 1,17 Klo. = 0,291 lufttrockener = 0,275 Klo. trockener 
Substanz. 

Die besondere Klebrigkeit, welche der Koth bei der Grünfütterung zeigte, 
machte es nothwendig, schon im Laufe des Versuchs selbst die Stände am 
! 3. Juni durch Abkratzen zu reinigen. Man erhielt hierbei von Stand I 
(91,33 Grm. lufttrockne Substanz) 0,084 Klo. von Stand II (165,69 Grm. 
lufttrockene Substanz) 0,154 Klo. Trockensubstanz, welche obigen Summen 
noch zuzurechnen sind. 

B) Die Wa sehflüssigkeit hinterlässt: Stand I: 0,23 Klo. luft- 
trockener = 0,222 Klo. trockener Substanz. Stand II: 0,55 Klo. lufttrocke- 
ner = 0,534 Klo. trockener Substanz. 

Die erste Reinigung der Stände erfolgte am 7. Juni Mor- 
gens; es vertheilt sich somit die bei der zweiten Reinigung er- 
haltene Trockensubstanz auf 10 Tage. 

Die nachstehenden Tabellen geben eine vollständige Ueber- 
sicht über die Verhältnisse der Kothausscheidung an den ein- 
zelnen Tagen und im Mittel der ganzen Versuche. 

Tersuchs-Talb. II. Per. I. 



Datum 
1870. 



Darmkoth im Sammelkasten 



Abends 



Klo. 



Trockensubstanz 



Proc. 



Klo. 



Morgens 



Klo. 




Gesammt- 
menge der 
Tr.-Subst. 
im Darm- 
koth 
Klo. 



Ochse I. 










Juni 8 


9,42 


20,90 


1,969 


7,67 


» 9 


9,35 


20,48 


1,915 


9,68 


» 10 


10,63 
11,50 


19,52 


2,075 


9,48 
8,15 


» 11 


19,09 


2,195 


)) 12 


12,55 


18,60 


2,334 


8,90 


» 13 


10,80 


18,87 


2,038 


8,30 


» 14 


11,35 


19,42 


2,204 


8,70 


.) 15 


11,70 


19,09 


2,234 


10,65 


» 16 


11,25 


19,80 


2,228 


7,70 



20,58 
20,74 
20,64 
19,47 
19,95 
19,03 
19,62 
19,80 
19,91 



1,578 
2,008 
1,957 
1,587 
1,776 
1,579 
1,707 
2,109 
1,533 



Standcorrection (0,084+0,392)x9= 



Koth-Trockensubstanz 



m 
in 



10 

9 
1 



Tagen 
Tag 



3,547 
3,923 
4,032 
3,782 
4,110 
3,617 
3,911 
4,343 
3,761 
0,428 



35.454 
3.94 



89 







Darmkoth im 


Sammelkasten 


Gesammt- 
menge der 

J. 1 . - kjU.Ua 1/ , 

im Darm- 
koth 
Klo. 


Datum 


Abends 


Morgens 


1870. 


Klo. 


Trockensubstanz 

1 

Proe. j Klo. 


Klo. 


Trockensubstanz 
Proc. j Klo. 



9,62 
10,80 
11,60 
10,25 
10,35 
10,40 
11,85 
10,65 
11,75 



18,16 
16,76 
17,79 
18,16 
16,97 
16,33 
16,91 
17,75 
17,66 



1,747 
1,810 
2,064 
1,861 
1,756 
1,698 
2,004 
1,890 
2,075 



11,32 
8,10 
8,10 
9,95 

11,10 

11,00 
9,20 

12,75 
9,85 



17,91 
18,43 
18,86 
17,50 
17,34 
17,43 
17,65 
17,28 
17,45 



2,027 
1,493 
1,528 
1,741 
1,925 
1,917 
1,624 
2,203 
1,719 



Standcorrection (0,1544-0,809)x9) = 

lÖ 



Koth- Trockensubstanz in 9 Tagen 

in 1 Tag 



Tränkwasser wurde den Thieren nach jeder Mahlzeit 
in tarirten Eimern vorgehalten und die verzehrte Menge durch 
Rückwägung- bestimmt. 

Die Bestimmung des Lebendgewichts wurde täglich 
unmittelbar vor dem Mittagsfutter ausgeführt. 

Die Stalltemperatur lasen wir 3 Mal täglich zu den Futter- 
zeiten ab : in den Tabellen ist nur das Mittel dieser 3 Ablesungen 
für jeden Tag verzeichnet. — 

Mit der Ansammlung des Rothes wurde am 8. Juni begonnen, 
nachdem die Vorfütterung bei 0. 15 Tage, bei 0. II länger 
gedauert; die engere Versuchs-Periode mit Kothansamm- 
lung dauerte durch 9 Tage bis zum 16. Juni, wo die Luzerne 
anfing sehr hart zu werden und nicht mehr gern gefressen wurde. 



II. Yersuchs-Periode. — Fütterung mit Luzerne-Heu. 

Das Heu, welches in dieser Periode verfüttert wurde, 
stammt von demselben Ackerstücke, wie die im grünen Zustande 
früher gereichte Luzerne. In wie weit die Zusammensetzung 
beider Futter sich entsprechen konnte, wird am Besten aus 



90 



der folgenden Zusammenstellung' erhellen, zu welcher nur be- 
merkt werden mag, dass die genaueren Angaben über die Witte- 
rungs-Verhältnisse den Mittheilungen der Leipziger Sternwarte i) 
entnommen sind^ von welcher Möckern in der Luftlinie circa 
1 Stunde entfernt ist (wie zu erwarten, stehen die allgemeinen 
Notizen über Regen fall in unserem Journal hierzu in üeberein- 
stimmung) . 



Datum 
1870 



Nieder- 
schlag 
par. 



liUzerne 
zum Trock- 
nen auf 



Bezeich- 
nung des 
gewonne- 



.2 ö 

(D 

S 

CS 

> o 





Linien 


Reiter nen 


Juni 5 . . 
.) 6 . . 
» 7 . . 


. 1,47 . 
. 3,50 . . 


Klo 
. 3I2I 
. 149i 
. 113 


A . 


8 . . 
» 9 . . 
» 10 . . 
)> 11 . . 
» 12 . . 


. 4,05 . 
. 1,03 . 


. 9' 
. 350 
13, 
. 3!5 
. 22 


. C. 


» 13 . . 




. 310 


D . 


14 . . 

» 15 . . 
« 16 . . 




. 300 


E . 


>) 17 . . 
» 18 . . 
« 19 . . 


\ 1,292) 







Bemerkungen 

SAm 15. Juni geerntet. Die 
geringe Menge durch Regen 
missfarbig gewordenen Heus 
iwird von der Überfläche ab- 
igekämmt 

am 16. Juni in tadelloser 
Qualität geerntet 

am 17. Juni ebenso ge- 
erntet 

am 17. Juni ebenso ge- 
erntet 

am 19. Juni geerntet; hat 
durch den Gewitterregen 



am 18. 
litten. 



nicht sichtbar ge- 



Im Allgemeinen waren hiernach die Witterungs-Verhältnisse 
unserem Versuchs-Zwecke sehr günstig. Die Heu-Portion A (ent- 
sprechend dem Verzehr der Thiere in der Vorfütterung der ersten 
Periode) wurde zwar von dem Kegen des 6., 8. und 9. Juni| 
betroifen, doch war der erlittene Schaden ein Mal unbedeutend, I 
zum Anderen das merklich beschädigte Heu so scharf von dem^ 
darunter befindlichen, anscheinend normalen Futter abgegrenzt, 
dass eine Beseitigung desselben möglich wurde. Ebenso ist die 
Portion E, welche an den beiden letzten Versuchstagen zu ver- 
abreichen war, von einem Gewitterregen betroffen, ohne dass eine 
merkliche Deterioration derselben Statt gehabt hätte. Im Uebrigen 

'j conf. X. Jahresber. des Vereins v. Freunden d. Erdkunde zu Leipzig 
für 1870 pag. 1 flg. 

2) Gewitterregen. 



91 



wurden die Portionen B, C und D in tadelloser Beschaffenheit 
geerntet. 

Referent trägt hiernach kein Bedenken auszusprechen, dass 
sämmtliche Heu-Portionen normal waren und dem Grünfutter 
der betreifenden Tage entsprachen — so weit es bei der ange- 
wendeten Methode des Trocknens, die ja immerhin auch bei 
sorgfältigster Handhabung nicht vor jedem Verluste an Blättern 
schützen kann, möglich ist. 

Die allmälige Ueberleitung der Versuchs-Thiere von dem 
Grünfutter der ersten zu dem Trockenfutter der zweiten Periode 
geschah in der Zeit vom Schlüsse der Per. I bis zum 25. Juni, 
von welchem Tage an zunächst pro Tag und Kopf je 13,1 Klo. 
Luzerne-Heu gereicht wurden, das in der Zeit bis zum 7. Juni 
aus der überschüssig eingebrachten Luzerne dargestellt worden 
war. Von dieser Ration blieben unverzebrt bei: 

Ochse 









N. I 


N. II 


am 


25. 


Juni . . 


. . 3,25 . . 


. . 2,85 Klo 




26. 


» . . 


. . 2,35 . . 


. . 1,50 


» 


27. 


» . . 


. . 1,00 . . 


? » 


» 


28. 




. . 1,20 . . 


. . 1,90 » 


n 


29. 


» . . 


. . 0,90 . . 


. . 1,30 « 


» 


30. 




. . 1,05 . . 


. . 1,35 )) 




1. 


Juli . . 


. . (1,60) . . 


. . (2,25)1) „. 



Bestimmung der verzehrten Trockensubstanz. — 
Als die Thiere sich anscheinend an das neue Regime gewöhnt 
hatten, wurde am 2. Juli der Versuch begonnen, indem man 
nunmehr täglich so viel Heu vorwog, als der am betreffenden 
Tag der Per. I verzehrten Menge vor steinfreier Trockensubstanz 
entsprach. Um dies zu ermöglichen, verfuhren wir folgender 
Massen : 

Jede der geernteten Heu-Portionen (A — E) wurde, ehe ihre 
Verfütterung begann, zu Häcksel geschnitten, eine grössere 



1) Die Rückstände dieser Tage, welche wie immer viel Blattpulver ent- 
hielten, werden Abends angefeuchtet, so dass der unverzehrte Theil am Mor- 
^en sehr nass w^ar. Die eingeklammerten Zahlen geben das Gewicht der 
Rückstände demnach wahrscheinlich um 50 oder mehr Procent zu hoch an. 



92 



Durchschnittsprobe (ca. 3 Klo.) entnommen, — diese Probe in 
rascher Aufeinanderfolge der Operationen nochmals auf der Häck- 
selbank so weit möglich zerkleinert,, gemischt und zum Theil 
auf einer eisernen Mühle gröblich gemahlen. In 3 bis 4 kleineren 
Proben des gemahlenen Materials wurde sodann der Trocken- 
gehalt bei 100*^ C. im Wasserstoff-Strome bestimmt. Nach dem 
mittleren Resultate dieser Bestimmungen berechnete man die für 
jeden Tag (des Zeitraums, innerhalb dessen die betr. Heuportion 
verfüttert werden sollte) erforderliche Menge von Heu, wog 0,1 
Klo. mehr ab, als berechnet, und brachte jede Tagsration in 
einen besonderen, mit Papier verklebten Bretterverschlag, der 
fremde Eingriffe verhinderte, ohne das Futter von der Luft ab- 
zuschliessen. An dem Tage der Verfütterung wurde dann von 
jeder der beiden Rationen wiederum eine 100 Grm. schwere 
Probe entnommen und in den vereinigten beiden Proben eine 
neue Bestimmung des Trockengehaltes vorgenommen . Das 
Gesammtgewicht der Ration wurde unmittelbar nach der Probe- 
nahme festgestellt und dann mit der Verfütterung derselben vor- 
gegangen." 

Da Abends gewöhnlich ziemlich viel Futterrückstände vor- 
handen waren, die zum grossen Theil aus trockenem, den Tliieren 
nicht zusagendem Blattpulver bestanden, so suchten wir diese 
Rückstände durch Anfeuchten angenehmer zu machen. Einen 
Theil derselben nahmen dann auch die Thiere im Laufe der 
Nacht zu sich : was aber am Morgen davon noch vorhanden. 



1) Die zweite Bestimmung des Trockeiigehalts erschien insofern erfor- 
derlich, als zwischen der ersten Abwägung der berechneten Rationen einer- 
seits und der Entnahme der Proben, nach deren Trockengehalt eben das Ge- 
wicht der Rationen berechnet Averden sollte, andererseits — immer 24 Stunden 
verstrichen waren. Dieser Zeitraum konnte genügen in dem Wassergehalte des 
lose lagernden Heuvorraths eine merkliche Veränderung zu bewirken. Da sich 
nun diesem Uebelstande nicht abhelfen liess , mussten wir durch erneuete 
Wägung der vorräthigen Rationen unmittelbar vor ihrer Verfütterung und 
gleichzeitige Entnahme einer Probe zur abermaligen Trockenbestimmung we- 
nigstens die Folgen ausschalten, welche das Ignoriren eines solchen Vorgan- 
ges auf die Rechnung gehabt haben würde. In den analytischen Belegen ist 
immer nur diese zweite Bestimmung aufgeführt, da aus ihr allein die vor- 
gewogene Trockensubstanz endgültig berechnet wurde. 



93 



wurde feucht aus der Krippe herausge wogen ') , gedörrt und am 
Schlüsse des Versuchs im lufttrockenen Zustande gewogen. 

Die nachstehende Tabelle giebt Aufschluss sowohl über 
die Ftitterungsverhältnisse als über die Art wie die einzelnen 
Tage dieser Periode denen der Per. I entsprechen : sie enthält 
weiter die erforderlichen Angaben über verzehrtes Tränk- 
wasser, Lebendgewicht — und mittlere Stalltemperatur. 

(Siehe Tabelle folgende Seite). 

Probenahme zur Analyse von Futter und Futter- 
rückständen. — Von jeder Heusorte wurde eine ca. 3 Klo. 
schwere Probe mit Sorgfalt entnommen und in feines Pulver 
verwandelt. Aus diesen Einzelproben wurde eine Gesammt- 
probe in der Weise gebildet, dass man von jeder Einzelprobe 
unter Berücksichtigung des verschiedenen Trockengehaltes so viel 
abwog, als dem mittleren Verzehr beider Ochsen entsprach. 

Die Futter rückstände wurden in ihrer Gesammtmenge 
aufbewahrt, gedörrt und in den lufttrockenen Zustand überge- 
führt. In diesem Zustande wog man sie zunächst einzeln und 
vermengte dann die zusammengehörigen. Von dem wohl zerklei- 
nerten gemengten Gesammtrückstande wurde dann eine Probe 
entnommen, welche sowohl zur Bestimmung des Trockengehalts, 
als zur chemischen Untersuchung diente. In diese Proben ge- 
langten nur die Rückstände der engeren Versuchs-Perioden mit 
Kothansammlung vom 7 — 13. Juli;^) sie hatten folgende Zu- 
sammensetzung : 



Diese erste, an sich überflüssige Wägung wurde nur ausgeführt, um 
nicht ohne Anhaltepunkt zur Berechnung der darin enthaltenen Trockensub- 
stanz zu sein, falls bei dem Dörren des einen oder anderen Rückstandes ein 
Unfall einträte. 

2) Vergl. die Anmerkung zu Pag. 86. Auch hier stimmten die im 
Mittel an einem Tage zurückgelassenen Mengen von Trockensubstanz in der 
engeren und weiteren Versuchs-Periode sehr nahe überein. Es hinterliess im 
Mittel pro Tag 

O. I vom 3 — 15. Juli 1,05 Klo. Trockensubstanz 

O. I )) 7 — 15. )) 1,15 » » 

O. II )) 2—15. >) 0,81 » » 

O. II n 7—15. » 0,85 » .) 



94 



Yersuchs-Tabelle II 



Ochse I 











Luzer 


j 


XJcXlj Li 111 

1 870 


mittlere 
Stalltem- 
peratur 


Tränk- 
AV asser 


Lebend- 
Gewicht 


a 

zugewo- 
gen 


b 

steinfrei 

(a-d) 


Trockei 
substai 
in b 


m 

SD 




OR. 


Klo. 


Klo. 


Klo. 


Klo. 


Proc. 


ii. 


Juli 2 


_ 






9,75 


9,72 


82,5S 




» 3 










12,60 


12,58 




83,22 


II" 


» 4 










13,04 


13,04 


1 


83,78 


III. 


)) 5 










13,30 


13,26 




84,85 




» 6 


17,2 






551,0 


13,81 


13,73 . 




83,59 




» 7 


16,3 


40,90 


560,0 


13,99 


13,96 


82,50 


m 


>. 8 


16,7 


36,40 


555,0 


11,98 


11,96 


84,04 




>) 9 


17,0 


35,60 


569,5 


14,50 


14,46 


83,72 




» 10 


18,3 


38,40 


— 


14,05 


14,04 


81,76 


U) 


>) 11 


18,5 


41,00 


570,5 


13,85 


13,84 


83,25 




)) 12 


19,5 


28,45 


575,0 


13,85 


13,85 


85,19 


11,^1 


» 13 


18,3 


34,85 


571,5 


11,92 


11,87 


86,38 


11,25 


» 14 


17,2 


34,65 


567,0 


12,80 


12,79 


84,62 


i)l 


» 15 


17,2 


27,20 


571,0 


11,43 


11,42 


83,28 


S,51 


Ochse II 
















Juli 2 


_ 






11,63 


11,60 


82,5S 


m 


.) 3 








11,97 


11,94 


83,22 




» 4 








12,22 


12,20 


83,78 


1,22 


» 5 








13,02 


13,00 


84,85 




.) 6 


17,2 




532,5 


13,33 


13,30 


83,59 


112 


)) 7 


16,3 


34,0 


533,0 


13,^7 


13,86 


82,50 




» 8 


16,7 


30,85 


530,0 


11,33 


11,32 


84,04 




» 9 


17,0 


38,15 


528,5 


14,07 i 


14,03 


83,72 


ll,i5 


« 10 


18,3 


38,85 




13,30 I 


13,28 


81,76 


!!,i8 


)> 11 


18,5 


36,15 


533,5 


13,10 j 


13,08 


83,25 




» 12 


19,5 


28,75 


534,5 


12,45 


12,44 


85,19 




» 13 


18,3 


33,75 


534,0 


11,85 


11,84 


86,38 


i|23 


)) 14 


17,2 


37,45 


538,0 


11,50 


11,49 


84,62 


j.:2 


>) 15 


17,2 


33,55 


534,0 


9,90 


9,89 


83,2>i 


!.2| 



95 



I l?er. II. 



Dcken- 
3Stanz 
rn b 



Bezeich- 
nung des 
Heus 



Futterrückstände 



c 

bei der 
Entnahme 
aus der 
Krippe 
Klo. 



davon 



d 

Steine 
Klo. 



Futter 
c— d 

Klo. 



luft- 
trocken 
steinfrei 



8,03 
^.0,47 
;0,92 
1,25 
1,48 



A 



O 
> 



2,30 
1,05 



2,63 
1,40 



0,03 
0,02 

0,04 
0,08 



2,27 
1,03 

2,59 
1,32 



0,55 
0,80 

2,27 
1,13 



1,52 

:.o,o5 

12,11 
1,48 

jU,52 
.1,80 
0,25 
0,82 
9,51 

9,58 
9,94 
.0,22 
.1,03 
fil,12 



.1,43 
9,51 
1,75 
;I0,86 
10,89 
jl0,60 
,10,23 
9,72 
8,24 



B 



o 



CO 

t-l 



D ^ 

<p 

Ol 

E %^ 



o 

> 



TS 

B g 

c 'S 



E 



1,90 


0,03 


1,87 


1 1,55 


» S 


0,60 


0,02 


0,58 


0,50 


» 9 


1,40 


0,04 


1,36 


1,17 


). 10 


i /IC 

1,45 


0,01 


1,44 


1,20 


)) 1 1 


1,45 


0,01 


1,44 


1,12 


,) 12 


2,50 




2,50 


2,02 


>. 13 


2,80 


0,05 


2,75 


2,34 


), 14 


0,70 


0,01 


0,69 


0,60 


»15 


0,25 


0,01 


0,24 


0,20 


>. 16 


3,45 


0,03 


3,42 


1,13 


Juni 3 


0,68 


0,03 


0,65 


0,53 


)) 4 


1,80 


0,02 


1,78 


0,68 


» 5 


0,98 


0,02 


0,96 


0,68 


» 6 


1,19 


0,03 


1,19 


1,01 


» 7 


1,30 


0,01 


1,29 


1,05 


» 8 


0,55 


0,02 


0,53 


0,48 


). 9 


1,20 


0,04 


1,16 


0,96 


» 10 


0,75 


0,02 


0,73 


0,55 


» 11 


2,90 


0,02 


2,84 


2,20 


» 12 


1,80 


0,01 


1,79 


1,45 


» 13 


0,80 


0,01 


0,79 


0,67 


>. 14 


0,60 


0,01 


0,59 


0,38 


» 15 


0,75 


0,01 


0,74 


0,16 


» 16 



96 



In 100 Theilen Trockensubstanz der Rückstände: 

Ochse I Ochse II 

Mineralstoffe 12.10 16,30 

Organische Substanz .... 87,90 83,70 

Proteinsubstanz 15,63 16,13 

Nfr. ExtractstofFe 43,50 38,91 

Aetherextract 1,95 2,44 

Rohfaser 26,82 26,22 

Das Verfahren zur Bestimmung- der täglich ausge- 
schiedenen Kothmenge und zur Gewinnung einer Durch- 
schnittsprobe war dasselbe wie in der ersten Periode. Zur Fest- 
stellung der Standcorrection wurden die Stände am Morgen 
des 6. Juli zum ersten und am Morgen des 16. Juli zum zweiten 
Male gewaschen, und folgende Resultate erhalten: 

Reinigung der Stände am 16. Juli Morgens. — 

A) fester, abgekratzter Koth: Stand I: 0,90 Klo. = 0,211 Klo. 
lufttrockener = 0,197 Klo. trockener Substanz. 

Stand II: 1,24 Klo. = 0,277 Klo. lufttr. = 0,249 Klo. trockener 
Substanz. 

B) die Waschflüssigkeit hinterliess : Stand I; 0,24 Klo. lufttr. 
= 0,232 Klo. trockener Substanz. 

Stand II: 0,23 Klo. lufttr. = 0,225 Klo. trockener Substanz. 

In 10 Tagen betrug die Standcorrection A-|-B) 

für Stand I = 0,429 Klo. Trockensubstanz 
>> >) II = 0,494 )) 

Auf die 9 Versuchstage mit Kothansammlung kommen demnach 
für 

Stand I = 0,386 Klo. Trockensubstanz 
)> II = 0,445 » » 

welche sich der Ansammlung im Kasten entzogen hatten. 

Mit der iVnsammlung der Excremente wurde, wie bereits 
aus Obigem ersichtlich, bei beiden Thieren am 7. Juli begonnen 
und bis zum 15. Juli (incl.) also 9 Tage lang fortgefahren. 

Der wasserfreie Koth hatte folgende procentische Zusam- 
mensetzung : 



100 Theilen wasserfreien Kothes der 


Per. n. 




0. I 


0. II 




13,83 


13,46 


Organische Substanz . . . . 


86,17 


86,54 




9,25 


9,44 


Nfr. Extractstoffe 


29.53 


31,41 


Aetherischer Extract . . . 


3,64 


3,65 




43,75 


42,04 



97 



Die folgenden Tabellen geben Aufschluss über die an jedem ein- 
zelnen Tage ausgeschiedenen Kothmengen^ und über die Mittel- 
werthe für die ganze Periode. 



Versuchs-Talbelle lY. Per. II. 







Darmkoth im 


Sammelkasten 




Gesammt- 
















Datum 


Abends 




Morgens 




menge der 














Tr.-Subst. 


1870. 
















Trockensubstanz 




Trockensubstanz 


im Darm- 
















koth 


m 


Klo. 


Proe, 


j Klo. . 


Klo. 


Proc. 


Klo. 


Klo. 


(Jcnse 1 
















TT* ^ 

Juli / 


10,80 


21,07 


2,276 


8,10 


21,42 


1,735 


/I All 

4,01 1 


» 8 


8,24 


20,54 


1,692 


9,05 


21,80 


1,973 


3 665 


» 9 


10,45 


20,45 


2,137 


8,85 


21,37 


1 ,891 


4,028 


10 


10,75 


20,97 


2,254 


8,10 


21,18 


1,716 


3,970 


)> 11 


9,90 


19^52 


1,932 


9,15 


20,69 


1,893 


3,825 


» J2 


1 1,00 


19,10 


2,101 


9,50 


19,38 


1,841 


3,942 


» 13 


11^35 


19,29 


2,189 


9,95 


20,71 


1,854 


4,043 


)> 14 


11,45 


19,51 


2,234 


8,35 


21,39 


1 1,786 


4,020 


n 15 


9,25 


21,07 


1,949 


10,52 


20,81 


j 2,189 


j 4,138 






Standcorrection 0,429x9 
10 


1 


1 0,386 








Koth-Trockensubstanz in 9 Tagen 


36,028 














1 Tag 


4,UÜ 


OpVicp TT 
















Juli 7 


12,65 


1«,00 


2,277 


8,45 


18,47 


1,561 


3,838 


>) 8 


13,30 


18,60 


2,474 


10,85 


17,50 


1,899 


4,373 


)> 9 


12,25 


18,02 


2,207 


9,90 


17,54 


1,736 


3,943 


» 10 


10,35 


18,05 


1,868 


12,95 


18,07 


2,340 


4,208 


» 11 


10,60 


17,94 


1,902 


11,15 


18,45 


2,057 


3,959 


). 12 


12,55 


18,19 


2,283 


9,60 i 


17,88 


1,716 


3,999 


>) 13 


10,30 


18,34 


1,S89 


11,60 


17,80 


2,065 


3,954 


» 14 


10,15 


19,17 


2,946 i 


11,25 


17,77 


1,999 


3,945 


') 1 5 


11,70 


17,52 


2,050 1 


8,55 


17,65 


1,509 


3,559 








Standcorrection 0,474x9 




0,427 












10 







Koth-Trockensubstanz in 9 Tagen 'I 36,205 

I Tag II 4,02 



Bevor wir in die Besprechung der Versuchsresultate ein- 
treten, bleiben uns noch einige allgemeine Betrachtungen anzu- 
stellen : zuerst ist zu untersuchen, ob und in wie weit, — unserer 
Voraussetzung entsprechend, das Futter in der ersten und zweiten 
Periode vergleichbar sei? 

Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1870. 7 



98 



Das Material zu dieser Prüfung liefert uns einerseits die 
Analyse der gemischten Probe von Luzerneheu, welche die Por- 
tionen B, C, D und E (vom 8—16. Juni) umfasst, andrerseits 
die Untersuchung der grünen Luzerne aus dem entsprechenden 
Zeitraum. 



In 100 Theilen Trockensubstanz enthielten 



Mischprobe 
von Heu 

MineralstofFe 8,59 

Organische Substanz .... 91,41 

Proteinsubstanz 17,19 

Nfr. Extractstoffe 42,07 

Aetherischer Extract .... 2,22 
Rohfaser 29,93 



Grüne Luzerne 
V. 8—16. Junii) 

8,03 
91,97 
16,99 
42,74 

2,S5 
29,39 



1) Es erhielt (vgl. die Versuchstabellen) in Klogr. : 

O. I. O. II. 

vom 8 — J2. Juni 57,73 57,83 Trockensubstanz 

.) 13—14. .) 23,67 23,66 » 

» 15—16. » 23,99 23,89 

vom 8 — 16. Juni TÖ5739 105,38 Trockensubstanz 

Darin waren nach den früher mitgetheilten Analysen enthalten in Klogr. : 

Mine- Organ. Nfr. Aeth. Roh- 

ralst. Subst. Extrst. Extr. faser 

O. I 8—12. Juni 4,774 52,956 9,560 25,616 1,691 16,089 

» 13—14. » 1,875 21,795 4,069 9,860 0,748 7,118 

)) 15—16. » 1,912 22,078 4,273 9,466 0,569 7,770 

0. I 8—16. Juni 8,361 96,829 17,902 44,942 3,008 30,977 

O.II 8— 12. Juni 4,783 53,047 9,577 25,659 1,694 16,117 

>) 13—14. )> 1,874 21,786 4,067 9,856 0,748 7,115 

)) 15—16. » 1,904 21,986 4,255 9,427 0,566 7,738 

O.II 8— 16. Juni 8,561 96,819 17,899 44,942 3,008 20,970 

Demnach waren in 100 Theilen der vom 8 — 16. Juni verzehrten Rationen 
durchschnittlich enthalten : 





0. I 


0. II 




7,93 


8,12 


Organische Substanz 


. 92,07 


91,88 


Proteinsubstanz . . . 


. 16,99 


16,99 


Nfr. Extractstoffe . . 


. 42,84 


42,65 


Aetherischer Extract . 


. 2,85 


2,85 


Rohfaser 


29,39 


29,39 



99 



Da der Gehalt an Mineralstoffen ziemlich stark differirt, 
erscheint es zweckmässig denselben zu eliminiren. Eine hierauf 
gerichtete Rechnung ergiebt folgendes Resultat : 

In 100 Theilen organischer Substanz : 

Mischprobe Grüne Luzerne 
von Heu vom 8 — 16. Juni 

Proteinsubstanz ... 18,81 18,47 

Nfr. ExtractstofFe . . 46,02 46,47 

Aetherischer Extract 2,43 3,10 

Rohfaser 32,74 31,96 

100,00 100,00 

Hiernach würde das vom 8 — 16. Juni auf Reitern geerntete 
Heu gegenüber der grünen Luzerne aus dem gleichen Zeiträume : 

+ 0,34 Proc. Nh 

— 0,45 )) Nfr. ExtractstofFe 

— 0,67 ') Aetherextraet 
4-0,78 » Rohfaser 

enthalten haben. 

Die Differenz von 4-0,34 Proc. Nh, welche nur 0,054 
Proc. Stickstoff entsprechen, dürfte wohl keinerlei Berücksich- 
tigung finden, wenn man sich erinnert, dass die Zusammen- 
setzung der grünen Luzerne vom 8 — 16. Juni aus den Analysen 
dreier verschiedener Proben berechnet ist : sie liegt ganz offenbar 
innerhalb der unvermeidlichen Fehlergrenzen. — Die Abnahme 
des (sogen. Fettes) Aetherextracts und die Zunahme der Roh- 
faser sind bedeutender und bewegen sich in der Richtung, welche 
man von vornherein erwarten musste ; sie dürften der Hauptsache 
nach auf Blattverlust zurückzuführen sein. Hinsichtlich der Zah- 
len für den Aetherextraet ist ausserdem noch anzunehmen, dass 
durch das längere Lagern auf dem Futterboden ein Theil derjenigen 
Stoffe in Aether unlöslich geworden ist, welche in der frisch 
getrockneten Pflanze noch löslich waren . Da der Mindergehalt 
an Aetherextraet im getrockneten Material fast 25 ?roc. beträgt, 
werden wir in dieser Beziehung das Heu und die grüne Luzerne 



1) Diese Erfahrung macht man bisweilen sogar an Futterproben, welche 
längere Zeit aufbewahrt werden. 

7* 



100 



sicher als unvergleichbar angehen müssen : Im Uebrigen 
aber können wir das in beiden Perioden gereichte 
Futter als wohl vergleichbar bezeichnen. — 

— Die Analysen, welche mit Luzerne-Proben aus verschie- 
denen Zeiträumen des Versuches angestellt wurden, weisen für 
diese Zeiträume eine Verschiedenheit der Zusammensetzung nach. 

In 100 Theilen organischer Substanz enthielt die Luzerne 

vom 2 — 7. voni8 — 12, vom 13 — 14. vom 15 — 16. 





Juni 


Juni 


Juni 


Juni 


Proteinsubstanzen . . 


20,3 


18,1 


18,7 


19,4 


Nfr. ExtractstofFe . . 


47,6 


48,3 


45,2 


42,8 


Aetherextract .... 


3,5 


3,2 


3,4 


2,6 




• 28,6 


30,4 


32,7 


35,2 




100,0 


100,0 


100,0 


JUO,0 



Die zunehmende Verholzung des Futters ist an der Steige- 
rung des Rohfasergehaltes deutlich erkennbar ; dass aber nicht 
dieselbe Regelmässigkeit in der Abnahme der Protei'nsubstanzen 
und des ätherischen Extracts bemerkbar wird, dürfte darauf 
zurückzuführen sein, dass der Acker nicht ganz regelmässig 
bestanden und die Entwickelung der Pflanzen auf verschiedenen 
Theilen desselben daher auch nicht ganz gleichmässig verlieft). 

Für unseren Zweck ist diese Unregelmässigkeit im Allge- 
meinen gleichgültig; es genügt uns, nachgewiesen zu haben, 
dass das Futter sich während des Versuches in fortwährender 
Veränderung befand, was für die nachfolgende Beti*achtung 
wichtig ist. 

^) Dies und die noch immer unerledigte Frage , wie viel von dem 
Aetherextract des Darmkothes als Kest des Futterextractes und wie viel als 
StofFwechselproduct anzusehen bestimmt uns , in der Folge das Fett bei der 
Discussion der Zahlen für die Ausnutzung nicht zu berücksichtigen. Vgl. 
auch die Bemerkungen des Referenten in Henneberg's Journ. f. Land- 
wirthsch. 1867. Jahrgang XV, pag. 2 und flgde. 

2j Der iAie Einfluss, den dies auf die Vergleichbarkeit des täglich 
zur Fütterung und des in Intervallen zur Heubereitung einge- 
brachten Futters haben konnte , wurde so viel möglich verringert, indem 
man Letzteres natürlich immer von derselben Stelle des Ackers als das ent- 
sprechende Tages-Futter entnahm. 



101 



Während man es bei den gewöhnlichen Ausnutzungs- 
versuchen innerhalb jeder einzehien Periode mit einem gleich- 
bleibenden Futter zu thun hat, und demgemäss einfach den 
Koth von demjenigen Futterquantum in Abzug bringt, welches 
(nach hinreichender Vorftitterung) während der Tage mit Koth- 
ansammlung verzehrt wurde, liegt die Sache, wie wir eben sahen, 
hier anders : Das Futter war innerhalb beider Perioden des Ver- 
suches ein zeitweilig verschiedenes. Da nun bekanntlich die 
Verdauung des Rauhfutters nicht von Mahlzeit zu Mahlzeit oder 
auch nur von Tage zu Tage beendigt wird, die vollständige 
Verdauung vielmehr 4 — 5 Tage in Anspruch nimmt, so erschien 
es in unserem Falle richtig, auch dasjenige Futter in die Rech- 
nung zu ziehen, welches im Laufe der Vorfütterung verzehrt wor- 
den war. 

Die Berechnung der Futteraufnahme in der Periode I kann 
unter directer Benutzung der vorhandenen Analysen mit hin- 
reichender Sicherheit ausgeführt werden: Anders in Periode II 
mit Heufütterung. Hier liegen nur Analysen desjenigen Futters 
vor, welches in der engeren Versuchs-Periode (mit Kothan- 
sammlung) gereicht wurde, da zu der Mischprobe, deren Ana- 
lyse mitgetheilt ist, nur die Einzelproben von den Heuportionen 
B, C, D und E vereinigt wurden. Angesichts der sehr geringen 
Verschiedenheit, welche zwischen der direct ermittelten Zusam- 
mensetzung dieser Mischprobe und der berechneten Zusammen- 
setzung des Grünfutters vom gleichen Zeiträume (s. o. pag. 99) 
beobachtet wurde, erschien es überflüssig, die Analyse der Heu- 
probe A, welche dem Grünfutter vom 2 — 7. Juni entsprach, 
nachträglich auszuführen und wir nehmen im Folgenden an, 
diese Portion A habe dieselbe Zusammensetzung 
als die Luzerne vom 2 — 7. Juni gehabt, während wir für 
das in der engeren Versuchs-Periode II verzehrte Futter die 
direct ermittelte Zusammensetzung der Mischprobe vom Heu zu 
Grunde legen. 

Für das in beiden Perioden hingereichte Futter berechnet 
sich hiernach die folgende Zusammensetzung: 



102 



Nfr. Aether- 
Extract- extract 



O. 1 



Zusammensetzung des Futters (Kilogr.) : 

Periode I. Grünfutter: 

Trocken- Orga- Protem- 

substanz nische sub- 

(steinfrei) Subst. stanz 

vom 4— 7. Juni . . 45,90 41,471 8,404 

» 8—12. )) . . 57,73 52,956 9,560 

)) 13—14. » . . 23,67 21,795 4,069 

» 15—16. .> . . 23,99 22,078 4,273 



In Summa (13 Tage) 
O.II vom 3 — 7. Juni 
» 8—12. » 
» 13—14. » . 
» 15—16. » 



Stoffe 
19,746 
25,616 
9,860 
9,466 



1,460 
1,691 
0,748 
0,569 



151,29 
57,36 
57,83 
23,66 
23.89 



138,300 
51,825 
53,047 
21,786 
21,986 



26,306 
10,503 
9,577 
4,067 
4.255 



64,688 
24,676 
25,659 
9,856 
9,427 



4,468 
1,824 
1,694 
0,748 
0,566 



O. 



7—15. 



In Summa (13 Tage) 143,18 130,413 25,106 60,655 
O.II vom 2— 6. Juli .. 51,89 46,883 9,501 22,324 
)> 7—15. ). . . 93,23 85,222 16,026 39,222 



Roh- 
faser 

11,861 
16,089 
7,118 
7,770 



42,838 
14,822 
16,117 
7,115 
7,738 



In Summa (14 Tage) 162,74 148,644 28,402 69,618 4,832 45,792 

Periode II. Heufutter: 
I vom 3— 6. Juli .. 44,12 39,862 8,078 18,980 l, i03 11,401 



99,06 90,551 17,028 41,675 2,199 29,649 



3,602 41,050 
1,650 13,408 
2,070 27,904 



In Summa (14 Tage) 145,12 132,105 25,527 61,546 3,720 41,312 

Das (trocken gedachte) Futter der ganzen Perioden hatte 
demnach durchschnittlich folgende procentische Zusammen- 
setzung : 



Procentische Zusammensetzung der hingereichten 

Futtersubstanz^) : 



Organische Substan:^ 
Mineralstoffe . . 
Proteinsubstanz . 
Nfr. Extractstoffe 
Aetherextract . . 
Rohfaser . . . 



Per. I 
Grünfutter 
0. I O. II Mittel 



91,41 
8.59 

17,39 

42,75 
2,95 

28,32 



91,34 
8,66 

17,45 

42,78 
2,97 

28,14 



91,37 
8,63 

17,42 

42,76 
2.96 

28^23 



Per. II durchschnittlich 
Heufutter (corrigirt) ^ ^ ^g"^ ^ ^ ^ 
O. I 0. II Mittel Grünfutter Heu 



91,08 
8,92 

17,53 

42,36 
2,52 

28,67 



91,03 
8,97 

17,59 

42,41 
2,56 

28.47 



91,05 
8,95 

17,56 

42,38 
2,54 

28,57 



19,06 
46,80 
3,24 
30,90 



19,29 
46,54 
2,79 
31,38 



1) Bei der vorläufigen Mittheilung, welche Referent im Amtsblatte 
der landw. Vereine des Königr. Sachsen (1871 Nr. 12) veröflfentlichte , hat 
sich ein Irrthum eingeschlichen, indem zur Berechnung des Verzehrs in der 
zweiten Periode nicht die corrigirte Zusammensetzung des Heufut- 
ters, sondern die Analyse der Mischprobe zu Grunde gelegt wurde. So 
bedauerlich dieses Versehen an sich ist, so bleibt es doch auf das allgemeine 
Kesultat, wie man sehen wird, ohne durchgreifenden Einfluss. 



103 



Den wirklichen Verzehr erhalten wir durch Subtraction 
der zurückgewogenen (steinfreien) Futterrückstände*) von dem 
hingereichten Futter, wie nachstehend geschieht : 



Wirklicher Verzehr von 0. I und 0. II in Kilogr. 





Periode I 4—16 


. Juni 


Periode II 3—15. Juli 




Im 


in den 


ver- 


Im 


in den 


ver- 




Futter 


Kück- 


zehrt 


Futter 


Klick- 


zehrt 
















Ochse I : 














Trockensubstanz . . 


151,29 


8,03 


143,26 


143,18 


13,32 


129,86 


Organische Substanz 


138,300 


7,316 


130,984 


130,413 


11,708 


118,705 


Proteinsubstanz . . 


26,306 


1,109 


25,197 


25,106 


2,082 


23,024 


Nfr. ExtractstofFe . 


64,688 


3,019 


61,669 


60,655 


5,794 


54,861 


Aetherischer Extract 


4,468 


0,164 


4,304 


3,602 


0,260 


3,342 




42,838 


3,024 


39,814 


41,050 


3,572 


37,478 


Ochse II : 














Trockensubstanz . . 


162,74 


17,31 


145,43 


145,12 


10,75 


134,37 


Organische Substanz 


148,644 


15,937 


132,707 


132,105 


8,998 


123,107 


Proteinsubstanz . . . 


28,402 


2,131 


26,271 


25,527 


1,734 


23,793 


Nfr. ExtractstofFe . 


69,618 


6,508 


63,110 


61,546 


4,183 


57,363 


Aetherischer Extract 


4,832 


0,310 


4,522 


3,720 


0,262 


3,458 




45,792 


6,988 


38,804 


41,312 


2,819 


38,493 



Hiernach wurde im Durchschnitte täglich verzehrt 

(Kilogr.) 



A. 


0. 


I 


0. II 


Per. I 


Per. II 


Per. I 


Per. II 


Trockensubstanz . . . 


11,02 


9,99 


10,39 


9,60 


Organische Substanz 


10,076 


9,131 


9,481 


8,793 


Proteinsubstanz . . . 


1,938 


1,771 


1,877 


1,700 


Nfr. ExtractstofFe. . . 


4,744 


4,220 


4,508 


4,097 


Aeth er extract .... 


0,331 


0,257 


0,323* 


0,247 




3,063 


2,883 


2,722 


2,750 



An Kothtrockensubstanz lieferten die beiden Versuchsthiere 
durchschnittlich im Tage 

O. I Per. 1 : 3,94 Klogr. 

» II )) I: 3,77 .) 

» I »II: 4,00 )) 

» II )) II: 4,02 » 



1) Die Zusammensetzung der Rückstände wurde oben bei der speciellen 
Beschreibung der Versuche mitgetheilt. 



104 



Aus den Analysen der zwei Kothprobeu vom 8 — 13. und 
vom 14 — 16. Juni berechnet sich für den Gesammtkoth aus der 
Periode I die folgende Zusammensetzung : 

Procentische Zusammensetzung der Koth-Trocken- 

sub stanz in Per. I: 





0. I 


0. II 




16,69 


16,05 


Organische Substanz . 


. 83,31 


83,95 


Proteinsubstanz .... 


. 8,99 


9,61 


Nfr. ExtractstofFe . . . 


. 27,87 


29,91 




3,77 


4,09 




42,68 


40,34 



Aus diesen Zahlen, sovile aus der früher (pag. 96) mitge- 
theilten proc. Zusammensetzung des Darmkoths in der II. Pe- 
riode, berechnet sich folgende 

1) O. I lieferte vom 8—13. Juni 23,011 Klo., vom 14—16. Juni 12,015 
Klo, trockenen Koth aus dem Sammelkasten 

O.II lieferte vom 8—13. Juni 23,567 Klo., vom 14—16. Juni 11,515 
Klo. trockenen Koth. aus dem Sammelkasten. 

Nach den früher mitgetheilten Analysen waren hierin enthalten (in Klogr.i: 

Ochse I 





8—13. Juni 




14—16. Juni 


zusammen 












Klo. 


Proc. 


Organische Substanz 


18,973 




10,206 




29,179 


83,31 


Proteinsubstanz . . 


2,129 




1,021 




3,150 


8,99 


Nfr. ExtractstofFe . 


6,176 


+ 


3,585 




9,761 


27,87 


Aetherextract . . . 


0,865 


+ 


0,454 




1,319 


3,77 


Rohfaser 


9,803 


+ 


5,146 




14,949 


42,68 






Ochse II 










8—13. Juni 




14—16. Juni 


zusammen 












Klo. 


Proc. 


Organische Substanz 


18,02s< 




9,745 




27,773 


83,95 


Proteinsubstanz . . 


2,131 




1,058 




3,189 


9,61 


Nfr. ExtractstofFe . 


6,015 


+ 


3,871 




9,890 


29,91 


Aetherextract . . . 


0,876 


+ 


0,477 




1,353 


4,09 




9,006 


4- 


4,339 




13,345 


40,34 



\ 



105 



Mittlere Ausscheidung durch den Darmkoth in 

1 Tage: 



B 


0. 


I 


0. 


II 


Per. I 


Per. II 


Per. I 


Per. II 


Trockensubstanz .... 


3,94 


4,00 


3,77 


4,02 


Organische Substanz . . 


3,283 


3,447 


3,165 


3,479 




0,354 


0,370 


0,362 


0,379 




1,098 


1,181 


1,128 


1,263 




0,149 


0,146 


0,154 


0,147 


Rohfaser 


1,682 


1,750 


1,521 


1,690 



Durch Subtraction der eben sub B mitgeth eilten Zahlen von 
den früher sub A verzeichneten Werthen für den mittleren Tages- 
verzehr, erfahren wir nun, wie viel in jeder Periode von dem 
Futter verdauet wurde, nämlich: 

In 1 Tag durchschnittlich verdauet (Kilogr.) 





Per. I 


Per. II 


Per. I 


Per. II 




7,08 


5,99 


6,62 


5,58 


Organische Substanz . . . 


6,793 


5,684 


6,316 


5,314 




1,584 


1,401 


1,515 


1,321 


Nfr. ExtractstofFe . . . . 


3,616 


3,039 


3,380 


2,834 












Rohfaser 


1,381 


1,133 


1,201 


1,060 



Drücken wir diese durchschnittlich verdaueten Mengen (Ci 
in Procenten der täglich verzehrten Mengen (A) aus, so erhalten 
wir die nachstehende Tabelle über die : 

Ausnutzung der Luzerne in Procenten: 

bei Grünfütterung bei Trockenfütteruug 





0. I 


0. II 


Mittel 


0. I 


0. II 


Mittel 


Trockensubstanz . . . 


64,3 


63,7 


64,0 


60,0 


58,1 


59,1 


Organische Substanz 


67,4 


66,6 


67,0 


62,2 


60,4 


61,3 


Prote'insubstanz . . . 


81,7 


80,7 


81,2 


79,1 


77,7 


78,4 


Nfr. ExtractstofFe. . 


76,9 


75,0 


76,0 


72,0 


69,2 


70,6 


Aetherextract . . . 


(53,6) 


(50,5) 




(33,9) 


(29,7) 






45,1 


44,1 


44,6 


39,3 


38,5 


38,9 



1) Man erinnert sich, dass die Analyse der Heu-Meng-Probe , welche 
dein Verzehr in der engeren Yersuchsperiode entsprach, einen um ca 25 Proc. 



IK ... 



!06 



Auch in diesen neuen, mit Luzerne ausgeführten Versuchen 
ist sonach von allen Bestandtheilen bei der Trockenfütte- 
rung weniger zur Verdauung gelangt, als bei der Grünfütterung. 
Es betrug der Unterschied zu Ungunsten der Trocken- 
ftitterung in diesen, wie in den älteren Versuchen mit Klee: 





1868 


1870 


Im Mittel 




0 I. 


0. II 


0. I 


0. II 


1868 1870 


Trockensubstanz . . 


1,3 


3,4 


4,3 


5,6 


2,4 5,0 


Organische Substanz 


3,7 


5.7 


5,2 


6,2 


4,7 5,7 


Prote'insubstanz . . . 


1.4 


4,1 


2,6 


3,0 


2,8 2,8 


Nfr. ExtractstofFe . . 


3,9 


4,4 


4,9 


5,8 


4,2 5,4 


Kohfaser 


5,5 


6,8 


5,8 


5,6 


6,2 5,7 



Die mittleren, kleinsten und grössten Differenzen in der 
Ausnutzung des grünen und trockenen Futters in allen 4 Ver- 
suchen von 1868 und 1870 stellten sich folgendermaassen : 

Bei Trockenfütterung weniger verdauet als bei 
Grünfütterung (Proc.) 



Trockensubstanz . . 
Organische Substanz 
Prote'insubstanz . . 
Nfr. Extractstoffe . 
Rohfaser 



Mini- 


Maxi- 


Mittel 


mum 


mum 




1,3 


5,6 


3,7 


3,7 


6.2 


5,2 


1,4 


4,1 


2,8 


3,9 


5,8 


4,8 


5,5 


6,8 


5,9 



Bei der Besprechung der 1868^^ Versuche hoben wir in^ 
erster Linie hervor und belegten es durch eigene Beobachtungen 
an einem anderen Thiere, dass die Differenzen zu Ungunsten 



niedrigeren Gehalt an Aetherextract ergab , als in dem Grünfutter aus glei- 
chem Zeiträume gefunden worden Avar. Es unterliegt keinem Zweifel, dass 
auch in der Heu-Portion A, welche in der Vorfütterung verzehrt wurde, sich 
dieselbe Herabminderung des Aetherextracts gegenüber dem entsprechenden 
Grünfutter gezeigt haben würde. Hiernach ist es, — da die Zusammen- 
setzung des Gesammtverzehrs in Per. II in der Weise berechnet ist, dass man 
für die Tage der Yorfütterung die Analyse des entsprechenden Grün- 
futters benutzte, — jeden Falls unzulässig die Ausnutzung des Aether- 
extracts mit Hülfe der so corrigirten Zahlen zu berechnen. Will man 
diese Ausnutzung überhaupt berechnen, so bleibt nur übrig, die Vorfütterung 
ganz ausser Spiel zulassen, und den Verzehr in den engeren Perioden mit 
der Kothausscheidung zu vergleichen. Die so gewonnenen Procentzahlen für 
die Ausnutzung des Aetherextracts sind oben in Parenthese beigefügt, ohne 
dass wir selbst grossen Werth auf dieselben zu legen vermöchten. 



107 

des trockenen Futters nicht grösser seien, als die, welche sich 
zeigen, wenn man die Ausnutzung einer und derselben 
Heusorte durch dasselbe Thier zu verschiedenen Zeiten 
bestimmt. Der Umstand, dass nunmehr auch in den neueren 
Versuchen die Differenzen bei beiden Thieren sämmtlich in 
gleicher Richtung liegen, schliesst zwar die Möglichkeit 
einer zeitlichen Schwankung des Verdauungsvermögens in den 
vorliegenden Fällen keineswegs aus, — verbietet es aber offen- 
bar, bei der Feststellung des abzuleitenden Schlusses noch den 
gleichen Werth auf jene Möglichkeit zu legen, wie früher. Wir 
werden vielmehr, gegenüber dieser gleichmässigen Minderver- 
dauung des trockenen Futters durch alle 4 Thiere, welche wir 
bisher in dieser Richtung beobachteten, zugeben müssen, dass 
in der That das auf Kleereitern geworbene Heu minder verdau- 
lich ist, als das Grünfutter, aus welchem es gewonnen wurde. 

Hinsichtlich der Grösse dieser Minderverdaulich- 
keit würden wir, im Hinblick darauf, dass alle in der 
Minimalrubrik der letzten Tabelle aufgeführten 
Zahlen an einem Thiere (0. I, 1868) erlangt wurden, 
annehmen können, dass die geringere Ausnutzung bei den anderen 
Thieren durch zufällige Ursachen bedingt worden sei, und jene 
Minimalzahlen vorläufig als diejenigen bezeichnen können, welche 
die — durch das Trocknen an sich bedingte Minderverdaulich- 
keit des getrockneten Futters gegenüber dem grünen angeben. 

Seitdem Referent sich in diesem Sinne auf der Versamm- 
lung der Agriculturchemiker in Dresden (1871) aussprach, ist 
von anderer Seite der entschiedene Beweis dafür geliefert wor- 
den, dass die Verdaulichkeit des Grünfutters durch das Trocknen 
an und für sich in keiner Weise verändert wird und dass Referent 
Recht hatte, wenn er schon früher die beobachteten 
Differenzen nicht aus einer Wirkung des Trock- 
nens, sondern aus den Mängeln der Werbungsme- 
thode erklären zu müssen glaubte. 

Dr. Hugo Weiske^) hat auf der Versuchs-Station Proskau 

1) Beiträge zur Frage über Weidewirthschaft und Stallfütterung, sowie 
über die Ausnutzung des bei verschiedenen Erntemethoden gewonnenen Rauh- 
futters. Breslau 1871. 



108 



Versuche Uber den gleichen Gegenstand mit Schafen angestellt 
und ist zu dem Resultat gelangt, dass von dem zuvor sorgfältig 
getrockneten Futter theilweise sogar mehr verdauet wurde, als 
von dem grün verfütterten. 

Bei W e i s k e's Versuchen gelangten durchschnittlich zur Ver- 
dauung (Proc.) 

aus grüner Luzerne aus trockener Luzerne 



Organische Substanz 
Proteinsubstanz . . . 
Nfr. ExtractstofFe . . 
Fett (Aetherextract) 



Nr. I 

Ham- 
mel 

58,19 
78,23 
70,74 
37,04 



Nr. n 
Ham- 
mel 



57,40 
79,36 
65,09 
38,92 
35,16 



Mittel 



57,80 
78,80 
67,92 
37,98 
33,38 



Nr. I Nr. 11 
Harn- Ham- 
mel mel 



57,61 
78,73 
64,64 
50,95 
35,36 



56,86 
76,95 
65,88 
48,21 
33,06 



Mittel 

renz 
im 
Mittel 

57,24— 0,56 

77,84— 0,96 

65,26— 2,66 

49,58+11,60 

34,21-1- 0,83 



Kohfaser 31,59 

Selbstverständlich ist die Mehrausnutzung, da, wo sie auftritt, 
nicht als eine Folge des Trocknens anzusehen, sondern sie be- 
ruht, — soweit sie nicht etwa auf die unvermeidlichen Fehler 
der analytischen Operationen zurückzuführen, — auf zeitlichen 
Schwankungen des individuellen Verdauungsvermögens. Dies 
geht deutlich hervor, wenn man die Zahlen vergleicht, welche 
die einzelnen Thiere in den Versuchen Weiske's lieferten- 



Bei Trockenfütterung mehr (-]-) oder weniger ( — 
verdauetes bei Grünfütterung: 

Hammel I Hammel 11 
Organische Substanz ... — 0,58 — 0,54 

Proteinsubstanz -|- 0,50 — 0,41 

Nfr. Extractstoffe .... — 6,10 +0,79 

Fett +13,91 +9,29 

Rohfaser + 3,77 —2,10 

Weiske, welcher mit kleineren Thieren operirte, konnte die 
geringe Menge von Grünfutter (8 Kilogr.), die er täglich in Heu 
zu verwandeln hatte, ohne jeden Verlust und auch sonst unter 
den günstigsten Verhältnissen im geschlossenen Räume trocknen : 
bei unseren Versuchen, wo es sich darum handelte, auf den 
Tag mindestens 100 Kilogr. Luzerne in Heu zu verwandelo, 



109 



musste man sich an die in praxi üblichen Methoden der Heu- 
werbung halten und konnte somit nicht alle Verluste an zarteren 
Pflanzentheilen vermeiden. Aus diesen Umständen allein würde 
sich schon erklären lassen, warum bei unseren Versuchen die 
Differenzen zwischen der Verdauung des Grün- und Trocken- 
fütterung nicht um den Nullpunkt heranschwanken, wie in Weis- 
ke's Versuchen, sondern sämmtlich zu Ungunsten des Trocken- 
futters liegen. 

— Solchen Verlusten, welche aus der Werbungsmethode 
entspringen, kann indessen die beobachtete Minderausnutzung 
des Trockenfutters in der That nicht allein zur Last gelegt 
werden, vielmehr entstand eine andere, in gleicher Richtung 
wirkende Fehlerquelle aus der nicht allzugrossen Fresslust un- 
serer Versuchsthiere. 

Es blieben zwar in beiden Perioden des Versuchs gleich- 
massig Futterrückstände zurück, doch waren diese Rückstände 
nicht in beiden Perioden von gleicher Beschaffenheit. 

Bei der Grünfütterung suchten sich die Thiere, wenn ihr 
Hunger zur Hauptsache gestillt war, schliesslich die zarteren 
Theile des Futters heraus und Hessen die gröberen liegen. Wäh- 
rend der Heuperiode geschah nun auch dasselbe, die gröbsten 
Stengel wurden, wie dort, verschmäht ; hier aber trat eine Com- 
pensation durch folgende Umstände ein: unvermeidlicher Weise 
bildete sich nämlich, bei dem Zerkleinern des Luzerneheus auf 
der Häckselbank und bei den sonstigen Manipulationen, aus zer- 
schnittenen und zerdrückten Blättern eine gewisse Menge feineren 
Pulvers, welches den Thieren nicht ganz mundgerecht war und 
daher in der Krippe zurückgelassen wurde i). Gröbere Stengel 
und feineres Pulver der Rückstände standen im Durchschnitte der 
ganzen Periode in solchem Verhältnisse zu einander, dass die 
Masse dieser Rückstände, aschenfrei gedacht, im Mittel 
beider Thiere wenig anders zusammengesetzt war, als die des 
Futters. — Wie die bei der Heu Werbung eingetretenen Verluste, 
so hatte also auch die Ungleichheit in der Zusammensetzung der 



1) Vgl. die Anmerkungen über das Befeuchten des Futters in der spe- 
ciellen Beschreibung der II. Versuchs-Periode. 



110 



Futter-Rückstände dazu beigetragen, das in der Grtinfutter-Periode 
wirklich verzehrte Futter blattreicher und stengelärmer zu 
machen, als das in der Heu-Periode verzehrte. Nachstehend 
geben wir zur Erläuterung dieser Verhältnisse die Zusammen- 
setzung der trockenen, aschenfreien Rückstände und daneben 
diejenige des Futters; Letzteres für die engere und für die wei- 
tere Versuchs-Periode. 

In 100 Theilea organischer Substanz: 

Rückstände Hingereichtes Futter in der 

Mittel engeren weiteren 

Per. I Per. II Per. I Per. II Per. I Per. II 

(corr.) 

Proteinsubstanz 15,16 13,37 17,78 19,27 14,27 18,53 18,47 18,81 19,06 19,29 
Nfr.Etxractstoffe 41,27 40,84 49,49 46,49 41,06 47,99 46,47 46,02 46,80 46,54 
Aetherextract 2,24 1,94 2,22 2,92 2,09 2,57 3,10 2,43 3,24 2,79 
Rohfaser .... 41,33 43,85 30,51 31,33 42,59 30,92 31,96 32,74 30,90 31,38 

In wie weit dies auf die Zusammensetzung des wirklich 
verzehrten Futterantheils zurückwirkte, ergiebt sich deutlich, 
wenn man für beide Perioden des Versuchs den Gehalt der 
hingereichten mit dem Gehalte der verzehrten aschen- 
freien Substanz an Proteiusubstanzen und Rohfaser vergleicht: 

100 Theile aschenfreier Trockensubstanz enthielten: 

(im Mittel beider Thiere) 
Engere Versuchs-Periode i) weitere Versuchs-Periode 

Per. I Per. II Per. I Per. II 




hinge- verzehr- hinge- verzehr- hinge- verzehr- hinge- verzehr- 

reichtes tes reichtes tes reichtes tes reichtes tes 

Futter Futter Futter Futter Futter Futter Futter Futter 

(corr.) (corr.) 

a. b. a' b' a ^ a' 

Proteinsubstanzen 18,5 18,9 18,8 18,8 19,1 19,5 19,3 19,4 

Rohfaser 32,0 31,0 32,7 32,9 30,9 29,8 31,4 31,4 

In b, resp. b' mehr In ß resp. ß' mehr 

{-{-) oder weniger ( — ) oder weniger als in a 

als in a resp. a'. resp. a 

engere weitere 

Per. I Per. II Per. I Per. II 



Proteinsubstanz -|-0,4 +0 +0,4 +0,1 

Rohfaser ... — 1,0 + 0,2 — 1,1 + 0,1. 



1) Die Zahlen für die engeren Versuchs-Perioden (welche übrigens fast 
identisch mit denen für die weiteren sind) verdienen hier insofern den Vor- 
zug, als sie alle aus den unmittelbaren Befünden abgeleitet sind, wäh- 
rend die Zahlen für den Verzehr in der weiteren Periode II gewiesen, oben 
erwähnten Correctionen unterlagen. 



III 



Sowohl wenn man die engeren, als wenn man die weiteren 
Versuchs-Perioden (incl. Vorfütterung) in Betracht zieht, ergiebt 
sich unverkennbar, dass Inder ersten Periode das verzehrte 
Futter um 1 Procent ärmer an Holzfaser und um ca. ^2 Pi'o- 
cent reicher an Proteinsubstanzen i) war , als das hingereichte 
Futter, während in der zweiten Periode eine solche, die Ver- 
daulichkeit im positiven Sinne beeinflussende Einwirkung der 
Futter-Rückstände nicht bemerkbar ist. 

Vergleicht man diese Differenzen zwischen a und b, resp. 
a und ß mit den Differenzen zwischen a und a', resp. a und a' 
welche letzteren anzeigen, dass das Grünfutter durch die mit dem 
Dörren desselben verbundenen Operationen um 

J0,34 (resp. 0,2) Procent 2) reicher- an Proteiusubstanz 
|0,78 (resp. 0,5) » ärmer an Holzfaser 
geworden ist , so bemerkt man, dass beide Fehlerquellen (wenig- 
stens so weit die Rohfaser im Spiele) fast in gleicher Stärke 
darauf hingewirkt haben, das wirklich verzehrte grüne Futter 
leichter verdaulich erscheinen zu lassen, als das Heu-Futter der 
zweiten Periode. Zieht man nun in Betracht, dass in den Ver- 
hältnissen der Praxis zwar meist das Grünfutter in überreicher 
Menge gegeben wird, bei dem Heu-Futter dagegen dies nicht 
stattfindet, so wird man auch zugeben müssen, dass die De- 
pression der Futterausnutzung zu Ungunsten des Heu-Futters, 
— soweit sie durch die Beschaffenheit der Futter-Rückstände 
herbeigeführt sein kann oder etwa zur Hälfte ihres Betrages 
(nur bei den Nh Stoffen lässt sie sich nicht direct aus den Zah- 
len ableiten) für die Praxis ausser Rechnung fällt. Es dürfte 
daher zulässig erscheinen, wenn wir aus unseren neuen 



1) Die Differenz in dem Gehalte an Nh , Avelclie nur ca. 0,06 Procent 
Stickstoff entspricht, ist an und für sich sehr unbedeutend, dürfte aber doch 
einige Beachtung verdienen, da sie in der, durch die Verhältnisse vorge- 
schriebenen Richtung liegt. 

■2) Diese nicht auf 1 Decimale gekürzten Differenzen wurden oben, S. 99 
abgeleitet. In Betreff der Differenz für Nh ist wiederholt zu bemerken, dass 
sie in umgekehrter Richtung liegt, als sie den thatsächlichen Verhält- 
nissen nach liegen sollte , und dass sie als in den möglichen Fehlergrenzen 
liegend, hier um deswillen vernachlässigt werden muss. 



112 



Luzerne- Versuchen in Verbindung mit denen Weiske's 
dieselben Schlüsse ziehen, als aus den Versuchen von 1868, und 
aufrecht erhalten, dass die Verdaulichkeit des Grün- 
futters durch das Trocknen nicht wesentlich ver- 
ändert wird. Wohl aber wird zugegeben bleiben, dass bei 
der Heuwerbung unvermeidliche Verluste an verdaulicher Sub- 
stanz entstehen. 

Aus der Vergleichung der Analysen von frischer Luzerne 
und daraus bereitetem Heu, welcher oben pag. 99 mitgetheilt 
wurden, lässt sich ersehen, wie gross der Einfluss dieser Ver- 
luste bei sorgfältiger und vom Wetter begünstigter Heubereitung 
auf die Zusammensetzung des Heus gegenüber der des 
grünen Futters ist. — Dagegen ist die absolute Grösse die- 
ser unvermeidlichen Verluste, — die Gewichtsmenge verdaulicher 
Substanz, welche bei der Heubereitung aus einem bestimmten 
Gewichte frischen Futters unter normalen Verhältnissen verloren 
geht, aus den obigen Zahlen nicht zu entnehmen. Ueber diesen 
wichtigen Gegenstand sollen auf hiesiger Station Versuche dem- 
nächst ausgeführt und, wenn thunlich, in verschiedenen 
Jahren durchgeführt werden, bis es möglich sein wird, der Praxis 
für die verschiedenen Verhältnisse, unter denen die Heuwer- 
bung erfolgt, brauchbare Anhaltepunkte zu geben i). 



Das Verhältniss zwischen verzehrter Trockensubstanz und 
aufgenommenem Wasser (Tränkwasser und hygroskopische Feuch- 
tigkeit des Heus, resp. Vegetationswasser des Grünfutter) war 
in beiden Perioden völlig dasselbe. In den engeren Versuchs- 
Perioden nahmen die Thiere per Tag folgende Wassermenge auf : 



Weiske (1. c.) hat neuerdings den Versuch gemacht, diesen Ver- 
lust zu bestimmen. Abgesehen davon, dass das Heu nach andern Methoden 
gewonnen wurde, sind seine Zahlen auch um deswillen nicht geeignet 
eine für uns brauchbare Rechnung auf sie zu begründen , weil die Heube- 
reitung durch Regen sehr empfindlich gestört wurde. 



113 





Per. I 


Per. II 




0. I 


0. II 


0. I 


0. II 




53,32 


49,91 


317,45 


311,50 


Im Futter 1) 


327,91 


313,64 


19,13 


18,10 


Zusammen in 9 Tagen . 


381,23 


363,55 


336,58 


329,60 


Durchschnittlich in 1 Tag 


42,4 


40,4 


37.4 


36,6 


Für die gleiche Zeit berechnet sich der 










durchschnittliche Verzehr an Trocken- 












11,04 


10,40 


9,82 


9,48 


Verhältniss der Trockensubstanz zum 












3,8 


3,9 


3,8 


3,9 



Beide Thiere haben also bei der Trockenfütterung so viel Wasser 
zu sich genommen, dass der Gesammtverzehr an Futter und 
Tränkwasser, wie bei der Grünfütterung nur 20—21 Procent 
Trockensubstanz enthielt. | 



1) Für die Grünfutter-Periode wurde das im Futter genossene Vege- 
tationswasser aus der Differenz »Steinfreies Grünfutter minus hingegebene 
Trockensubstanz minus Wasser der Rückstände« ermittelt. — In der zwei- 
ten Periode wurden zunächst die »lufttrockenen Rückstände« von dem Ge- 
wichte des hingereichten Heus in Abzug gebracht und von der so erhaltenen 
Zahl noch die »verzehrte Trockensubstanz« subtrahirt. Diesen Rest als mit 
dem Futter verzehrte Feuchtigkeit anzusehen, ist insofern nicht ganz rich- 
tig, als die lufttrocken gewogenen Rückstände sicher nicht den gleichen Was- 
sergehalt, wie das hingewogene Heu hatten. Da der begangene Fehler nur 
gering sein kann, und die ganze Berechnung nur zur allgemeinen Orientirung 
dient, haben wir sie anstatt der umständlicheren Rückrechnung der ver- 
zehrten Trockensubstanz auf frisches Heu nach dem Resultate der täg- 
lichen Wasserbestimmung, und Subtraction derselben von dem Product dieser 
Rechnung — um so eher vorgezogen als auch die letztere Rechnung nicht zu 
einem ganz richtigen Resultat führen konnte. 



Landw. Versuchs-Stat, XVI. IS7.3. 



8 



114 



Analytische Belege*). 

I. Bestimmung des Trockengehaltes. 

Ausführung: ein Quantum (a) der betreffenden Substanz 
wird im Lufttrockenschranke bei ca. 80^ C. vorgetrocknet, an 
die Luft gestellt bis es mit hygroskopischem Wasser gesättigt 
ist und gewogen. Von diesem lufttrockenen Ktickstande (b) wird 
ein aliquoter Theil (c) nach entsprechender Zerkleinerung im 
Wasserstoffstrome bei lOO^C. (Wasserbad) ausgetrocknet, wo- 
bei man den trocknen Rückstand (d) erhält. Indem man d in 
Procenten von c ausdrückt und hiernach b auf Trockensubstanz 
berechnet, ergiebt sich der procentische Gehalt von a an Trocken- 
substanz durch einfache Rechnung. Wo die Bestimmungen der 
Trockensubstanz in dem gleichen Material täglich ausgeführt 
werden mussten, haben wir oft die lufttrockenen Rückstände b 
von mehren Tagen vereinigt und sie gemeinschaftlich auf ihren 
Trockengehalt untersucht. Wo dies geschehen, zeigen zwei 
Klammern, welche Rückstände mit einander vereinigt wurden. 



1. Grüne Luzerne. 







a. 
Grm. 


b. 

Grm. 




c. 
Grm. 


d. 
Grm. 


Trockensubstanz 


Datum 


1870 




in der grünen 
Luzerne in Proc. 










2. Juni 


1000,00 


241,97 








f 22,62 


3. 


» 


1038,70 


216,93 


} 


9,200 


8.600 


1 19,52 


4. 




1003,63 


227,87 








l 21,22 


5. 


>) 


1008,15 


237,58 




5,264 


4,978 


22,29 


6. 


» 


1003,87 


240,03 




4,126 


3,870 


22,43 


7. 


» 


1007,10 


258,41 




3,258 


3,026 


23,83 


8. 


» 


1001,62 


254,28 




5,579 


5,313 


24,18 


9. 


M 


1001,26 


213,25 




5,689 


5,343 


20,00 


10. 


» 


1002,18 


270,46 




5,695 


5,242 


i 24,84 


11. 


» 


1007,29 


256,22 




) 23,41 


12. 


» 


1001,56 


264,26 




6,628 


5,831 


23,21 


13. 


» 


1000,92 


256,27 




7,704 


7,095 


i 23,58 


14. 


» 


1005,05 


259,54 


i 


) 23,78 


15. 


» 


1003,63 


264,41 




7,373 


6,803 


i 24,31 


16. 


» 


1003,17 


257,32 


( 


) 23,67 



1) Bei den Abkürzungen der Zahlen sind immer gleichmässig die 
Werthe unter 0,5 der ersten gestrichenen Stelle vernachlässigt, 0,5 und 
darüber für voll gerechnet. 



115 



2. Futterrückstände der I. Periode. 



Datum 1870 
Ochse I, 



a. 
Gröl. 



b. 
Grm. 



c. 
Grm. 



d. 
Grm. 



Trockensub- 
stanz in Proc. 
von a 



4. 


Juni 


997,92 


2oö,l0 


o,4o4 


4,yy0 


Ol T 1 

21, / 1 


5. 


» 


843 93 


252,77 






27 99 


6. 


» 


557,32 


129,24 


- 5,155 


4,817 < 


21 67 


7. 


» 


919,16 


271,29 






27, 5S 


8. 


» 


947,24 


276 59 


7 328 


6,792 


27 06 


10. 


» 


840 52 


282 58 


7,194 


6,336 


29 61 


14. 


» 


1003 28 

X \J\J Kß y 


296 38 


5,365 


5,008 


27,58 


15. 
16. 


)) 

M 


1006 44 


296 50 1 
281 74 ' 


7,039 


6,622 


l 27 72 
2ft 47 


Ochse II. 












3. 


Juni 


988,05 


226,08 


4,455 


.4,080 • 


20,95 


4. 


« 


974,23 


248,10 


23,31 


5. 




985,40 


278,12 ■ 






26,35 


6. 


» 


986,77 


279,91 


h 4,721 


4,391 . 


26,38 


7. 


» 


963,51 


287,85 






27,79 


8. 


M 


989,41 


28 i ,o2 


[ 5,390 


4,981 


1 2o,84 


9. 


» 


965 35 


246 1 1 


1 23 56 


10. 


n 


999 39 


319 43 


9,598 


9,146 


30 45 


11. 
12. 


» 
» 


1004 96 

X \J\J''X y %J\J 

1007 21 


325 57 
323 86 

%J MKr y\~J\J 


1 

6,536 


5,888 . 


29 19 

1 *d %J y X ij 

28 97 


13. 


» 


1002 94 


293 36 


7 089 


fi 701 
D, < Ul 


27 68 


14. 


M 


1003 16 


305 66 




0,Ui>0 


28 41 

Ad\J y^ X 


15. 
16. 


)) 
» 


1004 25 
1002 36 


298 93 
289 59 


1 

; 5,852 


1 

5,582 ; 


28 39 

yfJ *J 

27 ,S6 


Luzerne- 


Heu von der 


II. Periode. 








2. 


Juü 


200 


178,11 


4,319 


4,005 


82,58 


3. 


» 


200 


179,03 


4,959 


4,575 


83,22 


4. 


» 


200 


181,70 


4,933 


4,549 


83,78 


5. 


n 


200 


184,41 


5,548 


5,105 


84,85 


6. 


» 


200 


183,85 


6,362 


5,785 


83,59 


7. 


» 


200 


178,85 


6,501 


5,997 


82,50 


8. 


» 


200 


182,82 


5,004 


4,600 


84,04 


9. 


» 


200 


181,48 


4,598 


4,242 


83,72 


10. 


» 


200 


178,35 


6,909 


6,334 


81,76 


11. 


» 


200 


178,66 


6,906 


6,436 


83,25 


12. 




200 


183,30 


6,188 


5,752 


85,19 


13. 


» 


200 


184,19 


6,376 


5,980 


86,38 


14. 


» 


200 


179,79 


7,089 


6,673 


84,62 


15. 


w 


200 


175,64 


6,601 


6,260 


83,28 



116 



4. Lufttrockene Futterrückstände der II. Periode 

Ochse I 7,386 Gr. = 6,603 bei lOOO = 89,40 Proc. 

Ochse II 9,785 » = 8,813 bei lOOO = 90,07 » 

5. Darmkoth. aus dem Sammelkasten. 

Die Wasserbestimmung bei 1000 ist in den vereinigten lufttrocke- 
nen Proben je zweier Tage ausgeführt 





Datum 




a. 


b. 




1870 




Grm. 


Grm. 




8. Juni Abend 


100 


22,73 


Ochse I / 


8. 




Morgen 100 


22,38 


9. 


» 


A 

A.. 


1 An 


22,27 


1 


9. 


)) 


M. 




22,55 




■ 8. 




A 




19,81 


Ochse II ) 






M 


1 00 


19,54 


\ 


9. 




A 


1 AA 


18,29 




. 9. 




M. 


1 AA 


20,11 


j 


10. 


» 


A 


1 AA 


21.34 


Orhse I J 


10. 


» 


M. 


100 


22,57 


1 


11. 


» 


A 

A.. 


1 AA 
IUI» 


20,87 


1 


11. 




M.. 


1 AA 


21,29 


j 


rio. 




A. 


1 AA 


19,545 


Ochse II J 


10. 


» 


M. 


100 


20,72 


1 


11. 


» 


A. 


1 AA 


19,95 


1 


in. 




M. 


1 AA 
100 


19,23 


1 


ri2. 




A. 


100 


20,50 


HnVico T ) 

i 


12. 


» 


M. 


100 


21,99 


113. 




A. 


100 


20,80 




il3. 


» 


M. 


100 


20,97 




ri2. 




A. 


100 


18,82 


Ochse II 1 


112. 


» 


M. 


100 


19,23 




113. 




A. 


100 


18,11 




Il3. 


» 


M. 


100 


19,33 




|14. 


» 


A. 


100 


21,26 


Ochse I < 


|l4. 


» 


M. 


100 


21,48 




|15. 


» 


A. 


100 


20,90 




U5. 


» 


M. 


100 


21,68 




m. 


» 


A. 


100 


18,53 


Ochse II < 


)l4. 


» 


M. 


100 


19,34 




h5. 


» 


A. 


100 


19,45 




Il5. 


» 


M. 


100 


18,94 



c. d. 
Grm. Grm. 



3.451 3.174 



4,600 4,216 



4,582 4,191 



5,714 5,201 



5,233 4,748 



4,019 3,624 



6,262 5,719 



7,363 6,719 



1) Ueber die Art wie diese Probe gebildet vgl. d. Text. 



117 



Datum 
1870 



a. b. 
Grm. Grm. 



c. 
Grm. 



Ochse I 



Ochse I 



Ochse II 



Ochse I 



Ochse II 



Ochse I 



Ochse II 



Ochse I 



Ochse I 



Ochse II 



16. Juni 


Abend 


100 


21, 


50 1 




lo. 


)) 


Morgen 


100 


21, 


62 1 


5,404 


16. 


» 


A. 


100 


19, 


31 


5,059 


lo. 


» 


M 


IUI/ 


1 Q 

1 £7, 


OS 

I/O ( 




< . 


Juli 


A. 


100 


22, 


61 1 




/ . 


)) 


M. 


100 


22, 


99 ' 


> 6,882 

[ 


8. 


» 


A. 


100 


22, 


04 


D 

o. 


)) 


M 
Irl. 


1 nn 


zo , 


0«7 ■' 




7. 


)) 


A. 


100 


19, 


45 1 






» 


M. 


100 


19 


96 1 


' 4,567 


8. 






» 


A. 


100 


20, 


10 


I 


c 
o. 


)) 


M 


1 nn 
1 uu 


1 Q 


Q1 J 




Q 
V. 


» 


A. 


100 


22, 


16 1 






» 


M. 


100 


23, 


15 1 


> 4,265 

1 


10. 




A. 


100 


22, 




1 A 


» 


M 


1 nn 


zz 


yo 




y. 


» 


A. 


100 


19, 


74 ] 




y. 


» 


M. 


100 


19, 


21 


> 4,605 

I 


10. 


)> 


A. 


100 


19, 


" i 


lU. 


)> 


M 


1 nn 
1 uu 


1 Q 






1 1 . 


)) 


A. 


100 


21 


34 1 




1 1 


» 


M. 


100 


22 


62 


> 5,682 

1 


12. 


» 


A. 


100 


20 


88 




)) 


M 


Inn 

lUU 


91 
ZI 


1 Q i 




1 1 


» 


A. 


100 


19, 


7S 1 




1 1 

1 1 . 


)) 


M. 


100 


20 


34 


> 6,960 

1 


12. 


» 


A. 


100 


20 


05 


Iz. 


» 


M 


1 nn 

lUU 


1 Q 


71 j 




lo. 


» 


A. 


100 


21, 


00 ^ 




13. 


» 


M. 


100 


22 


54 


> 5,815 


1 ,1 
14. 


)) 


A 


1 nn 
1 uu 


91 
Z 1 


9A 

24 




14. 


» 


M. 


100 


23 


28 J 




lo. 




A 


1 nn 
1 uu 


9n 
zu 


n7 ~ 
07 




13. 


» 


M. 


100 


19 


,48 


1 5,208 


14. 


» 


A. 


100 


20 


,98 


.14. 


» 


M. 


100 


19 


,45 




15. 


» 


A. 


100 


22 


93 , 


4,935 


15. 


» 


M. 


100 


22 


64 ' 


15. 


» 


A. 


100 


19 


,20 


4,648 


15. 




M. 


100 


19 


35 ' 



d. 
Grm. 

4,977 

4,628 

6,413 



4,226 



3,936 



4,204 



5,198 



6,314 



5,342 



4,758 



4,536 



4,241 



Trocken- 
substanz 
Proc. von 

i 19,80 

\ 19, 

j 1", 
/ 17, 

21, 
21, 
20, 
21, 
18, 
18, 
18, 

20, 
21, 
20, 
21, 
18, 
17, 
18, 
18, 
19, 
20, 
19, 
19, 
17, 
18, 
18, 

19, 
20, 
19, 
21, 
18, 
17, 
19, 
17, 

21, 
20, 

17, 
17. 



118 



6. Bei der Reinigung der StäAde abgekratzte Kothreste. 











a. 


b. 


c. 


d. 










Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


von 


Ochse I 


13. 


Juni 


139,21 


91,33 


6,891 


6,369 


» 


Ochse II 


13. 


» 


276,48 


165,69 


9,622 


8,931 


von 


Ochse 1 
















am 


17. 


Juni 


850 


178,80 


9,379 


8,910 




» 


16. 


Juli 


900 


210,96 


7,777 


7,255 


von 


Ochse II 
















am 


17. 


Juni 


1170 


291,24 


7,016 


6,622 




» 


16. 


JuU 


1240 


276,85 


9,037 


8,120 



7. Bei der Waschung der Stände am Schlüsse der engeren Versuchs-Perioden 
durch Abdampfen des Wasch wassers erhaltene Kothreste. 

Stand von Ochse I 

Proc. 

Grm. Grm. Trockensubstanz 

am 17. Juni 11,905 lufttrockene Substanz = 11,497 bei 100« 3= 96,6 
» 16. Juli 6,265 » » = 6,060 » » = 96,62 

Stand von Ochse II 

am 17. Juni; 6,402 » » = 6,207 » » = 97,0 

» 16. Juli 6,313 » » = 6,177 » » = 97,85 

IL Chemische Untersuchung der Futterstoffe, 
der Futterrückstände und des Kothes. 

A. Stickstoff-Bestimmungen. 

Substanz mit Natronkalk geglüht; Ammoniak in titrirter 
Schwefelsäure aufgefangen, mit Barytwasser zurticktitrirt. 

Wirkungswerth der Säure: 
20 O.e. S03 = 0,7915 Grm. schwefelsauren Baryts 
20 » » = 0,7935 » 
25 » » = 0,9895 » 
25 » » = 0,9905 » 
25 » » = 0,9915 » 



115 CG. S03= 4, 5565 Grm. schwefelsauren Baryts =0,547562 Grm. Stickstoff 
20 » » = 0,095228 Grm. Stickstoff 
15 » » = 0,071421 » .) 

Wirkungs Werth des Barytwassers: 

20 CG. obiger Schwefelsäure entsprechen 35,9 C.C. Barytwasser 
(4 übereinstimmende Bestimmungen) 1 C.C. Barytwasser ent- 
spricht somit = 0,0026524 Grm. Stickstoff. 



119 







Ange- 
wandte 
Trocken- 
Substanz 


Ange- 
wandte 
Säure 


Ver- St 
braucht. - 
Baryt- 
wasser 


G rünf utter : 




Grni. 


CG. 


G.G. 


Grm. 


Grüne Luzerne v. 2 — 7. Juni 


0,8426 


20 


26,8 


0,024144 


» u » » 




0 8390 


15 


17,4 


0,025269 


» » » » 


» 


0,8112 


15 


18,0 


0,023678 


»> » » 8 — 12. 


» 


0,7394 


20 


28,2 


0,020430 


)) » )) » 




0,7604 


20 


28,6 


0,019369 


)) » » )) 


» 


0,8281 


20 


27,6 


0,022022 


» » » » 


» 


0,8926 


15 


18,1 


0,023413 


» » » 13—14. 


» 


0,8774 


20 


27,0 


0,023613 


» » » )) 


» 


0,8775 


15 


17,8 


0,024208 


» n » » 


» 


0,8550 


15 


17,95 0,023810 


» a » )) 


» 


0,8510 


15 


18,0 


0,023678 


» » » 15 — 16. 


» 


0,8607 


15 


17,75 0,024341 


» » » » 


» 


0,7746 


1 0 


18,4 


0,022617 


» » )) n 




0,7746 




27,8 


0,021491 


Futterrückstände der Periode I: 








Ochse I; 8—16. Juni 




0,7048 


20 


30,0 


0,015656 


» » » » 




0,6623 


20 


30,3 


0,014860 


» » » » 




0,6748 


20 


30,4 


0,014595 


.) II; 8—16. Juni 




0,7504 


20 


30,2 


0,015126 


» » )) » 




0,7782 




29,9 


0,015921 


» u » » 




0,7051 


O A 
ZU 


31,0 


0,013004 


Luzerne - Heu. 
















0,"8241 


1 

i o 


18,2 


0,023147 






0,7711 


15 


19,0 


0,021025 






0,8340 


15 


18,4 


0,022617 


Futterrückstände der Periode II 








Ochse I vom 8 — 15. Juli 




0,7966 


20 


28,3 


0,020165 


» ») » » » 




0,7427 


20 


29,0 


0,018308 


» » » » » 




0,6799 


20 


29,5 


0,016982 


» II » 8—15. Juli 




0,7306 


9A 


28,8 


0,018839 


» » » » » 




0,7486 


20 


28,8 


0,018839 


» » » » » 




0,6842 


20 


29,1 


0,018043 


D armkoth : 












0. I; Per. I: 8—13. Juli 




0,7828 


15 


22,6 


0,011477 


» » » » » » 




0,8192 


15 


22,3 


0,012272 


» » » » » » 




0,7641 


15 


22,7 


0,011212 



Stickstoff 



Proc. 

2,87 
3,01 
2,92 
2,76 
2,55 
2,66 
2,62 
2,69 
2,76 
2,78 
2,78 
2,83 
2,92 
2,79 



2,22 
2,24 
2,16 
2,02 
2,05 
1,84 



im 
Mittel 

Proc. 
2,93 

2,65 

2,75 
2,85 



2,21 



1,97 



2,81 
2.73 
2,71 



2,53 
2,46 
2,50 
2,58 
2,52 
2,64 



1,47 
1,50 
1,47 



2,75 



2,50 



2,58 



1,48 



120 







Anse- 
wandte 
Trocken- 
substanz 


Ansre- 
wandte 
Säure 


Ver- 
braucht. ' 
Baryt- 
wasser 






Grm. 


C.C. 


C.C. 


0. I; Per. I . 


14—16. Juni 


0,6909 


20 


32,4 0, 


» )) » » 




0,7781 


20 


31,8 0, 


» » » n 


» » 


0,7572 


20 


32,1 0, 


» n » » 


» » 


0,8104 


20 


31,7 0, 


O.II; Per. I: 


8—13. Juni 


0,7474 


15 


22,55 0, 


» » » » 


» » 


0,7937 


15 


22,0 0, 


» » )) » 


» » 


0,8082 


15 


22,2 0, 


O.II; Per. I: 


14—16. Juni 


0,6914 


20 


32,1 0, 


» » » » 




0,6818 


20 


32,2 0, 


» » » w 


» » 


0,8516 


20 


31,1 0, 


)) )) » » 


» » 


0,9213 


20 


30,8 0, 


0. I; Per. II: 


8—15. Juli 


0,7455 


15 


22,8 0, 


» » » » 


» » 


0,8119 


15 


22,4 0, 


» » » » 


» » 


0,8560 


20 


31,1 0, 


» » » » 


» » 


0,7878 


15 


22,55 0, 


0. II; Per. II 


: 8—15. Juli 


0,7485 


15 


22,5 0, 


» » )) » 


» » 


0,8453 


15 


22,2 0, 


» )) u » 


» » 


0,8064 


15 


22,4 0, 



Stickstoff 



Grm. 

,009290 
,010882 
,010086 
,011147 
,011609 
,013068 
,012538 
,010086 
,009821 
,012738 
,013534 
,010946 
,012007 
,012738 
,011609 
,011742 
,012538 
,012007 



im 
Mittel 

Proc. Proc. 
1,341 



1,401 

1,331 

1,38J 

1,55) 

1,65 

1,55] 

1,46-1 

1,44| 

1,501 

1,47. 

1,47^ 

1,48| 

1,49[' 

l,47i 

1,57 

1,48 

1,49 



1,36 



1,58 



1,47 



1,48 



1,51 



Ange- 
wandte 
Trocken- 
substanz 

Grm. 

Grüner Luzerne vom 2 — 7. Juni 0,5010 



Rohf as er aus : 



Ange- Ange- 
wandte wandte 

Organ. Säure 
Substanz 

Grm. 



» » )) 8 — 12. » 

)) » » 13 — 14. » 

» )) » 15 — 16. » 

Futterrückstände v. O. I Per. I 
V. O.II Per. I 

Luzerne-Heu 

Futterrückstände v. O. I Per. II 
V.O. II Per. II 

Darmkoth von : 

O. I; Per. I: 8—13. Juni 

» » 
» II; 

>) 14—16. 
O.I; Per. II: 8—15. Juli 
» II; >) II: 8—15. » 



0,4960 
0,4214 
0,7800 
0,5315 
0,7354 
0,6700 
0,6683 
0,7210 



0,4688 
0,4796 
0,4077 
0,7091 
0,5091 
0,7027 
0,6492 
0,5757 
0,5872 



C.C. 
15 

15 

15 

15 

15 

15 

15 

15 

15 



Ver- 
braucht 
Baryt- 
wasser ^ 

C.C. Grm. 
26,6 0,000867 

26,6 0,000867 

26,8 0,000337 

26,45 0,001265 

26,3 0,001663 

26.2 0,001928 

26.3 0,001663 
26,2 0,001928 
26,25 0,001795 



Stickstoff 
in der organ. 
Substanz 



Proc, 
0,18 

0,18 

. 0,08 

0,18 

0,33 

0,27 

0,26 

0,33 

0,31 



). .. 14—16. » 
» » 8 — 13. » 
» » » » j 4 — in. » 



0,5847 


0,5380 


15 


25,8 


0,002989 


0,56 


0,5822 


0,5562 


15 


25,9 


0,002724 


0,49 


0,6233 


0,5840 


15 


25,6 


0,003520 


0,60 


0,6236 


0,5831 


15 


25.7 


0,003254 


0,56 


0,8039 


0,7697 


15 


25,1 


0,004846 


0,63 


0,5791 


0,5525 


15 


25,9 


0,002724 


0,49 



121 



- ;^ 

^ ?-i 

s - 

f1 

5 « 



Ö 

o 



i- ^ (Ü 

cd O i-S 

s ^ 

rr 

O S ^ 

I o 

g s ■§ 



O ^ 



O 



'ö? .t5 
^ _bd _o 

» CO 



■73 



O OS 



CO <3^ 
o 25 
Q 



o 



2" S 



u 

Vi 

o 



«Co 

C "» o) 

^PS o 



ü 



c3 



o 



-»-3 
CO 



«4 -^^ o 

^ rH *^ 

=2 ÖJ3 ^ 



-ö :=S TS 



< S 



<u 

ü s 

c S ö 

^ w S 



■r-l 



CS 



(M 

O 

CO 



CO 
CO 





CO 






o 










od" 


r- 1 








CO 









asiMi^asaoior— :O'*--HC0QCco<McOQ0 

C5'*^05lr-0(MCOOCO-^0'=i^l^-rtiCO 



(Mooaofooot— rti 



OCOOiOlr-QOQOQOOOOO«<»(MC^CO 
CS«S«^<r<CSCS(MfMCOCOCOCOCOCOCOCO 



QOQOT-H-rtOOOSO 
COCO-^rfCOCOSSCO 



t^oo^o^r-icot— cococoicrt^c^r^io 
t^a5ooi^ocor-aoo:ooc5«oi-~-kOoo 



»OCOCOQO'*-^05CS 
QDOiCOlOiOCO^'^fl 



oooooooooooooo 



»-(—<•»— it-hOOOO 



o 

CO 
CO 



o 

CO 



05 



5S 



CO 



CO 



o 

GS 

CO 

o 



liO 
CO 
CO 

o 



«s 
o 





o 


»jO 


lO 




o 


CO 




CO 


o 


o 


o 








o" 




o" 



o 

CO 

1- 

05 



o 

CO 

05 



CS 

o 



o 

CS 



o 




CO 




o 






Ol 




00 













ocoos^coioot^cocot^ioocococo 

C0i0C0C00005O^CSC0C0CSC0l— »OQO 

czjQoaoaoaoGoaiosasciOia^oooo 



r-coiocOi0^cx3c^ 
co'^csT-iQOcO'Tfr^ 

CSCSCOCOOSOSOSOi 



oooooooooooo 



o o o o 



OOOt^iO'Tt^QOiiOCOOll-^iiOOOOOO'-« 

oicsoasQOoot^osoot-r-t^r-irS'^ijO 
C10000000C1C10102G10101G1 



»^OCSCOQOCSCOirt 
OOOQOCOOlOCOOS 
0-.-00t-<000 



CSCOCOCSCOCOCOCSCSCSCSCSCSCSCSCS cocococococococo 



CS 



o 

SS 
f-l 

(U 

13 



CS 



00 



CO 



cd 



UO 



•TS 

o 

• pH 

0) ö 

CO 
<U I 

+-> 

03 

ü 

»1 
}-> 



00 



f3 
Ha 

cd 



00 



o - c « 



w 

I 

Ö 



122 



0) 
tß 

o 
P5 



a 



o 
o 



C w 4} 

rC 

^« o 
w 03 



00 

CO 



CO 



00 



Ö5 

CO 



o 

CO 



CO 

co" 



T-H »— I 

CO ^ C5 



OO05l0QCiC0C5C^«<lT-i>O05^00C0r-'-<O'*05C5t^C^05 
iCOOCS"— CO"^QOiO-T<MCOOOC50-TtiaOCX)05»Ot^r^O>0> 



t— 1^ CO tO 
<M (M <M <N 



•^»OCOCOiitiiOCOS^COCS'*COOOaOOOa5»Ä'*lftuOC0 5^1COfT^ 
^ *rf ^ ^ ^ ^ ^ ^ CO CO CO CO ^ ^ ^ ^ —T' 



cDOtQoao >-oo>-0'*i— •^i-^'*'*-HaoooiotoiO'*cooo^^'-HcO'«-HO 

lO"*SS^ OQ0C^C0t~-05C<l'^lO— <t— '*'t-*^OC5C<IQOSSS^C£?COCCuO 
QOCX)ODQO •r}HcOCOCOCOCOCOCOCOCOCOCO(r<lC^(riT-<-?ticO'rfrfCOCOCOCO 



o o o o 



£> 

o 

05 

OD ü 

5 =^ 



0) 

w - 



aa 

(2^ 



o ä w o 'S 



CO 
OD 



CO 



CO 



CA) 











CO 






o 






CO 
















CO 


CO 



CO 



O 



05 






o 


o 


o 


o 




CO 






CD 








Ol 


JiC 


05 








1^ 


CO 


lO 


o 


^— ( 


o 


o 






o 


o 




















o 


o 


cT 


o" 






o 



CO 

O 



o 

C5 



CO 
o 



o 
o 

(M 
(M 



o 

CO 



o 

CO 



o 



ü (D <n 
<3-^ 



c;5 



•^COt^^ I^OOO'<-H0505COi005^05C5^05r-COOC5^COt^COrf 
OlC»— <0 .<MO'^iC>^iOQOt-'5t<0:»t^C005000t^QOiOOOGO(MO<M<>» 
C50500 »00'^rti-^TfcOCOrtiCO'^'^CSCOCSC<lri<'^'*rt''^CO»!J""«^< 



o o 



»9 



« O J2 

cE-i w 



s 

Si 

CS 



»^COOCO t^i— in>»jOQOirt^Ol^'^'*t-'»-iO>^^iOCOQOrt*t^aDl— OS'-H 
COOSt^OO tOcOt— CO-riuOiCCO-rtOi— ^OCOC^C><MOC50t- iOi-hOCO 

CO CO n CO CO^CO^CO CO'fO CO CO"c«5'co'co'"cO Co'co'co'^Co'co'co'^CO CO cÖ'cO CO CO CO 



o 
o 

TS 

CO 

o 
KS 
u 



j3 » a 
Iii 



00 



u 

o 



aa 

Ü 

o 



o 
?► 

o 



















ö 


a 








ö 




































Hs 








CO 


CO 








CO* 










^— < 
















T 


1 








T 




* 


a 


OD 


OD 


















t— 1 












s 






















0) 


;^ 
a> 








^* 

0) 






* 


P4 


Ph 








pH 


























1— ( 


HH 








»— ( 








(U 


O 








(U 








OQ 


03 








OQ 










,0 
















o 


Ü 
















o 


o 








c 











o 



00 

o 























'S 












»-« 
























7 = 




1 

t— 
























HH 








1—1 




























P^ 








Ph 




























<a 








V 




00 








EC „ 
















u 












O 








o 





1 



123 



C. Bestimmung des ätherischen Extracts. 

Die sorgfältig getrocknete Substanz wird 6 Stunden lang 
mit 5 — 600 C.C. absoluten Aethers gekocht, noch mindestens 
24 Stunden mit dem Aether bei gewöhnlicher Temperatur stehen 
gelassen, zu 1000 C.C. aufgefüllt und in 500 C.C. der filtrirten 



Lösung der Extract bestimmt (Hugo Schnitze) 






Angewandte Aetherischer Extract 
Trocken- (: 1000 C.C. aufgefüllt) 




suDstanz 
Grm. 


in 500 C.C. 
Grm. Proc. 


im Mittel 
Proc. 


uriunc ijuzcintj vom ^-«— i. tiuni 


Q 9^7 
a ,ZD t 

9 221 


0,147 
0,146 


3,18 i 
3,17 ( 


3,18 


» » » 8 — 12. Juni 

» » » » » 


9,641 
9,536 


A 1 /I Q 
U, J 4o 

0,138 


2,89 ( 


2,93 


» » » 13 — 14. Juni 

» » » » » 


9,145 
9,673 


0 146 
0 1.51 


3 19 1 
'\ \1 \ 


3,16 


» » n 15 — lo. Juni 

M » n » » 


9,214 
9,34o 


0 110 
0,110 


2 39 1 
2,35 ( 


2,37 


Futterrückstände von der Per. 


I: 








0 I- 8 16 Juni 


9 194 


0,094 


2,04 


2 04 


O. II: 8—16. Juni 


7,055 


0,063 


1,79 


1,79 


Tiii7pmp-TTpii 


8 695 


0,093 


2,14 i 


2,22 




8,885 


0,102 


2,30 ( 


Futterrückstände von der Per. 


II: 








0. I: 8--15. Juli 


8,608 


0,084 


1,95 


1,95 


0. II: 8—15. Juli 


8,765 


0,107 


2,44 


2,44 


D armk oth von : 










0. I; Per. I: 8—13. Juni 

» » » » » » 


9,603 
10,637 


0,182 
0,197 


3,81 j 
3,70 ( 


3,76 


0. I; Per. I: 14—16. Juni 


9,244 


0,174 


3,76 j 


3,78 


» » » » » » 


9,203 


0,175 


3,80 ( 


0. II; Per. I: 8—13. Juni 

» » » » u » 


9,282 
9,123 


0,190 
0,184 


4,09 i 
4,03 ( 


4,06 


0. II; Per. I: 14—16. Juni 

» » » » » » 


8,945 
8,793 


0,185 
0,182 


4,14 i 
4,14 j 


4,14 


0. I; Per. II: 7—15. Juli 

» » » » » » 


6,397 
6,763 


0,119 
0,120 


3,72 j 
3,55 ( 


3,64 


0. II; Per. II: 7^15. Juli 

» » » » » » 


6,644 
7,191 


0,123 
0,129 


3,70 i 
3,59 ( 


3,65 



124 



•1—1 

OS 



a 



3 ^ S 



5 ö 



'S ^ 

a 



a> 

.3 « C«. 

,0) "Ti N 

O eö 03 

« r 2 

r-J O ^ 



o 
a 

ä 



09 



o 



o 
> 

o 
o 

c 

o 
> 

o 
o 



o 



C CO 



2 

u 



ö i 2 

o 



Ol 

« 

CO 

c6 
O 



ä 5 A 

O »5 'S in 











CO 












1- 


1-^ 



C5 






00 






00 


1^ 





cToT od" OtTt-'t-'ocTt-^ o6" QOCCt-^QOCC 



■<-<(McscDmi^oOQO 

r-lkO'^01iOC000<m 

CO (m" s<r c<r «s" o'cs" 



O O ^ CO 
OD CO O CO 
CO 00 cc o t- 

co"irf(rr(^r T-T 



CS (T^ 05 
CO i-^ CO 

o o •r-To" 



QO ■'-^ CS >C 00 IC 
O 05 l- I 

T— ( O O w CC 



oscooo-rOüOc/D^o 

OCO-^iOCSCSt^t^ 
C5G:cOCOkOiO^CO 

-H'rHCS(M«SCS5SffS 



QO 
OD 



CO IlO l— CO 

r- CS O 
00 od" l— " «s" 

TH T- 1 ^ CS 



o 
o 



lO o 

OD 

O O T-H o 

o o o o 
o~ o o~ o 



CS O O CS o 

CO O^i O lO I 

- ^, ^ ^ o 
o o o o o 



0>AiOO>OOOCS 
l^«SQ0CO'<-iCSCSO3 
COt^iÄC— >rtC00005 
COCSCOCSCOCSC^«'« 



CO 



co 



o o «s o 

o; CO o c; 

OD CO 't< 

CS CO CS «S 5S 

o cTo o"o" 



kOiOOOOiAOCS 
cso:'t^cocs:ot— CO 

CSOCSt^OSCOOl-^ 
Oi-'^t^kOT-HCOOOt^ 



OD O CO UO O 

Oi o CS ^ CO CO r— 
00 CS CO o lO -r o 
r- CS ^ CO o »-^ 



^OCOCOt^OOCSO OD 
O5'^CS00COtH'^t-h CO 

co''co*"co'co'co CO ^co" CO 



CO ^ CS CO 

05 t- iC OD CO 
^ Ifä ^ 



CO 



T-1 



COirtOSt-CSC^^t- 
O'»-H00C0^-"^C0CS 

r^csort<ioo5csco 
CS CO o'' i-T o" oo" 

COCSCOCOCOCSt-iCS 



CO 
CS 

<s 

CO 



C^l CO CO 
CO O: O 
CO CO CO CS 

00 uo" irt" co" w 1 

CO CO CO CS CS 



PS 



•-9 Hs 



CS 



CS 

s . 

o 
>• 

<o 
ö 

0) 
Ö 

o 



00 



« I 

CO 



1t 
o 

0) 

o 
c; 

09 

o 



3 

CO* 



oo 



CO* 



OD 



o 



;3 



r-3 



125 



CO 
o 

in cd" 



CO 



QO 
CO 



CO 

CO 



o o 

CO 

iM^CO" 
^ tH 



05t— iCOt— lOO'^'^iO'-* 



O 



l^f-iOCOOlOirtCCCCCC CO 



qOti OOt^COiCCOCOt^OQO 05 

CS T-tcD-^ccroo — C0005 •<-( 

^T-ejT »-r" " cc" es" es" (m" TH 



CO CO 



o 

5S 



CO 

o"o" 



05 -rt 

TM CO 



CO t— CO CO 
CO 1-H rf^ 

CO CO 'si* CO 
es CS CS es 



es OD 
-^-^^ 

co^ 
es es 



CO 

es CS 



• Iii lO 




CS irt O CS 


o o 




o 






o 


05 l— lO 




CO 




CO 


n CS 


CS 


O TM 




QO 




t- 






o o o 


o o 


o 




o 


b O 


o" 


o o"o"o" 




o" 


o" 


o 



o o 



OCSOOCOOT-H-^LOOOUOirt) 
OCOCOCXJCSGOlOCSCOOOlt— 
Ot-iO-^tOOSCOCOOOOCO 
■«^^COCO'^CDCS-^'^t— cococo 

o o o"o o" o" o cT o"o o 



iOOOOOQO>0 0 t^O 
CS'^aS'^'T-iCSO^OJt^'rrcO 
thCSCSQO— ft^OOOOOuOQOCO 
t^CO'^t— CSCSQOOOl^T-H'^CO 

ItHt— ICSt-It-Ht-HCSt— IT— lC<l 



CO 05 
CS OD 
CS 

CO 



•^cocs'^^csco-Hcias CO 

OOO'^'^^CS-^OOOO-^ CO 

iOth005C5 1— O500l^T-* CD 

krrco'co''*"(r<rco"cs"T-rcs"co' es" 



05CS iA05cDC0050D«*t~OCS CO 

ICOCS ■^t^^iOCTiOl'^CSuO^ T-H 

."^00 CSOOCiOSOOOiOOOifS— I CS 

' ift'iA" -^cD T^rcs"cs'ocr'**'cr«!t"i>-" 

CSCS CSCSt-hCS^tM^ t-4 



sc 



cd co' 



co' 



et 



*0 kO 



00 



00 



oo 



o 
> 

•<>> 

o 
B 



oo O " o ^ o 



126 



Ein Ftitterimgsyersiich mit Lämmern. 

Ausgeführt auf der Versuchs-Station in der König!. Tbierarzneischule 

zu Dresden. 

Referent Dr. T. Hofmeister. 



Durch den Versuch sollte ermittelt werden, ob der zum 
Futter beigefütterte phosphorsaure Kalk an sich einen bestimm- 
ten Nähreffect bei der Aufzucht junger Thiere beziehendlich der 
Knochenbildung und Fleischproduction äussere. 

Zu diesem Zwecke wurden im Monat Mai 1870 6 Stück 
8 Wochen alte Hammellämmer in den Ställen der Station auf- 
gestellt. 

Nach genommener Rücksprache mit Herrn Medicinalrath 
Haubner sollten aus diesen Lämmern zwei Abtheilungen gebildet 
werden, jede zu drei Stück : beide Abtheilungen sollten ein ganz 
gleiches zu ihrer Ernährung ausreichendes, aber an Phosphor- 
säure und Kalk möglichst armes Futter erhalten: derjenigen 
Abtheilung aber, welche unregelmässige Körpergewichtsproduc- 
tion zeige und dabei an Gewichtszunahme hinter der anderen 
Abtheilung zurückbleibe, ausserdem noch täglich eine bestimmte 
Menge eines phosphorsauren Kalkpräparates. Aus den bei die- 
ser Fütterungsweise geleisteten täglichen Lebendgewichtsproduc- 
tionen der mit und ohne Phosphorsäurepräparat ernährten 
Lämmer, aus den Schlachtresultaten am Schlüsse des Versuches 
und aus der vergleichenden Untersuchung der Lämmerknochen bei- 
der Abtheilungen auf ihren Phospliorsäure- und Kalkgehalt werde 
sich am ehesten der specielle Einfluss des beigefütterten phos- 
phorsauren Kalkes auf die Ernährung junger Thiere ergeben: 
davon ging man aus. \ 



127 



In folgender Weise wurde diesen Anordnungen nachge- 
kommen : 

Abtheilung I: wurde gebildet aus Lamm Nr. 1 rund =29,0 
Pfd., Lamm Nr. 2 = 34,0 Pfd., Lamm Nr. 3 = 37,0 Pfd. in 
Sa. = 100 Pfd. schwer (roth gezeichnet) . 

Abtheilung II aus Lamm Nr. 1 rund = 34,0 Pfd., Lamm 
Nr. 2 = 37,0 Pfd. Lamm Nr. 3 = 32,0 Pfd. schwer in Sa. 
= 103 Pfd. (blau gezeichnet). 

Wiesenheu und Kartoffeln standen als Futtermittel zur 
Verfügung : im Monat Juni waren folgende Nährstoffe darin ent- 
halten : 

Wiesenheu in Procenten : 

88,10 o/o Trockensubstanz 
11,90 » Wasser 
100,00 
11, 90 o/o Wasser 
7,93 » Protein 
25,00 » Rohfaser 

2,57 » Fett 
44,30 » Kohlehydrate 
8,30 » Mineralsubstanz | j'^^ ^o P^o^pborsäure ) 
100,00 

Kartoffeln in Procenten: 

71,24 o/o Trockensubstanz 
28,76 » Wasser 
100,00 
71,24 o/o Wasser 
2,20 » Protein 
1,26 » Rohfaser 
0,34 )) Fett 
23,63 .) Nfr. Nährstoffe 

1,33 . Mineralsubstanz ! ^'l?J'/o Phosphorsäure 2) 

/ 0,0142 » Kalk. 

» 

^) 4,422 Grm. sandfreie Wiesenheu-Asche enthielt 0,048 PO5 Feo 03= 
0,0226 Grm. PO5; 1,356 C02 CaO = 0,7594 Grm. CaO = 17, 19 0/0 Kalk; 0,637 
Grm. PO5 2MgO. = 0,408 Grm. PO5 + 0,0226 Grm. POg aus PO5 Feg O3 
= 0,4306 Grm. PO5 in Summa = 9,75 0/0 Phosphorsäure. 

-) 1,688 Grm. sandfreie Kartoffelasche enthielt 0,029 Grm. PO5 Fe2 0^ = 
0,0141 Grm.POg; 0,032 Grm. CO2CaO=0,01794 Grm. CaO =l,0660/o Kalk ; 



1^8 



Das Tränkwasser lieferte der Hofbrunnen der Königl. 
Thierarzneischule: Im Juni enthielt das Liter = 0,273 Grm. 
CO2 CaO = 0,1530 Grm. Kalk. Phosphorsäure war nicht darin. 

Das Phosphor Säurepräparat bestehend aus präcipitir- 
tem phosphorsauren Kalk (weissgebrannte Knochen in Chlorwasser- 
stoffsäure gelöst und die phosphorsauren Erden daraus durch 
kohlensaures Natron gefällt, der Niederschlag sorgfältig ausge- 
waschen und getrocknet) wurde einer hiesigen chemischen Fabrik 
entnommen. Das Präparat enthielt in 100 Theilen : 

42, 1 6 0/0 Phosphorsäure i) 
33,50 « Kalk 
23,35 » Wasser. 



Nach Grouven bedürfen Schafe von 30 — 40 Pfd. Lebend- 
gewicht täglich 

1,30 Pfd. Trockens. 0,120 Pfd. Protein 0,028 Pfd. Fett 0,588 Pfd. Nfr. Stoffe. 

Nh : Nfr = 1 : 5,5. 



0,306 Grm. PO5 2MgO = 0,196 Grm. PO5; in Sa. =0,210 Grm. P05=12,440/o 
Phosphorsäure. Die Aschenanalysen der Futterstoffe wurden in folgender 
Weise ausgeführt : die Salzsäuren Lösungen der Sand-, Kohle- und Kieselsäure- 
freien Aschen wurden mit essigsaurem Natron vermischt : der bleibende 
Niederschlag von phosphorsaurem Eisenoxyd abfiltrirt, mit siedendem Was- 
ser gewaschen, getrocknet und bei Zutritt der liuft geglüht : aus der vom 
PO5 Fe2 O3 abfiltrirten essigsauren Lösung wurde der Kalk durch oxalsaures 
Ammoniak bei Kochhitze gefällt und dieser als kohlensaurer Kalk bestimmt. 
Aus dem Filtrat hiervon wurde nach dem Einengen die Phosphorsäure 
durch Magnesiamixtur etc. gefällt, nach 24stündigem Stehen abfiltrirt, mit 
ammoniak haltigem Wasser gewaschen, getrocknet, geglüht und als pyrophos- 
phorsaure Magnesia gewogen, die so gefundene Phosphorsäure wurde der mit 
dem Eisenoxyd abgeschiedenen hinzuaddirt. 

*) 1,215 Grm. präcipitir ter phosphorsaurer Kalk verlor beim 
Glühen 0,284 Grm. Wasser = 23,35 o/^ und hinterliess 0,931 Grm. Glührück- 
stand = 76,65 0/0. 

0,931 Grm. Glührückstand in Chlorwasserstoffsäure gelöst mit Schwe- 
felsäure und Alkohol versetzt = 0,989 Grm. schwefelsaurer Kalk. 0,407 
Grm. Kalk = 43,71 0/q Kalk. Filtrat davon nach Verdunsten des Alkohols 
mit Magnesiamixtur etc. lieferte 0,800 Grm. PO5 oMgO. = 0,5117 Grm. PO5 = 
55,00/0 Phosphorsäure. 



129 



allmälig damit steigend bis zu 

2,00 Pfd. Trockens. 0,21 S Pfd. Protein 0,048 Pfd. Fett 1,014 Pfd. Nfr. Stoffe. 

Nh : Nf. = 1 : 5 

bei 60 Pfd. Lebendgewicht. 

Bei Mangel eines an Protein ausschliesslich reichen Futter- 
mittels lässt sich diesen Anforderungen beziehendlich der Pro- 
teingabe schwer entsprechen; lautet aber andrerseits die Auf- 
gabe des Versuchs auch noch dahin: consequent ein an Pho!«- 
phorsäure und Kalk armes Futter zu füttern, so wird der 
Fall noch schwieriger, und verbietet sich die Anwendung von 
sogenannten Kernfuttermitteln von selbst, weil dieselben insge- 
sammt nicht allein an Stickstoff, sondern auch an Phosphorsäure 
reich sind. 

Schon die Gabe von Wiesenheu muss eine beschränkte blei- 
ben, da mit der Steigerung derselben von 1 Pfund auf 2 Pfund 
auch sofort der Phosphorsäure- und Kalkgehalt des Futters von 
4 Gramm und 7 Gramm auf 8 Gramm und 14 Gramm pro Tag 
steigt; nur von den Kartoffeln darf eine stärkere Zulage unbe- 
schadet des Princips der Aufgabe erfolgen, da 9 Pfund davon 
nur erst etwa die in 2 Pfund Heu befindliche Phosphorsäure 
enthalten (genau 7,425 Gramm) ; der Kalkgehalt derselben aber 
verschwindend klein bleibt, = 0,639 Gramm Kalk in 9,0 Pfund 
Kartoffeln. 

Unter diesen Verhältnissen war von einem strengen Einhal- 
ten bestimmter Nährstoffnormen abzusehn, man musste sich 
darauf beschränken, die Thiere täglich zu sättigen ; dies konnte 
bei einer gemessenen Gabe von Rauhfutter durch reichliche Bei- 
gabe von Kartoffeln in zufriedenstellender Weise geschehen und 
so der Einfluss der beigef Utterten Phosphate auf die Er- 
nährung der Thiere ersichtlich und verständlich werden. 

Die Lämmer verweigerten in den ersten Tagen ihrer An- 
kunft hier die Aufnahme von Kartoffeln gänzlich und verzehrten 
nur Heu, ca. ^4 Pfund per Kopf. Dies dauerte aber nur ganz 
kurze Zeit: als sie einmal den Versuch mit der Kartoffelauf- 
nahme gemacht hatten, kamen sie bald hinter den Geschmack 
und verzehrten in schneller Aufeinanderfolge erst 1,0 Pfund, 

Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1&73. 9 



130 

dann Pfund, 2,0 Pfund und 3,0 Pfund pro Tag und Ab- 
theilung, dabei wurde vom Heu täglich 2,50 Pfund verzehrt. 

Vom 1. Juni bis mit 7. Juni hatten beide Abtheilungen 
ganz gleich verzehrt 16,50 Pfd. Kartoffeln und 17,50 Pfd. Heu. 

Die Thiere wurden regelmässig jeden 7. und 8. Tag früh 
am Morgen nüchtern gewogen und das Mittel aus diesen beiden 
Wäguugen den weiteren Berechnungen zu Grunde gelegt. 

Lel.endgewichte , i r n t o 
der 4bth I I-iamm l. Lamm 2. Lamm o. 

i./ß. 29,88Pfd. 34,30 Pfd. 37,70 Pfd. Sa. = 101,88 Pfd. ^+Z^Znl^Sm^.) 
30,61 >. 36,36 » 38,03 « >> =105,00 » 

~-j-3,12Pfd. 

Abth. II Lamm 1. Lamm 2. Lamm 3. 

i./ß. 34,55 Pfd. 37,89 Pfd. 32,55 Pfd. Sa. = 104,99 Pfd. 
s./ß. 34,03 39,03 » 33,11 » » =106,17 >, 

+T4lPfd. 

Die tägliche Futterration wurde von hier ab auf 3,00 Pfd. 
Heu und 3,00 Pfd. Kartoffeln, dazu 6 Gramm Kochsalz pro 
Tag und Abtheilung festgesetzt. Da aber nach den Wägungsresul- 
taten Abth. 11 den Gewichtsproductionen der Abth. I um 2,0 
Pfd. nachstand, wurden dieser zweiten Abtheilg. vom 8. Juni 
ab täglich 6 Gramm des präcipitirten phosphorsauren 
Kalkes zum täglichen Futter beigegeben; Abth. I erhielt 
keine Phosphate. 

Sicherheit für die Aufnahme des Präparates wurde dadurch 
erlangt, dass man den phosphorsauren Kalk fein pulverisirt den 
gestampften rohen Kartoffeln einverleibte, welche von jetzt ab 
ohne alle Rückstände verzehrt wurden, während vom Heu hier 
und da kleine Rückstände blieben. 

Unverändert wurde diese Fütterung bis mit 5. Juli = 28 
Tage beibehalten. 

I. Versuchsabschnitt. 

Präcipitirter 
jj ^ Kar- phosphor- Tränk- 
tofFeln saurer Kalk wasser 

Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. 

Abthlg. I verzehrt in 28 Tagen 81,31 84,00 — 142,65 

Abthlg. II » .. » 82,41 84,00 0,336 158,63. 



131 



Abth. I. 



Nf 

Trockens Fett Nähr- I^l^osphorsäure 

teiii laser , ^ rals. Kalk 

stoiie 



81,31 Pfd. Heu 
b4,00 « Kart. 
142,65 » Tränk- 
Wasser 



in Pfunden in Grammen 

71,65 6,45 20,33 2,08 36,02 6,73 329,500 581,500 

24,16 1,85 1,06 0,29 19,85 1,12 69,300 5,965 

— — — ——— — 10,913 



in 28 Tagen 




95,81 


8,30 


21,39 2,37 


55,87 7,85 


398,800 


598,378 


pro Tag 




3,43 


0,296 


0,764 0,084 


1,995 0,28 


14,242 


21,370 


pro Kopf 




1,14 


0,098 


0,254 0,028 


0,665 0,093 


4,747 


7,123 




Tränk wasser pro Tag und Abth. 


5,10 Pfd. 






Abth. II. 
















82,41 Pfd. 


Heu 


72,60 


6,53 


20,60 2,12 


36,51 6,84 


333,750 


589,250 


84,00 » 


Kart. 


24,16 


1,85 


1,06 0,29 


19,85 1,12 


69,300 


5,965 


PO5 


3CaO 














0,336 ). 


Präparat 








— 0,26 


71,000 


56,300 


158,63 » 


Tränk- 
















wasser 












12,135 


in 28 Tagen 




96,76 


8,38 


21,66 2,41 


56,36 8,22 


474,050 


663,650 


pro Tag 




3,455 


0,300 


0,773 0,086 


2,013 0,293 


16,934 


23,700 


pro Kopf 




1,151 0,100 


0,258 0,029 


0,671 0,098 


5,645 


7,900 



Tränkwasser pro Tag 5,70 Pfd. 
Das NährstofFverhältniss im Futter der Abth. I Nh : Nf. -{- Fett = 1:7,5 
» » » » » » II )) » -j- » = 



1:7,4 



Die Lebendgewichte und Productionen der Lämmer betra- 
gen (nach Pfunden) in dieser Zeit: 



Lamm 1. Lamm 2. 



./6. 



15 



30.61 
31,32 
32,41 
32,73 
33,71 



36,36 
36,24 
36,42 
37,23 
37.71 



Abth. I. 

Lamm 3. 

38,03 
39,58 
40,41 
42,23 
43,79 



Production 

(-}- = Zunahme 
— = Abnahme) 

Sa. = 105,00 
.) = 107,34 -f 2,34 
.) = 109,24 + 1,90 
). =112,19-1-2,95 
)) = 115,21 -i- 3,02 



Gewichtszunahme in 28 Tagen = 10,21 Pfd. 

pro Tag = 0,360 » 
pro Kopf = 0,120 » 
9* 



132 



Abth. II. 

Production 



Lamm 1. 


Lamm 2. 


Lamm 3. 




(-)- = Zunahme 
— = Abnahme' 


s./ß. 34,03 


39,03 


33,11 


Sa. 


= 106,17 


lö./ß. 36,49 


39,24 


34,41 




= 110,14 + 3,97 » 


22./6. 36,41 


39,17 


34,00 


» 


= 109,58 — 0,56 » 


29 /6. 38,74 


39,73 


35,15 


» 


= 113,62 + 4,04 » 


6./7. 39,29 


39,71 


36,35 


» 


= 115,37 + 1,74 » 



Gewicht szunahme in 28 Tagen = 9,19 » 

pro Tag = 0,328 » 

pro Kopf =0,109 » 

Zur Production von 1,00 Pfd. Lebendgewicht waren erfor- 
derlich 

bei Abth. I 7,97 Pfd. Wiesenheu und 8,23 Pfd. Kartoffeln 
») » II 8,97 )) » » 9,13 » » 

oder an Nährstoffen überhaupt : 

Troekens Fett ^^^^osphor- 

tein faser Stoffe rals. säure 



nach Pfunden : in Grammen : 

Abth. I 9,393 0,813 2,097 0,234 5,477 0,769 39,100 58,650 
)) II 10,520 0,912 2,357 0,262 6,132 0,894 51,550 72,200 



Aus diesen Berechnungen geht hervor, dass durch Zulage 
von Phosphaten in der Abth. II weder eine bessere, noch eine 
gleichmässigere Gewichtszunahme der Abth. I gegenüber erzielt 
war. Sie produciren nur 9,19 Pfd. an Lebendgewicht, stehen 
demnach rund um 1,00 Pfd. an Gewicht der Abth. I nach. Die 
Production von 1 Pfd. Lebendgewicht kommt deshalb durchweg 
in Abth. II, mit Phosphaten gefüttert, höher zu stehen, als in 
Abth. I ohne Phosphate, und zwar um 1,135 Pfd. Troekens. 
0,10 Pfd. Protein, 0,26 Pfd. Rohfaser, 0,030 Pfd. Fett und 
0,655 Pfd. Kohlehydrate. — Um nun zunächst zu ermitteln, ob 
die Beigabe von Phosphaten störend auf die Ernährung gewirkt, 
oder ob die unregelmässigen und geringeren Productionen der 
Thiere der Abthlg. II mehr durch deren individuelle Beschaf- 
fenheit und Anlage bedingt sei, sollten für den nächsten Fütte- 
rungsabschnitt die Phosphate bei dieser Abtheilung wegbleiben. 



133 



dafür aber die Abth. I versuchsweise Phosphate beigefüttert 
erhalten: die Thiere dieser Abtheilung hatten im vorigen Ab- 
schnitte sehr gleichmässig an Körpergewicht zugenommen : durch 
Beigabe von Phosphaten konnte deren Production noch weiter 
gehoben, der günstige Einfiuss der beigefütterten Phosphate somit 
unverkennbar zu Tage gefördert werden; oder aber die Pro- 
ductionen wurden durch Phosphatbeigabe herabgestimmt ; in die- 
sem Falle würde der Grund der unregelmässigen Gewichts- 
zunahme der Abth. II nicht in der Constitution dieser Thiere, 
sondern in der Beigabe von Phosphaten zu suchen sein, und 
das um so mehr, wenn etwa von jetzt ab, nach Hinweglassung 
der Phosphate, auch in dieser Abtheilung die Körpergewichts- 
productionen sich gleichmässiger gestalteten. 

II. Yersuchsabschnitt. 

Vom 6. Juli ab erhielt demnach Abth. I 6 Gramm prä- 
eipitirten phosphorsauren Kalk zur täglichen Futterration von 
3,00 Pfd. Heu und 3,00 Pfd. Kartoffeln, während in der Abth. II 
von diesem Tage ab nur die gleichen Mengen von Heu und 
Kartoffeln verfüttert wurden. Bei einer Lebendgewichts-Production 
von wöchentlich 2 — 3 Pfd. pro Abtheilung konnte man nach den 
Ergebnissen des vorhergehenden Versuchsabschnittes annehmen, 
dass die verabreichte Futterquantität zur Sättigung der Thiere 
ausreiche : fielen die Productionen weiterhin niedriger aus, so war 
vorauszusetzen, dass es an Futter fehle, und war dessen Quantum 
in entsprechender Weise zu erhöhen. 

Die Lebendgewichte betrugen nach Pfunden 



Abth. I. 






Lamm 1. Lamm 2. Lamm 3. 




Pfd. 


6./7. 33,71 37,71 43,79 


Sa. 


= 115,21 


35,16 38,00 43,66 


» 


= 116,82 


Gewichtszunahme in 8 Tagen 




= 1,61 


Abth. II. 






Lamm 1 , Lamm 2. Lamm 3. 




Pfd. 


ß./y. 39,29 39,71 36,37 


Sa. 


=115,37 


39,11 40,58 37,16 


)) 


= 116,85 


Gewichtszunahme in 8 Tagen 


» 


= 1,48 



134 



Diese Stägige Gewichtszunahme in beiden Abtheilungen von 
rund 1 V2 Pfd. steht in ganz entschieden ausgesprochener Weise 
um fast die Hälfte der im frühern Abschnitte geleisteten Pro- 
duction nach: vom 15. Juli ab v^^urde deshalb in jeder Abthei- 
lung 3,00 Pfd. Kartoffeln zugelegt, so dass die tägliche Futter- 
ration von diesem Tage ab aus 3,00 Pfd. Heu und 6,00 Pfd. 
Kartoffeln für jede Abtheilung bestand. Dieses Futter erhielten 
die Thiere unverändert vom 15. Juli bis mit 10. August in 27 
Tagen. Ich gedenke nicht die beiden Abschnitte vor und nach 
der Futterzulage getrennt zu berechnen, sondern, da vom 6. Juli 
ab Abth. I Phosphate beigefüttert erhielt, von diesem Datum bis 
zum 10. August, also auf 36 Tage, den ganzen Abschnitt in 
Rechnung zu nehmen. In dieser Periode sind nur an 2 Tagen 
(am 1. und 2. August) ganz geringe Heurückstände zu notiren 
gewesen, und zwar in beiden Abtheilungen gleichzeitig, ausser- 
dem war die Futteraufnahme ganz vollständig. Wiesenheu ent- 
hielt im Monat Juli 13,02 Proc. Wasser und 86,98 Trocken- 
substanz. Die Kartoffeln 70,69 Proc. Wasser mit 29,31 Proc. 
Trockensubstanz. Darnach berechnet sich der Nährstoffgehalt 
des Heus und der Kartoffeln in 100 Th eilen ihrer natürlichen 
Substanz, wie folgt: 

Wiesenheu: \ 

13,00 0/0 Wasser 

7,83 » Protein 
24,70 )) Rohfaser 

2,54 » Fett 

43,73 )) Nfr. Stoffe 

^ , , , i 0,80 o/q Phosphorsäure 

8,10 » Mineralsubstanz { 
' / 1,41 )) Kalk. 



100,00 

Karte ff ein : 

70,69 0/0 Wasser 

2,24 » Protein 

1,28 » Rohfaser 

0,34 » Fett 
24,10 )) Nfr. Stoffe 



. , , 0,1b < % Phosphorsäure 

1,35 » Mmeralsubstanz { , . ' „ 
' 0,0144 )) Kalk. 



135 



Wiesen- 
heu 

Pfd. 

Abth. 1 verzehrt in 36 Tagen 107, Ü9 
» II >) » 36 » 106,76 



Kar- 
toffeln 

Pfd. 

189,00 
189,00 



Präci- 
pitirter 
phosphor- 
saurer Kalk 

Pfd. 

0,432 



Tränk- 
wasser 

Pfd. 
223,13 
235,78 



Trocken- Pro- Roh- 
substanz tein faser 



Fett 



Nfr. Mine- 
Nähr-ralsub- 
stoffe stanz 



Phos- 
phor- 
säure 



Kalk 



Abth. I. 

107,09 Pfd. Heu 
189,00 



0,432 » 
223,130 ) 



93,17 

Kartoffeln 55,38 
phos. Kalk — 
Präparat 
Tränk- 
wasser — 



in Pfunden 

8,385 26,450 2,720 46,830 8,78 

4,234 2,420 0,643 45,550 2,55 

— — — — 0,33 



in Grammen 

428,500 755,000 
158,000 13,600 
91,000 73,000 



17,070 



in 36 Tagen 
pro Tag 
pro Kopf 



677,500 858,670 
18,820 23,852 
6,273 7,950 

Tränkwasser pro Tag und Abth. 6,22 Pfd. Nh : Nfr. -f- Fett = 1 : 7,98. 



148,55 12,619 
4,126 0,350 
1,375 0,117 



28,870 3,363 92,380 11,66 
0,800 0,093 2,566 0,32 
0,270 0,031 0,855 0,107 



Abth. II. 



106,76 Pfd. Heu 92,880 

189,00 » Kartoffeln 55,380 
235,78 » Tränk- 
wasser — 

in 36 Tagen 
pro Tag 
pro Kopf 



8,360 26,370 2,710 46,690 8,750 
4,230 2,420 0,643 45,550 2,550 



427,000 752,500 
158,000 13,600 

— 18,050 



148,260 12,590 28,790 3,353 92,240 11,300 
4,116 0,349 0,800 0,093 2,562 0,314 
1,372 0,116 0,270 0,031 0,854 0,1047 



585,000 784,150 
16,250 21,782 
5,417 7,261 



Tränkwasser pro Tag und Abth. 6,55 Pfd., Nh : Nfr. + Fett = 1 : 8,0. 

Die Lebendgewichte und Gewichts-Productionen der Lämmer 
betragen in 36 Tagen nach Pfunden berechnet : 



Abth. I. 



Production 



Lamm ]. Lamm 2. Lamm 3. 



{-\- = Zunahme 



7- 



27 /, 



33,71 
35,16 
35,22 
36,00 
37,29 
38,33 



37,71 
38,00 
38,88 
39,67 
40,37 
41.30 



43,79 
43,66 
45,05 
45,67 
46,62 
49,05 



Sa. = 



115.21 
116,82 + 
119,15 + 
121,34 + 
124,28 + 
128,68 + 



Abnahme) 



1,61 
2,33 
2,19 
2,94 
4,40 



Pfd. 



Gewichtszunahme in 



36 Tagen = 13,47 

pro Tag = 0,374 
pro Kopf = 0,1247 



136 



Abth. II. 

Production 



Lamm 1. 


Lamm 2. 


Lamm 3. 




f-j- = Zunahme 
— = Abnahme) 


6/7. 39,29 


39,71 


36,37 


Sa. 


= 115,37 


39,11 


40,58 ' 


37,16 


» 


= 116,85 -1- 1,48 Pfd. 


20./7. 41,63 


42,38 


38,63 


» 


= 122,64 + 5,79 » 


2777. 40,59 


42,25 


36,50 


» 


= 119,34 — 3,30 


3./8. 45,04 


45,37 


39,29 


)) 


= 129,70 -f 10,36 


lo./g. 44,11 


44,36 


39,38 


)> 


= 127,85 — 1,85 



Gewichtszunahme in 36 Tagen =12,48 » 

pro Tag = 0,347 « 
pro Kopf = 0,1157 » 

Zur Production von 1,00 Pfd. Lebendgewicht waren er- 
forderlich 

bei Abth. I 7,95 Pfd. Heu und 14,03 Pfd. Kartoffeln 
II 8,54 » » » 15,13 « » 



» » 



oder au Nährstoffen überhaupt; 

Trocken- Pro- Koh- -p^^^ Nfr. Mine- Phosphor- j^^y^ 
Substanz tein faser Stoffe ralsubstanz säure 



in Pfunden in Grammen 

Abth. I 

11,028 0,957 2,143 0,2496 6,858 0,865 50,000 63,700 
Abth. II 

11,800 1,007 2,303 0,2680 7,379 0,904 46,500 62,730. 



Der Wechsel mit der Gabe der Phosphate ist ohne Einfluss 
auf die Ernährung der Thiere geblieben: Abth. II zeigt die näm- 
lichen ungleichmässig fortschreitenden Körpergewichts-Productio- 
nen, wie bei Zugabe vom phosphorsauren Kalk im ersten Ab- 
schnitt; Abth. I mit Phosphaten dagegen producirt nach wie 
vor sehr gleichmässig : eine Störung in der Gewichtszunahme 
tritt durch Beigabe der Phosphate nicht ein. Diese Abtheilung I 
producirt aber täglich jetzt mehr an Körpergewicht, deshalb 
würde man zunächst einen günstigen Einfluss der beigefütterten 
Phosphate auf die Ernährung zu supponiren haben. Bei näherer 
Betrachtung will mir aber dies doch nicht so erscheinen: viel 
wahrscheinlicher und einfacher lässt sich diese Mehrproduction 



137 



an Körpergewicht in diesem Abschnitte mit der verstärkten Fut- 
terzulage in Zusammenhang bringen : denn man wolle nicht 
übersehen, dass auch die Abth. II in diesem Abschnitte mehr 
producirt pro Tag, als im vorigen: im Abschnitt I pro Tag" 
= 0,328 Pfd., jetzt pro Tag 0,347 Pfd., und diese Mehrpro- 
ductionen, abhängig vom verstärkten Futterquantum in beiden 
Abtheilungen, treten um so deutlicher zu Tage, wenn man die 
Gewichtszunahmen beider Abtheilungen erst von dem Tage an 
berechnet, an welchem Kartoffelzulage erfolgte, also vom 15. Juli 
ab. Darnach stellt sich heraus, dass vom 15. Juli bis 10. August 
Abth. I pro Tag und Kopf producirt = 0,141 Pfd. und Abth. II 
in dem gleichen Zeiträume = 0,131 Pfd., während die tägliche 
Production im I. Abschnitte pro Tag und Kopf, bei Abth. I nur 
0,120 Pfd. und bei Abth. II 0,109 Pfd. beträgt. 

Abth. II bleibt aber auch in diesem Abschnitte, und zwar 
wiederum um 1,00 Pfd., an Productivität hinter der Abth. I 
zurück, und deshalb kommt auch hier wieder das Pfund Lebend- 
gewichtszunahme an Nährstoffaufwand etwas höher zu stehen bei 
der Abth. II, als bei Abth. I. 

Die nahezu fast gleichen Mengen an Kalk, welche sich 
dafür in beiden Abtheilungen berechnen, trotzdem dass Abth. II 
keinen phosphorsauren Kalk beigefüttert erhielt, hangen mit dem 
in Abth. II mehr verzehrten Tränkwasser zusammen. Auch 
diese Tränkwasseraufnahme kann ich nicht als von der Beigabe der 
Phosphate beeinflusst ansehen : denn im 1 . Abschnitte consumirt 
Abth. II 16,0 Pfd. und im 2. Abschnitte 12,65 Pfd. Tränk- 
wasser mehr, als Abth. I; wenn aber Abth. I nach Zulage 
von Phosphaten im 2. Abschnitte täglich 1,00 Pfd. Tränkwasser 
mehr aufnimmt, als vordem (Abth. I im Juni pro Tag = 5,10 
Pfd., im Juli = 6,20 Pfd.) so können wir doch nicht sagen, 
dass der im Juli beigefütterte phosphorsaure Kalk diesen Mehr- 
consum verursachte, da auch in Abth. II ohne Phosphate in 
diesem Monate eine nahezu gleiche Steigung der Aufnahme an 
Tränkwasser, um = 0,85 Pfd. mehr pro Tag (Abth. II im 
Juni 5,70 Pfd. pro Tag im Juli 6,55 Pfd. pro Tag) beobachtet 
ist. Dieser Mehrconsum an Tränk wasser hängt aber in sehr 
erklärlicher Weise mit der gesteigerten Stalltemperatur im Juli 



138 



und August zusammeu, wodurch die Ausdünstung gesteigert, und 
das Bedürfniss an Tränk wasser vermehrt wird. . 

Wenn auch ein günstiger Einfluss des beigefütterten 
phosphorsauren Kalkes auf die Körpergewichts-Productionen bis 
hierher aus dem Versuche nicht zu ersehn, so glaubte man doch 
aus den Resultaten der bis hierher besprochenen Versuchs-Ab- 
schnitte folgern zu dürfen, dass das Vorhandensein des Präpa- 
rates im Futter jedenfalls nicht nachtheiHg darauf einwirke. 
Die Unregelmässigkeiten in den Körpergewichts-Zunahmen der 
Abth. II, die dieselben geblieben bei Hinzufütterung des Präpa- 
rates und bei Hinweglassung desselben, waren hervorgerufen, 
das Hess sich jetzt wohl annehmen, durch eine Verdauungs- 
schwäche, welche Anhäufungen von Futter in den Verdauungs- 
organen zuliess, so dass es geschah, dass die Thiere plötzlich 
ein sehr hohes Körpergewicht zeigten und dann wieder in auf- 
fallender Weise darin zurückgingen. Die bis hierher erlangten 
Resultate über den Einfluss der beigefütterten Phosphate auf die 
Ernährung der Thiere schlössen deshalb aber immer noch nicht 
die Möglichkeit der Annahme aus, dass eine Beigabe davon zum 
Futter in längerer Zeit und in grösserer Menge, als es bis 
jetzt geschehen, schliesslich doch noch eine günstige Wirkung auf • 
die Körpergewichts-Productionen der Thiere haben könne : die un- 
gleichmässigen Gewichtszunahmen in der Abth. II disponirten 
aber alsdann ganz besonders dazu, den Versuch damit zu machen. 



III. Versuchsabschnitt. 

Deshalb erhielt Abth. II vom 1 1 . August ab wieder phos- 
phorsauren Kalk beigefüttert und zwar 9 Gramm täglich pro 
Abtheilung in den Monaten August, September, October und 
November: während er für diese ganze Zeit, 112 Tage, in der 
Abth. I wegblieb. Da sogleich zu Anfange dieses dritten Ab- 
schnittes vom 11 — 17. August die Thiere der Abth. I sehr un- 
genügende Körpergewichts-Productionen zeigten, so wurde die 
tägliche Kartoffelration in beiden Abtheilungen am 18. August 
von 6 Pfd. auf 71/2 Pfd. pro Tag erhöht: 3,0 Pfd. Heu wurden 



139 



nach ^^ie vor in jeder Abtheilimg pro Tag vorgelegt : dies ge- 
schah bis zum 14. September. 

Die Kartoffeln wurden in beiden Abtheilungen ganz voll- 
ständig verzehrt ; dagegen blieben in der Abtheilung I fast täg- 
lich grössere oder kleinere Heurückstände : die Abth. II frass aber 
an 29 Tagen das Heu ganz auf und Hess in der übrigen Zeit 
nicht sehr erhebliche Rückstände; so dass Ahth. I pro Tag im 
Durchschnitte dieses Abschnittes verzehrt hatte = 2,733 Pfd. 
Heu; Abth. II =2,881 Pfd. Heu. 

Das Wiesenheu enthielt im Monat August 11,47% Wasser 
und 88,53% Trockensubstanz. Die Kartoffeln = 66,88% 
Wasser mit 33,12% Trockensubstanz. Darnach berechnet sich 
der procentische Gehalt an Nährstoffen für 

W i e s e n h e u im natürlichen Zustande : 

11,470/0 Wasser 
7,97 » Protein 
25; 11 » Rohfaser 

2,58 » Fett 
44,52 » Nfr. Stoffe 

0,814 o/o Phosphorsäure 



8,35 » Mineralsubstanz 



1,435 » Kalk 



100,00 



Kartoffeln im natürlichen Zustande: 
66,880/0 Wasser 

2,53 » Protein 

1,45 » Rohfaser 

0,39 )) Fett 
27,22 » Nfr. Stoffe 

0,190 o/o Phosphorsäure 



1,53 » Mineralsubstanz 



0,0163 » Kalk 



100,00 



Vom 11. August bis mit 14. September in 35 Tagen wer- 
den von 

Heu Kartoffeln ^""^T^^T 

Phosphors. Kalk wasser 

Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. 

Abth. I verzehrt: 95,67 252,00 — 149,89 

» II » 100,86 252,00 0,630 177,28 



140 



rr 1 Ti x> u Nf. Mine- Phos- 

Trocken- Pro- Ron- i i. rr 

Substanz tein faser ^alsub- phor- Kalk 

stone stanz saure 



Abth. I in Pfunden in Grammen 

95,67 Pfd. Heu 84,700 7,620 24,020 2,470 42,590 7,990 389,500 686,500 
252,00 >. Kar- 
toffeln 83,400 6,370 3,650 0,980 68,570 3,860 239,500 20,550 
149,89 » Tränk- 
wasser — — — — — — — 11,450 

in 35 Tagen 168,100 13,990 27,670 3,450 111,160 11,850 629,000 718,500 

pro Tag 4,800 0,400 0,790 0,0985 0,176 0,3385 17,971 20,590 

pro Kopf 1,600 0,133 0,263 0,0328 1,0587 0,112S 5,990 6,863 
Tränkwasser (34 Tage) pro Tag u. Abth. 4,41 Pfd. Nh : Nf . -(- Fett 1 :8,56. 

Abth. II 

100,86 Pfd. Heu 89,300 8,040 25,320 2,600 44,900 8,420 410,500 723,500 
252,00 » Kar- 
toffeln 83,400 6,370 3,650 0,980 66,570 3,860 239,500 20,550 
PO5 gCaO 

0,630 >) Präparat— _ _ _ 0,480 133,000 105,500 
177,280 ). Tränk- 
wasser — — — — — — — 13,550 

in 35 Tagen 172,700 14,410 28,970 3,580 113,470 12,760 783,000 863,100 

pro Tag 4,931 0,406 0,827 0,102 3,242 0,3645 22,371 24,660 

pro Kopf 1,643 0,1353 0,2757 0,034 1,080 0,1215 7,457 8,220 
Tränkwasser (34 Tage) pro Tag = 5,214 Pfd. Nh:Nf. -}-Fett 1 : 8,50. 

Die Lebendgewichte und Gewichts-Productionen der Läm- 
mer betragen nach Pfunden berechnet in 35 Tagen: 



Abth. I. 

Production 



Lamm 1. 


Lamm 2. 


Lamm 3. 


i -|- = Zunahme 










— = Abnahme) 




38,33 


41,30 


49,05 Sa. 


= 128,68 




38,50 


42,33 


47,25 )) 


= 128,08 — 0,60 Pfd. 




38,55 


41,50 


47,46 » 


= 127,51 — 0,57 » 




39,39 


44,21 


47,96 


= 131 56 -f 4,05 )) 




39,42 


43,50 


49,00 


= 131,92 -1- 0,36 




40,42 


43,00 


48,25 


= 131,67 — 0,25 






Gewichtszunahme in 


35 Tagen = 2,99 



pro Tag u. Abth. = 0,086 
pro Kopf = 0,0287 



141 









Abth. 


II. 




Lamm 1. 


T O 

Lamm 2. 


Xiamm o. 




l— j — Zj UllctllllltJ 

— = Abnahme) 




44,11 


-14,36 


39,38 


Sa. 


= 127,85 




45,75 


44,75 


40,09 


)) 


= 130,59 + 2,74 Pfd. 




45,22 


43,80 


41,63 


)) 


= 130,65 H- 0,06 » 




47,88 


46,63 


41,88 


» 


= 136,39 + 5,74 » 




47,75 


45,17 


43,50 




= 136,42 + 0,03 » 




47,75 


45,09 


42,50 




= 135,34 — 1,08 )) 



Gewichtszunahme in 35 Tagen =7,49 » 
pro Tag u. Abth. =0,213 » 
pro Kopf = 0,071 » 

Zur Production von 1,00 Pfd. Lebendgewicht waren erfor- 
derlich : 

bei Abth. I 31,89 Pfd. Heu und 84,00 Pfd. Kartoffeln 
« » II 13,48 )) » » 32,35 » » 



oder an Nährstoff überhaupt: 



Trocken- 
substanz 



Pro- 
tein 



Roh- 
faser 



Fett 



Nfr. Mine- Phosphor- 
Stoffe ralsubstanz säure 



Kalk 



Abth. I 56,03 4,70 
» II 23,04 1,926 



in Pfunden 
9,22 1,15 
3,740 0,478 



37,20 
15,17 



3,95 
1,705 



in Grammen 
209,650 239,500 
104,250 108,700 



Obschon Abth. II in diesem dritten Versuchsabschnitte mehr 
an Lebendgewicht producirte, als Abth. I = 4,494, stehen doch 
auch ihre Productionen dem im 1. und 2. Abschnitte Geleisteten 
bedeutend nach: dort pro Tag 0,328 Pfd. und 0,347 Pfd., jetzt 
nur 0,213 Pfd. pro Tag. Ganz ungenügend und ganz unver- 
gleichbar mit den Productionen in den frühern Abschnitten sind 
die Productionen der Abth. I in diesem Abschnitte ausgefallen : 
es erfordert daher auch jedes Pfund der Production einen so 
enormen Aufwand von Nährstoffen, dass man sofort erkennt, 
dass in diesem Abschnitte die Ernährung der Thiere schädigende 
Ursachen obgewaltet haben müssen. Welches waren aber diese 
Ursachen? Mangel an Futter, sollte ich meinen, konnte daran 
keine Schuld haben; denn die Thiere verzehren das Vorgelegte 
nicht ganz vollständig. 



142 

Das Nährstoffverhältniss im Futter, das Verhältniss der Pro- 
teinstoffe zu den Kohlehydraten, ist in diesem Abschnitte ein 
weiteres geworden: Nh verhielt sich zu Nfr. im 1. und 2. Ab- 
schnitte, wie 1 : 7,5 und 1 : 8,0, jetzt wie 1 : 8.5. Daraus 
könnte gefolgert werden, dass der Nährwerth des Futters ein 
geringerer und hierin der Grund der herabgedrückten Productio- 
nen an Lebendgewicht zu suchen; ein wirklich stichhaltiger 
Grund kann dies aber auch nicht sein, denn im nächstfolgenden 
Abschnitte wird durch weitere Zulage von Kartoffeln das Nähr- 
stoffverhältniss des Futters ein noch weiteres, und die Productio- 
nen an Lebendgewicht sind doch dabei genügend. Bezieh endlich 
der Futteraufnahme selbst sind sehr auffällige Störungen, gänz- 
liches Versagen des Futters auf Zeit z. B. nicht vorgekommen, 
die Thiere der Abth. II zeigen sich aber als stätigere Fresser, 
die auch im Laufe des Abschnittes mehr an Futter aufgenom- 
men, als die Thiere der Abth. 1. Wenn nun auch von einer 
Mehraufnahme von 5,0 Pfd. Heu eine Mehrproduction von 4,50 
Pfd. Lebendgewicht nicht abhängig gedacht werden kann, so ist 
es doch eine bekannte Thatsache, dass nicht allein Qualität und 
Quantität des Futters, sondern auch die regelrechte Stätigkeit 
der Aufnahme desselben auf die Productivität von grossem Ein- 
flüsse, und es wird sich nicht hinwegleugnen lassen, dass die 
in Abth. II beobachtete Mehrproduction an Lebendgewicht von 
Zahlen abgesehen,) durch eine regelmässigere und auch etwas 
grössere Futteraufnahme bedingt war. Abth. II verzehrte an 
20 Tagen des Abschnittes das Futter ohne jeglichen Rückstand, 
nur an 8 Tagen blieben Heurückstände; Abth. I Hess an 22 
Tagen Heurückstände und verzehrte nur an 6 Tagen ihre volle 
Ration. 

Da nun aber in dieser Abth. II der präcipitirte phos- 
phorsaure Kalk gefüttert wurde und in der Abth. I nicht, 
dies aber auch der einzige Unterschied ist, der in beiden Ab- 
theilungen beziehendlich der Haltung und Fütterung der Thiere 
sich auffinden lässt, so wird man die bessere und geregeltere 
Futteraufnahme dieser Abth. II und ihre dadurch hervorgerufene 
grössere Productivität an Körpergewicht durch die Beigabe von 
phosphorsaurem Kalk veranlasst anzusehen haben, obgleich weder 



143 



im 1. noch im 2. Abschnitte die beigefütterten Phosphate eine 
derartige Mehraufnahme von Futter und damit verbundene Mehr- 
production an Körpergewicht zu Folge hatte. In wie weit und ol) 
überhaupt die Entziehung des präcipitirten phosphorsauren Kalkes 
in Ahth. I die Futteraufnahme und Körpergewichtsproductionen 
dieser Thiere nachtheilig beeinflusste, lässt sich nach den Re- 
sultaten des I. und II. Abschnittes ebenfalls nicht sagen, da 
seine Gegenwart oder Abwesenheit im Futter bis dahin total 
indifferent erschien. Diese mangelhaften Productionen können 
auch in der ganzen Ernährungsweise der Thiere ihren Grund 
haben, die kein eigentliches Productionsfutter , sondern mehr 
Erhaltungsfutter bekommen ; sind dabei die geleisteten Productio- 
nen an sich schwach, so kann auch ein vorübergehender Stille- 
stand dabei schon vorkommen und dürften dieselben nicht allzu 
auffällig erscheinen ; sie sind nicht unbedingt auf Rechnung des 
ausgebliebenen phosphorsauren Kalkes zu bringen. Diese An- 
nahme wird auch durch die Resultate des nun folgenden IV. Ab- 
schnittes gerechtfertigt. 



IT. Yersuclisabschnitt. 

Da am 14. September sich in beiden Abtheilungen Körper- 
gewichtsverluste zeigten, erfolgte am 15. September eine weitere 
Zulage von Kartoffeln und erhielten die Thiere jeder Abtheilung 
von da an pro Tag 3,00 Pfd. Heu und 9,00 Pfd. Kartoffeln: 
im Uebrigen blieb Alles unverändert und wurde auch in der 
folgenden Zeit October und November eine weitere Aenderung 
nicht vorgenommen, weshalb ich diesen Abschnitt vom 15. Sep- 
tember bis zum 30. November, Schluss des Versuchs, ohne Unter- 
brechung auf 77 Tage in Rechnung nehme. 

Vorzubemerken ist, dass für diesen Abschnitt neues Heu 
und neue Kartoffeln zur Verfütterung kamen : der Gehalt an 
Mineralsubstanzen, Phosphorsäure und Kalk sind in diesen Fut- 
terstoffen analytisch ermittelt, sowie auch eine nochmalige Unter- 
suchung des präcipitirten phosphorsauren Kalkes und des Tränk- 
wassers auf seinen Kalkgehalt vorgenommen wurde. 



144 



Das Wiesenheu enthielt 12,20% Wasser und 87,8% 

Trockensubstanz. Die Kartoffeln 74,6 7o Wasser und 25,4% 
Trockensubstanz. 

In 100 Theilen enthielt 

Wies enheu : 

12, 20 o/o Wasser 

7,90 » Protein 
24,90 » Rohfaser 

2,56 » Fett 
44,85 » Nfr. Stoffe 

.^ - , , I 0,614% Phosühorsäure 

i) 7,59,, Mmeralsubstanz j P 



100,00 

Kartoffeln : 

74,60 o/o Wasser 

1,94 » Protein 

1,11 » Rohfaser 

0,30 » Fett 
20,90 )) Nfr. Stoffe 

o . , , 1 0,140 o/o Phosphorsäure 

- l,lo » Mineralsubstanz i „ 
' f 0,0103 » Kalk 

100,00 



1) 1,986 Grm. Wiesenheu, Trockensubstanz 0,174 Grm. Asche = 8, 761 o/o 
1,375 » » » 0,117 » ,> = 8,510 » 

1,917 Grm. sandfreie Wiesenheu- Asche 0,0525 Grm. PO5 Feo O3 = 0,024675 
Grm. PO5. 

0,480 Grm. CO2 CaO = 0,270 » CaO = 11,350/oCaO 
0,204 )> PO5 sMgO = 0,13056 Grm. PO5 =0,155 Grm. PO5 
in Summa 8,085 0/0 Phosphorsäure. 
0,750 Grm. sandfreie Kartoffel - A sehe 0,021 Grm. PO5 Fe2 O3 
= 0,00987 PO5. 

0,010 Grm. CO2 CaO = 0,0056 Grm. CaO. 0,74 0/0 CaO. 
0,0816 Grm. PO5 durch Uran bestimmt in Sa. 0,092 Grm. P05=12,270/o 

Phosphorsäure. 

1,993 Grm. sandfreie Kartoff el- Asche 0,023 Grm. PO5 Fe2 03 = 

0,011 Grm. PO5. 

0,037 Grm. CO2 CaO = 0,0207 Grm. CaO = 1,05 0/0 CaO. 
0,359 Grm. PO5 2MgO = 0,22976 Grm. PO5 = 0,241 0/0 PO5 in Summa 

= 12,100/0 Phosphorsäure. 
2) 1,762 Grm. Kartoffel. Trockensubstanz 0,074 Grm. Asche 4,20 0/0 
1,168 » » » 0,050 » » 4,28 » 

5,779 » » » 0,285 » » 2,93 » 

2,917 » » » 0,140 » » 4,80 » 



145 



Pr äcipitirter phosphorsaurer Kalk^). 

41,060 o/o Phosphorsäure 
33,365 » Kalk 
25,300 » Wasser 

Das Tränk w asser 
enthielt im Liter 0,2S0 CO2 CaO = 0,1570 Kalk. 

Nur am 8. und 9. October sind Kartoffelrückstände in Ab- 
theil. I zu notiren gewesen, ausserdem wurden Kartoffeln in 
dieser, wie in der Abth. II ganz vollständig verzehrt. An 12 
Tagen des Abschnittes wird auch das Heu in der Abth. I voll- 
ständig aufgenommen: in der übrigen Zeit bleiben Rückstände, 
und berechnet sich der durchschnittlich tägliche Verzehr davon, 
auf = 2,565 Pfd. Heu pro Tag, so dass durch die Kartoffelzu- 
lage der Heuverzehr noch weiter herabgedrückt erscheint, als 
im vorigen Abschnitte, in welchem durchschnittlich pro Tag 
= 2,733 Pfd. Heu verzehrt wurden. Auch in Abth. II ist der 
durchschnittliche tägliche Heuverzehr auf 2,810 Pfd. von 2,882 
Pfd. des vorigen Abschnittes herabgegangen: obgleich an 40 
Tagen des Versuchsabschnittes (namentlich im November an 22 
Tagen) ganz vollständige Heuaufnahme statt hat. Verzehrt wur- 
den in 77 Tagen 

Kar- P^äcipitirter ^^.^j^. 

-tieu , ^ , phosphor- 

toiieln ^ n Wasser 

saurer Kalk 

Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. 

von der Abth. I 197,49 689,0 0 182,62 (2 Tage Verlust) 

» )) » II 216,21 693,0 1,386 267,99 



1) 1,079 Grm. präcip. phosphors. Kalk = 0,273 Grm. Glühver- 
lust = 25,30 o/o 0,806 Grm. Glührückstand = (74,70 o/q) in Salpetersäure ge- 
löst, mit Ammoniak gefällt in conc. Essigs, gelöst und kochendheiss mit 
oxals. Ammon. = 0,642 Grm. COg CaO = 0,3595 Grm. CaO = 44,665 o/q 
Kalk. Filtrat mit Magnesiamixtur etc. == 0,692 Grm. PO5 QMgO = 0,443 
Grm. PO5 = 54,962 0/0 Phosphorsäure. 



Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 



10 



146 



Abth. I. 



Trocken- Pro- Roh- 
substanz tein faser 



Nfr. Mine- Phos- 
Fett Nähr- ral- phor 
Stoffe Substanz säure 



Kalk 



197,49 Pfd. Heu 173,405 15,600 
689,00 » Kar- 
toffeln 175,000 13,370 
182,62 )) Tränk- 
wasser — — 



in Pfunden 
49,180 5,060 



88,580 14,990 



in Grammen 
606,500 852,000 



7,650 2,070 144,000 7,910 482,500 35,000 
_ — _ _ 14.835 



in 77 Tagen 348,405 28,970 
pro Tag 4,524 0,3762 
pro Kopf 1,508 0,1254 

Tränkwasser pro Tag u. Abth 



56,830 7,130 232,580 22,900 1089,000 
0,738 0,0926 3,020 0,297 14,142 
0,246 0,0308 1,007 0,099 4,714 

. 2,371 Pfd. NhiNfr. -|-Fett=] :864. 



Abth. II. 

216,21 Pfd. Heu 189,830 17,080 53,840 5,535 
693,00 « Kar- 
toffeln 176,022 13,440 7,690 2,080 
PO5 gCaO 
1,386 » Prä- 
parat — — — — 
268,00 )) Tränk- 
wasser — — — — 



96,970 16,400 
144,840 7,970 



663,750 
485,000 



1,035 285,000 



902,335 
11,7156 
3,9062 



933,000 
35,700 

231,000 
21,050 



61,530 7,615 241,810 25,405 1433,750 1220,750 
0,800 0,0989 3,140 0,330 18,620 15,854 
0,270 0,0330 1,047 0,110 6,207 5,285 



in 77 Tagen 365,852 30,520 
pro Tag 4,751 0,396 
pro Kopf 1,584 0,132 
Tränkwasser pro Tag u. Abth. 3,480]Pfd. Nh : Nfr. + Fett 1 : 8,54 



Die Lebendgewichte und Gewichtsproductionen der Lämmer 
betragen nach Pfunden berechnet in 77 Tagen: 



Abth. 

Lamm 1. Lamm 2. Lamm 3. 



II. 



Production 



14 / 
21 
28, 

5, 
12 
19 
26 

1 

9 



k. 
liO- 
/lO- 

Ao. 

/lO- 

In- 
In- 

23./il. 



47,75 
49,05 
4.9,50 
50,66 
52,93 
52,29 
54,50 
56,13 
56,66 
58,91 
57,66 
58,50 



45,09 
47,63 
47,90 
47,08 
50,09 
50,04 
50,92 
52,71 
54,91 
56,08 
54,83 
55,74 



42,50 
43,30 
44,08 
44,33 
44,63 
43,96 
44,92 
46,46 
46,66 
47,83 
47,00 
46,91 



= Sa. 



(+ 



135,34 
1 39,9 s 
141,48 
142,07 
147,65 
146,29 
150,33 
155,30 
158,23 
162,82 
159,49 
161,15 



= Zunahme 
= Abnahme j 



+ 
+ 
+ 

+ 
+ 
+ 



4,640 
1,500 
0,590 
5,580 
1,360 
4,040 
4,970 
2,930 
4,590 
3,330 
1,660 



Gewichtszunahme in 



77 Tagen = 
pro Tag = 
pro Kopf = 



Pfd. 



25,81 

0,3352 « 
0,1117 



147 



Abth. I. 

Production 



Lamm 1. 


TT C\ 

Lamm 2. 


Lamm 3. 






(+ 


= Zunahme 
















= Abnahme 




40,42 


43,00 


48, 2o 


— 


Sa. 


131,6 / 






40,30 


43,55 


48, DD 


— 




132,40 + 


0,/30 Pfd. 


Od / 


41,9b 


45,08 


51 ,00 


— 




■100 A A 1 

138,00 -f- 


C A A A 

5,600 » 




43, 2d 


44,54 


d1,46 


— 




139, 2d 4" 


1,2d0 « 


^-•/lO- 


A Q QQ 

4o,0ö 


46,30 


d3,do 




» 


143, /3 + 


4,480 » 




43,79 


4b, 10 


d3,d4 






144,11 -|- 


A 0 CA 

0,ooO » 




44,00 


47,46 


55,26 






146,72 -f 


2,610 » 




45,29 


49,54 


57,54 




» 


152,37 + 


5,650 » 


«•/ll- 


45,24 


49,08 


59,00 






153,32 + 


0,950 » 




47,91 


50,42 


59,83 






158,16 + 


4,840 .) 




46,33 


51,50 


60,50 




» 


158,33 + 


0,170 ). 




47,25 


50,83 


60,25 




» 


158,32 + 


0 



Gewichtszunahme in 77 Tagen = 26,660 

pro Tag = 0,3462 
pro Kopf = 0,1154 



Zur Production von 1 Pfd. Lebendgewicht waren erforderlich 

bei Abth. I 7,40 Pfd. Heu 25,80 Pfd. Kartoffeln 
)) II 8,40 » « 27,00 » » 

oder an Nährstoffen überhaupt: 



Trocken- Pro- Pflanzen- Nfr. , , 

, , , .. r Fett ral- phor- Kalk 

Substanz tem laser öt. ^ 



Mine- Phos- 
ral- phor- 
substan säure 



nach Pfunden nach Grammen 

Abth. I. 13,00 1,087 2,131 0,267 8,724 0,860 43,850 33,800 
» II. 14,20 1,182 2,400 0,300 9,370 0,982 55,500 47,000 

Der Phosphorsäure- und Kalkgehalt des Heus und der Kar- 
toffeln dieses Abschnittes ist niedriger, als derselbe in den Fut- 
terstoffen der vorhergehenden Abschnitte ; das ist für den Versuch 
ein ganz günstiger Umstand, da die Phosphorsäure und Kalk 
des beigefütterten präcipitirten phosphorsauren Kalkes der Phos- 
phorsäure und dem Kalke des Futters gegenüber jetzt stärker 
vorwiegt, als vordem. In Abschnitt I, II und III verhielt sich 
die Phosphorsäure des Präparates zur Phosphorsäure des Futters 
= : 1 : 5,67 = : 1 : 6,44 = 1 : 4,8 und der Kalk, wie 1 : 10,78 
= 1 : 10,76=1:7,18; in diesem Abschnitte die Phosphorsäure 
= 1 : 4,0 und der Kalk = 1 : 4,3. 

10* 



148 



Der Heuconsum war, wie bereits bemerkt, in Folge der 
stärkeren täglichen Kartoifelration in beiden Abtheilungen, noch 
etwas weiter herabgedrückt, als vorher: bemerkenswerth bleibt 
aber ausserdem, dass nun auch in diesem Abschnitte wieder die 
Abthlg. II in Summa 18,72 Pfd. Heu, also durchschnittlich pro 
Tag = 0,243 Pfd. mehr consumirte, als die Abthlg. I. Da 
aber dieser Mehrconsum von Rauhfutter bei dieser Abtheilung 
im I. III. und IV. Abschnitte jedesmal mit der Gegenwart von 
beigefüttertem präc. phosphors. Kalk zusammenfällt, dagegen 
ausfällt mit Hinweglassung des Präparates in Abschnitt II, so 
bleibt wohl kein Zweifel darüber, dass der präc. phosph. Kalk 
den Appetit der Thiere reizte und insofern Veranlassung zu die- 
sem grösseren Heuconsum gegeben. 

Ich schliesse dies auch daraus, weil in Abschnitt III und 
IV bei dieser mit phosphs. Kalk gefütterte Abtheilung auch ein 
grösserer Tränkwasserconsum, pro Tag = 1,0 Pfd. mehr, vor- 
waltete. In den Monaten October, November bei einer Stall- 
wärme von durchschnittlich 8 — 11*^*R. kann der grössere Wasser- 
consum durch erhöhte Ausdünstung der Thiere u. s. w. nicht 
veranlasst sein : der tägliche Wasserconsum ist überhaupt im 
Ganzen in Folge der grössern Kartoffelgabe und ihres grossen 
Wassergehaltes von 5 Pfd. und 6 Pfd. täglich in den ersten 
beiden Abschnitten, im III. Abschnitt auf 4,4 Pfd. in Abth. I 
und 5,20 Pfd. in Abth. II und im IV. Abschnitte auf 2,37 Pfd. 
in Abth. I und 3,48 Pfd. in Abth. II herabgegangen: gleich- 
wohl consumirt auch unter diesen Verhältnissen die zweite Ab- 
theilung täglich 1,0 Pfd. mehr davon, als die erste, in Folge 
des grösseren Rauhfutterverzehrs, und sicher also auch in Folge 
des grösseren Salzgehaltes (phosphors. Kalkes) des Futters. 

Dieser Mehrverzehr an Futter weist aber eine Mehrproduc- 
tion an Körpergewicht nicht auf; in erfreulicher Weise nahmen 
zwar nach der Kartoffelzulage sofort mit Beginn dieses Ab- 
schnittes die Thiere beider Abtheilungen wieder an Lebendge- 
wicht zu, auch stehen die pro Tag geleisteten Productionen im 
ganzen Abschnitt nicht sehr erheblich den durchschnittlich täg- 
lich im I. und II. Abschnitte des Versuchs geleisteten Produc- 
tionen nach: Abth. I nur um 0,021 Pfd. und Abth. II nur um 



149 



0,0025 Pfd. ; es lassen sich diese schwächeren Lebendgewichts- 
zunahmen in sehr naturgemässer Weise mit dem Nährstoffver- 
hältnisse des Futters in Zusammenhang bringen, welches weder 
zu Anfange des Versuchs, noch jetzt bei der starken Kartoffel- 
zulage ein kräftiges Futter war. Aber weder im I. und IL, 
noch in diesem IV. Abschnitte macht sich ein die Körpergewichts- 
Production der Thiere begünstigender Einfluss des beigefütterten 
präcip. phosphorsauren Kalkes, sei es unmittelbar oder mittelbar, 
durch dadurch veranlasste grössere Futteraufnahme, bemerkbar. 
Ohne irgendwie hervorheben zu wollen, dass auch in diesem 
IV. Abschnitte Abtheilung II trotz des beigefütterten Präparates 
etwas weniger an Körpergewicht producirt = 0,85 Pfd., als Abth. I: 
(es sind dies, wie auch schon im I. und IL Abschnitte, so ge- 
ringe LTnterschiede , dass ein besonderes Gewicht sicher nicht 
darauf zu legen:) so sprechen doch die gleichen Productionen 
an Lebendgewicht in beiden Abtheilungen für die Wirkungs- 
losigkeit der Beigabe des Präparates zu einem an Nährstoffen 
an sich nicht reichen Futter, wie das Heu und Kartoffelfutter 
der Lämmer dieses Versuchs war, auf die Fleischproduction, und 
ist dem phosphorsauren Kalke an sich ein beson- 
derer, ihm eigenthümlich zukommender Nähreffect 
darnach nicht zuzuschreiben. 

Fraglich kann es nach den Resultaten des Versuchs bleiben, 
ob in Folge der nachgewiesenen durch das Präparat hervorge- 
rufenen stärkeren und stätigeren Futteraufnahme bei einem in- 
tensiveren und proteinreicheren Futter nicht auch hier ( ine Bei- 
gabe von Phosphaten eine stärkere Futteraufnahme und in Folge 
hiervon eine grössere Körpergewichts-Production bewirken würde. 

Vorausgesetzt aber auch, dass dies der Fall, würde alsdann 
dieser günstige Erfolg dem Präparate nicht in seiner Eigen- 
schaft als Nahrungsmittel, sondern als Reizmittel zuzuschreiben 
sein. 

Weiterer Anordnung zu Folge wurden am 2. December die 
zwei stärksten Lämmer jeder Abtheilung Nr. 2 und 3 der ersten 
Abtheilung in Nr. 1 und 2 der zweiten Abtheilung geschlachtet. 



150 



Es folgen die Schlachtresultate: 

Schlachtresultate vom 2. December 1870. 



Abth. I. 
ohne präc. pbosph. 
Kalk 
im Futter 



Abth. II. 
mit präcip. phos- 
phors. Kalk im 
Futter 





Lamm 


Lamm 


Lamm 


Lamm 


1 


Nr. 2. 


Nr. 3. 1 


Nr. 1. 


Nr. 2. 




Jria. 


Pia. 


ifta. 


Pfd. 


Lebendgewichte unmittelbar vor 










dem Schlachten 




ß o 1 f; 

oJ,lo 


59,00 


5o,lo 




2,0(1 


2,17 


2,13 


2,10 




y,o4 


10,30 


1 A OT 
10,2 / 


9,^0 




z, I / 


z,4U 


O Kl 

Z, D < 


2,1 1 


4. Herz 


0,24 


0,17 


0,24 


0,24 


5. Lunge und Luftröhre . . . 


1,07 


1,00 


1,14 


1,50 


6. Leber und Gallenblase . . . 


0,75 


0,75 


0,84 


0,67 


7. Milz 


0,07 


0,14 


0,10 


0,10 


8. Schlund und Magen leer . . 


1,67 


1,84 


2,17 


2,00 




0,97 


1,00 


1,50 


1,07 


10. Fett am Magen und Darm . 


0,97 


1,84 


1,50 


1,67 


11. Magen und Darminhalt (von 










8 und 9) 


10,42 


11,48 


9,53 


9,04 


12. Rumpf und die vier Viertel 












22,24 


26,67 


24,50 


24,50 




24,45 


Mittel 


24,50 Mittel 


13. Nierenfett abgeschätzt zu . 


0,50 


0,50 


i 0,50 


0,50 


14. Gesammtgewicht der gezo- 






1 






51,9) 


59,76 


56,49 


54,46 


15. Lebendgewicht zum Schlacht- 










gewicht = 100 : X 


42,333 i 42,900 
, ^ , 


41,525 


43,625 




42,566 Mittel 


; 42.575 Mittel 



Die ausgeschlachteten Theile Blut, Herz, Leber, Milz sind 
dem Gewichte nach unwesentlich in beiden Abtheilungeu ver- 
schieden; nur etwa das Fett am Magen und Darm wäre zu 
berücksichtigen, da beide Thiere der Abth. II. zusammen 180 
Grammen mehr davon lieferten, als die Thiere der Abth. I. 
Mehr ins Gewicht fallen die Unterschiede betreffend die Lungen : 
die Luftröhren und Lungen wiegen in Abth. II rund 285 Gram- 
men schwerer, als dieselben Theile in Abth. I. Am meisten fällt 



151 



ins Gewicht Schlund, Magen und Gedärme der Abth. II, welche 
ein üeberge wicht von 630 Grm. in Sa. haben: daraus könnte 
man auf die grössere Capacität dieser Thiere für Futteraufnahme 
schliessen, welche auch der Versuch aufweist. Berechnet man 
weiter die Gewichtsmengen, welche sich für Rumpf und die vier 
Viertel beider Lämmer jeder Abtheilung im Durchschnitt er- 
geben, desgleichen die Verhältnisszahlen des Lebendgewichts zum 
Schlachtgewicht, für beide Abtheilungen im Durchschnitt, so 
weist die erste Rechnung für Abth. I 24,45 Pfd. und für Abth. II 
24,50 Pfd. auf; die zweite Rechnung aber ergiebt für Abth. I 
42,566 Pfd. und für Abth. II 42,575. Das sind nun so ganz 
ausserordentlich gleiche Grössen, dass die Fleischproductionen 
in beiden Abtheilungen unzweifelhaft als ganz gleich zu erachten 
sind, ein Einfluss aber des in Abth. II 112 Tage 
lang beigefütterten präcipit. phosphor sauren Kal- 
kes auf dieselbe ist auch hieraus nicht zu ersehn. 

Die Knochen der Lämmer. 

Am Schlachttage wurden von jedem der geschlachteten Thiere 
die linke Hälfte der unteren Kinnlade, das linke 
Schulterblatt, das linke Armbein, Vor armellenbo- 
genbein und Schienbein sofort sehr sorgfältig skeletirt, 
möglichst gut mit Tüchern abgetrocknet und in schneller Auf- 
einanderfolge ohne Verzug zunächst das absolute Gewicht die- 
ser Knochen durch Wiegen in der Luft bestimmt, dann durch 
Eintauchen in destillirtes Wasser ihr Gewicht im Wasser und 
durch Division des absoluten Gewichtes durch den Gewichtsver- 
lust in Wasser ihr specifisches Gewicht. 



152 



Abth. I ohne präc. phosphors. Kalk 

im Futter 
in Grammen. 



Lamm 
Nr. 


Knochen absol. Gew. 


Gew. im 
Wasser 


Qrewichts- 
verlust im 


spec. Oewicht 


2. 


Kinnlade 


53,160 


19,280 


33,880 


1,569 


3. 


)) 


er c o O K 


19,530 


35,795 


1,545 


2. 


Schulterblatt 


30,570 


7,200 


23,370 


1,308 


3. 


» 


33,325 


6,880 


26,445 


1,2597 


2. 


Armbein 


60,870 


12,585 


48,285 


1,260 


3. 


» 


67,040 


12,730 


54,310 


1,234 


L, 


Vorarmbein 


45,710 


10,870 


Q/l C/lfl 


1 ,olz 


o 
o. 


» 


51,460 


11,175 


4U, ZoD 


1 OTT 


9 


Schienbein 


32,800 


9,200 


ZO, Dl/U 


1 

1 , oyu 


3. 


» 


34,400 


8,780 


25,620 


1,342 




in Summa : 


464,660 




im Mittel 


1,350 




Abth. II mit präc. phos 


pilUlb. IVd/lK 








im 


Futter 










in Grammen. 






Lamm 
Nr. 


Knochen absol. Gew. 


Gew. im 
Wasser 


Gewichts- 
verlust im 
Wasser 


spec. Gewicht 


1. 


Kinnlade 


59,325 


21,925 


37,400 


1.587 


2. 




52,495 


19,720 


32,775 


1,601 


1. 


Schulterblatt 


35,140 


8,740 


26,400 


1,331 


2. 


» 


31,105 


8,520 


23,585 


1,377 


1. 


Armbein 


64,000 


13,590 


50,410 


1,269 


2. 


» 


64,380 


13,250 


51,130 


1,259 


1. 


Vorarmbein 


48,820 


11,685 


37,135 


1,3146 


2. 


» 


47,750 


11,560 


36,190 


1,3190 


1. 


Schienbein 


32,630 


9,000 


23,630 


1,380 


2. 


» 


32,340 


9,265 


23,075 


1,400 




in Summa : 


407,985 




im Mittel 


L 1,384 



Nachdem dies geschehen, unterwarf man die Kinnladen- 
knochen, Schulterblätter, Armbeine, Vorarmellen- 
bogenbeine und Schienbeine von Lamm Nr. 2 der 
Abth. I und von Lamm Nr. 1 der Abth. II einer weiteren 
Untersuchung-. 



153 



Da ich den Wassergehalt und Fettgehalt eines jeden dieser 
Knochen im Ganzen (nicht in einzelnen Portionen davon) ermit- 
teln wollte, so war es nöthig* Jeden derselben so mechanisch zu 
zerlegen und zu zerkleinern, dass ein Verlust an Substanz dabei 
nicht vorkam. Mit recht gutem Erfolge glaube ich dies auf diese 
Art erreicht zu haben, dass ich jedesmal den betr. Knochen in 
einen Schraubstock einschraubte (aus der Kinnlade waren die 
Zähne vor der Untersuchung ausgebrochen:] und z. B. die Röh- 
renknochen scheibenweise vermittelst einer Handsäge zersägte 
(diese Kuochenscheibenschnitte hatten alsdann ganz das Aussehn 
von in Scheiben geschnittenen Kartoffeln, die getrocknet werden 
sollen) . Eine untergestellte grössere Porzellanschale fing das bei 
der allerdings recht mühsamen und zeitraubenden Manipulation 
entstehende Knochenpulver auf ; von der vorher aufs sorgfältigste 
gereinigten Säge ward das daran haftende Knochenfett mit Aether 
abgespritzt und das in den Sägezähnen festsitzende Knochen- 
pulver mit einem feineren Messer losgelöst und mit den anderen 
zersägten Knochenstückchen vereinigt. 

Diese dünnen Knochenscheiben und Stückchen wurden in 
wägbaren Porzellanschalen möglichst flach ausgebreitet und im 
Trockenschranke bei 110 ^/^ getrocknet, bis Gewichtsverlust nicht 
mehr stattfand. 

Aus den Schalen wurden die auf diese Weise ermittelten 
Knochentrockensubstanzen ohne Verlust in grössere Kochflaschen 
übergeführt : das beim Trocknen reichlich aus den Knochen aus- 
gelaufene und an den Schalenwandungen erhärtete Fett wurde 
mittelst Aether davon losgelöst und in die Flaschen nachge- 
spült. Die Knochensubstanzen wurden dann mit immer wieder 
erneuerten Portionen Aether bis zur vollständigen Entfettung 
behandelt, von den abfiitrirten, vereinigten Aetherextracten der 
Aether abdestillirt und der Rückstand als Knochen fett ge- 
trocknet und gewogen. 

Die also entfetteten Knochen Hessen sich leicht pulverisiren : 
aus getrockneten und gewogenen Portionen dieses pulverisirten 
.Knochenmehls, stellte man nach Vorschrift die Knochen- 
äschen durch Glühen im Platintiegel u. s. w. dar und be- 
stimmte ihr Gewicht. In besonderen nochmals schwach geglühten 



154 



und gewogenen Mengen dieser Asißhen wurde schliesslich der 
Gehalt derselben an Kalk. Magnesia, Phosphorsäure nach 
E. Wolffs Anleitung zur ehem. Untersuchung landw. Stoffe. 
Stuttgart 1867 S. 114 quantitativ ermittelt. 

Knochen der Lämmer. Abth. 1. 
ohne 

präcipitirten phosphors. Kalk im Futter 
Kinnlade Lamm 2. 

5 3,1 6 0 Grm. Substz. im natürl. Zustande 34,830 Grm. Trock. 

bei HOOG. 65,52 o/o 18,330 Grm. Wasser 34,48%. 
34,8 30 Grm. Trockens. 1,569 gr. Fett = 4,5%. 
5,54 7 Grm. fettfrei 5,7 9 7 Grm. fetthaltig berechneter Trockens. 

= 3,823 Grm Glührückstand = 65,95 o/^. 
2,7 67 Grm. Knochenasche = 2,341 Grm. kohlensauren Kalk 

= 1,311 Grm. CaO = 47,4% Kalk. 
0,183 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia = 0,177 Grm. 

Phosphorsäure und 0,066 Grm. Magnesia. 

2,38% Magnesia. 
1,521 Grm. pyrophosphors. Magnesia = 0,9734 Grm. 

Phosphorsäure = 1,0993 Grm. PO5 in Summa 

39,68% Phosphorsäure. 

Knochen der Lämmer. Abth. IL 
mit 

präcipit. phosphors. Kalk im Futter 
Kinnlade Lamm 1. 

5 9,3 2 5 Grm. Substz. im natürl. Zustande 37,746 Grm. Trocks. 

bei HOOG. 63,63 o/^ 21,579 Grm. Wasser = 36,37 o/q. 
3 7,7 4 6 Grm. Trockens. = 1,124 Grm. Fett = 2,975%. 
5,5 8 2 Grm. fettfrei = 5,7 4 8 Grm. fetthaltig ber. Trockens. 

== 3,817 Grm. Glührückstand = 66,60%. 
2,7 51 Grm. Knochenasche = 2,500 Grm. kohlensauren Kalk 

= 1,400 Grm. CaO = 50,90% Kalk. 



155 



0,0975 Grm. pyr. phosphors. Magnesia = 0,0624 Grm. PO5 und 

und 0,0351 Grm. MgO. 

1,27% Magnesia. 
1,695 Grm. pyrophosphors. Magnesia = 1,0848 Grm. PO5 

= 1,1472 Grm. PO5 in Summa = 41,73 o/^ PO5. 



vSchulterblatt Lamm 2. 

3 0,5 7 0 Grm. Substz. im natürl. Zustande 23,510 Grm. Trocks. 

76,906 7o und 7,060 Grm. Wasser 23,094 o/^. 
23,510 Gi-m. Trockens. 6,242 Grm. Fett = 26,55 o/^. 
5,0 9 6 Grm. fettfrei = 6,449 Grm. fetth. ber. Trockensubstanz 

2,994 Grm. Glührückstand = 46,40%- 
2,20 8 Grm. Knochenasche = 2,085 Grm. kohlensaurer Kalk 

= 1,1676 Grm. Kalk = 52,80 o/^ Kalk. 
0,060 Grm. pyrophosphors. Magnesia = 0,0384 Grm. PO5 und 

0,0216 Grm, MgO = 0,99% Magnesia. 
1,395 Grm. pyrophosphors. Magnesia = 0,8928 Grm. PO5 

= 0,9311 Grm, PO5 in Summa 

42,16% Phosphorsäure. 

Schulterblatt Lamm 1. 

3 5,14 0 Grm. Substz. im natürl. Zustande 26,890 Grm. Trocks. 

76,523 0/0 8,250 Grm. Wasser 23,477 o/^. 
26,8 90 Grm. Trockens. 6,319 Grm. Fett 23,50%. 
5,2 5 0 Grm. fettfrei = 6,484 Grm. fetth. ber. Trockens. 3,133 

Grm. Glührückstand = 48,30%. 
2,0 9 0 Grm. Knochenasche 1,926 Grm. kohlens. Kalk 1,07856 

Grm. CaO = 51,60% Kalk. 
0,060 Grm. pyrophosphors. Magnesia = 0,0384 Grm. PO5 und 

0,0216 Grm. MgO = 1,03% Magnesia. 
1,326 Grm. pyrophosphors. Magnesia = 0,8486 Grm. PO5 

= 0,8870 Grm. PO5 in Summa 

42,44 % Phosphorsäure. 



156 



Knochen der Lämmer. Abth. I. 
ohne 

präcipit. phosphorsauren Kalk im Futter. 
Armbein Lamm 2. 

6 0,8 7 0 Grm. Substanz im natürl. Zustande hinterliessen 48,197 

Grm. Trockens. bei llO^C. = 79,180 und verloren 12,673 

Grm. Wasser = 20,820%. 
48,19 7 Grm. Trockeusubtz. = 19,608 Grm. Fett = 40,68% 
5,663 Grm. fettfrei = 7,968 Grm. fetthaltig berechn. Trockens. 

= 3,500 Grm. Glührückstand 43,90 o/o- 
2,32 3 Grm. Knochenasche = 2,136 Grm. kohlensaurer Kalk 

= 1,196 Grm. CaO 51,48 o/o Kalk. 
0,069 Grm. pyrophosphors. Magnesia = 0,044 Grm. PO5 und 

0,0248 Grm. MgO = 1,08 o/^ Magnesia. 
1,521 Grm. pyrophosphors. MgO = 0,9734 Grm. PO5 = 1,017 

Grm. PO5 in Summa 43,80 o/^ Phosphorsäure. 

Knochen der Lämmer. Abth. IL 
mit 

präcipit. phosphorsauren Kalk im Futter. 
Armbein Lamm 1. 

64,00 0 Grm. Substanz im natürl. Zustande = 49,505 Grm. 

Trockens. = 11 ,^^2^^ und 14,495 Grm. Wasser = 22,648 o/^. 
4 9,5 0 5 Grm. Trockens. 18,301 Grm. Fett = 36,96 o/o. 
5,0 7 4 Grm. fettfrei = 6,946 Grm. fetthaltig berechn. Trockens. 

= 3,067 Grm. Glührückstand == 44,10 0/0. 
2,231 Grm. Knochenasche = 2,073 Grm. kohlensaurer Kalk 

= 1,161 Grm. CaO = 52,03 o/^ Kalk. 
0,084 Grm. pyrophosphors. MgO 0,054 Grm. PO5 und 0,030 

Grm. MgO = 1,34 0/0 Magnesia. 
1,4 4 9 Grm. pyrophosphors. MgO = 0,930 Grm. PO5 = 0,984 

Grm. PO5 in Summa == 44,10 O/^^. 



157 



Vorarmellenbogenbein Lamm 2. 

45,710 Grm. Substanz im natürl. Zustande = 39,497 Grm. 

Trockens. 86,40 o/o 6,213 Grm. Wasser 13,60 o/o- 
39,497 Grm. Trockens. 12,146 Grm. Fett 30,75 o/o- 
5,8 93 Grm. fettfrei = 7,705 Grm. fetth. ber. Trockens. 3,715 

Grm. Gltihrückstand = 48,21 o/^. 
2,563 Grm. Knochenasche = 2,268 Grm. kohlens. Kalk 1,270 

Grm. CaO = 49,55 o/, CaO. 
0,081 Grm. pyrophosphors. Magnesia == 0,052 Grm. PO5 und 

0,029 Grm. MgO = 1,136 o/^ Magnesia. 
1,560 Grm. pyrophosphors. Magnesia = 0,998 Grm. PO5 = 1,050 

Grm. PO5 in Summa 40,96 0/0 PO5. 

Vorarmellenbogenbein Lamm 1. 

4 8,8 20 Grm. Substanz im natürl. Zustande = 41,453 Grm. 

Trockens. 84,91 o/^ und 7,367 Grm. Wasser = 15,09 o/q. 
41,4 5 3 Trockeus. 12,400 Grm. Fett 29,913 o/q. 
5,4 80 Grm. fettfrei = 7,1 2 0 Grm. fetth. ber. Trockens, 3,386 

Grm. Glührückstand = 47,55 o/^^. 
2,3 54 Grm. Knochenasche 2,130 Grm. kohlens. Kalk 1,193 

Grm. CaO 50,70 0/0 CaO. 
0,078 Grm. pyrophosphors. MgO = 0,050 Grm. PO5 und 0,028 

Grm. MgO = 1,19 o/q Magnesia. 
1,458 Grm. pyrophosphors. MgO = 0,933 Grm. PO5 = 0,983 

Grm. PO5 in Summa = 41,76 0/0 PO5. 



Knochen der Lämmer. Abth. I. 
ohne 

präcipit. phosphorsauren Kalk im Futter. 
Schienbein Lamm 2. 

32,8 0 0 Grm. Substanz im natürl. Zustande 24,686 Trockens. 

= 75,270/0 8,114 Grm. Wasser 24,73 0/0. 
24,686 Grm. Trockensubstanz 7,150 Grm. Fett = 28,96o/o. 



158 



5,429 Grm. fettfreie Trockeiis. 7,001 Gm. fetth. ber. Troeks. 

3,434 Grm. GlührUckstand = 49,05%. 
2,416 Grm. Knochenasche = 2,128 Grm. kohlensaurer Kalk 

= 1,192 Grm. CaO 49,30% CaO. 
0,072 Grm. pyrophosphors. MgO = 0,046 Grm. PO5 und 0,026 

Grm. MgO = 1,067 o/^ MgO. 
1,443 Grm. pyrophosphors. MgO 0,923 Grm. PO5 0,9695 Grm. 

PO5 in Summa = 40,12% PO5. 

Knochen der Lämmer. Abth. IL 
mit 

präcipit. phosphorsauren Kalk im Futter. 
Schienbein Lamm 1. 

3 2,630 Grm. Substanz im fr. Zustande 24,693 Grm. Trockens. 

75,677% und 7,937 Grm. Wasser = 24,323%. 
24,6 9 3 Grm. Trockensubstanz 7,136 Grm. Fett = 28,89 0/0 
5,3 0 9 Grm. fettfrei 6,8 4 3 Grm. fetth. ber. Trockens. 3,358 

Grm. Glührückstand = 49,08%. 
2,2 8 9 Grm. Knochenasche 1,880 Grm. CO2 CaO = 1,053 Grm, 

CaO = 46,00% CaO. 
0,060 Grm. pyrophosphors. MgO = 0,038 Grm. PO5 und 0,022 

Grm. MgO = 0,952% MgO. 
1,422 Grm. pyrophosphors. MgO 0,909 Grm. PO5 == 0,947 Grm. 

PO5 in Summa 41,41 o/^ PO5. 



Diesen Analysen zufolge lassen sich die Lämmerknochen 
in tabellarischer Uebersicht ihrer Zusammensetzung nach, auf 
100 Trockensubstanz berechnet, wie folgt geben: 



159 



Knochen von Lämmern mit und ohne präcipitirten phosphorsauren Kalk 
gefüttert enthalten in 100 Theilen der Trockensubstanz. 



Tr- 1 j Schulter- ' , . 
Kinnlade ^ i Armbem 

blatt I 



ohne i mit i ohne mit 



ohne I mit 



Vorarm- 
ellenbogen- 
bein 



ohne 



mit 



Schienbein 
ohne I mit 



Organische 
Substanz 

Fett 
Knorpel- 
substanz 1) 
Mineralsubst. 
Phosphor- 
säure 
Magnesia 
Kalk 



34,05 
4,50 

29,55 
65,95 

26,2 
1,57 
31,3 



33,40 
2,97 

30,43 
66,60 

27,80 
0,85 
33,90 



53,60 
26,55 

27,05 
46,40 

19,60 
0,46 
24,50 



51,70 
23,50 

28,20 
48.30 



20,50 
0,50 
24,90 



56,10 
40,70 

15,40 
43,9 

19,3 
0,47 
22,6 



55,8 
36,9 

18,9 
44,2 



51,78 
30,75 

21,03 
48,21 



19,4 !19,7 
0,59! 0,55 
22,9 123,9 



52,44 jöO, 95 
29,91 !28,96 



22,53 
47,56 

19,9 
0,57 
24,1 



21,99 
49,05 

19,7 
0,52 
24,3 



50,92 
28,89 

22,03 
49,08 

20,3 
0,47 
22,6 



Die Knochenuntersuchung hat somit ergeben : dass das spec. 
Gewicht der Knochen der mit dem phosphorsam-en Kalkprä- 
parat gefütterten Thiere höher ist, als dasselbe der ohne Prä- 
parat gefütterten: im Dm'chschnitt sämmtlicher Bestimmungen 
beträgt 

d. sp. G\v. der Knochen d. mit Präparat gefütterten Thiere = 1,384 
d. sp. Gw. » » d. ohne » » » = 1,350. 

Die Lämmerknochen zeichnen sich durch ausserordentlich 
grossen Fett reichthum aus : niedrigster Gehalt davon in der 
Kinnlade 2,97% — 4,50%; höchster Gehalt davon im Armbein 
37,0 0/0 — 40,7% Fett. 

Die Röhrenknochen sind fettreicher, als die glatten Kno- 
chen. Armbein, Vorarmbein, Schienbein mit 29,0 o/(, — 40,7 o/^ 
Fett; Kinnlade, Schulterblatt mit 4,5 o/^^ — 26,5 o/^ Fett. 

Mit alleiniger Ausnahme der Schienbeinknochen, in denen 
der Fettgehalt der mit und ohne Phosphorsäure-Präparat gefüt- 
terten Thiere gleich ist, sind die Knochen der ohne Präparat 
gefütterten Lämmer fettreicher, als der Knochen der Lämmer, 
Vielehen das Präparat verabreicht wurde. 



1) Knorpelsubstanz, Rest der organischen Substanz nach Abzug von 
Fett. Organische S. = Trockens. — Minerals. 



160 



Es ist fettreicher die Kinnlade um 1,53 O/o, das Schulter- 
blatt um 3,0 % j das Armbein um 3,8%, das Vorarmbein um 
0,84 0/0. 

Das leichtere spec. Gewicht dieser fettreicheren Knochen 
dürfte damit gut übereinstimmen, denn die oben genannten fett- 
reicheren Knochen sind ohne Ausnahme specifisch leichter, als die 
fettärmeren Knochen. Der enorme Fettgehalt der Lämmerkno- 
chen ist mir sehr auffällig erschienen: denn es sind Mengen, 
wie sie nur bei Osteomalacie bisher beobachtet sind. Ist dieser 
Fettreichthum nun eine Eigenschaft der Knochen junger Thiere? 
Nach V. Bibra's Erfahrungen soll das Lebensalter keinen wesent- 
lichen Einfluss auf den Fettgehalt der Knochen habend). Oder 
ist diese Fettablagerung krankhafter Natur? Aus physiologischen 
Gründen würde dann die Proteinarmuth des Futters, also Mangel 
an Knochen- und Knorpelgewebsbildnern als veranlassende Ur- 
sache anzusehn sein. Der um 2,3% im Durchschnitt höhere 
Fettgehalt der Abth. I könnte mit dem geringem Futterverzehr 
dieser Abtheilung der Abth. II gegenüber in Beziehung gebracht 
werden. 

Mit Ausnahme der Kinnladenknochen sind die Lämmer- 
knochen reicher an organischer Substanz und ärmer 
an Mineralsalzen als Knochenanalysen von Schaf knochen 
sonst aufweisen. 

V. Bibra und Thomson fanden im Femur und Os ilium 
der Schafknochen 30 — 47% organische Substanzen, 54%— 70% 
Mineralsalze. 

Nur die Kinnladenknochen der Lämmer zeigen annähernde 
Verhältnisse — 34% organ. Subst. 67% Mineralsalze. 

Bei den übrigen Knochen betragen die organ. Substanzen 
51 % — 56 % ; die Mineralsalze dagegen nur 44 % — 49 « V Aus 
zahlreichen Menschenknochenanalysen hat man gefolgert, dass 
in der Jugend die Knochen weniger an organischen Bestandtheilen 
enthalten, als im Alter. Geht nun aus der Untersuchung der 
Thier- und Menschenknochen hervor, dass die Knochen der 
Thiere wie der Menschen eine sehr ähnliche Zusammensetzung 



1) Lehmanns Lehrbuch der physiolog. Chemie. Bd. III. S. 22. 



161 



besitzen, so dürfte sich aus dem Verhalten der organischen 
Substanzen zu den Mineralsalzen unserer Lämmerknochen das 
jugendliche Alter derselben wohl charakterisiren. Da die 
Lämmerknochen im Vergleich mit den weiter oben angeführten 
Schafknochenanalysen ärmer an Mineralsalzen überhaupt, so sind 
sie auch ärmer an phosphorsauren Kalksalzen, wiederum 
mit Ausnahme der Kinnlade. 

V. Bibra fand in den Schaf knochen 21% — 26% Phos- 
phorsäure und 25%— 30% Kalk. Ganz damit überein stimmt der 
Gehalt der Kinnlade an Phosphorsäure und Kalk : für die übrigen 
Knochen beträgt der Gehalt an Phosphorsäure nur 19% — 20, 5^0 
und an Kalk nur 22,6% — 24,9%. 

Ein Unterschied aber in der Zusammensetzung der mit 
und ohne Phosphorsäurepräparat gefütterten Lämmer und ihrer 
Knochen beziehendlich des Gehaltes derselben an Phosphorsäure 
und Kalk lässt sich nicht nachweisen. Der Phosphor- 
säuregehalt der Knochen der m i t Präparat gefütterten Läm- 
mer beziffert sich allerdings durchweg etwas höher, als der- 
selbe der ohne Präparat gehaltenen Thiere, allein diese Diffe- 
renzen sind durchgängig so niedrig fl,6% 0,94%, 0,18 7o 
0,20%, 0,60%), dass es mehr als bedenklich erscheint, darauf 
ein besonderes Gewicht zu legen, schon deshalb, weil der 
Kalkgehalt der verschiedenen Knochen in gleich geringen 
Mengen differirt, der geringere Gehalt daran aber» nicht ein- 
mal consequent auf die Seite der ohne Präparat gefütterten 
Thiere zu liegen kommt. 

An diesen Resultaten der Knochenanalysen wird nichts ge- 
ändert, wenn wir die Knochen in ihrer natürlichen Zusammen- 
setzung, also inclusive ihres natürlichen Wassergehaltes berechnen, 
wie in folgender Tabelle geschehen ist: 



Landw. Versuchs-Stat. XVI. 187ö. 



11 



162 



Knochen von Lämmern mit und ohne präcipit. phosphors. Kalk gefüttert 
auf 100 Theile ihrer natürlichen Zusammensetzung berechnet. 



Kinnlade 



ohne 



mit 



Schulter- 
blatt 

ohne mit 



Armbein 
ohne I mit 



Vorarm- 

ellenbogen- } Schienbein 
bein | 

ohne mit ohne I mit 



Wasser 

Fett 
Knorpel 
Mineral- 
salze 
Phosphor- 
säure 
Magnesia 
Kalk 



34,50 
2,95 
19,35 

43,20 

17,14 
1,03 
20,48 



36,40 
1,89 
19,36 

42,35 

17,69 
0,54 



23,10 
20,42 
20,80 

35,68 

15,04 
0,35 



21,60 18,84 



23,50 
17,98 
21,57 

36,95 

15,68 
0,38 
19,05 



20,80 
32,23 
12,20 

34,77 

15,26 
0,38 
17,93 



22,65 
28,54 
14,70 

34,11 

15,03 
0,46 
17,74 



I 



13,60 
26,60 
18,15 

41,65 

17,06 
0,47 
20,64 



15,10 
25,40 
19,10 

40,40 

16,87 
0,48 
20,48 



24,70 
21,81 
16,56 

36,93 

14,81 
0,39 
18,28 



24,30 
2i,8S 
16,67 

37,15 

15,38 
0,36 
11, W 



Stark's Angabe ^j, dass die platten Knochen mehr Wasser 
als die cylindrischen enthalten, trifft zu für die Kinnladenknochen 
unserer Lämmer und beziehungsweise auch für das Schulterblatt, 
dem Armbeine und Vorarmbeine gegenüber : nicht so im Vergleich 
mit dem Schienbeine, das wasserreicher als das Schulterblatt ist. 

Der Wassergehalt der Knochen der mit Phosphorsäure- 
präparat gefütterten Thiere der Abth. II ist, die Schienbein- 
knochen ausgenommen, etwas grösser, als in den Knochen der 
Abth. I; umgekehrt der Fettgehalt, wiederum mit Ausnahme der 
Schienbeinknochen, in jener Abtheilung kleiner, als in dieser. 
Der Gehalt an Minerals alzen, resp. PO5 und CaO, schwankt 
herüber und hinüber, so dass durchschnittlich der Gehalt daran 
in beiden Abtheilungen gleichzusetzen ist. 

Dies wird ganz übersichtlich, wenn man (da die absoluten 
Gewichte der Lämmerknochen im frischen Zustande nach Gram- 
men bekannt sind und in Summa in der Abth. I 464,660 Grm., 
in der Abth. II 467,985 Grm. betragen), zunächst den für jede 
Knochenart: Kinnlade, Schulterblatt u. s. w. ermittelten pro- 
centischen Gehalt an Wasser, Fett, Mineralsalze u. s. w. nach 
Grammen berechnet. Durch Addition der in den verschiedenen 
Knochen enthaltenen nach Grammen berechneten Wassermengen, 
dann der Fettmengen u. s. w. und durch Zusammenstellung 



1) Lehmann, Lehrbuch der physiol. Chemie. Bd. III. S. 21. 



163 



dieser Posten, ergiebt sich die Zusammensetzung der gesammten 
Knochenmasse in Grammen. 

Das Gewicht sämmtlicher gewogener Lämmerknochen betrug 
nach Grammen in Summa: 

in der Abth. I. ohne präc. phosphors. Kalk im Futter 
464,660 Grm. 

darin sind enthalten 179,070 » Mineralsubstanz 

97,406 .) Fett 

109,104 .) Wasser 

79,U80 » Knorpelsubstanz 

464,660 » 74,254 Grm. Phosphorsäure 

93,872 » Kalk 

in Abth. II. mit präc. phosphors. Kalk im Futter 
467,985 Grm. 

darin 179,060 » Mineralsubstanz 

88,641 » Fett 

115,870 » Wasser 

84,414 » Knorpelsubstanz > 

467,985 75,400 Grm. PO5 

90,500 )) CaO. 

Diese Zusammenstellung zeigt auf den ersten Blick, dass 
das absolute Gewicht der von Abth. II gelieferten Knochenraasse 
3,325 Grm. mehr beträgt, als in Abth. I; ein weiterer Blick 
zeigt aber auch sofort, dass dieses Plus nicht durch tiberwie- 
gende Anhäufung von Mineralsalzen in diesen Knochen, etwa 
durch beigefüttertes Phosphorsäurepräparat, hervorgerufen ist; 
denn der Gehalt der gesammten Knochenmasse an Mineralsal- 
zen ist in beiden Abtheilungen ganz gleich. 

An Fett ist die Knochenmasse der Abth. I um 8,765 Grm. 
reicher, als die Knochen der Abth. II. Diese aber wieder au 
Wasser und Knorpelsubstanz um 12,100 Grm. reicher, 
als Jene: Letztere Bestandtheile sind es also, welche in der 
Abth. II um 3,325 Grm. vorwiegend bleiben und das Ueber- 
gewicht bei der Wägung am Schlachttage bedingten. — 

Somit hat denn nach den Ergebnissen des Versuchs die 

11 * 



164 



Beigabe von Phosphaten zum Futter weder die Fleischbildung be- 
fördert, noch die Knochenbildung in irgend bemerkbarer Weise 
unterstützt. Der phosphorsaure Kalk hat einen Nähr- 
effect an sich nicht gezeigt: der Versuch hat nur be- 
stätigt, was Haubneri) bereits in seiner »Gesundheitspflege« etc. 
über den phosphorsauren Kalk gesagt : dass in Bezug auf Kno- 
chen- und Fleischbildung überall die organischen (eiweissartigen) 
Nährstoffe die Hauptsache, und eine Beigabe von phosphorsaurem 
Kalke nur dann von Erfolg, wenn der Organismus daran Man- 
gel hat. 

Wäre die mächtige Fettbildung in unsern Lämmerknochen 
in der That als eine krankhafte Erscheinung zu deuten, so würde 
hiernach in erster Instanz Mangel an Protein im Futter daran 
Schuld tragen, indem es an Knochengewebsbildnern zur Ausbil- 
dung von Knochengewebe fehlte, in denen sich die Knochen- 
erden ablagern konnten. 

Von hohem Interesse würde es sein, durch weitere Versuche 
wieder mit Lämmern, aber bei proteinreichem Futter mit und 
ohne Zugabe von Phosphaten diese Frage weiter zu erörtern. 
Der Versuch müsste aber, um entscheidend zu sein, auf eine 
recht lange Zeitdauer ausgedehnt und die Gabe von präcip. 
phosphorsaurem Kalk, die man vielleicht noch etwas erhöhen 
könnte, consequent auf die Dauer des Versuches der einen Ab- 
theilung verabreicht werden, während die andre Abtheilung das 
gleiche proteinreiche Futter, aber ohne Zusatz von Phosphaten 
bekäme. 

Anhang znm Versnch, 

die Verdaulichkeit des präcip. phosphorsauren Kalkes bei 

Lämmern betreffend. 

Im Laufe des Versuches erschien es wünschenswerth, einige 
Untersuchungen über die Verdaulichkeit der Phosphorsäure und 
des Kalkes des Futters, sowie des beigefütterten präcip. phos- 



1) Haubner, die Gesundheitspflege der landwirthsch. Haussäugethiere, 
3. Aufl. 1872. S. 201. 



165 



phorsauren Kalkes anzustellen. Zu Ende des IL Versuclisab- 
schnittes, vom 1. — 10. August, zu welcher Zeit Abtheilung I pro 
Tag 6 Grm. präcip. phosphors. Kalk neben Kartoffeln und 
Heu; Abth. II dagegen nur Kartoffeln und Heu und kein Prä- 
parat erhielt, wurden in beiden Abtheilungen (jede getrennt für 
sich) , der von den Lämmern entleerte Darmkoth durch Anlegen 
von Excrementbeuteln gesammelt. Die innerhalb 24 Stunden 
entleerten Excremente jeder Abtheilung sammelte man in je einem 
der Abth. I wie der Abth. II zugetheilten durch Deckel gut 
verschliessbaren tarirten Zinkeimer : nach Verlauf eines jeden 
Versuchstages wurden diese mit ihrem Inhalte gewogen und so 
das Gewicht der von den Durchschnittsthieren jeder Abtheilung 
täglich entleerten Kothmenge in ihrem natürlichen Zustande be- 
stimmt. 

Diese täglichen Ausscheidungsproducte jeder Abtheilung wur- 
den dann wiederum, getrennt von einander, im eisernen Mörser 
zusammengestampft und Durchschnittsproben zur Bestimmung des 
Trockensubstanzgehaltes des Kothes bei 110^ C. und seines 
Wassergehaltes entnommen . 

Bei 110 C. völlig ausgetrocknete und gewogene Kothmen- 
gen dienten zu Aschenbestimmungen : in besonderen schwach- 
geglühten und gewogenen Aschenmengen ermittelte man den 
Gehalt an Phosphor säure und Kalk. 

Die im Darmkoth analytisch gefundenen und auf die pro 
Tag ausgegebenen Kothraengen berechneten Phosphorsäure- und 
Kalkmengen repräsentiren den unverdaut gebliebenen Antheil 
des im Futter aufgenommenen phosphorsauren Kalkes. Unter- 
stellt man diese den mit dem Futter aufgenommenen, so ergiebt 
die Differenz zwischen der Aufnahme und Ausgabe den von der 
Phosphorsäure und dem Kalke des Futters verdauten Antheil. 

Bei Abth. II kann in diesem Falle der verdaute Antheil 
nur der Phosphorsäure und dem Kalke des Heus und der Kar- 
toffeln entstammen; in der Abth. I dagegen enthält er gleich- 
zeitig noch den verdauten Theil des beigefütterten präcipit. phos- 
phorsauren Kalkes. 

Das Plus an verdauter Phosphorsäure und Kalk, welches 
sich in dieser Abth. I gegenüber der Abth. II ergiebt, wird be- 



166 



zogen auf die im präcipit. phosphorsauren Kalke verdaulich 
gewordenen Mengen an Phosphorsäure und Kalk: da man aber 
die mit dem Präparat aufgenommenen Mengen kennt, so lässt 
sich darnach berechnen, wie viel von der Phosphorsäure und 
dem Kalke des beigefütterten Präparates verdaut ist. 

Unter den obwaltenden Verhältnissen, war es meines Er- 
achtens, wenn überhaupt eine Untersuchung stattfinden sollte, 
nicht gut möglich, anders dabei zu verfahren. Das sehr Be- 
denkliche des Verfahrens leuchtet aber auch mir ein: bei aller 
angewandten Vorsicht und Umsicht bei der Untersuchung selbst, 
beim Füttern, Aufsammeln des Kothes u. s. w. müssen wir doch 
bei der Berechnung für die Verdaulichkeit der beigefütterten 
Phosphate von der Voraussetzung ausgehen, dass beide Abthei- 
lungen die Phosphorsäure und den Kalk des Heus und der Kar- 
toffeln absolut gleich verdauen und der beigefütterte phosphor- 
saure Kalk ohne jeglichen Einfluss auf die Verdaulichkeit der 
Phosphate des Futters bleibt. Das ist nun eine Annahme, die 
schon bei ein und demselben Individuum, in der Hintereinander- 
folge ohne und dann m i t Phosphaten gefüttert, etwas Bedenk- 
liches hat, was sich aber auch hier nicht umgehen lässt; diese 
Annahme aber übertragen auf mehrere Individuen zugleich wird 
um so mehr bedenklich, da diese insgesammt ein verschiedenes 
Verdauungsvermögen besitzen können. Möglich wird sie nur etwa 
dadurch, dass allerdings nachgewiesenermassen die verdauende 
Kraft der Wiederkäuer unter sich nicht sehr verschieden ist : die 
Nährstoffe der Rauh futterarten werden z. B. von Wiederkäuern 
verschiedener Gattung gleichmässiger verdaut, als man erwarten 
sollte. 

Die Unsicherheiten, welche die Untersuchung in nicht zu 
umgehender Weise mit sich bringt, habe ich dadurch einiger- 
massen wenigstens auszugleichen gesucht, dass ich im Monat 
October nochmals, ganz genau in gleicher Weise wie im August, 
die Untersuchung durchführte. Hier waltete nur der eine Unter- 
schied vor, dass jetzt Abth. II Phosphate beigefüttert erhielt 
und Abth. I nicht; dieser Umstand schien mir ganz günstig: 
weil die möglicher Weise sehr weit auseinandergehenden Ergeb- 
nisse beiderlei Untersuchungen über die Verdaulichkeit des Prä- 



167 



parates (abhängig gedacht von dem verschiedenen Verdaiuings- 
vermögen der Thiere beider Abtheilungen) schliesslich mit ein- 
ander verglichen doch vielleicht zu einem, wenn auch nur ganz 
allgemein zufassenden Resultate über die Verdaulichkeit des phos- 
phorsauren Kalkes bei Lämmern führen konnte : zu etwas Wei- 
terem berechtigt die Untersuchung nicht. 

Abth. I der Lämmer mit täglich 6,000 Gramm präc. phos- 
phorsaurem Kalk im Futter lieferte im Monat August durch- 
schnittlich täglich 4,62 Pfd. Darmkoth^). Der Koth reagirte 
sauer, enthielt viel Stärkemehl, war sonst normal geformt. Dar- 
in waren 



1) Die an Versuchstagen aufgefangenen und gesammelten Kothmengen 
betrugen nach Pfunden : 



,/8. 5,44 Pfd. 2./^. 4,27 Pfd. 3./g. 4^00 Pfd. 4./^. 5,28 Pfd. 



ä./g. 4,77 



l/g. 4,00 » Darmkoth = 4,62 Pfd. im Durchschnitt. 



Wassergehalt und Trockensubstanzen im Darmkoth. 
Koth im natürl. Trocken- 



Zustande 
Grm. 

19,863 

16,930 

4,758 

17,482 

9,201 

17,498 

11,563 

Mineralsubstanzen im 

Koth 



8- 



Substanz 
Grm. 

5,025 

4,598 

1,463 

5,650 

3,213 

6,023 

3,933 

1,924 
1,600 
1,532 



Wasser 

Grm. 
14,838 
12,332 

3,295 
11,832 

5,988 
11,475 

7,630 

0,184 Minerals. 
0,142 » 
0,145 » 



74,701 o/o 
72,841 » 
69,251 » 
67,681 » 
65,080 » 
65,580 )) 
66,000 » 

9,563 » 
8,875 » 
9,464 » 



in ^ 

U Sl 

GC »'^ 



o o 



g C5 ^ Ii 



4,22 5 Grm. sandfreie Excrementasche*) 0,160 Grm. PO5 Fe2 O3 = 0,075 

Grm. Phosphorsäure 
1,4025 Grm. kohlensauren Kalk: 0,785 Grm. Kalk 18,580/oKalk 
0,900 M pyrophosphors. Magnesia 0,576 Grm. Phosphorsäure 
= 0,651 » Phosphorsäure in Summa = 15,406% PO5. 

*) Die Excrementaschen sind durch Schmelzen mit CO2 NaO und CO2 
KO aufgeschlossen ; im übrigen würde die Analyse ganz wie bei der Analyse 
der Heu- und Kartoffelaschen angegeben ausgeführt. 



V 



168 



31,15% Trockensubstanz 
68,85 » Wasser 



100,00 

100 Theile des Kotlies im natürlichen Zustande enthielten 2,91 
Theil Mineralsalze : darin 0,541% CaO und 0,448% PO5. 4,62 
Pfd. Koth = 2310 Gramm, enthalten hiernach 67,250 Grm. 
Mineralsalze und darin sind enthalten 

10,350 Grm. Phosphorsäure 12,500 Grm. Kalk 
Abtheilung II der Lämmer ohne präc. phosphors. Kalk im 
Futter lieferte im Monat August täglich durchschnittlich 6,52 
Pfd. Darmkoth i) . Der Koth reagirte sauer, enthielt viel Stärke- 
mehl, zeigte ausserdem nichts Auffälliges. Darin waren 



1) Die an den Versuchstagen gesammelten Darmkothmengen betragen 
pro Tag nach Pfunden : 

ö./g. 5,60 Pfd. 6./g. 6,92Pfd. ^./g. 6,56Pfd. B./^. 6,64 Pfd. ^./g. 6,40Pfd. w/^. 
7,00 Pfd. im Durchschnitt pro Tag = 6,52 Pfd. 

Wasser, Trockensubstanzgehalt im Darmkoth. 
Koth im natürl. Trocken- 



Zustande Substanz 
Grm. Grm. 

14,720 4,145 

13,120 4,127 

9,230 2,873 

19,643 5,273 

16,730 4,486 

11,428 3,118 

19,130 5,4ü5 

Mineralsubstz. im Koth 1,349 

1,587 



78 



Wasser 

Grm. 

10,575 
8,993 
6,357 

14,370 

12,860 
8,310 

13.725 



7 1,840 o/o 

68,540 » 

68,873 » 

73,156 » 

73,171 )) 

72,716 » 

71,745 » 



c3 ü ^ 

-r t- « 
SS 



0,119 Minerals."*" 
0,137 



Mittel 
Minerals. 



2,936 0,256 » 8,72 » 

2,3 9 5 Grm. sandfreie Excrementasche 0,088 Grm. phosphors. Eisenoxyd 

= 0,041 Grm. Phosphorsäure 
0,618 Grm. kohlensauren Kalk = 0,346 Grm. Kalk = 14,4500/o 

Kalk 

0,4770 Grm. pyrophosphors. Magnesia = 0,305 Grm. Phosphor- 
= 0,347 Grm. PO5 in Summa = 14,480% Phosphorsäure 



169 



28,57 Trockensubstanz 
71,43 » Wasser 
100,00 

100 Theile des Rothes in seiner natürlichen Beschaffenheit ent- 
hielten 2,49 Theile Mineralsalze, darin 0,360% Kalk und 
0,370% Phosphorsäure. 6,520 Pfd. Koth = 3260 Grm. ent- 
halten 84,000 Grm. Mineralsalze: darin sind enthalten 
12,050 Grm. Phosphorsäure, 11,750 Grm. Kalk. 
Abtheilung I der Lämmer ohne präcip. phosphors. Kalk 
im Futter producirte im Monat October durchschnittlich pro Tag 
5,400 Pfd. Darmkoth^): von saurer Eeaction, mit viel Stärke, 
sonst normal geformt. Darin waren 

30,60% Trockensubstanz 
69,40 o/o Wasser 
100,00 



1) Die an den Versuchstagen gesammelten Darmkothmengen betragen 
pro Tag nach Pfunden : 

4./10. 5,655 Pfd. 5./jQ. 6,150 Pfd. e./io- 5,655 Pfd. i.j^Q. 4,155 Pfd. im Durch- 
schnitt = 5,400 Pfd. 

Wasser- und Trockensubstanzgehalt im Darmkoth. 
Trocken- 



Koth im natürl. 

Zustande Substanz 
Grm. Grm. 

5. /10. 21,620 5,915 

29,572 9,090 
16,188 4,967 

6. /10. 16,170 4,899 

24,425 8,070 
13,990 4,405 
Mineralsubstz. im Koth 2,744 

2,506 



"Wasser 

Grm. 
15,705 
20,482 
11,221 
11,271 
16,355 
9,585 



72,6410/0 
69,260 )) 
69,316 )) 
69,703 « 
66,960 >> 
68,513 » 



CÖ O N 



CO 



0,286 Minerals. 10,422 » 



} Mittel 
10,5670/0 
Minerals. 



,0 94 Grm. sandfreie Excrementasche = 0,104 Grm. phosphors. Eisenoxyd 

= 0,049 Grm. Phosphorsäure 
0,399 Grm. kohlensaurer Kalk = 0,2235 Grm. Kalk = 10,670/oKalk 
0,240 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia = 0,1536 Grm. Phosphor- 
säure = 0,2026 Grm. Phosphorsäure in Summa 
9,69 O/o Phosphorsäure 
9,64 » durch Uran bestimmt 



9,665 o/o Phosphorsäure im Mittel 



170 



100 Theile Koth im natürlichen Zustande enthielten = 3,23% 
Mineralsubstanzen: darin = 0,345% Kalk und 0,310% Phos- 
phorsäure. 5,400 Pfd. Koth = 2700 Grm. enthalten = 87,000 
Grm. Mineralsubstanz darin 

8,350 Grm. Phosphorsäure, 9,300 Grm. Kalk. 
Abtheilung II der Lämmer mit tägl. 9,000 Grm. präcip. 
phosphors. Kalk im Futter producirte im Monat October durch- 
schnittl. pro Tag = 6,216 Pfd. Darmkoth^). Reaction sauer. 
Viel Stärke darin ; sonst normal. Darin 

28,33% Trockensubstanz 
71,67% Wasser 
100,00 

100 Theile Koth im natürlichen Zustande enthalten 2,67 Theile 
Mineralsubstanzen, darin = 0,350 Theile Kalk 0,390 Theile 



1) Die an den Versuchstagen gesammelten Darmkothmengen betragen 
nach Pfunden pro Tag 

12./10. 4,155 Pfd. i^./iQ. 5,145 Pfd. ^Vio- 7, 395 Pfd. 7,770 Pfd. im 

Durchschnitt = 6,216 Pfd. Darmkoth. 



Wasser- und Trockensubstanzgehalt im Koth. 



Koth im natürl. 


Trocken- 


Wasser 




Zustande 


substanz 




Grm. 


Grm. 


Grm. 




31,530 


6,987 


24,543 


77,8-100/0 ^ 


32,180 


10,457 


21,723 


67,504 » 


16,730 


5,450 


11,280 


67,423 )) 


13,312 


3,642 


9,670 


72,641 » ( 


16,250 


4,515 


11,730 


72,215 » 


13,800 


3,808 


9,992 


72,406 » , 


leralsubstz. im Koth 


4,554 


0,429 Minerals. 


9,418 » 1 




2,820 


0,265 


9,397 .. J- 



00 O 

Ä u 2 

^ CS 

Mittel 



2,2 22 Grm. sandfreie Excrementasche = 0,078 Grm. phosphor. Eisenoxyd 

= 0,037 Grm. Phosphorsäure 
0,518 Grm. kohlensauren Kalk = 0,290 Grm. Kalk = 13,070/o Kalk 
0,416 Grm. pyrophosphorsaure Magnesia = 0,266 Grm. Phosphor- 
säure = 0,303 Grm. Phosphorsäure in Summa 

13,6360/o 

15,430 » durch Uran bestimmte 



14,5330/0 Phosphorsäure im Mittel 



171 



Phosphorsäure. 6,216 Pfd. Koth = 1308 Grm. enthalten 83,000 
Grm. Mineralsubstanz mit 

11,100 Grm. Phosphorsäure, 10,850 Grm. Kalk. 
Die täglich im Futter enthaltenen Mengen an PO- und CaO sind 
bereits aus der Berechnung des II. und IV. Versuchsabschnittes 



bekannt: sie betragen 

im Monat August in Grammen: 

Grm. Grm. 

in d. Abth. I mit Phosphaten ge- 
füttert == 18,820 Phosphorsäure u. 23,852 Kalk 

in d. Abth. II ohne Phosphate ge- 
füttert = 16,250 » » 21,782 » 

im Monat October in Grammen. 

in d. Abth. II ohne Phosphate ge- 
füttert , • . • =14,142 Phosphorsäure u. 11,717 » 

in d. Abth. II mit Phosphaten ge- 
füttert = 18,620 » » 15,854 .. 



Somit gelangen wir zu folgender Aufstellung der Aufnahme an 
PO5 und CaO durch das Futter, der Ausgabe derselben Stoffe 
durch den Darmkoth und der Differenz aus beiden, gleichbe- 
deutend mit dem, was an PO5 und CaO bei Zusatz und ohne 
Zusatz des phosphorsauren Präparates verdaut wurde. 

im August 
Abth. II ohne Phosphate gefüttert, 
im Futter aufgenommen: 16,250 Grm. Phosphorsäure 21,782 Grm. Kalk 
durch den Darmkoth aus- 
gegeben = 12,050 » » 11,750 » » 

Differenz = verdaut . . 4,200 » » 10,032 » » 

Abth. I mit Phosphaten gefüttert 
im Futter aufgenommen: 18,820 Grm. Phosphorsäure 23,852 Grm. CaO 
durch den Darmkoth aus- 
gegeben = 10,350 » » 12,500 » » 

Differenz = verdaut . . 8,470 » » 11,352 » » 

im October 

Abth. I ohne Phosphate gefüttert 
im Futter aufgenommen: 14,142 Grm. Phosphorsäure 11,717 Grm. Kalk 
durch den Darmkoth aus- 
gegeben = 8,350 » » 9,300 » » 

Differenz = verdaut . . 5,792 » » 2,417 » » 



172 



Abth. II mit Phosphaten gefüttert 
im Futter aufgenommen: .... 18,620 Grm. PO5 15,854 CaO. 
durch den Darmkoth ausgegeben 11,100 » » 10,850 « 

Differenz = verdaut 7,520 » » 5,004 » ätflä 

Aus dieser Aufstellung ergiebt sich schon ohne besonder? 
Betonung der Zahlen werthe, dass die Thiere, welche mit Phos-i 
phaten gefüttert wurden, stets mehr an Phosphorsäure und Kalk 
verdauten, als die ohne Phosphate gefütterten Lämmer, woraus 
zu folgern, dass der präcip. phosphors. Kalk verdauliche 

Aus der Dififerenzberechnung der verdauten Mengen an 
PO5 und CaO der mit und ohne Präparat gefütterten Thiere, 
ergiebt sich nun weiter wie viel mehr nach Grammen von 
den mit Präparat gefütterten Thieren an PO5 und CaO verdaut 
wurde, und dieses Plus bezogen auf die durch das verfütterte 
Präparat tägl. aufgenommenen Mengen an PO5 und CaO, 
6,000 Grm. Präparat enthalten 2,530 Grm. PO5 u. 2,010 Grm. CaO 
9,000 » . )) « 3,695 » » )) 3,003 » « 

machen alsdann ersichtlich, wie viel von der Phosphorsäure und 
dem Kalke des Präparates verdaulich wurde. 

Die mit Phosphaten gefütter- 
ten Thiere verdauten im 

August 8,470 Grm. Phosphorsäure u. 11,352 Grm. CaO 

Die ohne Phosphate gefüt- 
terten Thiere verdauten 





» 


» 10,032 » 


die mit Phosphaten gefütter- 






ten Thiere verdauten mehr 4,270 » 




« 1,320 >) Kalk 


50,40/0 




11,6240/0 


Die mit Phosphaten gefütter- 






ten Thiere verdauten im 








» 


» 5,004 » Kalk 


die ohne Phosphate gefütter- 






ten Thiere verdauten im 






October 5,792 » 


» 


» 2,417 » » 


die mit Phosphaten gefütter- 






ten Thiere verdauten mehr 1,728 » 


u 


)) 2,587 » » 


23,00/0 




51,7 0/0. 


Die mit Phosphaten gefütterten Lämmer 


verdauten sonach 


von der Phosphorsäure des Futters 


inclusive der PO5 des Prä- 



173 



parates 23,0 — 50,4% mehr und vom Kalke des Futters inclu- 
sive des Kalkes des Präparates 11,6—51,7% mehr, als die 
Lämmer ohne Präparat gefüttert. Es stellen sich nun diese 
mehr verdauten Mengen an PO5 und CaO 4,270 Grm. PO5 und 
1.728 Grm. PO5, 1,320 Grm. Kalk und 2,587 Grm. Kalk zu 
den Phosphorsäuren und Kalkmengen in 6 Grm. und 9 Grm. 
des Präparates wie folgt: 

'Im August täglich mehr verdaut an 

Phosphorsäure 4,270 Grm. an Kalk = 1,320 Grm. 

In 6,000 Grm. des präc. PO5 ^CslO sind 

enthalten 2,530 » » » = 2,010 » 

Es ist demnach mehr an PO5 verdaut 

als im Präparat enthalten 1,740 » 

weniger an Kalk verdaut als im Prä- 
parat enthalten 0,690 » 

? Im October täglich mehr verdaut an 

Phosphorsäure 1,728 » » » = 2,587 » 

In 9,000 Grm. des präc. PO3 sCaO sind 

enthalten 3,695 » » » = 3,003 » 

Es ist demnach '.v e n i g e r an PO5 ver- 
daut als im Präparat enthalten .... 1,967 » 

"weniger an Kalk verdaut als im Prä- 



parat enthalten 0,416 » 

Das Resultat der Rechnung lautet: bei tägl. 6,000 Grm. 
präcipit. phosphorsaurem Kalk im Futter, wurde von Lämmern 
die Phosphorsäure des Präparates vollständig verdaut und auch 
noch 10,6 7o der in dem Heu und den Kartoffeln enthaltenen 
Phosphorsäure. Vom Kalk des Präparates wurden aber nur 
65,6 V 0 verdaut und 34,4% blieben unverdaut. . 

Bei einer Mehrgabe des Präparates von 3,000 Grm. , also 
tägl. 9,000 Grm., wird die Phosphorsäure des Präparates nur 
noch rund zur Hälfte verdaut (zu 47,00%), die andere Hälfte 
.(=53,0%) bleibt unverdaut. Dagegen steigt bei dieser Mehr- 
gabe des Präparates die Verdaulichkeit des Kalkes im Präparat 
noch um 20,6%; denn es werden jetzt verdaut 86,2% gegen 
65,6% und nur 13,80% bleiben unverdaut. 



174 



Man kann nun auch noch, wie ich bereits vorausgeschickt, 
die Ergebnisse der Versuche im August und October in der Weise 
vereinigen, dass man aus den Mengen der Phosphorsäure und 
des Kalkes, welche die Thiere ohne Präparat gefüttert im 
Monat August und October verdauten, die Mittelwerthe zieht, als- 
dann dieselbe Berechnung bei den mit Phosphaten gefütterten 
Thieren anstellt: es folgt die in dieser Weise ausgeführte Be- 
rechnung : 

Von den Thieren mit Präparat gefüt- 
tert durchschnittl. tägl. im August 

und October verdaut = 7,995 Grm. PO5U. 8,178 Grm.CaO 

Von den Thieren ohne Präparat gefüt- 
tert durchschnittl. tägl. im August 

und October verdaut = 4,996 Grm. PO5U. 6,224 Grm. CaO 

Von den Thieren mit Präparat gefüt- 
tert durchschnittl. tägl. im August 

und October mehr verdaut . . . . = 2,999 » » » 1,954 » ); 

Durchschnittlich haben somit die mit präcip. phosph. Kalk 
gefütterten Thiere 37,5% Phosphorsäure und 23,80% Kalk 
mehr verdaut, als die Thiere ohne Präparat gefüttert: dieses 
Plus in Grammen ausgedrückt aber bezogen auf die in 6 und 
9 Grm. präcip. phosphors. Kalk durchschnittlich enthalteneu Phos- 
pho rsäure und Kalkmenge, = 3,112 Grm. PO5 und 2,520 Grm. 
Kalk, würde eine beinahe volle Verdaulichkeit der Phosphor- 
säure des Präparates aufweisen, den Kalk des Präparates aber 
zu ^4 verdaulich erscheinen lassen ; denn die Phosphorsäure des 
Präparates wird zu 96,2% verdaut, nur 3.6% bleiben unver- 
daut: während der Kalk zu 77,5%, verdaut wird und 22,5% 
unverdaulich sind. 

Auf Grund dieser Untersuchung kann man im Allgemeinen 
die Verdaulichkeit des präcip. phosphorsauren Kalkes bei Läm- 
mern als erwiesen ansehen. Die Höhe seiner Verdaulichkeit im 
Besondern durch Zahlen präcisiren zu wollen, dürfte bedenklich 
bleiben, so lange nicht durch weitere Versuche mit Lämmern 
die durch vorliegende Versuche ermittelte auffallend hohe Ver- 
daulichkeit des Präparates weitere Bestätigung gefunden. 



Ueber die Verdaulichkeit des Superphosphates 
bei zweijährigen Hammeln sind im Monat Juni und Juli 



175 



1870 mit zwei zweijährigen Hammeln, als Durchschnittsthiere 
170 Pfd. schwer, Untersuchungen angestellt: es möge mir ge- 
stattet sein, sogleich im Anschluss an die Lämmerversuche hier- 
über zu berichten. 

Beide Thiere hatten von Januar bis Mai desselben Jahres 
mit zwei anderen Hammeln, die Ende Mai geschlachtet wurden, 
zu Fütterungsversuchen gedient, in denen ausschliesslich Wie- 
senheu und Kleeheu mit abwechselndem Zusatz von Oel verfüt- 
tert worden war. 

Vom 1. Juni ab erhielten beide Thiere als tägliches Futter 
3,00 Pfd. Heu und 6,00 Pfd. Kartoffeln von derselben Sorte, 
welche gleichzeitig im Juni und Juli an die Lämmer gefüttert 
wurde ; auch das Tränkwasser war aus den nämlichen Brunnen 
entnommen. 

Die Futteraufnahme war eine ganz vollständige. Diese 
Fütterung dauerte vom 1. bis 15. Juni. In der Zeit vom 10. 
bis 15. Juni wurde der Darmkoth beider Thiere durch Aulegen 
von Excrementbeuteln gesammelt, dessen Gewicht im natürlichen 
Zustande ermittelt und am 14., 15. Juni eine eingehendere Unter- 
suchung auf seinen Gehalt an Trockensubstanz, Wasser, Mine- 
ralsalze , speciell der Phosphorsäure und des Kalkes, vorge- 
nommen. 

Durch Berechnung und Zusammenstellung der durch das 
Futter und Tränkwasser aufgenommenen Phosphorsäure- und 
Kalkmengen, dann der durch den Koth ausgegebenen gleich- 
namigen Stoffe gelangen wir, ganz wie bei den Lämmern an- 
gegeben, durch Abziehen der Ausgabe von der P^innahme zur 
Kenntniss dessen, wie viel von der Phosphorsäure und Kalk, 
enthalten in Heu, Kartoffeln und Tränkwasser, verdaut wurde. 

Die dafür gefundene Menge wird dann unter der Annahme, 
dass die beigefütterten Phosphate einflusslos auf ihre Verdau- 
Hchkeit geblieben , als constante Grösse , den in den folgenden 
Untersuchungen bei Zusatz von Superphosphaten zum Heu, Kar- 
toffelfutter für »an Phosphorsäure und Kalk verdaut« sich 
ergebenden Mengen unterstellt; das sich dabei herausstellende 
»Plus an Phosphorsäure und Kalk verdaut«, kann dann 
auf die im Superphosphat enthaltene Phosphorsäure- und Kalk- 



176 



menge überhaupt und speciell auf die in Wasser lösliche und 
unlösliche Phosphorsäure und Kalkmenge des Präparates be- 
zogen werden. 

Vom 1. — 15. Juni bei reinem Heu- und Kartoffelfutter ent- 
leerten zwei Schafe im Durchschnitt pro Tag = 7,58 Pfd. Darm- 
koth ^ : derselbe enthielt 



1] Die an den Untersuchungstagen gesammelten Darmkothmengen betru- 
gen in Pfunden : 

lO./ß. 7,50 Pfd. ii./ß. 7,60 Pfd. i2./g. 6,77 Pfd. i3./g. 8,14 Pfd. 14/^. 7^47 
Pfd. lö./ß. 8,00 Pfd. durehschnittl. tägl. = 7,58 Pfd. 

Wassergehalt. Trockensubstanz im Koth in Grammen. 
Koth im natürl. Trocken- 



Zustande 



15 



16,860 
15,420 
8,398 

16,308 
18,355 
14,138 
Mineralsubstanz im 

Koth 2,053 

■ 0,985 
1,191 
1,310 



Substanz 
Grm. 
4,140 

3,695 

2,053 

4,010 
4,395 
3,455 



Wasser 

Grm. 
12,720 
11,725 

6,345 

12,298 
13,960 
10,683 



75,4440/0' 
76,057 » 
75,553 » 

75,410 » 
76,055 » 
75,562 » 




0,237 Minerals. 11,544 » 
0,117 11.370 « 

0,139 
0,151 



11,670 )) 1 
11,526 » J 



11,5250/0 
Mineralsubstanz 



4, 3 1 3 Grm. sandfreie Excrementasche 0,248 Grm. PO5 Feo O3 = 0, 1 166 Grm. PO5 
0,874 Grm. CO2 CaO = 0,490 Grm. CaO = 11,361 0/0 CaO. 
0,448 Grm. PO5 gMgO 0,271872 Grm. PO5 = 0,3885 Grm. PO5 in 

Summa = 9,0 0/^ PO5. 
1,63 0 Grm. sandfreie Excrementasche 0,165 Grm. POsFeg O3 = 0,080 Grm. PO5. 
0,365 Grm. CO2 CaO = 0,204 Grm. CaO = 12,5 o/^ CaO = 

] 1,93 0/0 Kalk im Mittel 
0,109 Grm. PO5 sMgO = 0,070 Grm. PO5 =0,150 Grm. PO5 in 
Summa = 9,20 0/^ = 9,00 0/0 Phosphorsäure im Mittel. 
2,313 Grm. Knochenasche enthielt 0,526 Grm. CO2 CaO = 1,178 Grm. CaO 

= 50,90/0 Kalk 
1,440 Grm. PO5 2MgO = 0,922 Grm. PO5 
= 39,86 0/0 Phosphorsäure 
0,8 1 9 Grm. Knochenasche = 0,026 Grm. Kohlensäure -v 

= 3,170/0 Kohlensäure I 3, 200/o Kohlensäure 
0,6 5 0 Grm. Knochenasche = 0,021 Grm. Kohlensäure j Mittel 

= 3,230/0 Kohlensäure J 



177 



24,36 7o Trockensubstanz 
75,64 » Wasser 
100 Theile des Kothes im natürlichen Zustande, von saurer 
Reaction, enthielten 2,81 Theile Mineralsubstanz mit 0,253% 
Phosphorsäure und 0,335 o/^ Kalk. 7,58 Pfd. Koth = 3790 Grm. 
enthalten =106 Grm. Mineralsalze; darin 

9,600 Grm. Phosphorsäure 12,700 Grm. Kalk. 
Vom 16. Juni ab erhielten die Thiere pro Tag = 3,00 Pfd. 
Heu, 8,00 Pfd. Kartoffeln: also eine 2,0 Pfd. starke Kartoffel- 
zulage, weil die Thiere in den vergangenen 14 Tagen 1^/2 Pfd. 
Körpergewicht verloren. Diese Zulage gentigte, um sie constant 
auf Körpergewicht bis Ende Juli zu erhalten. 

Zu diesem Heu und Kartoffeln, erhielten die Thiere vom 
16. Juni bis 2. Juli, innerhalb 17 Tagen, täglich 10,0 Grm. 



22 Kohlensäure: 28 Kalk = 3,20 Kohlensäure: x=4,07 CaO = 7,27 kohlen- 
saurer Kalk 

84 Kalk: 71 Phosphorsäure = (50,9—4,07) = 46,8 Cao: x = 39,726 

Phosphorsäure 

46,8-|-39,7 = 86,5 basisch phosphorsauren Kalk = 3CaO PO5. 
Bei der Darstellung der Superphösphate rechnet man, dass 2/3 des im 
PO5 gCaO enthaltenen Kalkes mit Schwefelsäure zu verbinden sind : 
100 Theile des PO5 gCaO enthalten 54,2 Theile Kalk = 86,5 PO5 gCaO ent- 
halten 47,00 Kalk; ' 
2/3 davon betragen = 31,2 Kalk. 
Diese 31,2 Kalk verlangen 54,6 Schwefelsäure zur Bildung von 

schwefelsaurem Kalk 
und 4,1 Kalk (in 7,27 CO2 CaO) = 7,2 Schwefelsäure zur Bildung von 

schwefelsaurem Kalk 

Darnach sind 100 Theilen Knochenasche = 61,8 Schwefelsäure in Summa zur 
Umwandlung des basischen phosphorsauren Kalkes in sauren phosphorsauren 
Kalk zuzusetzen oder auf 

500 Grm. = 1 Pfund Knochenasche = 310,0 Grm. Schwefelsäure. 
20 Grm. des Präparates wurden mit 1000 Theilen "Wasser behandelt. 
Davon 100 CG. der abültrirten Flüssigkeit zur Untersuchung benutzt. 
40 CG. davon mit SO3 und Alkohol geben = 0,232 Grm. S03CaO^ 
1000= 5,S00 Grm. SO3 CaO = 2,38844 Grm. Caol 
50 CC. mit Oxals. H3N in essigs. Lösung = 0,214 Grm. CO2 CaOr ^'^^^/o CaO 
1000 = 4,280 Grm. CO2 CaO = 2,39680 Grm. Caoj 
0,306 Grm. PO5 2MgO 1000 = 6,120 Grm. PO5 sMgO 

= 3,916 Grm. PO5 = 19,50 0/0 PO5 
Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1S73. 12 



178 



durch Schwefelsäure aufgeschlossene Knochenasche; die Auf- 
nahme an Futter (das Superphosphat war den gestampften rohen 
Kartoffeln einverleibt) war eine vollständige. 

Das Superphosphat war im hiesigen Laboratorium darge- 
stellt: dasselbe enthielt in 100 Theilen 39,86% Phosphorsäure 
und 51,0% Kalk. Darin waren 

19,50V 0 in Wasser lösliche Phosphorsäure 

20,36 » » » unlösliche » 

= 39,86 » PO5 in Summa 

12,00 )) in Wasser löslicher Kalk 
39,00 » » » unlöslicher Kalk 

= 51,0 )) » Kalk in Summa 

10 Grm. des Präparates = 3,986 Grm. PO5; darin 1,950 Grm. 
in Wasser löslich und 2,036 Grm. in Wasser unlöslich. 5,100 
Orm. Kalk: darin 1,200 Grm. in Wasser löslicher und 3,900 
Grm. in Wasser unlöslicher Kalk. 

Vom 26. Juni bis 2. Juli wurde der Darmkoth gesammelt 
und im Durchschnitt pro Tag von zwei Thieren erhalten 7,46 
Pfd. ^) von saurer Reaction. Darin 



1) Die an den Untersuchungstagen gesammelten Darmkothmengen betru- 
gen nach Pfunden: 

27./6. 7,46 Pfd. 28./g. 8,40 Pfd. 29./g. 7,60 Pfd. 30./g. 6,77 Pfd. i.'/t. 7,10 Pfd. 
277. 7,43 Pfd. im Durchschnitt = 7,46 Pfd. Darmkoth. 

Trockensubstanz und Wassergehalt des Darmkothsin Grammen. 



'5,867 o/o 
75,564 « 
76,837 » 
76,602 » 

19,010 4,488 14,522 76,390 ». 

76,640 
76,220 » 
74,879 )) 
74,630 » 



1 im natürl. 
Zustande 
Grm. 


Trocken- 
substanz 
Grm. 


Wasser 
Grm. 


25,555 


6,167 


19,388 


21,853 


3,340 


16,513 


30,172 


7,084 


23,068 


22,488 


5,258 


17,230 


19,010 


4,488 


14,522 


16,752 


3,913 


12,839 


17,633 


4,193 


13,440 


20,553 


5,163 


15,390 


18,270 


4,635 


13,635 




179 



24,147o Trockensubstanz 
75,86 )) Wasser 



100,00 

100 Koth im natürlichen Zustande mit 2,78 7o Mineralsubstanz 
darin 0,418 o/o CaO und 0,345% PO5. 7,46 Pfd. Koth = 3730 
Grm. enthalten 103,50 Grm. Mineralsubstanz ; , darin 

13,000 Grm. Phosphorsäure 15,550 Grm. Kalk. 
Vom 4. Juli ab erhielten die Thiere 20 Grm. Superphosphat 
neben 3,00 Pfd. Heu und 8,00 Pfd, Kartoffeln pro Tag und 
wurde die Fütterung bis zum 21. Juli fortgesetzt. 

Durchschnittlich pro Tag producirt — 5,66 Pfd. Koth darin 
71,640/0 Wasser 
28,36 )) Trockensubstanz 
100,00 » 



Trocken- 
substanz 
Grm. 

Mineralsubstanz im 

Koth 1,589 

1,809 
0,880 
1,367 
1,060 
1,274 
1,688 
1.347 



Wasser 



0,198 Minerals. 
0,227 



0,106 
0,168 
0,119 
0,139 
0,176 
0,133 



11,014 1,266 Minerals, im Mittel. 11,50 0/0 

2,5 7 1 Grm. sandfreie Excrementasche 0,098 Grm. PO5 F2 O3 = 0,0461 Phos- 
phorsäure 

0,656 Grm. CO2 CaO = 0,36736 Grm. CaO = 14,290 0/0 Kalk 
0,464 Grm. PO5 2MgO = 0,297 Grm. PO5 = 0,343 Grm. PO5 in 

Summa = 13,340/o 
1,7 7 7 Grm. sandfreie Excrementasche 0,112 Grm. PO5 Fe2 O3 = 0,053 Grm. 

0,496 Grm. CO2 CaO = 0,27776 Grm. Cao = 15,7570/o = 15,0230/o 

Kalk im Mittel 

0,228 Grm. PO5 2MgO= 0,1459 Grm. PO5 = 0,19892 Grm. PO5 in 
Summa = 11,450/q = 12,4% Phosphorsäure im Mittel. 

1) Die an den Untersuchungstagen gesammelten Darmkothmengen betra- 
gen nach Pfunden: 

5,10 Pfd. 19/7- 5>43 Pfd. 20./^. 5^00 Pfd. 21./^. 7,10 Pfd. im Durch- 



schnitt = 5,6575 Pfd. 



12* 



180 



100 Theile Koth im natürlichen Zustande = 2,97 Theile Mi- 
nerals, darin 0,570% Kalk und 0,590% Phosphorsäure, 5,66 
Pfd. Koth = 2830 Grm. enthalten = 83,500 Mineralsalze; darin 
16,500 Grm. Phosphorsäure, 16,150 Grm. Kalk. 

Der Phosphorsäure- und Kalkgehalt der Kartoffeln, des 
Heus und des Tränk wassers ist nach den analytischen Befunden 
dafür bei dem Lämmerfütterungsversuch unter dem 1. und 2. Ab- 
schnitt angegeben berechnet. 

Darnach berechnet sich nun die tägliche Aufnahme und Aus- 
gabe und die Differenz derselben, verdaut an Phosphorsäure 
und Kalk ohne und bei Zusatz von Superphosphaten, wie folgt, 
nach Grammen: 



Trockensubstanz undAVassergehalt imDarmkoth nach Grammen. 



Koth im natürl. 
Zustande 
Grm. 

22,593. 

12,098 

15,813 

19,480 

15,018 

10,602 
Mineralsubstanzen 

im Koth .... 



21,/, 



Trocken- 
substanz 
Grm. 

6,582 

3,523 

4,665 

5,390 
4,078 
2,902 

1,694 
1,689 
2,0S3 
1,347 



Wasser 








Grm. 








16,011 


70,87 fl 






8,575 


70,80 






11,148 


70,50 


"\ 




14,090 


72,230 


"\ 


II 


10,940 


72,845 




7,700 


72,627 







o 2 

CO ei 

■• CC QO 

:c o 

in 



0,170 Minerals. 
0,174 
0,224 



0,145 



6,813 



0,713 



» 10,4638 0/0 Minerals, im 

Mittel. 

2,2 89 Grm. sandfreie Excrementasche = 0,060 Grm. PO5 Fe2 O3 = 0,02S2 

Grm. PO5 

0,780 Grm. CO2 CaO = 0,4368 Grm. CaO = 19,091 o/^ CaO 
0,702 Grm. PO5 oMgO = 0,4500 Grm. PO5 = 0,478 Grm. PO5 in 

Summa = 20,88 0/^^ PO5 
1,7 8 5 Grm. sandfreie Excrementasche 0,0735 Grm. PO5 Fe2 O3 = 0,0345 

Grm. PO5 

0,6225 Grm. CO2 CaO = 0,3486 Grm. CaO = 19,551 o/^ CaO 

= 19,340/0 CaO im Mittel 
0,4650 Grm. PO5 2MgO = 0,2976 Grm. PO5 = 0,332 Grm. PO5 
in Summa = 18,600/o = 19,740/^ PO5 im Mittel. 



181 



Grm. 


Grm, 




Grm. 


Durchschnittl. tägl. 








aufgenommen . . 3000 Kartoffeln mit 


4,800 Phosphorsäure 


0,420 Kalk 


uurcnscnniLLi, tagi. 








aufgenommen . . 1500 Heu » 


12,150 




21,450 


Durchschnittl. tägl. 








aufgenommen . . 2750 Tränkw. » 




» 


0,420 » 


Summa der Aufnahme = 


16,950 




22,290 


Durchschnittl. tägl. 








ausgegeben . . = 3790 Koth 


9,600 


» 


12,700 


Differenz = verdaut = 


: 7,350 




9,590 » 


Durchschnittl. tägl. 








aufgenommen . . 4000 Kartoffeln mit 


6,400 


» 


0,560 » 


Durchschnittl. tägl. 








aufgenommen . . 1500 Heu » 


12,000 


» 


21,150 )) 


Ii) Siirx^T'nVinsi'nViat 


3,986 


)) 


n 100 » 




f 1 950 lösl ] 


)) 


(1,200 lösl.)» 




(2,036 unl.) 


» 


(3,900 unl.).) 


2975 Tränkw, » 


— 




0,455 )) 


Summa der Aufnahme = 


22,386 


» 


27,265 


Durchschnittl. tägl. 








ausgegeben . = 3730 Koth » 


13,000 


n 


15,550 


Differenz = verdaut = 


9,386 




11,715 


Ohne Zusatz von Superphosphat 










7,350 


» 


9,590 » 


B e i Zusatz von tägl. 10 Grm. Super- 










2,036 




2,123 


Durchschnittl. tägl. 








aufgenommen . . 4000 Kartoffeln mit 


6,400 




0,560 « 


Durchschnittl. tägl. 








aufgenommen . . 1500 Heu » 


12,000 


» 


21,150 » 


Durchschnittl. tägl. 








aufgenommen . . 20 Superphosphat 


7,972 


M 


10,200 




(3,900 lösl.) 


» 


(2,400 lösl.» 




(4,072 unl.) 


1} 


(7,800 unl.» 



182 



Grm. Grm. Grm, 

Durchschnittl. tägl. 



aufgenommen . . 2765 Tränkwasser 




Phosphorsäure 0,435 


Kalk 


Summa der Aufnahme = 


26,372 


32,345 


» 


Durchschnittl. tägl. 

ausgegeben = zooU ivotn = 




» 1d,10U 


» 


Differenz = verdaut = 


9,872 


» 16,193 


» 


Ohne Zusatz von Superphosphat ver- 


7,350 


9,590 




Bei Zusatz von tägl. 20 Grm. Su- 
perphosphat mehr verdaut . . . = 


2,522 


» 6,605 


n 



Die bei Zusatz von Superphosphat zum Futter mehr ver- 
dauten Mengen an PO5 und CaO (als ohne Zusatz) , bezogen auf 
die im Präparat überhaupt enthaltene Menge an Phosphorsäure 
und Kalk: 

in 10,0 Grm. Superphosphat 3,986 Grm. PO5 und 5,100 Grm. Kalk 
in 20,0 « » 7,972 » » « 10,200 » » 

so ergiebt die Kechnung seiner Verdaulichkeit und Unverdaulich- 
keit in Procenten ausgedrückt; dass bei 10 Grm. Superphosphat 
täglich im Futter: die Phosphorsäure des Präparates zu 51^1% 
und der Kalk zu 41,7 % verdaut wurden: 48,9% der Phosphor- 
säure und 58,3% des Kalkes blieben unverdaulich. 

Bei 20 Grm. Superphosphat täglich im Futter: war die 
Phosphorsäure des Präparates zu 31,6 % und der Kalk zu 64,75 ^ o 
verdaulich, während 68,3% der Phosphorsäure und 35,25 ^/^ des 
Kalkes unverdaulich blieben. 

Die an PO5 und CaO bei Zusatz des Präparates mehr 
verdauten Mengen dieser Substanzen bezogen auf die im Prä- 
parat enthaltenen in Wasser löslichen und unlöslichen Kalk- und 
Phosphorsäuremengen : so ergiebt die procentische Berechnung 
dafür: dass bei 10,0 Grm. Superphosphat täglich im Futter die 
darin enthaltene in Wasser lösliche Phosphorsäure und Kalk 
== 1,950 Grm. PO5 und 1,200 Grm. CaO voll verdaut wurden 
und ausserdem auch noch 4,24% und 23,7% von der im Wasser 
unlöslichen PO5 (2,036 Grm.) und CaO (3,900 Grm.) des Prä- 
parates. 



183 



Bei 20,0 Gm. Superphosphat täglich wird aber die in 
Wasser lösliche Phosphorsäure des Präparates (3,900 Grm.) nur 
noch zu 64,7% verdaut: 35,3% bleiben unverdaut. Dagegen 
gelangt der in Wasser lösliche CaO des Präparats (2,400 Grm.) 
zur vollen Verdauung, und ist ausserdem der in Wasser unlös- 
liche CaO (7,800 Grm.) bis zu 53,9 o/o verdaut, und nur 46,1% 
davon sind unverdaut geblieben. Unter der Voraussetzung, dass 
die Verdaulichkeit der Phosphorsäure und des Kalkes des Heus, 
der Kartoffeln (auch bei weiterer Zulage von zwei Pfund davon) 
mit und ohne Zusatz von Superphosphat immer dieselbe geblie- 
ben, hat die Untersuchung ergeben, dass bei geringerer Gabe 
von Superphosphat zum Heu und Kartoffelfutter die Phosphor- 
säure des Präparates rund zur Hälfte und der Kalk zu 42 7o 
verdaulich ist. Bei grösserer Gabe sinkt die Verdaulichkeit 
der Phosphorsäure um 20%, nur noch 30% sind verdaut; da- 
gegen steigt die Verdaulichkeit des Kalkes noch um weitere 

0 ; es sind jetzt 65 % verdaulich geworden. Dieses Kesultat 
steht im bemerkenswerthen Einklänge mit dem bei Lämmern 
beobachteten; dort hatte gesteigerte Gabe von präcipit. phos- 
phors. Kalk ebenfalls eine verminderte Verdaulichkeit der Phos- 
phorsäure des Präparates und eine erhöhte des Kalkes zu Folge. 
Es hat die Untersuchung ferner eine volle Verdaulichkeit 
der in Wasser löslichen Phosphorsäure und des Kalkes des Prä- 
parates bei kleiner Gabe davon erwiesen: bei gesteigerter 
Gabe sinkt einseitig die Verdaulichkeit der löslichen Phosphor- 
säure um Y3. Der in Wasser lösliche Kalk bleibt auch jetzt 
noch völlig verdaulich, und von dem in Wasser unlöslichen Kalk 
des Präparates gelangt ausserdem noch die Hälfte zur Ver- 
dauung. Eine nachtheilige Wirkung des Präparates auf den 
Gesundheitszustand der Thiere gab sich auf die Dauer des Ver- 
suchs nicht zu erkennen. 



184 



lieber das genetische Verhältniss der Aspara- 
ginsäure und Eiweiss. 

Briefliche Mittheilung 

von 

W. Henneberg. 



Die Mittheilungen Dr. Pfeffer's in dem vorigjährigen 
Bande Ihrer Zeitschrift (XV, 144) und in der neuesten Auflage 
von J. Sachs' Lehrbuch der Botanik (S. 626) veranlassen mich 
zu der Bemerkung, dass ich schon seit längerer Zeit in meinen 
Vorträgen über landwirthschaftliche Fütterungslehre auf die nach- 
stehende, meines Wissens noch nicht veröffentlichte Gleichung 
aufmerksam mache: 

C48 H38 Nß O16 1) = C.24 H.24 Nß O18 (3 Aeq. Asparagin) 
+ C32 H32 O32 (8/3 ), Glycose) 

— Cs O16 (S )> CO2) 

- H18 (18 n HO) 

Die Rückbildung von Eiweiss und Asparagin bei Gegenwart von 
Zucker ist danach rechnerisch leicht verständlich; das that- 
sächliche Verhältniss damit natürlich längst nicht aufgeklärt. 

Die Gleichung kann mehr oder weniger auch dazu dienen, 
in Erinnerung zu bringen, dass Zöller bei seinen Versuchen 
über Ernährung und Stoff bildung der Pilze (J. f. Landw. 1871, 
S. 284) die Schimmel Vegetation einer Nährflüssigkeit, welche 
als organische Säure Aepfelsäure enthielt, Asparagin-haltig be- 
funden hat, und dass theils von Ritthausen und K r e u s 1 e r , 
theils von Hlasiwetz und Hab ermann Aspara ginsäure als 



1) Playfair' s empirische Eiweiss-Formel; C = 6, 0=8. 



185 



ein allen Eiweisskörpern gemeinsames Zersetzungsproduct nach- 
gewiesen ist. 

Ich behalte mir vor, die Einwirkung von Asparagin auf 
Glycose experimentell zu verfolgen. 

Weende-Göttingen, Januar 1873, 



Mittliellimgen aus der landw. Versiiclis-Station 

zu Carlsruhe. 

I. Aschengehalt des Holzes verschieden gedüngter Rüben. 

Von 

Prof. Dr. J. Nessler. 



Im Frühjahr 1869 wurden in hiesiger Gartenbauschule ver- 
schiedene Rebsorten mit Gyps, schwefelsaurem Kali, Chlorkalium 
und einer Mischung von Chlorkalium, Superphosphat (mit 187o 
lösl. Phosphorsäure) und schwefelsaurem Ammoniak gedüngt. 
Der Dünger wurde auf die Oberfläche der Erde über den Wur- 
zeln ausgestreut und untergehackt. Man beabsichtigte besonders 
die Einwirkung dieser Düngestoffe auf die Qualität der Trau- 
ben zu prüfen. Da indess die ungünstige Witterung im Früh- 
jahr verursachte, dass wir keine Trauben erhielten, und da fer- 
ner im Februar 1870 die Reben entfernt werden mussten, so 
konnten wir die Wirkung dieser Düngemittel auf die Trauben 
weder im ersten Jahr, noch die Nachwirkung in späteren Jahren 
beurtheilen. Neu angelegte Reben sind wieder zu solchen Ver- 
suchen bestimmt. — 

Die Ranken vom Jahr 1869 wurden zu Anfang Februar 
1870 von den Gutedelreben abgeschnitten, die gleichmässigsten 
der verschiedenen Düngung ausgewählt, unmittelbar aber nur 
unter den Augen zerschnitten und der Stickstoff und die Aschen- 



186 



bestandtheile der Knoten und der Internodien bestimmt. Die 
Asche brannte sehr leicht weiss. Der Stickstoff wurde durch 
Verbrennung mit Natronkalk und Titriren, die Phosphorsäure 
nach Abscheiden mittelst Molybdänsäure durch Magnesia und das 
Kali als Chlorplatin-Chlorkalium bestimmt. 

Für die chemische Zusammensetzung, Löslichkeit der Be- 
standtheile in Wasser und Säure und Absorptionsfähigkeit der 
Erde, in welcher die Reben gewachsen sind (oberes Metzger- 
feld), verweise ich auf meinen Bericht von 1870 S. 168. 





In 100 Theilen Trockensubstanz 
enthalten 


waren 


Jeder Stock gedüngt mit : 


Asche in 


Stickstoff 
in 


Phosphor- 
säure in 


Kali in 


Kalk in 


Knoten 


Internodien 


Knoten 


Internodien 


Knoten 


Internodien 


Knoten 


Internodien 


Knoten 


Internodien 




Nichts 


3,38 


2,89 


0,62 


0,60 


0,31 


0,26'o,57 


0,50 


1,02 


0,71 


30 


Grm. Gyps 


3,69 


2,80 


0,79 


0,72 


0,21 


0,25!0,62 


0,58 


0,86 


0,61 


15 


» schwefeis. Kali . . 


3,32 


2,62 


0,75 


0,62 


0,25 


0,19 


0,76 


0,60 


0,88 


0,63 


15 


» Chlorkalium .... 


4,33 


2,90 


0,95 


0,91 


0,43 


0,30 


0,97 


0,71 


1,03 


0,59 


15 


» Chlorkalium, 15Grm. 


















Superphosphat u. 10 Grm. 
























Schwefels. Ammoniak . . . 


2,89 2,51 


0,72 


0,41 


0,35 


0,30 


0,66 0,62 

1 


0,9010,76 





In 100 Theilen Asche. 




Phosphorsäure 


Kali 


Kalk 


Jeder Stock gedüngt mit: 


8 


s 




c 

V 




a 




i> 


'S 




'S 




'S 

o 




O 


o 
a 


-«^ 

o 
a 


o 
c: 




a 










5 




u 

-2 






a 
•—1 




a 
1—1 




a 
t— « 


Nichts 


9,45 


9,02 


16,98 


16,76 


30,16 


25,66 


30 Grm. Gyps 


8,43 


8,99 


17,20 


20,72 


23,29 


21,92 


15 » schwefelsaurem Kali . 


7,76 


7,34 


22,99 


23,25 


26,25 


23,99 




9,85 


10,48 


22,30 


24,45 


23,68 


20,40 


15 )) Chlorkalium 15 Grm. 














Superphosphat und 10 Grm. 














schwefelsaurem Ammoniak . 


12,06 


12,02 


22,89 


24,58 


30,99 


30,17 



Auf Trockensubstanz berechnet finden wir eine wesentliche Er- 



höhung des Gehaltes an Aschenbestandtheilen nur bei Düngung 



187 



mit schwefelsaurem Kali und mit Cblorkalium. Bei letzterer 
Düngung' sind besonders die Knoten sehr reich an Aschenbe- 
standtheilen überhaupt und sehr reich an Kali. 

Bei der Düngung mit Chlorkalium, Superphosphat in schwe- 
felsaurem Ammoniak ist der Gehalt an Asche sehr gering. Da 
hier ein stärkeres Wachsthum stattfand, als bei den übrigen 
Düngungsversuchen, so scheinen sich die Aschenbestandtheile, 
die von den Wurzeln aufgenommen wurden, in einer grösseren 
Menge Holz vertheilt zu haben. 

Die Knoten sind immer erheblich reicher, sowohl an Stick- 
stoff als an Asche überhaupt, und an Phosphorsäure, Kali und 
Kalk. Nur bei Düngung mit Gyps enthalten die Knoten etwas 
weniger Phosphorsäure, als die Internodien. 



II. Untersuchungen der Knochen von knochenbrüchigem Rindvieh. 

Von 

Prof. Dr. J. Nessler. 



In einem bedeutenden Theile des Schwarzwaldes tritt die 
Lecksucht oder Nagekrankheit fast jedes Jahr beim Rindvieh 
auf und wird in den verschiedenen Bezirken bald Hinsch, bald 
Semper, bald Darre geheissen. Ganz bestimmte Höfe sind vor- 
zugsweise von dieser Krankheit heimgesucht und werden in den 
betreffenden Gegenden Hiusch- oder Semper-Darrhöfe geheissen; 
auf anderen Gütern, die oft nur einige Minuten von ersteren ent- 
fernt sind, beobachtet man die Krankheit nie oder nur selten 
und nur in sehr trockenen, futterarmen Jahren. Die Hinschhöfe 
liegen dort immer auf Granit oder buntem Sandstein, die nahe- 
liegenden Höfe, die von der Krankheit verschont bleiben, liegen 
meist auf Gneis. 



188 



Am empfindlichsten und am häufigsten ist die Krankheit 
bei jenen Thieren, bei welchen eine stärkere Knochenbildung 
stattfinden soll, also bei trächtigen Kühen und bei Jungvieh. 
Aufzucht von Jungvieh findet deshalb auf solchen Höfen nicht 
statt. Fleisch und Fettbildung soll bei Kühen, die gesund in 
jene Höfe kommen, sehr gut vor sich gehen. Das wesentlichste 
Mittel, das gegen die Krankheit angewandt wird, ist das s. g. 
»Verstellen der Kühe« ; sobald die Krankheit ausgebrochen ist, 
bringt man die Kühe des Hinschhofes auf einen Hof, wo die 
Krankheit nicht aufzutreten pflegt, und die Kühe des letzteren 
auf den Hinschhof. Die kranken Thiere werden hierbei in we- 
nigen Wochen wieder gesund, und die gesunden Thiere, die auf 
den Hinschhof gebracht wurden, nehmen, wie mir dortige Land- 
vrirthe wiederholt angaben, auffallend an Fleisch und Fett zu. 

Ob unter den genannten Namen in allen einzelnen Fällen 
dieselbe Krankheit zu verstehen ist, und ob diese mit der Kno- 
chenbrüchigkeit übereinstimmt, ist fraglich. Knochenbrüche kom- 
men in jenen Gegenden selten vor, und zwar scheint dies in den 
auf Sandstein stehenden Höfen mehr der Fall zu sein als in den 
auf Granit stehenden Höfen. Da indess die kranken Thiere oft 
»verstellt« werden und genesen, oder die kränkeren Thiere ge- 
schlachtet werden, so kann man auch annehmen, dass Knochen- 
brüchigkeit in weiterem Verlauf der Krankheit mehr auftreten 
würde. 

Schon im Jahre 1861 wurde ich von Grossh. Regierung 
beauftragt Erde, Heu und Wasser solcher Höfe, wo die Krank- 
heit häufig auftritt, zu untersuchen. Die seit jener Zeit ausge- 
führten Untersuchungen und gemachten Beobachtungen sind ver- 
öffentlicht in : Correspondenzblatt für das Grossherzogthum Baden 
1861 S. 65, Wochenblatt des landw. Vereins in Baden 1868 
Nr. 30 und 1873 Nr. 6, und im Bericht über die Thätigkeit 
der Versuchs-Station 1870 S. 219. 

Die Frage über die Ursache dieser Krankheit ist weder 
durch die Untersuchungen von Bibra, Lehmann, Gorup- 
Besanez, W. Kühn, Keuscher, Hellriegel, Grouven, 
R e i c h a r d t und D r e y k o r n , noch durch meine früher veröffent- 
lichten Untersuchungen von Steinen, Erde, Wasser und Heu und 



189 



die hier zu veröffentlichenden Untersuchungen von Knochen er- 
schöpft, ich wünsche nur, dass diese Untersuchungen zur schliess- 
liehen Lösung beitragen mögen. 

In Beziehung auf das Untersuchungsmaterial bemerke ich, 
dass als Knochen des gesunden Thieres solche von einer 3 — 4- 
j ährigen Kuh genommen v^urden. — Von kranken Thieren, bei 
welchen sämmtlichen Knochenbruch vorgekommen ist, wurden 
folgende mir von Herrn Bezirksthierarzt Utz zugeschickten 
Knochen untersucht. 

IL Beckenknochen von einer Kuh von Mönchweiler, Wiesen 
auf Sandstein; 

IV. Rückenwirbel von einer Kuh von Schabenhausen, Wiesen 
auf Sandstein; 

VI. Vorderann, Röhrenknochen einer Kuh von einem Hof auf 
Granit ; 

VIIL Unterschenkel (Tibia) , Röhrenknochen einer Kuh von 
Mönchweiler, Wiesen auf Sandstein ; 
X. Gelenkende der Tibia einer Kuh von Schabenhausen, 

Wiesen auf Sandstein; 
XL Oberschenkel (Femur ) , Röhrenknochen eines Jahre alten 
Rindes von Thannheim, Wiesen auf Sandstein. 
Die Thiere, von welchen die kranken Knochen abstammen, 
sind unter sich und können von dem gesunden Thier so ver- 
schieden gewesen sein, dass man einen Vergleich nur dann 
ziehen kann, wenn die Verschiedenheit der Ergebnisse der Unter- 
suchungen so gross ist, dass sie nicht von der Verschiedenheit 
der Thiere herrühren kann. 

Die Röhrenknochen wurden mittelst einer Raspel zerklei- 
nert, von den Gelenkenden ^ Beckenknochen und Wirbeln wur- 
den mit einer Knochensäge dünne Fragmente abgeschnitten. 
Unter der Bezeichnung Röhrenknochen versteht man in der fol- 
genden Zusammenstellung nur die Wandungen der Röhre, also 
ohne Gelenkende und ohne das Mark in der Röhre. 

Die Asche wurde mit kohlensaurem Ammoniak befeuchtet 
und wieder erhitzt. Die Phosphorsäure wurde mittelst Uran- 
lösung abgeschieden und als pyrophosphorsaure Magnesia ge- 
wogen, der Kalk nach Abscheidung der Phosphorsäure durch 



190 



Eisenoxyd als oxalsaurer Kalk, der Kali als Kaliumplatinchlorid 
bestimmt und das Natron aus den Chloralkalien berechnet. — 
Als Fett ist der in Aether lösliche Theil aufgeführt. Die Unter- 
suchungen wurden von den Assistenten der Versuchsstation Herrn 
Dr. Brigel und R. v. Fellenberg ausgeführt. 

(Siehe Tabelle folgende Seite.) 

Nach diesen Untersuchungen bezieht sich die chemische 
Veränderung der Knochen in Folge der Krankheit besonders auf 
die schwammigen Knochen wie Beckenknochen , Rückenwirbel 
und Gelenkenden, diese enthalten bei den kranken Thieren im- 
mer viel mehr Fett und weniger Asche und in dieser besonders 
weniger Phosphorsäure, als bei den gesunden Thieren. Bei den 
Wandungen der Röhrenknochen findet in chemischer Beziehung 
eine wesentliche Verschiedenheit zwischen gesunden und kranken 
Knochen nicht statt. Der Gehalt an Asehe ist bei den kranken 
VI und VIII grösser, als bei den gesunden Knochen, die kranken 
Knochen XI haben ebenfalls einen hohen, aber doch etwas nie- 
derem Gehalt an Asche, als die gesunden Knochen Nr. V. Der 
Phosphorsäuregehalt der kranken Röhrenknochen VI ist grösser, 
jener von VIII und XI kleiner, als bei ähnlichen Knochen ge- 
sunder Thiere. — Der Phosphorsäuregehalt auf Asche berechnet 
ist mit einer Ausnahme (V und VI) bei den kranken Knochen 
geringer, als bei den gesunden Knochen. Der Gehalt an Fett 
ist bei den kranken Röhrenknochen in einem Fall nicht, in an- 
dern Fällen nicht erheblich grösser, als bei den gesunden Kno- 
chen. — Der Stickstoffgehalt ist bald bei den gesunden, bald 
bei den kranken Knochen etwas grösser. 

Die Frage, ob die kranken Knochen weniger Phosphor- 
säure und mehr Fett enthalten, wurde von verschiedenen Che- 
mikern verschieden beantwortet. Bei Röhrenknochen wurde bald 
eine kleine, bald eine grosse, bald keine Verschiedenheit zwi- 
schen gesunden und kranken Knochen gefunden. Es ist nicht 
unwahrscheinlich, dass diese Verschiedenheit in dem einen oder 
dem anderen Fall daher rührt, dass die Röhrenknochen mehr 
oder weniger mit den Gelenkenden, also mit schwammigen 
Knochen untersucht wurden. Ebenso muss selbstverständlich der 
Grad der Krankheit einen wesentlichen Einfluss hierauf aus- 



191 



2 5» P 

p; (D p 



cc 

p: 

c: 

H 

cr 

to 
P 



II 

C» l-J 

&;(^ 

P ^ 

5 2- 

P- 05 

Ol 

CD 

50 
CD • 

P' W 

P 



p- p- 

O C 

SC 05 

^ TS 
P- 

O 

cc 



SS 

p 
p' 

o 

cc 
TS 

pr 

CO 



to ^ 
05 *- bS 



05 

tfa- to 05 


ZD 
CO 


tn to 00 

o ^ CC ^ hU 

lO Cp O OD 
C5 »t»' QC 


O rfi. 
CD O 

05 tC' 






OD CO 
-1 to -J 






OD "»--■"es 

0— c; o 


0,29 
1,01 


4,90 


C7t Cn CO 
V O V rf^ CC 

OO CD CD O O 
C5 CT5 Ci »t" C/: 


0,27 
1,12 


1,74 


C CD *>• 
rfi.^ CO o: (4^ 

^ co"cc o: lO 
cc ?D fco OC CD 






Ol C" CD i4-» 
1— ' ^ Cn CC 


*to"io 

fco o 


w 


Cn CD ^ C/) CO 
CD Oi *«■ to 


• OD W 
^ CC GC 

o'cD'ffc' 

C5 tt* 


0,33 
1,31 


4,74 


CT' CT« CD tt* 

o a> jw to 
t;a."-4''cc oi'oo 

OD -4 cc CD 


0,44 
2,69 


6,72 


Cn tt^ ^ 00 cc 

to c; cc OD 

"o"cc"cc"c5 CO 
O cc -4 CO 


"co to bo'hf». 
O Cn 


CT' >tä. QO CO 
C5 I*»- -4 to ^ 

to ^ ifa. Cn 00 

cn Qo -a cc 05 



o 
o 

H 

CD 

iZJ 

o 
er 



sr. « p p p 

o . P 

^ - 03 



03 



>—' >— 



o 
»5 



P 



pr 
o 

CO 

TS 
pf 
O 

CO 

p 

p 

CD 



P Oq 

P CD 



^ » «D 

2- ^ 

CD 
CD 



CO 

p: 

P 
H 
C 
P 

OQ 
CD 

er 
P 
p 
&- 

CD 
J3 

P 

cc 

p 
p 



P ^-^ 

_ CC p 

CD Pj 

P > 

dl 03 
O 

CD 

i-d ^ 
o er 

" CC 

p-nd 
o er 

o 

p 

M- I— ' 

P 



Ho Hö 

P- P- 

O O 
CO CO 

tr pr 
o o 

M H 

CC CO 
• p: 

P 
i-i 

CD 



CO 

o 

p- 

CD 



CD 
H 
CD 
>-< 

er 

CD 

CD 
O 
P- 
P 

CD 



to 

CC w 
^1 to 



^ cc »fi. 
O CT» C" 

~4 -4 CD Ht» 
to ^ CC CD 



cc 

CJ O O O 



CC 



05 cn to cc 

CT» O 05 OD CD 



OD Cn 

Cr« 1-^ 
tö. cn 



fcO I— CO 

^ ^ to cr5 

00 "co <X -1 
CD Ol Cn 



fcO 

cc to 

k-» CTX 



^ GO Cn 
"Ifc»~o"Qo"cn 

►fi' 05 O 



CO 
Ji. C75 



-1 O 

05 O 



to to 

CO O 00 

CD Cn O 
— J to CD CD 



jfc.. — p p 

O ' Ol O t-' 
CD cc v o 



CC' cc 
p to 

cn rf^ 



05 to o: 

CCOj^ 

Qo oi~to 

Cn to GD —1 



CO CC O O 
OD CD --3 

rfi» 0> ht^ -4 CT« 



CC CO 

-i'to 

)— ' 05 



05 to 05 
fcO CO CD Cn 

'^^'h^^'to'cD 
GO to 05 



tt^ I— >• O O 
05 CD -J 

fcO o to to 



to 



cn 



CO CO 
— o: 



CT« to Ol 
rfa. 05 

rf^ CT« CO O 

^ cn to to 



^1 cn 
to -J 



k-^ CT« to o; 

o o; cn 05 



^1 i 

Ol CD .fc' 



CO 

CT« 



fcO 
CTX O cc 



cn 

c» 



o o ^ 



Ol c:i 

>— ' Ol 



1,55 


16,65 
18,21 






1— k 


jO o 


05 









CC CC 

0~^"o 00 
CD CO OD to 



fcO to 

O CD 

to I— k cc tfi. 
QO cc 05 I— 



to O O O ^ 

^ H-k t-k CT« ^^tO 
-4 CD Ol 00 Ol 



CC to 

^cn 00 

'oi'co 



t-* cn to O- 

O to CO CO 

CD to'co CO 

^ -4 Ol O 



CD 
N 

CD 

o 

p 
p 
p 

CD 
>^ 

td 

<D 
93 
et- 
P 
P 

er 

CD 



1^ 



p 



P HH 



CR 

P 



p 



td 

O 

P 

o 

a 
P 



p: 
CS 

p 



er 



P3 

CD t-j 
K CS 

p 



CS 2 
ST" O 

o 2 

o P 

<S CD 
P 



CD 

CS p 

p 

CS 



W c^ ^ 
P n ■ P" O 

£, q S CD 
P ? £. 



o K 



H 

o 
o 

B 

CC 

ff 

o- 

cc 

P 
IS 



192 



üben. — Ein genauer Vergleich der Dicke und Schwere der 
Knochen gesunder und kranker Thiere konnte bei der Verschie- 
denheit der Thiere nicht ausgeführt werden. Die Knochen der 
kranken Thiere schienen^ wie andere Chemiker schon feststellten; 
leichter zu sein, als die Knochen gesunder Thiere. Die Metzger 
in jener Gegend geben ebenfalls an, dass so erkrankte Thiere 
leichtere Knochen haben, als andere Thiere von derselben Grösse. 
Das geringere Gewicht der ganzen Knochen kann vom verhält- 
nissmässig grösseren Fettgehalt der schwammigen Knochen her- 
rühren, ausserdem aber scheinen auch die Wandungen der Röhren 
dünner zu sein. 

Aus dem Mindergehalt der schwammigen Knochen an Phos- 
phorsäure und Kalk können wir den Schluss noch nicht ziehen, 
dass die Krankheit durch zu geringen Gehalt des Futters an 
jenen Stoffen bedingt werdC; denn der phosphorsaure Kalk kann 
auch in Folge der Krankheit aus den Knochen verschwinden 
und der verschwundene nicht mehr ersetzt werden, auch dann, 
wenn das Futter genügend Phosphor in Kalk enthält. Da in- 
dess bei einigen Heusorten solcher Hinschhöfe weniger Phos- 
phorsäure gefunden wurde, als bei anderem Heu, da ferner nach 
Aussage vieler Thierärzte und praktischer Landwirthe sowohl 
durch phosphorsauren Kalk, als durch die an dieser Verbindung 
reiche Kleie das Auftreten dieser Krankheit vermindert und die 
vorhandene Krankheit sehr oft beseitigt werden kann, so ge- 
winnt die Annahme, dass in manchen Fällen der Mangel an 
phosphorsaurem Kalk im Futter die Krankheit bedinge, an 
Wahrscheinlichkeit. Für sonstige Ursachen der Krankheit ver- i 
weise ich auf meine auf der zweiten Seite dieser Abhandlung 
angeführten Aufsätze, besonders auf Nr. 6 des Wochenblattes 
des landw. Vereines in Baden. 



193 



Mlttheilungen aus dem agriculturchemischen 
Laboratorium zu Poppelsdorf. 

ly. Analyse eines Fleischmehl aus Fray-Bentos. 

Von 

Dr. Pott. 



Aus Fray-Bentos wird ein Fleischmehl (Fleischrückstände 
in Pulverform), als Nebenproduct der Fleischextractfabrikation 
gewonnen, als Futtermittel in den Handel gebracht. 

Die Analyse dieses Präparats führte zu folgenden Resul- 
taten : 

In 100 Thl. des lufttrocknen Fleischmehl sind enthalten: 

Wasser 10,48 o/o 

Trockensubstanz 89,52 » 

100,000/0 

In 100 Thl. des bei 100— llO^C getrockneten Fleischmehl: 

Asche ... 1) 5,460/o; 2) 5,723; 3) 5,58 
Fett .... 13,88 o/o 
Stickstoff. 1) 13,270/o; 2) 13,57 

In 100 Thl. des lufttrockenen Fleischmehl : 

Asche. . 4,88 o/o (aus 1 berechnet) 
Fett . . 12,42 » 

Stickstoff 12,01 )) (aus Mittel ber.) 

Aus obigen Daten ergiebt sich die Zusammensetzung des luft- 
trocknen Fleischmehl : 

Wasser 10,48 o/o 

Asche 4,88 » 

Proteinsubstanz 72,06 » (durch Multiplication des N mit 6 gef.) 

Fett 12,42 » 

99, 84 o/o 

Landw.Versuchs-Stat. XVI. 13 



194 



Eine Bestimmung der löslichen und unlöslichen minerali- 
schen Salze ergab folgendes Resultat. — 

In 100 Thl. der bei 100—110» C. getrockneten Substanz sind 





enthalten : 










0,640/0 lösl. min. Salze 


In Wasser 


lösl. Bestthl. 


6, 18 0/0 darin : 


, 5,54 )) erg. Bestthl. 

6,18 « 
1 4,22 >) min. Salze 


Unlöslicher 


Rückstand . 


93, 82 0/0 darin: 


L 89,60 )) org. Bestth. 








1 93,82 0/0 




Analy 


se der Asche. 


In 100 Thl. 




Auf Reinasche Auf 100 Thl. Fleisch- 


Rohasche : 




ber. : 


mehl (Trockens.) her. : 


KO 1,990% 




5,4990/0 


0,110/0 


NaO 1,326 » 




3,664 » 


0,07 .. 


CaO 8,785 » 




24,049 » 


0,48 )) 


MgO 1,160 « 




3,205 » ' 


0,06 )) 


FeaOg 5,801 « 




16,015 » 


0,32 » 


P2O5 15,333 




42,376 » 


0,85 » 


SO3 0,818 » 




2,426 « 


0,05 » 


SiOa 0,663 » 




1,835 » 


0,04 « 


Gl 0,307 « 




0,931 » 


0,02 )) 






100,0000/0 


2,000/0 (Reinasche) 


Sand 53,328 » 









CO, 



92,5110/0 

7,489 » (durch Differenz) 



100,0000/0 

Zum Vergleich der Aschenanalyse des vorliegenden Fleisch- 
mehles mit Aschenanalysen von frischem Fleische sei es mir ge- 
stattet, zwei Aschenanalysen von Ochsenfleisch, die eine von Staffel, 
die andere von Stölzel, hier anzuführen. — Beide Analysen sind 
auf ßeinasche berechnet. — 

Ochsenfleisch 1) Ochsenfleisch 2) 



Staffel 
Rohasche — 
Reinasche — 



Stölzel 
8,300/0 
7,60 « 



Pleischmehl aus 
Fray-Bentos 

Pott 
5,460/o 
2,00 ». 



1) Archiv f. Pharm. 2. R. 64, 148. 

2) Ann. d, Chemie u. Pharm. 77, 260. 



195 



II cpV» onfl Ol cpTi 
o II 1 1 ü. 1 0 1 i 




T^lpisplrmplil ans 






Fray-Bentos 


Staffel 


Stölzel 


Pott 


KO 46,09 o/o 


48,91 0/0 


5,4990/0 


NaO — 


— 


3,664 .) 


CaO 1,S8 .) 


0,91 >> 


24,049 » 


MgO 3,60 » 


2,30 » 


3,205 » 


Fe.2 03 1,07 » 


0,82 » 


16,015 » 


P2O5 37,35 » 


36,08 » 


42,376 » 


SO3 3,66 » 


3,84 » 


2,426 » 


Si02 2,25 » 


2,47 » 


1,S35 » 


Cl 5,28 » 


6,04 )> 


0,931 » 



Es ist wohl nach der oben mitgetheilten Analyse kaum 
zweifelhaft, dass das von der Fleischextractfabrik in Fray-Bentos 
in den Handel gebrachte Fleischmehl ein ausgelaugter Fleisch- 
rückstand ist. Dafür sprechen der geringe Aschengehalt, der 
nach Abzug der über die Hälfte der Rohasche ausmachenden 
Verunreinigungen, nur 2 0/0 beträgt, die geringe Menge der in 
Wasser löslichen mineralischen Salze 0,64 o/q^ endlich die be- 
trächtliche Verminderung der Kalisalze. Der bedeutende Kalk- 
und Eisengehalt, ebenso die grosse Menge Sand sind Verun- 
reinigungen aller Art zuzuschreiben, die natürlich wesentliche 
Abweichungen in der Aschenanalyse zur Folge haben mussten, die 
man bei einer reinen Fleischasche nicht zu gewärtigen hat. 

Der hohe Nährwerth des Fleischmehl ist selbstredend, da 
es aus fast reiner Proteinsubstanz besteht. Dieser Umstand ist 
bei einem Fütterungsversuche nicht unberücksichtigt zu lassen. 

Analytische Belege zur Analyse. 

Grm. Grm. 

4,2495 Subst. gaben 0,4455 Wasser = 10,48 o/q Wasser = 85,52 0/0 Trockens. 

1) 1,52 Trockens. » 0,083 Ascbe = 5,46 » Asche 

2) 1,85 )) » 0,106 » = 5,72 » 

3) 1,95 » » 0,109 » = 5,58 » 
5,26 » » 0,7305 Fett = 13,88 » Fett 

1) 0,621 » » 0,5825 Platin ber. 0,0824 N = 13,270/o N 

2) 1,229 » » 1,175 » » 0,1662 >> == 13,57 » » 
8,05 « 



0,498 in Wasser lösl. 



» darin 



= 6,18 » in Wasser lösl, 
93,83 » unl. Rückst. 
100,00 

0,052 lösl. min. Salze 
0,446 org. Bestthl. 
13* 



196 



demnach in 6, 18 % in Wasser Löslichem enthalten : ) ^'^^ ^^^^^ 
' ) 5,54 » org. Bestthl. 

"ms" 

1,2295 Grm. Trockens. des unl. Rückst, gaben 0,056 Grm, min. Salze 
demnach Gesammtrückst. 7,552 0,34 » » » 

also in 93,820/o unlösl. Rückst, enthalten: ) -^'220/0 min. Salze 

} 89,60 » org. Bestthl. 

93,82~» 

Aschenanalyse. 

Asche (Rohasche: kohlens.- u. sandh.) gaben 

1/4 1,2065 0,017 Chloralkalien 0,009 KCl 0,008 NaCl 

0,023 KO 
0,009 KCl 

= 1,9900/0 KO 
0,008 Na Cl » 0,016 NaO = 1,3260/oNaO 

1/2 1,2065 0,085 kohlens. Kalk » 0,1064 Kalk = 8,785 o/q Kalk 

1/4 1,2065 0,01 pyrophs. Magn. » 0,014 Magn. = 1,160 0/0 

Magn. 

1,2065 0,133 phosphs. Eisen « 0,070 Eisen = 0,062 Phos- 

phors, 

= 5,8010/0 Eisen 
1/4 1,2065 0,048 pyrophs. Magn. » 0,1228 Phosphors. 

0,0625 » = 15,333 



0,031 Kaliumpichl, ber. 



0,1853 Gesammtphs. Phosph. 
1,2065 0,031 schwefs. Baryt 0,0106 Schwefels. 

= 0,818 Schwefels. 
0,008 Kiesels. = 0,663 0/0 Kiesels. 

0,482 0,006 Chlors, ber. 0,0014 Chlor = 0,3070/o Chlor 

1,2065 0,6796 Sand = 56,3280/o Sand 

V. Analyse eines Schlamm. 

Von 

Dr. Pott. 

Der Schlamm stammt aus einem kleinen Flüsschen bei 
Aachen, die »Wurm«, und ist von sechs verschiedenen Fängen 
desselben in der Nähe von Klein-Tiersdorf gesammelt. — 

Die Analyse ergab folgende Zusammensetzung des luft- 
trocknen Schlamm: 

Feuchtigkeit 1) 8,600/o; 2) 8,66 

Glühverlust, (org. Subst.) 10,05 » 
Mineralbestandtheile . . . 81,35 » 

100,00 



197 



In 100 Tbl. des lufttrocknen Schlamm waren: 

11,298% in conc. kochender Salzsäure löslich 
80,072 » » » » » unlöslich. 

Die Analyse des in conc. kochender Salzsäm'e Löslichen ergab 
für 100 Tbl. des lufttrocknen Schlamm an: 

Kieselsäure 0,094 o/o 

Kalk 0,658 )» 

Magnesia 0,153 » 

Phosphorsäure . . . 0,366 » 

Schwefelsäure . . . 0,509 » 

Kali 0,226 « 

Natron 0,076 » 

Der in conc. kochender Salzsäure unlösliche Rückstand mit 
koblens. Natron gekocht enthielt an: 

Kieselsäure 5,020%, 

100 Tbl. des bei 100^ C. getrockneten Schlamm enthielten: 

0,4470/0 N. 

Aus obiger Analyse des Schlammes aus der »Wurm« ergiebt 
sich, dass seine Zusammensetzung von der eines Ackerboden 
wesentlich verschieden ist, namentlich ist der NGehalt bei wei- 
tem höher. — 



Analytische Belege zur Analyse. 

1) 9,571 Grm. Subst. gaben 0,S235 Grm. Feuchtigkeit 

= 8,60 0/0 Feuchtigkeit 

2) 4,8735 Grm. Subst. gaben 0,4225 Grm. Feuchtigkeit 

= 8,660/o Feuchtigkeit 
8,747 Grm. Trockens. gaben 0,879 Grm. Glühverl. (org. Subst.) 

= 10,05 O/o Glühverl. (org. Subst.) 
50 Grm. lufttr. Subst. gaben 40,03 Grm. unl. Rückst. 

= 80,072 o/o unl. Rückst. 
= 11, 298 o/o Lösliches 
die salzs. Lösung von 50 Grm. lufttr. Subst. gab 0,047 Grm. Kiesels. 

= 0,0940/0 Kiesels. 
1/3 dieser Lösung von 50 Grm. lufttr. Subst. 0,196 Grm. kohlens. Kalk ber. 

= 0,10970/0 Kalk = 0,658 0/0 Kalk 
dieser Lösung von 50 Grm. lufttr. Subst. 0,07050/o pyrophs. Magn. 

= 0,0256 Magn. = 0,1530/o Magn. 



198 



i/e dieser Lösung von 50 Grm. lufttr. Subst. 0,048 % pyrophs. Magn. 

= 0,0307 o/o Phosphs. = 0,366 o/(j 
Phosphors. 

dieser Lösung von 50 Grm. lufttr. Subst. 0,1 28 o/o scbwefels. Bar. 

= 0,0441 O/o Schwefels. = 0,509 o/o 
Schwefels. 

Vs dieser Lösung von 50 Grm. lufttr. Subst. 0,0690/o Chloralk. 

= 0,045 KCl = 0,024 NaCl 
ber. 0,0378 KO 
« 0,045 KCl 
= 0,226 o/o KO 
0,024 NaCl. ber. 0,0127 NaO = 0,076 o/o NaO 
12,778 Grm. des unt. Rückst, (lufttr. Subst.) gaben mit kohlens. Natron gekocht 

0,641 Grm. Kiesels. = 5,02 o/o Kiesels. 
4,3795 Grm. Trockens. geben 0,138 Platin ber. 0,01959 N = 0,447 O/q N. 

Laboratorium der Versuchs- Station Poppelsdorf-Bonn. Jan. 73. 



0,1495 Kalium gkcht. 



lieber eine Buchenkrankheit. 

Von 

Dr. J. König. 



Seit einiger Zeit wird in Westfalen eine neue Buchenkrank- 
heit 1) beobachtet, welche sich darin äussert, dass auf der Rinde 
(gewöhnlich an der Südseite) anfangs kleine weisse, pilzartige 
Pünktchen zum Vorschein kommen, welche sich allmählich aus- 
dehnen und schliesslich den ganzen Baum wie eine Schnee- 
decke überziehen. Die so ergriffenen Bäume fangen an zu 
kränkeln und sterben zum Theil ab ; dass alle Bäume daran zu 
Grunde gehen, ist noch nicht festgestellt. Neuerdings ist die- 
selbe Erscheinung an 90jährigen ausgeforsteten Eichen wahr- 
genommen. 

Der Beobachter dieser Krankheit, Herr Graf v. Wedeil 
auf Sandfort bei Olfen hatte die Freundlichkeit, der hiesigen 
Versuchs-Station eine grössere Probe des weissen Ueberzuges zu 
übersenden. 



1) Landw. Zeitung f. Westf. u. Lippe 1S73 pag. 13 u. 46. 



199 



Unter dem Mikroskop erscheint derselbe in feinen Fädchen^ 
löst sich in Aether und schmilzt bei TS^— 80«. Letztere Eigen- 
schaften Hessen keinen Zweifel, dass der weisse Ueberzug nichts 
weiter als Wachs sei. Seine Elementarzusammensetzung stellt 
sich im Vergleich zum Bienen- und chinesischen Wachs — letz- 
teres entsteht bekanntlich durch den Stich einer Coccusart — 
wie folgt : 

Neues Bienen- Chinesisches 

Wachs Wachs i) Wachs 

Schmelzpunkt 780—800 600—630 820 

Kohlenstoff . 87,39 o/o S7,800/o 82,31o/o 

Wasserstoff . 13,58 » 12,67 » 13,57 » 

Sauerstoff . . 5,03 » 5,53 » 4,12 » 

Beim Verseifen mit alkoholischem Kalihydrat blieb ein Theil 
des Wachses unangegriffen. Derselbe wurde von der wässerigen 
Seifelösung durch Filtriren durch Asbest getrennt. 

Die Seifelösung gab an Aether beim Schütteln einen Kör- 
per (Alkohol?) ab, welcher bei 49»— 51 5 schmilzt, bei 500— 48^ 
erstarrt und folgende Elementarzusammensetzung hat: 

Kohlenstoff . . . 76,21 o/^ 
Wasserstoff. . . 12,24 » 

Die aus der Kalilösung durch Salzsäure gefällte Säure zeigt einen 
Schmelzpunkt von 51 ^ — 53^ Erstarrungspunkt bei 50^ — 49^ mit 
folgender Elementarzusammeusetzung : 

Kohlenstoff . . . 77,88 o/q 
Wasserstoff. . . 12,31 » 

Der Kückstand von der Verseifung, welcher bei 140^ — 145^ 
schmilzt, muss demnach einen höheren Kohlenstoffgehalt haben, 
als das ursprüngliche Wachs, und scheint letzteres aus mehreren 
Verbindungen zu bestehen, der Mangel an Substanz erlaubte 
einstweilen keine weitere Untersuchung, jedoch hoffe ich darauf 
zurückzukommen. 

Das Wachs nun wird von einem kleinen Insekt abgeson- 
dert, welches Herr Dr. H. Landois, Professor der Zoologie 
in Münster, die Freundlichkeit hatte zu bestimmen. Dasselbe 
zeigt nach ihm bei 500maliger Vergrösserung folgenden Bau: 

1) Vergl. diese Zeitschr. Bd. XIII pag. 252 u. Lehrbuch d. organ. Che- 
mie von H. Limpricht pag. 482 u. 484. 



200 



Prof. Dr. Landois giebt dazu folgende Bemerkungen: «Wenn 
man die Wachswolle zerzupft, findet man zwischen derselben 
äusserst kleine Insecten, welche grosse Aehnlichkeit mit der 




Fig. 1. Fig. 2. 

Rückseite Bauchseite 

Figur 1 p. Taf. XII Bd. III in Ratzeburg's Forstinsecten 
haben. Da wir eine Abbildung des Thieres in 500maliger Ver- 
grösserung beifügen, so mögen zur Charakterisirung diese kurzen 
Notizen hier gentigen : die Ftihler sind 6gliederig und 0,02 MM. 
lang. Die Länge des Thieres beträgt 0,14 M.M., die Breite 
0,086 MM. Von Farbe sind die Insecten citronengelb. Die 
Wolle wird aus zwei am hinteren Theile des Leibes belegenen 
Drüsen abgesondert. Da diese Speeles bisher unbekannt war, 
möge sie den Namen Chermes Fagi führen. Da augenblicklich 
im Winter keine geflügelten Individuen vorhanden sind, so muss 
die genauere Charakterisirung späterer Zeit vorbehalten bleiben.« 

Landw. Versuchs- Station Münster, d. 2. März 1873. 



201 



Verliandlnngen 

der Section für Agriculturchemie in der 45. Versammlung Deut- 
scher Naturforscher und Aerzte in Leipzig vom 12. bis 

18. August 1872. 

Nachdem die VII. Wanderversammlung Deutscher Agricultur- 
chemiker, Physiologen und Vorstände von Versuchs-Stationen zu Dres- 
den 1871, wie bekannt 1), beschlossen hatte, inskünftige den Natur- 
forscher-Versammlungen als besondere Section sich anzuschliessen, 
und durch die hierzu gewählten Mitglieder W. H e n n e b e r g-Göttin- 
gen, F. Nobbe-Tharand und E. W o 1 f f-Hohenheim die Einrichtung 
einer Section für landwirthschafthches Versuchswesen provocirt, und 
Herr Prof. W. Knop-Leipzig ersucht worden, die nöthigen Einlei- 
tungen an Ort und Stelle zu treffen, ist diese Section als die 16. Sec- 
tion der Naturforscherversammlung unter dem Rubrum »für Agricul- 
tur Chemie« — einer mit Rücksicht auf die Betheiligung der Thier- 
und Pflanzenphysiologen nicht ganz glücklichen Bezeichnung — am 
13. August 1872 zu Leipzig constituirt worden. 

Präsenzliste der Section für Agriculturchemie bei der Naturfor- 
scher-Versammlung zu Leipzig 1872. 



Prof. Dr. C. Birnbaum-Leipzig. 
Dr. AVilhelm Cohn-Martiniquefelde 

bei Berlin. 
Dr. "Willy D et m er-Leipzig. 
Dr. B. E. Dietzell-Möckern. 
Dr. Carl Fi 11 y-Berlin. 
Dr. F. Fi ttb ogen-Regenwalde. 
„ Dr. M. Fleisch er- Weende. 
D. H. Franke-Leipzig. 
Dr. L. H. Fr iedburg-Gembloux. 
Medicinalrath Prof. Dr. H a u b n e r- 

Dresden. 
Dr. F. Heidep riem-Cöthen. 
Prof. Dr. E. H e i d e n-Pommritz. 
Dr. R. Heinrich-Zwätzen-Jena. 
Dr. V. Hofmeister-Dresden. 



J a c o w 1 e f f-Petersburg. 

Prof. Dr. W. Knop-Leipzig. 

Dr. J. König-Münster. 

Prof. Dr. K ro cker-Proskau. 

Prof. Dr. Gustav Kü hn-Möckern. 

Dr. N L a sk o V s k v-Moskau. 

Prof. Dr. Max Mär ck er-Halle a/S. 

Prof. Dr. F. Nobbe-Tharand. 

Dr. P e t e r s e n-Leipzig. 

Prof. Dr. E. II e i c h a r d t-Jena. 

Dr. Robert Sachsse-Leipzig. 

Dr. A. Schmidt-Möckern. 

Dr. Fr. S o x h 1 e t-Leipzig. 

Prof. Dr. F. Sto hmann-Leipzig. 

Dr. H. W eiske-Proskau. 

Dr. Wilh. Wolf-Döbeln. 



Es waren hiernach 15 eigentliche Versüchs-Stationen (darunter 
eine Belgische) durch 30 Theilnehmer in der Versammlung reprä- 
sentirt. 



1) Landw. V.-Stat. XIV, 445. 



202 



Der Besuch der früheren Wanderversammlungen stellt sich auf 
Grund der jedesmaligen Präsenzliste wie folgt. 



Anzahl der 

Ort Jahr vertretenen Theilnehmer 

der Versammlung Versuchs- überhaupt 

Stationen 

1. Leipzig 1863 IT 38 

2. Göttingen 1864 20 46 

3. München 1865 19 62 

4. Braunschweig 1867 18 54 

5. Hohenheim 1868 20 50 

6. Halle a/S. 1569 22 69 

7. Dresden 1871 21 48 

8. Leipzig 1872 15 30 



Die Section hat im Ganzen drei Sitzungen: am 13., 14. und 
15. August, abgehalten. Eine Relation über die Verhandlungen der- 
selben, verfasst von den gewählten Schriftführern Dr. Rob. Sachsse 
und Dr. Willy Detmer, beide zu Leipzig, findet sich abgedruckt 
in dem «Tageblatt der 45. Versammlung Deutscher Naturforscher 
und Aerzte in Leipziga^), S. 207 bis 209. 

Im Anschluss an beregtes Referat sind wir durch gütige Unter- 
stützung der Herren Vortragenden in der Lage, den Fachgenossen 
u. a. Interessenten eine etwas eingehendere Darstellung der Ver- 
handlungen vorzulegen. 

1. Sitzung vom 13. August 1872. 

Vorsitzender Prof. W. Knop. 

Prof. Nobbe-Tharand theilt im Namen des noch nicht einge- 
troffenen Geschäftsführers der letzten Wanderversammlung zu Dres- 
den, Dr. V. Hofmeister, den Rechenschaftsbericht über die letzte 
Wanderversammlung mit. Hiernach stellt sich ein Ueberschuss von 
13 Thlr. 6 Gr. heraus, welcher, nachdem die Versammlung bezüg- 
lich der Rechnungsablage die erforderliche Decharge ertheilt hat, den 
Secretairen der Versammlung übergeben wird. 

Prof. Knop-Leipzig macht sodann Mittheilung von einer Ein- 
ladung, welche von Seiten des K. K. Oesterr. Ackerbau-Ministe- 
riums an die Section gelangt ist, die nächste Versammlung i. J. 
1S73 in Wien abzuhalten. 

Prof. Nobbe, unter Mittheilung des folgenden an Prof. Dr. 
Mose r-AVien gerichteten Ministerialrescripts : 



1) Unter Mitwirkung der Secretaire der Sectionen herausgegeben von 
Prof. Dr. A. Winter. Leipzig 1872. 



203 



An 

den K. K. Professor und Leiter der K. K. Landwirthschaftlich- 
chemischen Versiichs-Station 

Herrn Dr. Ignaz Moser 

in Wien. 

In Erledigung der Eingabe vom 8. d. Mts., Z. 404, ermäch- 
tige ich Sie , die heuer Anfangs August in Leipzig versammelten 
Agricultur-Chemiker zur Abhaltung ihrer nächstjährigen Versamm- 
lung im Namen des Ackerbau-Ministeriums nach Wien einzuladen. 

Wien, den 25. Juli 1872. 

Der Ackerbau-Minister 

Chlumecky m. p. 
sowie einiger von Prof. Moser brieflich beigefügten Motive schlägt 
vor , die freundliche Einladung , namentlich in Berücksichtigung der 
bevorstehenden Weltausstellung, anzunehmen. 

Prof. G. Ktihn-Möckern beantragt zu diesem Zwecke ein Co- 
mite zu wählen. Der Besuch von Wien könne vor sich gehen, ohne 
die Theilnahme der Agricultur-Chemiker an der W^anderversamm- 
lung der Deutschen Naturforscher zu beeinträchtigen. 

Die Beschlussfassung über diese Angelegenheit wird schliesslich 
vertagt, bis der nächste Versammlungsort der allgemeinen Naturfor- 
scher-Versammlung bekannt sein werde. 

Prof. Nobbe spricht darauf 

ü eher einige mechanische Vorgänge bei der Keimung^). 

Bei dem Keimungsprocess sind drei verschiedene zum Theil 
neben einander verlaufende Vorgänge zu unterscheiden : der Quel- 
lungsprocess , die Auflösung der Reservestoffe , die Ausbildung des 
Embryo. Ersterer ist ein rein mechanischer Vorgang. Das Quellen 
kann nicht durch Wassergas hervorgebracht werden, die Wasserauf- 
nahme unter solchen Umständen ist eine sehr geringe. Es ist tropf- 
barflüssiges Wasser hierzu nothwendig. Die Schnelligkeit, mit wel- 
cher das Aufquellen vor sich geht , ist nicht nur generell , sondern 
auch individuell sehr verschieden. Das Alter hat mit der Quellungs- 
fähigkeit nichts zu thun , das Alter beschleunigt eher das Quellen. 
Es kommt auf den anatomischen Bau der Samenhülle an. Dieser 
Bau ist sehr complicirt. Die Schichten der Umhüllung haben ver- 
schiedene Bedeutung : Holzschicht (Schutzschicht) , Quellschicht, eine 
, Pigmentschicht etc. Nach Massgabe der Reihenfolge dieser verschiedenen 
Schichten kann man zwei Haupttypen der Samenhülle unterscheiden, 
was Redner illustrirt durch Beschreibung der Umhüllung des Samens 

1) Da die Ergebnisse der betr. Untersuchungen in extenso im Druck 
begriffen sind, begnügen wir uns hier mit dem einfachen Abdruck des Sec- 
tionsreferates. F. N. 



204 



von Trifolium pratense, bei welcher die innerste Schicht die Quell- 
schicht ist , und des Leinsamens , welcher eine andere Vertheilung 
zeigt. Die Q,uellschicht ist hier die äussere. Diese Charaktere sind 
systematisch verwerthbar. Das Achaenium von Erigeron cana- 
dense ist mit anliegenden Haaren bedeckt, die sich beim Befeuchten 
sträuben, beim Trocknen wieder anlegen, woraus Redner unter Dar- 
legung der anatomischen Bedingungen dieses Vorgangs einige prak- 
tische Folgerungen ableitet. Aehnliche interessante Verhältnisse finden 
sich bei Senecio vernalis. Um den Ort zu bestimmen, durch welchen 
beim Quellen das Wasser in den Samen eintritt, ist man so verfah- 
ren, dass man den Samen, bis auf die zu untersuchende Stelle wasser- 
dicht umklebt hat. Diese Versuche haben zu widersprechenden Re- 
sultaten geführt. Redner gelangte zu dem Schluss, dass das Wasser 
aller Orten eintreten kann , indess sind verschiedene Orte etwas be- 
fähigter als andere. Das Aufplatzen der gequollenen Samen vor der 
Entwicklung der Radicula wird dadurch verhindert, dass der ausge- 
wachsene Same während der Reifung eine Schrumpfung erfahren hat. 
Die absolute Gewichtszunahme beim Quellen ist grösser als die Volum- 
zunahme. Eine Verdichtung des Wassers beim Quellen findet statt. 
Dieser Vorgang zusammen mit andern, noch nicht genauer bekannten 
chemischen Vorgängen bewirkt die beobachtete Wärmeentwicklung. 

An der kurzen sich an diesen Vortrag schliessenden Debatte 
betheiUgen sich die Herren : M ä r c k e r-Halle ; N o b b e-Tharand ; 
K n 0 p-Leipzig ; Heide n-Pommritz ; S a c h s s e-Leipzig . 

Prof. M ä r c k e r-Halle spricht 

Ueber Stickstoffbestimmung in stickstoffreichen 

Körpern. 

Die Genauigkeit der Methode stickstoflfhaltige Substanzen mit Na- 
tronkalk zu verbrennen ist neuerdings angezweifelt worden. Redner 
hat daher eine grössere Reihe von Versuchen angestellt, bei welchen 
der StickstofFgehalt durch Verbrennen mit Natronkalk und nachheriges 
Titriren oder mittelst Platinchlorid gefunden oder nach der Dumas' - 
sehen Methode bestimmt wurde. Versuche mit schwefelsaurem Ammo- 
niak ergaben nach diesen verschiedenen Methoden nahezu gleiche 
Resultate, wenn man die Temperatur nicht zu hoch steigert, da sonst 
bekanntlich Ammoniak leicht zersetzt wird. Bei kohlenstoffhaltigen 
und stickstoffreichen Körpern (Kleber) erhält man leicht beim Ver- 
brennen mit Natronkalk und nachherigem Titriren zu niedrige Resul- 
tate, weil sich anilinartige Producte bilden, die sich dem Titriren ent- 
ziehen. Die Bestimmung mit Platinchlorid giebt aber auch hier sichere 
und mit der Dumas' sehen Methode übereinstimmende Zahlen. Mit noch 
ungünstigeren Verhältnissen hat man es bei der Bestimmung des Stick- 



205 



Stoffs im Fleisch zu thun. Unter diesen Umständen ist einzig und 
allein die Bestimmung mit Platinchlorid zu empfehlen, abgesehen 
natürlich von der Dumas' sehen Methode, die sehr umständhch ist. 

Prof. Stohmann-Halle fragt an, ob Redner seine Versuche 
auch auf Stickötoffbestimmungen im Harn ausgedehnt habe. Redner 
verneint dies. 

Dr. W. D e t m e r-Leipzig erhält das Wort, um über einige Ver- 
suche 

Ueber den Einfluss verschiedener Lichtintensitäten 
auf die Entwicklung einiger Pflanzen 

zu berichten. 

»Die verschieden brechbaren und mit verschiedener Schwingungs- 
dauer begabten Strahlen des Spectrums haben auch verschiedene 
Functionen innerhalb des vegetabilischen Organismus. Manche That- 
sachen berechtigen uns diese Behauptung schon jetzt auszusprechen, 
keineswegs aber besitzen wir schon sehr weit reichende Kenntnisse 
über den Einfluss der verschiedenen Strahlengattungen auf die Vege- 
tation ; indessen muss die Erlangung richtiger Vorstellungen eben über 
den Einfluss der ersteren oder der Combinationen derselben auf die 
physiologischen und morphologischen Processe in den Pflanzen als 
Ziel des Studiums dieses Theiles der Pflanzenphysiologie bezeichnet 
werden. Der Untersuchung der Pflanzen unter dem Einflüsse ver- 
schiedener Strahlen des Spectrums stehen nun grosse experimentelle 
Schwierigkeiten entgegen, denn Substanzen, die z. B. nur eine Strah- 
lengattung durchlassen, die übrigen aber völlig absorbiren, sind sehr 
schwierig zu erhalten, will man aber direct durch ein Prisma zer- 
legte Strahlen benutzen, so sind dazu Apparate in grossem Mass- 
stabe erforderlich, die nicht leicht zu beschaffen sind und die 
dann doch wieder manche Nachtheile darbieten, wir erinnern hier 
z. B. nur an die geringe Intensität des Lichtes. So ist es leicht 
verständlich, dass man zunächst stets damit begann , die Wirkung 
des weissen Lichts auf die Pflanzen zu studiren, als derjenigen Com- 
bination der Strahlen des Spectrums, welche uns die Natur selbst 
zur Verfügung stellt. Bei der Ausführung der mitzutheilenden Unter- 
suchungen habe ich auch weisses Licht benutzt, und zwar kam es, 
um die vorgelegten Fragen in möglichst präciser Weise zu beant- 
worten, in verschiedener Intensität zur Anwendung, ausserdem aber 
wird man dadurch in den Stand gesetzt, Vorgänge, die in der Natur 
unter dem Einflüsse des Lichtes von verschiedener Helligkeit vor sich 
gehen, genauer kennen zu lernen, endlich aber lassen sich aus der- 
artigen vergleichenden Untersuchungen Gesichtspunkte gewinnen, deren 
Berücksichtigung bei der Cultur der Pflanzen von Wichtigkeit ist. 



206 



Die Thatsache, dass überhaupt die Lichtintensität die Formbil- 
dung und Färbung der Pflanzen modificirend beeinflusse, ist zuerst 
um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von B o n n e t experimentell con- 
statirt worden. Die Literatur über den Gegenstand , wenigstens so 
weit er sich besonders auf den Einfluss des verschieden intensiven 
Lichtes auf die Zellbildung erstreckt, ist von Julius Sachs in der 
Botanischen Zeitung 1863. Beilage p. 9 kritisch zusammengestellt, 
er giebt aber auch in seinem Handbuche der Experimentalphysiologie 
der Pflanzen 1865. p. 32 einige Notizen darüber und führt ferner 
an diesem Orte auch einige Untersuchungen an, die von ihm auf 
diesem Gebiete ausgeführt sind. Es versteht sich von selbst, dass 
•überhaupt nur die Pflanzen eine wesentliche Veränderung hinsichtlich 
ihrer Entwicklung erleiden, wenn sie in dunklerer oder hellerer Um- 
gebung vegetiren, die zur normalen Ausbildung des Lichtes bedürfen, 
und im Allgemeinen weiss man, dass die meisten Internodien und 
viele Blattstiele sich bei verminderter Lichtintensität in die Länge 
dehnen, veranlasst durch einen Streckungsprocess der sie bildenden 
Zellen. Dagegen aber zeigen die Blattspreiten ein entgegengesetztes 
Verhalten, indem ihr Wachsthum durch verminderte Helligkeit nach 
allen, oder doch wenig.'^tens nach einer Richtung hin deprimirt wird. 
Die Annahme liegt nahe , dass das Licht jene Eficcte durch das 
Chlorophyll ausübt, d. h. dass eben entsprechend der Menge und 
eigenthümlichen Ausbildung des Chlorophyllfarbstoö'es und seiner 
protoplasmatischen Grundmasse, unter dem Einflüsse des Lichtes von 
verschiedener Intensität, auch die Zellbildung specifische Richtungen 
einschlägt. Die Art und Weise des Verlaufes dieser Processe ist 
noch in vollkommene Dunkelheit gehüllt, ja selbst der Eö'ect noch 
sehr wenig gekannt, so dass der interessante Gegenstand einer wei- 
teren Bearbeitung bedarf. 

Meine ersten Arbeiten auf diesem Felde der Physiologie habe 
ich im Sommer 1872 im landwirthschaftlich-physiologischen Labo- 
ratorium der Universität Leipzig ausgeführt und danke dem Director 
desselben, Herrn Professor Sto hm an u, herzlich für die Bereitwillig- 
keit, mit welcher er auch bei dieser Gelegenheit auf meine Wünsche 
einging. (In der Section für Agriculturchemie der 45. Versammlung 
Deutscher Naturforscher und Aerzte habe ich kurz über meine Unter- 
suchungen berichtet und dem zu Folge findet sich im Tageblatt Nr. 7 
der Versammlung eine Notiz über dieselben. Hier sei es mir ge- 
stattet die Methode und Resultate etwas eingehender zu behandeln, 
ich möchte indessen alles nur als Vorarbeiten für fernere Studien 
über den zu behandelnden Gegenstand betrachtet wissen.) 

Zunächst kam es natürlich vor allem darauf an, überhaupt Räume 
herzustellen, die Licht von verschiedener Intensität empfingen, und 1 
zwar Hess ich zu diesem Behufe Holzkästen anfertigen , in die das | 



207 



Licht durch Glasplatten hinein gelangte. Der untere und obere Bo- 
den der Kästen hat eine Länge von 345, eine Breite von 197 Mill., 
während die vordere und hintere Wand eine Höhe von 555 Mill. 
besitzt. Die letztere wird fast ganz durch eine Thür gebildet, welche 
aus einem Holzrahmen besteht, über den dicke, undurchsichtige Pappe 
gespannt ist, welche letztere auf der inneren Seite, wie auch die 
nach Innen gekehrten Holzflächen, schwarz gefärbt ist. Die vordere 
Wand , durch die also das Licht eintreten sollte, wird durch Glas- 
platten gebildet , von denen man , da die nahe liegenden Theile der 
beiden Seitenwände mit Rillen versehen sind, eine oder mehrere in 
die Vorrichtung einschalten kann. Oben auf die Glasplatten ist noch 
ein schmaler Streifen Glanzpapier aufgeklebt, damit von hier aus 
kein Licht eintreten kann. Der Apparat Nr. I wurde mit einer ge- 
wöhnlichen Glasplatte versehen, Nr. H mit einer Milchglasplatte, 
Nr. HI mit zwei Milchglasplatten und Nr. IV erhielt deren drei. 
Alle Platten waren von möglichst gleicher Stärke. Ausserdem sind 
noch Versuche mit Apparat V angestellt, der aus einem Kasten be- 
steht, in den kein Licht eintreten kann. So war also ein dunkler 
Raum hergestellt und ferner Räume, in die Licht von verschiedener 
Intensität eindrang. 

Allerdings zeigt die einfache Betrachtung der Apparate schou, 
dass die Lichtintensität in ihnen sehr verschieden ist, indessen waren 
genauere Messungen erforderlich. Leider sind die photometrischeu 
Methoden noch sehr wenig ausgebildet, so dass die Werthe, die man 
bei der Ausführung derselben erhält, nur annähernde Natur besitzen : 
würde man aber Untersuchungen wie die unsrigen , unterstützt von 
einer exacten photometrischen Methode, mit grösster Sorgfalt anstel- 
len, so müssten sich bestimmte mathematische Beziehungen zwischen 
der Lichtintensität und der Ausbildung der Pflanzen herausstellen. 
Dies mag als fernes, ideales Ziel der Arbeiten in der angedeuteten 
Richtung hingestellt sein. 

Auf dem bekannten Satze der Optik , dass die Lichtintensität 
sich umgekehrt verhält, wie das Quadrat der Entfernung von der 
Lichtquelle, gründen sich die Principien der Photometrie und der pho- 
tometrischen Apparate. Ich habe meine Messungen nach der Rum- 
fordischen Methode ausgeführt, die neben ziemlicher Genauigkeit den 
Vortheil grosser Einfachheit besitzt. Vor einen weissen Schirm stellt 
man ein undurchsichtiges Stäbchen auf und entwirft auf ersterer zwei 
Schatten des letzteren durch zwei Kerzenflammen L und L'. Wenn 
nun beide Lichtquellen vollkommen gleich sind, so werden , voraus- 
gesetzt dass beide sich in gleicher Entfernung vom Schirme befinden, 
beide Schatten gleich dunkel erscheinen, entsendet aber die Licht- 
quelle L' mehr Licht als L, so wird, wenn noch beide Lichtquellen 
sich gleich weit vom Schirme befinden, der Schatten von L' dunkler 



208 



als der von L erscheinen, beide aber werden wieder gleich sein, wenn 
man L' vom Schirme weiter entfernt oder L demselben nähert. Will 
man die Intensität J und J' von L und L' messen, so hat man nur, 
bei unveränderter Stellung der einen Lichtquelle die andere so lange 
zu verrücken, bis beide Schatten gleich dunkel erscheinen. Bezeichnet 
man die Entfernung von L und L' vom Schirm mit D und D' so ist 

■ J : J' == D2 : D'2 

oder 

Ist z. B. L eine Lichtquelle, die 3' vom Schirme entfernt steht, 
und muss man die Lichtquelle L' bis auf 7' vom Schirm fortrücken, 
um Gleichheit der Schatten zu erzielen, so ist 

49 

J' = J. — = J. 5,44. 
y 

Die Intensität von L' ist also 5,44 mal grösser, als die von L. 
Bei der Ausführung meiner Messungen wurde der Schatten eines 
Eisenstabes auf einer weissen Wand entworfen und zwar einer durch 
eine Stearinkerze, von der 4 auf das Pfund gehen, die sich im Kasten 
befand, ein zweiter durch eine gleiche Lichtquelle ausserhalb dessel- 
ben. Der Kasten blieb stets in einer Entfernung von 28 Cm. von 
der Wand und in ihn wurden die Platten eingeschoben , das andere 
Licht dagegen konnte hin und zurück gerückt werden. Bezeichnen 
wir die Intensität von Nr. I mit 3, von Nr. II mit 3^^ von Nr. III 
mit 3^^^, von Nr. IV mit 3^^, so erhalten wir folgende Gleichungen 
und, Resultate nach Massgabe der Messungen mit dem Centimetermass. 

372^ 1369 _ 
^ — ' 282= 784 • 
522 — 2704 

J"' = ip^m = 

67^=4489 _ 
282 = 784 

Die Intensitätdiflferenzen betragen demnach zwischen I-j- II 0,75 

» Il-f- m 1,70 
» III+ IV 2,28 
Verschieden war also die Lichtintensität in den Apparaten, mög- 
lichst gleichartig mussten nun die sonstigen Vegetatiousbedingungen 
gegeben werden, damit die Verschiedenartigkeit der Entwicklung der 
Objecte nur ein Ausdruck für den Einfluss der einzelnen Helligkeits- 
grade werde. 

Die Kästen wurden vor die Fenster eines nach Norden zu ge- 
legenen Raumes gestellt, wo sie nur durch diffuses Sonnenhcht 
beleuchtet werden konnten. Hätten auch directe Sonnenstrahlen in 



209 



sie eintreten können, so erlitt ein Apparat eine stärkere Insolation 
als der andere beim Erscheinen und Verschwinden der Sonne. In 
jeden Kasten wurden vier mit Gartenerde angefüllte Blumentöpfe ge- 
stellt und in letztere die Samen in möglichst gleicher Tiefe eingelegt. 
Als Untersuchungsobjecte dienten Hafer , Buchweizen, Pferdebohnen 
und Sommerraps und zwar dienten 12 Hafer-, 12 Buchweizen, 
5 Pferdebohnen- und 40 Sommerrapssamen zum Auslegen. Je 10 
Stück der lufttrockenen Samen wogen 

1 vom Hafer . . . 0,3291 Grm. 

2 » Buchweizen 0,2360 » 

3 « Pferdebohne 5,1267 » 

4 )) Sommerraps 0,0345 » 

Was die Wasserquantitäten anbelangt, die den Pflanzen wäh- 
rend der Vegetationszeit zugeführt wurden, so ist darüber Folgendes 
zu bemerken. Vor der Saat wurde der Erde in jedem der 20 Töpfe 
40 CG. Wasser zugesetzt, dann am 12. Juni die Saat vorgenommen 
und nun allen Pflanzen gleich viel Wasser gegeben, da man sicher 
auf diese Weise analogere Verhältnisse herbeiführt , als wenn man 
dem Anscheine der Ti'ockenheit des Bodens entsprechend die Flüssig- 
keit zusetzt. Jeder Topf erhielt je 20 CG. Wasser am 12. Juni, am 
21. Juni, am 25. Juni, am 10. Juli und am 15. Juli. 

Neuere Untersuchungen über den Einfluss einiger Bedingungen 
auf die Transspiration , die Baranetzki ausgeführt hat und die 
er in der Botan. Zeitung von 1872 in Nr. 5, 6 und 7 zur Mitthei- 
lung bringt, zeigen, dass auch das Licht von einer gewissen Wirkung 
auf den Verlauf jenes Processes sei. Die Ungleichartigkeit des Was- 
sergehaltes des Bodens, die dadurch herbeigeführt wird, konnte nicht 
wohl eliminirt werden, indessen war zu prüfen, ob die Temperatur- 
differenzen in den Kästen nicht zu sehr den Feuchtigkeitsgehalt des 
Vegetationsmediums veränderten. Die folgende Tabelle zeigt, dass 
die Temperaturen in den Kästen nur wenig von einander unterschie- 
den waren, so dass durch diese Verhältnisse keine die Reinheit der 
Resultate wesentlich trübenden Momente herbeigeführt werden konnten. 

Zeit der Bestimmungen. Temperatur in den Kästen in OC. 

I. II. III. IV. V. 

24/6 " h. p. m. 19,5 19,6 19,5 19,5 19,6 

25/g 11/2,) ,> » 20,7 20,7 20,5 20,6 20,6 

29/6 2 » >> » 21,2 21,2 21,1 21,1 21,1 

7/7 10 » a. » 18,5 18,5 18,5 18,5 18,3 

9/7 1 » p. » 25,0 25,0 25,0 25,0 24,9 

Die geschilderte Methode und Anlage der Versuche wird hoffent- 
lich gestatten, dass sich die nunmehr mitzutheilenden Resultate als. 
Wirkungen des verschiedenen Lichteinflusses ansehen lassen. 

Landw. Versnchs-Stat. XVI. 1873. 14 



210 



Die ersten Messungen wurden am 24. Juni vorgenommen und 
zwar bezogen sie sich auf die Länge der ganzen oberirdischen Theile 
der Pflanzen und auf die Breite der Blätter. Ich habe stets die 
Exemplare dazu gewählt, welche die grössten Dimensionen besassen, 
um dadurch vergleichbare Resultate zu erzielen. Die Apparate wol- 
len wir der Kürze halber stets mit I, II, III, IV, V, bezeichnen, 
die verschiedenen Pflanzen mit 1, 2, 3, 4 und verweisen in Betreff 
der Reihenfolge auf die früheren Angaben. Als Mass ist das Milli- 
meter zu Grunde gelegt. 

Tabelle I. 



Bestimmung der Länge der gesammten oberirdischen Theile der Pflanzen am 

24. Juni. 





1 


2 


3 


4 




180 


120 


122 


100 




202 


III 


120 


105 


I. 


175 


J12 


116 


86 




185 


126 




92 




240 


121 


140 


130 




246 


157 


151 


135 


II. 


230 


142 


163 


120 




241 


141 




142 




250 


156 


175 


150 


III. 


253 


157 


160 


140 




241 


161 


17Ö 


149 




240 


140 


170 


160 


IV. 


255 


138 


180 


163 




249 




187 


171 




210 




235 


245 




195 




210 


230 


V. 


180 




216 


241 










250 



Tabelle II. 

Bestimmung der Breite der Blätter an 
den breitesten Stellen am 24. Juni. 



Tabelle HI. 

Bestimmung der Breite der Blätter au 
den breitesten Stellen am 7. Juli. 





1 


2 


3 


j 


1 


2 


3 




8 


22 


22 




8 


33 


27 


I. 


7 


21 


24 


^ I. 


9 


35 


25 


8 


22 


22 


8 


36 


25 u 






20 


21 











211 



Tabelle U. 



Tabelle III. 



Bestimmung der Breite der Blätter an 
den breitesten Stellen am 24. Juni. 



Bestimmung der Breite der Blätter an 
den breitesten Stellen am 7. Juli. 





1 


2 


3 




1 


2 


3 


II. 


D 

6 
5 
7 


1 

15 
17 

15 
15 


IQ 
13 
14 
17 


II. 


a 

V 

6 
6 


XU 

24 
20 


22 
22 


III. 


3 

4 . 

3 
3 


10 
Ii 

9 


10 
9 
9 

' 


III. 

! 


4 
5 
4 


15 
13 
13 


16 
16 
15 
17 


IV. 


3 
3 
4 


5 
5 


8 
7 
5 


1 

1 IV. 


4 
3 
3 


7 
6 
6 
6 


10 
11 
12 


V. 


2 
1 
1 
1 




3 
3 
2 
3 




1 
1 
i 
2 




7 
7 
6 
8 



Tabelle IV. 

Zahl der Stengelglieder am 
16. Juli. 



Tabelle V. 

Durchmesser der Stengel am 
unteren Ende am 16. Juli. 



1 2 


3 i 




2 


3 


I. 


5 


7 


I. 


1,5 
1,5 


3,5 
3,3 


II. 


4 


6 


II. 


1,1 
1,0 


CO CO 

co^co" 


III. 


3 


5 


III. 


0,7 
0,7 


3,0 
3,0 


IV. 




5 


IV. 




2; 7 


V. 




4 


V. 




2,0 
2.0 



Tabelle VI. 

Bestimmung der Länge des untersten Internodiums a, des folgenden b und 
des dritten c bei der Bohne am 16. Juli. 



a 



I. 



15 
25 



25 
35 



35 
40 



14* 



212 



Tabelle VI. 

Bestimmung der Länge des untersten Internodiums a, des folgenden b und 
des dritten c bei der Bohne am 16. Juli. 





a 


b 


c 


II. 
III. 

IV. 
V. 


20 
20 
20 
29 
31 
32 
105 
132 


30 
35 
50 
61 
50 
67 
79 
91 


40 
45 
67 
73 
81 
92 
167 
183 



Tabelle VII. 

Erntegewieht am 16. Juli und Wassergehalt von je 3 Pflanzen. 





An frischer Masse 
geerntet in Grm. 


lufttrockene 
Masse davon er- 
halten in Grm. 


Wassergehalt der 
frischen Masse in 
Grm. 


Wassergehalt 
der frischen 
Masse in o|o. 


Mehrertrag an luft- 
trockner Substanz über 
die dreier Samen hin- 
aus in Grm.') 




2 


3 


2 




2 


3 


2 


3 


2 


3 


I. 
II. 
III. 

IV. 
V. 


6,500 
3,812 
0,929 


9,117 
10,437 
8,354 
6,028 
10,172 


0,536 
0,293 
0,055 


1,145 
1,180 
0,757 
0,502 
0,412 


6,064 
3,519 
0,874 


7,972 
9,257 
7,597 
5,526 
9,760 


93,3 
92,3 
94,1 


87,4 
88,7 
90,9 
91,7 
95,9 


+0,465 
+0,222 
+0,016 


— 0,:i93 
—0,358 
—0,781 
—1,036 
—1,126 



Die mitgetheilten Zahlen gestatten nun wohl die Induction fol- 
gender Resultate unserer Untersuchungen, bei deren Darlegung wir 
übrigens bemerken müssen , dass sie uns mehr zur Orientirung für 
weitere Arbeiten, denn als Mittel zur Beurtheilung physiologischer 
Processe dienen können. 

Tabelle I zeigt uns, dass die Längsstreckung mit abnehmender 
Lichtintensität zunimmt und entsprechend der grössteu Differenz der 
optischen Verhältnisse in Nr. IV und V, sind auch hier^ die Unter- 
schiede im Längswachsthume am bedeutendsten. 

Tabelle U und III zeigen, dass mit abnehmender Lichtintensität 
die Breite der Blätter vermindert wird und ist hier das eigenthüm- 



ij Das Gewicht von drei Buchweizensamen wurde = 0,071 ermittelt, 
das dreier Bohnensamen = 1,538 gefunden. Als Grundlage der Berech- 
nung dienten die früheren Angaben über die Gewichte .von 10 Samen. Die 
erhaltenen Gewichte von drei Samen sind also nur jedesmal von dem Ge- 
wichte der drei lufttrocknen Pflanzen abzuziehen, um den Mehrertrag festzu- 
stellen. 



213 



liehe Verhältniss zu constatiren, dass, während der Buchweizen und 
die Bohne in späteren Stadien des Wachsthums breitere Blätter ent- 
wickelt hatten, der Hafer dies nur in sehr beschränkter Weise ver- 
mochte, ja im Apparat IV und V hatten die Blätter genau dieselbe 
Breite behalten. 

Tabelle IV zeigt, dass mit abnehmender Lichtintensität die Zahl 
der Internodien vermindert wird. 

Aus Tabelle V geht hervor , dass der Durchmesser des Stam- 
mes bei geringerer Intensität der Beleuchtung geringer wird. Die 
Messungen an den Bohnenstengeln ergeben eine genauere Relation 
zwischen Lichtintensität und den Producten. Entsprechend den ge- 
ringeren optischen Differenzen zwischen dem Apparate I und II und 
II und in und den grösseren zwischen III und IV und IV und V, 
haben sich auch die Pflanzen entwickelt. Es ist möglich , dass auf 
Kosten des Dickenwachsthums der Zellen des vegetabilischen Orga- 
nismus die Längsstreckung zunimmt. 

Tabelle VI zeigt, dass die Streckung der einzelnen Internodien 
bei verminderter Helligkeit zunimmt, und zwar sind die höher gele- 
genen Stengelglieder überhaupt von grösserer Ausdehnung, als die 
unter ihnen sich befindenden. 

Aus Tabelle VII geht hervor, dass man im Allgemeinen wohl 
sagen kann, es nimmt die Production an frischer oberirdischer vege- 
tabiUscher Substanz mit sinkender Lichtintensität ab. Aufs Bestimm- 
teste zeigt die Tabelle , dass bei schwächerer Beleuchtung weniger 
lut'ttrockne Substanz producirt wird, uud dass mit verminderter Licht- 
intensität der Wassergehalt der frischen Masse steigt. Wenn propor- 
tional der geringeren Beleachtung die Differenz zwischen der Trocken- 
substanz des Samens und der Ernteproducte nach der negativen Seite 
hin stets grösser wird, so darf man nicht aus diesen Verhältnissen 
folgern, dass weniger Reservenahrungsstoffe der Samen aufgelöst und 
dem Stoffwechsel auheim gefallen sind , vielmehr ist die Assimilation 
durch den Zustand, in den der Organismus durch geringere Licht- 
intensität versetzt wird, deprimirt und so der Stoffwechsel auch ein- 
geschränkt worden. Diese Annahme scheint mir die einzig berech- 
tigte, da für die Richtigkeit jener anderen keine Gründe sprechen. 

Im Anschluss an diesen Vortrag wies Dr. Heinrich-Zwätzen 
darauf hin, dass auch die Umwandlung der Stärke in Zucker vom 
Lichte beeinflusst werde, woran sich noch einige Bemerkungen des 
Herrn Prof. Knop anschliessen. 

Prof. E. Wolff berichtet über 
Versuche über das Verdauungsvermögen von zweierlei 
Schafracen in verschiedenen Altersperioden dersel- 
ben und bei verschiedener Fütterungsweise, 
welche auf der Versuchs-Station zu Hohenheim im J. 1871/72 von 



214 



dem Vortragenden in Verbindung mit W. Funke, M. Fleischer 
und J. Skalweit ausgeführt worden sind. 

Zu den Versuchen wurden Mitte Juni 1871 je 4 Hammellämmer 
von der sog. wtirttemb. Bastardrace und von Southdowns aufgestellt. 
Die Thiere waren zu dieser Zeit sämmtlich c. 5 Monate alt. Zwei 
Thiere von jeder Race fütterte man während der ganzen Dauer der 
Versuche 9 Monate lang) ausschliesslich mit Wiesenheu, die 
beiden anderen Lämmer von jeder Race sehr intensiv mit Wiesen- 
heu und Hafer, in den ersten 3 Versuchsperioden unter Beigabe 
kleiner Mengen von Leinsamen (letzterer im gequetschten und ge- 
kochten Zustande). 

Das Verdauungsvermögen der Thiere wurde 5 Mal (gegen Ende 
Juli , Ende September, im October , Januar und März) untersucht. 
Die 4 Lämmer der Bastardrace blieben vom Anfang bis zum Schluss 
des Versuches ganz gesund und in normalem Zustande ; bei zwei 
Thieren der Southdowns dagegen entwickelte sich allmälig der Bla- 
senwurm (Drehkrankheit), so dass dieselben, eins am 4. Nov. (nach 
Schluss der 3. Periode) und das andere am 3. Febr. (nach Schluss 
der 4. Periode) geschlachtet werden mussten. Gleichwohl liess sich 
die mittlere Verdauung des Futters für jede der beiden 
Racen aus den betreffenden Versuchsresultaten berechnen. Es wurde 
nämlich in Procenten der im Futter aufgenommenen Substanz verdaut : 

Fütterung mit 

Wiesenheu allein. 

Protein Rohfaser Fett ExtractstofFe Org. Substz. 

Southdown 64,6 64,6 44,9 69,2 66,40/o 

Bastard . . 62,5 63.0 42,8 69,6 66,0 » 

Wiesenheu und Hafer. 

Southdown 71,4 44,4 72,9 72,2 67,0 » 

Bastard . . 73,6 46,7 73,5 74,1 6S,6 » 

Es ist dies eine so gut wie absolut gleiche Verdauung des 
Futters durch beiderlei Schafracen und die Versuche haben daher die 
bereits 1870/71 mit drei Schafracen, erzielten Resultate be.-tätigt, 
welche auf der vorjährigen Versammlung der Agriculturchemiker zu 
Dresden von mir kurz mitgetheilt wurden ^) und demnächst in aus- 
führlicher Beschreibung zur Veröffentüchung gelangen werden. 

Im Mittel beider Racen ergab sich ferner die Verdauung des 
Futters für die verschiedenen Altersperioden der Thiere: 



Ij »Landw. Vers.-Stat.« Bd. XIV. S. 410—418. 



a. Bei ausschliesslicher Fütterung mit W i es enh e u. 



Ver S.- 


Alter der 


Protein 


Rohfaser 


Fett 


Extractst. 


Org. Substz 


Periode 


Thiere 












I. 


6 Monate 


68,7 


63,7 


46,3 


75,4 


'0,2 0/0 


II. 


8 » 


68,1 


61,7 


47,6 


77,6 


70,7 » 


III. 


9 )) 


63,5 


66,2 


39,7 


60,6 


61,1 « 


IV. 


IIV2 « 


56,8 


63,8 


38,8 


65,6 


62,8 » 


V. 


14 )> 


53,9 


60,6 


41,9 


62,5 


59,1 )) 



Hierzu ist zu bemerken, dass in den beiden ersten Versuchsperioden 
ein Heu von ganz aussergewöhnlicher Güte und Leichtverdaulichkeit 
gefüttert wurde ; das in der Periode III bis zum Schluss des ganzen 
Versuches verabreichte Futter war freilich von geringerer Nährkraft, 
aber ebenfalls noch von sehr guter Beschaffenheit, nämlich ein Grum- 
met, auf gewöhnlichen Wiesen bei günstiger Witterung geerntet. 

Die 6 und 8 Monate alten Thiere haben die vorzügliche Heu- 
sorte in völlig gleicher Weise verdaut. Bei der zweiten Heusorte 
bemerkt man dagegen mit zunehmendem Alter der Thiere (HI. bis 
V. Versuchsperiode) eine allmälige Verminderung der Verdaulichkeit 
des Rohproteins und in geringerem Grade auch der Rohfaser, wäh- 
rend die Verdaulichkeit der Extractstolfe eher eine etwas grössere 
wird. Diese Erscheinung lässt sich nicht wohl aus der Zusammen- 
setzung des Futters erklären, welche in jeder Versuchsperiode genau 
ermittelt wurde. Es enthielt nämlich das wirklich verzehrte 
Wiesenheu (unter Berücksichtigung also der jedesmaligen Futterrück- 
stände und deren Zusammensetzung) in Procenten der Trocken- 
substanz : 



. Sorte 

I. Periode 
II. » 


Protein 
14,22 
14,33 


Rolifaser 
25,08 
25,08 


Fett 
2,42 
2,42 


Extractstoffe 
51,48 
51,37 


Asche 
6,80 
6,80 


:. Sorte. 












III. Periode 

IV. ;> 
V. » 


12,89 
12,83 
12.08 


31,99 
30,30 
30,05 


3,77 
3,73 
3,88 


42,59 
44,04 
45,67 


8,76 
9,10 
8,31 



Ob also die in den Versuchen beobachtete Abnahme in der Ver- 
dauung des Rauhfutterproteins bedingt ist durch eine veränderte Be- 
schaffenheit des Futters oder durch ein in dieser Richtung wirklich 
verändertes Verdauungsvermögen der Thiere lässt sich nicht mit 
Bestimmtheit entscheiden; jedenfalls aber wird man den Versuchs- 
resultaten entnehmen dürfen, dass die Verdauungskraft der Hammel 
mit zunehmendem Alter derselben (zunächst vom 9. bis zum 14. Le- 
bensmonate) nicht sich erhöht. 



216 



b. 


Bei Fütter 


ung mi 


t Heu und 


Hafer 


(Leinsamen). 


Vers.- 
Periode 
I. 
II. 


Alter der 
Thiere 
6 Monate 

8 


X ro Lein 

73,1 
75,1 


xvoniaser 

48,0 
44,5 


Je ett 

75,4 
74,9 


Extractst. 

72,8 
73,9 


Org. Substz. 

68,3 
68,6 


III. 
IV. 
V. 


9 » 
14 


71,5 
70,5 
73,0 


50,8 
38,6 
38,9 


70,5 
70,6 
71,4 


70,0 
75,8 
72,8 


66,6 
67,8 
66,6 



Mit dem Fortschreiten des Versuches wurde die Menge des Hafers 
immer mehr gesteigert und damit der Appetit der Thiere für das 
Rauhfutter vermindert. Man musste daher erwarten, dass die Ver- 
daulichkeit des Gesammtfutters sich entsprechend erhöhen würde, 
während dieselbe in Wirklichkeit, mit einigen unbedeutenden Schwan- 
kungen ganz unverändert blieb, das Verdauungsvermögen der Thiere 
für das betreffende Futter also eher ab- als zunahm. Es ist hierbei 
jedoch daran zu erinnern, dass von der 3. Versuchsperiode an ein 
weniger schmackhaftes und weniger leicht verdauliches Wiesenheu 
verabreicht und dass namentlich das Rohprotein desselben in der 4. 
und 5. Periode weniger gut verdaut wurde ^ als in der 3. Periode 
(October), bald nach der Ernte. Eine kurze üebersicht und Cha- 
rakteristik der intensiven Fütterungsweise in den verschie- 
denen Versuchsperioden liefern die folgenden Zahlen : 



Pro Kopf und Tag 

Trocken- Verdaute Nährstoffe 

Vers.- Alter der substz. im^ — s 

Periode Thiere Gesammt- Eiweiss 

futter stanz i) 

Grm. Grm. Grm. 

I. 6 Monate 873,4 95,34 523,4 

II. 8 » • 8 85,3 101,31 536,6 

III. 9 » 821,7 88,70 509,0 1 : 5,74 1 : 1,77 1 : S,51 

IV. « 828,9 82,75 489,8 1:5,92 1:2,85 — 
V. 14 " » 846,2 87, 9S 496,7 1 : 5.64 1 : 3,10 — 

In der That hat sich das Verdauungsvermögen der Thiere, bei sehr 
intensiver Fütterungsweise derselben , in allen Altersperioden , für 
welche Untersuchungen ausgeführt wurden , fast ganz übereinstim- 
mend gezeigt. Dies ergiebt sich besonders deutlich , wenn man die 
Verdauung des Körn er futter s für sich allein ermittelt, in der 
Weise , dass man in jeder Versuchsperiode von der Gesammtmenge 
der verdauten Substanz die dem verzehrten Heu entsprechende Quan- 
tität in Abzug bringt und den Rest auf 100 Theile der in den Kör- 



Verhältniss d. Trocken 
Nährstoff- Substanz von 



verhält- 
niss 



Heu und Leinsamen 
Körnern und Hafer 



: 5,49 1 : 0,98 1 : 5.30 
: 5,30 1 : 1,22 1 : 5,25 



1) Die stickstofffreie Substanz umfasst das verdaute Fett; multiplicirt 
mit 2,44 und ferner den verdauten Antheil der Extractstoffe und der Roh- 
faser. 



217 



nern allein enthaltenen Substanz berechnet. Man erhält dann im 
Durchschnitt aller Versuchsthiere die folgenden Zahlen : 



Yers- 
Periode 
I. 
II. 


Alter der 
Thiere 
6 Monate 
8 ). 


Protein 

78,41 

80,45 


Rohfaser 

11,88 
14,43 


Fett 

78,62 
80,37 


Extractst. 

70,18 
71,00 


Org. Substz. 

66,47 
66,94 


III. 
IV. 
V. 


9 .) 

11 I/o » 

14 « 


75,8 
76,3 
77,9 


22,6 
20,1 
23,4 


81,4 
75,4 
77,3 


73,8 
79,5 
75,3 


68,3 
69,9 
6S,7 



Es sind in den beiden ersten Versuchsperioden die Proteinsubstauzen, 
entsprechend der grösseren Beigabe von Leinsamen, etwas reichlicher, 
die Rohfaser und die Extractstoflfe dagegen etwas weniger gut ver- 
daut worden, als in den späteren Perioden. Wäre überall das Kör- 
nerfutter ein ganz gleiches gewesen, dann hätten ohne Zweifel auch 
die erwähnten Diflfereuzeu so gut wie vollständig sich ausgeglichen. 

Die 4 Hammel der Bastardrace, für welche die Versuche 
durch alle Perioden hindurch ohne jegliche Störung verhefen, hatten 
bei dem Beginn des Versuches, in einem Lebensalter von etwa 5 Mo- 
naten ein Gewicht pro Kopf : 

Nr. 1. 2. 3. 4. 

Kilo. 25,35 25,45 26,35 23,25 

Das Lebendgewicht war also ein sehr nahe übereinstimmendes 
und betrug im Durchschnitt der Thiere Nr. 1 und 2 pro Kopf = 
25,40 Kilo, und im Mittel von Nr. 3 und 4 == 24,80 Kilo. In 
Folge der sehr verschiedenen Fütterungsweise musste natürlich die 
Entwicklung von je zwei Thieren im Verlaufe von 9 Monaten eine 
sehr ungleiche sein, und es gaben sich die betreffenden Differenzen 
theils in der Gestaltung der Lebendgewichte, theils in den am Schluss 
der ganzen Versuchsreihe 27. März 1872) ermittelten Schlachtresul- 
taten deutlich genug zu erkennen. 



Fütterung der Thiere mit 
Heu und Körnern Wiesenheu allein 





Thier Nr. 1 


Nr. 2 


Mittel 


Nr. 3 


Nr. 4 . 


Mittel 


Lebendgewicht vor 
















dem Schlachten 


Kilo. 


43,40 


49,40 


46,40 


36,70 


35,00 


35,80 


Gewicht d. 4 Viertel 




22,80 


24,30 


23,55 


13,80 


14,20 


14,00 






1,61 


2,09 


1,85 


0,205 


0,205 


0,205 


Talg von Netz und 
















Darm 




2,91 


2,90 


2,905 


0,645 


0,490 


0,568 


also Talg im Ganzen 


)) 


4,52 


4,99 


4,755 


0,850 


0,695 


0,773 


Fell find. Wolle) und 


















u 


5,66 


5,96 


5,81 


6,72 


6,29 


6,505 


Kopf, Blut u. Einge- 
















weide nebst Inhalt 


u 


10,42 


13,92 


12,17 


15,68 


13,38 


14,53 



218 



Fütterung der Thiere mit 
Heu und Körnern Wiesenheu allein 





Thier Nr. 1 


Nr. 2 


Mittel 


Nr. 3 


Nr. 4 


Mittel 


Oder in Procenten des 


lieben dgewichtes 










Die 4 Viertel .... 


» 


50/23 


49,19 


49,71 


37,60 


40,57 


39,09 




)) 


3,71 


4,23 


3,97 


0,56 


0,59 


0,57 


Talg von Netz und 


















Kilo. 


6.84 


5,87 


6,36 


1,76 


1,40 


1,58 


also Talg im Ganzen 


» 


10,55 


10,10 


10,33 


2,32 


1,99 


2,15 


Fell mit den Beinen 


» 


13,04 


12,16 


12,60 


18,31 


17,97 


18,14 


Sonstige Theile . . . 


» 


26.58 


28,18 


27,38 


40,01 


38,20 


39,10 



Diese Zahlen charakterisiren den Ernährungszustand der Thiere 
sehr scharf. Die ausschliesslich, obgleich ad libitum, mit gutem 
Wiesenheu gefütterten Hammel befanden sich am Schluss des Ver- 
suches in einem zwar gesunden, aber durchaus mageren Zustande, 
während die sehr intensiv mit Körnern gefütterten Thiere gut ge- 
mästet waren. Gleichwohl erreichten sämmtliche Thiere eine ziemlich 
gleiche Grösse, und es ist sehr bemerkenswerth, dass die Quantität 
der producirten Wolle überall fast absolut dieselbe war. 
Die Heu-Schafe hatten während der ganzen Dauer des Versuches 
ein weit schmutzigeres Aussehen, als die Hafer-Schafe; die Wolle der 
letzteren hielt sieh auffallend weiss und war daher verhältnissmässig 
arm an Wollschweiss. Dies gab sich schon aus dem absolut und 
namentlich relativ (procentisch) weit grösserem Gewichte des Felles 
(nebst ungewaschener Wolle und Beinen) der Heu-Schafe zu erken- 
nen, und trat noch bestimmter bei der näheren Untersuchung der 
Wolle hervor. Die Felle wurden nämlich bald nach dem Schlachten 
der Thiere geschoren und bezüglich der Wolle erhielt man folgende 
Zahlenverhältnisse : 

Heu -f- Hafer-Schafe Heu-Schafe. 







Nr. 1 


Nr. 2 


Mittel 


Nr. 3 


Nr. 4 


Mittel 


Ungewaschene AVolle 


Grm. 


2020 


2330 


2175 


2715 


2660 


2688 


Flussgewaschene Wolle 


» 


1410 


1540 


1475 


1640 


1580 


1610 


Völlig fettfreie Wolle 




10b5 


1085 


1085 


1135 


1100 


1118 


Fett in Proc. d. fiuss- 
















gewaschenen Wolle 


Proc. 


23,1 


29,5 


26,3 


30, < 


30,4 


30,6 



Wir haben also hier eine interessante Bestätigung der auch 
anderweitig gemachten Beobachtung, dass eine lange Zeit hindurch 
cousequent fortgesetzte sehr intensive Fütterungsweise gar keinen Ein- 
fluss äussert auf die Quantität der producirten Wolle ; die betrefiende 
Wolle ist sogar weniger reich an Wollschweiss und Fett. Die ma- 
geren und fortwährend ziemlich dürftig gefütterten Thiere lieferten 
ebensoviel und anscheinend noch normalere Wolle, als die völlig ge- 
mästeten Hammel gleicher Race und gleichen Alters. 

Im Anschluss an die Resultate der Verdauungsversuche, welche 
seit 5 bis 10 Jahren in Hohenheim und anderswo bereits sehr zahl- 



219 



reich ausgeführt worden sind, entwickelte Prof. Wolff ferner seine 
Ansichten über die Art und Weise, wie bei rationellen Futterberech- 
nungen die wirklich verdauliche Substanz in Ansatz zu brin- 
gen sei. Da für die Beurtheilung der Nährkraft des Futters die 
verdauliche Proteinsubstanz entschieden in erster Linie in 
Betracht kommt, so beschränkte sich Redner darauf, die in dieser 
Hinsicht von ihm beobachteten und berechneten Verdauungs-Coeffi- 
cienten für eine Reihe der wichtigeren Futtermittel mitzutheilen. 

Aus der Vergleichung der Resultate von etwa 50 Einzelver;;uchen 
mit Kleeheu und ebenso vielen Versuchen mit Wiesenheu ergiebt sich, 
dass das Rohprotein in mittleren Sorten dieser beiden Rauhfutter- 
arten, bei ausschliesslicher Fütterung derselben, zu 56% verdaut 
wird. Von den völlig ausgereiften Stroharten können nur die- 
jenigen der Hülsenfrüchte als mit 50 % des vorhandenen Rohproteins 
verdaulich in Anrechnung gebracht werden, das Stroh der Sommer- 
halmfrüchte (zunächst Haferstroh) mit 35% und das Stroh der Som- 
merhalmfrüchte (Roggen- und Weizenstroh) mit nur 25%. 

Durch Beigabe von Körnerabfällen , auch grosser Mengen der- 
selben, wird die Verdaulichkeit des Rauhfutters nicht wesentlich be- 
einträchtigt, aber die concentrirten Futtermittel selbst kön- 
nen nicht als absolut verdaulich angesehn werden. Nach den Re- 
sultaten der bisher vorliegenden Versuche ist anzunehmen , dass von 
dem Gesammtprotein im Hafer, in den Rapskuchen, den Baumwolle- 
samenkuchen und in der Weizenkleie, überall ziemlich 75%, in den 
Leinkuchen etwa 85%, in den Bohnen, Erbsen, Lupinen etc. 95% 
zur Verdauung gelangen. Dem Protein des Weizens und Roggens 
wird man vermuthlich ebenfalls den Verdauungs-Coefficienten = 95 % 
beilegen dürfen. 

Die Eiweisssubstanz endlich in den Kartoffeln und Rüben 
ist leicht und absolut verdaulich ; jedoch bewirken die in grosser 
Menge vorhandenen stickstofffreien Nährstoffe bezüglich des Rohpro- 
teins im Rauhfutter eine Verdauungs- Depression, deren Grösse 
bedingt ist durch das NährstofFverhältniss im Beifutter und durch die 
Masse des letzteren. In den Kartoffeln von mittlerer Beschaffenheit 
ist das Nährstoffverhältniss = 1 : 10. Wenn Kartoffeln mittlerer 
Beschaffenheit und Heu dem Gewichte nach =1:1 verfüttert wer- 
den, so erleidet die Verdauung des Rohproteins im Rauhfutter eine 
Depression von etwa 1 0 % (gegenüber der Verdauung bei ausschliess- 
licher Heufütterung) ; bei Verabreichung von Kartoffeln und Heu = 
2 : 1 beträgt die Depression gegen 20%. Bei Runkelrüben (Nähr- 
stoffverhältniss = 1 : 7,5) und Heu = l : 1 ist die Depression höch- 
stens zu 4%, bei 2 : 1 = 8 % , bei 3 : 1 = 12% anzunehmen. 
Jedoch müssen die-e Depressionsverhältnisse noch durch weitere Fütte- 
rungsversuche genauer festgestellt werden. 



220 



2. Sitzung vom 14. August. 
Vorsitzender Prof. E. Wolf f-Hohenheim. 

Dr. F r i e d b u r g-Gembloux macht Mittheilungen über die erste 
belgische Versuchsstation, die sich auf deren Gründung, 
praktische und wissenschaftliche Aufgaben beziehen . Letztere be- 
stehen jetzt in der Dialyse von Ackerböden. Dieselben werden in 
einen Dialysator gebracht, und es wird untersucht, wie viel und 
welche Bestandtheile des Bodens durch die Membran in die Flüssig- 
keit übergehen. Diese Versuche werden fortgesetzt. 

Dr. Fleischer-Weende legte zwei Tafeln mit graphischen 
Darstellungen vor, enthaltend die Resultate von Ftitterungsversuchen 
mit Milchkühen, welche derselbe auf der Versuchs-Station Hohenheim 
ausgeführt hat. {Die Beschreibung der Untersuchungen erfolgte im 
Journal f. Landw. Jahrg. 1871, Heft 4, der Schluss der Abhandlung 
mit der Ableitung der Resultate befindet sich unter der Presse.) 

Versuchszweck war, festzustellen, ob der von G. Kühn aus 
den Möckern'schen Milchversuchen abgeleitete Satz, dass die Qua- 
lität der Milchtrockensubstanz durch die Art der Füt- 
terung nicht oder doch nur in einem für die Praxis 
bedeutungslosen Grade beeinflusst werde, auch bei sehr 
grossen Schwankungen im Ernährungszustand der Milchkühe und bei 
sehr lange fortgesetzten Fütterungsperioden seine Gültigkeit bewahre. 
Die vorgelegten Tafeln gaben die Zahlen für den Futter verzehr, die 
Curven für die tägliche Ausscheidung von Milchtrockensubstanz, Fett 
und Protein, für die procentischen Fett- und Proteinmengen ^umge- 
rechnet auf Milch von 1 2 % Trockensubstanz) und für die Schwan- 
kungen des Lebendgewichtes. 

Die in den einzelnen Versuchsperioden verzehrten Trockenmen- 
gen schwankten von etwa 10 Kilo mit 1,1 Kilo. Prot, bis zu 15 
Kilo, mit 3,0 Kilo Protein. Mit diesen starken Futterveränderungen 
ging der durch das Aussehen der Thiere und durch die Waage cha- 
rakterisirte Ernährungszustand Hand in Hand. Die ausgeschiedene 
Milchmenge richtet sich nach letzterem in gewissen durch die 
Individualität der Thiere bestimmten Grenzen und schwankte, wenn 
man die durch die Lactationsdauer bewirkten Veränderungen soweit 
als möglich eliminirt , in Folge der Veränderung des Ernährungszu- 
standes, um 3,5 Kilo, pro Tag. 

Denselben Einfluss übte der Ernährungszustand , soweit seine 
Wirkung nicht durch die gegentheilige der Lactationsdauer verdeckt 
wurde, auf die Concentration der Milch aus. Letztere stieg bis 
zu einer gewissen Grenze mit wachsendem und nahm ab mit siukeu- 



1) Vgl. «Landw. Vers.-Stat.« Bd. XV, 465. 



221 



dem oder niedrigem Ernährungszustande. Die längere Lactations- 
dauer rief abweichend von anderen Beobachtungen bei einer Kuh 
ein deutliches, bei der andern ein unbedeutendes Zurückgehen des 
Milchtrockengehaltes hervor. Endlich wurde letzterer durch gewisse 
Futtermittel, aber immer nur zeitweise, beeinflusst. Der üeber- 
gang zu Gersten stroh- und zu Rübölfütterung bewirkte bei 
beiden Thieren gleichmässig eine Steigerung, die jedoch bald unter 
dem mächtigeren Einfluss des sinkenden Ernährungszustandes um- 
schlug. 

Fett-, Protein- und Mineralgehalt der Milch schwankte 
bei obigen Versuchen in sehr engen Grenzen. Während die geringen 
Aenderungen im Proteingehalt den Schwankungen des Ernährungs- 
zustandes folgten, schienen die des Fettgehaltes viel weniger durch 
diesen als durch andere Einflüsse — gewisse Futtermittel, Lactations- 
dauer, Brunst — bestimmt zu werden. 

Die Versuche, deren Resultate ausführlicher im Journ. f. Land- 
wirthschaft beschrieben werden, berechtigen zur Aufrechterhaltung 
des aus den früheren Möckern'schen und Hohenheimer Arbeiten ge- 
zogenen Schlusses, dass der Landwirth nicht im Stande ist, durch 
die Art der Fütterung in irgend erheblicher Weise auf die Trocken- 
substanz der Kuhmilch einzuwirken. 

Dagegen hebt Prof. Kühn-Möckern hervor, dass nach seinen 
Versuchen es doch gewisse Futtermittel giebt, welche den Fettgehalt 
der Milch zu steigern scheinen, ohne die andern Bestandtheile zu 
beeinflussen. 

Prof. Wolf f-Hohenheim sucht diese Thatsache mehr auf indi- 
viduelle Verschiedenheiten zurückzuführen. 

Dr. König-Münster spricht über Cellulosebe Stimmung 
im Futter material. Es wurde Roggenstroh und Kleeheu in verschie- 
dener Vertheilung angewandt. Als Resultat stellte sich heraus, dass 
man um so weniger Cellulose findet, je feiner vertheilt das zur Cellu- 
losebestimmung angewandte Material ist. Redner macht darauf auf- 
merksam, dass es, um vergleichbare Resultate zu erhalten, gut wäre, 
ein überall gleiches Verfahren für diese Bestimmungen festzustellen. 

Dr. W e i s k e-Proskau theilt Beobachtungen mit 

Ueber denEinflus von Kalk- oder Pho sphor säure-Man- 
gel im Futter auf die Zusammensetzung der Knochen. 

Wie bereits a. a. 0. mitgetheilt i) , hatten Versuche, welche auf 
der Station Proskau behufs Feststellung des Einflusses von Kalk- 
oder Phosphorsäure-Mangel im Futter auf die Zusammensetzung der 



ij »Landw. Vers.-Stat.« XV. 162. 



222 



Knochen ausgeführt worden waren, das Resultat ergeben, dass aus- 
gewachsene Ziegen, welche theils mit sehr kalk- theils mit sehr phos- 
phorsäure-armem Futter ernährt wurden, trotz reichlicher Nahrung 
fortwährend an leb. Gewicht und Kräften abnahmen bis schliesslich 
der Tod erfolgte. Die Zusammensetzung der Knochen war jedoch 
unverändert geblieben. 

Versuche in gleicher Richtung wurden neuerdings mit drei 2 Mo- 
nat alten Lämmern angestellt. Von denselben wurde das eine nor- 
mal, das zweite mit phosphorsaurearmem , das dritte mit kalkarmem 
Futter ernährt. Während das Thier I pro Woche circa zwei Pfund 
zunahm, verloren die beiden andern Thiere wöchentlich l — 2 Pfund 
leb. Gew., wurden immer schwächer, so dass sie zuletzt nicht mehr 
aufstehen konnten und schliesslich geschlachtet werden mussten. Das 
Knochengerüst dieser Thiere war trotzdem ebenfalls normal und zeigte 
keine Spur von Kuochenbrüchigkeit. Das Nähere über diesen Ver- 
such, sowie die Analysen der Knochen-, Fleisch-, Blut- und Harn- 
Aschen dieser Thiere sollen demnächst veröffentlicht werden. 

Um weiter zu sehen, ob Beigabe von verschiedenen phosphor- 
sauren Erdsalzen auf die Zusammensetzung der Knochen influiren, 
wurden Kaninchen des verschiedensten Alters, jedes getrennt, theils 
mit phosphors. Kalk oder Magnesia oder Strontian 1/4 Jahr lang ge- 
füttert ; allein auch hier stellte sich , entgegen den Versuchen von 
Papille, ein negatives Resultat heraus. Die Zusammensetzung der 
Knochen der verschiedenen Thiere war keineswegs durch die ver- 
schiedene Beifütterung verändert ; nur das Alter der Thiere hatte 
einen gewissen Einflnss ausgeübt. 

Auch in der Milch von Kühen , welche längere Zeit mit phos- 
phors. Kalk gefüttert worden waren, konnte ich gegenüber ihrer 
früheren Zusammensetzung keine Vermehrung des Gehaltes an diesem 
Salze wahrnehmen. 

Schliesslich wurden die Lehmann'schen und v. Gohren'schen 
Versuche wiederholt, nach denen zum Futter beigemischter phos- 
phors. Kalk assimilirt werden soll. Wenn schon nicht zu bezweifeln 
ist, dass die Thiere solchen beigemengten phosphors. Kalk zu ver- 
dauen vermögen , so kann doch aus keinem dieser beiden Versuche 
der unbedingte Schluss gezogen werden , dass Assimilation dieses 
Salzes erfolgt sei. Lehmann hatte nämlich sein Kalb nur 2 Tage 
hindurch mit phosphors. Kalk gefüttert und Fäces wie Harn bereits 
vom ersten Tage, an welchem phosphors. Kalk gereicht worden war. 
in Rechnung gezogen ; v, Gohren hatte bei seinen Schafen zwar eine 
längere Versuchszeit gewählt, aber gleichfalls Fäces und Harn sofort 
am ersten Tage der Salzfütterung gesammelt und zur Berechnung 
zwischen Ein- und Ausfuhr verwendet. Es konnte aber nicht anders 
sein , als dass sich bei einem derartigen Verfahren ein Deficit von 



223 



phosphors. Kalk herausstellen miisste, ohne dass Assimilation desselben 
stattgefunden zu haben brauchte. Bei den auf hiesiger Versuchs- 
Station in gleicher Richtung ausgeführten Versuchen wurden 2 Kälber, 
die ein gleiches Alter wie das Lehmann'sche hatten, erst längere Zeit 
ohne, und hierauf längere Zeit mit Beigabe von phosphors. Kalk 
gefüttert. Harn und Fäces wurden an jedem einzelnen Tage ge- 
sammelt und untersucht , wobei sich herausstellte , dass erst am 3 . 
resp. 4. Tag nach der Beigabe von phosphors. Kalk eine gleich- 
mässig erhöhte Ausscheidung von Kalk und Phosphorsäure erfolgte, 
weshalb auch erst von dieser Zeit ab Harn und Fäces in Rechnung 
gebracht werden durften. Als Resultat ergab sich bei dieser Berech- 
nung zwischen Ein- und Ausfuhr, dass das eine Thier, welches be- 
reits in seinem gewöhnlichen Futter eine grössere Menge von Phos- 
phorsäure und Kalk aufnahm, als das andere, die gesammte 
Menge, das andere dagegen nur etwa die Hälfte des als Beifutter 
gegebenen phosphors. Kalkes in Harn und Fäces wieder ausschied. 
Eine ausführliche Mittheilung dieses Versuches soll demnächst erfolgen. 

Dr. Hofmeister bemerkt, dass er nie eine Aufnahme beobach- 
tet habe. 

Prof. Märcker fragt an, ob gelegentlich der Proskauer Versuche 
Stickstoffbestimmungen ausgeführt wurden, um die von Bischof 
zuerst constatirten Beziehungen zwischen Stickstoff und Phosphorsäure, 
Umsatz und Ansatz weiter zu verfolgen. 

Dr. Weiske erklärt, derartige Vergleiche nicht angestellt zu 
haben . 

Prof. Stohmann theilt mit, dass er nach seinen Versuchen die 
Richtigkeit der Beobachtungen von Bischof bestätigen kann. 

Die weitere Debatte, an der sich Dr. Cohn, Prof. Märcker, 
Prof. Knop, Prof. Wolff. Prof. Heiden und Dr. Weiske be- 
theiligten, ergab, dass man im Allgemeinen nur dann eine Aufnahme 
von phosphorsaurem Kalk beobachtet, wenn das sonstige Futter nicht 
genügende Q,uantitäten davon enthält. 

3. Sitzung vom 15. August. 
Vorsitzender Prof. Knop. 

Da der gestern gewählte Vorsitzende Prof. Kühn-Möckern ver- 
hindert ist, so wählt die Versammlung, nachdem Prof. Nobbe ab- 
gelehnt, Prof. W. Knop zum Vorsitzenden. 

Prof. Nobbe ergreift das Wort wegen der Einladung des k. k. 
Ackerbauministeriums , die nächste Agriculterchemiker- Versammlung 
in Wien abzuhalten. Nach längerer Debatte beschliesst die Versamm- 
lung, in Berücksichtigung des erst im vorigen Jahre gefassten Be- 



224 



Schlusses der Vereinigung mit der Naturforscher- Versammlung, diese 
Einladung dankend abzulehnen. • 

Dr. S a c h s s e-Leipzig spricht über eine Methode zur quantita- 
tiven Bestimmung des Asp ar agin's i) . 

Dr. W. Wolf-Chemnitz hält sodann seinen Vortrag über agri- 
culturchemische Vorlesungsversuche. Cultivirt man Pflanzen in Wasser, 
so kann man die Kohlensäureausscheidung der Wurzeln sehr gut 
beobachten. Setzt man die Pflanzen in kohlensäurehaltiges Wasser, 
so wird jene Ausscheidung deprimirt. Gleichzeitig tritt aber auch 
an den oberirdischen Organen das Schliessen der Spaltöffnungen, das 
Aufhören der Assimilation und oft sogar ein Welken und Absterben 
der Blätter ein. Setzt man die Versuchsobjecte in destillirtes Wasser, 
so nehmen sie wieder ein normales Aussehen an. Die Ursache dieser 
Erscheinung sieht der Vortragende in dem Mangel an Sauerstoff in 
der kohlensäurereichen Luft des Wassers , wodurch das Protoplasma 
der Wurzelzellen in seinen Lebens Vorgängen gestört wird. 

Prof. Stohmann-Leipzig, sich anschliessend an Beobachtungen 
von Mayer, nach denen sich die Phosphorsäure und der Stickstoff 
in den Körnern der Cerealien in einem Verhältniss von P2O5 : 2 N 
finden , theilt mit , dass nach seinen Untersuchungen sich ähnliche 
Beziehungen zwischen jenen beiden Stoffen in der Milch finden , die bei 
Gelegenheit von Fütterungs versuchen mit zwei Ziegen gewonnen wurde. 

Da keine weiteren Vorträge angemeldet sind, so schliesst der 
Vorsitzende die diesjährigen Sectionssitzungen. 

Die nächstjährige Naturforscherversammlung wird zu Wies- 
baden, und zwar in der zweiten Hälfte Septembers, statt- 
finden. Zu Geschäftsführern sind die Herren Geh. Hofr. Dr. Fre- 
senius und Obermedicinalrath Dr. Haas erwählt. 



Zur Statistik des landw. Versuchswesens. 

^Begründung einer agriculturchemisclien Tersuchs-Station 

zu Neustadt a. d. Hardt. 

In Neustadt a. d. Hardt (Bayr. Pfalz) wurde vom landwirth- 
schaftlichen Kreis-Comite der Pfalz eine Versuchs-Station unterm 
1. Oct. 1872 errichtet, und die Vorstandschaft derselben dem Lehrer 
an dortiger Königl. Gewerbschule, Herrn Dr. Edmund List, über- 
tragen. 



1) Vrgl. «Landw. Vers.-Stat.« Bd. XVI. p. 6L 



225 



Die Station wird vorzüglich eine önochemische sein, eine 
Vermittlerin zwischen Theorie und Praxis bilden und durch Wander- 
versammlungen, Vorträge u. s. w. die Erfahrungen und Lehren der 
Neuzeit verbreiten helfen. 



Begründung einer Versuchs- und Control-Station zu 

Bromberg. 

Der landw. Central verein für den Netze-District hat in seiner 
am 25. Nov. 1872 zu Bromberg abgehaltenen Generalversammlung 
die Errichtung einer agriculturchemischen und Control- 
Mation mit dem Sitze in Bromberg beschlossen und Herrn Dr R 
Heinrich, bisher Vorstand der Versuchs- Station zu Zwätzen bei 
Jena ) zum Dirigenten derselben erwählt. Die erforderlichen Mittel 
sollen theils durch die Centrai-Station, theils durch die Kreisvereine 
aufgebracht werden. Beiträge der Kgl. Preussischen Staatsregierung 
werden erhofft. Die Eröffnung der Station hat im April d. J statt- 
gefunden. ^ 



*Die Yersuchs-Station an der Akademie zu Proskau 

ist nunmehr in Bau und Einrichtung vollendet, und sind letztere sehr 
zur Befriedigung der Betheiligten ausgefallen. Seit dem 1. Februar 
c^a. hat der Vorstand der Station, Hr. Dr. H. Weiske, seine 
Wohnung m derselben bezogen, und seit Ostern sind die Arbeiten mit 
vermehrten Kräften und Fonds begonnen worden 



Eine Versuchs-Station fiir Käsefabrication 

in Lodi. 

Von 

Director Schatzmann in Chur ^). 



In der Umgegend von Mailand, Lodi, Pavia, Cremona und Man- 
tua wird seit Jahrhunderten der berühmte Parmesankäse fabri- 
cirt, ein Hartkäse aus magerer abgerahmter Milch, der gerieben und 

^) Vgl. Landw. Vers.-Stat. Bd. XV, 400; 469. 

) Aus der »Milch-Zeitun'g«, Organ für das gesammte Molkereiwesen 
einschliesslich Viehhaltung. Herausgeg. unter facultativer Mitwirkung ver- 
schiedener Fachmänner von Benno Martiny. 1. Jahrgg. Nr. 9. 

Landw. Versnchs-Stat. XVI. 1873 . i - 

1 o 



226 



als Zulage zu vielen italienischen Gerichten verwendet wird (mine- 
stra, risotto u. s. w.). 

Die Fabrication selbst ist weniger verschieden von der gewöhn- 
lichen Magerkäsebereitung, als vielmehr die Nachbehandlung im Keller, 
die viele Jahre dauert. Die Waare erhält erst nach 5 Jahren ihren 
vollen Werth und hat desshalb auch einen verhältnissmässig hohen 
Preis (in der Schweiz Fr. 2 pr. Pfd.). Natürlich kann nicht darüber 
gerechtet werden, ob es vortheilhaft sei, einen magern Käse so 
lange aufzubewahren und ihn ein so bedeutendes Geldkapital verlie- 
gen zu lassen, die Thatsache ist vorhanden und Abnehmer für den 
Käse finden sich ebenfalls. Indessen scheint doch gegenwärtig diese 
Frage einer ernsten Prüfung von Seiten wissenschaftlich gebildeter 
Männer unterbreitet werden zu wollen. 

Wir hatten im vergangenen Sommer Gelegenheit mit einem Ita- 
lienischen Parlamentsmitgliede Sgn. Ingegnere Dionigi Biancardi 
aus Lodi bekannt zu werden. Derselbe hat sich durch mehrere aus- 
gezeichnete landwirth schaftliche Schriften , unter andern durch eine 
Teoria per la valutazione delle plante e dei terreni destinati alla loco 
coltivazione peruso degli ingegneri, agricoltori e proprietari di fondi 
in der literarischen Welt vortheilhaft bekannt gemacht und ist gegen- 
wärtig einer der ersten Beförderer der Parmesankäsefabrication in 
der Umgebung von Lodi. Seinen Berichten zu Folge bestehen in 
dieser Fabrication noch eine Menge von Uebelständen, deren Besei- 
tigung nun durch zwei Institute angestrebt werden soll. 

Vorerst will sich eine Gesellschaft von Actionären mit 
dem Ankauf von bedeutenden Milchmengen befassen und diese Milch 
im Grossen zu Parmesankäse verarbeiten lassen. Natürlich soll bei 
diesem Unternehmen der praktische Betrieb möglichst zwekmässig ein- 
gerichtet werden. 

Durch diese Anstalt soll nicht nur eine gute Waare für den 
Handel fabricirt werden, sondern es soll die ganze Bereitung, Auf- 
bewahrung und Behandlung des Käse und dieser selbst als Material 
für wissenschaftliche Untersuchungen dienen , denn mit der Fabrik 
wird eine Versuchs-Station für Käsefabrication verbunden wer- 
den, die an dem genannten Material ihre Studien zu machen hat. 
Fragen, wie die über kürzere oder längere Reifungszeit u. s. w., 
werden hier einer einlässlichen und lange andauernden Prüfung unter- 
worfen werden. 

Wir geben im Folgenden die wörtliche Uebersetzung des könig- 
lichen Decrets , sowie des Aufrufs zur Bildung einer Actiengesell- 
schaft. Die beiden Actenstücke geben einen deutlichen BegriÖ' von 
den ins Auge gefassten Bestrebungen der beiden Anstalten. 



227 



Beeret über die Yersuchs-Station für Käsefabrication 

in Lodi. 

Wir Victor Emanuel II. , von Gottes Gnaden und durch den Willen des 
Volkes, König von Italien. 

Nach Einsicht der Berathungen des Provinzialrathes von Mailand, der 
■Gemeinde, der landw. Commission und der Handelskammer von Lodi 

auf Vorschlag unseres Ministers des Ackerbaus , der Industrie und des 
Handels haben beschlossen und beschliessen : 

Art. 1. Es wird in Lodi auf Kosten der Provinz, der Gemeinde, der 
landw. Commission und der Handelskammer von Lodi und unter Beihilfe 
der Regierung eine Versuchs - Station für Käsefabrication errichtet. 

Die Station ist in Bezug auf den administrativen und ökonomischen 
Theil selbstständig, hingegen wird sie sich in Beziehung setzen mit der höhe- 
ren Ackerbauschule in Mailand , auf welcher die Studien über die in der 
Anstalt zu Lodi gemachten Erfahrungen und Beobachtungen beendet werden. 

Art. 2. Zur Errichtung der Station tragen die Provinz Mailand 2000 
Er. und die Regierung 2000 Fr. bei. Die übrigen Kosten haben die Ge- 
meinde, die landw. Commission und die Handelskammer von Lodi zu be- 
schaffen. 

Zu der Unterhaltung der Station tragen die Provinz 4000 Fr. und die 
Regierung 4000 Fr. jährlich bei, die übrigen 2000 Fr. fallen der Gemeinde, 
der landw. Commission und der Handelskammer von Lodi zur Last in dem 
Massstabe, wie ihn diese moralischen Körperschaften unter sich festsetzen. 

Die Kosten , welche die Regierung mit den bezeichneten Summen dem 
Ministerium des Ackerbaues, der Industrie und des Handels zur Verfügung 
stellt, werden unter dem Kapitel der Unterstützung für die Landwirthschaft 
-eingetragen. 

Art. 3. Die Station hat zum Hauptzweck zu studiren : 

a. die physikalischen und ökonomischen Eigenschaften der Milch (Milch- 
arten) in den verschiedenen Zuständen der Aufbewahrung und Zube- 
reitung ; 

b. die Verfälschungen der Milch und ihre Wirkungen ; 

c. den Einfluss der Temperatur auf die Erhaltung der Milch und die 
Fabrication von Butter und Käse ^ 

d. den Einfluss der Fette auf die Fabrication und die Dauer der Käse ; 

e. die Wirkung der versGjiiedenen Methoden der Milchabkühlung, der 
Gerinnung und der dazu verwendeten Mittel, der färbenden und er- 
haltenden (milchconservirenden) Stoffe ; 

f. die nachtheiligen Veränderungen, Avelche in den Milchproducten (Milch- 
speisen) stattfinden und die Mittel ihnen zuvor zu kommen oder sie 
zu beseitigen; 

g. die Geräthschaften, die bei der Butter- und Käsefabrication verwendet 
werden ; 

h. und endlich sollen alle diejenigen Untersuchungen gemacht werden, 
welche durch den Stand dieser Industrie nöthig werden. 

Die Direction der Station kann auch ausserhalb der Anstalt Untersuchun- 
-gen anbahnen , die sie für ihre wissenschaftlichen Zwecke für nützlich hält. 

Art. 4. Die Station soll gegen Entschädigung (nach Massstab einer be- 
stimmten Taxe, welche in das Reglement Art. 12 aufgenommen wird) auch 
«olche Untersuchungen übernehmen , welche ihr von Privaten und morali- 
schen Körperschaften unterbreitet werden. 

Art. 5. Die Station wird mit anderen Stationen für Käsefabricationen 
des In- und Auslandes in Verbindung treten und periodisch die Resultate 

15* 



228 



der eigenen und fremden Stationen veröffentlichen , sobald dies von dem 
Director als nothwendig und nützlich erkannt wird. 
Art. 6. Das Personal der Station besteht: 

1. aus einem Director; 2. aus einem Chemiker; 3. einem ausführenden 
(operatore) Assistenten und 4. zwei Bedienten. 

Die Räumlichkeiten bestehen aus einem chemischen Laboratorium (Hilfs- 
anstalt des Laboratoriums für organische Chemie an der höhern Ackerbau- 
schule) und aus den nöthigen Localen für die Versuche und die Aufbewah- 
rung der Producte. 

Der Director der Station ist der Professor der organischen Chemie der 
höhern Ackerbauschule in Mailand ; der Chemiker, welcher in der Nähe der 
Station wohnen soll, ist Vice-Director. 

Art. 7. Der Director und Vicedirector werden sich über die zu unter- 
nehmenden Arbeiten vereinigen und die Grenzen ihrer gegenseitigen Bethei- 
ligung bestimmen, indem sie festsetzen, welche Studien und Versuche in der 
Anstalt zu Lodi und welche in dem Laboratorium der höheren Ackerbau- 
schule in Mailand , welches zu diesem Zwecke zur Verfügung steht, ausge- 
führt werden sollen. 

Im Anfang eines jeden Jahres werden sie ein Programm über die aus- 
zuführenden Versuche aufstellen. 

Art. 8. Die Ernennung des Vicedirectors und ausführenden Assistenten 
geschieht durch die Vorstände der das Institut gründenden Körperschaften, 
diejenige der Bedienten durch den leitenden Aufsichtsrath. 

Art. 9. Die Station wird einem leitenden Aufsichtsrathe von 7 Mitglie- 
dern unterstellt ; ein Mitglied wählt die Regierung , eins die Provinz Mai- 
land, eins die Gemeinde, eins die landw. Commission, eins die Handelskam- 
mer von Lodi , eins die Gesellschaft für praktische Versuche in Lodi , von 
welcher im folgenden Artikel die Rede sein wird. 

Der Präsident der Aufsichtscommission der höhern Ackerbauschule ist 
von Amtswegen Mitglied des Auf sich tsrathes der Station ; er darf sich aber 
durch ein anderes Mitglied der Aufsichtscommission der höhern Ackerbau- 
schule in Mailand vertreten lassen. 

Die Amtsdauer der gewählten Mitglieder des Aufsich tsrathes ist 3 Jahre. 
Sie ergänzen sich in den 2 ersten Jahren durchs Loos und später nach dem 
Alter. 

Art. 10. Sobald die Gemeinde, die Handelskammern und die landw. 
Commission von Lodi eine Gesellschaft zur Ausführung von Versuchen für 
die Fabrication von Lodi-Käse genannt »Parm^saner« gegründet haben , wird 
die Station für Käsefabrication sich mit ihr darüber in Verbindung setzen, 
wie die in dem vorliegenden Reglement festgestellten Zwecke sich vereini- 
gen lassen, sei es durch Aushilfe im Personal sei es auf anderem Wege. 

Das benannte Reglement muss nach den Bestimmungen des § 12 vorge- 
legt, besprochen und genehmigt werden. 

Art. 11. Zu Anfang eines jeden Jahres soll der Director der Station 
dem Aufsichtsrathe ein Budget und die Ausgaben des verflossenen Jahres zur 
Genehmigung vorlegen. Am Ende eines jeden Jahres wird ein Bericht über 
die Arbeiten der Station, welche theils aus eigener Initiative, theils in er- "| 
haltenem Auftrage ausgeführt worden sind, veröffentlicht. Rechnungen und 
Berichte werden in Abschrift dem Ministerium des Handels , der Industrie 
und Landwirthschaft übermittelt. 

Art. 12. Ein Specialreglement, vom Director und Vicedirector vorge- 
schlagen, vom Aufsichtsrathe der Station besprochen und vom Ministerium 
der Landwirthschaft, der Industrie und des Handels genehmigt, wird be- 
stimmen, in welcher Art und Weise die Station vorzugehen hat. 

Wir verordnen, dass das gegenwärtige Dekret, mit dem Staatssiegel ver- 



229 



sehen in die officielle Sammlung der Gesetze und Decrete des Königreichs 
Italien aufgenommen -werde, und befehlen, dass dasselbe von Jedermann be- 
achtet und ihm Achtung verschafft werde. 

Gegeben zu Florenz, den 30. April 1871. 

Victor Emanuel. 

Castagnola. 

Die Einrichtung der vielfach gewünschten Versuchs- Station für Käse- 
fabrication in Lodi ist nun eine Thatsache. 

Um nun diese Anstalt im Besonderen für die Interessen des Gebiets 
von Lodi nutzbar zu machen, ist es nothwendig, die in Art. 10 des königl. 
Decrets gestattete Möglichkeit ins Leben treten zu lassen und eine Gesell- 
schaft zu bilden, welche auf eigene Rechnung die Fabrication von Parmesan- 
käse übernehmen wird, um sich die Resultate, welche von der Station selbst 
als wissenschaftlich sicher erklärt werden, zu Nutzen zu machen. Nur in 
ausgedehnter Anwendung der rationellen Hilfsmittel werden wir die Land- 
wirthe überzeugen und eine so wichtige Angelegenheit den Händen einer 
blinden Empirie entreissen. 

Es ist also durch die Nothwendigkeit geboten , dass die Gemeinde, die 
Handelskammer und landw. Commission die Gründung einer Gesellschaft, 
welche die Industrie der Käsefabrication nach dem lodisaner System auf dem 
gewohnten Wege zum Zweck hat, in die Hand nehmen. 

Um eine solche Gesellschaft zu gründen , sind 40000 Fr. nothwendig, 
welche sich auf einen Zeitraum von 5 Jahren vertheilen. Diese Summe wird 
mittelst Actien durch die Gemeinden, moralischen Körperschaften und Pri- 
vaten aufgebracht. 

Diese Actien sind jede auf 50 Fr. , die für moralische Körperschaften 
und Privaten auch zu 20 Fr. festgesetzt, welche alle an den jährlichen Divi- 
denden Theil haben. 

Die Subscription und betreffende Einzahlung geschieht während 5 Jahren. 

Von den 40000 Fr. wird man 28000 Fr. von den Gemeinden des Krei- 
ses, vertheilt in N. 560 Actien, nach übereingekommenem Projecte verlan- 
gen; die übrigen 12000 Fr. werden durch die moralischen Körperschaften, 
welche die Angelegenheit fördern wollen, und von Privaten gedeckt. 

Und nun besitzen verschiedene Herren und viele Gemeinden und mora- 
lische Körperschaften der Kreise und Fremde Actien der landw. Associatione 
di Corte de Palazio, von ihnen unterzeichnet, in der edlen Absicht den Fort- 
schritt der Landwirthschaft, welchen sich diese Gesellschaft zum Ziele ge- 
setzt hatte, zu fördern; diese Actien, die bedeutend im Preise gefallen und 
ohne Zins (infruttiferi) sind, werden von der Gesellschaft für Käsefabrication 
zu 50 0/q zur Bezahlung der unterzeichneten Actien angenommen. Auf diese 
Weise wandeln die Gemeinden und Privaten ohne in ihrer Bilanz belastet 
zu werden die Actien di Corte Palazio einfach in andere zur Käsebereitung 
um, welche — abgesehen davon, dass sie dem nämlichen Zwecke, dem landw. 
Fortschritte dienen, — den Vortheil haben, dass sie praktischer und nütz- 
licher angewendet und Zins tragend werden. 

Die Commission, welche sich bemüht hat, in unserm Kreise eine Anstalt 
zu schaffen, welche eine — man kann sagen specielle Lodische — ■ Industrie 
unterstützen und heben soll, hat volles Zutrauen zu der Einsicht und Vater- 
landsliebe der Gemeinde- Vorsteherschaften , der moralischen Körperschaften 
und Privaten, dass Alle ohne Unterschied der benöthigten Anstalt zu Hilfe 
eilen werden. 

Lassen wir nicht durch unsere Trägheit eine so wichtige Erwerbsquelle 
uns entfliehen, welche uns, wenn sie nicht auf der Höhe des heutigen Fort- 
schrittes erhalten bleibt, von andern Ländern aus den Händen gerissen wird, 



230 



die nicht ermangeln werden thätig zu sein und eine uns schädliche Concur- 
renz zu schaffen. 

Der Unterzeichnete hofft auf eine schnelle Betheiligung, welche er dem 
Präsidium der landw. Commission und der Municipalität von Lodi mit Ver- 
gnügen übermitteln wird. 
Lodi, 18. Juni 1871. 

Der Präsident: Cremonesi, Professor. 
Allara Pietro, Secretär. 



Erste Conferenz der Torstände der Tersuchs-Stationen 

Italiens zu Rom. 

Am 20., 21. und 22. Januar hat zu Rom im Ministerium für 
Ackerbau, Gewerbe und Handel eine Versammlung der Vor- 
steher der agriculturchemischen Versuchs-Stationen. 
Italiens stattgefunden, an der 13 solcher Vorstände th eilnehmen. 
Es wurden Berichte erstattet über die in verschiedenen Theilen des 
Landes angestellten Anbauversuche mit Zuckerrüben, welche es ausser 
Zweifel stellen , dass die Einführung des Zuckerrübenbaues und der 
Rübenzuckerfabrication in Italien mit bestem Erfolge unternommen 
werden kann. Ausserdem kamen noch andere wichtige Fragen zur 
Verhandlung. 

Ann. d. Landw. Wbl. 1873. p. 128. 



Circulare, die Errichtung einer Samenprüfungsanstalt für 

Baden betreffend ij. 

Die »Centr alstelle des landwirthschaftlichen Ver- 
eins im Grossherzogthum Baden« hat in Bezug auf die Ein- 
richtung einer Samencontrol-Station zu Carlsruhe unterm 3. Febr. 
1872 zwei Circulare erlassen, und zwar: 

1) an die Vorstände der landw. Kreisvereine. 

«Der Centralausschuss des landw. Vereins hat in seiner Sitzung- 
am 16. V. M. die Errichtung einer Samenprüfungsanstalt beschlossen. 
Dieselbe, unter Leitung des Herrn Dr. Just, Docent für Agricultur- 
chemie und Pflanzenphysiologie am hiesigen Polytechnicum, stehend, 
hat zum Zweck, landwirthschaftliche Sämereien auf ihre Reinheit und 
Keimfähigkeit zu untersuchen und dadurch die Landwirthe beim 



1) Vgl. landw. Vers.-Stat. Ed. XVI, p. 72. 



231 



Bezüge von dergleichen Sämereien vor Schaden , der ihnen durch 
nichtkeimfähige oder verfälschte Waare erwachsen kann, zu bewahren. 

Im Vollzuge dieses Beschlusses ersuchen wir den Vorstand des 
Bezirksvereins bei Samenbezügen für seine Mitglieder, sich von den 
betreffenden Samenhandlungen Proben von Sämereien einsenden 
zu lassen und diese uns zur Untersuchung zu übermittein. Wir wer- 
den sodann unter möglichster Beschleunigung des Verfahrens die 
Samen prüfen und dem Vorstande das Resultat dieser Prüfung mit- 
theilen. Auf Grund dieses unseres Gutachtens wollen Sie dann die 
Bestellung »nach Muster« machen und nach erfolgtem Eintreffen 
des Samens uns sofort wieder Proben einreichen, welche letzteren, 
um als Durchschnittsproben gelten zu können, von dem gut durch- 
gemengten Samen vor Zeugen entnommen und versiegelt werden 
müssen. 

Für diese Untersuchungen haben Sie kein Honorar zu zahlen. 

Wir ersuchen Sie beabsichtigten Samenbezügen für die diesjäh- 
rige Frühjahrsaussaat die Einforderung der Proben von den Samen- 
händlern und die Einsendung derselben an uns thunlichst beschleu- 
nigen zu wollen , da die Untersuchung der Sämereien 8 — 14 Tage 
in Anspruch nimmt. Die Resultate der Prüfung werden Ihnen brieflich 
mitgetheilt werden. 

Ferner bitten wir Sie, sich nur auf die Einsendung von Proben 
solcher Samen beschränken zu wollen, deren Bezug be- 
reits beschlossen ist, da die Untersuchung uns nicht unerheb- 
liche Kosten verursacht. Wir bemerken dabei ausdrücklich, dass die 
Vergünstigung der Gratisuntersuchung nur den Bezirksvereinen 
zu Theil werden kann. 

Samenhändler oder Landwirthe , welche Samen unter Garantie 
verkaufen, zu diesem Behufe dieselben durch die Controlstation prü- 
fen und das Resultat der Untersuchung durch unser Vereinsorgan 
bekannt machen lassen wollen, können Proben an uns oder direct 
an Herrn Dr. Just zur Untersuchung einsenden, haben aber für jede 
Probe ein Honorar von 4 fl. zu bezahlen. 

Die Firmen und Samensarten , welche unter Controle stehen, 
werden wir jeweils in unserm Wochenblatte veröffentlichen. 
Im Auftrage des Präsidiums. 

Dr. Funk. 

2) An die Samenhändler im Gr ossherzogth. Baden. 

»Der Centralausschuss des landwirthschaftl . Vereins hat in seiner 
Sitzung am 16. v. M. die Errichtung einer Samenprüfungsanstalt 
beschlossen. Dieselbe, unter Leitung des Herrn Dr. Just, Docent 
für Agriculturchemie und Pflanzenphysiologie am hiesigen Polytech- 



232 



nicum, stehend, hat zum Zweck, landwirthschaftliche Sämereien auf 
ihre Reinheit und Keimfähigkeit zu untersuchen und dadurch die 
Landwirthe beim Bezüge von dergleichen Sämereien vor Schaden, der 
ihnen durch nichtkeimfähige oder verfälschte Waare erwachsen kann, 
zu bewahren. 

Im Vollzuge dieses Beschlusses haben wir die Bezirksvereins- 
vorstände ersucht, bei Samenbezügen für ihre Mitglieder sich von den 
betreffenden Samenhandlungen Proben von Sämereien einsenden zu 
lassen und diese uns zur Untersuchung zu übermitteln. Wir werden 
sodann unter möglichster Beschleunigung des Verfahrens die Samen 
prüfen und dem Vorstande das Resultat dieser Prüfung mittheilen. 

Auf Grund dieses unseres Gutachtens werden dann die Bezirks- 
vereine Bestellungen »nach Muster« machen und nach erfolgtem 
Eintreffen des Samens uns sofort wieder Proben , welche , um als 
Durchschnittsproben gelten zu können, von dem gut durchgemengten 
Samen vor Zeugen entnommen und versiegelt werden müssen , zur 
Untersuchung einreichen. 

Die Resultate dieser Untersuchungen werden wir von Zeit zu 
Zeit durch das »Wochenblatt des landwirthschaftlichen Vereins im 
Grossherzogthum Baden« veröffentlichen. 

Anschliessend an diese Mittheilung machen wir Sie darauf auf- 
merksam, dass auch Sie sich dieser Anstalt bedienen können und 
dass Ihnen dieselbe, wenn Sie sich im Zustande des Käufers be- 
finden und sich die Qualität eines Ihnen offerirten Samens garantiren 
lassen wollen, grosse Vortheile darbietet. 

In diesem Falle, sowie dann, wenn Sie sich entschliessen sollten, 
Samen unter Garantie zu verkaufen, zu diesem Behufe diesel- 
ben durch die C ontrol Station prüfen und das Resultat 
der Untersuchung durch unser Vereinsorgan bekannt 
machen lassen zu wollen, können Sie Proben an uns oder direct 
an Herrn Dr. Jast einsenden. 

Für die Untersuchung jeder Probe haben Sie ein Honorar von 
4 fl. (südd. Währung) zu bezahlen. 

Die Firmen und Samensarten, welche sich unter unserer Con- 
trole befinden, werden wir durch das Wochenblatt bekannt machen. 

Schliesslich bemerken wir, dass wir bei Differenzen in der Qua- 
lität zwischen den vorher an die Bezirksvereine eingesendeten Mustern 
und der an dieselben verkauften Waare bereit sind , Ihnen vor der 
Veröfi'entlichung durch unser Blatt briefliche Mittheilung zugehen zu 
lassen, um Sie dadurch in den Stand zu setzen, diese Difi'erenzen 
nach Ihrem Ermessen auszugleichen. Wenn letzteres geschehen, kann 
von der Veröffentlichung des Resultats Umgang genommen werden. 
Im Auftrage des Präsidiums. 

Dr. Funk. 



233 



Die Untersuchung der Superphosphate. 

(Nach den Verhandlungen einer am 11. Februar 1872 in Magdeburg zusam- 
mengetretenen Conferenz.i 

In Veranlassung der oft erheblichen Differenzen, welche bei der Unter- 
suchung der Superphosphate vorgekommen sind , wurden von den Herren 
Professor W. Henneberg-Weende, Professor G *Kühn-Möckern , Dr. M. 
Märcker-Halle, Dr. H. Schultz e-Braunschweig und Dr. H. Schulz- 
Magdeburg die bei der Düngercontrole vorzugsweise betheiligten Chemiker 
der Provinzen Sachsen, Hannover, Brandenburg, Hessen und Westfalen, so- 
wie der Nachbarstaaten Anhalt , Braunschweig , Hamburg und Königreich 
Sachsen zu einer Conferenz aufgefordert, um die Vereinbarung einer Methode 
zur Bestimmung der löslichen Phosphorsäure herbeizuführen. 

Der Einladung folgten ausser den vorgenannten nachstehende Herren : 
Dr. A. Beyer-Freiberg i. S. , Dr. A. Burgemeister-Corbetha, Dr. Th. 
Dietrich- Altmorschen, Dr. M. Dürre-Magdeburg, Dr. Fl ei scher- Weende, 
Dr. Frank-Stassfurth, Dr, E. Gilbert-Hamburg, W. Heile r-Harburg, Dr. 
F. Heidepriem-Cöthen, Dr. H. Höhn-Linden bei Hannover, Dr. J. Kö- 
nig-Münster in Westfalen, Dr. U. Kreusler-Hildesheim, Alwin Rümpler- 
Berlin, Dr. Schäfer-Magdeburg, Dr. Jul. S c h ulz-Braunschweig, Dr. E. 
R.. Teuchert-Halle a. S., Dr. Ulex-Hamburg, Dr. P. AVagn er- Göttingen, 
Dr. Zerener-Magdeburg, und wohnten dieselben der am 11. Februar d. J. 
in Magdeburg tagenden Versammlung bei. (Vorsitzender; Professor Henne - 
berg, Schriftführer: die Unterzeichneten). 

Unter kritischer Berücksichtigung der in der Literatur bereits enthalte- 
;ien Reformvorschläge und auf Grund experimentaler Erfahrungen, nament- 
lich der in Weende und Halle ausgeführten vergleichenden Versuche, ent- 
svihied die Versammlung sich für eine allgemeine Annahme folgender Unter- 
stichungs-Methode. 

\^ .1. Extractions- Verfahren. 

\^a) Superphosphate mit geringem Eisen- und Thonerdegehalt. 
2 0 Gramm der Substanz werden in einer Reibschale unter Wasser zer- 
drückt (nicht feingerieben), in eine Literflasche gespült und mit so viel 
Wasser verdünnt, dass die Flüssigkeit sich noch bequem schütteln lässt. 

Nlich zweistündiger Digestion unter häufigem Umschütteln wird bis 
zur Marke aufgefüllt und filtrirt. Das Volumen des ungelöst gebliebenen 
Rückstandes bleibt bei der späteren Berechnung unberücksichtigt. 

b) Superphosphate mit grösserem Eisen- und Thonerdegehalt. 

Eisenoxyd- und thonerdereiche Superphosphate werden Avie bei a) ange- 
geben extrahirt , jedoch mit der Modification, dass keine Digestionszeit ge- 
lassen, sondern nach sorgfältigem Umschütteln sogleich abfiltrirt wird. 

2. Bestimmung der Phosphorsäure. 

a) Massanalytische Bestimmung durch Titration mit salpetersaurem Uranoxyd. 

Die massanalytische Bestimmung ist nur bei solchen Superphosphaten 
anzuwenden, deren Eisengehalt so gering ist, dass das nach Zusatz von essig- 
saurem Natron aus ihrer Lösung sich abscheidende Eisen- (Thonerde-) Phos- 
phat weniger als I Proc. vom Superphosphat beträgt. 

Der Titer der salpetersauren Uranlösung wird mit einer Lösung von 
saurem phosphorsaurem Kalk (aus neutralem phosphorsaurem Kalk 
durch Zusatz von Schwefelsäure oder aus käuflichem Superphosphat bereitet), 



234 



welche in 1 CC. ca. 0,0025 Grrn. Phosphorsäure enthält, so gestellt, dass 
1 CC. Uranlösung ca. 0,005 Grm. Phosphorsäure entspricht. 

Von der zu prüfenden Superphosphatlösung werden 40 CC. mit 10 CC. 
(unter Umständen mehr) der gebräuchlichen Lösung von essigsaurem Natron 
versetzt und nach der von Stohmann (Vers.-Stat. Bd. VI. S. 386) ange- 
gebenen Weise titrirt. 

Die Endreaction ist durch zerriebenes Blutlaugensalz (Fresenius) oder 
durch eine vor dem jedesmaligen Gebrauche frisch bereitete Lösung 
desselben herbeizuführen. 

Beträgt der Verbrauch an Uranlösung mehr als 30 CC, so wird die Phos- 
phorsäureflüssigkeit mit so viel Wasser verdünnt, dass die Endreaction mit 
möglichster Schärfe hervortritt. 

b) Gewichtsanalytische Bestimmung. 

Das gewichtsanalytische Verfahren ist bei allen den Superphosphaten 
anzuwenden, deren Eisengehalt so bedeutend ist , dass die Menge des nach 
Zusatz von essigsaurem Natron aus der Lösung sich abscheidenden Eisen- 
(Thonerde-)Phosphats 1 % vom Superphosphat oder darüber beträgt. 

Für die Gewichtsbestimmung wird die von Fresenius (Zeitschrift f. 
anal. Chemie 1867 S. 404) angegebene Methode unter Berücksichtigung fol- 
gender Momente beibehalten : 

Es wird die mit der salpetersauren Lösung von molybdänsaurem Ammon 
auszufällende Flüssigkeit zuvor von Kieselsäure und von etwa vorhandenen 
organischen Substanzen durch Zerstörung der letzteren mit Salpetersäure be- 
freit und auf ein möglichst geringes Volumen gebracht. 

Der beim Digerireni) mit molybdänsaurem Ammon entstandene Nieder- 
schlag wird in wenig Ammon gelöst, mit Salzsäure annähernd neutralisirt, 
die Lösung mit einer nicht zu reichlichen Menge Magnesiamixtur versetzt, 
in welcher die schwefelsaure Magnesia durch eine äquivalente Menge von 
Chlormagnesium vertreten ist, und nach einiger Zeit ihr Volumen um 1/3 
durch verdünntes Ammoniak (1:3) vermehrt. 



Durch die demnächst erfolgende Veröffentlichung des ausführlichen 
Sitzungsprotokolis Averden die oben angegebenen Modificationen des bislang 
üblichen Verfahrens und die Nichtannahme gewisser, kürzlich erschienener 
Reformvorschläge (s. Gutachten von Fresenius, Neubauer und Luck 
— Zeitschrift für anal. Chemie 1871) ausführlicher begründet werden. Hier 
beschränken wir uns darauf die folgenden Hauptmomente des Protokolls aus- 
zugsweise mitzutheilen. 

1) Die ganze Menge der löslichen Phosphorsäure wird bei der Behand- 
lung mit Wasser fast augenblicklich von letzterem aufgenommen. Versuche 
haben gezeigt, dass es bei dem grössten Theile der zur Untersuchung kom- 
menden Superphosphate gleichgültig ist, ob man dieselben V2» 2, 3 oder 24 
Stunden mit Wasser digerirt. Vereinzelten Fällen, worin durch längere 
Digestion eine grössere Menge von Phosphorsäure gelöst Avurde, sind andere 
gegenüber zu stellen, welche bei längerer Berührung der Superphosphate mit 
Wasser ein stetiges Zurückgehen der Phosphorsäure erkennen Hessen. 

2) Versuche, welche zum Zweck einer Vergleichung der a) nach dem 
früheren Extractionsverfahren , b) nach der auf der Dresdener Agricultur- 
chemiker- Versammlung vorgeschlagenen Methode, c) nach dem von Frese - 



^) Erfahrungsmässig genügt eine 3 — 4stündige Digestion bei 400C. 



235 



nius empfohlenen Auswaschverfahren 1) erhaltenen Resultate angestellt sind, 
haben keine oder so unwesentliche Differenzen ergeben, dass die Ver- 
sammlung das gewöhnliche Verfahren mit oben angegebener Präcision haupt- 
sächlich aus praktischen Gründen beizubehalten beschlos s. 

3) Da bei längerer Behandlung eisenreicher Superphosphate mit Was- 
ser ein Abnehmen der gelösten Phosphorsäure bemerkt worden ist, so stellt 
sich die Nothwendigkeit einer sofortigen Filtration heraus. 

4) Von der Berücksichtigung des Rückstands- Volumens beim Auffüllen 
wurde abgesehen, w-eil dasselbe ein nicht constanter und auch unwesentlicher 
Factor ist. Bei vergleichenden Versuchen brachte der dadurch begangene 
Fehler höchsten Falls eine Differenz von 0,06% Phosphorsäure. 

5) Ist der Titer der Uranlösung durch phosphorsaures Natron festgestellt, 
findet man beim Titriren der Superphosphatlösungen einige Zehntel Procent 
weniger Phosphorsäure, als der gewichtsanalytischen Bestimmung entsprich t» 
eine Erscheinung, die einer vollständig genügenden Erklärung bis jetzt ent- 
behrt 2) und durch umgekehrte Titration, welche Fresenius vorschlägt, 
nicht verhindert wird. Es wurde deshalb beschlossen , den Titer der Uran- 
lösung 3) mit saurem p ho sp hör saurem Kalk oder einem wässerigen Aus- 
zuge käuflichen Superphosphates festzustellen , nachdem vergleichende Ver- 
suche eine solche Titerstellung als durchaus zweckmässig erwiesen haben. 

6) Blutlaugensalzlösung, welche längere Zeit aufbewahrt worden ist, be- 
einträchtigt das rechtzeitige Erscheinen der Endreaction. 

7) Der nach Zusatz von essigsaurem Natron aus den eisen- und thon- 
erdehaltigen Superphosphatlösungen sich abscheidende Niederschlag hat eine 
nicht constante Zusammensetzung. Die Berechnung der darin enthaltenen 
Phosphorsäure wird deshalb um so unzuverlässiger, je grösser die Menge des 
Niederschlages ist. 

Bei eisenreichen Superphosphaten kann aus diesem Grunde nur die 
gewichtsanalytische Bestimmung massgebend sein. 



1) Nach Stohmann bringt man 20 Grm. Superphosphat in eine Liter- 
flasche, übergiesst mit SOO CC. Wasser, lässt unter häufigem Umschütteln 
3 Stunden stehen, füllt bis zur Marke auf und filtrirt ab. 

Nach dem Dresdener Verfahren, welches den Zweck hat, eine Ein- 
wirkung von etwa vorhandener freier Schwefelsäure auf den nicht aufge- 
schlossenen phosphorsauren Kalk zu verhüten, werden 20 Grm. Superphos- 
phat in einer Reibschale mit Wasser schwach gerieben, die Flüssigkeit abge- 
gossen, der Rückstand in eine Literflasche gespült, unter Umschütteln 3 Stunden 
lang mit Wasser digerirt, dann die zuerst abgegossene Fltissigkeit hinzuge- 
geben, bis zur Marke aufgefüllt und filtrirt. 

Fresenius wäscht 10 Grm. Superphosphat auf dem Filter bis zum Ver- 
schwinden der sauren Reaction mit Wasser aus und füllt das Filtrat auf 
1000 CC. auf. 

2) Die von Fresenius hierfür gegebene Erklärung, nach welcher beim 
Erwärmen der Phosphorsäureflüssigkeit vor Zusatz der Uranlösung phosphor- 
saurer Kalk ausgeschieden wird, kann nicht zutreffen, weil nach dem üblichen 
Verfahren bei der zweiten Titration nicht zur warmen, sondern zur kalten 
Flüssigkeit die annähernd nöthige Menge Uran hinzugesetzt und dann erst 
erwärmt wird. 

3) Nach Untersuchungen auf der Versuchs-Station Halle enthalten die 
Uranniederschläge mehr Phosphorsäure, als ihrem Urangehalt entspricht. Die- 
ser Umstand und das stetige Vorkommen von Kalk im Niederschlag beweist, 
dass auch in der Kälte neben phosphorsaurem Uran phosphorsaurer Kalk 
ausgeschieden wird. 



236 



8) Bei Anwendung schwefelsaurer Magnesiamixtur erhält man, wie eine 
grosse Reihe von Versuchen zeigt, zu hohe Resultate, weil, wie von Rose 
angegeben, schwefelsaure Magnesia in den Niederschlag übergeht, die durch 
Auswaschen nicht entfernt werden kann. Ersetzt man die schwefelsaure 
Magnesia durch die äquivalente Menge Chlormagnesium, so fallen die Resul- 
tate sehr befriedigend aus. — — 

Um die im Obigen enthaltenen Beschlüsse den Interessenten zu über- 
mitteln , wurde eine Commission gewählt , bestehend aus den Herren : M. 
Dürre, Sudenburg-Magdeburg, W. Henneberg, Versuchs- Station Weende, 

G. Kühn, Versuchs-Station Möckern, M. Marek er, Versuchs-Station Halle, 

H. Schnitze, Versuchs-Station Braunschweig, H. Schulz, Laboratorium 
Magdeburg, und H. L. Ulex, Laboratorium Hamburg. 

Dieselben haben eine bezügliche Erklärung d. d. Magdeburg, den IL Febr. 
1872, bereits veröffentlicht, folgenden Inhalts : 

»Die Phosphorsäurebestimmung hat durch neuere Arbeiten eine Modifi- 
cation dahin erhalten, dass die jetzige Bestimmung niedriger als sonst aus- 
fällt, und zwar auf je 5% um durchschnittlich 0,\^Iq'^]. 

»Die controlirenden Chemiker halten sich für verpflichtet, die sichersten 
und zuverlässigsten Methoden anzuwenden, und deshalb ist die sofortige allge- 
meine Einführung der neuen Methode auf der heutigen hier stattgefundenen 
und zahlreich besuchten Versammlung beschlossen. 

»Da indess die Fabrikanten in gutem Glauben nach alter Analyse bisher 
ge- und verkauft und darnach ihre Frühjahrslieferungen bereits fertig gestellt 
haben , ist es begründet , bei den nach der neuen Methode entstehenden 
Differenzen auf Obiges bis zum 1. Juli 1872 billige Rücksichten zu nehmen.« 
In Uebereinstimmung mit den gewählten Commissions-Mitgliedern 

die Schriftführer ; 
Dr. P. Wagner-Göttingen. Dr. M. Fleischer-Weende. 



Facliliterarisclie Eingänge. 

Milch-Zeitung. Organ für das gesammte Molkereiwesen einschliess- 
lich Viehhaltung. Unter facultativer MitA^drkung verschiedener Fachmänner 
herausgegeben von Benno M artin y. 1. Jahrgg. Danzig 1872. 4. 

Dr. U. Kreussler: Erster Bericht über die Thätigkeit der Versuchs- 
Station des land- und forstw. Provinzial- Vereins f.. d. Fürstenthum Hildes- 
heim. Celle 1873. 8. 55 S. 



1) Handbuch der analyt. Chemie, 6. Aufl. Bd. II. S. 513. 

2) Die Bemerkung bezieht sich nur auf die gewichtsanalytischen Bestim- 
mungen der Phosphorsäure, Während bei den massanalytischen Untersuchun- 
gen die Compensation , welche das bisherige Verfahren: Titerstellung der 
phosphorsauren Natronlösung durch schwefelsaure Magnesia, für die in 
Nr. 5 angeführte Fehlerquelle herbeiführte , jetzt durch Titerstellung der 
Uranlösung mittelst phosphorsauren Kalks erreicht wird, fällt die gewichts- 
analytische Bestimmung wegen Anwendung von Chlormagnesium an Stelle 
der schwefelsauren Magnesia jetzt etwas niedriger aus, als früher. 



237 



Abhandlungen, herausgegeben vom naturwissenschaftlichen Vereine 
zu Bremen. III. Bd. III. Heft. Mit 3 Tafeln. Bremen 1873. 8. 

Theodor Heinze: Pferd und Reiter. Die Reitkunst in ihrem ganzen 
Umfange, theoretisch und praktisch erläutert. Dritte verb. u. erweit. Aufl. 
Mit 118 Textabbildungen und einem Titelbilde. Leipzig 1873. 8. XXII u. 
496 S. 

Ger lach: Massregeln zur Verhütung der Rinderpest. Gesetz vom 

7. April 1869 mit Instruction vom 26. Mai 1869. Durch Anmerkungen er- 
läutert. Berlin 1872. 8. 43 S. 

Annali del ministero di agricoltura, industria e commercio. 1871. Terzo 
trimestre. Parte I. Agricoltura. Genova 1872. 255 S. 

Dasselbe: II, III. e IV Trimestre Parte II. Statistica; Economato. 
Genova-Firenze 1872. 8. 152 S. 

Dasselbe: 1872. Primo Trimestre. Parte II. Statistica (Nr. 47) Pa- 
dova 1872. 8. 145 !S. 

Dasselbe: Parte III. Commercio e industria (Nr. -18). Roma 1872. 

8. 296 S. 

Dr. A. Rueff: Das Scheeren unserer Hausthiere (Klipping tondage) 
vom diätetischen, physiologischen, geschichtlichen und praktischen Standpunkt 
besprochen. Berlin 1873. 8. 32 S. 

J. Heinrich: Der praktische Thierarzt. Gemeinverständlicher Leitfaden 
der Gesundheitspflege, Krankheits- und Heilmittellehre unserer landw. Haus- 
thiere. Dritte vollst, neu bearb. Auflage. Mit 3 Tafeln Abbildungen. Ber- 
lin 1873. 8. 128 S. 

Adolph Blomeyer,' Dr. jur. et ph. : Pachtrecht und Pachtver- 
träge. Ein Handbuch des Preussischen und Sächsischen Pachtrechts mit 
kritischen Erörterungen über die gesammten Pachtrechtsverhältnisse und dem 
Entwurf zu einem Pachtvertrag über ein grösseres Landgut. Berlin 1873. 8. 
341 S. 

Mededelingen en berichten der Geldernsche Maatschappy van land- 
bouw over 1873. I. Uitgegeven den 24. Maart 1873. Zutphen 1873. 8. 91 S. 

F. Burgtorf: Wiesen- und Weidenbau. Praktische Anleitung zur Aus- 
wahl und Cultur der Wiesen- und Weidenpflanzen nebst Berechnung der 
erforderlichen Samenmengen. Berlin 1873. 8. 139 S. 

Georgika. Monatsschrift für Landwirthschaft und einschlagende Wis- 
senschaften. Unter Mitwirkung einer grösseren Anzahl von Fachgelehrten 
herausgegeben von Prof. Dr. Carl Birnbaum. IV. Jahrg. 1. u. 3. Heft. 
Lpz. 1873. 

Carl Pieper: Technische Kritiken auf volkswirthschaftlichem Gebiete. 
I. Wie steht die Städtereinigungsfrage? Eine Kritik im Anschluss an die 
Vorlage des Berliner Magistrats an das Stadtverordneten-Collegium mit Be- 
rücksichtigung der neuesten Erfahrungen. Dresden 1873. 8. 56 S. 



238 



X 



Prof. G. Campani: Lavori di chimica agraria eseguiti nel Laboratorio 
chimico della Ra, Universita di Siena. Anno 1872. Siena 1873. 

J. G. Koppe: Unterricht im Ackerbau und in der Viehzucht. Zehnte 
Auflage, herausg. u. mit Zusätzen vermehrt von Dr. Emil von Wolf f. Mit 
Koppe's Portrait und Biographie. Berlin 1873. 

Dr. W. Pfeffer: Untersuchungen über die Proteinkörner und 
die Bedeutung des Asparagins beim Keimen der Samen. Mit 3 lithogr. 
Tafeln. (Sep. Abdr. a. d. Jahrb. f. wiss. Botanik YIII. 1872. 8. 146 S. 

Organ des Vereins für Rübenzucker. Industrie in d. österr. Ung. Mo- 
narchie. Redigirt von Dr. O. Kohlrausch. XI. Jahrgg. Jan. -Heft. Wien 
1873. 

A. Hilger: Bericht über die Thätigkeit des agricultur- chemischen 
Laboratoriums für Unterfranken und Aschaffenburg 1870 bis October 1872. 
Würzburg 1872. 8. 64 S. mit 1 lith. Tafel. 

Prof. Dr. Albert Orth: Geognostische Durchforschung des 
Schlesischen SchM^emmlandes zwischen dem Zobtener und Trebnitzer 
Gebirge nebst analytischen und petrographischen Bestimmungen sowie einer 
Uebersicht von Mineral-, Gestein- und Bodenanalysen. Vom landw. Verein 
zu Breslau gekrönte Preisschrift. Berlin 1872. 8. 361 S. 

Samuel W. Johnson, M. A. : Wie die Feldfrüchte sich näh- 
ren. Ein Lehrbuch für Landwirthe etc. Uebers. u. mit Anmerkungen ver- 
sehen von Hermann von Liebig. Mit in den Text gedruckten Holzschnitten. 
Braunschweig 1872. 8. IX. und 454 S. 

Dr. N. J. C. Müller: Botanische Untersuchungen. I. Unter- 
suchungen über die Sauerstoffausscheidungen der grünen Pflanzen im Son- 
nenlicht. — Beziehungen zwischen Verdunstung und Druck im Innern der 
Pflanze. — Untersuchungen über die Krümmungen der Pflanzen gegen das 
Sonnenlicht. — Mit Holzschnitten und 2 lith. Taf. Heidelberg 1872. 8. 82 S. 

Dr. C. Karmrodt: Fünfzehnter Jahresbericht der Versuchs- 
Station des landw. Vereins für Rheinpreussen zu Bonn. Bonn 1872. 8. 23 S. 

A. de Bary: Ueber die Wachsüberzüge der Epidermis. Mit 
2 lith. Tafeln. (Separatabzug aus der Botan. Zeitung 1872.) 4. 80 S. 

Prof. Dr. Eduard Heiden: Leitfaden der gesammten Dünge- 
lehre und Statik des Landbaues. Hannover 1873. 8. XX und 255 S. 

Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie etc. Unter 
Mitwirkung von K. Birnbaum, W. Dittmar , F. Hoppe-Seyler , A. Lauben- 
heimer , A. Michaelis, F. Nies, Ph. Zincke, K. Zoppritz herausgegeben von 
Alex. Naumann. Für 1870. Glessen 1S72. Heft 1 und 2. 8. 960 S. 

Prof. Dr. C. G. Giebel: Zeitschrift für die gesammten Naturwis- 
senschaften. N. F. 1872. Bd. V. Berlin 1872. 8. 532 S. Mit 5 Tafeln. 

Dasselbe Bd. VI, mit 3 Tafeln und 12 Holzschnitten. 8. 558 S. Ber- 
lin 1872. 



239 



Wilhelm Korn: Viertel j ahrsschrift für Land- und Forstwirth- 
schaft. 4. Jahrgang. Heft 1. Breslau 1873. 8. 160 S. 

M. R. Pressler und Max Kunze: Die Holzmesskunst in ihrem 
ganzen Umfange. Zweiter Band: Lehrbuch der Holzmesskunst. Von Prof. 
Max Kunze. Berlin 1873. Hoch 8. 245 S. Mit 44 Holzschnitten. 

Dr. "Wilh. Rohde: Die Salzlager in Stassfurt mit besonderer 
Berücksichtigung der Fabrikation der kalihaltigen Düngesalze, ihrer Verwen- 
dung und Wirkung. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. O. Rohde. Berlin 
1873. 8. 69 S. 

C. E. von König- Die Serradella, der Klee des Sandes. Dritte 
verb. Auflage. Berlin 1873. 8. 40 S. 



*Personal-Notizen. 

Dr. Ernst Schulze, bisher Vorstand der Versuchs-Station zu 
Darmstadt, ist im October v. J. einem Rufe als Professor der Agri- 
culturchemie an das Polytechnicum zu Zürich gefolgt. 

Der Nachfolger Schutzes zu Darmstadt ist Hr. Dr. P. Wagner, 
früher Assistent am agriculturchemischen Laboratorium zu Göttingen. 

Eine grössere Weinbaugesellschaft in Griechenland hat Herrn 
Prof. Dr. J. Kessler, Vorstand der Versuchs-Station zu Carlsruhe, 
eingeladen, nach dort zu kommen, damit derselbe über Verbesserung 
des Anbaues und der Weinbehandlung in Griechenland geeignete Vor- 
schläge mache. Diesem Auftrage entsprechend hat Prof. Nessler im 
Sommer 1872 einen mehrwöchentlichen Aufenthalt in Patras ge- 
nommen. 



t 

Am 18. April 1873 5^12 Uhr Abends starb zu 
München an den Folgen einer Lungenentzündung 

Justus von Liebig 

im nahezu vollendeten 70. Lebensjahre. 



241 



lieber den gegenwärtigen Stand der Städte- 
relnignngs- nnd Wasserbeschaflfimgsfrage 

fiir Berlin. 

Von 

Alexander Müller. 



Wenn man als Axiom aufstellen darf, class, je vollkommener 
die Frage der Reinigung für die Stadtbewohner gelöst wird, um 
so besser auch das Interesse der Landwirthschaft gewahrt wird, 
dass also Stadt und Land keine sich widersprechenden, sondern 
gradezu solidarische Interessen haben, so ist es unzweifelhaft 
eine der wichtigsten Aufgaben der Agriculturchemie, die Städte- 
reinigungsfrage nach Kräften zu fördern, und es werden darum 
einige Mittheilungen über hiesige Verhältnisse den geehrten Lesern 
dieser Zeitschrift nicht unwillkommen sein. 

Berlin ist nicht nur fast das einzige Gemeinwesen (jeden- 
falls das volkreichste!) in Deutschland, welches mit grossem 
Geld- und Kraftaufwand an einer befriedigenden Lösung der 
schwierigen Frage gearbeitet hat, sondern es hat auch in seinen 
Vorarbeiten einen Vergleich mit England, der modernen Wiege 
der öffentlichen Gesundheitspflege, nicht zu scheuen. 

Berlin hat seit mehr als zehn Jahren die Reinigungsfrage 
lebhaft discutirt und nun seit 4 Jahren nach den verschiedensten 
Richtungen die umfassendsten wissenschaftlichen Erhebungen und 
experimentellen Untersuchungen veranlasst. Die Ergebnisse sind 
dem Publicum in einer Reihe von Specialberichten grossentheils 
schon ausführlich und neulich in einem ebenso gedrängten als 
klaren Generalbericht des Herrn Professor R. Virchow vorge- 
legt worden 1), und die städtischen Behörden haben jüngst den 



i) Sämmtliche officielle Berichte erscheinen bei Aug. Hirschwald in Berlin. 
Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 16 



242 



Beschluss gefasst, an eine gründliche Verbesserung der städti- 
schen Reinhaltung unverzüglich und kräftig die Hand anzulegen. 

Jeder der sich ernst und vorurtheilsfrei mit der Frage der 
öffentlichen Reinhaltung beschäftigt hat, wird zu der Ueberzeu- 
gung gelangt sein, dass die Lösung derselben theoretisch eine 
sehr schwierige ist, weil sie fast alle Gebiete des menschlichen 
Lebens berührt und darunter gar viele, in denen mathematische 
Berechnung aufhört, und dass sie praktisch auch bei gewissen- 
hafter Berücksichtigung aller localen Verhältnisse nie ganz be- 
friedigen, sondern immer nur als ein mehr oder weniger glück- 
licher Compromiss der verschiedenen dermaligen Ansprüche zu 
betrachten sein wird. 

Meine Stellung zur Behandlung der Frage in Berlin habe 
ich im vergangenen Herbst durch folgende Thesen präcisirt, 
welche der hiesigen »Deutschen Gesellschaft für öffentliche Ge- 
sundheitspflege« als Resolution nach den vorausgegangenen Dis- 
cussionen von mir vorgeschlagen und von der Gesellschaft mit 
unwesentlichen Modificationen angenommen worden sind. 

Thesen über die demnächstigen Aufgaben der Reinigung 

Berlins. 

1) In bürgerlichen und besonders in ärztlichen Kreisen ist 
man allgemein zu der Ueberzeugung gelangt, dass in 
Berlin für Ableitung des Meteor-, Grund- und Hauswas- 
sers von Strassen und Häusern schlecht gesorgt ist. 

2) Ebenso allgemein ist die Ueberzeugung, dass die öffent- 
lichen Wasserläufe, besonders aber die künstlichen Ab- 
zweigungen der Spree (Louisenstädtischer und Landwehr- 
Canal , der Grüne und der Königs-Graben) , in äusserst 
gefährlicher Weise durch zusti'ömendes Schmutzwasser 
verunreinigt sind und täglich mehr verunreinigt werden. 

3) Das einzige bekannte Mittel für die Entwässerung Ber- 
lins ist eine angemessen tiefe und geräumige Canali- 
sation, welche, wo natürliches Gefälle mangelt, geeig- 
neter Kraftmaschinen sich bedient. 

4) Ausser dem Schmutzwasser findet sich mancherlei städti- 
scher Unrath vor, welcher, soweit er nach seiner Natur 



243 



nicht verflüssigt werden kann^ regelmässig und möglichst 
bald nach seiner Entstehung abgefahren werden muss. 

5) Da die Menge der Haus- und Closettwässer erfahrungs- 
mässig nur einen kleinen Theil von derjenigen des Me- 
teorwassers beträgt, auf dertn Entfernung man z. B. bei 
schnellem Thauwetter und Gewitter gefasst sein muss, 
und für deren Bewältigung die Entwässerungscanäle zu 
construiren sind, so hat die Construction und der Her- 
stellungspreis einer Canalisation direct nichts mit der Art 
zu thun, in welcher die menschlichen Excremente und 
ähnliche Abfälle, z. B. von Lazarethen und Schlacht- 
häusern, entfernt werden. 

6) Ob letztgenannte Abfälle besser weggespült oder abge- 
fahren, besser als flüssiger oder fester Dünger verwer- 
thet, besser durch die Thätigkeit des Erdbodens oder 
durch chemische Zusätze desinficirt werden, sind wirth- 
schaftliche und sanitäre Fragen, deren Beantwortung- 
weniger die Technik der Canalisation als im Allgemeinen 
die Unterbringung des Schmutz wassers berührt. 

7) Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Gesundheits- 
pflege hält aus sanitären und finanziellen Gründen dafür, 
dass das Berliner Schmutzwasser nur durch landwirth- 
schaftliche Benutzung regelmässig und befriedigend ge- 
reinigt werden könne, und dass auch die Entfernung der 
menschlichen Excremente und ähnlicher Abfälle nach kei- 
ner andern bekannten Methode in Berlin mit weniger 
sanitären Gefahren möglich sei, als durch systematische 
Spülung in Verbindung mit richtig ausgeführter Cana- 
lisation. 

8) Sie empfiehlt deshalb ai^fs dringendste die baldigste In- 
angriffnahme der Canalisation von Berlin und zwar nach 
dem ihr vom Baurath J. Hobrecht vorgelegten Project; 
sie wird es sich ausserdem angelegen sein lassen, die 
Mittel zu prüfen, durch welche die höchst gefährlichen 
sanitären Zustände Berlins zu verbessern sind, bis oder 
wo es nicht durch Canalisation geschehen kann. 

Eine vollständige Begründung dieser Thesen würde 

16* 



244 



hier nicht am Platze sein; es werden folgende Erläute- 
rungen genügen, 
ad 1. Berlin ist auf der bebauten Fläche so dicht bevöl- 
kert, wie keine andere Grossstadt; es liegt mit ge- 
ringen Ausnahmen sehr eben und sehr nahe dem 
Grundwasser; zur Abführung des wegen viel benutzter 
Wasserleitung, dichter Bevölkerung, zahlreicher Was- 
serclosette und stark entwickelter Industrie sehr reich- 
lichen und sehr schmutzigen Abwassers dienen in 
den meisten Strassen offene und schlecht construirte 
Einnsteine. 

Bei heftigem Regenwetter und schnellem Thau- 
wetter treten ziemlich allgemein Strassenüberfluthun- 
gen ein und werden viele bewohnte Kellerräume von 
eindringendem Schmutzwasser heimgesucht, lieber 
die schlechte Beschaffenheit des Abwassers klagt der 
Berliner vergleichsweise selten, um so mehr über die 
Quantität. 

ad 2. Alles Abwasser, soweit es nicht auf Höfen, Strassen 
und öffentlichen Plätzen in den Boden versinkt, er- 
giesst sich zur Zeit in die Spree und, während letz- 
tere oberhalb Berlins ein sehr reines und klares 
Wasser führt, zeigt sie unterhalb Berlin schon im 
Aeusseren unverkennbar an, dass sie das Spülwasser 
einer grösseren Stadt aufgenommen hat. In chemi- 
scher Beziehung genügt zu erwähnen, dass bei mitt- 
lerem Wasserstand der Gehalt an Ammoniak von 
spurenweisem Vorkommen in Berlin bis nahe auf 
2 Milliontel erhöht wird. 

In den wasserärmeren Abzweigungen der Spree 
sind Gehalte bis über 40 Milliontel Ammoniak beob- 
achtet worden, demnach so viel als in mancher eng- 
lischen Spüljauche (Sewage) ; bei warmer Witterung 
haucht aber schon ein langsam fliessendes städtisches 
Wasser, dessen Verunreinigung mit faulenden Stoffen 
durch nicht mehr als 5 Milliontel Ammoniak cha- 
rakterisirt wird, widerwärtige Dünste aus. 



245 



ad 3. Zur Ableitung des Wassers von dichter und zahl- 
reicher bewohnten Orten hat man sich von jeher der 
Canalisation bedient, sei es mittelst offener »Rinn- 
steine«, sei es mittelst bedeckter »Strassenschleussen«. 
Für Berlin fordern schon die beengten Verkehrsver- 
hältnisse, dass die Ableitung des Wassers soviel 
irgend möglich unterirdisch geschehe. 

In neuerer Zeit verbindet man mit Canalisation 
den Begriff theils der Untergrundtrockenlegung, der 
»Dränirung« , theils der Einführung der Wasserclo- 
sette und des »Schwamm- oder Spül Systems«. Wenn 
man vor jeder Discussion über »Canalisation« genau 
definiren wollte , welche »Canalisation« man meint, 
würde man sich schneller schlüssig machen können. 

ad 4. Wie keine Stadt ohne irgendwelche »Canalisation« 
bestehen kann, eben so wenig kann »Abfuhr« ent- 
behrt werden. Auch bei Discussion über »Abfuhr« 
hat man sich vorher zu verständigen, ob man von 
der Entfernung der menschlichen Excremente allein 
oder von der Beseitigung jedweden fahrbaren Un- 
rathes sprechen will. 

ad 5. Inwieweit an andern Orten die zur Beseitigung der 
unvermeidlichen Abwässer absolut nöthige Canali- 
sation befähigt sein wird; die Abgänge von Wasser- 
closetten u. s. w. aufzunehmen, ist innerhalb ge- 
wisser Grenzen eine locale Frage. 

ad 6. Trotz der zahlreichen und vielseitigen Versuche, 
welche in Berlin mit der Abfuhr der menschlichen 
Excremente und verwandter Abfälle gemacht worden 
sind, haben sich die Verhältnisse immer unerträg- 
licher gestaltet, und ist hierin auch mit vielfach ge- 
steigertem Kostenaufwand eine gründliche und be- 
friedigende Besserung nicht zu hoffen, um so weniger, 
als die Landwirthe der Umgegend mehr und mehr 
(und mit vollem Recht!) von der Benutzung des 
Stadtdüngers, wie er nach den bisherigen Abfuhr- 
methoden geliefert werden kann, sich zurückziehen. 



246 



Die Erfahrung hat ferner gelehrt, dass derartiger 
»Stadtdünger« nicht ohne grosse finanzielle Opfer con- 
centrirt und von seinen widerwärtigen Eigenschaften 
befreit werden kann, ebenso wenig ist es gelungen 
das städtische Schmutzwasser auf chemisch fabrica- 
torischem Wege ausreichend oder billig genug zu 
reinigen. 

ad 7. Dagegen hat sich in den mehrjährigen Versuchen die 
Möglichkeit herausgestellt, das Schmutzwasser Ber- 
lins Sommer und Winter auf, bezüglich in dem Erd- 
boden unterzubringen und so die fernere Verunrei- 
nigung der Spree zu verhüten ; es ist sogar gegründete 
Hoffnung vorhanden, dass die menschlichen Excre- 
mente, wenn sie dem Berliner Schmutzwasser ein- 
verleibt werden, landwirthschaftlich vollständiger 
durch Berieslung ausgenutzt werden können, als es 
jetzt thatsächlich bei der Abfuhr geschieht. 

Die Erfahrungen, welche hier über Berieslung 
gemacht worden sind, folgen weiter unten in beson- 
derer Zusammenstellung. 

Ob an andern Orten die Aussicht für Unterbrin- 
gung und Verwerthung des Schmutzwassers durch 
Berieslung gleich günstig sind, hat jede Gemeinde 
für sich zu untersuchen, 
ad 8. Das Canalisationsproject des Baurath Hob recht nur 
einigermassen zu beschreiben, kann hier nicht meine 
Aufgabe sein; es genüge zu erwähnen, dass nach 
ihm Berlin in mehreren gesonderten Systemen centri- 
fugal canalisirt werden soll. Abgesehen von grossen 
constructiven Vortheilen wird hierdurch die* Wahl der 
Eieselfelder erleichtert. 

In die Kosten der Canalisation ist die Pumpung 
der Spüljauche bis an das Rieselfeld eingerechnet. 
Ob von der Bewirthschaftung des letzteren die Stadt 
Einkünfte haben wird und wie grosse, bleibt eine 
offene Frage, desgleichen, ob die Stadt vorziehen 
^ wird, die Berieslung für eigne Rechnung zu betreiben 



247 



oder sie, vielleicht nebst dem nöthigen Land, an 
einen Generalpächter zu begeben. 

Noch misslicher, als hierüber, ist es über diejenigen Mittel 
Vermuthungen auszusprechen, durch welche die höchst gefähr- 
lichen sanitären Zustände zu verbessern sind, bis oder wo es 
nicht durch ausgiebige Spülung geschehen kann. 

Ueber die Ziele, welche vom theoretischen Standpunkt aus 
für Reinhaltung der Wohnungen zu erstreben sind, und über die 
Mittel dazu habe ich mich in einer besondern Abhandlung aus- 
gesprochen. Dass die Verwirklichung meiner Ideen auf grosse 
Schwierigkeiten stösst, habe ich mir nie verhehlt, ich muss ein 
naturwissenschaftliches Verständniss und eine Erziehung voraus- 
setzen, wie sie jetzt noch nicht zu finden sind. 

Speciell für Berlin verzichte ich auf jedes energische Vor- 
gehen, wenn der Erfolg an die ßetheiligung der einzelnen Be- 
wohner geknüpft ist. Der Uebelstand, der so wesentlich zur 
Verwahrlosung der sanitären Verhältnisse beigetragen, nämlich 
die bestehende Trennung der Verwaltung und Polizei und zeit- 
weise der Widerstreit zwischen diesen Behörden, wird zwar 
hoffentlich in Bälde beseitigt werden, aber mittelst obrigkeit- 
licher Ge- und Verbote allein ist befriedigende Reinlichkeit nicht 
zu erzielen — und die Berliner Einwohnerschaft scheint mir ganz 
ausserordentlich wenig Neigung zu haben, aus eigenem Antriebe 
für die öffentliche Reinlichkeit zu sorgen. Der Berliner ist 
durchschnittlich, sehr beschäftigt und hat, was schlimmer ist, 
durchschnittlich sehr wenig Interesse für seinen Wohnort. Die 
Einwohner Berlins sind der grossen Mehrzahl nach keine Ber- 
liner Kinder und bleiben fremd, wie Reisende im Hotel garni, 
weil nur sehr wenige im eigenen Hause wohnen und wegen der 
leidigen Miethsverhältnisse sehr häufig zum Umziehen veran- 
lasst werden. 

Mit dem Entgegenkommen der Landwirthe steht es hier, 
wie schon erwähnt, kaum besser. 

Man wird aus diesen Gründen, so gut oder schlecht es geht, 
in den nicht gespülten und nicht canalisirten Stadttheilen die für 



1) Bei C. A. Werner in Dresden 1869. 



248 



öffentliche Eeinlialtung nöthigen Massregeln möglichst unabhängig 
von der Einwohnerschaft wie der benachbarten Landwirthschaft 
wählen und ausführen müssen. 

Für Beseitigung des sanitär gefährlichsten Unraths, der 
menschlichen Excremente, lag der Gedanke nahe, des Liernur'- 
schen Systems sich zu bedienen; leider scheint meine Befürch- 
tung in Erfüllung zu gehen, dass, wegen der Gleichgültigkeit 
und Bequemlichkeit des PubUcums, der so zu gewinnende Dün- 
ger allzusehr von der ursprünglichen Concentration sich entfernt, 
um die Kosten einer derartigen Reinhaltuiig erträglich finden 
zu lassen. 

Dass zu einer sanitär und landwirthschaftlich besseren Rein- 
haltung; deren Wesen durch die im städtischen Arbeitshause 
angestellten Versuche (vergleiche die officiellen Berichte, Heft IX) 
gezeigt werden sollte, in Fabriken und Casernen ein ernstlicher 
Anfang gemacht werden wird, erscheint mir nach meinen bis- 
herigen Erfahrungen sehr zweifelhaft. 

Man wird also im Ganzen neben der jetzigen Art der 
Strassenreinigung nicht weiter kommen, als zu einem ebenso 
kostspieligen als sanitär unbefriedigenden Tonnensystem! 

Berieslung. 

Als grösste Schwierigkeit für Reinigung der Städte durch 
Spülung erschien mir die Unterbringung des massenhaften 
Schmutzwassers während eines continentalen Winters. 

Mein Misstrauen gegen die Leistungsfähigkeit der Methoden, 
die Spüljauche durch chemische Zusätze zu klären und zu des- 
inficiren, ist seit der Zeit vielfach gerechtfertigt worden. Weder 
das Verfahren von Süvern noch dasjenige von Lenk haben 
befriedigen können ; auch die gemeinschaftliche Anwendung von 
Phosphaten (hauptsächlich der Thonerde) und von Theerölen, 
wie sie bei einem Desinfectionsversuch in dem Berliner Ba- 
rackenlazareth 1) vor 2 Jahren gedient und Anerkennung gefun- 
den hat, gilt mir nur als ein Auskunftsmittel für geringere 
Jauchenmengen und kürzere Zeiträume. 



1) Vergleiche die officiellen Berichte, Heft VI. 



249 



Die Berieslung von Grasländereien während der Frostzeit, 
wo alle Vegetation ruht, versprach bezüglich der Jauchenreini- 
gung wenig und Hess für den Bestand der Grasnarbe viel be- 
fürchten. Ebenso Hess die Berieslung von Brachland während 
starker Kälte, bei nicht geringen physikalischen Schwierigkeiten, 
keine grossen chemischen Erfolge voraussehen. 

Um diese wichtigen Fragen zu entscheiden, hat die städti- 
sche Verwaltung von Berlin seit dem Sommer 1870 eine Ver- 
suchsberieslung in der nächsten Nähe der Stadt eingerichtet und 
deren Fortführung bis 1875 beschlossen, d. h. bis dahin, wo 
die Grossberieslung ihren Anfang nehmen wird. Es stand aller- 
dings keine frische Spüljauche, wie solche von systematisch ge- 
spülten Städten geliefert wird, zur Verfügung, sondern nur das 
mehr oder weniger verfaulte Strassenrinnsteinwasser. Es kommt 
aber dieses Rinnsteinwasser nach seinen elementaren Bestand- 
theilen der frischen Spüljauche sehr nahe und, da auch in Eng- 
land nur von sehr wenigen Ortschaften ganz frische Spüljauche 
abfliesst, so sind die hiesigen hier gewonnenen Berieslungsresul- 
tate recht wohl mit den englischen vergleichbar und gestatten 
für das systematisch canalisirte Berlin gültige Schlüsse. 

Die täglich verfügbare Menge Rinnsteinwasser bezifferte sich 
bisher auf ca. 700 Cubikmeter, entsprach also der Bevölkerung 
einer kleinen Stadt von 4000 bis 7000 Köpfen (mit täglichem 
Wasserverbrauch von 5, bezügUch 3 Cubikfuss). 

Die agriculturchemischen Ergebnisse dieses Berieslungsver- 
suchs sind bis zum Frühjahr 1872 in ausführlichen Berichten, 
welche bei A. Hirschwald in Berlin erscheinen, zusammenge- 
stellt worden; sie Hessen sich vorigen Herbst in nachstehenden 
Sätzen zusammenfassen. 

Promemoria über Unterbringung, Reinigung und Yerwer- 
tliung des Berliner Sclimutzwassers durch Berieslung. 

1) Sandboden von der Beschaffenheit unsres Rieselfeldes ist 
im Stande, täglich eine bis zu Ys Meter hohe Wassersäule 
aufzunehmen, auch ohne Dränirung. 

2) Bei entsprechend geleiteter Einstauung ist die strengste Win- 
terkälte kein Hinderniss. 



250 



3) Wenn diese Aufnahmefähigkeit des Bodens für Spüljauche 
nicht sehr schnell abnehmen, bezüglich ganz aufhören soll, 
muss der Einstauung eine Klärung der Spüljauche voraus- 
gehen. 

4) Einfache Sedimentation ist nicht genügend; für künstliche 
Klärung empfiehlt sich am meisten ein Zusatz von Thon- 
erde-, bezüglich Eisen-Superphosphat. 

5) Bei dem Uebergang der Spüljauche in das Grundwasser 
werden zunächst die mechanischen Einmengungen, der 
Schlamm^ abfiltrirt. 

6) Von den gelösten Bestandth eilen verhält sich das Chlorna- 
trium fast ganz indifferent gegen den unbewachsenen wie 
bewachsenen Boden und geht demgemäss in das Grund- 
wasser über. 

7) Fast vollständig, auch bei lebhafter Einstauung, wird der 
Spüljauche nur die Phosphorsäure entzogen. 

8) Bei lebhafter Einstauung wird zufolge stattfindender Boden- 
sättigung das entstehende Grundwasser immer reicher an 
Kali, Ammoniak und organischer Substanz, welche letztere 
auf den Eisengehalt des Bodens stark reducirend und auf- 
lösend wirkt, dem Wasser einen fauligen Geruch verleiht 
und an der Luft sieh lebhaft oxydirt. 

9) Je schwächer die Einstauung, um so vollständiger die Rei- 
nigung des Wassers. 

10) Bei intermittirender Einstauung, bezüglich Berieslung des 
unbewachsenen Bodens geht ein verschieden grosser Theil 
des Jauchenstickstoffs als Salpetersäure, verbunden mit Kalk, 
in das Grundwasser über. Aehnlich verhält es sich mit dem 
Gehalt der Jauche an Kohlenstoff; das Grundwasser ist 
reicher an kohlensauren Erdsalzen. Mit einiger Beschrän- 
kung gilt das auch für den Schwefel. 

11) Die Verunreinigung des Grundwassers durch eingestaute 
Spüljauche ist bis auf 8 Meter Tiefe in verticaier Richtung 
und auf das Vielfache in horizontaler Richtung beobachtet 
worden. 

12) In den warmen Sommermonaten wird durch eine gute Gras- 
narbe die nicht unbeträchtliche Menge Spüljauche, welche 



251 



zur ausreichenden Bewässerung erforderlich ist, recht befrie- 
digend ausgenutzt und gereinigt. 

13) In kälterer und feuchterer Jahreszeit ist die Wirkung, der 
Gras Vegetation entsprechend, geringer. ♦ 

14) Die in das Grundwasserbereich mehr oder weniger gereinigt 
eingedrungene Spüljauche hält sich darin monatelang ziem- 
lich unverändert und darf als magazinirt angesehen werden. 

1 5) Durch Anbau tiefwurzelnder Pflanzen lässt sich ein Theil 
der in den Untergrund versunkenen Jauche wieder an die 
Oberfläche bringen und verwerthen. 

16) Eine befriedigende Reinigung des Untergrundes nach massen- 
hafter Wintereinstauung ist nur so zu erwarten, dass der 
Untergrund bis auf entsprechende Tiefe während des Som- 
mers ausgepumpt wird. Das Pumpwasser ist mit Vortheil 
zur Berieslung zu verwenden. 

17) Die volle Ausnutzung und damit zusammenhängend die be- 
friedigende Reinigung der Spüljauche ist auf tiefgelegenem 
Boden (mit nahem Grundwasserstand) sichrer zu erwarten, 
als auf hoch gelegenem. 

18) Von den berieselten Pflanzen haben sich bis jetzt durch 
Massenertrag besonders ausgezeichnet das Knäulgras, das 
Italienische Raygras, der Mais und die Runkeln. 

19) Die mit starker Berieslung erzeugten Pflanzen enthalten 
Salpeter, also mineralisch gebundenen Stickstoff. 

20) Ueber das Verhalten eines lehmigen Bodens gegen Spül- 
j au che liegen noch gar keine Erfahrungen vor. 

21) Bei der höheren Temperatur und grössern Trockenheit des 
märkischen Sommers muss man darauf gefasst sein, nicht 
durchaus die auf schwerem Boden gemachten englischen 
Berieslungserfahrungen bestätigt zu finden. 

22) Während der vegetationslosen Zeit lässt ein Boden mit Lehm- 
gehalt, sei es in der Ackerkrume, sei es in tieferen Schichten, 
sehr bedeutende Schwierigkeiten für die Unterbringung der 
Spüljauche befürchten, wie wohl die geringe in den Unter- 
grund dringende Menge besser gereinigt sein wird, als auf 
Sandboden. 

23) Bis hierüber nicht ausreichendes Material gesammelt ist. 



252 



darf für eine an die Canalisation Berlins sich anschliessende 
Berieslung nur lehmfreier Sandboden von der Beschaffenheit 
des Rieselversuchsfeldes gewählt werden. 

Theils zu-r Erläuterung, theils zur Ergänzung habe ich 
meinem Promemoria vom vorigen Herbst folgendes hinzu- 
zufügen. 

ad 1 . Der Sand unseres Rieselfeldes hatte bei der Ueberaahme, 
wenigstens auf dem höher gelegenen Theile, die grösste 
Aehnlichkeit mit Flugsand. Seine mechanische Zusam-. 
mensetzung hoffe ich bald mit Hülfe meines Schlämm- 
apparates ^) bestimmen zu können. 

Die tägliche Aufnahmefähigkeit für Y3 Meter Wasser- 
säule lässt 1 Hectar als ausreichend erscheinen, um das 
Wasser von 20000 Personen (bei Cubikmeter täglichem 
Wasserverbrauch) zu verschlucken. 

Dränirung hat sich nur so lange wirksam gezeigt, 
als die durch Aufgrabung bewirkte Lockerung des Erd- 
bodens über den Thonröhren vorhielt, 
ad 2. Die Einstaubassins sind wenigstens für Y2 Meter Tiefe 
(auf Brachland durch Eindämmung) anzulegen, die Spül- 
jauche auf dem Wege dahin möglichst gegen Frost zu 
schützen und die Eisdecke durch Losstossen vom Rande 
schwimmend zu erhalten. 

Die Einstauung war bereits 1870 von mir vorge- 
schlagen worden, hat aber erst vor 2 Jahren versucht 
werden können. Ob tiefe Furchen oder Gräben statt 
Bassins zu benutzen sind, ist nach der Winterkälte zu 
entscheiden; Furchen sind der Vereisung mehr ausgesetzt. 

Grasland wird schon in gelinden Wintern durch Be- 
rieslung gefährdet, besonders das mit italienischem Ray- 
gras bestandene. Berieslung von flachem Brachland (zum 
Zweck der Versickerung) ist in strengen Wintern des- 



1) Siehe diese Zeitschrift Bd. X. S. 25 S. ; nach vielen vergeblichen Be- 
mühungen ist es mir endlich geglückt, durch die Werkstatt der Herren Franz 
Schmidt und Hänsch hier wieder in den Besitz eines Schlämmapparats und 
zwar eines vollkommneren, zu gelangen. 



253 



halb unausführbar, weil man bei starker Vereisung die 
Herrschaft über den Lauf des Wassers verliert, 
ad 3. Der organische Schlamm der Spüljauche legt sich so dicht 
an die Erdoberfläche, dass sie fast wasserdicht wird, feei 
Filtrirung im Laboratorium versagt sogar alsbald die Bun- 
sen'sche Luftpumpe den Dienst. Gegen das Versiechen 
von Wassirläufen und Teichen in leichtem Boden mit 
tiefem Grundwasserstand, sowie gegen die Porosität der 
Spüljauchencanäle ist diese Eigenschaft des organischen 
Schlammes eine vortreffliche, aber für Unterbringung der 
Spüljauche durch Einstauung ist sie sehr lästig, 
ad 4. Durch freiwillige Sedimentation allein kann Spüljauche 
nicht geklärt werden, hauptsächlich weil ein grosser Theil 
der Trübung aus lebenden Wesen (Spirillen u. s. w.) be- 
steht. Klärung erfolgt erst in dem Masse, als letztere 
unter Luftzutritt ihre Aufgabe lösen, die vorhandene orga- 
nische Substanz zu mineralisiren , aber diese sogenannte 
Selbstreinigung geht nur langsam von statten, besonders 
in der kalten Jahreszeit. 

Immerhin ist es ökonomisch, mit der freiwilligen 
Sedimentation den Anfang zu machen und nur die verblei- 
bende Trübung durch chemische Zusätze zu bekämpfen. 

Als Klärmittel empfehlen sich die Salze des Eisen- 
oxyds und der Thonerde mit nachträglichem Kalkzusatz. 
Wenn Superphosphate der erstgenannten Basen billig zu 
haben sind, verdienen diese den Vorzug. Im Verhältniss 
von 1 : 10000 d. h. 1 Kilo auf 10 Cubikmeter wirken sie 
noch ganz merkbar und geben eine Fällung, welche alle 
zugesetzte Phosphorsäure und dazu eine erhebliche Menge 
stickstoffhaltiger organischer Substanz enthält und darum 
landwirthschaftlich wertb voller ist, als das Klärmittel. 
Kalksuperphosphat wirkt weniger gut. 

Wird die vom Phosphat abfliessende Jauche mit Aetz- 
kalk (in gleichem Verhältniss wie ersteres) als Kalkmilch 
gemischt, so wird die Klärung wesentlich erhöht. Der 
entstehende Niederschlag ist zwar in der Hauptsache koh- 
lensaurer Kalk, durch das vorhandene kohlensaure Ammo- 



254 



niak gebildet und in Dumbbell-forin krystallisirt, aber 
zugleich scheiden sich verschiedene organische und mine- 
ralische Stoffe mit ab. 

ad 7. In einem Fall, wo die schnell filtrirte Spüljauche ungefähr 
eine gleich hohe Säule betragen hatte, wie die filtrirende 
Sandschicht (ca. 3 Meter) , wurden von den 26 Milliontel 
Phosphorsäure der Spüljauche nur 2^/2 Milliontel im 
Grundwasser wiedergefunden. In ähnlich entstandenem, 
aber horizontal weiter geflossenem Grundwasser betrug 
der Phosphorsäuregehalt nur IY2 Milliontel; im Grund- 
wasser der sehr stark bewässerten Rieselwiese ist in der 
Regel viel weniger als 1 Milliontel zu finden. 

ad 8. Bei sehr starker Staufiltrirung enthält das Grundwasser 
fast eben so viel Kali (ca. 40 Milliontel) und Ammoniak 
(ca. 100 Milliontel) als die Spüljauche. In einem Falle sogar 
ist der Gehalt des Grundwassers an beiderlei Bestand- 
theilen höher als in der Spüljauche gefunden worden; da 
zugleich der Natrongehalt zugenommen hatte und zwar 
in weit grösserem Verhältniss, so muss die beobachtete 
Concentrirung des Grundwassers auf die mehrwöchige 
Wasserverdunstung durch die (unbedeckte) Erdoberfläche 
zurückgeführt werden. 

Der Gehalt des Grundwassers an organisch gebunde- 
nem Stickstoff war im Maximum 41/2 Milliontel statt der 
11 Milliontel der eingestauten Spüljauche; dagegen wurden 
aus dem Grundwasser 48 Milliontel Eisenoxyd abgeschie- 
den statt nur 3^2 Milliontel aus der Spüljauche. Das 
Eisen ist in beiderlei Flüssigkeiten als Oxydul vorhanden, 
wahrscheinlich in organischer Verbindung; es bewirkt 
nicht nur die Abscheidung der Phosphorsäure, sondern 
befördert auch die Oxydation der organischen Substanz. 

ad 10. Die Salpeterbildung ist ziemlich lebhaft, doch ist der Ge- 
halt des Grundwassers an Salpetersäure bis jetzt weit 
unter der Aequivalenz des Jauchenammoniaks geblieben, 
ähnlich wie bei der allmählichen Oxydation der Spül- 
jauche unter Ausschluss des Bodens. 
Das Grundwasser, welches bei Berieslung unbewachseneu 



255 



Bodens entsteht, ist härter als die Spüljauche; es findet 
demnach eine Auslaugung- von Erdbasen statt. 

Bei ungenügender Bodenlüftung sinkt der Schwefel- 
säuregehalt des Grundwassers bis auf wenige Milliontel 
(wahrscheinlich wegen Abscheidung als Schwefeleisen) 
erhebt sich aber später bei fortschreitender Oxydation 
allmählich bis weit über den Gehalt der Spüljauche, 
ad 12. Trotz verhältnissmässig sehr starker Berieslung (mit der 
Spüljauche von ca. 4000 Personen pro Hectar) ist das 
Grundwasser unter üppig grünender Grasfläche durch- 
schnittlich reiner, als das Berliner Brunnenwasser, dessen 
Zusammensetzung sich in einzelnen Fällen von derjenigen 
des Berliner Normalwassers (des reinen Tiefgrundwassers 
der Landschaft) so weit entfernt, dass es nach Gehalt an 
Stickstoff als Ammoniak und Salpetersäure zur Hälfte 
und drüber aus mehr oder weniger verändertem Rinnstein- 
wasser entstanden sein muss. Wenn die beschlossene 
systematische Canalisation nicht gradezu nachlässig aus- 
geführt wird, bezweifle ich nicht im Mindesten, dass nach 
Beseitigung der Senkgruben auf den Höfen und der Rinn- 
steine auf den Strassen das städtische Brunnenwasser 
wieder reiner werden wird, trotz der unvermeidlichen 
Undichtheiten der Canäle. lieber die Methode die viel- 
bestrittene und noch nicht bindend bewiesene Dichtheit 
der Canäle zu controliren, habe ich mich in der Viertel- 
jahrschrift für öfi'entliche Gesundheitspflege 1872, S. 547 
ausgelassen. 

ad 14. Die Dauer der Magazinirung hängt besonders von der 
Grundwasserströmung ab. Auf unserm Versuchsfeld ist 
sie sehr gering; in bergigen Gegenden kann sie sehr 
stark sein, so dass die in den Untergrund filtrirte Jauche 
schnell verdrängt wird, um an tieferen Punkten in Quellen 
an die Erdoberfläche oder in offene Wasserläufe auszu- 
treten. 

Die in Nr. 15 bis 17 angeregten Fragen werden je 
nach den örtlichen Verhältnissen anders zu lösen sein, 
ad 18. Nach mehrjährigen Beobachtungen hat eine Mischung von 



256 



Knäulgras und Italienischem Raygras die höchsten Erträge 
gegeben, 6 reiche Schnitte vom Mai bis October, im vori- 
gen Jahre pro Sommer und Hectar nahe 80000 Kilo und 
doch sicherlich noch bei weitem nicht das erreichbare 
Maximum; zu Anfang und Ende tiberwiegt das Knäul- 
gras, in der Zwischenzeit das Raygras. Für die üppige 
Entwicklung ist selbst auf Sandboden tiefe Lockerung 
massgebend. 

Bei starker Rieslung, die auf unserm durchlässigen 
Boden jedoch niemals zur Ueberschwemmung oder An- 
stauung gegangen ist, sondern kaum bis zur völligen 
Tränkung der Ackerkrume, hat das producirte Gras eine 
ähnliche Zusammensetzung wie Grtinklee und wird vom 
Vieh gern angenommen. 

Die Runkeln sind ärmer an Zucker, als diejenigen 
der gewöhnlichen Cultur, wahrscheinlich wegen des Chlor- 
natrium in der Sptiljauche, das sich reichlich in der 
Runkelasche wiederfindet; aber die quantitativen Erträge 
sind um so grösser, gegen 60000 Kilo pro Hectar. 

Auch der bewässerte Mais hat eine Menge Pflanzen- 
substanz producirt, wie sie nur unter den günstigsten 
landwirthschaftlichen Verhältnissen erwartet werden kann, 
und zwar auf einem an sich sehr sterilen Sandboden, auf 
welchem trotz sehr tiefer Bearbeitung und Winterein- 
stauung nicht einmal die Lupine der Sommertrockniss 
widerstand. 

Besonders aussichtsreich lassen unsere Versuche die 
Sptiljauchenbewässerung von leichtem Boden ftir die Ge- 
mtisegärtnerei erscheinen, 
ad 19. Die Menge des Salpeters war im Gras vom ersten Schnitt 
und in einer Runkelprobe so bedeutend, dass die Trocken- 
substanz beim Verkohlen stellenweise verzischte wie Feuer- 
schwamm. Eine quantitative Bestimmung soll noch ge- 
macht werden. 

ad 19 bis 23. Um das Verhalten von lehmigem Boden bei Spül- 
jauchenberieslung kennen zu lernen, haben die städtischen 
Behörden auf Antrag des um die Rieselfrage hochverdienten 



257 



Professor Vir c ho w vergangenen Herbst die Ausdehnung 
der Versuche auf ein Terrain mit lehmigem Untergrund 
nahe bei dem alten Rieselfeld beschlossen. Schwerer 
Lehmboden kommt in der Umgebung Berlins überhaupt 
nicht vor. Was hier Lehmboden genannt v^ird, besteht 
meist aus einer für Gerste sehr günstigen lockeren Acker- 
krume^ welche durch geschiebeführenden feinen Sand von 
einer oder mehren dünnen Lehm schichten, 2 /3 — \ Meter 
unter der Oberfläche beginnend, getrennt wird. Darunter 
liegt wieder (diluvialer, kalkführender) Sand. 

Während des vergangenen Winters hat auf dem neuen, 
dem lehmigen Versuchsfeld nur erst eine mehrwöchige 
Einstauung stattgefunden, und hat sich dabei eine über- 
raschend grosse Aufnahmefähigkeit des Bodens heraus- 
gestellt. Es scheint hiernach die Lehmschicht so vielfach 
unterbrochen zu sein, dass die im tiberlagernden lockern 
Boden gut filtrirte Spüljauche wenig gehindert durch den 
Lehm hindurch ihren Weg in die darunter liegenden 
Sandschichten findet. 

Den Sommerversuchen auf dem lehmigen Feld drohen 
leider die Arbeiten der Neuen Dresdener Eisenbahn ein 
unerwünscht zeitiges Ende, doch werden die wichtigsten 
Fragen hoffentlich noch erledigt werden können. 

Der landwirthschaftliche und gärtnerische Betrieb 
unserer Versuchsfelder lässt für den kommenden Sommer 
insofern einen höchst schätzenswerthen Fortschritt gegen 
früher erwarten, als derselbe in wirklich sachverständige 
Hände gelegt ist. Herr Rittergutsbesitzer Westphalen 
hat die Bewirthschaftung pachtweise übernommen und wird 
unter steter Controle von Seiten der Stadt bemüht sein, 
die höchst möglichen Erträge zu erzielen. Es kann sich 
für ihn natürlich nicht um einen pecuniären Gewinn han- 
deln, sondern um eigene Instruction. Da Herr Westphalen 
die Absicht hat, später die Unterbringung und Verwerthung 
der Spüljauche von dem canalisirten Berlin für eigne 
Rechnung zu übernehmen, so bietet sich ihm, um sich 
mit dem Gegenstand seiner Speculation vertraut zu machen, 

Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1S73, 17 



258 



keine bessere Gelegenheit, als die pachtweise, wenn auch 
gewiss Opfer an Zeit und Geld fordernde Bewirthschaftung 
der Versuchsfelder, und die Stadt hinwiederum wird die- 
selbe so gewerbmässig geleitet sehen, wie sie durch ihre 
Beamten nie erwarten darf. 



In sehr nahem Zusammenhang mit der Frage der Städte- 
reinigung steht diejenige der Beschaffung von gutem und reich- 
lichem Wasser. Für Lösung dieser Frage hat Berlin gleichfalls 
sehr umfassende Vorarbeiten ausführen lassen. Chemischerseits 
sind zahlreiche Wasserproben nicht nur aus dem engeren Weich- 
bild der Stadt, sondern auch aus der Umgebung untersucht wor- 
den, lieber die Ergebnisse habe ich im vergangenen Sommer 
folgenden kurzen Bericht an den Magistrat erstattet. 

Studien über den Chemismus des Berliner Wassers. 

Das in Berlin vorkommende Wasser verdankt seinen Ur- 
sprung nur zum geringsten Theil den localen meteorischen 
Niederschlägen. Zum weit überwiegenden Theil fliesst es 
von aussen herzu, sowohl an der Erdoberfläche, das eigentliche 
Flusswasser, nämlich das Spree-, bezüglich Panke -Wasser, 
als unterirdisch, das Grundwasser der Landschaft. 

Die Beschaffenheit des nach häuslicher und gewerblicher 
Benutzung abfliessenden Wassers findet im Maximum der Ver- 
brauchtheit ihren Ausdruck im ßinnsteinwasser. 

Das Wasserleitungs Wasser der englischen Wasser- 
werke entsteht durch Filtrirung des unmittelbar oberhall) der 
Stadt geschöpften Spreewassers; das städtische Brunnen- 
wasser ist ein nach Umständen wechselndes Gemenge von 
Fluss-, Grund- und Rinnsteinwasser in den verschiedensten 
Graden der Reinigung und Verunreinigung von Seiten der Erd- 
schichten, durch welche das Wasser des ebengenanuten Ursprun- 
ges seinen Weg nach dem Brunnenkessel findet. 

Um deu Chemismus des Wassers in den städtischen Brun- 
nen wie in den Verzweigungen der Spree verstehen zu können. 



259 



ist es noth wendig, zuerst denjenigen seiner Componenten zu er- 
forschen. 

Die Bedeutung der Paniie ist quantitativ sehr gering; nach 
den Analysen des Wassers aus dem Landsberger Fliess und 
dem Tegeler See sowie nach der Geognosie ihres Wassergebietes 
ist als sicher anzunehmen, dass das Pankewasser vor dem Ein- 
tritt in das Berliner Weichbild dem Spreewasser an Reinheit 
wenig nachsteht. 

lieber die Beschaffenheit des Spreeflussw assers liegen 
mehre Analysen vor und zwar nicht nur solche, welche das 
unmittelbar vor der Stadt geschöpfte Wasser betreffen, sondern 
auch das Wasser oberhalb Köpnik im Müggelsee und in der 
Dahme zum Gegenstand haben. 

Das Spree Wasser ist sehr weich, mit einer natürlichen 
Härte von 11 bis 13 Grad^) und einer halb so grossen bleiben- 
den; es enthält 10 bis 20 Milliontel Schwefelsäure, und ziemlich 
so viel Chlor, 1 — 3 Milliontel Salpetersäure, kaum ein Zehntel 
soviel Ammoniak: Natrium etwas mehr als im Sättigungsver- 
hältniss des Chlors, Kali sehr wenig (1 Milliontel) ; die Schwefel- 
säure ist theils mit den Alkalien, theils mit Kalk verbunden an- 
zunehmen. Der Gehalt an (saurer) organischer Substanz ist ver- 
hältnissmässig bedeutend (20 Milliontel). 

Die mechanischen Beimischungen sind mehr organischer als 
unorganischer Natur. Zufolge der langsamen Strömung, beson- 
ders in den zahlreichen und ausgedehnten seeartigen Erweiterun- 
gen ihres Flussbettes ist die Spree (oberhalb Berlin) kaum jemals 
merkbar schlammig getrübt. 

Das aus dem Spreewasser in den englischen Wasserwerken 
dargestellte Wasser leitungswasser unterscheidet sich von 
dem Spreewasser hauptsächlich durch mechanische Reinheit, in- 
dem die auf dem Sand des Filterbetts schwebenden Bestandtheile 



1) 1 Grad = 10 Milliontel Kalkcarbonat oder der äquivalenten Menge 
eines Erdsalzes. 

Der Gehalt des Spreewassers an kohlensaurem Kalk entspricht so ziem- 
lich dem Löslichkeitsverhältniss , welches nach Schlösing für reines Wasser 
unter Mitwirkung der atmosphärischen Kohlensäure sich berechnet, nämlich 
70 bis 80 Milliontel. 

17* 



260 



mehr oder weniger vollständig zurückgehalten werden. Dass 
eine ganz vollständige Reinigung durch derartige künstliche Fil- 
trirung nicht erzielt wird, kann nicht befremden; in der That 
lässt auch das Mikroskop verschiedene Organismen in dem 
Wasserleitungswasser auffinden. Der Gehalt an stickstoffhaltiger 
organischer Substanz dient jenen kleinen Organismen zur weiteren 
Ernährung und macht sich auch dadurch bemerklich, dass 
Wasserleitungswasser bei längerem Stehen im warmen Zimmer 
moderig wird und humose Niederschläge absetzt. 

Die chemischen Veränderungen beim Filtriren scheinen nur 
darin zu bestehen, dass der Ammoniakgehalt noch etwas ver- 
mindert, der Gehalt an Kalk und Schwefelsäure aber ein wenig 
erhöht wird, beides eine Folge des filtrirenden Materials. 

Aus den angeführten Gründen erfüllt das Wasserleitungs- 
wasser in hohem Grade fast alle Ansprüche für technische Ver- 
wendung, ist aber für den Trinkgebrauch im frischen d. h. un- 
gekochten Zustand nicht zu empfehlen. 

Die Verunreinigung, welche das Wasser der Spree in 
ihrem vi eltheiligen Lauf durch die Stadt erfährt, darf kurz 
auf eine Verunreinigung durch Rinnsteinwasser zurückgeführt 
werden. Die vorliegenden Analysen lassen folgende Reihe in 
der zunehmenden Unreinheit erkennen : 

1) Wasser der Spree an der Zwillingsbrücke, 

2) Wasser des Louisenstädtischen Canals 

a) an der Oranienbrücke, 

b) am Wasserthor, 

3) Wasser des Landwehrcanals an der Moritzhofer Brücke, 

4) Wasser des Zwirngrabens vor der Herculesbrücke. 

5) Wasser des Grünen Grabens an der Singakademie. 

In einigen Beziehungen stellt sich das Wasser aus dem Zwirn- 
graben vor dasjenige des Landwehrcanals an der Moritzhofer 
Brücke. Früher, ehe am Schleussenbassin bei der Zwillingsbrücke 
die Einrichtung zu ununterbrochener Spülung des Louisenstädtischen 
Canals getroffen war, bestand der Inhalt des letzteren zu Ende 
des Winters aus fast gleichen Theilen Rinn stein wasser und Spree- 
wasser; jetzt steigt während der Frostperiode die Verunreinigung 
nur auf einige Procent Rinnsteinwasser, welches zwar unter der 



261 



Eisdecke sich nicht unangenehm bemerkbar macht, aber bei her- 
annahendem Frühjahr doch etwas schneller hinweggesptilt werden 
sollte, als es wirklich geschieht. 

Der Grad der Verunreinigung ist einfach durch das umge- 
kehrte Mengenverhältniss von Spreewasser und Rinnsteinwasser 
bedingt; für ein gewisses Quantum Spreewasser ist die Verun- 
reinigung proportional dem Zufluss von Rinnstein wasser ; ein 
gewisses Quantum des letzteren verunreinigt in um so höherem 
Grade, je geringer die Menge des verdünnenden Spreewassers 
ist. Hiernach ist es sehr natürlich, dass der Grüne Graben den 
höchsten Grad der Verunreinigung zeigt. 

Das aus Berlin abfliessende Spreewasser hat in seiner Zu- 
sammensetzung die grösste Aehnlichkeit mit dem Wasser des 
Landwehrcanals an der Moritzhofer Brücke. 

Welche Veränderungen in dem verunreinigten Spreewasser 
während des Laufs sich allmählich vollziehen, ergiebt sich aus 
dem, was bei der Frage von der sogenannten Selbstreinigung 
des Wassers gesagt werden wird. 

Unter dem Tagewasser der Spree bewegt sich in der Tiefe 
das Grundwasser, welches, nach den jetzigen Beobachtungen 
über Grundwasserstand und über die wechselnde Zusammen- 
setzung des Grundwassers unter dem Rieselfelde, aus der Land- 
schaft von der Seite her dem Spreethale zuströmt. 

Auf der Südseite Berlins ist es aufgeschlossen worden durch 
die tiefen Brunnen der Brauereien in der Hasenhaide und am 
Kreuzberge, sowie vorübergehend durch einen bei Gelegenheit 
des Barackenbaues auf dem Tempelhofer Felde eingetriebenen 
»Abyssini sehen Rammbrunnen« ; an der Ostseite durch den soge- 
nannten Kühlbrunnen der englischen Wasserwerke vor dem Stra- 
lauer Thore, sowie durch einen von Herrn Ingenieur Veit Meyer 
geleiteten Bohrversuch am Schlesischen Thore. Ueber die Be- 
schaffenheit des Grundwassers an der NW. Seite Berlins zwischen 
dem Plötzen- und Tegel-See unsere Kenntniss zu erweitern, bieten 
die noch fortgesetzten Bohrversuche des ebengenannten Herrn 
Veit Meyer die beste Gelegenheit. Ein sehr schätzens werther 
Beitrag steht nach Beendigung des Brunnenbaues auf dem Neuen 



262 



Viehhofe von Berlin^ also auf der Nordseite der Stadt, in, be- 
züglich unter einem mächtigen Thonlager zu erwarten. 

In etwas grösserer Entfernung ist das Grundwasser erbohrt 
worden nach Osten hin am Müggelsee, nach Südwesten hin bei 
Potsdam. 

Die von den verschiedenen Orten her bezogenen Wasser- 
proben sind aller Wahrscheinlichkeit nicht durchgängig als Proben 
des reinen, von Oberwasser völlig freien Grundwassers anzu- 
sehen, führen aber mit ziemlicher Sicherheit zu dem Schlüsse^ 
dass im weiten Umkreis um Berlin herum ein sehr vorzügliches 
Grundwasser von unerschöpflicher Massenhaftigkeit der Ausbeu- 
tung für häusliche und gewerbliche Ausnutzung harrt. Im grossen 
Ganzen zeigt es bezüglich der Zusammensetzung viele Aehnlich- 
keit mit dem Spreewasser, unterscheidet sich aber von diesem 
vortheilhaft durch seine Reinheit von Organismen und fäuluiss- 
fähiger organischer Substanz, sowie durch die Constanz seiner 
Temperatur, welche verhältnissmässig im Sommer niedrig, im 
Winter hoch ist, nämlich 9 — 10^ C. Seine natürliche Härte ist 
allerdings in der Mehrzahl der untersuchten Proben grösser, als 
diejenige des Spree- oder Wasserleitungswassers, doch darf man 
hoffen, für Zwecke einer Wasserversorgung Berlins aus dem 
Grundwasser eine ausreichende Menge des weicheren Grundwas- 
sers beschaffen zu können. 

Das inredestehende Grundwasser ist für die städtischen 
Brunnen als das Berliner Normalwasser zu bezeichnen. 
Es hat früher zweifelsohne die Mehrzahl der Berliner Brunnen 
in ziemlicher Reinheit gespeist. Warum sich dieses günstige 
Verhältniss so wesentlich geändert hat, und warum die Berliner 
Brunnen einer noch fortdauernden Verschlechterung entgegen- 
sehen, werden wir alsbald weiter erörtern. 

In den schroffsten Gegensatz zum Berliner Normalwasser 
stellt sich das Berliner Rinnsteinw asser. 

Es ist ein Gemenge von Regen-, Fluss- und Brunnenwasser 
im Maximum der Verbrauchtheit und beladen mit allerlei häus- 
lichen und gew^erblichen Abfällen, soweit solche in rinnenden Zu- 
stand gebracht werden können. Meistens ergiesst es sich noch 
in offene Strassenrinnsteine , erheischt aber dringend eine dem 



263 



gegenwärtigen Culturzustande angemessenere Beseitigung. Seiner 
Entstehung und Beschaffenheit mehr entsprechend wollen wir es 
als Spüljauche bezeichnen. 

Die Natur der Berliner Spüljauche kennen wir hauptsächlich 
nur nach den Untersuchungen, welche das Canalwasser der König- 
grätzer Strasse zum Gegenstand gehabt haben. Je nach der 
Witterung und Regenmenge wechselt die Zusammensetzung ; aber 
trotzdem und trotz den so verschiedenen Stoffe, welche hinweg- 
gespült werden, ist doch die Spüljauche ein sehr charakterisches 
Product der menschlichen Lebensthätigkeit, welches fast gleiche 
Eigenschaften in verschiedenen Ländern hat, z. B. in Berlin 
und englischen Städten, und in seiner Zusammensetzung sogar 
durch Vorhandensein oder Fehlen einer Wasserleitung wenig be- 
einflusst wird. Der Grund hiervon liegt ebensowohl in der 
mechanischen Begrenzung der Stoffe, welche abgespült werden 
können, als in den chemischen Veränderungen, denen die abge- 
spülten häuslichen und gewerblichen Abfälle sogleich anheim- 
fallen. So unangenehm und selbst gefahrbringend für den Men- 
schen diese Veränderungen während ihres Stattfindens und be- 
sonders beim Beginn sind, so können wir sie doch unter keinem 
Begriffe besser zusammenfassen als demjenigen der Selbst- 
reinigung. 

Die Bestandtheile der Spüljauche sind wesentlich organischen 
Ursprungs und demzufolge greift in der Spüljauche ein kräftiger 
Fäulnissprocess Platz, durch welchen die organischen Stoffe all- 
mählich in mineralische aufgelöst oder kurz »mineralisirt« und 
zu Ernährung einer neuen Pflanzengeneration geschickt gemacht 
werden. Dem oberflächlichen Betrachter erscheint die Fäulniss 
als chemische Selbstentmischung; in Wirklichkeit aber ist sie 
vorwaltend ein Verdaungsprocess , in welchem die verschieden- 
artigsten meist mikroskopisch kleinen thierischen und pflanzlichen 
Organismen die organisch gebundene Kraft für ihre Lebenszwecke 
ausnutzen. Bei dem auch hier stattfindenden Kampf um das 



1) Rück sichtlich der Menge gestaltet sich das Verhältniss ganz anders; 
so natürlich das ist, so wird der Unterschied zwischen Zusammensetzung 
und Menge d. i. Qualität und Quantität doch häufig übersehen. 



264 



Dasein nähert sich zwar das Leben allmählich der untersten 
Grenze, bewegt sich aber zuvor mannichfach wechselnd auf und 
niedersteigend, d. h. pfianzhche Substanz dient wohl vorüber- 
gehend niederen thierischen Organismen zur Nahrung und diese 
wieder höher organisirten Geschöpfen, aber auch den letzteren 
ist ein baldiges Ende durch Verhungern beschieden und ihre 
Leiber zerfallen über kurz oder lang wieder rückwärts in Wasser, 
Kohlensäure, Ammoniak und andere mineralische Verbindungen. 

Die Fäulniss der Spüljauche in ihren verschiedenen Stadien 
charakterisirt sich durch massenhaftes Auftreten von Spirillen, 
dann von Vibrionen (Schwärmsporen?), endlich von Schimmel- 
pilzen — von da ab beginnt ein Wiederaufbau organischer Sub- 
stanz mit der Ansiedlung des chlorophyllführenden Protococcus. 

Das nächste und bemerkenswertheste chemische Product der 
Fäulniss ist das kohlensaure Ammoniak, es entsteht besonders 
leicht und massenhaft aus dem Harnstoffe. Charakteristisch für 
die Fäulniss ist ferner die energische Reduction, welche der 
SauerstoflPverbrauch der organischen Auflösung auf vorhandene 
Salpetersäure, Schwefelsäure und Eisenoxyd ausübt. Erstere 
z. B. aus städtischem Brunnenwasser stammend, wird in Ammo- 
niak verwandelt, die beiden letzteren in Schwefeleisen, welches 
in ammoniakalischen Flüssigkeiten unlöslich ist und deshalb in 
den Schlamm übergeht, auf denselben seine schwarzgrüne Farbe 
übertragend. Die Menge des Schlammes wird ferner auf Kosten 
früher gelöst gewesener Bestandtheile (abgesehen von zufälligen 
chemischen Reactionen wie z. B. zwischen Seifenwasser und 
gypshaltigem Wasser u. s. w.) vermehrt durch die ausfällende 
Einwirkung des erwähnten kohlensauren Ammoniaks auf Kalk, 
Magnesia und Phosphorsäure, sowie durch die Abscheidungen 
und Leichname der einander ablösenden mineralisirenden Orga- 
nismen. 

So vollzieht sich binnen Kurzem, und zwar mit höherer 
Temperatur beschleunigt, schon in den Rinnsteinen und Strassen- 
schleussen ein mit Schlammbildung verbundener weitgehender 
Reinigungsprocess des städtischen Schmutz wassers. Die letzten 
Stadien der sogenannten Selbstreinigung verlaufen immer lang- 
samer; Ammoniak, Kohlensäure, bezüglich Schwefelwasserstoff 



265 



u. s. w. werden ausgehaucht, Sauerstoff wird aus der Atmo- 
sphäre aufgenommen ; schliesslich hat sich das schmutzige, stin- ^ 
kende Rinnsteinwasser in ein sehr weiches, färb- und geruch- 
loses Wasser mit wechselndem, doch verhältnissmässig geringem 
Salpetergehalt verwandelt ! 

Verschieden von dieser wesentlich auf Lebensthätigkeit be- 
ruhenden Reinigung der Spüljauche ist diejenige durch Beries- 
lung; letztere wirkt weit schneller und zwar mechanisch klärend 
und chemisch abscheidend zu gleicher Zeit. 

Die in den porösen Erdboden eindringende Spüljauche hin- 
terlässt an der Oberfläche die mechanischen Bestandtheile, den 
todten und lebenden Schlamm ; an die durchsickerten Erdschichten 
giebt sie Ammoniak. Kali, Phosphorsäure ab, desgleichen man- 
cherlei organische (Extractiv-) Stoffe , theils unmittelbar, theils 
verändert durch den in den Bodeuzwischenräumen vorhandenen 
Sauerstoff, und erlangt nach kürzerem oder längerem Weg, je 
nach der mehr thonigen oder sandigen Beschaffenheit des filtri- 
renden Bodens, einen Reinheitsgrad, in welchem es wieder für 
den Trinkgebrauch geschickt ist. 

Die Reinigungskraft des Bodens ist selbstverständlich keine 
unbegrenzte, sie kann aber immer wieder hergestellt werden 
durch Pflanzenleben, welches unter dem Einfluss abwechselnder 
Lüftung die auf und im Boden angesammelten und mineralisirten 
Bestandtheile der Spüljauche, so weit sie als Pflanzennahrung 
dienen können, vermittelst der Wurzeln aufsaugt. 

Ohne die Dazwischenkunft des Pflanzenlebens, aber bei aus- 
reichendem Sauerstoffzutritt und passender Temperatur kommt 
ein Zeitpunkt, wo der Boden so ziemlich alle Bestandtheile, 
welche ihm in der Spüljauche zugeführt werden, wieder an das 
Grundwasser abgiebt, nur mit dem Unterschied eines höheren 
Oxydationsgrades, den Schwefel als Schwefelsäure in Form von 
Gyps, den Stickstoff als Salpetersäure im Kalksalpeter, den 
Kohlenstoff als freie Kohlensäure, bezüglich in sauren Erdcar- 
bonaten, die noch unverbrannte organische Substanz als ziemlich 
indifferente Humussubstanzen u. s. w. 

Ist der Sauerstoffzutritt ungenügend, so ist das in den Unter- 



266 



grimd versinkende Wasser schliesslich nichts anderes als filtrirte 
Spüljauche. 

Alle diese Erscheinungen sind auf der Rieselwiese beobachtet 
worden und können daselbst nach Belieben hervorgerufen wer- 
den. Dieselben Erscheinungen sind auch als für die städtischen 
Brunnen geltend durch zahlreiche Analysen nachgewiesen worden. 

Das städtische Brunnenwasser unterscheidet sich von 
dem Berliner Normalwasser ohne Ausnahme durch einen höheren 
Gehalt, oft in grossem Multiplum, an Erdcarbonaten , an Stick- 
stoffverbindungen und Kochsalz. Da letzteres der Bodenabsorption 
nur in sehr geringem Grade unterliegt, so kann es als Massstab 
des Gehaltes an mehr oder weniger veränderter Spüljauche dienen, 
und würde hiernach manches Brunnenwasser als grossen Theils 
aus Spüljauche hervorgehend anzusprechen sein. 

Auch der Stickstoffgehalt des städtischen Brunnenwassers ist 
in der Hauptsache auf die Spüljauche zurückzuführen. Wenn er 
nur in Form von Salpeter auftritt, zeugt er dafür, dass auf dem 
Weg von der Senkgrube oder dem Rinnstein im filtrirenden 
Boden eine kräftige Oxydation stattgefunden hat. Je mehr er 
aber in Form von Ammoniak auftritt, um so mehr hat man zu 
befürchten, dass nur eine mechanische Filtrirung der beigemischten 
Spüljauche platzgegriffen hat, vielleicht sogar ein unmittelbarer 
Erguss in den Brunnenkessel. Sehr ammoniakreich sind die 
Brunnen auf dem Haak'schen Markt, am Cölnischen Rathhause, 
in der Dresdner Strasse am W. Oranienplatz befunden worden, 
aber selbst sehr beliebte Brunnen enthalten nicht unerhebHche 
Mengen Ammoniak, z. B. der Brunnen im Königlichen Haupt- 
schloss im Durchgangshof. 

Der Gypsgehalt des Berliner Normalwassers ist ein sehr 
verschiedener, stellenweise sehr hoch, stellenweise sehr niedrig. 
Der letztere Fall ist in sofern günstiger, als das betreffende 
Wasser weniger hart ist; er beweist aber nichts gegen eine 
stattgefundene Verunreinigung durch Spüljauche, welche auch 
arm an Gyps ist. 

Der Gypsreichthum scheint sehr localer Natur zu sein, theils 
veranlasst durch gypsreiche Aufschüttungen, theils durch tech- 
nische Effluvien. 



267 



Unter den eben geschilderten Umständen kann es nicht auf- 
fallen, dass in den meisten städtischen Brunnen lebende Orga- 
nismen sich vorfinden, welche die Keinigung des Wassers durch 
ihre Lebensthätigkeit fortsetzen. 

Auf eine baldige Verbesserung des Berliner Brunnenwassers 
ist gegenwärtig wenig zu hoffen. Zunächst mtissten die Uebel- 
stände beseitigt werden, welche das Brunnenwasser verdorben 
haben; es müsste alles Schmutzwasser sorgfältig aus der Stadt 
gebracht werden und dürfte keinerlei Unrath mehr zu Aufschüt- 
tungen in der Stadt benutzt werden — hieran müsste sich eine 
regelmässige und starke Wasserentnahme aus den bestehenden 
Brunnen (für Spülzwecke, Strassensprengung u. s. w.) reihen. 
Statt dessen finden behufs Auffüllungen massenhafte Anhäufun- 
gen der bedenklichsten Abfälle täglich statt; der Boden wird 
wieder und wieder aufgewühlt und bei jedem Aufbruch der 
Strassendämme findet eine Durchtränkung des gelockerten Bo- 
dens mit Rinnstein- und anderem Schmutzwasser statt, abge- 
sehen von der Einsickerung aus undichten Senkgruben, und wäh- 
rend so der Zufluss von unreinem Wasser in die Brunnenkessel 
zunimmt, vermindert sich die Wasserentnahme aus den Brunnen 
— der Verunreinigungsgrad des normalen Wassers aber ergiebt 
sich aus dem Mengenverhältniss desselben zu dem Schmutz- 
wasser. 



Die Berliner Hydrognosie ist in neuerer Zeit hauptsächlich 
von Dr. Ziureck, Dr. Reich und Prof. Finkener chemisch 
bearbeitet worden. Die ersteren haben ihre Forschungen selbst- 
ständig veröffentlicht; Prof. Finkener's Analysen finden sich 
in Herrn C. A. Veitmeyer's »Vorarbeiten zu einer zukünftigen 
Wasserversorgung der Stadt Berlin« (bei Dietrich Reimer in Ber- 
lin 1871) aufgenommen. 

Meine zahlreichen in den letzten 3 Jahren ausgeführten 
Untersuchungen werden alsbald zum Druck befördert werden, 
und verweise ich auf sie als Belege meiner obigen Mittheilungen, 
die ich heut mit einigen analytischen Bemerkungen abschliesse. 



268 



Zur Beurtheilung des Genusswassers 

hat sich meine früher ausgesprochene Ansicht, dass es sich in 
den allermeisten Fällen nicht um den Gehalt des Wassers an 
wirklichen Giftstoffen handelt, sondern um die Gegenwart ge- 
fährlicher Organismen (Fermente u. s. w.), mir immer mehr 
befestigt. Demnach sollte die Mikroskopie die Entscheidung über 
die Trinkwasserfrage haben, und nur, weil diese Wissenschaft 
der genannten Aufgabe noch nicht gewachsen ist, sucht man 
Hülfe bei der Chemie. 

Die Leistungsfähigkeit der letzteren beschränkt sich noth- 
wendig auf den Nachweis der Wahrscheinlichkeit oder Unwahr- 
scheinlichkeit von der Gegenwart der gefürchteten Fermente. 
Die Chemie geht bei ihren desfalligen Arbeiten von folgenden 
Gesichtspunkten aus: 

1 ) In der freien Natur siedeln sich alsbald überall Fermente 
an, wo es fermentfähige Stoffe giebt, und 

2) wo Fäulnissproducte angetroffen werden , hat Fäulniss 
stattgefunden und können demnach Fermente noch vorhanden 
sein. 

Wenn den fermentartigen Organismen die Rolle zugetheilt 
ist, alle brachliegende organische, d. i. mit Kraft gepaarte 
Substanz zu entkräften (»dephlogistisiren«) und zu mineralisiren und 
somit deren Rückkehr in den aufsteigenden Kreislauf des Lebens 
zu befördern, so ist mit Recht der Gehalt eines Wassers an orga- 
nischer Substanz überhaupt ein wichtiges Kriterium. 

Welche chemische Individuen unter dem Collectivnamen 
»organische Substanz« in den verschiedenen natürlichen Wässern 
vorkommen, diese Frage zu beantworten, ist die Chemie bei 
allem Kraftaufwand nicht im Stande. Ist es doch schwer genug, 
die Summe der organischen Substanz befriedigend zu bestimmen. 
Die Veraschung des Trockenrückstandes giebt nur dann brauch- 
bare Resultate, wenn die Menge der organischen Substanz ver- 
hältnissmässig gross ist, gegenüber derjenigen der Mineralbe- 
standtheile. 

Bei sehr harten Wässern läuft man auch bei der Soda- 
methode (siehe Berichte der Deutscheu Chemischen Gesellschaft 



269 



1870 S. 689) Gefahr^ dass die Erden nicht ganz frei von orga- 
nischer Substanz bleiben, ein Fehler, welcher sich allerdings 
mehr oder weniger durch einen geringen Wassergehalt der ge- 
trockneten Alkalisalzmasse compensirt. Der Fehler, welcher 
durch Austreibung von flüchtigen Aminen entsteht, wird nur bei 
sehr unreinem Wasser erheblich sein. Franklands Methode 
nach E. Wolffs Vorgang für die Humussubstanz der Ackererden) 
durch Bestimmung des organisch gebundenen Kohlenstoffs einen 
Functionswerth für den Gehalt an organischer Substanz zu gewin- 
nen, ist relativ sehr gut ; bei der vorbereitenden Verwandlung der 
Carbonate in Sulphide wird nur in seltenen Fällen ein merkbarer 
Verlust an leicht flüchtigen organischen Säuren (Ameisensäure, 
Buttersäure u. s. w.) stattfinden. 

Da für Fäulnissprocesse proteinartige Substanzen besonders 
wichtig sind, so verdient die Bestimmung des organisch gebun- 
denen Stickstoffs mit Recht alle Beachtung. Leider wird sie 
meist durch Anwesenheit von Salpetersäure zu einer sehr schwie- 
rigen Aufgabe. 

Die Reaction des fraglichen Wassers auf kräftige Oxyda- 
tionsmittel — Salze der edlen Metalle, Uebermangansäure u. s. w. 
— kann zweierlei lehren, einerseits wie viel Sauerstoff zur völ- 
ligen Verbrennung der organischen Substanz nöthig ist, andrer- 
seits mit welcher Leichtigkeit eine (theilweise) Oxydation platz- 
greift. 

Die Menge des zu völliger Verbrennung nöthigen Sauerstoffs 
zu erkennen, würde ich für Wünschenswerther halten, als die 
Bestimmung der organischen Substanz im Ganzen und diejenige 
ihres Kohlenstoffgehaltes, da sie ein besseres Mass der vorhan- 
denen gebundenen Kraft ist. Leider fehlt noch eine brauchbare 
Methode. 

Die theilweise Oxydation lässt kaum irgend welchen Schluss 
auf die Beziehung der organischen Substanz zum Fermentleben 
machen, z. B. sind Aldehyd, Ameisensäure und Oxalsäure sehr 
kräftige Reductionsmittel und zymotisch doch wahrscheinlich fast 
ganz gleichgültig. Ich lege darum der gewöhnlichen Hyper- 
manganat- wie Sauerstoff-Probe nur wenig Werth bei. 

Für recht wünschenswerth halte ich es aber, die zu unter- 



270 



suchenden Wasserproben zu Scliimmelpilzculturenzu 
benutzen; je üppiger sich die angesäten Keime entwickeln, 
um so bedenklicher das Wasser und umgekehrt! 

Will man aus der Gegenwart von Fäulnissproducten auf die 
Beschaffenheit eines Wassers Schlüsse ziehen, so müssen letztere 
sehr sorgfältig auf ihre Zulässigkeit geprüft werden. 

Unter den Fäulnissproducten beweist Kohlensäure, frei oder 
in gesteigerter Menge von Erdsalzen, gar nichts, Salpetersäure 
gilt für bedenklich, weil sie meist von den zur Fäulniss so ge- 
neigten eiweissartigen Substanzen abstammt. Da sie aber bei 
der natürlichen Filtration nicht absorbirt wird, so kann ein sal- 
peterreiches Brunneuwasser doch völlig frei von den Fermenten 
der vorausgegangenen Fäulniss und deshalb ungefährlich sein . 

Salpetrige Säure ist erst dann für bedeutungsvoll anzusehen, 
wenn ein directer Zusammenhang zwischen ihr und gesundheits- 
gefährlichen Organismen nachgewiesen wird. 

Anders gestaltet sich das Verhältniss für Ammoniak. Das 
Ammoniak wird bei der natürlichen Filtration sehr energisch 
absorbirt oder oxydirt; seine Gegenwart im Wasser deutet sonach 
auf eine oberflächliche Filtrirung, welche keine Garantie für 
völlige Abscheidung der Fermente bietet, und lässt mehr als 
diejenige der Salpetersäure auf einen örtlich oder zeitlich nahen 
Fäulnissprocess schliessen. Filtrirung von grossen Wassermassen 
durch dünne Sandschichten, wie solche in den städtischen Wasser- 
werken benutzt werden, entzieht dem Flusswasser weder den 
Ammoniakgehait noch seine mikroskopischen Organismen voll- 
ständig. 

Auch die reichliche Gegenwart von Kali und Phosphorsäure 
wird in der Regel ein schlimmes Kriterium für ein Wasser sein. 



1) Nach meiner Abhandlung über städtisches Brunnenwasser (J. f. prakt. 
Chemie LXXXII, 465) ist unter die Forderungen für gutes Trinkwasser ziem- 
lich allgemein diejenige aufgenommen worden, dass der Gehalt an Salpeter- 
säure nicht 4 Milliontel übersteige. Die Forderung ist nicht so willkürlich, 
als Manchem erschienen ist , ich hatte nämlich in verschiedenen natürlichen 
Wasserproben, deren Reinheit ich anerkennen musste , zwar Salpetersäure 
gefunden, aber doch weniger als 4 Milliontel. Zu gleichem Resultat hat mich 
die Untersuchung zahlreicher Wasserproben aus hiesiger Gegend geführt. 



271 



weil Bodenarten, welche nicht beiderlei Stoffe sehr begierig ab- 
sorbiren, zu den grössten Seltenheiten gehören. 

Aus dem Gesagten geht hervor, dass selbst die reichliche 
Gegenwart von Fäulnissproducten ein Wasser nicht als absolut 
gefährlich documentirt, und andrerseits kann ein chemisch recht 
reines Wasser sehr perniciös sein, zufolge einer verschwindend 
kleinen Gewichtsmenge gefährlichen Fermentes. 

Bei dem Urtheilen nach chemischer Analyse wird man dem- 
nach die Frage nicht vernachlässigen dürfen, ob eine Verunrei- 
nigung des Wassers nach den äussern Umständen möglich und 
wahrscheinlich ist? Die Wahrscheinlichkeit der Infection ist 
grösser für eine offene Wasserfläche (Fluss oder See) als für 
einen Brunnen, grösser für einen Stehbrunnen als eine aus- 
fliessende Quelle, grösser für den dichtbewohnten Grund einer 
grossen Stadt, als eine wüste Gegend, grösser für die Niede- 
rung als das Hochgebirge, grösser für heisse als kalte Kliniate. 

Um aus der Unsicherheit, welche mit der Zahl der zu be- 
rücksichtigenden Umstände wächst, herauszukommen, erscheint 
es mir als hochwichtige Aufgabe, neben den obenerwähnten phy- 
siologischen Schimmelculturen zur Nachweisung von Gähruugs- 
trägern direct auf die Gegenwart der viel wichtigeren Gährungs- 
erreger im Wasser die Prüfung zu richten. 

Als Reagentien dürften sich besonders Harnstoff und Milch- 
zucker eignen, vielleicht auch Rohrzucker, weniger gut Protein- 
körper. 

Mit Harnstoff habe ich bereits einige Versuche gemacht. 
1) In reinem fdestillirten) Wasser ist Harnstoff sehr beständig; 

a) In einer 1-procentigen Lösung, nach Stickstoff entspre- 
chend einer Lösung mit 5670 Milliontel Ammoniak, bildeten sich 

während 2 Monaten 13 Milliontel Ammoniak ) . • r^- 

^ bei Zimmer- 
» y » oiJ » » > 

I temperatur: 
» 17 » o7 )) )) I ^ 

b) in einer ^ji^-^Yoaexiii^QVL Lösung 

während 2 Tagen kaum Spuren Ammoniak bei 30— 40^, 
» 24 » 1 Milliontel Ammoniak 
» 6 Monaten 6 » )> 
» 15 » wenig mehr als 20 Milliontel 

Ammoniak 



bei Zimmer- 
temperatur, 



272 



in beiden Fällen ohne Bildung von Salpetersäure und Schimmel. 
Wenige Cubikcentimeter der Lösung b) gaben (nach 15 Monaten) 
bei vorsichtiger Verdunstung einen dem ursprünglichen Gehalt 
sehr nahe kommenden Rückstand von reinem Harnstoff. 

Es ist nicht glaublich, dass sowohl Harnstoff als das destil- 
lirte Wasser ganz frei von Fermentkeimen gewesen und geblieben 
sind, und ohne dieselben wäre vielleicht gar kein Ammoniak 
gebildet worden. 

2) Berliner Wasserleitungswasser mit 200 Milliontel Harn- 
stoff, entsprechend 113 Milliontel Ammoniak, 

blieb während 24 Tagen anscheinend unverändert, zeigte nach 
1^4 Monat 3 Milliontel Ammoniak, 
2% » 4 » » 
23/4 » 5 )) » 
8V2 )) 15 » » 
17 » 42 » » 
dabei einen bedeutenden Salpetergehalt und auf der Oberfläche 
etwas Schimmelbildung. 

3) Wasser vom Boden des Kühlbrunnens der Berliner Was- 
serwerke gab mit demselben Zusatz und unter denselben äussern 
Bedingungen wie das Wasserleitungswasser kaum Spuren Ammo- 
niak, dagegen viel Salpetersäure. 

Der genannte Kühlbrunnen ist vor 3 Jahren im Diluvialsand 
des Spreethaies bis etwa 20 Meter unter dem Grundwasserspiegel 
abgeteuft, und ist, weil durchlässig sowohl in Wandung wie 
Boden, befähigt, täglich weit über 3000 Cubikmeter Wasser zu 
liefern. Das Wasser ist in der Hauptsache reines weiches Tief- 
grundwasser von sehr constanter Temperatur, hat aber einigen 
Zufluss aus den oberen, durch städtische Abfälle verunreinigten 
Bodenschichten. Auf letzterem Umstand beruht meines Erach- 
tens der ungewöhnlich hohe Gehalt von 1,5 Milliontel Ammoniak 
und das Vorkommen von myceliumartigen Gebilden. Auffallen- 
derweise verliert im Laboratorium das Wasser sein Ammoniak 
binnen weniger Tage und giebt dann eine entsprechende Reaction 
auf Salpetersäure, die im frischgeschöpften Wasser nicht vor- 
handen ist. 

Herr Dr. Trommsdorff hat bereits darauf aufmerksam ge- 



273 



macht, dass manche Brunnenwässer ihren Ammoniakgehalt 
schnell verlieren. Für die Richtigkeit der Beobachtung habe ich 
ausser obigem Fall viele Beispiele registriren können ; aber nach 
meinen bisherigen Untersuchungen über die sogenannte Selbst- 
reinigung des Wassers darf ich behaupten, dass reine Ammoniak- 
lösungen ausserordentlich constant sind, im Dunkeln wie directen 
Sonnenschein, mit und ohne alkalische Zusätze, selbst bei Zu- 
gabe von Zucker. Ich habe ferner gefunden, dass (verdünntes) 
Linsendecoct unter den günstigsten Bedingungen keine Salpeter- 
säure giebt, während Spüljauche von gleicher Concentration sehr 
schnell der Nitrification unterliegt. Ich muss daher annehmen, 
dass die Salpeterbildung in Lösungen auf der Gegenwart eines, 
in Spül jauche reichlich enthaltenen, Ferments beruht und dass 
vielleicht dasselbe Ferment bei (völligem!) Luftabschluss Harn- 
stoff in kohlensaures Ammoniak und letzteres bei Luftzutritt in 
Salpetersäure verwandelt ! Hierauf ist natürlich bei Benutzung 
des Harnstoffs zur Aufsuchung von Gährungsträgern zu rück- 
sichtigen ; man hat demnach sowohl auf Ammoniak mittelst 
Nessler's Reagens als auf Salpetersäure mittelst Brucinschwefel- 
säure zu prüfen. 

Mit Milch- und Rohrzucker, sowie mit Proteinsubstanzen 
habe ich noch nicht gearbeitet. 

Bei der Wahl von Fermentreagentien wird man ebensowohl 
die leichte Nachweisbarkeit der Producte wie das zymotische 
Aequivalent beachten müssen. Je geringer bei einer stark mar- 
kirten Atomumlagerung die calorischen Veränderungen sind, eine 
desto grössere Gewichtsmenge Reagens wird durch eine gegebene 
Fermentmenge verwendet werden, und in dieser Beziehung dürften 
die Verwandlungen von Harnstoff in kohlensaures Ammoniak, 
von Rohrzucker in Traubenzucker, von Milchzucker in Milchsäure 
einander ziemlich nahe stehen. 



Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 



18 



274 



Mittheilungen aus dem landwirthschaftliclien 
Laboratorium der Universität Heidelberg. 

I. lieber das Verhältuiss von Kalk und Kohlensäure 
in Brunnenwässern. 

Von 

Adolf Mayer. 



Für die Stadt Mannheim soll eine grossartige Wasserleitung 
mit Dampfbetrieb errichtet werden. Das Wasser dazu muss, da 
es an geeigneten Quellwässern auf viele Stunden im Umkreis 
fehlt, aus dem kiesigen Untergrund, der das ganze Rheinthal 
erfüllt, heraufgeholt werden und ist somit nichts Anderes als 
Horizontalwasser, welches mit den Flusswässern des Rheins und 
des Neckars in naher Beziehung steht und auch in seinem Stand 
durch die Höhe dieser Flüsse regiert wird. 

Man hat nun, um eine Stelle ausfindig zu machen, wo das 
Wasser in grösster Weiche und Reinheit zur Verfügung steht, 
an sehr vielen Orten sog. abessinische Brunnen eingetrieben, 
Wasserproben hervorgeholt und mir zur Analyse tibergeben. In 
diesen Wässern, die sich in sanitärischer Beziehung als äusserst 
rein erwiesen und nur eine mehr oder minder grosse Härte, 
theils temporäre, theils bleibende, in Folge eines Gehalts an 
doppelt kohlensaurem Kalke, an Chlormagnesium und schwefel- 
saurer Magnesia zeigten, hat sich nun eine eigeuthümliche Be- 
ziehung zwischen ihrem Gehalt an Kohlensäure und an Kalk 
ergeben, welche vielleicht bei der grossen Anzahl von Proben, 
um die es sich in diesem Falle handelt, ein allgemeineres In- 
teresse in Anspruch nehmen dürfte. 



275 



Die Analysen ergaben in dieser Eichtling Folgendes: 



Nr. der 
Probe 


Gesammt- 
kohlensäure 
Proc, 


Kalk (an Kohlen- 
säure gebunden) 
Proc. 


Quotient 
beider Zahlen 


1 


0,150 


0,080 


1,88 


2 


0,354 


0,150 


2,36 


3 


0,299 


0,130 


2,30 


4 


0,401 


0,175 


2,30 


5 


0,330 


0,165 


2,00 


6 


0,377 


0,180 


2,10 


7 


0,322 


0,155 


2,08 


8 


0,310 


0,140 


2,21 


9 


0,295 


0,155 


1,90 


10 


0,306 


0,125 


2,45 


11 


0,310 


0,140 


2,21 


12 


0,306 


0,140 


2,19 


13 


0,314 


0,155 


2,03 


14 


0,291 


0,140 


2,08 


15 


0,318 


0,155 


2,05 


16 


0,310 


0,160 


1,93 


17 


0,318 


0,175 


1,80 


18 


0,302 


0,170 


1,78 


19 


0,306 


0,155 


1,97 


20 


0,314 


0,145 


2,17 


21 


0,366 


0,175 


2,09 


22 


0,318 


0,175 


1,80 


23 


0,330 


0,160 


2,06 


24 


0,330 


0,155 


2,13 


25 


0,196 


0,125 


1,57 



Worauf ich bei diesen Ergebnissen aufmerksam machen 
möchte, ist einzig und allein die auffallende Constanz des Ver- 
hältnisses zwischen der Gesammt-Kohlensäure und dem vermöge 
dieser Kohlensäure im Wasser gelösten Kalke. Dasselbe beträgt 
im Durchschnitt 2, in den äussersten Fällen 1,57—2,45, wäh- 
rend dem zweifach kohlensauren Kalke das Verhältniss von 
44:28 oder 1,57 entspricht. Man sieht also, wie die Wässer 
alle (mit einem Grenzfalle, wo die Mengen genau mit der For- 
mel des zweifach kohlensauren Kalkes übereinstimmen) nur 
etwas mehr Kohlensäure in sich enthielten, als an den Kalk in 
Form des löslichen Doppelsalzes gebunden war. Dies erscheint 
durchaus natürlich, wenn wir die Verhältnisse berücksichtigen, 

18* 



276 



in welchen sich das Horizontalwasser zwischen dem Rheinkiese 
befindet. Dasselbe enthält aus den natürlichen Quellen (Humus- 
stoffe etc.) eine gewisse Menge freier Kohlensäure und dies 
kohlensäurehaltige Wasser ist nun in dauernder Berührung mit 
dem an Kalkgeröll reichen Rheinkiese, aus welchem es sich 
nahe seinem Auflösungsvermögen für kohlensauren Kalk mit 
diesem sättigt. Der Grad der Sättigung wird nur abhängig sein 
von der Beschaffenheit des Kieses am betreffenden Punkte und 
von der Berührungsdauer, die vorübergehende Härte ausser von 
diesen Grössen noch von dem Kohlensäuregehalte des Wassers. 
— Ich berühre hier nicht die praktischen Gesichtspunkte, die 
sich aus diesem Verhalten für die Auswahl geeigneter Bohrorte 
und Bohrtiefen ergeben. 

Was die Correctheit der mitgetheilten Zahlen angeht; so 
habe ich über deren analytische Ermittelung Folgendes mitzu- 
theilen. 

Die Kohlensäure wurde in den seit ihrem Schöpfen versie- 
gelt gehaltenen Proben sogleich nach Oeffnung des Verschlusses 
in 200 CC. Wasser durch Zusatz von wenig reinem Ammoniak 
und Chlorcalcium, Erhitzen bei Luftabschluss, schleuniges Abfil- 
triren durch das Bunsen'sche Schnellfilter, Lösen des an den 
Wänden haftenden kohlensauren Kalks in Salzsäure, Fällen des- 
selben durch Zusatz von Ammoniak und oxalsaurem Ammoniak, 
Filtriren des Niederschlags durch das gleiche Filter, Glühen des 
getrockneten Niederschlags in der Weissglühhitze bestimmt. Um 
eine Vorstellung von der Genauigkeit der Methode zu geben, 
theile ich hier einen Controlversuch mit, der bei der Wasser- 
probe Nr. 14 ausgeführt wurde. Derselbe gab folgendes Resultat: 

1) Gewicht des Tiegels + Kalk 17,509 Grin. 
. » des Tiegels 17,434 » 

» der Filterasche 0,001 » 

0,074 » 

2) Gewicht des Tiegels + Kalk 17,5085 Grm 

» des Tiegels 17,434 » 

» der Filterasche 0,001 » 

0,0735 



277 



Der Kalk, welcher im Wasser an Kohlensäure gebunden 
war, konnte auf eine sehr einfache Weise bestimmt werden, da 
sich die Wässer als beinahe frei von Eisen und von Gyps erwie- 
sen. 200 CC. wurden in der Hitze auf ein sehr kleines Volum 
eingeengt und abfiltrirt; der Niederschlag war fast ganz reiner 
kohlensaurer Kalk. Auch in diesem Falle wurden die an den 
Gefäss Wandungen anhaftenden Theile desselben durch die erneute 
Fällung mit Oxalsäure gewonnen, und gewogen wurde auch 
wieder in der Form von Aetzkalk, was sich bei einer guten 
Gebläsevorrichtung und kleineren Kalkmengen bekanntlich stets 
empfiehlt. 

Eine Controlbestimmung wurde für die verdächtigste Zahl, 
bei Nr. 1 0 ausgeführt und in zwei Fällen erhalten : 



I II 

Gewicht des Tiegels + Kalk 17,460 Grm. 17,4585 Grm. 

» » 17,434 » 17,4325 » 

» der Filterasche 0,001 » 0,001 » 

0,025 » 0,025 » 



II. Studien über die alkoholische Gährung. 

Von 

Adolf Mayer. 

1. lieber die Ursache der alkoholischen Gährung. 

Durch frühere Versuche von mir^) schien die Frage, ob 
die gährungserregende Fähigkeit des Hefepilzes auf der Aus- 
scheidung irgend eines Fermentkörpers, dem, wenn auch nur 
vorübergehend, das Vermögen, den Zucker in die bekannten 
Gährungsproducte zu zerspalten, zukäme, im negativen Sinne 
ziemlich erledigt zu sein. Allein durch einige Bemerkungen von 
Schaer^), (welche er an seine eignen und Schönbein's Unter- 



1) Diese Zeitschr. B. 14 p. 72. 

2) Vergl. Zeitschr. f. Biologie, 1870 p. 504. 



278 



suchung-en über die Einwirkung von Blausäure auf eine Reihe 
von Fermentkörpern anknüpfte, ward dieselbe wieder in ein 
neues Stadium gerückt, so dass die von Liebig ausgesprochene 
Anschauung (wenn auch in einem wesentlich anderen Sinne) 
wieder sehr an Wahrscheinlichkeit gewann. 

Schaer argumentirte ungefähr folgender Massen. Durch 
vielfache Versuche sei festgestellt, dass die fermentartigen Eigen- 
schaften einer grossen Reihe von Körpern durch ein wenig Blau- 
säure vernichtet würden, die Bierhefe besitze, abgesehen von 
ihrer Fähigkeit 'Währung zu erregen, solche fermentartige Eigen- 
schaften, z. B. die, Sauerstoff aus Wasserstoff hyperoxyd zu ent- 
wickeln ; andererseits habe Schönbein nachgewiesen , dass 
durch die Anwesenheit von Blausäure die gährungserregende 
Eigenschaft der Hefe aufgehoben werde. Dies spreche dafür, 
dass doch die gährungserregende Wirkung mit sonstigen Fer- 
mentthätigkeiten der Hefe in irgend einem Zusammenhange 
stehe, und werde zugleich der (von mir gehegten) Anschauung 
gefährlich, als ob alkoholische Gährung und Stoffwechsel des 
Hefepilzes schlechthin identisch sei. — Freilich hat sich durch 
eine spätere eingehende Correspondenz mit Herrn Schaer her- 
ausgestellt, dass seine Auffassung von der Ursächlichkeit der 
Gährungserscheinungen nicht sehr erheblich mit der von mir ge- 
hegten differirte; allein die namhaft gemachten Folgerungen 
schienen wenigstens bis zu einem gewissen Grade zulässig. 

Natürlich wurden die von Schaer angeführten Thatsachen 
sofort von mir in Erwägung gezogen, und ich habe mannigfaltige 
Versuche angestellt, um über die Richtigkeit der gemachten An- 
gaben, sowie über die Tragweite der festgestellten Thatsachen 
bezüglich unseres Gegenstandes ins Klare zu kommen. 

Zunächst wurde die Einwirkung der Blausäure auf die alko- 
hole Gährung studirt^). In einer grösseren Versuchsreihe, von 
der ich nachher noch zu sprechen haben werde, wurden einige 
Versuche diesem Gegenstande gewidmet. 150 CC. 15% Zucker- 

1) Die hier zu beschreibenden Versuche wurden erst zum kleinsten Theile 
der OefFentlichkeit übergeben, nämlich in einem Anhang an den Bericht der 
Wanderversammlung der Agriculturchemiker zu Dresden 1871 (Landw. Ver- 
suchs-Stat. B. 14 p. 470). 



279 



lösung, welche mit den nöthigen Mengen Aschenbestandtheilen 
und roliem Pepsin versetzt worden waren, wurden in geeigneten 
wägbaren Versuchsgefässen nach minimaler Hefeaussaat der 
Gährung überlassen. In einem Falle war, ehe die Aussaat ge- 
schehen war, 1 CC. einer concentrirten Blausäure zugegeben 
worden, in mehreren anderen Fällen nicht. Durch diesen Zusatz 
war die Gährung völlig verhindert worden. Es war weder Hefe- 
ablagerung noch sonst irgend eine Trübung eingetreten, auch 
nicht, nachdem eine zweite Hefeaussaat vorgenommen worden 
war, und in Uebereinstimmung hiermit ward weder nach Ab- 
schluss der Versuche Alkohol in der betreffenden Flüssigkeit 
vorgefunden, noch konnten irgend wie erhebliche Gewichtsver- 
luste des Gährungsapparates nachgewiesen werden. Die Blau- 
säure hatte in diesem, sowie in andern analogen Fällen, Gäh- 
rung und Hefeentwicklung gleichzeitig vollständig verhindert, 
während in den Parallelversuchen ohne Blausäure eine intensive 
normale Gährung eingetreten war. 14 Tage nach Beginn der 
Versuche wurde die blausäurehaltige Gährungsflüssigkeit längere 
Zeit auf 400 C. erhitzt, um die Blausäure ohne Zerstörung der 
von den beiden Aussaaten her noch vorhandenen Hefezellen zu 
verflüchtigen. Allein dies gelang auch nach 24 Stunden nur 
sehr unvollständig und auch nachher trat keine Gährung ein^). 

Einer anderen Versuchsflüssigkeit aus derselben Versuchs- 
reihe wurde, nachdem die Gährung ungefähr 4 Tage gedauert 
hatte, und nahezu ^^s vorhandenen Zuckers vergohren war, 
ebenfalls 1 CC. Blausäure (derselben Concentration) zugesetzt. 
In diesem Falle war nur eine sehr unbedeutende Beeinträchtigung 
der Gährungsintensität zu bemerken, indem nach Beendigung 
der Versuche 7,90 Grm. Alkohol und 0,121 Grm. Hefe vorge- 
funden wurde, während der Parallelversuch ohne nachträglichen 
Blausäurezusatz in derselben Zeit 8,97 Grm. Alkohol und 0,124 
Grm. Hefe ergab, und auch der unvergohrene Rückstand diesen 
Zahlen entsprechend verschieden war. 



1) Auch aus späteren Versuchen scheint mir hervorzugehen , dass die 
Blausäure, wenn sie überhaupt im einzelnen Fall zur Wirkung gelangt, den 
Hefepilz dauernd tödtet. 



280 



Es ist somit festgestellt — und viele ähnliche Versuche im 
Kleinen lehrten dasselbe — dass die Einwirkung der Blausäure 
auf Hefe und Gährung keine so sehr heftige ist. Hat einmal die 
Gährung angefangen, so ist ein sehr grosser Zusatz von Blau- 
säure beinahe ganz ohne Nachtheil, und die Blausäure wird in 
diesem Falle nicht etwa durch irgend eine Reaction unschädlich 
gemacht, sondern ist während und nach der Gährung unzwei- 
deutig durch den Geruch zu erkennen. Die Einwirkung der 
Blausäure bezieht sich ferner, wenn sie überhaupt statt hat, 
gleichzeitig auf Gährung und Hefeentwicklung, und 
gelingt es also mit Nichten, wie nach früheren Bemerkungen 
von Schaer möglich erschien, auf diese Weise beide Processe 
auseinanderzureissen und als nicht identisch zu demonstriren. 
Es können also auch diese Versuche dazu dienen, der Liebig'- 
schen Ansicht der Gährungserregung durch einen Fermentkörper 
weiteres Terrain abzugewinnen, denn die Beibehaltung derselben 
macht entweder die neue Hypothese nothwendig, dass die Ein- 
wirkung der Blausäure auf den hypothetischen Fermentkörper 
unter genau den gleichen Umständen vor sich gehe, wie auf die 
Lebensfähigkeit (resp. Vegetationsfähigkeit) des Hefepilzes, oder 
sie zwingt zu der einfachen Annahme, dass jener Fermentkörper 
auch bei der Vegetation dieses Organismus nothwendig bethei- 
ligt sei^) , wodurch offenbar die beiden sich bekämpfenden An- 
schauungen in einander schmelzen und höchstens zu einem Wort- 
streit führen können, an dem ich mich zu betheiligen nicht 
beabsichtige. 

Das eben mitgetheilte Versuchsresultat legt die Vermuthung 
nahe, namentlich, wenn man die von Schaer behauptete Ein- 
wirkung der Blausäure auf Fermentkörper im Auge behält, dass 
dieser giftige Stoff den Hefepilz an sich unbehelligt lasse, wohl 
aber den von ihm ausgeschiedenen Fermentkörper, der im Hefe- 
wasser nachgewiesen werden kann, des Intervertirungsvermögens 
beraube. Alsdann würde die Wirksamkeit der Blausäure nach 
minimaler Aussaat auf Rohrzuckerlösung sich unter der Annahme, 



1) Dies ist nach einer Privatmittheilung auch in der That Schaer's 
neuere Ansicht. 



281 



dass die Intervertirung der Gährung nothwendig vorausgehen 
müsse, auf die schönste Weise erklären, und die Unwirksamkeit 
in einer in voller Gährung befindlichen Flüssigkeit ebenfalls leicht 
verständlich sein, da in diesem Falle schon die grösste Menge 
des Rohrzuckers durch vorhergehende Intervertirung der directen 
Vergährung zugänglich gemacht ist. Allein diese Vermuthung 
hat sich nicht bestätigt, indem ich nachgewiesen habe, dass 
auch die Gährung des Traubenzuckers nach minimaler Aussaat 
durch Blausäurezusatz unmöglich gemacht, sowie, dass die Inter- 
vertirung des Rohrzuckers durch Blausäure durchaus nicht beein- 
trächtigt wird, eine Thatsache, die auch sonst von Wichtigkeit 
ist und von der wir sogleich noch zu reden haben werden. 

Die gehegte (freilich, wie es scheint, auf eine von anderer 
Seite vorschnell ausgesprochene Verallgemeinerung gegründete) 
Vermuthung hat sich also nicht bestätigt, und der Grund für die 
ungleiche Wirksamkeit der Blausäure im Anfang oder in der 
Mitte der Gährung muss wo anders liegen. Ich habe einige 
Versuche zur Beantwortung dieser noch offenstehenden Frage 
unternommen und wenigstens festgestellt, dass es bei der frag- 
lichen Einwirkung im Wesentlichen auf das Verhältniss 
der vorhandenen Hefe zur Menge der zugesetzten 
Blausäure ankommt und weniger auf die Concentration die- 
ser letzteren in der Flüssigkeit ; denn durch eine sehr gesteigerte 
Aussaat konnte schliesslich Gährung in sonst unzugänglichen 
Flüssigkeiten erlangt werden, während andererseits die Gährung 
bei gleicher Aussaat durch gesteigerten Blausäurezusatz verhin- 
dert werden kann 2) . Das Uebertragen von Hefe aus einem ver- 
hältnissmässigen Ruhezustand in eine sehr zuckerhaltige Flüssig- 
keit, wie es bei der minimalen Aussaat stattzufinden pflegt, spielt 
bei der Empfindhchkeit gegen Blausäure keine Rolle. Weiter 
habe ich diesen etwas abseits liegenden Gegenstand nicht verfolgt. 



1) Von Schaer brieflich ebenfalls bestätigt. 

2) Die durch Blausäure getödtete Hefe zeigt ein etwas verändertes Aus- 
sehen unter dem Mikroskop ; sie ist frei von Vacuolen und besitzt ein sehr 
körniges Protoplasma. In ähnlicher Weise wird dieselbe auch durch Carbol- 
säure, die sie gleichfalls tödtet, verändert. 



282 



Es wurde eben unter Anderem mitgetheilt , dass die Blau- 
säure in ziemlich erheblichen Mengen (2^2 % concentrirte Blau- 
säure) das Hefewasser nicht in seinem Intervertirungsvermögen 
beeinträchtige. Da bei den Versuchen, in welchen dieser Nach- 
weis geführt wurde, sich in den nicht biausäurehaltigen Flüssig- 
keiten leicht kleine Organismen entwickelten, die den strengen 
Parallelismus der Versuche hätten stören können, so wurden 
später stets die beiden Flüssigkeiten auf 60^ C. erwärmt, bei 
welcher Temperatur, wie ich früher nachgewiesen habe, das 
Intervertirungsvermögen des Hefewassers noch eben erhalten 
bleibt. Auf diese Weise konnten die Versuche in ihrer Reinheit 
durchgeführt werden, und auch in diesem Falle verlief stets die 
Intervertirung in beiden Versuchen durchaus gleichmässig. Die 
Blausäure an sich besitzt in den Mengen, wie ich sie angewendet 
habe, kein Intervertirungsvermögen. 

Das Resultat dieser Versuche steht entweder in offenbarem 
Widerspruche mit dem von Schaer, freilich mit Zugeständniss 
einiger Ausnahmen, vertretenen Satze, dass die Blausäure die 
Fermentwirkungen aufhebe ^ oder man muss davon abstehen, das 
Intervertirungsvermögen des Hefewassers mit Liebig als eine 
Fermentthätigkeit anzusehen i). In der That besitzen es viele 
Nicht-Fermente bekanntlich auch, und die blosse Eigenthümlich- 
keit, unter 100^ jenes Vermögen einzubüssen, stempelt am Ende 
noch nicht mit Nothwendigkeit den wirksamen Stoff zu einem 
Fermentkörper. Jedenfalls — und gleichviel, wie man sich zu 
dieser untergeordneten Frage stellen mag — haben wir von der 
namhaft gemachten Thatsache Notiz zu nehmen. 

Ich habe nun aber, um die Frage nach der Einwirkung der 
Blausäure auf die verschiedenen Fermeutthätigkeiten der Hefe 
noch etwas umfassender zu behandeln, noch eine grössere An- 
zahl von dahin gerichteten Versuchen angestellt, von denen die 
wichtigeren hier Platz finden mögen. Als ausgezeichnete sehr 
verschiedenen Classen von Fermentkörpern zukommende Fer- 
meutthätigkeiten wurden von Schön bein und Schaer beson- 
ders das sog. »kataly tische Vermögen«, d. i. die Fähigkeit 



^) Dies ist durchaus folgerichtig Schaers Standpunkt. 



283 



aus Wasserstoff hyperoxyd Sauerstoff zu entbinden, die Ozon- 
üb ertrag-ung, d. h. die Fähigkeit, z. B. in Berührung mit 
ozonhaltigem Terpentinöl Guajaktinetur zu bläuen oder eine an- 
dere Ozonreaction hervorzubringen, und die Ozonerregung, 
worunter man die Fähigkeit versteht, beim Schütteln mit Sauer- 
stoff, diesen theilweise in die active Form überzuführen, bezeich- 
net. Da von der letzteren Fähigkeit bei der Hefe, also einem 
Gemisch von organischen Stoffen z. Th. unbekannter Art nicht 
wohl die Kede sein konnte, so begnügte ich mich die beiden 
anderen Reactionen in Betracht zu ziehen. 

Die Versuche ergaben, dass frische Bierhefe das «kataly- 
tische Vermögen« besitzt, wiewohl in weit geringerem Grade als 
Bleisuperoxyd, also dass nach Zusatz von viel Bierhefe zu Wasser- 
stoffsuperoxyd nur eine sehr schwache Gasentwicklung eintritt, 
welche stundenlang dauert und dann noch durch Zusatz von 
Bleisuperoxyd wesentlich verstärkt wird. Das entweichende Gas 
zeigte mit Guajaktinetur in Berührung in keinem Falle Ozon- 
reaction, doch wurde nachgewiesen, dass es wirklich aus Sauer- 
stoff besteht. 

Blausäure erwies sich bei Anwendung von Bleioxyd 
ohne jeglichen vermindernden Einfluss auf die 
Sauerstoffentwicklungi). Bei der Hefe übt sie einen 
solchen Einfluss erst in grösseren Mengen aus. Wir werden 
auf die Beziehung dieser Einwirkung zu der auf die Gährung 
nachher zurückkommen. 

In Betreff der Ozonübertragungsversuche habe ich mitzu- 
theilen , dass weder Hefe noch Hefewasser in Berührung • mit 
ozonhaltigem Terpentinöl auf Guajaklösung die geringste Bläuung 
hervorzurufen im Stande waren, während dies mit Malzaufguss 
selbst noch nach Erhitzen auf 70^0. und nach Coagulation der 
Eiweissstoffe gut gelangt). Hier verhindert allerdings die An- 



1) Ebenso verhielt sich auch Carbolsäure. 

-) Der Malzaufguss verliert erst diese Fähigkeit nach einigen Tagen 
unter einer Zersetzung, bei welcher kleine Organismen (Bacterien) auftreten. 
Von Schaer wird privatim die Möglichkeit zugestanden, dass die Schön- 
bein'sche Beobachtung des analogen Verhaltens der Hefe nicht immer zu- 



284 



Wesenheit von ein wenig Blausäure die Eeaction und bringt sie, 
einmal eingetreten, langsam wieder zum Verschwinden. Kupfer- 
vitriollösung zeigte ebenfalls die Fähigkeit der Ozonübertragung. 
Ob dieselbe durch Blausäure verhindert wird, lässt sich deshalb 
nicht wohl entscheiden, weil Blausäure und Kupfersalze, wie 
bekannt, schon an sich mit Guajaktinctur eine intensiv blaue 
Färbung hervorrufen. Eisenoxydulsalz wirkte nicht übertragend, 
doch wurde bei Berührung mit der Luft von der Zutrittsstelle 
aus eine leichte Bläuung bemerkt. — Rohes nach der Wass- 
mann'schen Methode dargestelltes Pepsin erwies sich ebenfalls 
als unwirksam. 

Wir haben im Verlauf der Durchsicht dieser Versuchsresul- 
tate nur eine einzige sog. Fermentthätigkeit der Bierhefe kennen 
gelernt, welche unter ähnlichen Bedingungen durch Blausäure 
vernichtet wird, wie die Gährungsbefähigung der Hefe. Dies ist 
die Fähigkeit, aus Wasserstoffsuperoxyd eine Gasentbindung zu 
veranlassen. Hierzu gesellt sich noch die Fähigkeit der lebenden 
Hefe, Kitrate zu Nitriten zu reduciren, die auch, wie es scheint ^] , 
durch Blausäure vernichtet wird. Es wäre also einstweilen nur 
auf die Beziehungen jener Fermentthätigkeit zur Erscheinung 
der alkoholischen Gährung Rücksicht zu nehmen und genau der 
Eintritt der Vernichtung dieser Erscheinungen, sei es unter dem 
Einfluss von Blausäure, sei es anderer schädlichen Factoren 
festzustellen. 

Um diese Frage zu erörtern, wurde einmal frische lebens- 
fähige Bierhefe der oberen Grenztemperatur ihres Bestehens aus- 
gesetzt und dabei geprüft, ob das Erlöschen des Gährungsver- 
mögens gleichen Schritt hielt mit dem Aufhören jener ferment- 
artigen Thätigkeit derselben; ein ander Mal, ob bei Vergiftung 
der Hefe durch Blausäure auch ein derartiger Parallelismus be- 
obachtet werden könne. 



treffend sein und auf einem gelegentlichen Gehalt derselben an Bestandtheilen 
des Malzextracts beruhen möge. 

^) Die Reaction der Nitrite mit freier Schwefelsäure auf lodkalium- 
Stärkelösung bei gleichzeitiger Anwesenheit von Hefebrei ist launischer Na- 
tur (vergl. Duclaux : Ann. d. ch. et d. ph. (4) 25), daher diese Unsicherheit. 



285 



Zur Ermittelung der Analogie des Verhaltens wurden fol- 
gende Versuche angestellt: 

Frische breiige Bierhefe wurde in 4 verschiedenen zuge- 
stöpselten Gefässen, untergetaucht im Wasserbade, erhitzt und 
zwar so langsam, dass die Temperatur sich in der Minute nur 
etwa um \^ steigerte. Ein Gefäss wurde herausgenommen, als 
das im Wasserbad eingetauchte Thermometer auf 50^ wies, ein 
zweites bei 55<^, ein drittes bei 60^, das letzte bei 65<> C. Die 
herausgenommenen Gefässe wurden jeweils sogleich geöffnet, ein 
Theil der Hefe mit verdünnter Balpeterlösung in Berührung ge- 
bracht, ein anderer Theil nach dem Erkalten mit Wasserstoff- 
superoxydlösung vermischt, und der Rest erhielt einen Zusatz 
einer in allen Fällen gleichen Menge von 15% Zuckerlösung. 

Die Resultate waren folgende. Die bis zu 50^ erhitzte Hefe 
zeigte eine geschwächte »katalytische Befähigung«. Gährung trat 
in der mit ihr vermischten Zuckerlösung ein, aber wohl etwas 
verspätet, Salpeterlösung ward durch sie reducirt. Die bei 55*^ 
entnommene Hefe verhielt sich ähnlich; nur trat die Gährung 
erst nach 28 Stunden ein, und wurde erst nach 3 Tagen eine 
kräftige. Die Reduction der Salpeterlösung war langsamer und 
schwächer. Ein bedeutender Unterschied war bei der bei 60 ^ 
aus dem Wasserbade entfernten Hefe zu bemerken. Hier trat 
keine Gährung auch nach längerer Zeit nicht mehr ein, eine 
geringe Katalyse war allerdings noch zu constatiren, die Re- 
duction war kaum bemerkbar. Ganz ebenso verhielt sich die 
Sache bei 65^. Etwas exacter wurde der ganze Versuch später 
wiederholt, wo bei 45, 48, 51, 54, 60, 65^ die Entfernung eines 
Fläschchens mit breiiger Bierhefe aus dem langsam sich erwär- 
menden Wasserbade vorgenommen wurde. 

Die bei 45^ entnommene Hefeprobe zeigte unveränderter 
Hefe gegenüber sowohl ein etwas geschwächtes Gährungsver- 
mögen, als auch eine geschwächte katalytische Fähigkeit; des- 
gleichen auch ein anscheinend etwas vermindertes Reductions- 
vermögen für Salpeterlösung. Die bei 48 und 52^ entnommenen 
Proben verhielten sich ähnlich, nur dass jeweils eine weitere 
Herabminderung in der Intensität beobachtet werden konnte. 
Allerdings, was das Reductions vermögen betrifft, so konnte eine 



286 



gradweise Verminderung nicht gut beobachtet werden. — Eine 
tiefe Kluft war diesmal zwischen 51 und 54 ^ bemerklich. Jen- 
seits derselben waren die Proben schlechthin nicht mehr befä- 
higt, Gährung hervorzurufen. Die Gasentwicklung aus Wasser- 
stoflfsuperoxydlösungen erwies sich als sehr viel schwächer und 
bald erlöschend. Hinsichtlich des Reductions Vermögens war auch 
ein bedeutendes Nachlassen zwischen den Proben (öl^j und (64o) 
zu bemerken, ein völliges Verschwinden der Reaction trat erst 
jenseits 54^ ein. 

Diese Versuche, für sich beurtheilt, stehen der Annahme 
nicht entgegen, dass die fermentartigen Eigenschaften der Hefe 
mit deren Leben und Lebensäusserungen (alkohol. Gährung) im 
innigsten Zusammenhange stehen , wenngleich ich auch nicht 
geneigt bin, dieselben als besonders exacte Belege für eine solche 
Beziehung auszugeben. 

Andere Versuche in derselben Richtung wurden von mir — 
wie gesagt — durch Vergiftung der Hefe mit Blausäure ange- 
stellt. Ich theile zuerst Versuche mit, bei denen der Blausäure- 
zusatz nicht absolut, sondern nur relativ genau festgestellt wurde. 

Es wurden zu etwa 25 CC. Hefe (in dünnem breiigen 
Zustande) je 1, 5, 10, 20, 25, 30 Tropfen Blausäure von er- 
heblicher Concentration zugesetzt. Nach einer Stunde wurde die 
Hefe auf ihr Gährungsvermögen , ihre katalytische und reduci- 
rende Fähigkeit geprüft. Die Gährung war in keinem der 6 Fälle 
verhindert worden, auch konnte eine abnehmende Heftigkeit der- 
selben nicht wohl constatirt werden. Auch Katalyse trat in allen 
6 Fällen ein, wiewohl in den letzten 3 und noch mehr in den 
letzten 2 Gefässen (20, 25, 30 Tropfen HCy) mit abnehmender 
Heftigkeit. (Die Prüfung auf die Reductionsfähigkeit der Nitrate 
missglückte.) 

Nach ISstündiger Dauer der Berührung mit Blausäure wur- 
den die Prüfungen wiederholt. Auch jetzt trat Gährung in allen 
6 Proben ein, in den beiden letzten Gläsern schien sie etwas 
schwächer zu sein. Katalyse trat ebenso bei allen Proben ein, 
nur noch schwächer als nach kürzerer Berührung mit Blausäure. 
Doch war auch jetzt noch eine abnehmende Heftigkeit zu con- 
statiren. 



287 



Die gleichen Versuche wurden wiederholt mit grösseren 
Mengen von Blausäure von bekannter Concentration. Es wurden 
etwa 20 CC. dünnbreiiger Bierhefe je 1, 2, 3, 4, b, 10 CC. 
einer 2,54 procentigen Blausäure zugesetzt. Nach 7 Stunden 
Berührung wurden Prüfungen angestellt. Katalyse trat in allen 
6 Gefässen ein, jedoch mit äusserster Schwäche und entspre- 
chend dem Blausäuregehalt mit abnehmender Heftigkeit. Nach 
einer Stunde ist eine deutlich wahrnehmbare Gasentwicklung 
nur noch in den beiden ersten Nummern (1 und 2 CC. HCyj 
wahrzunehmen ^) . Eine einigermassen energische Gährung konnte 
nur in der ersten Probe bemerkt werden; in den andern blieb 
sie auch dauernd sehr schwach. 

Die gleichen Versuche wurden nochmals wiederholt mit der 
gleichen Menge Hefe und je 1, 2, 4, 6 CC. Blausäure (von 
derselben Concentration) . 

Nach einer Stunde wurden die ersten Proben entnon^men. 
Die Katalyse war in allen 4 Proben stark geschwächt, ebenso 
das reducirende Vermögen, dieses besonders in der letzten Num- 
mer. In allen 4 Proben war das Gährungs vermögen der Hefe 
nicht vöUig erloschen, wiewohl geschwächt, am Meisten eben- 
falls in der letzten Nummer. 

Nach 2mal 24 Stunden wurden nachmals Proben entnom- 
men. Das Resultat ist dasselbe. Sehr bedeutende Schwächung 
des katalytischen sowohl wie des Gährungsvermögens in allen 
Proben, am Deutlichsten in der letzten, deren Hefe so gut wie 
gar keine Gährung mehr erzeugt. ^ 

Man sieht, auch die Resultate dieser Versuche sind sehr 
wohl verträglich mit der Annahme einer innigen Beziehung des 
katalytischen — und, wenn man will, auch des reducirenden 
Vermögens der Hefe zu deren eigentlicher gährungserregenden 
Fähigkeit. Als ein exacter Beleg dafür können sie aber noch 
weniger dienen, als die Versuche, die Hefe durch Erwärmen zu 
tödten, da es keine so scharfe Grenzlinie zu geben scheint, bei 
der ein Blausäurezusatz die Hefe absolut tödtet. Wir haben 



1) Mit Bleisuperoxyd gaben alle diese Gemische nach 24 Stunden noch, 
viel SauerstofFgas ab 



288 



schon früher gesehen, dass es dabei keineswegs auf den Gehalt 
der Gährungsfltissigkeit an Blausäure ankommt, als vielmehr 
auf das Verhältniss vorhandener Hefezellen zur Blausäure (wie 
auch auf die gesammte physiologische Beschaffenheit dieser Hefe- 
zellen) . Da nun die Anzahl von lebenskräftigen Hefezellen in 
einem Hefebrei eine sehr verschiedene sein kann, und ihre Wi- 
derstandskraft der Blausäurevergiftung gegenüber nicht gleich 
gross zu sein scheint, so muss die Vergiftungsgrenze eine sehr 
wenig bestimmte werden, und es werden im Falle einer sehr 
allgemeinen Vergiftung stets einzelne Individuen unbehelligt blei- 
ben 1) . 

Diese Versuche mit den vorhergehenden zusammengeworfen, 
lässt sich wohl sagen, dass wenigstens das katalytische 
Vermögen (vom reducirenden wollen wir uns keine bestimmte 
Behauptung erlauben) ungefähr mit der allgemeinen Le- 
bensthätigkeit der Hefe — die identisch ist mit 
deren Gährungserregungs vermögen — zu bestehen 
und vernichtet zu werden scheint, dass in sofern also 
eine innige Beziehung thatsächlich als bestehend angenommen 
werden kann. — Was ist aber hieraus zu folgern? 

Um zur Liebig'schen Anschauung von der Gährung zu 
gelangen, müsste man offenbar einerseits nachweisen, dass Gäh- 
rung und Wachsthum der Hefe nicht identische, also auf irgend 
eine Weise von einander zu trennende Eigenschaften wären, 
andererseits eine Beziehung der Gährung zu anderen ferment- 
^Ttigen Eigenschaften der Hefe feststellen. Gelingt nur das letz- 
tere, so haben wir es nach wie vor mit einer — wie ich schon 
früher zugestanden habe — zwar möglichen Hypothese zu thuu ; 



1) Die Vernichtung des Gährungsvermögens der Hefe durch Blausäure 
scheint mir, wie schon früher angedeutet, eine wirkliche Tödtung zu sein. 
Einerseits ist mir es niemals gelungen , durch langsames Ahdampfen der 
Blausäure bei niederer Temperatur nachträglich Gährung hervorzurufen. 
Andererseits ist durch Blausäure gährungsunfähig gemachte Hefe auch nach 
Ersetzen der blausäurehaltigen überstehenden Flüssigkeit durch neue Gäh- 
rungsflüssigkeit unfähig, von Neuem Gährung zu veranlassen. Nur wenn die 
Gährung nicht völlig unterdrückt war , tritt in diesem Falle Gährung ein, 
aber auch dann nur nach Massgabe der verschont gebliebenen Hefezellen. 



289 



aber Fruchtbarkeit und darum Werth kann dieselbe nur dann 
beanspruchen, wenn sie sich auf irgend einen empirischen Beleg 
stützt. Auch, wenn der Nachw^eis, dass die Hefe unter allen 
Umständen genau in demselben Moment katalytisches Vermögen 
und Gährungsvermögen einbüsst, mit voller Exactheit erbracht 
wäre, so würde dies höchstens so viel bedeuten, als dass ge- 
wisse Fermentthätigkeiten derHefe voraussichtlich 
eine vermittelnde Rolle für die Zuckerzerspaltung 
spielten, ähnlich wie die mit gewissen Fermentthätigkeiten be- 
gabten Blutkörperchen bei der thierischen Athmung sich noth- 
wendig betheiligen — eine Folgerung, gegen die wir von unserem 
Standpunkte aus durchaus Nichts einzuwenden haben würden, 
und in der eine Vereinigung der Schaer'schen Anschauung mit 
der meinigen möglich erscheint. Im Gegentheil, ich würde eine 
jede solche wissenschaftliche Detailirung des Gährungs Vorgangs 
mit Freuden begrüssen. Es kommt mir nur darauf an, bis ein 
gegentheiliger Beweis vorliegt, die mir durch die Erfahrung noth- 
wendig aufgedrungene Anschauung zu betonen, dass die Gährung 
keine unabhängig von der Fortentwicklung der Hefe nach Aussen 
hin stattfindende Erscheinung sei (wie dies für die Zuckerinter- 
vertirung andererseits nachgewiesen ist), die etwa durch ein nach 
Aussen hin abgeschiedenes chemisches Ferment vollzogen wer- 
den könne. 

Ich bin andererseits weit entfernt, mit den eben angeführten 
Versuchen einen Beitrag liefern zu wollen zur Lösung der ver- 
wickelten Aufgaben, denen sich mit bewunderungswürdiger Ge- 
duld Schönbein und nach ihm Schaer unterzogen haben. Ich 
habe den ungeheuren Wust der dahin gehörigen Thatsachen nur 
soweit durchstöbert, bis ich die Gewissheit erlangt hatte, dass 
in denselben Nichts verborgen war, was der mir gestellten Auf- 
gabe förderlich zu sein versprach, obgleich die Schaer'schen 
Andeutungen wichtige Funde verheissen hatten. 

Nach dem Mitgetheilten wird man mir wohl alles Recht zu- 
gestehen müssen, den neuesten Versuch, die alkoholische Gäh- 
rung aus dem Gesichtspunkte der chemischen Fermentwirkungen 
erklären zu wollen, einstweilen als gescheitert zu betrachten, und 
gezwungen sein, bis Versuche, welche das Gegentheil beweisen, 

Landw. Versuclis-Stat, XVI. 1S7J. 19 



290 



vorliegen, jene Erscheinung als mit der Hefeentwicklung durchaus 
untrennbar und innig zusammengehörend,, anzusehen. 

2. lieber den Einfluss des Luftzutritts auf die alkoholische 

Gährung. 

Ich habe schon in der nächst früheren Veröffentlichung her- 
vorgehoben , dass vor Allem das constante Verhältniss zwischen 
zerlegtem Zucker und ueugebildeter Hefe auf die innige Zusam- 
mengehörigkeit der beiden Processe, Gährung und Hefe Vegetation, 
hindeute, und habe mehrere Beispiele angeführt, in denen jenes 
Verhältniss nur sehr wenig variirt. Ich bin nunmehr im Stande, 
weitere und werthvollere Beiträge in dieser Kichtung zu geben, 
wo unter sehr verschiedenen Verhältnissen ein nahezu constantes 
Verhältniss zwischen beiden Grössen obwaltet. Es wurden eine 
Reihe von Parallelversuchen mit je 150 CG. Zuckerlösung, die 
mit den nöthigen Zusätzen versehen war, augestellt. Es ist dies 
dieselbe Versuchsreihe, in der auch die schon erwähnten Ver- 
suche mit Blausäurezusatz vorgenommen wurden. Zwei Versuche 
wurden zunächst angestellt, um die Pasteur'sche Angabe 2), 
nach welcher der Luftzutritt auf den Verlauf der Gährung einen 
so grossen Einfluss äussern und namentlich das Verhältniss von 
zersetztem Zucker und neugebildeter Hefe ganz und gar ver- 
ändern sollte, zu prüfen. Pasteur hatte in Bezug auf dieses 
Verhältniss angegeben, dass die Hefe bei reichlichem und unge- 
hindertem Luftzutritt sehr üppig vegetire, ohne entsprechend 
Zucker umzusetzen, dass sie umgekehrt bei Luftabschluss sich 
nur schwach vermehre, aber eine sehr intensive Gährung ver- 
anlasse. Man erinnert sich, dass gerade auf dieses Verhalten 
von Pasteur eine Art von Gährungstheorie begründet worden 
ist, indem er dem Hefepilz ein Bedürfniss nach Sauerstoff' vin- 
dicirte, das er nur im Falle des Abschlusses des freien Sauer- 
stoffs der Luft mit Hülfe des Sauerstoffs des Zuckers befriedige 
und eben dadurch jenen gewaltsamen Act der Gährung veran- 



1) Vergl. Landw. Versuchs-Stat. 1871. B. XIV, p. 47, Aum. 

2) Vergl. Conipt. rend. T. 52, p. 1260. 



291 



lasse. Auch seine neueste allgemeinere Gährungstheorie ist auf 
eine ähnliche Weise gebildet. Nach meiner Auffassung ist der 
Zuckerumsatz ein während des Wachsthums des Pilzes und 
dessen Celluloseablagerung nothwendig stattfindender Process, 
ein Analogon zur Sauerstofifathmung der höheren Pflanzen, und 
icii habe es dahin gestellt sein lassen, ob für den Hefepilz die 
von Pasteur behauptete, aber theoretisch nicht gerade wahr- 
scheinliche Eventualität der Athmung von freiem Sauerstofi" 
bestehe . 

Nachdem alle Apparate mit der gleichen Versuchsflüssigkeit 
gefüllt, mit einer minimalen Aussaat rein gezüchteter Hefe ver- 
sehen und an einem etwa 22^ C. warmen Orte aufgestellt waren, 
begann die verschiedene Behandlung. Nr. I und II waren mit 
einer Vorrichtung versehen, zu jeder Zeit Gas durch die Ver- 
suchsflüssigkeit zu leiten, ohne dass ein erheblicher Verlust an 
Alkohol eintreten konnte. Durch Nr. I wurde durchschnittlich 
dreimal täglich ein getrockneter und geglühter Luftstrom geleitet, 
durch Nr. II zu Anfang des Versuchs und dann immer, wenn 
die Möglichkeit gegeben war, dass Luft die Kohlensäureatmo- 
sphäre dieses Apparates verunreinigte, ebenso behandelte Koh- 
lensäure. Apparat Nr. III und IV behielten die in ihnen ent- 
haltene Luft, bis dieselbe durch die sich aus der gähreuden 
Flüssigkeit entwickelnde Kohlensäure verdrängt war, und können 
also zur Vergleichung dienen. Die Bestimmung der entweichen- 
den Kohlensäure war bei der Vorrichtung, welche die Apparate 
besassen, nicht genau genug, um mehr zu geben als den An- 
haltspunkt, dass die Gährung in den vier verschiedenen Apparaten 
ziemlich gleichmässig fortschritt. Dagegen w^urden beim Ab- 
schluss der Versuche genaue Bestimmungen des gebildeten Alko- 
hols, des unvergohrenen Rückstands, der gebildeten Hefe vorge- 
nommen, und ebenso der saure Titer der Gährungsflüssigkeit 
festgestellt. Hierdurch hatte man Daten genug in der Hand, 

1) Auch in diesem Falle hätte selbstredend, ist anders die von mir ver- 
tretene Anschauung eine zulässige, ein constantes Verhältniss zwischen Hefe- 
vermehrung und verathmetem Zucker bestehen müssen, das von jenem an- 
dern nach Massgabe der in beiden Fällen gelösten Spannkräfte ein verschie- 
denes hätte sein müssen. 

19* 



292 



um in den ganzen Verlauf der Gährung und namentlich in das 
Verhältniss zwischen Gährungs- und Vegetationsintensität einen 
genügenden Einblick zu erlangen. 

Am 2. März waren die Versuche in Gang gesetzt worden^ 
am 16. März wurde Versuch Nr. III unterbrochen, Alkohol und 
Hefe bestimmt und dann die Flüssigkeit, die beim Abfiltriren 
der Hefe nur sehr wenig mit Wasser verdünnt worden war, von 
Neuem der Gährung überlassen, zu deren Einleitung die zufällige 
Hefeaussaat, die noch im Apparat geblieben war, genügte. Am 
25. März wurden die beiden ersten, am 17. April die übrigen 
Versuche unterbrochen. In dieser letzten Periode war die Gäh- 
rung so schwach, dass im Ganzen nur 1 — IV2 Grm. Kohlen- 
säure entwickelt wurde, während in den 150 CC. Gährungs- 
flüssigkeit von Anfang 22,5 Grm. Zucker vorhanden war. 

Die gebildeten Mengen Alkohol betrugen : 



8,97 Grm. 



II III 

25. J^IäTz 16. März 

8,23 Grm. 6,67 Grm. 

17. April 
9,18 Grm. 

Die gebildete Menge Hefe betrug: 
I II III 

16. März 
0,135 Grm. 

17. April 
0,172 Grm. 



IV 

17. April 
8,97 Grm. 



25. März 
0,166 Grm. 0,129 Grm 



IV 

17. April 
0,124 Grm. 



Rückstand bei 110^ C. war vorhanden: 
I II III 



IV 



25. März 
5,16 Grm. 6,63 Grm. 



17. 

4,26 Grm. 



A p r i 1 

4,70 Grm. 



Man erkennt aus diesen Angaben deutlich, dass der Einfluss 
der Sauerstoffzufuhr auf die Gährung ein unbedeutender und 
keineswegs ein solcher ist, wie mau nach den Pasteur'schen 
Mittheilungen hätte vermuthen sollen. Ob die etwas raschere 
Vergährung in Nr. I wirklich der Sauerstoffzufuhr zuzuschreiben 
ist, lasse ich unentschieden, da bei derartigen Versuchen eine 
untergeordnete Differenz wenig zu bedeuten hat. Allerdings 



293 



sprechen die Resultate einiger Lüftungsversuche dafür ^) , doch 
darf man nicht vergessen, dass man es dort mit weit complicir- 
teren Verhältnissen zu thun hat, und dass namentlich in manchen 
Fällen das Einführen von Pilzkeimen aus der Luft, sow^ie auch 
rein chemische Einwirkungen in Betracht kommen können 2). 

Das Verhältniss von neugebildeter Hefe zum Zuckerumsatz, 
welchen letzteren wir am Besten durch den entstandenen Alkohol 
messen, gestaltet sich in den verschiedenen Fällen folgender 
Massen. Wir wollen dabei die Hefe in Procenten des Alkohols 
ausdrücken. 

I II III IV 

25. März 16. März 17. April für den früher citirten Ver- 

l,840/o 1,570/0 2,030/0 l,380/o such mit Blausäure würde 



Man sieht, dass das Verhältniss jener Grössen bei I und II 
€twas verschieden ist, doch nicht verschiedener, als das Verhältniss 
bei III und IV, die ja bis zum 16. März als völlig gleichbehan- 
delte Versuche anzusehen sind. Nimmt man hiezu die schon 
früher mitgetheilten Verhältnisszahlen , welche in derselben Weise 
ausgedrückt bei etwas verschiedener Ernährung 2,0 o/^ und ähn- 
liche Werthe betragen, so muss man gestehen, dass es voreilig 
wäre, auf jene Unterschiede zwischen I und II einen allzu- 
grossen Werth zu legen. Aber die Entscheidung hierüber, die 



1) Vergl. Annal. d. Oenologie I, p. 21, 215, 408. 

I 2^ Es ist hier nämlich zu berücksichtigen, was meistens ganz ausser Acht 

gelassen wird, dass der natürliche Traubensaft ein Gemenge von sehr ver- 
schiedenartigen Substanzen, deren Natur wir nicht einmal alle kennen, dar- 
stellt, und dass daher die Hypothese, die man fast durchgehends stillschwei- 

I gend macht, der Einfluss der Lüftung müsse in einer directen Beziehung zur 
Gährung selber stehen, eine ungerechtfertigte ist. Wir wissen vielmehr mit 

• Bestimmtheit , dass durch den Process der Lüftung Substanzen (wie man 

I "bewiesen haben will, proteinartiger Natur) abgeschieden werden , dass also 

j »eine rein chemische Wirkung bei derselben stattfindet, so dass eine indirecte 
Beeinflussung vielleicht als die wahrscheinlichere Annahme betrachtet wer- 

i, <den kann. Dazu hat nach Neubauer Lüftung mit anderen Gasen ähnliehe 
Urfolge gehabt. 

» 3j Vergl. Landw. Versuchs- Stat. XI, p. 458. 



17. April 
l,S7 0/o 



dies Verhältniss 1,53% be- 
tragen. 



4 



294 



durch spätere zahlreichere Versuche ohne Zweifel gegeben wer- 
den wird und mit Rücksicht auf die praktische Bedeutung des 
Gegenstandes für die Methode der Lüftung des Weinmostes aller- 
dings sehr erwünscht wäre, mag ausfallen, wie sie will, jeden- 
falls sind die constatirten Unterschiede zu gering, um als eine 
Bestätigung der Pasteur'schen Angaben dienen zu können i). 
Ich betone dabei besonders, dass die beobachteten Gährungen 
durchaus normale durch keine fremden Organismen gestörte wa- 
ren. Dies wird bewiesen durch das richtige Verhältniss zwischen 
Alkohol und Kohlensäure, durch die Reinheit der nach Beendi- 
gung der Versuche vorgefundenen Hefe und durch den nur 
schwach sauren und in allen Fällen gleichen Titer (7 CG. 
Normallösung für die gesammte vergohrene Flüssigkeit). Wir 
sind also befähigt auszusprechen, dass beim Hefepilz (spe- 
ciell Bierhefepilz) die directe Sauerstoffathmung nicht 
im Stande ist, in irgend wie erheblichem Grade für 
die Spaltung des Zuckers in die bekannten Gäh- 
rungsproducte einzutreten, so dass auch unter dem Ein- 
fluss des Sauerstoffs die Neubildung von Hefesubstanz nahezu 
dem Zuckerumsatz (und zwar in dem gleichen Verhältniss) pro- 
portional bleibt 2). 

Ich brauche nicht dafür zu plaidiren, wie sehr auch diese 
Versuche für die unmittelbare Zusammengehörigkeit von Gährung 
und Hefevegetation sprechen, und habe nur noch auf das Resultat 
des Versuchs Nr. HI aufmerksam zu machen, aus dem das 
Gleiche hervorgeht. Wenn die alkoholische Gährung nach ein- 
mal gegebenem Anstosse durch Hefevegetation auch nun ohne 
erhebliches weiteres Wachsthum des Pilzes sich fermentartig auf 



1) Die Unterschiede können naöglicher Weise durch. Begünstigung anderer 
Hefespecies , die sich in dieser Hinsicht anders verhalten als der Bierhefe- 
pilz, herbeigeführt worden sein. Vergl. in dieser Hinsicht Annal. d. Oeno- 
log. B. n, p. 159. 

2) Auf Pasteur's neueste Theorie von einer ähnlichen Correlation zwi- 
schen Sauerstoffathmung anderer Organismen und deren Fähigkeit, alkoho- 
lische Gährung zu veranlassen, haben die hier mitgetheilten Versuchsresultate 
natürlich noch keinen Einfiuss. Jene wird durch eigene Experimente zu 
prüfen sein. 



295 



eine Flüssigkeit fortpflanzen könnte, so wäre kein Grund dafür 
vorhanden, warum nun nach Entfernung der überwiegenden 
Menge von Hefe ein ähnliches Verhältniss zwischen Gährung 
und Vervielfältigung der Hefe obwalten sollte. Aber wir sehen, 
dass auch dann dieses Verhältniss nahezu bestehen bleibt. Das- 
selbe ist beim Versuch HI in der ersten Periode 2,03 %, in der 
zweiten Periode allerdings nur 1,48%, so dass im Ganzen das 
Verhältniss 1,87 % resultirt. Diese Unterschiede sind keines- 
wegs grösser, als auch sonst beobachtet worden sind, und ich 
sehe diese Zahlen entschieden als eine Bestätigung an für die 
innige und unabänderliche Zusammengehörigkeit der beiden Pro- 
cesse. Gründe für derartige untergeordnete Abweichungen giebt 
es ja bei physiologischen Versuchen genug, und ich bin begierig, 
ob man bei höheren Pflanzen eine derartige Uebereinstimmung 
zwischen Neubildung von Organen und Athmung nicht als weit- 
aus genügend ansehen würde, um darauf die Behauptung ihrer 
Zusammengehörigkeit zu begründen. 

Dass dennoch unter gewissen Umständen, die freilich weit 
abliegen von den hier innegehaltenen, andere Verhältnisse be- 
stehen können zwischen Hefezuwachs und Zuckerumsatz, wird 
der 4. Abschnitt dieser Mittheilungen lehren. 

3. Ueber scheinbare HefeYerminderung bei der Gährung. 

Der zuerst von Pasteur mit Glück vertheidigten, jetzt ziem- 
lich allgemein geltenden Theorie der alkoholischen Gährung 
scheint ein Einwand von schwerem Gewichte gemacht werden 
zu können, der hier Gegenstand der Erörterung werden soll. Es 
scheint nämlich so, als wenn eine jede Gährung nach unsern 
Vorstellungen nothwendig mit einer Vermehrung der Hefe ver- 
bunden sein müsste, da ja eben Gährung geradezu als mit Er- 
nährung und Wachsthum der Hefepflanze als identisch bezeichnet 
wird. Nun sind aber, namentlich auch aus den Arbeiten Pa- 
steur's selbst, eine ganze Reihe von Gährungsverläufen bekannt, 
die mit einem absoluten Verluste von Hefesubstanz ab- 
schlössen, der in mehreren Fällen gar nicht unbeträchtlich zu 
nennen ist. Es ist allerdings zu beachten, dass neben dem Auf- 



296 



bau von Hefesubstauz ein Zerfall von solcher nebenher laufen 
kann, sei es durch fäulnissartige Processe, wie sie z. B. nach- 
gewiesener Massen die Weinhefe, noch überdeckt mit Weine, 
bisweilen erleidet, sei es durch den Process der »Selbstgährung 
der Hefe«, der am Schlüsse der Zuckervergährung bei Mangel 
an diesem Bestandtheil unter sonst günstigen Gährungsbedin- 
gungen ganz regelmässig eintritt. Aber durch diese Vorgänge 
ist die von uns ins Auge gefasste Erscheinung keineswegs voll- 
ständig erklärt, denn es sind der Beispiele genug verzeichnet, 
wo bei einem grossen Ueberschusse an Zucker doch Hefever- 
minderung eintrat. In diesem Falle hätten, auch abgesehen da- 
von, dass in solchen Fällen keine eigentliche Fäulniss beobachtet 
wurde, die durch etwaige Zerstörung von Hefe freigewordenen 
Bestandtheile vermuthlich wieder zum erneuten Aufbau dieses 
Organismus dienen können, und von einer Selbstgährung der 
Hefe kann unter diesen Umständen keine Rede sein. Wir lassen 
hierbei unberücksichtigt, dass möglicherweise wegen einer unge- 
eigneten chemischen Form der zersetzten stickstoffhaltigen Hefen- 
bestandtheile der Neuaufbau von Hefezellen aus den zerfallenen 
alten mit diesem Zerfall nicht gleichen Schritt halten könnte, 
und constatiren nur, dass das geschilderte Verhalten einer ein- 
gehenderen Untersuchung würdig erscheint. 

Suchen wir zunächst die hierhergehörigen Fälle aus den 
Arbeiten Pasteur's auf. Derselbe macht bei Ueberblickung 
derselben selbst auf den Umstand aufmerksam, dass alle Bei- 
spiele von scheinbarer Hefeverminderung solche sind, in denen 
das Gewicht der angewandten teigigen Hefe mehr wie 1 5 7o des 
zugesetzten Zuckers ausmacht, und kommt gerade aus diesem 
Grunde zu derselben Anschauung, der wir hier das Wort zu 
reden beabsichtigen. Wir reduciren seine Angaben auf 100 Theile 
Zucker ^) . 



1) Ann. d. chini. et phys. (3) T. 5S, p. 401. Hiermit stimmen auch 
einige Angaben Duclaux's in Betreff der Hefegewichtsveränderung nach 
der Gährung ungefähr überein, welche, in derselben Weise dargestellt, sich 
folgender Massen präsentiren. 



297 







nacn aei 


a r\ ^» ^ ^ <TP 

vjraul Ung 




frische Hefe. B. trockene Hefe. 


C. Hefe. 


D Extract. 


C+D — B. 


90 (»00 

XU} \J\J\J 




3,230 


2,320 


0,924 


20,000 


4,426 


4,002 


1 ,b3b 


1,214 


13,700 


2,626 


2,965 


0,964 


1,303 


10,000 


2,313 


2,486 


1,080 


1,253 


9,390 


2,3S0 


2,950 


0,665 


1,235 


6,254 


1,198 


*-l,700 


0,631 


1,133 


Die rohe Hefe, 


wie sie zu 


deu Versuchen verwendet wurde. 



enthielt eine gewisse Menge von Extractbestandtheilen, die nicht 
mit gesammelt wurden, wenn man die Hefe in der vergohrenen 
Flüssigkeit durch Abfiltriren bestimmte. Wenn man dagegen die 
Extractbestandtheile der vergohrenen Flüssigkeit nach Gewinnung 
von Bernsteinsäure und Glycerin zu der Menge von gewonnener 
Hefe addirt, so erhält man immer einen Ueberschuss, der nach 
Paste ur's Auffassung für die in allen F'ällen stattgefundene 
Neubildung von Hefe spricht. Nun ist es allerdings durchaus 
nicht erwiesen, dass jene Extractivstoffe alle der rohen Hefe 



auf 100 Theile Zucker nach der Gährung 

frische, trockene Hefe Hefe 



100 17,32 14,02 

50 8,66 8,51 

25 4,33 4,78 

12,5 2,!6 2,68 



Hier scheint, nach der frischen Hefe gemessen , jene Grenze allerdings 
beträchtlich höher zu liegen. Es bleibt aber zu beachten , dass die von 
Duclaux verwendete Hefe etwas ärmer an Trockensubstanz Avar als die 
Pa steur'sche, so dass sich dadurch die Resultate der Beobachtungen etwas 
näher rücken. — (Vergl. Duclaux: Theses, presentäes ä la faculte d. scien- 
ces de Paris, 1865 p. 44). In seinen übrigen Zahlen hat Duclaux fast 
immer Hefevermehrung gefunden, auch wenn verhältnissmässig viel Hefe an- 
gewendet wurde, so dass er eine an Extractstoffen ärmere Hefe zu seinen 
Versuchen verwendet zu haben scheint. So fand er beispielsweise auf 100 
Zucker 

Hefe (trocken) 
vor nach 
der Gährung 
6,157 8,5 
2,08 3,42 
1,23 3,58 
und ähnliche Zahlen (vergl. ebenda p. 39 u, f.). 



298 



entstammen ; es können dieselben Stoffwechselproducte des Hefe- 
organismus sein, die wir noch nicht gelernt haben wie die Bern- 
steinsäure und das Glycerin zu gewinnen. Doch ist die so ge- 
wonnene Extractmenge (einige Schwankungen unberücksichtigt 
gelassen) der angewendeten Hefemenge proportional und nicht 
der Menge des vergohrenen Zuckers; und der Ueberschuss, der 
sich ergiebt, wenn man jenen Extract als zu den Bestandtheilen 
der rohen Hefe gehörig in Anspruch nimmt (vergl. Colonne 
C-f-D— B), ist in allen Fällen einander nahezu gleich, was für 
einen regelmässigen Zuwachs der Hefe proportional der Menge 
des vergohrenen Zuckers spricht. 

Ich selbst habe nun einige Versuche mit sehr reiner Press- 
hefe angestellt und Folgendes gefunden. Die von mir verwen- 
dete Presshefe enthielt 

39,8% unlösliche Bestandtheile 
1,10/0 Extract 

das Uebrige war Wasser. In diesem Falle war die Extractmenge 
klein und konnte keinen grossen Fehler involviren. 100 Theile 
der frischen Hefe Hess ich mit 150 Theilen Zucker vergähren, 
also in einem Verhältniss, in welchem nach den Paste ur'schen 
Beispielen um so mehr Hefeverminderung hätte eintreten müssen, 
als ich eine viel wasserärmere Hefe verwendete, also ungefähr 
so die Verhältnisse wählte, als hätte ich von der Pasteur'- 
schen Hefe 120 Theile auf 100 Zucker verwendet. 

Nach der Vergährung konnte ich nun 41,6 Theile trockner 
Hefe sammeln, so dass sich dieselbe also absolut vermehrt hatte. 
Der geringe Verlust an Extract, den dieselbe erleiden konnte, 
wurde mehr als aufgewogen durch die Neubildung, welche dem 
Zuckerumsatz proportional erfolgen musste. Der Selbstgährung 
mit blossem Wasser überlassen, verminderte dieselbe Presshefe 
ihre unlöslichen Bestandtheile auf 32,3%; während 6,3% in ^ 
Lösung gefunden wurde. Uebrigens konnte in diesem Falle kein 
Alkohol in erheblichen Mengen in der Flüssigkeit nachgewiesen 
werden, so dass wir es mehr mit einer fortgesetzten osmotischen 
Extraction der Inhaltsstoife der Hefezellen zu thun haben. 

Meine Versuche bestätigen also die Annahme Pasteur's, 
dass der scheinbare Verlust an Hefe bei Gährungen mit viel Hefe 



299 



Yon dem Extractgehalt der zugesetzten Hefe herrührt, indem der- 
selbe beim Aufsammeln der Hefe nach der Gährung nicht wieder 
mit gewonnen wird, dass aber bei keinerlei Gährung an 
sich eine wirkliche Verminderung von organisirter 
Hefesubstanz eintritt, wie dies früher das Resultat des 
bekannten Thenard'schen Versuchs wahrscheinlich gemacht 
hatte. 

Die aufgeworfene Frage, die namentlich von vielen in der 
Gährungschemie Unbewanderten mit Misstrauen berührt wird, 
wird wohl hiermit als erledigt betrachtet werden können. 

4. lieber das Yerhältniss zwischen Zuckerumsatz und 

HefeneuMldung. 

Bei Gelegenheit der Besprechung des ebenbehandelten Gegen- 
standes und des zu seiner Erledigung unternommenen Versuchs 
möchteich überhaupt auf die Constanz des Verhältnisses 
zwischen Hefeneubildung und Gährungsintensität 
nochmals zurückkommen. Dieselbe besteht bei sehr erheblicher 
Variation aller Ernährungsbedingungen des Hefepilzes ; denn wird 
derselbe in irgend einer Beziehung schlecht ernährt oder sonst 
auf irgend eine Weise in seiner Vegetation gehemmt, so leidet 
mit der verhinderten Neubildung von organisirter Hefesubstanz 
auch zugleich die Zerspaltung des Zuckers in Alkohol und 
Kohlensäure Noth. So habe ich vorhin Versuche mitgetheilt ^) , 
aus welchen erhellte, dass die Sauerstoffzufuhr keinen erheb- 
lichen Einfluss auf die Gährung als solche hat, und dass auch 
das Verhältniss zwischen neugebildeter Hefe und zersetztem 
Zucker unter diesen verschiedenen Umständen nahe dasselbe 
bleibt. Hieran in einem gewissen Sinne anschliessend, möchte 
ich noch über das Resultat einiger anderer Versuche berichten, 
in welchen bei gleichbleibendem Zuckergehalt in der Gährungs- 

1) Vergl. auch Landw. Versuchs- Stat. B. XIV, p.474. Daselbst ist ein. 
sinnstörender Schreibfehler zu berichtigen, indem da, -wo es sich um das Ver- 
hältniss zwischen Alkohol und Hefe handelt, von dem Verhältniss zwischen 
Alkohol und Kohlensäure die Rede ist. — Dieselben Versuche sind ausführ- 
licher am Schluss de^ vorliegenden Abschnitts dieser Mittheilungen reproducirt. 



300 



fltissig'keit in Bezug auf die übrigen Nährstoffe variirt und da- 
bei das Verhältniss zwischen gebildetem Alkohol und Hefe fest- 
gestellt wurde. Als stickstoffhaltiger Nährstoff dienten in diesem 
Falle Peptone, welche aus geronnenem Eiereiweiss mittelst der 
Magenschleimhaut eines Hundes gewonnen und durch Dialyse 
gereinigt waren. Die so erhaltenen Peptone konnten allem An- 
schein nach nicht ihrer ganzen Masse nach zur Hefeernährung 
dienen, denn es war trotz einem ansehnlichen Zusatz an diesen 
Stoffen die Intensität der Gährung und die Mengen des endgültig 
vergohrenen Zuckers sichtlich durch die Menge des zugesetzten 
Peptons bestimmt. Als Aschenbestandtheile wurden wie in den 
meisten andern von mir angestellten Versuchen saures phosphor- 
saures Kali und schwefelsaure Magnesia verwendet. 

Die Versuche wurden mit 200 CG. 15% Zuckerlösung an- 
gestellt, ausserdem war in den Flüssigkeiten enthalten: 

Peptone saures schwefelsaure 

(wasserfrei) phosphors. Kali Magnesia (kryst.) 

Grm. Grm. Grm. 

Versuch Nr. I 0,5 1 0,5 

» Nr. II 0,3 0,6 0,3 

Die zugesetzten Mengen von Pepton sind allerdings wenigstens 
im zweiten Falle geringer, als ich sie sonst wohl zu geben 
pflegte, aber doch hätte man bei einem durchweg wirksamen 
Präparat (nach früheren Erfahrungen höhere Gährungsintensität 
erwarten dürfen, als sie thatsächlich beobachtet wurde. Die 
Aussaat wurde in öfters beschriebener Weise in minimalen Men- 
gen mit Presshefe vorgenommen. 

Die Menge des in beiden Fällen nach der Beendigung einer 
sichtbaren intensiveren Gährung entstandenen Alkohols und der 
gebildeten Hefe waren folgende: 

Alkohol Hefe Hefe in Proc. des Alkohols 
Grm. 

Nr. I 8,78 0,181 2,06 

Nr. II 4,78 0,107 2,24 

Zunächst sieht man — was nach den eben vorausgeschickten 



1) Vergl. z. B. meine Abhandlung Landw. Versuchs-Stat. XIV, 35, Ver- 
such Nr. III, wo ein ziemlich wasserhaltiger Körper verwendet wurde. 



301 



BemerkuDgen leicht verständlich ist — , dass auch im ersteven 
Falle nur etwas mehr als die Hälfte der vorhandenen 30 Grm. 
Zucker der Vergährung unterlagen. Die Gährung war in ihrer 
Intensität durch die Mengen vorhandenen stickstoffhaltigen Nähr- 
materials begrenzt'), und in Folge dessen wurde auch im zweiten 
Versuche, in dem wenig mehr als die Hälfte Pepton vorhanden 
war, auch nur wenig mehr als die Hälfte Alkohol vorgefunden. 
Weiter variirte Versuche derselben Eeihe, von denen ich an die- 
sem Orte keinen Gebrauch mache, lehren genau dasselbe. 

Ausserdem aber erkennt man durch Vergleich der ermittelten 
Zahlen, dass sich die Production von Hefe in einem ganz ähn- 
lichen Verhältnisse vermindert hatte. Dieselbe beträgt 2,06 7o 
und 2,24% des entstandenen Alkohols,, während in andern Ver- 
suchen dieses Verhältniss zwischen 1,38 und 2,03 gefunden 
wurde 2). Es muss hiezu noch bemerkt werden, dass die auf- 
gesammelte Hefe in unsern beiden Fällen etwas verunreinigt 
war durch einen Körper, der sich beim Erhitzen der ursprüng- 
lichen Gähruugsflüssigkeiten ausgeschieden hatte und welcher 
den Peptonen entstammte oder aus deren Wechselwirkung mit 
den zugesetzten Aschenbestandtheilen resultirte. Auch wurde die 
Grösse dieses Fehlers berechnet aus einer Bestimmung der aus- 
geschiedenen Substanz in einem Gemisch, in welchem keine 
Gährung stattgefunden hatte. Nach Abzug von 46 Mgrm. der 
ausgeschiedenen Substanz in Nr. I bleiben noch 0,135 Grm. Hefe, 
was 1,54% des erzeugten Alkohols beträgt; nach Abzug der 
entsprechenden Menge in Nr. H von 28 Mgrm. bleiben noch 0,079 
Grm. wirklicher Hefe, so dass hier das Verhältniss auf 1,65% 
herabgedrückt wird. Jedenfalls findet durch die Correction eine 
Annäherung beider Verhältnisse statt, und dieselben bleiben noch 
innerhalb der sonst gefundenen Grenzen. 

Was dann die Constanz des Verhältnisses zwischen Zucker- 
zerspaltung und Hefeneubildung unter den verschiedensten Ver- 

1) Dass die Verminderung der Aschenbestandtheile an der geringen Gäh- 
rungsintensität keinen Antheil hat, ist durch frühere Versuche von mir be- 
wiesen ^yorden. Vergl. Versuch Nr. II in meinen »Untersuchungen über die 
alkoholische Gährung 1869« p. 29, 30 u. Taf. II. 

2) Vergl. Landw. Versuchs- Stat. XIV, 474. 



302 



liältnissen betrifft, so sind hierfür noch die von Pasteur er- 
mittelten Zahlen zu berücksichtigen, welche 1,0 — 1,7%, in einer 
specielleren Reihe von Fällen 1,2 — 1,5 7o Hefe vom zersetzten 
Zucker 1), also etwa 2,0 — 3,4% vom gebildeten Alkohol betra- 
gen , mithin etwas höher sind , als die meinigen 2) . Auch die 
neuerdings von Fitz^) für die Vermehrung von »Mucor-Hefe« 
(siehe a. a. 0.) gelieferte Zahl : 1,93 % des umgesetzten Zuckers, 
also etwa 3,9% des gebildeten Alkohols, würde noch wesentlich 
mit den andern stimmen, namentlich wenn man die Bemerkung 
des Experimentators berücksichtigt; dass diese Grösse beeinflusst 
wird durch die bei Anwesenheit von Sauerstoff be- 
günstigten Mycel Vegetationen des Pilzes. Kurz man könnte 
wohl geneigt sein, den ganz allgemeinen Ausspruch zu thun, dass 
bei der alkoholischen Gährung die Zerspaltung des Zuckers in 
Alkohol und Kohlensäure fast genau proportional erfolgt der 
Neubildung von Hefesubstanz, gleichviel welcher Organis- 
mus immer gerade diese Hefe abgiebt und wie die Er- 
nährungsbedingungen desselben sind, und dass das Verhältniss 
etwa schwanke von 1,5 — 3% Hefesubstanz vom neugebildeten 
Alkohol, also im Maximum etwa das Doppelte voin Minimum. 

Allein dieser Verallgemeinerung stehen sehr gewichtige That- 
sachen, zunächst aus der Praxis der Hefefabrication entgegen, 
auf welche meines Wissens in diesem Zusammenhange noch 
nicht hingewiesen worden ist. Ich habe mir, eben um die Rich- 
tigkeit der von mir erörterten Verhältnisszahlen für die verschie- 
densten äusseren Umstände zu prüfen, aus Hefefabriken Angaben 
über durchschnittliche Hefe- und Spirituserzeugung zugehen lassen. 

1) Vergl. Ann. d. chim. et phys. [3] T. 58, p. 356, 4Ül et 404. 

2) Eine gewisse Abhängigkeit jenes Verhältnisses — obwohl innerhalb 
sehr enger Grenzen — von dem früheren oder späteren Stadium des Gäh- 
rungsverlaufes wird freilich besonders durch meine Versuche angedeutet, in 
sofern als im Anfang einer Gährung der Procentsatz der Hefeerzeugung ein 
etwas höherer zu sein scheint, und etv\'as Aehnliches wird auch durch ge- 
wisse Versuchsresultate von Duclaux wahrscheinlich gemacht (Theses, pr6- 
sentees ä la faculte des sciences de Paris par Duclaux 1S65 p. 22). Doch 
es handelt sich hier , wie gesagt , um viel geringere Unterscliiede , als die, 
auf welche ich in Folgendem aufmerksam machen möchte. 

3j Berl. Berichte 1873. Febr. p. 56. 



303 



Die Angaben lauten dahin, dass dem Gewichte nach beinahe 
ebenso viel Presshefe genommen werden kann als Spiritus, und 
wenn diese Presshefe auch sehr viel wasserhaltiger ist als der 
Spiritus und dazu noch z. B. mit Stärkemehl versetzt und be- 
schwert sein mag, so sind doch diese Zahlen unter keinen Um- 
ständen mit den Kesultaten von Pasteur und mir im Kleinen 
in Uebereinstimmung zu bringen. — Auch nach den Lehrbüchern 
über Spiritus- und Presshefefabrication gewinnt man aus dem 
Getreideschrote 10 und mehr % Hefe von nur 50 — 60 Wasser- 
gehalt und frei von Stärkemehl, woraus das Nichtstatthaben des 
von uns im Kleinen so regelmässig constatirten Verhältnisses 
ohne Weiteres hervorleuchtet. Auf den Alkohol berechnen 
Märcker und Schulze sogar 28,6% trockener Hefe. Ja man 
spricht in solchen Werken geradezu den Satz aus, dass die Hefe- 
erzeugung nicht abhängig sei von der zersetzten Zuckermenge, 
sondern im Gegentheil von der sonstigen Hefepilzernährung ^) , 
namentlich durch stickstoffhaltige Stoffe. Oder wenn — wie 
dies von Balling geschieht — die Menge der neuerzeugten 
Hefe als abhängig vom umgesetzten Zucker erachtet wird, so ist 
doch das Verhältniss ein ungleich viel engeres als das durch 
meine Versuche gefundene, nämlich 11% trockener Hefe, was 
also ungefähr das Fünffache, auf den erzeugten Alkohol berechnet, 
von jenem beträgt. — Endlich kommt hierzu noch die bekannte, 
aber ebenfalls noch nicht in dieser Richtung erörterte, Erfahrung 
bei der Weingähruug, dass hier die resuitirende Hefe auch einen 
sehr grossen Bruchtheil bildet von der Menge des umgesetzten 
Zuckers, so wenig auch gerade exacte Zahlen für diesen Zweck 
zu Gebote stehen mögen 2). \ 

Auf diesen merkwürdigen Widerspruch in neuerer Zeit wie- 
derholt aufmerksam geworden, habe ich denselben endlich zum 
Gegenstand einer experimentellen Erörterung gemacht. Ich bin 
dabei von der gCAvonnenen Anschauung ausgegangen, dass die 
Flüssigkeiten, wie sie sich in den Gährungsgewerben der alko- 

1) Stahlschmi.dt : Gährungschemie 1868. p. 377 u. a. and. O. 

2) So fand Blankenborn bei Lüftungsversuchen auf 31 Pfd. während 
der Gährung entwickelter Kohlensäure 14 Pfd. breiiger Hefe und ähnliche 
Verhältnisse (Annal. d. Oenologie I, p. 27, 217). 



304 



holischen Gährung darbieten, doch in irgend einem wesentlichen 
Punkte anders zusammengesetzt sein möchten, wie die künstlichen 
zu exacten Versuchen benutzten Compositionen, und dass in Folge 
hievon eben jenes Verhältniss sich anders herausstellt. 

So wurden zunächst zwei Versuche mit ausgekochtem Trau- 
benmost angestellt, der in der Menge von 190 CG. durch Hefe- 
pilzaussaat in Gährung versetzt wurde. In einem Falle geschah 
die Aussaat durch eine unwägbare Menge von frischer Weinhefe, 
die ganz vorwiegend aus Saccharomyces ellipsoideus bestand, in 
einem andern Fall durch gewöhnliche Bierhefe, ebenfalls in sehr 
geringen Mengen. Die Gährung trat in beiden Fällen bei Zim- 
mertemperatur rasch ein und wurde im zweiten Falle innerhalb 
weniger Wochen bis auf geringe kaum nachweisbare Keste von 
Zucker zu Ende geführt, während die Mostgährung mittelst Wein- 
hefepilzvegetation in derselben Zeit etwas unvollständiger abge- 
laufen war. 

Das Resultat bezüglich Zuckerumsatz und Hefebildung war. 

Gewicht des Gewicht der Verhältniss beider 
erzeugten erzeugten in Procenten 

Alkohols Hefe 

Grm. Grm. Proc. 

I (Sacch. ellips.) 13,11 2,38 18,2 

II (Sacch. cerev.) 15,2 2,04 13,4 

Es wurden also weit höhere Verhältnisse von neugebildeter 
Hefe erzielt, als je weder von Andern noch von mir in künst- 
lichen Nährstoffgemischen beobachtet worden war, und zwar 
Verhältnisse, die denen in der Praxis der Hefefabrication aus 
Getreidemaische erzielten ähnlich sind. 

Den aufgedeckten Widerspruch zu erklären , konnte einst- 
weilen noch nicht meine Aufgabe sein. Es genüge auf denselben 
hinzuweisen und zugleich auf die Art und Weise, auf die ver- 
muthlich eine Erklärung zu erlangen ist. Es ist offenbar eine 
solche nur möglich, wenn wir annehmen, dass ein principieller 
Unterschied in der Zusammensetzung der natürlichen, die alko- 
holische Gährung erleidenden Flüssigkeiten und uusern künst- 
lichen Gährungsgemischen besteht. Diesen tiefgreifenden Unter- 
schied aufzusuchen, wird es zweckmässig erst nach einer 



305 



genaueren Kenntniss der wirkliehen Nabrungsstoffe des Hefepilzes 
an der Zeit sein. 



III. üeber die Ursache der Essiggährung. 

Von 

W. T. Knieriem und Adolf Mayer. 

Wie über alle chemischen Vorgänge, die in die Gruppe der 
Gährungs- und Fäulnisserscheinungen hineinschlagen, lange die 
grössten Meinungsverschiedenheiten geherrscht haben und noch 
jetzt herrschen, so ist dies auch bei der Essiggährung der Fall. 

Obgleich der rohe Weinessig schon den Alten bekannt war 
und z. B. im alten Testament desselben schon Erwähnung ge- 
than wird, findet man über den Act der Entstehung des Essigs 
aus dem Weine erst am Anfang der neuern Zeit Notizen, und 
zwar wird die Essigbildung schon frühe als eine Art Gährung 
(Fermentatio) bezeichnet. 

Wenn mit diesem Namen eigentlich wenig gesagt ist, da 
selbst noch am Ende des 17. Jahrhunderts Digestion und Fer- 
mentation vielfach für identisch angesehen und beide Ausdrücke 
für chemische Action überhaupt gebraucht wurden , so wird die 
Essigbildung doch schon im Jahre 1669 von Becher neben die 
Alkoholgährung gestellt. Willis und Stahl sprechen sodann 
deutlich die Ansicht aus, dass ein in Zersetzung begriffener 
Körper diesen Zustand auch auf einen andern Körper übertragen 
könne — eine Anschauung, die. wie wir später sehen werden, 
in unseren Tagen in neuer Gestalt wieder aufgelebt ist. Kun- 
kel erwähnt im Jahre 1702 seiner Beobachtung, dass Schwefel- 
säure und starker Weingeist sowohl die Alkohol- als auch die 
Essiggährung hemmen . 

Aber erst seit dem Jahre 1785, wo Scheele das Schwächer- 



1) Siehe über diese historischen Notizen namentlich Kopp: Geschichte 
der Chemie, und Pasteur: Etudes sur le vinaigre. 1868 p. 41. 
Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 20 



306 



werden des Essigs an der Luft beschrieb, und der Abbe Rozier 
auf die Absorption der Luft während des Sauerwerdens der 
Weine aufmerksam machte, und auch Lavoisier bemerkt, dass 
bei der Essiggährung Sauerstoff aus der Luft zutrete , fing man 
an, der Essigbildung mehr von Seiten der Wissenschaft Auf- 
merksamkeit zu schenken, und begegnet seitdem in Bezug auf 
die Ursache des Vorgangs den verschiedensten Hypothesen, die 
je nach ihren Vertretern abwechselnd die Ueberhand gewannen. 

Zwei Umstände waren es jedoch namentlich , welche die 
Erklärung der Essigbilduug eine Zeit lang sehr erschwerten oder 
vielmehr verzögerten, erstens: die fortwährende Verwechs- 
lung der Essigsäure mit der Milchsäure (wie schon Pa- 
ste ur auf diesen Umstand aufmerksam gemacht hat) und dann, 
wie wir glauben, die Entdeckung Davy's, dass durch Pla- 
tinmohr aus Alkohol Essigsäure entstehe. 

Doch kam man nach der Entdeckung der letzteren That- 
sache andererseits wenigstens dem chemischen Theile des Vor- 
gangs wieder näher. Es hatte bis dahin nämlich unter den 
Chemikern die Ansicht geherrscht, dass der Alkohol bei seiner 
Oxydation Kohlensäure abgebe und dafür Sauerstoff aufnehme. 
Diese Ansicht wurde durch die Studien über die Oxydation des 
Alkohols durch Platinmohr, hauptsächlich durch die von Döber- 
einer aus dem Jahre 1823 berichtigt. Dieser zeigte, dass der 
Hauptsache nach 1 Atom Alkohol 4 Atome Sauerstoff aufnehme 
und 1 Atom Essigsäure und 2 Wasser gäbe nach der bekannten 
Gleichung: C^H'^O^ -f- 40 = C^H4 04 + 2HO, und dass daneben 
andere Producte, wie Essigäther, entständen. 

Bald nach diesen Arbeiten Davy's und Dö berein er's trat 
im Jahre 1829 Berzelius^) mit einer eigen thümlichen Theorie 
der Essigbilduug auf. Derselbe behauptete, dass ohne Zuthun 
eines Fermentes keine Essigbildung stattfände, und gab damit 
wieder einmal den Anstoss, die Essigbildung unter die Gährungs- 
processe zu reihen. Uebrigens glaubt er, wie man heutzutage 
aus dieser Ausdrucksweise zu schliessen geneigt sein könnte, 
nicht an die Mitwirkung eines Organismus, ist sich vielmehr 



1) Traitö de Chimie T. VI, p. 552. 



307 



noch nicht völlig über die Natur seines Fermentes im Klaren^). 
Seine Behauptung grii3:dete sich hauptsächlich auf die Beobach- 
tung, dass eine mit fertigem Essig angesäuerte Flüssigkeit sich 
viel besser zur weiteren Säuerung eigne, als dieselbe Flüssigkeit 
ohne Essigzusatz. Zugleich wies er auf die sich bildende Essig- 
mutter hin und schrieb den gelegentlich günstigen Einfluss der- 
selben dem Umstände zu, dass dieselbe in ihren Poren Essig- 
säure zurückhalte. Nach Berzelius ist also unter Umständen 
die Essigsäure selbst das Ferment. 

Bis zum Jahre 1839 war wohl die Ansicht von Berzelius 
-die fast von allen Chemikern angenommene, also bis zu dem 
Zeitpunkte, wo Liebig 2) mit seiner Theorie der Essigbildung auf- 
trat. Schon im Jahre 1835 hatte derselbe Forscher 3) eine Arbeit 
über die Oxydationsproducte des Alkohols veröffentlicht, in wel- 
cher er namentlich die Nebenproducte der Oxydation durch Pla- 
tinmohr einer näheren Untersuchung unterwarf. Der von Dö- 
bereiner Sauerstofifäther benannte Körper erwies sich nach 
Liebig als ein Gemenge von Acetal und Aldehyd. 

Die Möglichkeit der Bildung von Essigsäure mit Hülfe von 
Platinmohr schien Lieb ig ein Fingerzeig zu sein, jeden Ge- 
danken an einen physiologischen Process von vornherein ver- 
l3annen und den fraglichen Vorgang rein chemisch-physikalisch 
erklären zu müssen. Dieses Unternehmen führte er mit Hülfe 
der Theorie von der Mittheilung der chemischen Bewegung in 
der bekannten geistvollen Weise durch , indem er sich unver- 
kennbar den früher erwähnten Ansichten Stahl's bis zu einem 
gewissen Grade näherte. Da reiner Alkohol an der Luft nicht 
sauer wird, so ist die Gegenwart eines anderen Körpers nöthig, 
um den Säuerungsprocess möglich zu machen, und zwar in dem 
praktischen Falle der Essigbildung die eines organischen Kör- 
pers. Diese organische Materie nennt Liebig Ferment; es ist 
nach ihm ein stickstof fhaltige r hoch organisirter Kör- 
per, der an der Luft sehr leicht Veränderungen erleidet und 

Es werden nämlich ausser der Essigsäure selber noch gewisse Bestand- 
theile der ungenügend vergohrenen Weine als fermentartige Stoffe bezeiclmet. 
2) Annalen der Chemie und Pharmacie Bd. 30. 18ä9. 
3j Vergl. ebenda Bd. 14. 

20* 



308 



diese »chemische Bewegung ^ wie Lieb ig sie nennt, anderen 
veränderungsfähigen Verbindungen mittheilt. 

Zur Erhaltung der Eigenschaften des Fermentes ist vor 
allem Gegenwart von Wasser eine Bedingung, wohingegen die 
Siedhitze, starker Alkohol und einige schwere Metallsalze die 
Wirkungen desselben aufheben; ebenso wirken auch einige 
Alkaloide. 

Dieser Körper nun, mit alkohol. Flüssigkeit in Berührung, 
zersetzt sich und giebt hierdurch auch dem Alkohol-Molekül 
einen Anstoss zur Zersetzung, die jetzt rastlos weiter fortschreitet. 
Je mehr Sauerstoff dem Alkohol geboten wird, desto rascher 
»verwest« derselbe und bildet Essigsäure. 

Die Oxydation des Alkohols durch Platinmohr schien, wie 
gesagt, Lieb ig über die Art der Wirkung der organischen Ma- 
terie Klarheit zu verschaffen. Das verwesende Ferment wnrkt 
nach ihm wie Platinmohr, indem es den Sauerstoff condensirt. 
Genau ebenso wirken nach ihm bei der Schnellessigfabrication 
die Hobelspäne. Ein Theil des Wasserstoffs des Alkohols oxy- 
dirt sich zunächst zu Wasser ; es entsteht Aldehyd, welcher nun 
seinerseits in Essigsäure übergeht. 

Wenn wir die Ansichten von Berzelius und Lieb ig ver- 
gleichen, so finden wir, dass sie in einigen Punkten überein- 
stimmen, in anderen aber wesentlich von einander abweichen. 
Beide hielten die Anwesenheit eines Fermentes für nothwendig, 
dagegen waren ihre Ansichten über die Natur des Fermentes 
gänzlich verschieden. Nach Berzelius wirkte hauptsächlich 
der in den Poren von Essigmutter, saurer Hefe, oder auch sau- 
rem Brod enthaltene Essig gährungserregend : nach Liebig wirkte 
dagegen ein verwesendes organisches Ferment als Sauerstoff- 
überträger, ähnlich wie auch Platinmohr als Vermittler der gleich- 
artigen Oxydation des Alkohols dient. 

Im Uebrigen ist die Geschichte der Erkenntniss der Gäh- 
rungserscheinungen überhaupt auch im Speciellen die Geschichte 
unserer Anschauung über Essiggährung. Folgen wir derselben 
in grossen Zügen. 

Ungefähr gleichzeitig mit der besprochenen Arbeit Liebig's 
über die Oxydationsproducte des Alkohols veröffentlichten 1835 



309 



in Frankreich Cagniard- Latour und nur wenig später in 
Deutschland Schwann ihre Arbeiten über Gährungserscheinun- 
gen, namentlich über die Alkoholgährung. Beide fassten bekannt- 
lich die gewöhnliche Hefe als einen Organismus auf, und 
speciell Schwann widerlegte durch Versuche die bis dahin 
herrschende Ansicht Gay-Lussac's, dass die Gährungserschei- 
nungen schlechthin durch den Sauerstoff der Luft hervorgerufen 
würden, und zeigte, dass bei diesen Erscheinungen ein Organis- 
mus wesentlich mit thätig sei. 

Diese Arbeiten waren aus Gründen, die wir hier nicht be- 
rühren können, nicht im Stande gewesen, die Li ebig'sche An- 
schauung bezüglich der Ursächlichkeit der Gährungserscheinungen 
überhaupt zu widerlegen. Auch waren dieselben ja gar nicht 
speciell auf die Essiggährung gerichtet. 

Wenden wir daher unsere Aufmerksamkeit vorzüglich solchen 
Untersuchungen zu, die eine directe Beziehung zu unserem Gegen- 
stande haben. 

Schon früher waren vereinzelte Angaben gemacht worden über 
•die sog. Mycoderma aceti, einen mikroskopischen Organismus, der 
bei der Essiggährung auftreten sollte, so namentlich von T h o m- 
son 1), der eine Analyse der Essigmutter mittheilt und auch Essig- 
gährung auf einer Zuckerlösung durch Mycoderma aceti beobachtet 
haben will. Er ist der Ansicht, dass die aus einzelnen Zellen 
bestehende Pflanze als Sauerstoffverdichter wirkt, theilt aber auch 
den Hobelspänen bei der Schnellessigfabrication diese Kraft zu. 

Dagegen schien für Liebig's Theorie die Beobachtung 
Mulder's^) zu sprechen, dass die Essigmutter keine Asche hin- 
terlasse, und eine Verbindung von Protein mit Cellulose sei, in- 
sofern, als er damit der Essigmutter den Platz unter den Orga- 
nismen streitig macht. 

Im Jahre 1862 endlich veröffentlichte Pasteur^) zuerst seine 
Ansichten über die Essiggährung, und von diesem Augenblicke an 
wurde die herrschende Theorie wenigstens in einem Punkte dauernd 
erschüttert. Wenn derselbe auch für jene einen physiologischen Act 



1) Ann. der Chemie und Phärmacie Bd. 83. 1852. 

2) Ebenda Bd. 46, p. 207. 

3; Compt. rend. T. 54, p. 265. 



310 



nicht in Anspruch nimmt, und deshalb seine Essigbildungstheorie 
keineswegs als eine getreue Copie von seiner Theorie der alkoho- 
lischen Gährung aufgefasst werden darf, so ist doch nach ihm die 
Anwesenheit von lebenskräftiger Mycoderma aceti zur gewöhn- 
lichen Essigbildung unumgänglich nothwendig, und nur diese 
Pflanze besitzt von den organischen Körpern allein die Fähigkeit,, 
den Alkohol zu Essigsäure zu oxydiren. Untergetaucht bewirkt die 
Mycoderma aceti nicht mehr die Säuerung der Flüssigkeit. 

Der Hauptunterschied der Liebig'schen und Pasteur'- 
schen Ansicht ist mithin, dass Lieb ig die fermentartig wir- 
kende stickstoffhaltige organische Materie, welche die Flüssigkeit 
enthält, selbst als Sauerstoffverdichter ansieht, während dieselbe 
nach Pasteur nur die Nahrung des Essigpilzes ist, der lebend 
diese Uebertragung vollzieht. Auch konnte Letzterer eine Essig- 
bildung ganz ohne stickstoffhaltige organische Materie vor sich 
gehen lassen, indem er als stickstoffhaltige Nahrung ein Ammo- 
niaksalz neben gewissen Aschenbestandtheilen dem verdünnten 
Alkohol zufügte. (Da stickstoffhaltige organische Körper der 
Proteingruppe kaum aschenfrei darzustellen sind, sondern meistens 
Phosphate enthalten, so können diese gewöhnlich allein der 
Pflanze die nöthige Nahrung geben.) 

Zugleich beobachtete Pasteur, dass während die genannte 
kleine Pflanze den Alkohol unter Sauerstoffaufnahme zu Essig- 
säure verbrennt, derselbe durch einen anderen mikroskopischen 
Organismus, morphologisch den Hefepilzen zugehörig, Mycoderma 
vini unter der gleichen Bedingung vollständig zu Kohlensäure und 
Wasser oxydirt wird. 

Wir ersehen aus der Gegenüberstellung der beiden vornehm- 
sten Anschauungen, da weitere wissenschaftliche Errungenschaften 
auf dem Gebiete der Essiggährung seither nicht zu verzeichnen 
sind, und die beiden betheiligten Forscher ihren Standpunkt in 
weiteren Veröffentlichungen nur näher ausgeführt, nicht aber mehr 
verändert haben, dass für die Ursache der in Kede stehenden 
Erscheinung eine Controverse besteht, die offenbar durch expe- 
rimentelle Arbeiten beseitigt werden kann. Einen Beitrag hierzu 
zu geben, war die Absicht der im Folgenden mitgetheilten Ver- 
suchsanstelluugen. Indessen bleibt zu bemerken , dass wir in 



311 



unserer Fragestellung über die namhaft gemachte Controverse 
hinausgegangen sind, wie wir denn auch zu Kesultaten gekom- 
men sind, die sich weder an die Liebig'sche noch an die Pa- 
steur'sche Anschauung ohne Weiteres anschiiessen. 

Die ersten Versuche, die wir anstellten, behandelten die 
Frage: Wirkt fein vertheiltes Platin unter ähnlichen 
Umständen und mit ähnlichem Erfolge auf die Oxy- 
dation des Alkohols wieMycoderma aceti, und kann 
dasselbe in dieser Function durch andere poröse 
Körper, namentlich durch solche von der physika- 
lischen Beschaffenheit einer Mycodermenhaut ver- 
treten werden? 

Man begreift, dass in der Erörterung dieser Frage der 
Schwerpunkt der ganzen Versuchsanstellung liegen musste, denn 
die Fähigkeit des Platinmohrs, den Alkohol zu Essigsäure zu 
oxydiren, bildet die wesentliche Grundlage für die physikalische 
Auffassang des ganzen Vorgangs. 

Einige Versuche mit Platinmohr, in der bekannten Weise 
ausgeführt, ergaben nun, dass dieser poröse Körper in gleicher 
Weise wirkt, ob man ihn mit verdünntem oder hochprocentigem 
Alkohol, resp. den Dämpfen desselben, in Berührung bringt, wäh- 
rend bekanntlich dieser Process unter den Bedingungen, wie sie 
die Praxis der Essigfabrication darstellt, sich nur bei einer Con- 
centration von höchstens 10% Alkohol (oder ein Weniges mehr) 
vollzieht. Diese Thatsache mag bekannt gewesen sein. Allein 
man hat ihr wenig Beachtung geschenkt. 

Auch in Bezug auf die Temperatur hat sich für den 
Essigbildungsprocess mittelst Platin eine sehr grosse Unabhän- 
gigkeit durch unsere Versuche herausgestellt. Die Anwendung 
von höheren Temperaturen (worunter wir einstweilen aus nach- 
her sich ergebenden Gründen Temperaturen über 35^0. verstehen 
wollen) steigert eher die Intensität dieses Vorgangs, 
schon weil hierdurch die Tension des Alkohols, also die für die 
chemische Action in der Zeiteinheit zur Verfügung stehende 
Menge, vermehrt wird, bis endlich Explosion und Verbrennung 
des Alkohols mit Flamme zu Wasser und Kohlensäure erfolgt. 
Die Essigbildung unter gewöhnlichen Umständen besitzt dagegen 



312 



ein Optimum bei verhältnissmäs sig niedriger Tem- 
peratur (zwischen 20 und 30*^0.), geht unter 10» C. mit äusser- 
ster Langsamkeit vor sich und nimmt andererseits schon bei 35^ 
sehr kleine Werthe an, um wenig Grade darüber völlig unter- 
drückt zu werden. 

Wir beabsichtigen mit der Mittheilung dieser leicht erreich- 
baren Versuchsresultate Nichts, als einstweilen darauf aufmerk- 
sam zu machen, dass Platin im feinvertheilten Zustande 
nicht durchaus unter analogen Verhältnissen wirkt, 
wie die Stoffe, die unter den gewöhnlichen Verhält- 
nissen der Essigfabrication oder auch der sponta- 
nen Säuerung unserer gegohrenen Flüssigkeiten, die 
Oxydation des Alkohols vollziehen. Aus der xA.ehnlich- 
keit des Productes — von einer Gleichheit ist ja in unserem Falle 
ohnehin nicht die Rede — auf die Analogie des Vorgangs zu 
schliessen, ist olfenbar übereilt, denn sonst könnten wir auch 
aus der Kohlensäurebildung bei der thierischen Athmung, bei 
Verbrennung und Verwesung, die häufig auf Kosten der näm- 
lichen chemischen Körper erfolgen, auf die gleiche Ursächlichkeit 
dieser Vorgänge schliessen, während wir wissen, dass in einem 
Falle Organismen nothwendig mitwirken. Wir halten vielmehr 
einen Vergleich der Essigsäurebildung aus Alkohol durch Platin- 
mohr, mit derselben durch oxydirende chemische Agentien wie 
Chlorsäure, Bromsäure, saueres chromsaures Kali und Schwefel- 
säure oder Braunstein und Schwefelsäure viel passender, beson- 
ders da auch mit den letzten Agentien der Alkohol nahezu die- 
selben Producte giebt wie bei der Oxydation durch Platinmohr, 
nämlich Aldehyd, Essigsäure und Essigäther. 

Ausser dem vielfach benutzten Analogon der Essigbildung 
aus Alkohol durch Platinmohr weist Lieb ig in seinen neusten 
Bemerkungen über Essiggährung auf die de Saussure'schen 
Versuche mit verwesendem Holze hin, nach welchen poröses 
Holz direct die Verbrennung des Wasserstoffes bewirken soll. 
Diese merkwürdige Reaction wird als ein Beweis dafür genom- 
men, dass sehr verschiedenartige poröse Substanzen, vor Allem 



1) Ann. der Chem. und Pharm. 1870, Januarheft. 



313 



auch verwesende organische Materien als Sauerstoffüberträger 
dienen können. Dass in diesem Falle Wasserstoff, in unserem 
aber Alkohol verbrannt wird, darauf wird geringes Gewicht 
gelegt; ja Liebig ist bereit zu folgern, dass die verwesenden 
Holztheilchen Saussure's auch als Essigferment dienen können, 
und er fasst die Mitwirkung der Hobelspäne bei der Schnell- 
essigfabrication geradezu in diesem Sinne auf. 

Auch hier tritt die Liebig'sche Anschauung in die engste 
Eeziehung zu unserer Fragestellung, und wir würden den Saus- 
sur e'schen Versuch sofort für die Alkoholoxydatiou wiederholt 
haben, wenn wir bei demselben Organismenentwicklung hätten 
ausschliessen können , durch welche der Sinn des gewonnenen 
Versuchsresultates ein ganz anderes geworden wäre. Wir haben 
aber allerdings Versuche in grosser Anzahl unternommen, welche 
die eben aufgeworfene Frage nach allen Seiten hin ventiliren 
sollten. Vor Allem wurden poröses Filtrirpapier und ähnliche 
Stoffe im befeuchteten Zustande zu derartigen Versuchen ver- 
wendet. 

Filtrirpapier wurde, um die Nahrungsmittel der Mycoderma 
auszuschliessen , zuerst mit 5 %iger Salzsäure und darauf mit 
öliger Natronlauge ausgekocht und mit destillirtem Wasser 
gründlich ausgewaschen. Es resultirte auf diese Weise eine sehr 
poröse Masse, die wesentlich aus Holzfaser bestand. Mit dieser 
Masse wurde erstens die Oberfläche einer Flüssigkeit, die aus 
9procentigem reinen Alkohol bestand, bedeckt, so dass die Flüs- 
sigkeit durch Capillarkraft die Cellulose gerade feucht erhielt. 
Dann wurde zweitens ein grosser Glastrichter mit derselben Cel- 
lulose und Glasstücken gefüllt, damit die Berührung mit der 
Luft eine möglichst grosse werde, und durch diesen Trichter 
flltrirte während 6 Wochen Oprocentiger reiner Alkohol. 

Erst nach 4 Wochen war die Flüssigkeit in beiden Fällen 
schwach sauer, es hatte sich aber nicht Essigsäure gebildet, 
sondern Spuren von Milchsäure, die aus der Krystallform des 
Kalksalzes als solche erkannt werden konnten. — Die quanti- 
tative Bestimmung ergab in beiden Flüssigkeiten 0,1% Milch- 
säure. Auch die Aussaat von Mycoderma aceti Hess keine 
Säuerung eintreten ; diese begann erst, nachdem in beiden Fällen 



314 



eine mineralische ammoniakhaltige Nährlösung i) zugegossen wor- 
den war. 

Das gleiche Resultat erhielten wir bei Wiederholung des so- 
genannten Bindfadenversuchs. Schon früh war die Beobachtung 
mitgetheilt worden (von wem zuerst, haben wir nicht finden 
können); dass verdünnter Alkohol, an einem Bindfaden herab- 
fliessend, sauer werde, und auch Pasteur weist auf dieses 
Verhalten mehrere mal hin, fügt aber hinzu, dass eine Säuerung 
nur eintrete, wenn die Schnur mit Mycoderma aceti besäet sei. 

Wir haben nun einige Versuche angestellt, um auch diese 
kritische Thatsache auf ihren wahren Werth zu prüfen. Wenn 
die Schnur vorher sorgfältig ausgekocht wurde und man das 
Lakmuspapier mittels Glasplatten gegen die Schnur drückte, 
haben wir ohne vorhergegangene Aussaat von Mycoderma aceti 
eine Röthung des Papiers niemals wahrgenommen. 

Anders dagegen, wenn die letzteren Vorsichtsmassregeln 
nicht beobachtet wurden, da der Weingeist sauer reagirende 
Stoffe aus der Schnur auszieht, und auch der Schweiss der Fin- 
ger sauer reagirt. Es erscheint also begreiflich, wie in Bezug 
auf diesen Versuch Täuschungen haben Platz greifen können, 
namentlich, wenn man unterlassen hat, die gefundene Säure auf 
ihre chemische Natur zu prüfen 2). 



1) Bestehend aus gleichen Gewichtstheilen krystallisirten phosphorsauren 
Kalis und krystallisirter schwefelsaurer Magnesia, der \^l2fsLchen Menge von 
salpetersaurem Ammoniak und '/jq phosphorsaurem Kalk zu einer sehr ver- 
dünnten Lösung aufgelöst. Vergl. Ad. Mayer: Untersuchungen über die 
alkohol. Gährung u. s. w. 1869 S. 15. 

2) Es scheint hier der passende Ort zu sein, auf einige andere unrich- 
tige Angaben in Eezug auf Essigsäurebildung aus Alkohol hinzuweisen. So 
sagt Stahlschmitt in seiner Gährungschemie , 1S68 — auf welchen Ge- 
währsmann gestützt, wissen wir nicht — p. 390 ; ozonisirte Luft führe ver- 
dünnten Alkohol direct in Essigsäure über, und schreibt die Essigbildung 
überhaupt dem Umstände zu, dass sich bei jeder Verwesung Ozon bilde. 
Aus demselben Grunde werde auch verdünnter Alkohol in Gegenw^art von 
langsam verbrennendem Phosphor allmälig in Essigsäure übergeführt. Um 
die Richtigkeit dieser Angabe zu prüfen , Hessen wir zuerst Phosphor in 
einem mit verdünntem Alkohol zur Hälfte angefüllten Beclierglase sich lang- 
sam durch Oxydation verzehren. Wir konnten trotzdem auch nach dem 



315 



Diese einfachen Versuche sprechen schon einigermassen gegen 
die Liebig'sche Auffassung von der Wirksamkeit organischer 
poröser Substanzen als Sauerstoffüberträger. Von entscheidenderer 
Bedeutung erscheinen uns die folgenden, die sich auf die Wirk- 
samkeit der Mycod. aceti selbst erstrecken. 

Zunächst setzen wir einige Bemerkungen hierher, die darüber 
Aufschluss geben, wie wir uns diese Organismen zu verschaffen 
und dieselben alsdann zu cultiviren suchten. Es wurden alko- 
holhaltige Flüssigkeiten weinartiger Natur im Laboratorium der 
spontanen Essigbildung tiberlassen. Wir stiessen dabei auf einige 
Schwierigkeiten, indem die niedrige und sehr schwankende 
Temperatur des Arbeitsraumes in den Wintermonaten, in wel- 
chen wir die Arbeit begannen, sich für eine intensive fortschrei- 
tende Essigbildung als ein unübersteigliches Hinderniss erwies. 
Auch mochte die Laboratoriumsluft zu Anfang keine genügende 
Menge von Mycoderma-Sporen für eine spontane Infection ein- 
schliessen. Nachdem wir durch constante Erwärmung der Ver- 
suchsflüssigkeiten endlich continuirliche Essigbildung und Myco- 
derma-Häute erhalten hatten, wurden mit Hülfe derselben in der 
Weise, wie dies Pasten r gelehrt hat, nun in den verschieden- 
sten Medien und unter den verschiedensten Temperaturbedin- 
gungen Aussaaten gemacht und die Essigsäurezunahme alle 2 Tage 
massanalytisch bestimmt. 

Die verschiedenen Medien waren einerseits Hefewasser oder 
die obenerwähnte mineralische Nährstofflösung, wozu Alkohol 
bis zu der Mischung zugesetzt wurde. Ausserdem fügten 
wir noch Essigsäure in verschiedenen Mengen zu. 

In beiden Fällen gelang es uns, die weitere Entwick- 
lung und Vermehrung der Mycoderma aceti Hand in 



Verschwinden des Phosphors nicht die geringste Spur Essigsäure in der Flüs- 
sigkeit nachweisen. Da sich, wie auch schon sonst bekannt, beim langsamen 
Verbrennen des Phosphors nur wenig Ozon bildet, so wurde dasselbe später 
durch übermangansaures Kali , Barium-Superoxyd und concentrirte Schwe- 
felsäure dargestellt, auf welche Weise man eine sehr befriedigende Ausbeute 
an Ozon bekommt. Wir leiteten während dreier Tage so erhaltene stark ozo- 
nisirte Luft durch verdünnten Alkohol, konnten aber auch in der so behan- 
delten Flüssigkeit keine Essigsäure nachweisen. 



316 



Hand gehend mit der Essigsäurezunahme zu beobach- 
ten; doch g-ing sowohl die Vermehrung der Pflanze als die 
Säurezunahme rascher vor sich, wenn der Stickstoff in Form 
von organischen 'Verbindungen, wie sie z. B. im Hefe- 
wasser enthalten sind, als wenn er als Ammoniaksalz gegeben 
wurde — eine Erfahrung, die der bei Ernährung des gewöhn- 
lichen Hefepiizes gemachten aualog ist. 

In mehreren andern Fällen sperrten wir dieselben Flüssig- 
keiten in vorher ausgekochten Glasballons mit bis über 100^ 
erhitzten Baumwollpfropfen von der Luft ab. Unter 4 Fällen, 
die wir unter diesen Umständen beobachteten, trat nur in einer 
Flüssigkeit Säuerung ein , während die andern keine derartige 
Veränderungen erlitten ; in diesem einen Falle waren aber auch 
durch das Mikroskop Mycoderma aceti-Zellen nachweis- 
bar, in den andern dagegen nicht'). 

Mit den vorstehenden Versuchen war schon eine innige Ab- 
hängigkeit zwischen Essigsäurebildung und der Vegetation von 
Mycoderma aceti bewiesen, in ähnlicher Weise, wie auch alle von 
Paste ur in dieser Richtung angestellten Versuche auf die gleiche 
Beziehung hindeuten. Allein von entscheidender Bedeutung musste 
es uns erscheinen, die Versuche in einer Weise zu modificiren, 
dass die Mycodermahaut ihre sog. physikalischen Wirkun- 
gen auszuüben im Stande war, während die physio- 
logischen Einwirkungen ausgeschlossen blieben. 
Etwas Derartiges musste zu erreichen sein, wenn man die von 
Mycoderma befallenen Flüssigkeiten bis zu einem Punkte er- 
hitzte, wo ihr Leben erlosch, ihre Structur aber bis zu einem 
gewissen Grade erhalten blieb. 

Wir erhitzten also Flüssigkeiten mit ausgebildeten Myco- 
derma-Häuten auf verschiedene höhere Temperaturen, von denen 
wir vermutheten, dass sie jenseits der Tödtungstemperatur liegen 

1) Hätten wir diesen Versuch am Schlüsse unserer Untersuchungen vor- 
genommen, so hätten wir wahrscheinlich ein anderes Resultat beobachtet, 
und es würde vermuthlich in allen Flüssigkeiten Säuerung eingetreten sein, 
indem zuletzt die Laboratoriumsluft zu voll von den betreffenden Keimen 
war, als dass man eine offenstehende Flüssigkeit vöUig frei von denselben 
hätte darstellen können. 



317 



mochten^ fortwährend das etwaige Fortschreiten der Säuerung 
durch Titrirung feststellend. Gleichzeitig erhitzten wir auch alko- 
holische Flüssigkeiten sofort nach der Aussaat, ehe sich eine 
Organismendecke gebildet haben konnte, und es dienen diese 
Versuche mehr zur Ermittelung der Tödtungstemperatur, als zur 
Ventilirung der eben aufgeworfenen Frage. Natürlich Hessen wir 
immer gleichzeitig ebenso zusammengesetzte mit Mycoderma aceti 
besäete oder schon bedeckte Flüssigkeiten bei der günstigen 
Essigbildungstemperatur bei 25 — 30^ C. stehen. 

Aus der grossen Reihe der so angestellten vergleichenden 
Versuche wollen wir hier einige typische Resultate in Zahlen- 
reihen vorführen. 

Wir bereiteten uns eine Flüssigkeit aus 40 CG. der mit 
Alkohol versetzten oben erwähnten mineralischen Nährlösung und 
aus 40 CG. Wasser, fügten noch etwas phosphorsauren Kalk 
und Essigsäure zu und theilten diese Portion in 2 gleiche Theile. 
Beide wurden mit näherungsweise gleichen Mengen von Myco- 
derma aceti besäet, der eine Ballon einer constanten Temperatur von 
25 — 30^ C. ausgesetzt, der andere aber bei 60 — 70*^ G. erhalten. 

Die Essigsäurezunahme war im ersten Falle keine sehr be- 
deutende, aber eine stetige, im 2. Fall nahm der Essigsäurege- 
halt gar nicht zu, oder der Zuwachs lag in der Grenze der Ver- 
suchsfehler oder rührte augenscheinlich von der Verdampfung 
des Wassers resp. des Alkohols her. Den 4. Februar wurde 
mit dem Versuch begonnen: 

I bei 25—300 c. II bei 60—700 
Den 4. Febr. enthielt die Flüssigkeit 1 ,22 0/q Essigsäure 1, 22 0/q Essig äure 
» 5. » » » » J,30 » » 1,22 » » 

» 1. » » » « 1,40 » » 1,24 » » 

» lO. » » » » 1,46 » » 1)24 » » 

» 12. » » » » 1,50 » » 1,24 » » 

)) 1 7 . » » » » 1,68» » 1,26» » 

» 21. » » » » 1,80 » » 1,26 » » 

Bei Flüssigkeit I war nach Schluss des Versuchs die Ober- 
fläche mit einer dünnen Haut bedeckt, bei II dagegen war nur 
die ausgesäete Menge zu sehen, die mikroskopische Untersuchung 
liess aber keine wesentliche Structurveränderung in Folge der 
Erhitzung erkennen. 



318 

Grössere Werthe nehmen die Zahlen an, wenn die Flüssig- 
keit aus Hefewasser, Alkohol und etwas Essigsäure besteht, wie 
€S bei folgendem Versuch der Fall war, wo die Temperaturbe- 
dingungen die gleichen waren. Die Flüssigkeit war folgender- 
massen zusammengesetzt: 92 CC. Hefewasser, 8 CC. eines hoch- 
procentigen Alkohol und etwas Essigsäure. Am 16. Jiuiuar wurde 
der Versuch in Gang gesetzt. Wir fanden: 

I (bei 25— 300 C.) II (bei 60—700) 

1 6. J anuar enthielt die Flüssigkeit 1 , 1 6 o/q Essigsäure 1 , 1 6 % Essigsäure 

20. » » » » 1,74 » » 1,16 » 

22. « » » » 1 , 84 » » 1 > ^ 6 " 

24. » » » » 1,98 » » 1,16 » 

28. » )) )) 2,10 » » 1,18 )) 



Nachdem dieser Versuch abge!?chlossen , stellten wir den 
Kolben II auf einige Stunden unbedeckt in den Wärmekasten, 
der zu allen diesen Versuchen diente, und in welchem also die 
Luft mit Mycoderma-Sporen geschwängert sein rausste, und ver- 
schlossen hierauf den Hals des Ballons wieder mit Baumwolle. 
Nach einigen Tagen hatte sich auch hier eine Mycoderma-Decke 
gebildet und der Säuregehalt stieg bis auf 37o- 

Wir müssen hier einige Bemerkungen einschalten über die 
Abhängigkeit der Intensität des Essigbildungsprocesses von an- 
dern Umständen, da bei Berücksichtigung dieser Gesetzmässig- 
keiten Manches in den mitzutheilenden Zahlenreihen verständ- 
licher werden wird. Von grossem Einfluss auf die Vermehrung 
des Essigpilzes und die relative Säurezunahme ist z. B. der 
Säuregehalt der augesetzten Flüssigkeit, von weit grösserem 
Einfluss jedenfalls als der Gehalt an Alkohol in den Grenzen 
zwischen 3 und 10 Procent. Dass die Essigbildung in Mischun- 
gen, die weniger als 3 und mehr als 10% Alkohol enthalten, 
langsamer vor sich geht, ist eine in der Praxis so bekannte 
Thatsache, dass es unnütz wäre, auch hierfür Zahlenreihen anzu- 
führen. Nicht so für den Einfluss des Essigsäuregehaltes auf 
die Vermehrung der Mycodernia. Hier ist das Optimum in viel 
engere Grenzen gerückt, was namentlich bei der Neuaussaat auf 
Flüssigkeiten von grosser Bedeutung ist. Die ausgesäeten Zellen 
verfallen nämlich unter ungünstigen Verhältnissen sehr leicht in 



319 



einen Ruhezustand , der sich auch mikroskopisch nachweisen * 
lässt^ . und dann geht es mit der Essigbildung sehr langsam 
vorwärts. Wenn dagegen der Säuregehalt der Flüssigkeit gleich 
Anfangs ein günstiger ist, so fasst der Essigpilz rasch Boden, 
am raschesten, wie wir durch verschiedene Versuche gefunden 
haben, wenn der Säuregehalt zwischen 2 — 4% beträgt. 

Ausserdem ist auch der Säuregehalt der Flüssigkeit, von 
welcher die Aussaat genommen wird, zu beachten, da die Pflanze 
gegen einen zu raschen Wechsel der Concentration ziemlich 
empfindlich ist. 

Der Einfluss auf die Raschheit der Essigbildung ist schon be- 
merkbar, wenn die Flüssigkeit in einem Fall etwas unter, in einem 
etwas über 1 % Säure enthält, wie folgende kleine Tabelle zeigt. 
Zwei aus Hefewasser und Alkohol ganz gleich zusammengesetzte, 
nur verschieden stark angesäuerte Flüssigkeiten wurden den 
3. Februar mit Mycoderma aceti besäet. 

Den 3. Febr. enthielt die Flüssigkeit I: 1 , 1 0 % Essigsäure II: O.GO/o Essigsäure 

0,680/q )) 

»10. " » » » » 1,34 » » » 0,72 » » 

»17. » » » )' » 1,56 » » » 0,80 » » 

»21. » » » » » 1>74 » » » 0,90 » » 

» 24. » >' » » « 1,9 » » »1,1 » » 

» 27. » >' » » » 2,2 » » »1,2 » » 

» 2. März » » » » 2,5 » » »1,3 » » 

» 5. » » » » » 3,0 » » » 1 ,6 » » 

Bei I ist die Essigsäurezunahme rascher vor sich gegangen 
als bei II, und bei II nahm der Säuregehalt in verhältnissmässig 
stärkerem Maasse zu 2), nachdem die Flüssigkeit über 1% Säure 
enthielt, was jedoch auch der weiteren Ausbreitung der Myco- 
derma-Haut zugeschrieben werden kann. 

Wenn der Unterschied hier auch noch klein ist, so wird 
er, wenn der Essiggehalt der Flüssigkeit steigt, ein sehr bedeu- 
tender, wie aus folgenden Zahlen ersichtlich ist, auch wenn ein 

1; Siehe weiter unten die Zusammenstellung der mikroskopischen Be- 
obachtungen. 

2) Hierauf läuft denn, wie leicht ersichtlich, die Anschauung von Ber- 
zelius hinaus, welcher den zugetheilten Essig, der das Sauerwerden begün- 
stigte, als Ferment bezeichnete. 



strengdurchgeführter Parallelversuch für dieselben nicht zur Ver- 
fügung steht. Ein Greniisch III aus Hefewasser und Alkohol 
und mehr Essigsäure als vorher wurde den 15. März mit Myco- 
derma aceti besäet und bei günstiger Temperatur sich selber 
überlassen. 

Den 15. März enthielt die Flüssigkeit (III/ 3,60% Essigsäure 
»21. » )) ' » » » .5,30 » » 

» 24. » » » » » 6,90 » » 

»28.» » » » M 6 , 9 8 )) » 

» 31. » » » » )) 6,92 » » 

Hier hat also die Essigsäure der Flüssigkeit um den 21. März 
herum täglich um 1/3 bis ViVo zugenommen, dem entsprechend 
hatte sich auch eine sehr dicke und reine Mycoderma-Haut ge- 
bildet. Am 31. März war der Säuregehalt schon im Abnehmen 
begriffen ^) . 

Die Aussaat wurde zu den letzten drei Versuchen von einer 
Flüssigkeit genommen, die circa 4% Essigsäure enthielt, woraus 
vielleicht zugleich ersichtlich ist, dass die frischgesäeten Zellen 
sich in Flüssigkeit III gleich üppig weiter zu entwickeln be- 
gannen, während, wenn der Säuregehalt ein wesentlich anderer 
ist, die Zellen sich erst an dieses neue Medium gleichsam ge- 
wöhnen müssen. 

Nach dieser Abschweifung kehren wir zu unsern entschei- 
denden Versuchen zurück. 

Auf manchen Flüssigkeiten, die ebenso zusammengesetzt 
waren, wie die vorhin beschriebenen, Hessen wir die Mycoderma 
aceti sich zuerst über die ganze Oberfläche verbreiten, bevor wir 
sie einer höheren Temperatur aussetzten. Die Temperaturerhö- 
hung war in diesen Fällen nur eine vorübergehende, an deren 
Stelle nachher ebenso wie in etwaigen Parallelversuchen die nor- 
male Essigbildungstemperatur trat. Diese Versuche geben also 
nicht sowohl Aufschluss über die Tödtungstemperatur der Myco- 
derma, als vielmehr hauptsächlich über das Verhalten todter 
Mycoderma-Häute dem Säuerungsproce sse gegen- 
über. Den 4. Februar besäeten wir Nährlösung I) und eine 



1) Durch eine Wirkung, von der -weiter unten noch die Rede sein ^vi^d. 



321 



HefenwasserlösuDg (II), denen Alkohol und Essigsäure zugesetzt 
war, mit Mycoderma aceti, und constatirten in beiden Fällen 
die Säurezunahme. 

Den 4. Febr. enthielt die Flüssigkeit I: 1, 2 2 0/q Essigsäure II: 0,98 o/q Essigs. 
»7. » » » » » ^42 » » »1,00 » » 

w 10. » » » ') » 1,46 » » » 1,44 » » 

«12. » » » » » 1,52 » » » 1,50 » » 

»17. » » » » » 1,56 » » » 1,60 » » 

»21. » » » » » 1,73 » » » 1,84 » » 

Auf beiden Flüssigkeitsoberflächen hatte sich eine ziemlich gute 
und reine Mycoderma-Decke gebildet. Am 21. Februar wurden 
die Glaskolben 20 Minuten in 50 — 60 ^ heissem Wasser stehen 
gelassen und mit erhitzter Baumwolle verstopft. Die Erhitzung 
war so vorsichtig geschehen, dass die Decke vollständig un- 
versehrt auf der Oberfläche der Flüssigkeit geblieben war. 
Trotzdem war keine weitere Säuerung eingetreten. Die Flüssig- 
keit I enthielt am 5. März: 1,8%; 1.86 Vo Säure i). Nach 
dieser Bestimmung wurde die erhitzte Baumwolle durch nicht 
erhitzte ersetzt und schon nach einigen Tagen, den 12. März, 
erhielt I, 1,94. II, 2,08% Säure. Es waren also durch die 
Baumwolle lebensfähige Sporen in die Flüssigkeit gelangt , die 
die weitere Säuerung, wenn auch langsam, veranlassten. 

Weiter besäeten wir eine alkoholische Flüssigkeit von grösse- 
rem Essigsäuregehalt mit Mycoderma und Hessen sich auch hier 
eine Haut bilden. 

Den 6. März enthielt die Flüssigkeit 3,7 0/q Essigsäure 
»11, » » » » 4,4 » » 

» 16. » » » » 5,5 » » 

Darauf erhitzten wir auch diese Mischung durch Einsetzen in 
heisses Wasser eine halbe Stunde lang auf 60— 70^ und bestimm- 
ten den 24. März den Säuregehalt derselben. Wir fanden wie- 
der 5,5% Essigsäure. Der Säuregehalt hat also gar nicht zu- 
genommen. Eine mikroskopische Untersuchung der Haut liess 
dieselbe vor und nach der Erhitzung nicht merkbar verändert 
erscheinen. 



1) Die sehr geringe Säurezunahme kann man, wie aus allen analogen Ver- 
suchen hervorgeht, ruhig der Verdampfung von Wasser und Alkohol zuschreiben. 
Landw.Versuchs-Stat. XVI. 1873. 21 



322 



Wir ziehen aus den angeführten Versnchsresultaten , deren 
uns noch eine grosse Anzahl zur Verfügung steht, einstweilen 
den Schluss, dass nicht blos ein specifischer Organismus, 
mit dem provisorischen Namen Myco derma aceti belegt, er- 
fahrungsmässig nothwendig ist, um die gewöhnliche 
Essiggährung in alkoholischen Flüssigkeiten zu 
vollziehen, sondern dass auch die Oxydation des 
Alkohols mit den Lebenserscheinungen des mikro- 
skopischen Organismus aufs Innigste verknüpft ist, 
denn es ist nicht abzusehen, warum eine rein chemische oder 
physikalische Wirkung nicht auch von dem getödteten Organis- 
mus vollzogen werden könnte, und namentlich auch, warum 
physikalisch und chemisch sehr ähnliche Organismenhäute, wie 
z. B. die des Weinkahnes einen ganz andersartigen Stoffumsatz 
bewirken i) . 

Eine Bemerkung Liebig's, gestützt auf die Untersuchung 
eines lange Jahre in Thätigkeit gewesenen Hobelspans aus 
einem Essigbiider 2] , scheint der Allgemeinheit des hier ausge- 
sprochenen Satzes Eintrag zu thun, und deshalb haben wir die 
Kolle der Hobelspäne bei der Schnellessigfabrication einer auf- 
merksamen Prüfung unterworfen. 

Wir stellten uns selbst einen kleinen Essigbilder mit frischen 
Buchenspänen zusammen. Derselbe hatte circa einen Meter 
Höhe und einen halben Meter Durchmesser. Wir beschickten 
denselben, nachdem er in der warmen Essigstube eines kleinen 
Essigfabrikanten aufgestellt worden war, mit Tresterwein, dem 
etwas Spiritus und Malzwein zugesetzt wurde, und gössen die 

1) An dieser Stelle ist der eigenthümlichen Argumentation Stahl- 
schmidt's zu erwähnen, -welcher p. 389 seines im praktischen Theile vor- 
züglichen Lehrbuchs der »Gährungschemie« 1868, sagt: 

»Die Thatsache, dass die Mycoderma nicht allein den Alkohol zu Essig- 
säure oxydirt, sondern letztere auch in Kohlensäure und Wasser überführt, 
schliesst selbstverständlich die Ansicht aus, dass die "SVirkung des Essigpilzes 
eine physiologische sei.« 

Wir haben vergeblich versucht dem Gange dieser Schlussfolgerung auf 
die Spur zu kommen. 

2) Derselbe soll nämlich frei von Mycod. aceti gewesen sein. Vergl. An- 
nal. d. Chem. u. Pharm. 1S70. Januarh. 



323 



durchgelaufene Flüssigkeit 2mal täglich oben auf. Nach ver- 
hältnissmässig kurzer Zeit für ein neues Fass (nach 10 Tagen) 
war der Säuregehalt ein schon beträchtlicher und nahm 5ann 
mit grosser Schnelligkeit zu, nämlich jeden Tag um 1%; die 
übergossene Flüssigkeit enthielt 

den 2. März 2,32 o/^ 
» 3. » 3,32 » . 

Das Fass wurde darauf auseinander genommen, und die Späne 
mikroskopisch untersucht. 

Es wurden so auf der Oberfläche der Späne selbst, noch 
mehr aber, wenn wir dieselben mit der Spritzflasche abspritzten, 
in dem Spülwasser reichliche Vegetationen von Mycoderma aceti 
gefunden, dass wir von jetzt an alle Aussaaten durch Hinein- 
werfen eines kleinen Abschnitts jener Späne machten und die- 
selben von dem besten Erfolge gekrönt sahen . Da jedoch 
sowohl der Tresterwein als auch der Malzwein noch etwas zucker- 
haltig war, ging nebenbei auch eine Alkoholgährung vor sich, 
und dem entsprechend war auch der gewöhnliche Hefepilz in 
reichlicher Menge vorhanden. Je grösser jedoch der Säuregehalt 
wurde, desto mehr verschwand dieser 2). 

Wir glauben auf das Resultat dieses Versuches hin behaupten 
zu können, dass jeder Anhalt fehlt, den Hobelspänen bei der 
Schnellessigfabrication eine andere Wirkungsweise zuzuschreiben, 
als die, dass sie eine innigere Berührung des Essiggutes mit der 
Luft ermöglichen, kurz dass auch in diesem Falle die 
lebenden Mycodermen es sind, welche die Säuerung 

1) Dass es bei der Schnellessigfabrication an Nährstoffen für die Myco- 
dermen fehlen soll, kann wohl nicht als ein ernstlicher Einwurf gegen un- 
sere Anschauung gelten, da reiner verdünnter Spiritus nicht wohl als solcher 
bei dieser Fabrication Verwendung findet, sondern meistens fertiger Essig 
anderen Ursprungs »als Ferment« zugesetzt wird. Uebrigens dürften auch die 
in den Spänen vorhandenen Nährstoffe für das geringe Bedürfniss der My- 
coderma genügen. Versuche in dieser Richtung anzustellen, erschien uns als 
überflüssig. 

2] Derselbe giebt augenscheinlich nach seinem Tode Anlass zu Verschlei- 
mungen der Fässer und anderweitiger Veränderungen des Essiggutes. 

Aus diesem Grunde ist wohl die Anwendung zuckerhaltigen Materials 
zur Schnellessigfabrication nicht zu empfehlen. 

21* 



324 



bewirken, und dass schlechterdings kein Fall fest- 
gestellt ist, wo dieselbe unter den Bedingungen der gewöhn- 
lichen Essiggährung durch eine andere Materie ersetzt 
werden könnten^). 

Andere Versuche waren noch darauf gerichtet, die Tödtungs- 
temperatur der Mycoderma aceti genauer festzustellen. 

Zu diesen Versuchen nahmen wir die aus dem Essigfass 
gewonnene Flüssigkeit, welche in rapider Säuerung begriffen 
war, füllten 8 Kölbchen zur Hälfte damit an und erhitzten die- 
selben immer um 5^ fortschreitend von 40^ — 75^ C. indem wir 
die Kölbchen bis zum Halse in ein grosses mit Wasser gefülltes 
Gefäss stellten und die Temperatur des umgebenden Wassers be- 
stimmten. Zur Controle stellten wir 2 Kölbchen unerhitzt neben 
die andern in den auf 25 — 30^ erhaltenen Wärmekasten. Schon 
nach 3 Tagen hatte sich auf der nicht erhitzten und den bis 
45 ö erhitzten Flüssigkeiten eine reichliche Haut gebildet, wäh- 
rend dieselbe bei den andern höher erhitzten ganz ausblieb. 
Der Vorsicht halber bestimmten wir aber ausserdem nach 14 Ta- 
gen den Säuregehalt aller 10 Kölbchen, wodurch sich heraus- 



stellte , dass , wo sich keine 


Decke gebildet hatte, auch keine 


weitere Säuerung eingetreten 


war. 






den 4. März 


den 19. März 


I (nicht erhitzt) 


3,700/0 


5,46 0/0 Essigsäure 


II (nicht erhitzt) 


3,70 .) 


5,50 » » 


III (bei 750/0) herausgenommen 


3,70 » 


3,72 )) 1 


IV (bei 70 » ) 


3,70 ). 


3,72 » 1 


V (bei 65 » ] 


3,70 » 


3,70 » 1 


VI (bei 60 » ) 


3,70 » 


3,70 « 1 


VII (bei 55 )) ) 


3,70 » 


3,70 « 1 


VIII (bei 50 « ) 


3,70 >) 


3,70 « 1 




ursprünglich 


14 Tage später 1 


IX (bei 45 )) ) 


4,84 ). 


6,54 » 1 


X (bei 40 « ) 


4,84 >. 


6,32 .. 1 



IX u. X gehören einer andern später angestellten Versuchsreihe an, dahei 
rührt der schon anfänglich grössere Säuregehalt. J 

1) Mit diesem Resultate waren recht wohl die Angaben eines Essigfabri-^ 
kanten über die Dauer der Ingangsetzung neu aufgestellter Essigfässer in 
Einklang zu bringen, so wenig man im Allgemeinen auf derartige Angaben 
der Praktiker bei ihrer wenig bestimmten Ausdrucksweise gehen kann. Dann 
ist auch der schöne Versuch Pasteur's mit den frischen nicht säuernden 
Buchenspänen (Etudes s. 1. vinaigre p. SS) für unsere Anschauung äusserst 
beweiskräftig. I 



325 



Die Tödtungstemperatur der Mycoderma aceti scheint also 
nach diesen Versuchen ungefähr zwischen 45 und 50^0. zu 
liegen. Wenn sich vor der Erhitzung schon eine dicke Haut 
gebildet hatte, musste die Flüssigkeit etwas stärker erhitzt wer- 
den, um denselben Zweck zu erreichen. So mussten wir z. B. 
einen Glasballon mit derselben Flüssigkeit, auf deren Oberfläche 
sich schon eine dicke Haut gebildet hatte, eine halbe Stunde 
bis 10^ C. erhitzen, um die weitere Säuerung vollständig zu 
sistiren. Da auch hier nur die Temperatur des umgebenden 
Wassers gemessen wurde, so ist es wohl möglich, dass innerhalb 
der Decke die Temperatur nicht so hoch war. 

Bei diesen Tödtungsversuchen untersuchten wir die erhaltenen 
Mycoderma aceti-Häute vor und nach der Erhitzung immer mi- 
kroskopisch, und wir sind hierdurch auch zu einigen Schlüssen 
hinsichtlich der Natur des fraglichen Organismus gelangt. Die 
vielfach übliche Bezeichnung der Mycoderma als Essigpilz lässt 
uns über den morphologischen Charakter dieser Pflanze gänzlich 
im Unklaren. .Dieselbe wurde mehr aus einer gewissen Nach- 
lässigkeit, dazu meistens von Nicht-Morphologen als Pilz be- 
zeichnet, weil sie niedrig organisirt ist und kein Chlorophyll oder 
einen verwandten Farbstoff besitzt. Zu den eigentlichen Pilzen, 
wie wir jetzt diese Gruppe fassen, die ein fädiges Mycel ent- 
wickeln und sich meistens durch Basidiosporen oder Ascosporen 
fortpflanzen, hat diese Pflanze keinerlei Beziehung. Auch mit 
der kleinen Gruppe der nicht mycelbildenden Hefepilze, die 
wenigstens die Art der Fortpflanzung mit den eigentlichen Pil- 

' zen th eilen und eine charakteristische Vermehrung durch Sprossung 
zeigen, ergiebt sich keinerlei Verwandtschaft. Vermuthlich wird 
Mycoderma aceti zu der Reihe der Bacterien zu rechnen sein 

^ (und verdient daher auch einen anderen Gattungsnamen), indem 
das Mikroskop (natürlich nur mit starken Immersionssystemen) 

• zu deutlich die Vermehrung durch einfache Quertheilung zeigt. 
Auch lässt diese Pflanze, wie die meisten Bacterien einen be- 

' weglichen und unbeweglichen Zustand, der zu den gerade aus- 

|] geübten Functionen in Beziehung steht, deuthch erkennen. In 
Ruhe erscheint die Pflanze, wenn sie nur eine schwache Säue- 

Irung veranlasst. In Zusammenhang mit diesem Zustande steht 



326 



dann ein längeres Anein anderhaften der einzelnen Zellen, so 
dass oft gekrümmte Stäbchen von 4,5 Mic. Länge und darüber 
resultiren, während die einzelne Zelle nur etwa 1,5 Mic. lang 
oder noch kleiner ist. Beim Erwärmen der Flüssigkeit fallen 
dann die Zellreihen in ihre einzelnen Glieder auseinander. Jenes 
Aneinanderhaften giebt dem Organismus ein so verändertes An- 
sehen , dass wir Anfangs an eine fremde Form dachten. Auf 
einer Flüssigkeit, die in rascher Säuerung begriffen ist, wie die 
bei unseren letzten Versuchen angewandten, bestand die Haut 
aus einzelnen 1,5 Mic. langen Zellen, die in rascher Bewegung 
begriffen waren, und sich bei derselben, wie Einer von uns oft 
Gelegenheit zu beobachten hatte, in 2 Hälften theilten, die sich 
in ihrer weiteren Bewegung immer wieder theilten. 

Auf die Pasteur'schen Beschreibungen und Abbildungen^) 
können wir uns nur im Allgemeinen berufen. 

Pasteur beschreibt die Mycoderma aceti unter Anderem 
folgendermassen^) : Sie besteht wesentlich aus Rosenkränzen von 
Gliedern, die meistens gegen die Mitte eingeschnürt sind. Jede 
Zelle theilt sich durch Einschnürungen in der Mitte und erzeugt 
so zwei Zellen. 

Wir haben hauptsächlich dagegen eine Einwendung zu 
machen, dass die einzelne Zelle normaler Weise eine Einschnü- 
rung besitzt. Sie erhält dieselbe nach unseren Beobachtungen 
erst, wenn sie sich zu theilen beginnt. Sodann konnte man an 
den Stäbchen, die beim Erwärmen in eine Zellreihe zerfallen, 
vordem die Zusammensetzung aus einzelnen Gliedern nicht wohl 
unterscheiden. Im Uebrigen sind die Formen bei ihrer mini- 
malen Kleinheit so wenig charakteristisch , dass wir auf die 
Mittheilung der von Einem von uns angefertigten Zeichnungen 
verzichten. 

Ausserdem dürfen wir die sehr nahe liegende Möglichkeit 
nicht ausser Acht lassen, dass verschiedene Bacterienformen die; 
Essigbildung aus Alkohol vollziehen können. Gewisse Bemer- 



1] Vergl. Etudes sur le vinaigre etc. 186S. 
2) Ebenda p. 61. 



327 



kungen ') unseres erfahrensten Bacterienkenners F. Cohn schei- 
nen sogar hierauf hinzudeuten. 

Was die Grössenangaben Pasteur's betrifft, so stimmen 
dieselben nahezu mit unseren Beobachtungen. 

Auch noch einiger unvollständigen Beobachtungen über das 
Auftreten der Essigmutter sei hier Erwähnung gethan. Wir 
hatten sehr häufig Gelegenheit das Ausarten von schleierartigen 
Mycoderma-Häuten in solche schleimige Massen auf unseren 
Versuchsflüssigkeiten zu beobachten. Diese schleimigen, ja leder- 
artigen Häute hält Pasteur für eine andere Modification der 
Mycoderma aceti. Mikroskopische Untersuchungen derselben 
zeigen, dass auch bei dieser Haut das wirkende Princip die 
gleiche Mycoderma aceti ist, nur sind hier die einzelnen Zellen 
durch einen Schleim, der oft auch Mycoderma vini-Zellen in 
sich einschliesst, mit einander verbunden. Der Umstand, dass 
diese schleimige Decke sich rascher und besser ausbildet, d. h. 
eine zähere Consistenz erlangt, wenn vorher in der Flüssigkeit 
Mycoderma vini-Zellen gewesen sind, lässt mit einiger Wahr- 
scheinlichkeit schliessen, dass dieser Schleim theilweise auf 
Kosten der Mycoderma vini entsteht — eine Anschauung, der 
sich wenigstens Einer von uns (K.) hinzugeben geneigt ist. Auf 
dieser Decke vegetirt wie sonst die Mycoderma aceti und be- 
wirkt die Säuerung der Flüssigkeit 2) . 

Als Resultate dieser Arbeit betrachten wir kurz zusammen- 
gefasst folgende Sätze: 

1) Die Anwesenheit von Mycoderma aceti ist bei 
der Essigbildung aus alkoholischen Flüssigkeiten 
(so weit unsere wissenschaftliche Erfahrung reicht) unumgäng- 
lich nothwendig.. 



1) Vergl. dessen Beiträge zur Biologie d. Pflanzen p. 127. Versuche, 
die wir anstellten, durch andere Bacterien , nämlich durch die , welche sich 
spontan auf dem Harn entwickeln, Essiggährung einzuleiten, schlugen fehl. 

2) Mit dieser Ansicht von der Natur der Essigmutter stimmt auch die 
früher oft gemachte Beobachtung, dass die ausgewaschene Essigmutter keine 
Säuerung mehr veranlasst. 

Durch den Waschprocess werden die thätigen Mycoderma aceti-Zeilen 
weggespült. 



328 



. 2) Die Wirkung der Mycoderma aceti ist höchst 
wahrscheinlich eine physiologische, d. h. die Essig- 
bildung ist eng mit dem Gesammtstoffwechsel der 
Pflanze verknüpft. 

3) Die Mycoderma ist gegen den raschen Wech- 
sel in dem Säuregehalt der gährenden Flüssigkeit 
sehr empfindlich, weshalb sich für die Praxis der Essigbe- 
reitung die schon vielfach angewandte Methode sehr empfiehlt, 
den gährenden Essig immer in einer continuirlichen Keihenfolge 
des Säuregehalts durch die verschiedenen Fässer laufen zu lassen. 

4) Die Essigbildung geht auch ganz ohne orga- 
nische stickstoffhaltige Nahrung von Statten, doch 
verläuft dieselbe viel rascher, wenn hoch organi- 
sirte stickstoffhaltige organische Substanzen, ver- 
muthlich in erster Linie Proteinkörper ^J, zugegen 
sind, weil diese ein üppigeres Wachsthum des 
Essigpilzes begünstigen^). 

5) Bei einer Temperatur, die unter 18^ C. liegt, 
gedeiht die Mycoderma aceti sehr spärlich, und dem 
entsprechend geht die Säuerung bei dieser Tempe- 
ratur sehr langsam vor sich. 

6) Die Mycoderma aceti ist allem Anschein nach 
eine Bacterienart, die sich durch Quertheilung ver- 
mehrt und einen unbeweglichen und beweglichen 
Zustand zeigt. Mit dem beweglichen Zustand ist 
eine rapide Säuerung der Flüssigkeit verbunden. 

7) Ozonhaltige Luft oxydirt den Alkohol nicht 
zu Essigsäure. 



^) Wir erinnern hier an die früheren Beobachtungen von Einem von uns, 
wonach gerade die eigentlichen Proteinkörper (abweichend von den Ernäh- 
rungsbedingungen des Hefepilzes) die Essiggährung begünstigen. Vgl. Adolf 
Mayer: Untersuchungen über die alkoholische Gährung etc. 1S69. 

2) Bei der Schnellessigfabrication ist freilich ein zu üppiges Wachsthum 
weniger zu wünschen , weil dort die Temperatur in den Fässern leicht so 
hoch steigt, dass die Mycoderma aceti selbst dadurch in ihrer Entwicklung 
beeinträchtigt werden kann, und auch der Verlust an Alkohol in diesem Falle 
ein zu grosser wird. 



329 



Im Allgemeinen würden mithin unsere Resultate mit den 
P a s t e u r'schen übereinstimmen, nur in 2) gehen wir noch über 
denselben hinaus, indem wir die Essiggährung ihrer Ursächlich- 
keit nach in allen Stücken als der alkoholischen Gährung analog 
auffassen. 

Heidelberg, im März 1ST3. 



Zur Frage über die Verdauung des Heufetts. 

Von 

Prof. Dr. Ernst Schulze. 



Im XV. Bande dieser Zeitschrift (S. 81) habe ich einige 
Bedenken gegen eine Methode ausgesprochen, vermittelst welcher 
man sich nach J. König über die verdauliche Fettmenge im 
Rauhfutter Aufschluss soll verschaffen können . König hat nun 
neuerdings (diese Zeitschr. Bd. XVI, S. 40) meine Bedenken 
zu entkräften gesucht. Seine Entgegnung giebt mir zu einigen 
Bemerkungen Veranlassung. 

In meiner früheren Mittheilung hatte ich gezeigt, dass der 
in Alkohol leicht lösliche, von König als »eigentliches Fett« 
bezeichnete und für ganz verdaulich erklärte Theil des Wie- 
senheufetts kein eigentliches Fett sei, d. h. keine Glyceride 
enthalte. Ich hatte ferner nachzuweisen gesucht, dass dieser 
Theil des Wiesenheufetts nicht vollständig verdaulich sei; denn 
der von Schafen bei Wiesenheufütterung entleerte Koth enthalte 
eine in Alkohol leicht lösliche Fettsubstanz, welche man, bis 
das Gegentheil bewiesen sei, als einen Ueberrest von dem gleich- 
artigen Bestandtheil des Futters ansehen müsse ; dass ferner der 
in Alkohol schwer lösliche, von König als Wachs bezeichnete 
und für unverdaulich erklärte Theil des Wiesenheufetts nicht 
vollständig im Koth wiederzufinden sei und dass derselbe daher 
als theilweise verdaulich betrachtet werden müsse. 



330 



König- bestätigt nun die von mir gemachte Angabe, dass 
das Wiesenheufett keine Glyceride enthalte; er sagt aber, dass 
der Ausdruck »eigentliches Fett«, welchen er in der früheren 
Abhandlung gebraucht habe, nur den Unterschied zwischen die- 
sem Theile des Aetherextracts und dem Wachs scharf habe her- 
vorheben sollen, ohne zu besagen, dass dieser Theil aus wirk- 
Heben Glyceriden bestehe. 

Um den Verdacht von mir abzuwälzen, als ob ich eine von 
König gar nicht gemachte Behauptung demselben untergeschoben 
habe, weise ich hin auf folgende Stellen, welche sich in den 
von König gemachten Mittheilungen finden: 

»Die Zahlen für die elementare Zusammensetzung des in 
kaltem Alkohol löslichen Theils der Pflanzenfette mit Ausnahme 
des von Erbsenstroh deuten unzweifelhaft auf reines wirkliches 
Fett (Tristearin, Tripalmitin und Triolein) hin« (vgl. Berichte 
der Deutschen chemischen Gesellschaft, III. S. 568). 

»Der chlorophyllfreie Aetherextract ist jedoch bei dem Rauh- 
futter noch kein reines Fett, sondern mehr oder minder mit 
Pflanzenwachs verunreinigt. Dieses suchte ich von dem eigent- 
lichen Fett (d. h. Glyceriden) auf folgende Weise zu trennen« 
(vergl. diese Zeitschr. Bd. XIII, S. 244). 

Nach diesen Stellen musste ich doch annehmen, dass König 
den von ihm als wirkliches oder eigentliches Fett bezeichneten 
Theil des Aetherextracts aus Rauhfutterstoffen für ein Gemenge 
von Glyceriden halte. 

Ferner sagt König: Man brauche nicht anzunehmen, dass 
der in kaltem Alkohol lösliche Theil des Kothfetts ein unver- 
dauter Ueberrest von dem gleichartigen Heubestandtheil sei. 
Denn das Heu wachs sei nicht absolut unlöslich, sondern nur 
schwer löslich in kaltem Alkohol. Es sei nun sehr wohl denk- 
bar und mit chemischen Begriffen sehr wohl zu vereinigen, dass 
der kalte Alkohol, wenn er durch Lösung der leichter löslichen 
Verbindungen gesättigt sei, von der wachsartigen Substanz nichts 
mehr aufnehme, vorhanden. Das in kaltem Alkohol lösliche 
Fett des Koths könne also herstammen von der wachsartigen 
Substanz des Heus. 

Diese Erklärung würde vielleicht befriedigen können, wenn 



331 



von der entchlorophyllten Fettsubstanz des Koths nur ein kleiner 
Theil sich auflöste. Aber in dem von mir mitgeth eilten Falle 
lösten sich von derselben 67 Proc. in kaltem Alkohol (d. h. 
blieben nach Auflösung der ganzen Masse in einer möglichst 
geringen Menge von heissem Alkohol beim Erkalten gelöst). 
König fand von der entchlorophyllten Fettsubstanz des Wie- 
senheukoths 56 Proc. in kaltem Alkohol löslich. Sollte wirklich 
ein bei Gegenwart der leichter löslichen Verbindungen in kaltem 
Alkohol sehr schwer lösliches Stoffgemenge nach Entfernung der- 
selben eine so ganz andere Löslichkeit zeigen? 

Viel natürlicher, als eine solche Erklärungsweise für den 
Gehalt des Koths an leicht löslichem Fett, erscheint doch die An- 
nahme, dass dasselbe ein Ueberrest von dem gleichartigen Heube- 
standtheile ist. Denn nachdem nachgewiesen ist, dass das Heufett 
keine Glyceride enthält, nachdem ferner durch König's neuere 
Untersuchungen wahrscheinlich gew^orden ist, dass sowohl der in 
kaltem Alkohol leicht lösliche, als der darin schwer lösliche Theil 
des Heufetts aus wachsartigen Stoffen besteht, d. h. aus Verbin- 
dungen von Fettsäuren mit Alkoholen der Fettreihe (gemengt mit 
Kohlenwasserstoffen), so dürfte es doch schwer sein, sich einen 
Grund zu denken, aus welchem der eine Theil vollständig zur Ver- 
dauung gelangte, der zweite ganz unverdaut ausgeschieden wurde. 
Viel wahrscheinlicher muss die Annahme erscheinen, dass beide 
Theile theilweise verdaut werden, und dass die Verdauung in 
beiden Fällen vorzugsweise die kohlenstoffärmeren Substanzen 
trifft. Mit dieser Annahme würden die von mir ermittelten Zah- 
len übereinstimmen; diese Annahme ist aber auch mit der von 
König angegebenen Elementarzusammensetzung der betreffenden 
Theile des Kothfetts leicht in Einklang zu bringen. 

In meiner früheren Mittheilung hatte ich ferner gezeigt, dass 
bei den in Weende an Schafen angestellten Fütterungsversuchen 
die aus Wiesenheu zur Verdauung gelangte Fettmenge nicht 
itbereinstimmte mit dem Gehalt des Wiesenheus an in kaltem 
Alkohol löslichem Fett; dass demnach dem von König aufge- 
stellten Satze auch keine empirische Geltung zukommen könne. 
König bemerkt darauf, dass die meisten der von mir mitge- 
theilten Zahlen seiner Behauptung nicht sehr schroff entgegen- 



332 



ständen; denn er habe nur behauptet, dass man mittelst der 
Alkohol-Trennungsmethode die im Heu enthaltene verdauliche 
Fettmenge ziemlich annähernd bestimmen könne. Er fährt dann 
fort : »Dass von der allgemeinen Regel Ausnahmen vorkommen 
können, gebe ich gern zu und möchte für eine solche Ausnahme 
auch den einen herangezogenen Versuch halten, wonach vom 
Wiesenheufett nur 15 Proc. überhaupt verdaut würden; eine 
Zahl, welche von der für die Verdaulichkeit des Heufetts ge- 
fundenen Durchschnittszahl zahlreicher Fütterungsversuche 
sehr erheblich abweicht.« 

Darauf erwidre ich , dass eine so niedrige Ausnutzung des 
Heufetts auch in anderen Fällen beobachtet wurde, wie sich aus 
der weiter unten folgenden Zusammenstellung ergiebt; dass fer- 
ner aber die von mir mitgetheilte Zahl nicht aus einem Versuche 
abgeleitet ist, sondern aus drei Versuchen, wie ich in meiner 
früheren Mittheilung deutlich gesagt hatte. Die bei den einzelnen 
Versuchen erhaltenen Zahlen waren folgende : 



Da die gleichen Thiere vom Fett des Wiesenheus durch- 
schnittlich 54 % verdaut hatten , so war der Grund für die ge- 
ringe Ausnutzung des Fetts vom Wiesenheu b nicht in der Indi- 
vidualität der Versuchsthiere zu suchen ; derselbe musste vielmehr 
gesucht werden in der Beschaffenheit des Wiesenheufetts. Es 
bot also dieser Fall eine sehr geeignete Gelegenheit dar , die 
von König ausgesprochene Behauptung auf ihre Richtigkeit zu 
prüfen; und diese Prüfung hat dieselbe nicht bestanden. 

Auch Heidepriem 1) hat vergebens versucht, sich vermit- 



1) Diese Zeitschr. Bd. XVI, S. 25. Allerdings sind die Fettmengen, 
welche Heidepriem zur Trennung vermittelst Alkohol verwendete, so ge- 
ring, dass das Resultat nun ein sicheres sein konnte ; in dem einen Falle 
betrug die angewendete Fettmenge nur 0,063 Grm. , die daraus erhaltene 
Menge von schwer löslichem Fett nur 0,004 Grm. 



Ausnutzung des Fetts 
von Wiesenheu b 



Hammel I und IV 
II 

» III 



13% 



14 » 

19 » 



Mittel 15 » 



333 



telst der von König vorgeschlagenen Methode über die im Lu- 
pinenheu und -Stroh enthaltene verdauliche Fettmenge Aufschluss 
zu verschaffen. 

Schliesslich bemerke ich noch Folgendes : Wenn man die 
Resultate aller über die Ausnutzung des Wiesenheus durch Wie- 
derkäuer bis jetzt angestellten Versuche überblickt, so findet 
man, dass nicht nur die Ausnutzung des Aetherextracts verschie- 
dener Wiesenheusorten ausserordentlich grossen Schwankungen 
unterliegt, sondern dass auch bei Anwendung der gleichen Wie- 
senheusorte in verschiedenen Versuchen in der Ausnutzung des 
Aetherextracts bisweilen sehr grosse Differenzen sich gezeigt 
haben. Als Beweis kann die folgende Zusammenstellung dienen, 
in welche ich alle mir bekannten Versuche aufgenommen habe, 
so weit bei denselben die Ausnutzung des Aetherextracts be- 
stimmt wurde : 





Als Ver- 
suchs- 
thiere 


An- 

zahl 


Vom Aetherextract wurden 


1 


Futter 


der 
Ver- 
suche 


verdaut in Proc. 


Versuchsansteller 




dienten 


Min. 


Max, 


im Mittel 




Wiesenheu 


Ochsen 


2 


26 


45 


35 


Henneberg. 
Stohmann und 
Rautenb e rg i) 


desgl. 


dsgl. 


4 


37,5 


40,5 


40 


Kühn, Aron- 
stein und 
Schultze2) 


desgl. 


Milchkühe 


3 


61,0 


69,7 


64 


Kühn und 
rie isch er3) 


desgl . 


Hammel 


1 






55 


Hofmeister*) 


desgl. 


desgl. 


4 


8,5 


25,6 


10 


E. Wolffö) 


desgl. (a) 


desgl. 


5 


49 


60 


54 


E. Schulze und 
M. Märcker6) 


desgl. (b) 


desgl. 


3 


13 


19 


15 


Dieselben 


desgl. 


Ziegen 


6 


43 


46 


44 


Stohmann'^) 


Grummet 


Hammel 


2 


27 


35 


31 


E. Schulze und 
M. Märcker 



1) Beiträge zu e. ration. Fütt. d. Wiederkäuer, II, S. 330. 

2) Journ. f. Landw. 1865, S. 283. 

3) Diese Zeitschr. XII, S. 362. 

4) Diese Zeitschr. VI, S. 185. 

5) Die landw. Versuchs-Station Hohenheim, S. 71. In zwei Versuchen 
wurde das Wiesenheu ohne Beigabe von Salz, in zwei anderen unter Salz- 
zusatz verfüttert. 

6) Journ. f. Landw. 1871, S. 57. 

7) Annal. d. Landw. Monatsh. 1870, S. III. 



334 



Es haben sich also, wenn wir die Minimal- und Maximal- 
zahlen berücksichtigen, in der Ausnutzung des Aetherextracts 
vom Wiesenhen Schwankungen von 8,5 bis 69,7 Proc. gezeigt! 
Aehnliche Schwankungen finden sich bei keinem andern Heu- 
bestandtheil. 

Aus den grossen Differenzen in den Mittelzahlen würde man, 
falls die von König gemachten Behauptungen begründet wären, 
folgern müssen, dass der Gehalt verschiedener Wiesenheusorten 
an in kaltem Alkohol löslicher und also verdaulicher Fettsubstanz 
sehr verschieden sei. Bei den bisherigen Untersuchungen sind 
grosse Verschiedenheiten nicht hervorgetreten, wie die folgende 
Zusammenstellung zeigt : 



Gehalt der Wiesenheu-Trockensubstanz 



1. 

2. 

3. 
4. 
5. 
6. 
7. 



an 

in Alkohol 
leicht löslichem Fett : 

Proc. 

1,23 

0,99 

1,02 

1,06 

1,02 

1,34 

1,14 



an 

in Alkohol 
schwer löslichem Pett 

Proc. 

0,43 

0,38 

0,31 

0,60 

0,54 

0,47 

0,47 



Analytiker : 



J. König 



E. Schulze 



Hätten aber auch grössere Verschiedenheiten sich gezeigt, oder 
würden dieselben durch spätere Untersuchungen noch constatirt, so 
würden damit selbstverständlich noch nicht die grossen Schwan- 
kungen erklärt sein, welche bei den mit der gleichen Wiesenheu- 
sorte angestellten Versuchen in der Fettausuutzung sich gezeigt 
haben. 

Diese grossen Schwankungen machen es sehr unwahrschein- 
lich, dass der entchlorophyllte Aetherextract des Wiesenheus, wie 
König es behauptet, aus einem absolut verdaulichen und einem 
ganz unverdaulichen Theile besteht; sie deuten vielmehr darauf 
hin, dass die in demselben enthaltenen wachsartigen Substanzen 
sämmtlich nur relativ verdaulich sind; sie machen es ferner 
wahrscheinlich, dass die Verschiedenheiten im Verlauf des Ver- 
dauungsprocesses, welche die bei der gleichen Wiesenheusorte in 



335 



verschiedenen Versuchen sich zeigenden Ausnutzungsdifferenzen 
bedingen^ die Ausnutzung des Aetherextracts stärker beeinflussen, 
als die Ausnutzung irgend eines andern Heubestandtheils i) . 

Im Hinblick auf die in der Tabelle mitgetheilten Zahlen 
muss man aber wohl die Hoffnung aufgeben, sich durch irgend 
eine Methode über die im Wiesenheu enthaltene verdauliche Fett- 
menge a priori, ohne Zuhülfenahme des directen Versuchs, Auf- 
schluss verschaffen zu können. Das Gleiche gilt vielleicht für 
alles Eauhfutter; dann auch bei den mit anderen Rauhfutter- 
stoffen ausgeführten Versuchen haben sich in der Ausnutzung 
des Fetts bisweilen sehr bedeutende Schwankungen gezeigt. 

Zürich, im März 1873. 



^) Um die grossen Schwankungen in der Fettausnutzung zu erklären, 
hat man wohl angenommen , dass dem aus dem Koth dargestellten Aether- 
extract StofFwechselprbducte beigemischt seien; so bemerkt z. B. Heide- 
priem (diese Zeitschr. XVI, S. 24), »die Aetherextraction gestatte keinen 
sicheren Schluss auf die ausgeschiedenen und unverdauten Pettantheile des 
Futters, da einige der im Kothe vorhandenen Stoffwechselproducte ebenfalls 
durch Aether aufgelöst würden«. Ich habe schon in meiner früheren ,Mit- 
theilung darauf aufmerksam gemacht , dass keine Thatsachen bekannt sind, 
welche uns zu einer solchen Annahme zwingen könnten. Von den Gallen- 
stoffen insbesondere und deren Zersetzungsproducten , so weit letztere uns 
bekannt sind, könnten nur Dyslysin und Cholesterin in grösserer Menge in 
den ätherischen Kothextract eingehen. Dyslysin aber konnte weder im Kuh- 
koth noch im Schafkoth aufgefunden werden und auch Cholesterin kommt 
nach den Angaben von Marcet (Gmelin, Chemie, Bd. VIT, S. 2091) Inden 
Excrementen der Wiederkäuer nicht vor. — Für die Fettausnutzung wür- 
den sich aus der Differenz zwischen den Aetherextracten des Futters und 
des Koths in dem Falle falsche Zahlen berechnen, wenn im Koth Fett- 
seifen ausgeschieden werden; ein Fall, welcher nicht als unmöglich bezeich- 
net werden kann. 



336 



Beobachtungen über den Einfluss des Leucht- 
gases auf die Vegetation von Bäumen 

von 

Späth und Meyer. 



Untersuchungen über die Einwirkung des Leuchtgases auf 
das Gedeihen der Bäume, welche im botanischen Garten zu Ber- 
lin am 7. Juli 1871 abgeschlossen und auf dem Grundstücke 
des Baumschulbesitzers Herrn Späth weiter fortgesetzt worden 
sind, hatten bereits zu dem Schlüsse geführt, dass selbst die 
geringe Gasmenge von 25 Cubikfuss (0,772 Cubikmeter), täglich 
auf eine Quadratruthe (14,19 Quadratmeter) Boden und auf 
4 Fuss (1,256 Meter) Tiefe vertheilt, die mit dem Gas in Berüh- 
rung kommenden Wurzelspitzen der Bäume jeder Art in kurzer 
Zeit tödtet ; dass das Absterben derselben in festem Boden früher 
erfolgt, als in lockerem Boden, sowie dass einzelne Baumarten 
ihre Erkrankung früher, andere später zu erkennen geben. 

Die weiteren in gleicher Richtung von Herrn Späth, in 
Verbindung mit Herrn Gartendirector Meyer, fortgeführten Be- 
obachtungen gelangten in der Sitzung der Stadtverordneten zu 
Berlin vom 17. October 1872 zum Vortrage. 

Referent: Herr Stadtverordneter Dr. Vir c ho w. 

Die Versuche wurden an Bäumen auf dem Grundstücke des 
Herrn Späth ausgeführt. Sie waren vertheilt auf 28,38 Quadrat- 
meter (zwei Quadratruthen). Täglich wurden 1,545 und 0,772 
Cubikmeter (50 und resp. 25 Cubikfuss) Leuchtgas dem Boden 
zugeführt. 

Es schienen die Knospen der nach einer vierwöchentlichen 
Gaszuleitung bereits dem Absterben sicher verfallenen Bäume 
dem äusseren Ansehen nach sich noch gesund erhalten zu haben ; 
jedoch zeigte sich bei der am 21. Januar 1872 vorgenommenen 
näheren Untersuchung von Durchschnitten der Knospen und einer 



337 



durchaus todt. 



vergleichenden Betrachtung derselben mit Durchschnitten der 
Knospen von gesunden Bäumen derselben Art, vrelche vom Ver- 
gleichsfelde entnommen wurden, dass 
die Knospen der Platanen, 

der Silberpappeln, 

der amerikanischen Wallnüsse, 

der Götterbäume und Kugelakazien 

,1 zwar noch lebend , aber im 
der Knospen der Ahornbaume und K. , . i u 

^ 1 1 . . > Innern sehr stark braunge- 

der Kosskastanien ( i ^ 

j färbt waren. 

Nur die Knospen der Linden erschienen noch normal, in- 
dem kaum ein Unterschied zwischen den Knospen dieser Bäume 
und denen von den gesunden Bäumen des Vergleichsfeldes mit- 
telst Lupe zu entdecken war. 

Da hierdurch festgestellt, dass mit alleinigem Ausschluss 
der Linden sämmtliche auf 14,19 Meter (einer Quadratruthe) 
stehende Bäume bei 0,772 Cubikmeter (25 Cubikfuss) täglicher 
Gaszuleitung nach 41/2 Monaten vollkommen getödtet waren, 
wurde die weitere Zuleitung von Gas nach diesem Versuchsfelde 
hin unterbrochen. Doch sind auch die Linden in diesem Früh- 
jahre nicht ausgetrieben. Bei einer genaueren Untersuchung 
dieser Linden, wie einiger Ahorn- und Rosskastanienbäume, 
welche ebenfalls im Frühjahre noch grüne Rinde zeigten, erwiesen 
sich sämmtliche Wurzeln bis auf einige starke Hauptwurzeln 
todt. Einer der Rosskastanienbäume, welcher noch am fähigsten 
schien, unter günstigen Umständen sich wieder zu erholen, wurde 
von den abgestorbenen Wurzeln gänzlich befreit und weit abseits 
von dem Versuchsfelde in frischen Boden eingesetzt und gut be- 
gossen, ist aber ebenfalls nicht wieder ausgetrieben. 

Um nun weiter festzustellen, worauf die Ergebnisse der 
bisherigen Untersuchungen bereits hinwiesen, 

dass nämlich ein selbst bedeutendes Leuchtgasquantum, 
welches den Wurzeln der Bäume im Zustande der Win- 
terruhe zugeführt wird, wo die Wurzeln bereits stark 
abgehärtet (verholzt) sind, ihnen viel weniger schade, 
als ein viel geringeres Volumen im Zustande ihres 
Wachsthums, 

Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1S73. 22 



338 



wurde Ende März d. J. ein besonderes Zuleitungsrohr zwischen 
zwei Reihen Bäume des bisherigen Vergleichsfeldes geführt, 
0,785 Meter (21/2 Fuss) tief eingelegt und vor dem Zuschütten 
mit Erde sorgfältig mittelst Scherben abgedeckt, damit die Aus- 
strömungsöflPnungen sich nicht verstopften, und diesen beiden 
7,636 Meter (24 Fuss) langen und 1,256 Meter (4 Fuss) von 
einander stehenden Baumreihen vom 5. März bis 10. April, wo 
die Zuleitung wieder unterbrochen wurde, 170 Cubikmeter Leucht- 
gas zugeführt, was auf den Tag 4,72 Cubikmeter oder 152^/2 
Cubikfuss beträgt. 

Wider Erwarten trieben sämmtliche 22 Bäume aus, von 
denen bis zum 30. Mai allmälig abstarben 1 Platane, 3 ameri- 
kanische Wallnüsse, 1 spitzblättriger Ahorn, 1 Rosskastanie und 
1 Rüster, zusammen 7 Bäume, während vollkommen gesund 
blieben und bis jetzt kräftig weiter gediehen 4 rauhfrüchtige 
amerikanische Ahorne, 1 Esche, 3 Linden, 1 amerikanische Wall- 
nuss, 2 spitzblättrige Ahorne, 2 Rosskastanien und selbst 2 Gle- 
ditschien, zusammen 15 Bäume, so dass die Richtigkeit der Vor- 
aussetzung bei diesem Versuche durch den Erfolg vollkommen 
bestätigt wurde. 

Es blieb nun noch zu untersuchen übrig, ob das höchst ge- 
ringe Leuchtgasquantum von 0,0154 bis 0,0185 Cubikmeter 
(5 bis 6 Cubikfuss) täglich auf eine Fläche von 14,19 Quadrat- 
meter (1 Quadratruthe) Grösse und 0,785 Meter (2^/2 Fuss) Tiefe 
gleickmässig vertheilt, den darauf stehenden Bäumen nachweis- 
bar schädlich werden und den Tod derselben herbeiführen könne, 
wenn die Bäume der Einwirkung dieses Gases während ihrer 
Wachsthumsperiode, insbesondere während ihrer Fibrillenbildung, 
ausgesetzt sind. 

Zu diesem Zwecke wurde ein Zuleitungsrohr der bisherigen 
Art und in der bisherigen Weise zwischen den beiden letzten 
Baumreihen des Vergleichsfeldes eingesenkt und den darauf ste- 
henden 17 Bäumen vom 11. April bis zum 27. Juni, wo die Zulei- 
tung wieder geschlossen wurde, 15 Cubikmeter Leuchtgas gleich- 
mässig zugeführt, was täglich rund 0,0185 Cubikmeter beträgt. 

Sämmtliche Bäume trieben zwar Ende April und Anfang 
Mai kräftig aus; jedoch starben, nachdem sie etwa 13 Millimeter 



339 



lange Triebe entwickelt hatten, bis zum 30. Mai bereits ab: 
1 Götterbaum, 1 Gleditschie, 3 Kugelakazien und 1 Rüster. 

Zur selben Zeit erschienen noch vollkommen gesund, weil 
im Ganzen kräftig weiter vegetirend: 1 Esche, 3 rauhfrtichtige 
AhornC; 2 stumpf blättrige Ahorne, 2 Silberpappeln, 1 Gleditschie, 
1 Rüster und 1 Götterbaum ; jedoch Hessen auch diese Bäume, 
mit alleiniger Ausnahme eines rauhfrüchtigen Ahorn, bis zum 
27. Juni im Triebe bedeutend nach und zeigten ein mattes, ins 
Gelbe ziehendes Grün der Blätter, wie es kranken Bäumen eigen- 
thümlich ist. Bei einer der Silberpappeln war die Spitze inzwi- 
schen ganz zurückgestorben, bei der anderen dem Absterben nahe. 

Nach sorgfältiger Ausgrabung der ersteren der Silberpappeln 
und eines der rauhfrüchtigen Ahornbäume bestätigte sich die Ver- 
muthung, dass sämmtliche diesjährige und auch ein Theil der vor- 
jährigen bis 1,5 Millimeter starken Wurzeln abgestorben und nur 
die stärkeren und zugleich älteren noch gesund waren. Da hiernach 
die im Frühjahre getriebenen Fibrillen der Bäume durch die Zu- 
leitung dieses geringen Leuchtgasquantums — von täglich 0,0185 
Cubikmeter auf 13,35 Cubikmeter Boden — gänzlich zerstört 
worden sind, folgt mit Gewissheit, dass bei fortgesetzter Zulei- 
tung des Gases auch die Fibrillen der zweiten Bildungsperiode 
im Monat August zerstört worden wären und hiermit der Tod 
der Bäume bis zum nächsten Frühjahre unausbleiblich erfolgt 
sein würde. Aus diesem Grunde wurde es nicht für noth wendig 
erachtet, diesen oder auch nur noch einen ähnlichen Versuch, 
noch weiter zu verfolgen. 

Die Versuche in dem botanischen Garten und die ersten 
Versuche auf dem Späth'schen Grundstücke, über welche am 
17. Januar d. J. berichtet wurde, hatten bereits ergeben: 

»dass selbst die geringe Menge Leuchtgas von 0,772 
Cubikmeter (25 Cubikfussj täglich auf 17,8 Cubikmeter 
(576 Cubikfuss) Boden vertheilt, die mit dem Gas in 
Berührung kommenden Wurzelspitzen der Bäume jeder 
Art in kurzer Zeit tödtet, und dass dieses um so früher 
geschieht, je fester die Bodenoberfläche ist. Einzelne 
Baumarten (wie Götterbaum, Gleditschie, Rüster und 
Kugelakazie) geben eine solche Vergiftung früher, an- 

22* 



340 



dere (wie Ahorn und Linde) später äusserlich zu er- 
kennen.« 

Nach den hier erörterten weiteren Untersuchungen ist es fer- 
ner ausser Zweifel gestellt, dass das Leuchtgas auf die Wurzeln 
der Bäume im Winter weniger zerstörend wirkt, als während der 
Wachsthumsperiode derselben, und dass selbst ein höchst gerin- 
ges Quantum von Leuchtgas, wenn es anhaltend auf die Wur- 
zelspitzen wirkt, deren Erkrankung und endlich den Tod der 
Bäume sicher herbeiführt. Erholen können dergleichen erkrankte 
Bäume sich nur dann, wenn die Einwirkung des Leuchtgases 
nur gering und von kurzer Dauer ist und jedenfalls nicht eine 
ganze jährliche Wachsthumsperiode umfasst. 

Da nun nach den Versicherungen der Beamten der Gasan- 
stalt dergleichen undichte Stellen in den Leitungsröhren, aus 
denen täglich etwa 0,0185 Cubikmeter (6 Cubikfuss) Gas ent- 
weicht, nicht zu entdecken sind, weil eine so geringe Gasmenge 
weder durch Geruch noch sonst wie an der Bodenoberfläche sich 
bemerklich macht, daher ohne Zweifel auf nicht wenigen Stellen 
der hiesigen Gasleitung eine solche Ausströmung unausgesetzt 
stattfindet, so sind die Baumanpflanzungen überall in der Nähe 
der Gasleitungen ganz unzweifelhaft in Gefahr. 

Ja selbst wenn die Köhren ziemlich entfernt von den Bäu- 
men liegen, ist eine Vergiftung der Wurzeln durch Leuchtgas 
sehr wohl möglich, denn wie die Versuche beweisen, ist hierzu 
nur ein höchst geringes, wenn nur unausgesetzt gleichmässig 
zuströmendes Gasquantum nöthig, welches bei fester Bodenober- 
fläche um so nachhaltiger wirkt, als es daselbst sich ansammelt, 
unter derselben in lockeren Schichten zuweilen 9,42 bis 12,56 
Meter (30 bis 40 Fuss) weit vordringt, bevor es an die Oberfläche 
tritt und auf solchem Wege nicht selten die Wurzeln der Bäume 
berühren und sie allmälig tödten kann. 

Einen solchen Fall, wo das Leuchtgas von einer undichten 
Stelle der Gasleitung auf der einen Seite der Sti'asse ausströmte 
und unter der Bodenoberfläche etwa (40 Fuss) 12,56 Meter nach 
einem gegenüber liegenden Keller sich fortarbeitete und dort 
durch einen unerträglichen Geruch sich bemerklich machte, konn- 
ten dieselben Beamten der städtischen Gasanstalt constatiren. 



341 



Es ist daher nicht überflüssig, als sicheres Ergebniss der statt- 
gefundenen Untersuchungen nochmals zu wiederholen, dass Baum- 
pflanzungen auf Strassen mit Gasbeleuchtung, selbst in verhält- 
nissmässig weiter Entfernung von den Röhrenleitungen^ der Ge- 
fahr der Erkrankung und des Absterbens ausgesetzt sind, so 
lange es nicht gelingt, einen durchaus luftdichten Verschluss für 
die Verbindungsstellen (Muffen) der Röhren aufzufinden und in 
Anwendung zu bringen, oder eine Vorrichtung zu treffen, mit- 
telst welcher das entweichende Leuchtgas, ohne sich erst dem 
Boden mittheilen zu müssen, unbehindert aus der Tiefe ent- 
weichen kann. 



Die springenden Samen aus Mexiko, 

Von 

Prof. Dr. F. Buchenau i). 



In der Ausstellung des Bremer Gartenbauvereins vom Sep- 
tember 1871 erregte ein Teller voll lebhaft sich bewegender 
»springender Bohnen« aus Mexiko die allgemeine Aufmerksam- 
keit in ganz besonderm Masse. Die Samen waren von Herrn 
Hugo Martens überbracht worden, der bereits seit Mitte Juni 
mit ihnen unterwegs war und die Reise über San Francisco und 
die Pacific-Eisenbahn gemacht hatte. Von ihm erfuhr ich fol- 
gendes Nähere über die Abstammung der Samen. Sie stammen 
aus einer heissen Gegend in der Nähe von Alamos im Staate 
Sonora und gehören einem grossen Baume von ulmenartigem 
Ansehen an. Die Samen werden dort brincadores genannt; sie 
sind in dem einen Jahre häufig, im andern selten. Die über- 
brachten hatten sich während der ganzen Reise immer sehr stark 
bewegt j sobald sie auf einen flachen Gegenstand gelegt wurden ; 

1) Aus den »Abhandlungen, herausgegeben vom Naturw. Verein zu Bre- 
men« III. Bd. 3. Heft. 



342 



auf einer gewärmten Unterlage oder im directen Sonnenlichte 
nahm die Intensität ihrer Bewegungen überraschend zu. 

Die fraglichen Samen wurden mir zum Theil zur Unter- 
suchung übergeben ; ein grosser Theil wurde aber über Deutsch- 
land verbreitet, und so ist das Phänomen gewiss vielerwärts 
beobachtet worden. Es scheint dies aber auch das erste Mal 
gewesen zu sein, dass die Samen nach Deutschland kamen (we- 
nigstens wusste der Entomologe Hr. Dr. Gerstäcker in Berlin 
mir Nichts darüber in der deutschen Literatur nachzuweisen, 
während er mir die englischen und französischen Citate freund- 
lichst übermittelte), und dürfte es deshalb von einigem Interesse 
sein, hier einige Beobachtungen über sie mitzutheilen^) . 

Vorher schicke ich einige Notizen über die Angaben, welche 
ich in der französischen und englischen Literatur aufzufinden 
vermochte. 

Das erste Bekanntwerden der »springenden Samen« in Europa 
scheint in das Jahr 1857 zurück zu datiren. Die Transactions 
of the entomolog. society of London 1856 — 58, new ser., IV, 
Proceed. pag. 90 enthalten ein Schreiben des Hrn. W. G. Lett- 
som von der englischen Gesandtschaft in Mexiko, datirt vom 
2. Sept. 1857, mit welchem derselbe eine Büchse voll frischer 
Samen aus der Nachbarschaft von Tassic einsendet, wobei er 
schon ihre Keizbarkeit gegen die Wärme erwähnt und um Be- 
stimmung des Insectes bittet. Diese erfolgt dann im folgenden 
Bande des eben citirten Journales durch Westwood (1858, V, 
Proceed. pag. 27), dahin, dass das Thier zu Carpocapsa, einer 
Gattung der Platiomyden (Familie der Wickler, Tortricina) ge- 
hört, und noch in demselben Jahre veröffentlichte Lucas in den 
Annales de la soc. entomologique de France, 1858, 3. serie^ 
VI, pag. 10, 33, 41 (Bulletin); 1859, VII, pag. 561 ff. eine 
Beschreibung und Abbildung des Thieres, sowie eine ausführ- 
liche Erörterung des ganzen Vorganges; ausserdem citirt Dr. 
Gerstäcker noch Revue et magasin de Zoologie, 2. serie, X, 
p. 171, 470, welche Stelle ich aber nicht vergleichen konnte. 

1) Aehnliche Erscheinungen sind übrigens nach Gerstäcker auch schon 
an den Gallen einer Cynips und nach Lucas an den von den Larven von 
Nanodes Tamarisci bewohnten Samen einer Tamarix bekannt. 



_ Ii 



343 



Westwbod giebt folgende Beschreibung des Thieres: 

Carpocapsa saltitans Westw. (Deshaisiana Luc). 

C. Alis anticis griseo-albis cinereo rivulosis; costa lineolis 
circiter 16 obliquis alternatim tenuibus, angulo apicali nigricanti 
plagae parva ovali albida; margine postico prope basin macula 
parva quadrata nigricanti, plagaque postica magna conica cinerea, 
nigro lineata et marginata, margine apicali griseo plumbeo et 
albo variegato serie duplici punctorum minutorum nigrorum, alis 
posticis fuscis, capite et collari brunnescentibns, palpis extus 
fuscis, intus albidis. Expansio alarum antic. lin. 9. 

Hab. Larva in seminibus plantae peruvianae (?B.) Calliguaja 
dictae, quae motu saltatorio mire progrediuntur. — 

Die »springenden Bohnen« sind, wie der Augenschein lehrt, 
die Samen einer baumartigen Euphorbiacee. Sie haben die für 
diese Familie charakteristische Gestalt, nämlich zwei ebene, unter 
120^ geneigte Flächen und eine gewölbte Rückenfläche, die in 
der Mitte einen gerundeten Kiel besizt; bekanntlich rührt diese 
Form daher, dass drei Samen in einer Frucht vereinigt sind. 
Das Gewicht des grössten Samens betrug 0,15 Grm. , das des 
kleinsten 0,07; die Länge des grössten an der Innern Kante 
1 1 die quere Breite 12°^"^; die Länge des kleinsten an der 
Innern Kante 8"^^, die quere Breite 9"'". Die Farbe der Bohne 
ist ein wenig hervortretendes Gelbgrau. Auf der Innern Seite 
des Samens findet sich eine in querer Richtung breitere, glatte, 
gelbe Stelle von 4—5™™ Breite bei 2—23/4™™ Länge. Sie ent- 
spricht der Chalaza (der Befestigungsstelle) des Samens; sie 
schiebt sich unter die beiden Spitzen im obern Innern Winkel 
des Samens, mit denen der Samen offenbar an der Mittelsäule 
befestigt war; sie ist ein Theil des Gespinnstes, mit dem die 
in dem Samen enthaltene Raupe nach dem Ausfressen des Kernes 
die ganze innere Oberfläche des Samens bekleidet hat und tritt 
nur hier, wo die eigentliche Samenschale fehlt, zu Tage, indem 
sie fast vollständig in der Ebene der beiden Flächen liegt und 
sich ihnen als eine Scheinfortsetzung anschmiegt. 

Oeffnet man einen Samen, so findet man seine ganze Innen- 
seite von diesem gelben glatten Gespinnste austapeziert; ausser 



344 



der ungemein contractilen Raupe (welche im gewöhnlichen Zu- 
stande 8"^"^ lang und ziemlich 3 breit, aber nicht ganz so dick 
ist) ist der innere Raum ganz leer, und die Raupe füllt ihn bei 
weitem nicht aus. Die Raupe ist weisslich-gelb gefärbt mit horn- 
artigem Kopfe, 3 Ringen mit spitzen Beinen, dann 2 leeren 
Körperringen , 4 Ringen mit warzenförmigen Beinen mit einem 
Kranze von Haken, 2 leeren Körperringen und endlich zwei 
Nachschiebern mit Hakenkranz am Ende des Körpers; sie hat 
zwei sehr grosse seitliche Augen, aber keine Nebenaugen; aus 
der Mitte des Körpers schimmert deutlich ein mit schwärzlicher 
Masse erfüllter Nahrungscanal hervor. Die Raupe spinnt ver- 
letzte Stellen ihres Cocons sehr schnell wieder zu ; ja sie ist so 
lebhaft dabei, dass eine, welche ich mit den beiden ganz ge- 
trennten Hälften der Schale (und noch in einer derselben lie- 
gend) in ein Proberöhrchen geschoben hatte, schon am andern 
Morgen nicht allein die beiden Hälften der Schale an der Stelle, 
wo sie sich berührten, an einander geheftet, sondern auch ihre 
Fäden überall an die Glaswände befestigt hatte; nach wenigen 
Tagen hatte sie wieder eine vollständige Hülle um sich fertig 
gebracht. 

Die Bewegungen der Bohnen sind ziemlich verschiedener 
Art. Liegen sie auf einer der flachen Seiten, so legen sie sich 
leicht auf die andere flache Seite um, was also eine Art von 
Wackeln ist. Schwieriger ist es schon für sie, sich über die 
Seitenkante zu werfen, so also, dass sie auf die gewölbte Rücken- 
fläche zu liegen kommen oder umgekehrt, wenn sie auf dieser 
liegen, sich herum, also auf eine der flachen Bauchseiten zu 
werfen (da die Rückenfläche aus zwei gewölbten durch einen 
runden Kiel verbundenen Flächen besteht, so liegen die Bohnen 
natürlich nie auf diesem Kiel, sondern auf einer dieser Flächen 
daher also stets schief). So legte ich am Abend eines Tages 
im October 1871 alle meine Samen auf den Rücken, aber, ob- 
wohl sie sich sehr lebhaft bewegten, gelang es erst nach 30 
Minuten einer Bohne sich herum zu schnellen; hierbei lagen sie 
auf einem glatten Teller. Leichter wird es ihnen , wenn man 
sie auf die Erdoberfläche eines Blumentopfes legt ; dann gelang 
es oft alle 2—3 Minuten einem Samen, sich herum zu werfen. 



345 



Zum Zwecke dieses Herumwerfens müssen sie sich natürlich 
auch in die Höhe schnellen, und dies ist die zweite Art der 
Bewegung. Die Samen hüpfen oft mehrere Millimeter hoch ; ja 
einmal gelang es einem derselben, auf den Rand eines flachen 
Tellers (eines gewöhnlichen Desserttellers) hinaufzuhüpfen, von 
dem sie freilich wegen Mangel eines genügenden Haltes sogleich 
wieder hinabfiel. Eine dritte Art der Bewegung ist das Fort- 
hüpfen. In raschen kleinen Sprüngen bewegt sich die Bohne 
oft über den ganzen vorhandenen Raum hin; ich beobachtete 
wiederholt Sprünge von 5"^™ Länge. Die Bewegung geschieht 
zwar hauptsächlich in der Richtung der Längsachse der Bohne, 
doch dabei immer um einen kleinen Winkel von der Richtung 
des vorigen Sprunges abweichend,, so dass die Bahn im Ganzen 
die Form eines elliptischen oder Kreisbogens hat. Lucas be- 
obachtete sogar auch ein kurzes Sichaufrichten der Bohne auf 
das eine Ende, wobei die Larve durch eine Anzahl kurzer, rasch 
auf einander folgender Stösse das Gleichgewicht erhielt. 

Nimmt man eine Bohne, welche sich lebhaft bewegt, zwi- 
schen die Finger, so fühlt man in ihr ein äusserst energisches 
Pochen, als wenn im Innern eine stark gespannte Stahlfeder 
losschnellte. Oft folgen 18 — 20 Schläge in rascher Folge auf 
einander und dann tritt eine Ruhepause von beliebiger Dauer 
ein. Ist das Thier in mässig rascher Bewegung, so beträgt die 
Anzahl der Schläge etwa 15 — 16 in der Minute, doch sah ich 
sie auch bis auf 2 in der Secunde steigen, wo dann die Bewe- 
gung in ein förmliches Pochen überging. 

Lucas benutzte das starke Spinnbestreben der Raupe zur 
Beobachtung ihrer Bewegung. Er schnitt mit dem Messer 2 
gegenüberstehende Längsstreifen der Bohne ab, wartete bis die 
Raupe die entstandenen Oeffnungen dünn zugesponnen hatte 
und hielt die Bohnen dann vor ein Licht. So konnte er die 
Mechanik des ganzen Vorganges studiren und beobachtete (1. c. 
VIII, p. 561), dass die Larve sich mit den Bauchfüssen in das 
Gewebe stützt, die Brustfüsse und ersten Bauchfüsse loslässt 
und sich dann gewaltsam ausschnellt, so dass der gegen die 
Wand anschlagende Kopf die Bohne zur Bewegung bringt; sie 
steigt aber auch in dem Samen umher und bewirkt die verschie- 



346 



denen Bewegungen, indem sie sich an verschiedene Stellen der 
Wand stützt. 

Auffallend ist namentlich die ganz enorme Kraftentwicklung 
der Raupe. Schon im Juni hatten sie die lebhaftesten Bewe- 
gungen gezeigt, und dies dauerte unvermindert fort bis zum 
nächsten April, während doch bereits im Juni absolut keine Nah- 
rung mehr in der Bohne vorhanden war. — Noch Ende März 
bewegten sich die Maden auf das Lebhafteste, aber im Laufe 
des April verpuppten sie sich; dies that selbst die seit dem 
October v. J. in einem Glasröhrchen aufbewahrte, aus ihrer 
Bohne genommene Raupe. Im Laufe des Mai und Juni krochen 
die Schmetterlinge aus; sie thaten dies, indem sie einen zirkel- 
runden Deckel aufstiessen, den die Raupe vor ihrer Verpuppung 
mit ihren Oberkiefern aus der Schale des Samens herausge- 
bissen hatte. Dieser Deckel liegt am obern (vielleicht aber auch 
zuweilen am untern Ende) des Samens. Beim Auskriechen 
drückt die Puppe durch gewaltsame Bewegungen den Deckel 
von innen auf und presst sich in die entstandene Oefifnung hin- 
ein, so dass dann hernach ein Theil der Puppenhaut aus der 
Oeffnung hervorragt. 

Der Schmetterling selbst ist ein etwa 1 CC. langes, grauge- 
wölktes Thier aus der Familie der Platiomyden. Lucas be- 
obachtete (um das hier einzuschalten) in der Raupe sogar eine 
Schlupfwespe. 

Den Baum, von welchem die springenden Bohnen stammen, 
haben die bisherigen Beobachter nicht bestimmen können; doch 
ist Hoffnung vorhanden, dass er bald bekannt wird, da Herr 
Hugo Martens versprochen hat, getrocknete Blüthenzweige 
desselben nach Europa zu schicken. 



4» 



347 



Ueber den Einfluss des dem Eauhfiitter beige- 
fütterten Fettes in Substanz auf die Verdaulich- 
keit der Nälirstoffe desselben. 

Ein FütterungsY^rsuch mit Schafen ausgeführt auf der Versuchs- 
station an der Königl. Thierarzneischule zu Dresden. 

Von 

Dr. T. Hofmeister. 



Bereits zu wiederholten Malen sind auf hiesiger Station 
Ftitterungsversuche angestellt, welche die Frage, ob und von 
welchem Einflüsse beigefüttertes Fett in Substanz zum Futter 
auf die Verdaulichkeit der Nährstoffe desselben sei, beantworten 
sollten. 

Einmal und zwar bei einem sehr concentrirten Futter ^] hatte 
sich das Fett in kleineren, wie in grösseren Gaben als durch- 
weg deprimirend auf die Verdaulichkeit der »Kohfaser« erwiesen, 
während »das Protein«, so wie »die stickstofffreien Extractiv- 
stoffe« des Futters dabei verdaulicher erschienen. 

Das andre Mal bei einem weniger concentrirten Futter 2) 
wurde bei kleinen Gaben von Fett die Verdaulichkeit »der Roh- 
faser« und »der Protein Stoffe« gehoben: grössere Gaben von Fett 
benachtheiligten dann wieder die Verdaulichkeit der gesammten 
Nährstoffe des Futters. 

Hiernach schien der Schluss gerechtfertigt, dass ein kleiner 
Zusatz von Fett zu einem an leichtverdaulichen, namentlich an 
stickstofffreien Nährstoffen an sich nicht schon überreichen Fut- 
ter mit Vortheil auf die Verdaulichkeit der gesammten Nährstoffe 
desselben zu verabreichen sei. 



1) Landw. Versuchs-Stationen Bd. VI. S. 187 u. f. 

2) Ebenda Bd. XI. S. 362. 



348 



Bei vorerwähnten hier Orts angestellten Versuchen war theils 
Hafer^ theils Kleie mit Wiesenheu verfüttert worden : die Nähr- 
stoffe beider Futtermittel, des Hafers wie der Kleie, sind an sich 
leicht verdaulich, die des Wiesenheus dagegen schwerer verdau- 
lich ; ob Letztere oder Erstere durch beigefüttertes Fett zu einer 
höheren Ausnutzung gelangten, liess sich füglich aus den Fütte- 
rungsversuchen nicht erkennen. Aus ökonomischem Interesse 
schien die Ermittelung dieses noch fraglichen Punktes wichtig 
genug; denn bliebe es immer ein Gewinn, durch eine kleine Bei- 
gabe von Fett die leicht verdaulichen Nährstoffe eines Futters 
noch höher verwerthet zu sehn, so würde doch dieser Gewinn 
noch viel höher zu veranschlagen sein, wenn sich herausstellen 
sollte, dass diese grössere Verwerthung sich gleichzeitig und 
vielleicht sogar in bevorzugter Weise auf die schwerer verdau- 
lichen Nährstoffe des Rauhfutters bezöge, und somit durch Fett- 
zusatz das Rauhfutter für die Ernährung productiver gemacht 
werden könnte. Damit würde das Fett in der landwirthschaft- 
lichen Fütterungslehre ein für allemal als verdauungsförderndes 
Mittel eingeführt sein. 

Vorliegende Fütterungsversuche, zu deren Durchführung Herr 
Medicinalrath Haubner seine Genehmigung gab, hatten den Zweck 
speciell den Einfluss beigefütterten Fettes auf die Verdaulichkeit 
der Nährstoffe des Rauhfutters zu ermitteln: zum Schluss sollte 
gleichzeitig das Kochsalz in seiner Eigenschaft als verdauung- 
förderndes Mittel geprüft werden. Bereits im Januar 1870 wur- 
den zwei Paar ganz gleichalterige ( 1^2 jährige) und sonst auch 
ihrer körperlichen Constitution nach sehr gleiche Southdown- 
Frankenhammel aus einer grösseren Anzahl ausgesucht und in 
den Ställen der Station aufgestellt. 

Je zwei Hammel bildeten als sogenannte «Durchschnitts- 
thiere«!) eine Abtheilung. Beide Abtheilungen wurden streng 
getrennt von einander gehalten, was das Zu- und Zurückwiegen 
des Futters und Tränkwassers, das Auffangen und Sammeln'-) 



1) Journal für Lanchvirthschaft Bd. V. S. t). 

2) Die Apparate hierzu sind beschrieben in d. »Landw. Yersuchs-Stationen« 
Bd. XV. S. 185. 



349 



der Ausscheidungsproducte der Thiere und die chemische Unter- 
suchung dieser Producte anlangt: Dagegen wurden die Thiere 
beider Abtheilungen ganz gleich gefüttert: dasselbe Kauhfutter 
und gleiche Mengen davon wurde in der einen, wie in der an- 
dern Abtheilung verabreicht: die später in den verschiedenen 
Versuchsabschnitten zugesetzten Fettmengen waren für beide 
Abtheilungen stets gleich gross, desgleichen die Kochsalzgabe. 

Bei etwaiger individueller Verschiedenheit der Durchschnitts- 
thiere, wenn in Folge davon das Rauhfutter in der einen Ab- 
theilung besser verdaut wurde, als in der andern, würde man, 
wenn zufällig die das Futter besser verwerthende Abtheilung 
Fettzulage erhalten hätte, die andere aber nicht, irriger Weise 
das beigefütterte Fett als Ursache dieser höhern Verdaulichkeit 
aufgefasst haben; ein Fehler, der vermieden wird, wenn beide 
Abtheilungen gleiches Futter und gleichen Fettantheil u. s. w. 
erhalten. 

Hieraus erspringt noch der weitere Vortheil, dass die Re- 
sultate über die Verdaulichkeit des Futters gewonnen in der 
einen Abtheilung zur Controle dienen für die nämlichen Resultate 
der andern Abtheilung : ein Controlverfahren, das von allen Ver- 
suchsanstellern , wo irgend möglich, angewendet wird. Ungün- 
stige Witterungsverhältnisse gestatteten leider erst Anfang März 
mit den Versuchen zu beginnen : die Thiere waren bis dahin auf 
Wiesenheufutter angewiesen, welches ihnen nach Bedarf über- 
lassen war; der tägliche Consum davon wurde aber im Januar 
und Februar Tag für Tag notirt, damit die tägliche Futtervor- 
lage im März und ferner darnach sogleich regulirt werden konnte. 
Je zwei Thiere consumirten pro Tag im Durchschnitt ca. 2000 
Grm. Wiesenheu, welche bei einem Trockensubstans^ehalte des- 
selben von 84,8% 1696 Grm. Trockensubstanz enthalten, mit 1530 
Grm. Organ. St. : 150 Grm. Protein 50 Grm. Fett 480 Grm. 
Rohfaser 850 Grm. Nfr. Nährstoffe. Nh : Nfr. = 1 : 5,6. Der 
Versuch begann am 1. März und dauerte bis zum 15. Mai. Als 
Rauhfutter diente dabei Kleeheu und Wiesenheu: beide waren 
zu Häcksel geschnitten und wurden mit einander sorgfältig ge- 
mengt verfüttert, um ein Herausfressen der zarten und schmack- 
hafteren Theile des Heus möglichst zu verhindern. Voraus 



350 



erwähnt sei, dass die Menge des täglich verfütterten Wiesenheu, 
Kleeheuhäcksels während der Dauer des Versuches unverändert 
dieselbe blieb, obgleich fast täglich Rückstände in beiden Ab- 
theilungen zurückzu wiegen waren. 
Jede Abtheilung erhielt pro Tag 

nämlich 1340 Gramme Wiesenheu mit 
1135 » Trockensubstanz; 

dazu 670 » Kleeheu mit 

561 » Trockensubstanz, 

demnach 1696 » Trockensubstanz in Summa, 
(entsprechend dem Trockensubstanzgehalte von 2000 Grm. Wie- 
senheu, des durchschnittlich täglich verzehrten Futterquantums 
in den Monaten Januar und Februar) mit 1545 Grm. Organ. St., 
190 Grm. Protein, 55 Grm. Fett, 475 Grm. Rohfaser, 825 Grm. 
Nfr. Nährstoffen, Nh : Nfr. = 1 : 4,3. 

Schafen von mittlerer Körperschwere, wie die hiesigen Ver- 
suchsthiere, giebt man als Erhaltungsfutter pro Tag und Kopf 70 — 
75 Grm. i) Protein und 400 Grm. Nfr. Nährstoffe Nh : Nfr. = 1 : 5,7. 
Eine Verkürzung der Futtervorlage, etwa regulirt nach dem an 
einigen Tagen statthabenden geringeren Verzehr, um damit eine 
vollständige Futteraufnahme zu erzwingen, erschien um deswillen 
nicht rathsam, weil man dabei Gefahr läuft, den Thieren zu 
wenig zu bieten, während die nicht verzehrten Rückstände da- 
für bürgen, dass sie zur Genüge an Futter haben. Diese Rück- 
stände waren in der zweiten Abtheilung, die immer besser frass, 
als die erste, nicht sehr gross, und betrugen im Durchschnitt 
täglich 92 Grm. Wiesenheu und 46 Grm. Kleeheu : in der ersten 
Abtheilung beziffern sich dieselben mit 175 Grm. Wiesenheu 
und 87,6 Grm. Kleeheu. Leider konnte damals eine besondere 
Analyse der Rückstände zur grössern Sicherstellung der Aufnahme 
an Nährstoffen nicht vorgenommen werden ; das kann aber ver- 
sichert werden, dass sie sich stets als ein Gemenge von Wiesen- 
heu und Kleeheu zu erkennen gaben, und da Wiesenheu und 
Kleeheu im Verhältniss zu 2 : 1 verfüttert wurde, so sind sie 
auch nach diesem Verhältniss berechnet. Der Feuchtigkeitsgehalt 



1) Haubner, Gesundheitspflege 3. Auflage S. 262. 



351 



des Wiesenheus und Kleeheus wurde in den Monaten März, April, 
Mai besonders ermittelt. Fett in Substanz wurde, nachdem im 
1. Versuchsabschnitte die Verdaulichkeit des Rauhfutters ohne 
Oelzusatz ermittelt war, in Form von Baumöl gegeben, wie das 
schon bei den früheren Fütterungsversuchen geschehen: eine 
kleinere Partie der Rauhfutterration wurde zunächst damit 
durchtränkt und diese alsdann der Tagesration durch kräftiges 
Schütteln und Umrühren einverleibt ; die Gabe davon betrug pro 
Tag und Abtheilung im zweiten Versuchsabschnitt 30 Grm., im 
dritten 45 Grm., im vierten und fünften 60 Grm. -Eine grössere 
Gabe erfolgte nicht, weil nach früheren Versuchen grössere Ga- 
ben von Fett nur nachtheilig auf die Verdauung gewirkt, und 
weil überhaupt auch aus ökonomischen Rücksichten eine grössere 
Gabe ungerechtfertigt erscheint. 

10 Grm. Kochsalz, ganz trocken und pulverisirt, wurden im 
1 — 4. Abschnitte täglich dem Futter untermengt; im 5. Abschnitt 
20 Grm. 



Fütterung mit Wiesenheu und Kleeheu. 10 Grm. Kochsalz 
pro Tag und Abtheilung vom 1 — 12. März. 
Mittlere Stalltemperatur + 4^ Ro. 

Das Lebendgewicht der Abth. I. am 1. März = 80050 Grm. 



I. Yersuclisabschnitt. 



» 




Wiesenheu und Kleeheu enthielten in 100 Theilen : 



Wiesenheu: 



Kleeheu: 



15,30 Wasser 
7,62 Protein 
2,47 Fett 



16,30 Wasser 
13,40 Protein 
3,00 Fett 



24,02 Rohfaser 

42,60 stickstofffreie ExtraetivstofFe 
7,99 Asche 



23,20 Rohfaser 

37,80 stickstofffreie Extractivstoffe 
6,30 Asche 



100,00. 



100,00. 



352 



Das Wiesenheu stammte aus dem vergangenen Jahre; da- 
gegen hatte das Kleeheu bereits seit mehreren Jahren (August 
1867) auf den Boden der Versuchs -Station gelagert. Eine da- 
mals vorgenommene Untersuchung desselben hatte in 100 Trocken- 
substanz 17,12 % Protein nachgewiesen, und 7,17% Asche: der 
Gehalt an Eohfaser und Fett war fast nahezu gleich den jetzt 
dafür ermittelten Mengen: den Proteingehalt dagegen fand ich 
jetzt nur zu 16,03% und den Aschengehalt zu 7,52%. 

Der etwas grössere Gehalt an Asche ist leicht durch ange- 
flogenen Staub und Schmutz während des Lagerns zu erklären : 
der verringerte Proteingehalt dürfte auf eine Zersetzung des Pro- 
teins hinweisen. Der Verlust dieses einen Procentes würde 



Analytische Belege. 

Substanz im 
natürl. 
Zustande 
Grm. 

4,385 

2,590 



Wiesenheu im März 



Trocks. bei 
1100 C. 

Grm. 

3,728 

2,185 



Wasser 

Grm. 
0,657 
0,405 



14, 98 o/o 
15,64 )) 



Trocks. bei 
1100 c. 
Grm. 

2,228 

2,573 

3,085 
+3,097 



Asche 

Grm. 

0,224 
0,275 

Rohfaser 
0,932 

+0,940 



Grm. Grm. 

0,016 CO2 = 0,208 CO2 fr. A. 9,3350/o 
0,028 » = 0,245 » » » 9,520 » 



15,30/0 
84,7 » 
Trocks. 



9,430/0 



:6,182 =1,872 

— 0,119 Asche 



Trockens. 
Wiesenheu 
bei 1100c. 
Grm. 
0,703 
0,952 
1,103 
2,006 



:1,753 aschenfreie Faser 28,35 o/o. 



Stickstoff 



Grm. 
0,010234 
0,013600 

0,031 Grm. Fett = 2,81 O/o 
0,061 » » = 3,04 » 



1,44 o/o = 9,0 o/oProtein 
2,92 ü/o Fett 



353 



offenbar wenig ins Gewicht fallen : wenn nicht darin gleichzeitig 
ein Fingerzeig auf die veränderte Beschaffenheit der Verdaulich- 
keit des Proteins läge, da nach hierorts gemachten Beobachtun- 
gen hierüber längeres Lagern auf Bodenräumen zunächst die 
Proteinstoffe des Kleeheus, dann aber auch Rohfaser und Nfr. 
Extractivstoffe desselben schwerer verdaulich macht. 

Bei Gelegenheit der angestellten Untersuchungen nämlich 
beziehendlich der Entstehung der Hippursäure im Pflanzenfresser- 
harn 1866 und 67 i) wurde bei Fütterung mit Kleeheu auch die 
Verdaulichkeit seiner Nährstoffe berücksichtigt. Ein und das- 
selbe Kleeheu vom zweiten Schnitt wurde an zwei Schafe zu 
4 Pfund täglich verfüttert, im Septbr. 1866, und dann 6 Monate 
später, im Februar 1867, Untersuchungen über seine Verdaulich- 
keit angestellt: Verdaut wurde davon: 

Organ. S. Protein Rohfaser Nfr. St. 
Proc. Proc. Proc. Proc. 

im September 1866: 66,8 68,4 51,2 73,4 
im Februar 1867: 58,7 65,0 46,2 63,1 
also weniger verdaut 8,1 3,4 5,0 10,3 



Kleeheu im März 



Subst. im 
natürl. 
Zustande 
Grm. 

2,513 

2,818 

Trocks. 
bei 1100 C. 
Grm. 

2,260 

3,018 
2,886 



Trocks. 

bei 
HOOG. 
Grm. 

2,103 

2,358 



Wasser 

Grm. 
0,410 
0,460 



= 16,31 o/o( 16,31 o/o Wasser 
83,69 .) Trocks. 



16,31 » 



0,187 Grm. Asche — 0,017 Grm. = 0, 1 70 Grm. 

COo fr. Asche = 7, 52 0^ Asche 
0,870 » Rohfaser 
0,792 » » 



5,904 1,662 



0,027 



1,635 » 
0,709 0,01827 » 
0,864 0,02185 » 

0,930 0,034 )) 
1) Landw. Versuchs- Stationen Bd. XIV. S 
Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 



Asche 

aschenfreie Faser 27,69 0/q 
Stickstoff = 2, 58 O/o 

= 2,53 ). = 16,03 o/o 

Protein 

Fett = 3,65 O/o Fett. 
458. 

23 



354 



Dieses Resultat stellt kein günstiges Prognostikon für eine sehr 
hohe Verdaulichkeit der Nährstoffe unseres Kleeheus, welches 



Jahre lang gelagert. ■ 
12 Tagen 

von der Abtheilung I. 
von der Abtheilung II. 

das ist pro Tag verzehrt 



Verzehrt wurden vom 1 — 12. März in 



Wiesenheu 
Grm. 

14450 

15000 



Kleeheu 
Grm. 

7225 
7500 



Heu 
Grm. 

1204 
1250 



Kleeheu 
Grm. 

602 
625 



von der Abtheilung I. 
von der Abtheilung II. 

An 5 Tagen wurde der Darmkoth gesammelt: vom 7 
Der frische Darmkoth wog pro Tag : 



Tränk wasser 
Grm. 

35700 
32470 



Tränk wasser 
Grm. 

2973 
2706 



12. März. 



Abth I. 

. 2420 Grm. 

2250 » 

2250 » 

2585 )) 

2420 >) 



«•/3 



3 



Abth. II. 

. 2165 Grm. 

. 2085 » 

. 2200 » 

. 2165 » 

. 2100 )) 



Mittel 2385 » Koth. 



2143 



Koth. 



Der Darmkoth im natürlichen Zustande hatte folgende procen- 
tische Zusammensetzung : 



Abth. II). 

70,28 0/0 Wasser 

3,40 « Protein 

7,73 » Rohfaser 

1,06 » Fett 
14,30 » Nfr, ExtractivstoflFe 

3.23 » Asche 



Abth. 112). 
67,450/0 Wasser 

3,86 » Protein 

9,50 » Rohfaser 

0,90 » Fett 
14,43 » Nfr. ExtractivstofFe 

3,86 » Asche 



100,00 » Koth. 



100,00 ). Koth 



Die im Futter pro Tag aufgenommenen, und die im Darmkoth 
pro Tag ausgeschiedenen unverdauten Stoffe, sowie die aus der 
Differenz der Aufnahme und Ausgabe ermittelten Mengen an 
verdauten Stoffen sind in folgender Weise zusammengestellt 
nach Grammen: 



355 



Abth. I. 





Org. St. 


Protein 


Fett 


Rohfaser 


Nfr. St. 




Grm. Grm. 


Grm. 


Gr in. 


Grm. 


Grm. 




1 904 Wip«SAnlipn Q97 


Q9 










602 Kleeheu 465 


81 


18 


139 


227 




in Sa. 1392 


173 


48 


429 


742 


Entleert in 


2385 Koth 631 


81 


25 


184 


341 


Verdaut 


761 


92 


23 


245 


401 


Abth. II. 












Verzehrt 


1 250 Wiesenheu 960 


95 


31 


300 


532 




625 Kleeheu 485 


85 ■ 


19 


145 


236 




in Sa. 1445 


180 


50 


445 


768 


Entleert mit 2143 Koth 617 


83 


19 


205 


310 


Verdaut 


828 


97 


31 


240 


458 



ij Analytische Belege. 

Koth im natürl. Trocks. 
Zustande bei HOOG. 
Grm. 



Abth.I. 22,383 
' 18,985 



20,345 
16,355 

11,325 
13,868 
9,660 
20,104 

Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 

1,090 
1,467 
Grm. 
3,120 
2.875 



Grm, 
6,865 
5,705 

6,177 
4,955 

3,230 
3,985 
2,905 
5,837 



Wasser 

Grm. 
15,518 
13,280 

14,638 
11,400 

8,095 
9,838 
6,755 
14,267 



69,329% 
69,950 » 

69,638 » 
69,700 » 

71,479 » 
71,254 » 
69,927 )) 
70,965 )) 



o 
o 

CO 



o 

I 

' o 
1 



Mitteid. 
beiden 
Tage 



03 O 

o o 

QO CS 

o oT 

<M 



Asche 

Grm. 
0,132 
0,168 
Grm. 



Grm. 



CO2 = fr. Asche 
Grm. 

0,0090 00.2 = 0,123 ll,280/o| 10,970/o 
0,0115 >> = 0,1565 10,66 » j Asche 
Grm. Grm. 
0,837 Rohfaser 0,053 Asche 0,784 aschenfr. Faser 
0,826 » 0,052 )) 0,774 » « 



5,995 1,663 



0,102 



0,960 
0,642 

1,148 
1,341 



0,018269 Grm. N = l,900/o N 
0,011288 » » = 1,76 » )) 
0,043 Grm. Fett 



1,558 » )j 

1,88 0/oN = 11,440/0 Nh 



26, 00 0/0 
Faser 



0,045 



2,489 0,088 » = 3,54 o/^- 



23* 



356 



InProcenten der im Futter enthaltenen Substanzen wurde 
verdaut : 





Org. St. 


Protein 


Fett ' 


Rohfaser 


Nfr. St. 




Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


von der Abth. 1. 


54,70 


53,1 


47,9 


57,1 


54,0 


» » » II. 


57,30 


53,9 


62,0 


53,93 


59,63 



Diese verdauten Mengen beziehen sich auf die Nährstoffe 
des Wiesenheus und Kleeheus gemeinschaftlich. In Folge vorer- 
wähnter Beobachtung, dass durch längeres Lager die Nährstoffe 
des Kleeheus schwerer verdaulich werden, dürfte hier die Frage 
am Platze sein: bis zu welchem Grade sind jetzt durch unsere 
Versuchsthiere die Nährstoffe des Kleeheus verdaut; erscheint 
dasselbe auch jetzt schwerer verdaulich"? 

Mit absoluter Sicherheit lässt sich diese Frage aus vorlie- 
genden Unterlagen niemals beantworten, nur vielleicht mit einiger 



2) Abth. II. 



Koth. im natürl. Trocks. 


Zustande 


bei 1100 c. 


Grm. 


Grm. 


10./3. 25,253 


8,313 


13,895 


4,490 


22,480 


7,312 


16,624 


5,348 


11./3. 13,693 


4,408 


19,283 


6,313 


10,342 


3,391 


13,508 


4,428 


Trocks. 


Asche 


bei 1100 C. 


Grm. 


Grm. 


1,242 


0,154 


1,454 


0,187 



Wasser 






Grm. 






i 6,940 


67,081 




9,405 


67,686 


» 1 


15,168 


67,473 


» i 


11,277 


67,831 


)) 1 


9,285 


67,808 


» \ 


12,970 


67,261 


» 1 


6,951 


67,230 


)) / 


9,080 


67,220 





o 
CS 

CO 



o 
QO 
CO 

CO 



Mittel 
beider 
Tage 



30 



CO '7^ 
03 O 

o o 
CO 



2,696 



3,600 
3,184 



0,'341 — 0,020 Grm. CO.2 =0,321 Grm. CO-, fr. Asche 1 1,90 o/^ 

Asche 

Asche 1,030 Grm. aschenfr.Fa.ser 
» 0,946 » » >) 



1,100 Rohfaser 0,070 Grm. 
1,010 >) 0,064 » 



6,784 

0,928 
0,876 
1,015 
1,027 



2,110 >) 0,136 « » 1,976 
0,01069 Grm. N = 1,799 0/0 



0,01745 )> « = 2,000 >) 
0,029 « Fett = 2,857 o/f 
0,-028 » )) = 2,726 » 



29, 16 0/0 Faser 
1,90/0 N U,870/o Nh 



2,790/0 Fett. 



357 



Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit, wenn man einen bestimmten 
Procentsatz der Verdaulichkeit der Nährstoffe des Wiesenheus 
der Rechnung unterstellt. 

Ueber die Verdaulichkeit des Wiesenheus liegen eine grosse 
Anzahl Versuche mit Wiederkäuern vor, deren Ergebnisse ins- 
gesammt eine sehr gleichmässige Verdaulichkeit der Nährstoffe 
desselben nachweisen : darnach kann man annehmen, dass Schafe 
der verschiedensten Racen die Nährstoffe des Wiesenheus durch- 
schnittlich bis zu folgender Höhe in Procenten ausgedrückt ver- 
dauen: 58% der organ. Substz., 56% des Proteins, 58% der 
Rohfaser und 64% der Nfr. Extractivstoffe. Berechnet man 
hiernach, wie viel von den Nährstoffen, enthalten in den von 
der Abth. I verzehrten 1204 Grm. und enthalten in den von 
der Abth. II verzehrten 1250 Grm. Wiesenheu, verdaulich waren, 
zieht die dafür gefundenen Werthe von der Summe der verdauten 
Stoffe des Gesammtfutters ab, so restirt der verdaulich gewesene 
Antheil des Kleeheus und seiner Nährstoffe. 

Nach Procenten berechnet stellt sich alsdann heraus, dass 
von den Nährstoffen des Kleeheus verdaute 



und ziehen wir hieraus, um die grossen Differenzen, welche 
beide Berechnungen aufweisen, einigermassen auszugleichen, das 
Mittel, so waren jetzt verdaulich 52% der organ. S., 50,7 o/^ 
des Proteins, 50,4% der Rohfaser, 40,7% der Nfr. Extractiv- 
stoffe des Kleeheus. Leider fehlt eine Untersuchung über den 
Verdaulichkeitsgrad des im August 1867 eingeernteten Kleeheus; 
deshalb ist zunächst nur mit dem Kleeheu aus dem Jahre 1866 
der Vergleich möglich. 

Darnach sind die Nährstoffe unseres Kleeheus im Jahre 
1870 gegenüber dem Verdaulichkeitsgrade derselben im Februar 
1867 schwerer verdaulich: beziehendlich der organ. Substanz 
um 6,7%, der Proteinstoffe um 14,3%, der Nfr. Extractstoffe 
um 22,4% ; nur die Rohfaser erscheint um 4,2% verdaulicher. 



Org. Substanz 
Proc. 




Rohfaser Nfr. Extractivstoffe 



Proc. Proc. 



Abth. I. 
Abth. II. 



48 
56 



55,4 31,4 
45,4 50,0 



358 



Gegentiber dem ursprünglichen, sehr hohen Verdauliehkeits- 
grade des Kleeheus im September 1866 aber erscheinen jetzt 
die Nährstoffe insgesammt schwerer verdaulich, die Organ. S. 
des Kleeheus um 14,8%, das Protein um 17,7%, die Rohtaser 
um 0,8%, die Nfr. Extractstoffe um 32,7 o/o- 

In Hohenheim 1) wurden in den Jahren 1870 — 71 Versuche 
über das Verdauungsvermögen verschiedener Schafracen ange- 
stellt, und hatten So u th do wn -Hammel die Nährstoffe des Klee- 
heus, nach Procenten berechnet, verdaut: 

Organ. Subst. Protein Rohfaser Nfr. Extractstoffe 

Proc. Proc. Proc. Proc. 

58,7 56,5 45,3 67,96 

Auch hiermit im Vergleich gezogen erweist sich unser Kleeheu 
unverdaulicher und zwar um 6,7% der Organ. S., um 5,8% 
des Proteins um 27,2% der Nfr. Extractivstoffe, und sehen wir 
ab von der Rohfaser, die im Hohenheimer Kleeheu überhaupt 
etwas unverdaulicher ist, als ihre Verdaulichkeit sonst durch- 
schnittlich angenommen wird (48% gegen 51 %) : so scheint 
auch nach dieser Berechnung die gemachte Beobachtung, dass 
das Kleeheu durch längeres Lagern unverdaulicher wird, im All- 
gemeinen zutreffend zu sein. Die Ursache hiervon wird nicht 
allein in der chemischen Umwandlung der Substanzen des Klee- 
heus, sondern zum grossen Theil auch darin liegen, dass die 
feinsten, zartesten, nährstoffreichsten und leichtverdaulichsten 
Blattorgane des Klees beim längern Liegen und Austrocknen 
zu staubförmigem Pulver zerfallen und durch Zugluft und beim 
Transport des Heus nach den Stallungen verloren gehen. 

II. yersuchsabschnitt. 

Fütterung mit Wiesenheu, Kleeheu und 30 Grm. Oel, 10 
Grm. Kochsalz pro Tag und Abtheilung; vom 13 — 26. März. 
Mittlere Stalltemperatur -f- 3,5<^ R. 



1) Versuche über das Verdauungsvermögen verschiedener Schafracen, 
ausgeführt von Wolff, Funke, Kreuzhage, 1S7Ü. 71. Verlag von Wie- 
gandt und Hempel in Berlin. 



359 



Rauhfutter, dasselbe und von gleicher Zusammensetzung wie 
vorher. 

Verzehrt wurden in 14 Tagen 

Wiesenheu Kleeheu Oel Tränkwasser 



Grm. 


Grm. 


o 


Grm. 


von d. Abth. I. 16600 


8300 




A t^A Qf\ 


» )) )) II. 17240 


8620 


420 


40615 


Das ist pro Tag verzehrt: 








Wiesenheu Kleeheu 


Oel 


Tränk w. 


Grm. Grm. 




Grm. 


Grm. 


Abth. I. 1185 590 




30 


3250 


Abth. n. 1230 615 




30 


2900 



An 5 Tagen wurde der Darmkoth gesammelt: pro Tag 
wurde an Koth im natürl. Zustande entleert. 



Abth. I. 

22./3. 2750 Grm. 

* 23. /3. 2750 » 

24. /g. 2750 » 

25. /3. 3085 » 

26. /3. 2785 » 

Im Mittel 2824 » Koth. 



Abth. n. 

22. /3. 2415 Grm. 

23. /3. 1915 » 

24. /g. 1785 » 

25. /3. 1585 » 

26. /3. 1615 ^ 

Mittel 1863 » Koth. 



In 100 Theilen seiner natürlichen Beschaffenheit enthielt der- 
selbe : 



Abth. I. 

74,430/0 Wasser ») 

3,29 » Protein 

7,29 » Pflanzenfaser 

1,02 » Fett 
10,91 )) Nfr. Extractstoffe 

3,06 « Asche 

100,00 » Koth. 



Abth. II. 

66,300/0 Wasser 2) 

3,94 » Protein 

9,53 )) Pflanzenfaser 

1,18 » Fett 
14,78 » Nfr. Extractstoffe 

4,27 » Asche 

100,00 » Koth. 



Das Futter und der Darmkoth pro Tag und die darin ent- 
haltenen Substanzen sind nach Grammen berechnet : die tägliche 



360 



Ausgabe an Nährstoffen, der tägi. Aufnahme an den gleichnami- 
gen Stoffen unterstellt, ergiebt die Differenz für verdaut an 
Nährstoffen, wie folgt: 



Analytische Belege. 

1) Abth. I. 

Koth im natiirl. 
Zustande 
Grm. 

24,565 

18,605 

15,630 

20,205 

14,742 
15,640 
14,850 
Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 

1,548 
0,970 



2,518 

3,052 

4,279 

0,863 
0,940 



Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 

6,429 
4,717 
3,945 
5,674 

3,565 
3,957 
3,759 

Asche 

Grm. 
0,195 
0,124 



Wasser 
Grm. 
18,136 
13,888 
11,685 
14,531 

11,177 
11,683 
11,091 



73, 830 o/o 
74,646 
74,760 » 
71,922 » 

75,817 » 
74,700 » 
74,687 » 



'/0\ c 

» (s 



o 



Mittel a. 
beiden 
Tagen 



CO CO OJ 



0,319 — 0,017 Grm. GOg = 0,302 Grm. CO2 fr. Asche 

12,00/0 Asche 

1,016 Rohfaser 0,075 Grm. Asche 0,941 Grm. Faser 
aschenfr. 30,8320/o 28,52 O/q Rohfaser 

1,209 » 0,089 Grm. Asche 1,120 Gram. Faser 
aschenfr. 26, 174 0/0 28,52 o/q Rohfaser 

0,016493 N = 1,9100/oJ 



0,020720 )) = 2,204 



2,0570/0 N = 12,87 0/0 Nh 



25 



1,023 


0,040 


Fett 




1,020 


0,041 


» 




2,043 


0,081 


» 3,970/0 Fett. 




2) Abth. II. 








Koth im natürl. 
Zustande 


Trocks. 
bei HOOG. 


Wasser 




'3. 33,465 


10,975 


22,490 


67,2050/o 


13,194 


4,336 


8,858 


67,136 » 


22,422 


7,400 


15,022 


67,000 » 


12,973 


4,288 


8,685 


66,946 .) 


/3. 11,375 


3,942 


7,433 


65,345 » 


11,490 


3,995 


7,495 


65,230 )) 


21,645 


7,469 


14,176 


65,493 )) 


13,153 


4,467 


8,686 


66,038 )' 



Mittel 
beider 
Tage 



<u 



w ^ 

(T. O 

aS O 
CO t— 

ton 

CO CO 



361 



Abth. I. 





Org. S. 


Protein 


Fett 


Rohfaser 


Nfr. Extractst. 




Grm. Grm, 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


verzehrt 


1185 Wiesenheu 910 


90,5 


29 


285 


505,5 




590 Kleeheu 457 


79,0 


18 


137 


223,0 




30 Oel 30 




30 








Sa. 1397 


169,5 


11 


422 


728,5 


Darmkoth 


2824 636 


93,0 


29 


206 


308,0 


verdaut 


761 


76,5 


48 


216 


420,5 




Abth. IL 








verzehrt 


1230 Wiesenheu 943,5 


93,5 


30,5 


295,5 


524 




615 Kleeheu 476,0 


82,5 


18,5 


142,5 


232,5 




30 Oel 30 




30 








Sa. 1449,5 


176,0 


79,0 


438,0 


756,5 


Darmkoth 


1863 549,5 


73,5 


22,0 


178,0 


276,0 


verdaut 


900,0 


102,5 


57,0 


260,0 


480,5 



In Procenten der im Futter enthaltenen Nährstoffe wurde 
verdaut : 



von Abth. 



I. 
II. 



Org. S. 

Proc. 
54,5 
62,1 



Protein 
Proc. 

45,13 

58,2 



Fett 
Proc. 

62,33 

72,15 



Rohfaser 
Proc. 
51,11 
59,36 



Nfr. St. 
Proc. 

57,7 

63,5 



Trocks. . , 

bei HOOG. ^^^^^ 
Grm. Grm. 

1,182 0,164 

1,110 0,149 

2,292 0,313 — 0,023 Grm. CO2 = 0,290 Grm. COo fr. Asche 

= 12,65 o/q Asche 

3,652 1,163 Rohfaser — 0,094 Grm. Asche 1,069 Grm. Faser 

29,2710/0 Faser 

4,563 1,245 » 0,111 » » 1,245 Grm. Faser 

27,284 0/0 Faser 

0,875 0,015225 N l,740/o Ni 

1,213 0,0242153 » 2,00» „ 1 N _ 11,68 / 0/, Nh 

28,2770/0 Mittel 

1,027 0,038 Fett 

1,168 0,039 » 



2,195 0,077 » 3,500/0 Fett. 



362 



III. Tersuehsabsclinitt. 



Fütterung mit Wiesenheu, Kleeheu und 45Grm. Oel, 10 Grm. 
Kochsalz pro Tag und Abtheilung vom 27. März — 12. April. 
Mittlere Stalltemperatur + S^R. 



100 Wiesenheul) : 


100 


Kleeheu2) : 


14 40 0^ Wasser 


14,340/0 


Wasser 


7 70 » Protein 


13,73 


)) 


Protei n 


2,50 » Fett 


3,13 




Fett 


24,28 » RoMaser 


23,71 


» 


Rohfaser 


43,05 » Nfr. Extractstoffe 


38,65 


» 


Nfr. Extractstoffe 


8,07 » Asche. 


6,44 


» 


Asche 


100,00 » 


100,00 


» 




Verzehrt wurde davon in 17 


Tagen : 






Wiesenheu 


Kleeheu 




Oel Tränkwasser 


Grm. 


Grm. 




Grm, Grm. 


von der Abth. I, 20570 


10285 




765 58120 


» » » II. 20910 


10455 




765 49205 


Das ist pro Tag verzehrt: 








von der Abth. I. 1210 


605 




45 3420 


» » » II. 1230 


615 




45 2894,5 



In der Abth. I. vrurde an 6 Tagen der Darmkoth gesammelt 
» )) )) II. an 5 Tagen. Der frische Darmkoth wog: 

Abth. I. Abth. II. 





2085 


Grm. 




2415 


Grm. 




2450 


» 


5./4. 


2585 


» 




2715 






2250 


» 




2465 


» 


7./4. 


2285 


» 




2650 


» 


8-/4. 


2620 


» 


Vi. 


2380 


» 


Mittel 2431 





Koth. 



Mittel 2457,5 » Koth. 



Analytische Belege. 

Substz. 
im natürl. 
Zustande 

Grm. 

1) Wiesenheu im April 4,212 

6,352 

2) Kleeheu im April 3,580 

3.742 



Trocks. 

bei 
HOOG. 
Grm. 

3,607 

5,435 

3,060 

3,212 



Wasser 

Grm. 

0,605 
0,917 
0,520 
0,530 • 



14, 363ü/oj14,400/o Wasser 
14,436 ). (85,60 » Trocks. 
14,525 )) j 14, 3440/0 Wasser 
14,163 » (S5,6 560/oTrocks. 



363 



Seine procentische Zusammensetzung war folgende 



Abth. II). 
70,740/0 Wasser 

3,48 » Protein 

8,43 » Rohfaser 

1,20 » Fett 
12,77 » Nfr. Extractstofe 

3,38 » Asche 



Abth. 112). 
7 1,7 00/0 Wasser 

3,25 » Protein 

7,95 » Rohfaser 

1,11 )) Fett 
12,40 )) Nfr. Extractstoffe 

3.59 » Asche 



100,00 » Roth. 



100.00 » Koth. 



Die Aufnahme stellt sich zur Ausgabe nach Grammen be- 
rechnet : 

Abth. I. 







Org.S. 


Protein 


Fett 


Rohfaser 


Nfr. Extr. 




Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


verzehrt 


1210 Wiesenheu 939 


93 


30 


295 


521 




605 Kleeheu 


479,5 


83 


19 


143,5 


234 




45 Oel 


45,0 




45 








In Summa 


1463,5 


176 


94 


438,5 


755 


entleert 2457 


Grm. Koth mit 


636,5 


85,5 


29,5 


207,0 


314,5 


verdaut 




827,0 


90,5 


64,5 


231,5 


440,5 



Analytische Belege. 

1) Abth. I. 

Koth imnatiirl 
Zustande 
Grm. 

22,600 

19,668 

20,532 

12,335 

17,940 

21,510 

20,575 

14,522 

Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 

1,213 

1,153 



V4 



Trocks. 
bei IlUOC. 
Grm. 

6,812 

6,095 

6,170 

3,705 

5,177 
6,048 
5,761 
4,055 

Asche 

Grm. 
0,151 
0,137 



Wasser 

Grm. 

15,788 
13,573 
14,362 

8,630 

12,763 
15,462 
14,814 
10,467 



69, 860 0/0^ 
69,010 » 
69,950 » 
69,963 » 

71,142 » 
71,882 .) 
72,000 » 
72,076 » 



im Mittel 
70,740/0 Wasser 
29, 260/o Trocks, 



2,366 

3,003 

4,055 

1,049 
0,824 
1,711 



0,288 — 0,015 Grm. CO2 = 0,273 Grm. CO2 fr. Asche 

11, 538 0/0 Asche 
0,050 Grm. Asche 0,844 Grm. aschenfr. 

Faser 28, 105 0/^ 
0,071 Grm. Asche 1,194 Grm. aschenfr. 
Faser 29,445 O/^ 28, 775 0/0 Rohfaser im Mittel 
0,01956 Stickstoff = 1,8640/^^ 
0,01594 » = 1,934 » 
0,070 Fett 4,090/0 Fett. 



0,849 Rohfaser- 



1,265 » 



1, 8990/0 N. 11,87 0/0 Nh 



364 







Abth. 


TT 
IX. 












Org. S. 








Nfr Extr 




Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


verzehrt 


1230 Wiesenheu 955 


95 


31 


298 


530 




615 Kleeheu 


487 


84,5 


19 


146 


237 




45 Oel 


45 




45 








In Summa 


1487 


179,5 


95 


444 


767 


entleert 


2431 Koth 


595 


79,0 


27 


188 


301 


verdaut 




892 


100,5 


68 


256 


466 



Den verdauten Antheil des Futters nach Procenten der 
darin enthaltenen Nährstoffe berechnet, stellt sich heraus, dass 



Abth. I 
« II 

verdaute. 



Org. S. 
Proc. 

56,5 

60,0 



Protein 
Proc. 

51,4 

56,0 



Fett 
Proc. 

68,61 

71,58 



Rohfaser Nfr. Extractst. 



Proc. 
52,8 
57,6 



Proc. 

58,3 
60,75 



Analytische Belege. 



2) Abth. II. 

Koth im natürl. 
Zustande 
Grm. 

7./4. 13,370 

11,700 

15,422 

8,812 

34,467 
22,774 
13,340 
24,490 
Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 

1,354 
1,545 



2,899 

3,237 

4,962 

0,882 
1,042 
1,880 



Trocks. 
bei UOo C. 
Grm. 

3,917 

3,447 

4,441 

2,482 

9,920 
6,156 
3,682 
6,650 

Asche 

Grm. 
0,171 
0,205 



Wasser 

Grm. 

9,453 
8,253 
10,981 
6,330 

24,547 
16,618 
9,658 
17,840 



70,7030/0 
70,540 » 
71,203 )) 
71,834 )) 

71,224 >> 
72,970.« 
72,400 » 
72,846 >) 



o 

•o 



o 

■ (TO 
CS 



im Mittel 
71,700/o Wasser 
28, 300/o Trocks. 



0,376 — 0,008 Grm. CO2=0,368 Grm. COg fr. Asche 

= 12,67 O/o Asche 
1,007 Rohfaser — 0,065 Grm. Asche 0,942 Grm. Roh- 
faser aschenfr. 29, 101 O/o 
1,438 Rohfaser — 0,093 Grm. Asche 1,345 Grm. Roh- 
faser aschenfr. 27,1060/o 28,1030/o Rohfaser im Mittel 
0,015942 Stickstoff 1,807 o/o j 
0,019430 l,8650/o( 
0,074 Fett 3,936 o/o Fett. 



1,8370/oN 1 1,50 o/o Nh 



365 



IV. Tersuchsabschnitt. 

Fütterung mit Wiesenheu und Kieeheu und 60 Grm. Oel, 10 
Grm. Kochsalz pro Tag und Abtheilung vom 13. April — 30. April. 
Mittlere Stalltemperatur -f 10^ R. 

Das verzehrte Rauhfutter war von gleicher Zusammensetzung 
wie im 3. Abschnitte. 

Verzehrt wurde in 1 8 Tagen : 

Wiesenheu Kleeheu Oel Tränkwasser 
Grm. Grm. Grm. Grm. 

Abth. I. 20540 10270 1080 56395 

)> II. 23590 11795 1080 48895 

Pro Tag wurde darnach verzehrt 

Abth. I. 1140 570 60 3150 

>. II. 1310 655 60 2722 

In der Abtheilung I. wurde an 5 Tagen, in der Abtheilung IL 
an 6 Tagen der Darmkoth gesammelt: sein Gewicht im nattirL 
Zustande betrug an den einzelnen Tagen : 





Abth. 


I. 




Abth. 


II. 




1500 


Grm. 


25./,. 


1970 


Grm. 




2000 


)) 


26./4. 


2085 






2300 


» 




1920 


» 


28./,. 


2300 


» 


28./4. 


2420 


» 


29./4. 


1880 




29./4. 


2450 




im Mittel 


1996 


» Koth. 


30./4. 


1835 










im Mittel 2113 





Koth. 

Derselbe zeigte folgende procentische Zusammensetzung: 

Abth. II). Abth. 112). 



66,900/0 


Wasser 


68,66 0/0 


Wasser 


3,57 )) 


Protein 


3,45 » 


Protein 


9,24 )) 


Rohfaser 


9,62 » 


Rohfaser 


1,23 » 


Fett 


1,36 )) 


Fett 


15,30 » 


Nfr. ExtraetstofFe 


13,46 n 


Nfr. Extractstoffe 


3,76 » 


Asche 


3,45 » 


Asche 



100,00 » Koth. 100,00 » Koth. 

Die tägliche Aufnahme an Futter und Ausgabe an Koth 
und deren Bestandtheile nach Grammen berechnet. Die Differenz 



366 



daraus gezogen führt zu folgendem Resultat über den verdauten 
Antheil des Futters: 

Abth. I. 

Org. S. Protein Fett Rohfaser Nfr. Extract. 

Grm. Grm. Grm. Grm. Grm. Grm. 

verzehrt 1140 Wiesenheu 885 88 29 277 491 

570 Kleeheu 453 80 18 135 220 

60 Oel 60 — 60 — — 



entleert 



Sa. 

2000 Koth 



1398 
586 



168,0 
71,5 



107,0 
24.5 



412 
185 



711 

305 



verdaut 




812 


963 


82,5 


227 


406 






Abth. 


II. 








verzehrt 


1310 Wiesenheu 1016 


101 


33 


318 


564 




655 Kleeheu 


522 


90,5 


20,5 


156 


255 




60 Oel 


60 




60,0 








Sa. 


1598, 


191,5 


113,5 


474 


819 


entleert 


2113 Koth 


591,5 


73,0 


28,5 


205 


285 


verdaut 




1006,5 


118,5 


85,0 


269 


534 



Analytische Beie 
1) Abth. I. 

Koth im natürl 
Zustande 
Grm. 



28./, 



16,363 

20,332 

18,524 

12,258 

8,265 

11,322 

21,354 

11,047 

Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 

1,362 

1,262 



Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 

5,318 

6,635 

6,094 

4,125 

2,820 

3,750 

7,046 

3,605 

Asche 

Grm. 
0,160 
0,147 



Wasser 

Grm. 
11,054 

13,697 
12,430 
8,133 
5,445 
7,572 
14,308 
7,442 



67,500 o/o 
67,366 » 
67,100 » 
66,348 » 
65,880 » 
66,878 » 
67,000 » ß 
67,366 >' } 



Mittel 
66, 930/0 Wasser 
33,070/0 Trocks. 



"2^624 ÖTSÖT" — 0,009 Grm. GO2 = 0,298 Grm. CO2 fr. Asche 

11,356 0/0 Asche 

3,652 1,040 Rohfaser — 0,058 Grm. Asche 0,982 Grm. 

aschenfr. Faser 26, 88 O/o 
4,236 1,297 Rohfaser 0,071 Grm. Asche 1,226 aschenfr. Fa- 

ser 28,940/0 Rohfaser 
908 1,0169759 Stickstoff = 1,872 0/0 Nj l,731o/oN 

0,563 0,0089600 » = 1 ,591 o/q Nf =10,SOO/oNh 

1,937 0,072 Fett = 3,7170/o Fett. 



367 



Nach Procenten berechnet sind verdaut von 

Org. S. Protein Fett Rohfaser Nfr. Extractst. 

Proc. Proc. Proc, Proc. Proc. 

derAbth. I. 58,08 57,44 77,10 51,1 57,1 

« II. 63,00 61,88 74,90 56,75 65,2 



Y. Tersuchsabsclinitt. 



Fütterung mit Kleeheu, Wiesenheu 60 Grm. Oel, 20 Grm. 
Kochsalz pro Tag und Abtheilung: vom 1 — 14. Mai. 
Mittlere Stalltemperatur -f- 11,5» R. 

Der Feuchtigkeitsgehalt unseres Rauhfutters ist in stetiger 
Abnahme von Monat zu Monat begriffen und zeigt auch jetzt im 
Mai wieder einen geringem Gehalt davon als in den Monaten 
März und April. 



Analytische Belege. 
Abth. II. 



28 



•29 



Koth im natürl. 
Zustande 
Grm. 


Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 


Wasser 
Grm. 






14,768 


4,833 


9,935 


67,2730/0^ 




15,895 


5,200 


10,695 


67,285 » 


QO 


25,345 


8,186 


17,159 


67,700 )) 


15,443 


4,930 


10,513 


68,076 » , 


F 


25,713 


7,853 


17,860 


69,459 )) ' 




33,490 


10,200 


23,290 


69,573 » 




21,941 


6,626 


15,315 


69,800 >) j 




16,045 


4,785 


11,260 


70,177 »J 




Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 


Asche 
Grm. 








1,923 


0,227 








1,724 


0,201 









Mittel 
68, 66 o/o Wasser 
3 1,3 4 o/o Trocks. 



3,647 0,428 — 0,026 Grm. GO2 = 0,402 Grm. GO2 fr. Asche 

= 11,0220/0 Asche 

3,545 1,134 Rohfaser — 0,051 Grm. Asche = 1,083 Grm. 

aschenfr. Faser = 30,550/o 
2,876 0,931 Rohfaser — 0,042 Grm. Asche = 0,889 Grm. 

aschenfr. Faser = 30,91o/o 30,73 0/0 Rohfaser im Mittel 
0,919 0,017493 Stickstoff = l,900/o 

0,654 0,010510 )) = 1,61 0/0 N( 

1,981 0,086 Fett == 4,340/0 Fett. 



l,760/oN=ll,00/oNh 



368 



Den Procenten nach ist Wiesenheu und Kleeheu wie folgt 
zusammengesetzt : 



W i e s e n h e u 1) 
13,980/6 Wasser 

7,74 » Protein 

2,51 » Fett 
24,40 >) Rohfaser 
43,26 » Nfr. Extractstoff. 

8,11 » Asche 



Kleeheu2). 

13,70% Wasser 
13,80 » Protein 

3,20 )) Fett 
23,90 » Rohfaser 
38,90 ^) Nfr. Extractstoffe 

6,50 » Asche 



100,00 )) 

Verzehrt wurde in 14 Tagen 



100,00 » 





Wiesenheu 


Kleeheu 


Oel 


Tränkwasser 




Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


von der Abth. I. 


15260 


7630 


840 


51130 


» » » II. 


17100 


8550 


840 


56785 



Pro Tag verzehrt 

von der Abth. I. 1090 
» » » II. 1220 



545 
610 



60 
60 



3650 
4056 



Der täglich ausgeschiedene Darmkoth wurde ermittelt in 
den Tagen vom 9 — 13. Mai. Es entleerte 





Abth. 


I. 




Abth. 


II. 




1965 


Grm. 




2000 


Grm, 




2130 




10./2. 


2125 


» 




2015 


» 




2000 


» 




1880 






2450 


» 




1915 






2285 


» 


im Mittel 


1981 


» Koth. 


im Mittel 


2172 





Koth. 



Analytische Belege. 





Substz. 


Trocks. 




im natürl. 


bei 




Zustande 


HOOG. 




Grm, 


Grm. 


1) Wiesenheu im Mai 


3,805 


3,260 




3,306 


2,855 


2) Kleeheu im Mai 


5,208 


4,515 




5,925 


5,087 



Wasser 
Grm. 

0,545 14,3230/0/ 13, 980/o Wasser 

0,451 13.641 ). (86,020/0 Trocks. 

0,693 13,306 » j13,70 » Wasser 

0,838 14,143 » ) 86,30 » Trocks. 



369 



In 100 Theilen enthielt derselbe 




Abth. II). 


Abth. 112). 


66,96 o/o Wasser 


66,450/0 Wasser 


3,78 » Protein 


3,92 )) Protein 


8,85 » Kohfaser 


8,70 » Rohfaser 


1,08 » Fett 


1,22 « Fett 


15,47 » Nfr. ExtractstofFe 


15,73 » Nfr. ExtractstofFe 


o,86 » Asche 


3,98 » Asche 


100,00 » Koth. 


100,00 )) Koth. 



Die Aufnahme an Futter und seiner Bestandtheile, desgl. 
die Ausgabe an Koth u. s. w. nach Grammen berechnet und die 
Differenz daraus^ ergiebt für verdaut an Nährstoffen des Futters : 



Analytische Belege. 
1) Abth. I. 



11 



12 



Koth im 


Trocks. 




natürl. 


bei 


Wasser 


Zustande 


HOOG. 




Grin. 


Grm. 


Grm. 


20,210 


6,670 


13,540 


14,368 


4,647 


9,721 


10,431 


3,410 


7,021 


13,018 


4,285 


8,733 


16,320 


5,453 


10,867 


13,537 


4,525 


9,012 


6,289 


2,100 


4,189 


14,415 


4,773 


9,642 



67,000 0/0 
67,657 ). 
67,301 >) 
67,084 .) 
66,587 » 
66,573 » 
66,608 » 
66,888 » 



o 

CS 



Mittel 
> 66, 960/o Wasser 
33,040/oTrocks. 



Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 

1,551 
1,083 



2,634 



2,831 

4,231 

0,888 
0,932 
2,177 



Asche 
Grm. 

0,191 

!;,128 



0,319 — 0,011 Grm. CO2 = 0,308 Grm. CO2 fr. Asche 

= 11,690/0 

0,792 Rohfaser — 0,041 Grm. Asche = 0,751 Grm. 

aschenfr. Faser 26, 52 0/0 
1,208 Rohfaser — 0,062 Grm. Asche — 3,146 Grm. 

aschenfr. Faser 27,080/o 26,800/o Faser im Mittel 
0,01686 Stickstoff = 1,90 o/o, 
0,0163655 » = 1,76 » 
0,071 Fett = 3,26 0/0 Fett. 



l,830/oN= 11, 440/0 Nh 



Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 



24 



370 







Abth. 


I. 












Org. S. Protein 




XvLJ iiXtfla vT*. 


Nfr Stnffp 




Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


Grm. 


verzehrt 


1090 Wiesenheu 


850 


85 


27,5 


266 


471.5 




545 Kleeheu 




/o 


17,5 


130 


212,0 




60 Oel 






60 




— 




Sa. 




1 fin ii 

1 UV, V 


lOo.O 


396,0 


683,5 


entleert 


1981 Koth 


578 


75 0 


Z 1 ,0 


i < 0,0 


OU0,0 


Futter minus Koth = 


- 7fiT 

l V i 


oü, V 


00,0 


ZZV, 0 


■-i 7 7 n 






Abth. 


II. 








verzehrt 


1220 Wiesenheu 


950 


95 


30,5 


297,5 


527,5 




610 Kleeheu 


488 


85 


19,5 


146,0 


237,5 




60 Oel 


60 




60,0 








Sa. 


1498 


180,0 


110,0 


443,5 


765,0 


entleert 


2172 Koth 


643 


Sn5,0 


26,5 


190,0 


341,0 


Futter minus Koth = 


= 855 


95,0 


83,5 


353,5 


424,0 



2) Abth. 



12 



13 



II. 

Koth im 
natürl. 
Zustande 
Grm. 

24,950 
17,490 
19,083 
14,098 
12,054 
13,193 
11,794 
12,125 
Trocks. 
bei HOOG. 
Grm. 

1,238 
1,07S 



2,316 



2,761 



3,624 

0,973 
1,000 
2,308 



Trocks. 








bei 


Wasser 






HOOG. 








Grm. 


Grm. 






8,840 


16,110 


64,5700/0, 




6,115 


11,375 


65,000 » j 


Oi 


6,755 


12,328 


61,600 >) 1 




4,933 


9,165 


65,000 )) ^ 




3,790 


8,264 


68,558 » \ 




4,146 


9,047 


68,574 » 1 




3,845 


7,949 


67,398 » 1 




3,885 


8,240 


67,959 » ] 





Mittel 
66,45% Wasser 
33,55% Trocks. 



Asche 
Grm 
0,159 
0,136 



0,295 — 0,020 Grm. CO.) = 0,275 Grm, CO2 fr. Asche 

= 11,87 0/^-, Asche 

0,790 Rohfaser — 0,061 Grm. Asche0,729 Grm. aschen- 

fr. Faser 26,40 O/q 

1,000 Rohfaser — 0,077 Grm. Asche 11, 923 Grm. aschen- 
fr. Faser 25,47 0/^ 25,930/^ im Mittel 
0,017624 Stickstoff = l,8110;oX| l,870/oN 
0,019260 >. = 1,930 « Nj =ll,69'VoNh 
0,084 Fett = 3,6 10/0 Fett. *| 



371 



Verdaut in Procenten der Nährstoffe des Futters wurde : 

Org. S. Protein Fett Eohfaser Nfr. Stoffe 

Proc. Proc. Proc. Proc. Proc. 

von der Abth. I. 57,0 53,1 79,5 55,7 55,1 

» ), )) II. 57,07 52,7 75,9 57,6 55,4 

Die Ableitung' der Resultate des Versuchs wird versucht 
durch Zusammenstellung der in den 5 Versuchsabschnitten von 
beiden Abtheilungen bei Zusatz von Oel und ohne dasselbe u. s. w. 
verdauten Mengen an Nährstoffen des Rauhfutters nach Procenten 
das Aufgenommen berechnet, wie dies in folgender Tabelle A 
geschehen : (S. Tabelle folgende Seite) . 

Bei Betrachtung der Tabelle A sei es gestattet, zunächst 
darauf hinzuweisen, wie nothwendig es war die Versuchsthiere 
beider Abtheilungen beziehendlich der Fütterung, des Oelzusatzes 
u. s. w. ganz gleich zu halten: die Vermuthung die ich ein- 
gehend aussprach, dass es geschehen könne, dass die eine Ab- 
theilung in Folge ihrer individuellen Anlage besser verdaue, als 
die andere und dass, wenn diese Abtheilung zufällig Oelzusatz 
zum Futter erhalten hätte, die andere aber nicht, diese bessere 
Verdauung alsdann irrthümhch in Beziehung zum Oelzusatz als 
eine Folge desselben gebracht werden könnte, hat sich factisch 
ereignet: Abth. II hat schon im ersten Abschnitte mit Ausnahme 
der Rohfaser die organischen Substanzen des Rauhfutters um 
2.6%, das Protein um 0,8%, das Fett um 14% und die stick- 
stofffreien Extractstoffe um 5,6% besser verdaut, als Abth. I; 
im Durchschnitt der drei nächsten Abschnitte bei Oelzusatz aber 
sogar sämmtliche Nährstoffe, auch die Rohfaser, besser verdaut, 
als Abth. I, nämlich die organische Substanz um 5,3%, das Pro- 
tein um 7,4%, das Fett um 3,5%, die Rohfaser um 4,9% und 
die stickstofffreien Extractstoffe um 5,4 7o- 

Da aber in diesen 3 Abschnitten Abth. I so gut wie Abth. II 
erst 30 Grm., dann 45 Grm., schliesslich 60 Grm. Oel täglich 
im Futter hatte, so kann zweifellos nur in dem grössern Ver- 
dauungs vermögen der Thiere der Abth. II der Grund dieser 
höhern Futterverdauung liegen, nicht aber bezogen werden auf 
den Einfluss des beigefütterten Oeles. Die Thiere dieser Abthei- 
lung waren auch bessere Fresser. 

24* 



372 



05 

o 

Q 



o 

+ 
o 
O 



O 

r— ' 
P 



et- 
I — ' 
» 

P 
o 



05 

o 

Q 



+ 



Q 



9 



Vi 

Q 
>-< 

O 

+ 



n 

p 



CO 
o 

O 



o 



> — ' 



Q 

o 
I— > 

!^ 
p 



O 

05 
P 









CR 




CR 






05 




cn 






















o 




1— • 




CR 


-1 


















Ol 






Ol 




CR 










>— ' ■ 




CO 






OS 












o 


t>s 












-J 


Ol 






Gl 










^1 


JX> 


N5 


- 1 






















1-^ 




CO 






o 


Üi 
















Ol 




cn 












jss 


>-* 






















o 


1— k 


"oo 


I— k 
























OT 


Ol 


CR 


CJX 






-1 


- 1 


QO 
























Vi 













CO 



o 



Ol 



CT» 

"co 



CR 






Ol 


CR 


cn . 




ac 






QC 


















—1 




o 








^1 




— J 


—1 






to 






K2 
















O 


"od 




"05 














CT 




CR 


CR 


CR 


CR 


CR 


CR 




—1 


Oi 






CO 


















^1 


o 




"Xl 






CR 
















05 


CT 




CO 




jr> 


Oi 


JD 






















Ol 


05 




CR 


o 


cn 


o 





Organ. 

Substanz 



Protein 



Fett 



Kohfaser 



Stick- 
stofffreie 
StoflPe 



Organ. 
Substanz 



Protein 



Fett 



Rohfaser 



Stick- 
stofffreie 
Stoffe 



I rjs. 



373 



Wenden wir uns jetzt zur Verdaulichkeit der Nährstoffe des 
Futters beeinflusst gedacht vom beigefütterten Oele, also der 
2., 3. und 4. Abschnitt mit Oelzusatz verglichen mit dem I.Ab- 
schnitt ohne Oelzusatz zum Futter, wie sie Tabelle A aufführt : 
so wird bei der Abth. I der Einfluss desselben auf die Pro- 
teinstoffe erst bei höchster Gabe davon, 60 Grm., bemerklich 
durch eine höhere Verdaulichkeit derselben um 4,3% gegenüber 
ihrer Verdaulichkeit ohne Oelzusatz zum Futter. 

Die Rohfaser erscheint entschieden dadurch benachthei- 
ligt, ihre Verdaulichkeit liegt um 2%, 4% 6% höher bei 
ausschliesslicher Rauhfütterung. 

Die stickstofffreien Extractstoffe sind bei kleiner 
Gabe von Oel, 30 Grm. um 4% verdaulicher: eine bemerkens- 
werthe Steigung folgt aber bei grösserer Gabe nicht, ihre gehobene 
Verdaulichkeit sinkt sogar wieder um 1 % bei höchster Gabe 
davon. 

Die Verdaulichkeit der gesammten organischen Sub- 
stanz zeigt sich durch kleine Oelgabe nicht alterirt : dann aber 
steigt sie stetig um 2% und 4% hei 45 Grm. und 60 Grm. 
Oelzusatz. 

Anders in der Abth. II; bei 30 Grm. und 60 Grm. Oel 
wird die Proteinsubstanz des Rauhfutters um 4 7o und 8% 
verdaulicher: 45 Grm. Oel fördern ihre Verdaulichkeit nur 
um 2 7o- 

Auch die Rohfaser erscheint durch Oelzusatz verdaulicher 
um 5,4%, 3,7%, 2,8%: mit der steigenden Gabe von Oel 
geht ihre Verdaulichkeit in den angegebenen Procentsätzen zurück. 

Die stickstofffreien Extractstoffe werden um 1,0%, 
4,0%, 5,6% besser verdaut und zwar fällt letztgenannte höhere 
Verdauhchkeit mit der höchsten Oelgabe zusammen. 

Gleiches ereignet sich beziehendlich der zunehmenden Ver- 
daulichkeit der organischen Substanzen des Rauhfutters; 
ihre Verdaulichkeit liegt bei Oelzusatz um 4^8%, 2,7% und 
5,7% höher, als ohne Oelzusatz: 60 Grm. Oel scheinen auch 
hier vom besten Erfolge. 

Auch die Fettverdauung anlangend herrscht keine rechte 
Uebereinstimmung in beiden Abtheilungen: je mehr Oel gefüt- 



374 



tert wird, desto grösser die Verdaulichkeit desselben in Abth. I; 
sie steigt hierum 14,4 o/o 20,7 o/o und 29,4%. Nicht so in der 
Abth. II; bei 30 Grm. und 45 Grm. Oel im Futter nimmt die Fett- 
verdauung zwar auch zu, aber nur um 10,1 o/^ und 9,58 o/^ : diese 
Zunahme wird bei 60 Grm. Oel nur bis auf 12,9o/o gesteigert. 

Ein präcises Resultat über den Einfluss des beigefUtterten 
Oeles auf die Verdaulichkeit der Nährstoffe des Rauhfutters lässt 
sich darnach nicht erlangen : denn in der einen Abtheilung hat 
z. B. Oelzusatz die Verdaulichkeit der Rohfaser consequent be- 
nachtheiligt : in der andern fördern geringe Gabe deren Ver- 
daulichkeit : erst grössere Gaben setzen sie wieder herab : kleine 
Gaben von Oel benachtheiligen einseitig die Proteinverdauung: 
eine grössere Gabe davon ist zwar auf beiden Seiten ihrer Ver- 
daulichkeit förderlich, aber wieder im verschiedenen Grade u. s. w. 

Zu einer weit besseren Uebereinstimmung der Resultate des 
Versuchs gelangen wir, wenn wir die Leistungen beider Abthei- 
lungen beziehendlich ihrer Verdauung im Durchschnitt berech- 
nen : wodurch grössere Differenzen mehr ausgeglichen und womit 
dann auch die individuellen Unterschiede der Versuchsthiere com- 
pensirt werden. 

Tabelle B. 

Im Durchschnitt beider Abtheilungen 4 Thiere: 



Abschnitt. 


i 

Zum Futter : 


Organ. 
Substz. 


Protein 


Fett 


i Roh- 
1 faser 


Stick- } 
stofFfreiei 
Stoffe ! 

^ 


I. 


Kein Oelzusatz 
10 Grm. ClNa. 


56,0 


53,5 1 


54,9 


55,5 


56,8 ! 


II. 


30 Grm. Oel + 10 Grm. 
ClNa. a. 


58,3 


51,7 


67,2 


- 

55,2 


1 

60,6 


III. 


45 Grm. Oel + 10 Grm. 
ClNa. b. 


5S,2 


1 

53,7 


70,1 


55,2 


i 

59,5 ■ 


IV. 


60 Grm. Oel + 10 Grm. 
ClNa. e. 


60,5 


59,6 


76,0 


55,9 


61,1 




Mittel aus a. b. c. 


59,0 


55,0 


71,1 


55,4 


60,4 


V. 


60 Grm. Oel + 20 Grm. 

ClNa. 1 


57,0 


52,9 


77,7 


56,6 1 


55,2 



375 



In der Tabelle B sind die Mittelwerthe der in Ahth. I und II 
fllr verdaut an Nährstoffen gefunden und nach Procenten berech- 
neten Mengen zusammengestellt. 

Darnach sehen wir zunächst im Abschnitt I die Nährstoffe 
des Eauhfutters in einer Höhe verdaut, welche mit Berücksich- 
tigung der schwerern Verdaulichkeit unseres Kleeheus und im 
Vergleich mit den Ergebnissen über Verdaulichkeit des Rauh- 
futters anderer Versuchsansteller durchaus naturgemäss erscheint : 
alle Nährstoffe des Rauhfutters sind etwas über die Hälfte ver- 
daut. 

Zusatz von 30 Grm. und 45 Grm. Oel fördern die Verdau- 
lichkeit der Proteinstoffe nicht: unbeschadet der Wahrheit 
wird man sagen können , dass sie ganz einflusslos geblieben : 
erst 60 Grm. Oel pro Tag machen das Rauhfutterprotein um 
6 % verdaulicher : wie denn bei dieser Gabe auch die Verdau- 
lichkeit der stickstofffreien Extractstoffe , überhaupt der 
gesammten organ. Substanz ihren höchsten Grad erreicht, welche 
um 40/0 5% verdaulicher geworden erscheint. 

Ganz einflusslos ist das Oel in kleineren und grösseren 
Gaben auf die Rohfaser Verdauung geblieben: der Procent- 
satz ihrer VerdauUchkeit bleibt fast unberührt auf 55,5% stehen. 

Dieses Resultat stimmt mit den hierorts gemachten Beobach- 
tungen überein, nach denen Oelzusatz die Rohfaserverdauung 
keineswegs förderte, sondern sogar deprimirte ^) . 

Mit dem Fett zus atz von 30 Grm., 45 Grm., 60 Grm. 
steigt auch die Verdaulichkeit desselben um 12%, 15% und 
21 %. Berechnet man, dass im Durchschnitt beider Abtheilungen 
im Abschnitt I bei ausschliesslicher Rauhfutterfütterung täglich 
27 Grm. Rauhfutterfett verdaut wurden und zieht diese Menge 
den im Durchschnitt beider Abtheilungen verdauten Fettmengen 
des IL, III. und IV. Abschnittes = 52,5 Grm., 66,250 Grm. 
und 83,750 Grm. ab, so restiren = 25,500 Grm., 39,250 Grm. 
und 56,750 Grm. Fett, die bezogen auf den Oelantheil des Fut- 
ters = 30 Grm. ; 45 Grm. und 60 Grm. in Procenten ausge- 
drückt die Verdaulichkeit des Oels bei Gabe von 30 Grm., zu 



') Landw. Versuchs- Stationen Bd. VI. S. 193. 



376 



85^0 bei Gabe von 45 Grm., zu 87% imd bei Gabe von 60 
Grm., zu 94 j 6% ergeben, v^''älirend nur 15%, 13% und 5,4% 
des zugesetzten Oeles unverdaulich blieben. 

Sowohl G. Kühni) wie auch Stohmann^) haben nach- 
gewiesen, dass Fett in Substanz die Verdaulichkeit der Nähr- 
stoffe des Wiesenheus Weder geradezu befördere, noch geradezu 
benachtheilige ; darnach kann hier die nachgewiesene höhere 
Verdaulichkeit des Proteins und der stickstofffreien Extractstoffe 
durch Zusatz von Fett nur die gleichnamigen organischen Stoffe 
des Kleeheus treffen. 

Mit Festhaltung des Ausnutzungsgrades der Wiesenheunähr- 
stoffe in der Art und Weise, wie dies im L Abschnitte geschehen, 
lässt sich dann weiter der den Nährstoffen des Kleeheus zu- 
kommende Verdaulichkeitsgrad berechnen. 

Obgleich derartigen Berechnungen und berechneten Resul- 
taten keine allzugrosse Beweiskraft zukommt, will ich doch das 
Resultat der Rechnung hier kurz aufführen , und zwar sogleich 
im Durchschnitt der dafiir ermittelten Werthe in der Abtheilung 
I und II berechnet, da für vorliegende Versuche kein anderer 
Weg zur Ermittelung des Verdaulichkeitsgrades des Kleeheus 
vorliegt : die Verdaulichkeit der organ. Substanz des Wiesenheus 
ist dabei wieder mit 58%, die des Wiesenheuproteins mit 56%, 
der Wiesenheurohfaser mit ^S^/q und der Wiesenheu stickstoff- 
freien Stoffe mit 64 % in Rechnung genommen : darnach ergiebt 
sich, dass von den Nährstoffen des Kleeheus nach Procenten 
berechnet durchschnittlich in beiden Abtheilungen verdaut wurden : 





Org. S. 


Protein 


Rohfaser 


Nfr. Exl 




Proc. 


Proc. 


Proc. 


Proc. 


in Abschn. I. ohne Oelzusatz 










10Grm. ClNa. 


52,0 


50,7 


50,4 


40,7 


in Abschnitt II. 30 Grm. Oel 


49,5 




+ 10 Grm. ClNa 


56,5 


46,0 


52,0 


in Abschnitt III. 45 Grm. Oel 




+ 10 Grm. ClNa 


56,0 


51,0 


46,0 


49,3 


in Abschnitt IV. 60 Grm. Oel 








+ 10 Grm. ClNa 


61,2 


63,7 


51,7 


55,0 


Mittel aus II. III. IV. 


57,9 


53,6 


49,1 


52,1 


in Abschnitt V. 60 Grm. Oel 










4- 20 Grm. ClNa 


50,7 


50,0 


53,2 


3%8 



1) Landw. Versuchs- Stationen Bd. XII. 8. 371. 
2] Zeitschrift für Biologie Bd. VI. Heft 2. S. 27. 



377 



Die höhere Verdaulichkeit der Nährstoffe des Kleeheus bei höch- 
ster Gabe von Oel 60 Grm. pro Tag stellt sich recht ersichtlich 
heraus: die org'an. Substanz wird um 9%, die Proteinstoffe um 
13% und die Nfr. Extractstoffe um 14 o/o verdaulicher. Es be- 
hält die Rechnung auch insofern Zutreffendes^ als die Kleeheu- 
rohfaser durch Oelzusatz wenig, man könnte wohl sagen gar 
nicht verdaulicher erscheint; denn die um 1 % bessere Verdau- 
lichkeit bei 60 Grm. Oel wird um so weniger von Bedeutung 
sein, als die Verdaulichkeit der Kleeheurohfaser im Durchschnitt 
der Oelabschnitte wieder um 1 % geringer erscheint ihrer ur- 
sprünglichen gegenüber bei ausschliesslicher Rauhfutterfütterung 
im Abschnitt I. Sind es auch nur wenige Procente, um welche 
durch Oelzusatz die Verdaulichkeit der Nährstoffe des Kleeheus, 
die Rohfaser ausgenommen, gehoben erscheinen, so bleibt doch 
das Resultat beachtenswerth : denn erstens hat unser durch län- 
geres Lagern unverdaulich gewordenes Kleeheu durch den Oel- 
zusatz den Verdaulichkeitsgrad wieder erlangt, den normales 
Kieeheu, bei Schafen namentlich durch Wolff's Untersuchungen 
dargethan^), aufweist. Nach Wolff wurde Kleeheu Jgeerntet 
1868 und 1869) durchschnittlich verdaut: 

Organ. S. Protein Rohfaser Nfr. Extractst. 

Proc. Proc. Proc. Proc. 

60,26 61,65 51,5 65,3 

unser Kleeheu bei 60 Grm. Oelzusatz: 

Organ. S. Protein Kohfaser Nfr. Extractst. 
Proc. Proc. Proc. Proc. 

61,2 63,7 51,7 55,0 

nur die stickstofffreien Extractstoffe stehen, ihrer Verdaulichkeit 
nach, noch um 10,3% zurück. Organ. Substanz und Protein 
dagegen sind jetzt von gleich grosser Verdaulichkeit: und doch 
lag ihr Verdaulichkeitsgrad ohne Oelzusatz um 8,3 ^/o^ 10,9% 
und 24,6% niedriger ^j. Zweitens hat der Versuch die hohe Ver- 
daulichkeit des zugesetzten Oeles selbst nachgewiesen : nur wenig 



1) E, Wolff, Bericht über die Versuchs-Station Hohenheim. Berlin 1871. 

2) Directe Versuche mit Kieeheu allein über seine Verdaulichkeit Hessen 
sich damals nicht anstellen, weil mit Beendigung vorliegender Versuche auch 
die Vorräthe an Kleeheu zu Ende -waren. 



37S 



davon hat sich der VerdaiuiDg* entzogen, die Hauptmenge ist 
dem thierischen Organismus zu Gute gekommen. 

Auf 1000 Pfund Lebendgewicht und 18 — 20 Pfunden organi- 
scher Substanzen im Futter hatte der Zusatz von ^4 Pfund Oel 
diesen Erfolg: das ist die gleiche Menge, welche nach hierorts 
angestellten Versuchen bei Kleie, Wiesenheu, Haferstrohfutter als 
Verdauung fördernd sich erwiesen ij. 

Dabei ist mir später ein Bedenken aufgestossen ; obgleich 
nämlich die so eben citirten Versuche eine höhere Verdaulichkeit 
des Proteins und der Rohfaser nach Zusatz von 4 Loth Oel zum 
Futter nachwiesen, konnte doch noch eine andere Ursache auf 
diese höhere Verdaulichkeit gleichzeitig influirt haben • ich meine 
den Zusatz von Kochsalz in Form von Lecksteinen, welches 
damals gleichzeitig mit dem Oele den Thieren geboten wurde, 
dessen Genuss sie lange Zeit hatten entbehren müssen, dessen 
Bedürfniss sich aber offenkundig durch die grosse Begierde, mit 
welcher das Gebotene verzehrt wurde, aussprach. 

Deshalb hielt ich es für angezeigt, den vorliegenden Ver- 
suchen noch einen Versuchsabschnitt mit erhöhter Kochsalzgabe 
anzureihen, um hieraus den Einfiuss des Kochsalzes auf die Ver- 
daulichkeit der Kährstoffe des Futters zu ermitteln. 

Der Einfiuss des grösseren Kochsalzgehaites des Futters in 
diesem Abschnitte macht sich sofort bemerklich durch vermehrtes 
Tränkwasserconsum ; denn pro Tag werden in diesem Ab- 
schnitt von Abth. I 500 Grm. und von Abth. II sogar 1334 , 
Grm. Tränkwasser mehr aufgenommen, als im 4. Abschnitte. 
Dagegen benachth eiligt er die Rauhfutteraufnahme : Abth. I ver- 
zehrt 75 Grm. und Abth. II 135 Grm. täglich weniger Rauh- 
futter, als vorher. 

Ein Blick weiter auf vorliegende Tabelle B. zeigt nun, dass 
das Kochsalz pro Kopf zu 10 Grm. gegeben, keineswegs von 
Verdauung fördernder, sondern vielmehr von Verdauung benach- 
theiligender Wirkung war. Den höchsten Grad der Verdaulich- 
keit zeigt das Futter im IV. Abschnitte bei Zusatz von 60 Grm. 
Oel und 10 Grm. Kochsalz. Im V. Abschnitte bei gleichem Antheil 



1) Landw. Versuchs- Stationen Bd. XI. S. 380. 



379 



an Oe\, aber erhöhter Kochsalzgabe sinkt die Verdaulichkeit der 
organischen Substanz um 3 die des Proteins und der stickstoff- 
freien Extractstoffe um je 6 % ; nur das Fett erscheint um 1,7% 
und die Rohfaser um 0^7% verdaulicher geworden. Auf diese 
letzten sehr geringen Unterschiede zu Gunsten der Verdaulichkeit 
dieser Stoffe ist sicher kein Gewicht zu legen und führt man 
die bereits weiter oben specieller angedeutete Rechnung für »Fett 
in Substanz verdaut« in diesem Abschnitte durch , so resaltirt 
eine Verdaulichkeit des zugesetzten Oeles von 94,2%, unver- 
daulich davon geblieben sind nur 5,8%, also genau so viel, wie 
im vorigen Abschnitte bei gleicher Oel- und nicht erhöhter Koch- 
salzgabe. 

Bei Berechnung der Verdaulichkeit des Kleeheus in diesem 
Abschnitte erscheint nur die Rohfaser um 1,5% durch grössere 
Kochsalzgabe verdaulicher, die übrigen Nährstoffe aber um 10,5%, 
13,7% und 19,2% unverdaulicher geworden gegenüber der 
höchsten Stufe ihrer Verdaulichkeit im IV. Abschnitte. 

Geringerer Futterverzehr und geringere Verdaulichkeit des 
Verzehrten constatiren somit hinlänglich, dass unter vorwaltenden 
Futterverhältnissen 10 Grm. Kochsalz für 1 Schaf zu viel wa- 
ren, weil eben durch diese Menge der günstige Einfluss des 
Oeles auf die Verdaulichkeit des Futters gänzlich vernichtet 
wurde : da aber gesteigerte Kochsalzgabe offenbar schädlich sich 
erwiesen, so kann diese grössere Verdaulichkeit des Futters 
auch nur durch das Oel bedingt gewesen sein, weil bereits im 
1. Abschnitt 5 Grm. Kochsalz pro Kopf im Futter waren und 
die Verdaulichkeit des Rauhfutters dabei doch nur eine mittlere 
blieb, die nur erst mit der gesteigerten Oelgabe sich über dieses 
Niveau erhob. 

Ueber die Futter verwerthung bleibt noch einiges We- 
nige zu sagen. Damit dies geschehen könne, sind im Folgenden 
die durchschnittlichen Lebendgewichte der beiden Thiere jeder 
Abtheilung nach Pfunden aufgeführt: die Thiere wurden an 
jedem 7. und 8. Tage Morgens nüchtern gewogen, und ist das 
Mittel aus diesen beiden Wägungen der Rechnung zu Grunde 
gelegt : 



380 



Durchschnittliche Lebendgewichte: 

Abth. I. 2Thiere: Abth. II. 2Thiere: 



Vor der Schur 
Nach der Schur am 



1 / 
• -Ii- 


160,10 Pfund 


165,60 Pfund 


8 9 L 
• •Ii- 


158,16 


)) 


165.50 


)) 


15 16 /„ 


159,84 


» 


164,92 


)) 


22 23 /„ 


159,51 


)) 


162 27 


)) 


29 30 /„ 
• 73- 


157,76 




163 10 


» 


• 74* 


158,59 


» 


164,91 




12.13./^. 


158,33 


» 


162,75 




I92O./4. 


158,17 


» 


163,25 




26 27 /. 


158,07 




164,12 






158,47 


» 


164,71 


» 




158,33 


» 


166,65 






157,79 




167,37 






146,00 




155,30 






142,34 


» 


152,17 


» 


. I. lieferte 7,81 Pfund rohe Wolle 




II. 


8;37 




)) 





Abth. I wiegt am 1. März 160,10 Pfd., am 17. Mai 157.79 
Pfd., hat demnach an Körpergewicht = 2,31 Pfd. verloren. 

Abth. II wiegt am 1. März 165,60 Pfd., am 17. Mai 167,37, 
hat demnach an Körpergewicht um 1,77 Pfd. zugenommen. 

Am 1. März ist Abth. II um 5,50 Pfund schwerer als Abth. I, 
am 17. Mai um 9,58 Pfd. 2,30 Pfd. Gewichtsverlust auf der 
einen Seite und 1,77 Pfd. Gewichtszunahme auf der andern 
Seite bedingt dieses Uebergewicht von 9,58 Pfd. am 17. Mai. 
In Folge ihrer überwiegenden Körperschwere hat die Abth. II 
auch mehr an Rauhfutter consumirt als Abth. I. 
Es verzehrt in 75 Tagen 1. März bis 14. Mai 
Abth. I 262,27 Pfd. Rauhfutter 

Abth. II 281,85 » «_ 

demnach -[-19,28 « » 

Dividirt man mit den nackten Körpergewichten vom 18. Mai, 
Abth. I. 146,0 Pfd., Abth. II. 155,30 Pfd. in die von jeder 
Abtheilung während des Versuchs verzehrte Rauhfuttermenge : 
so kommt auf jedes Pfund Lebendgewicht 1,8 Pfd. Rauhfutter 
in der Abth. I, so gut wie in der Abth. II. 

Nur in dem nachgewieseneu grössern Verdauuugsvermögen 
dieser Abth. II kann sonach der Grund gelegen haben, dass diese 



381 



Abtheilung ein zutreffendes Erhaltungsfutter in dem verabreichten 
Wiesenheu und Kleeheu fand und die Abth. I nicht. Etwas 
Sichereres lässt sich über Gewichtszu- und Abnahme der Thiere 
auch in den einzelnen Fütterungsperioden nicht feststellen, weil 
die Thiere unter der Wolle sind : auch die Schurresultate und 
die dabei resuitirenden nackten Körpergewichte der Thiere ohne 
Wolle nach der Schur können uns dabei zu Nichts verhelfen. 
Ich bin bei früheren Versuchen vielfach bemüht gewesen, die 
Schurresultate am Schlüsse des Versuchs dazu zu benutzen, das 
nackte Körpergewicht der Hammel zu Anfang des Versuchs durch 
Rechnung zu ermitteln (durch Berechnung des Wollstandes und 
Zuwachses auf die Dauer des Versuchs aus dem Schurgewichte 
u. s. w.) es bleiben dies immer problematische Rechenexempel 
ohne Werth : dies lässt sich nach vorliegenden Schurergebnissen 
beweisen : 

Abth. I schor = 7,81 Pfd. Wolle, Abth. II 8,37 Pfd. 
Diese Wollmeugen abgezogen von den Körpergewichten unter 
der Wolle am 17. Mai vor der Schur, hinterlässt ein nacktes 
Körpergewicht von 149,98 Pfd. in der Abth. I und 159,0 Pfd. 
in der Abth. II. Die Wage stellte aber das nackte Körperge- 
wicht der Abth. I nach der Schur = 146,0 Pfd. und der Abth. II 
= 155,30 Pfd. heraus: das sind in Abth. I 3,98 Pfd. und in 
Abth. II 3,90 Pfd. weitere Verluste an Körpergewicht, die die 
Schur in Folge verstärkter Hautausdünstung und Perspiration 
u. s. w. veranlasste. Dazu addirt sich 8 Tage später noch ein 
weiterer Verlust für jede Abtheilung von 3,66 Pfd. und 3,13 
Pfd.; denn die Thiere wiegen am 26. Mai 142,34 Pfd. und 
152,17 Pfd. Dieser Verlust hängt jedenfalls mit der veränderten 
Tränkwasseraufnahme vor und nach der Schur zusammen. Unter 
der Wolle consumirte Abth. I 7,30 Pfd., geschoren nur = 4,06 
Pfd. Tränkwasser pro Tag. Abth. II unter der Wolle 8,11 
Pfd., geschoren nur 6,15 Pfd. pro Tag Tränkwasser. Diese 
Factoren müssten aber alle mit berücksichtigt und eingerechnet 
werden, wenn man die Körpergewichte unter der Wolle am 
1. März nach Abzug der Wolle, Perspirationsverluste u. s. w. 
auf nackte Körpergewichte umrechnen wollte. Das ist aber eine 
Uiimöglichkeit. 



382 



Ebenso wenig lässt sich darüber Etwas sagen, ob die höhere 
Verdaulichkeit des Futters bei Oelzusatz auf die Lebendgewichts- 
zunahme influirte; denn bei grösserer Kochsalzgabe und vermin- 
derter Verdaulichkeit des Futters erscheinen z. B. in der Abth. II 
die Körpergewichtszunahraen beträchtlicher, und doch sprechen 
die Schurresultate und die veränderte Tränkwasseraufnahme ge- 
rade dafür, dass hier nur Wasseranhäufung im Körper diese 
Zunahmen veranlasste. 

Sollen Fütterungsversuche mit Schafen über Verdaulichkeit 
des Futters gleichzeitig beweisend für die Verwerthung des Fut- 
ters sein, dann ist es meiner Ansicht nach unbedingt nothwendig 
mit der Schur den Versuch zu beginnen und mit der Schur den 
Versuch zu beenden : so nur ist es möglich die Körpergewichts- 
production bei Schafen richtig zu beurtheilen. 

Die Resultate des Versuchs: 

1 j Fett in Substanz dem Kauhfutter einverleibt ist einflusslos 
geblieben auf die Verdaulichkeit der Rohfaser des Rauh- 
futters. 

2) Eine Gabe von 3/4 pfd. Fett auf 1000 Pfd. Lebendge- 
wicht und 18 — 20 Pfd. organ. Substanz im Futter hatte 
nachweisbar eine höhere Verdaulichkeit der organ. Sub- 
stanzen des Rauhfutters im Allgemeinen und insbesondere 
des Rauhfutterproteins und der stickstofffreien Extract- 
stoffe zur Folge. 

3) Dieser höhere Grad der Verdaulichkeit bezieht sich nicht 
auf die Nährstoffe des Wiesenheus : es betrifft nur die 
Nährstoffe des Kleeheus. 

4) Auf dem Wege der Rechnung lässt sich ermitteln, dass 
die Nährstoffe des Kleeheus durch Oelzusatz zwar nicht 
den ursprünglichen experimentell nachgewiesenen hohen 
Grad ihrer Verdaulichkeit wieder erlangten, den sie, wie 
ebenfalls experimenteil nachgewiesen wurde, durch nio- 
nathches Lagern auf Bodenräumen verloren hatten und 
der, wie die Rechnung aufweist, durch lihigeres Lagern 
noch weiter herabsinken kann : dass aber doch diese 
schwer verdaulich gewordenen Nährstoffe des Kleeheus 
durch Oelzusatz wieder zu einer Höhe der Verdaulichkeit 



383 



gelangen , welche ein gut eiDgebrachtes Kleelieu bei 
Scbafen sonst aufweist, namentlich die Proteinstoffe des 
Kleeheus betreffend ; denn die stickstofffreien Extractstoffe 
bleiben auch jetzt noch um 10% ihres normalen Ver- 
daulichkeitsgrades zurück. 

Der Versuch war nicht geeignet, auf dem Wege des 
Experiments den directen Beleg dafür zu geben. 
5; Das dem ßauhfutter zugesetzte Oel in Substanz erscheint 
im hohen Grade verdaulich. 

6) Die Verdaulichkeit des Kauhfutters, Kleeheu, ist aber 
durch Oelzusatz nicht so wesentlich gesteigert worden, 
dass Oelzusatz aus diesem Grunde allein lohnend genug 
und rathsam erscheint; denn gut eingebrachtes Kleeheu 
besitzt an und für sich schon, auch ohne Oelzusatz, eine 
gleich gute und unter Umständen sogar höhere Verdau- 
lichkeit, als hier durch Oelzusatz ein durch Lagern 
schwerverdaulich gewordenes Kleeheu scheinbar wieder 
erlangte. 

Nützlich und rathsam dürfte es deshalb unter allen 
Umständen bleiben, eingeerntetes Kleeheu nicht allzu- 
lange unbenutzt lagern zu lassen. 

7) Eine Steigung der Kochsalzgabe von 62,5 Grm. auf 
125 Grm. für 1000 Pfd. Schaf hat einen Verdauung för- 
dernden Einfluss nicht gezeigt, dagegen die Grösse der 
Futteraufnahme und die Verdaulichkeit der Nährstoffe 
desselben benachtheiligt. 

8) Eine bessere oder schlechtere Verwerthung des Futters, 
ausgesprochen durch eine erhöhte oder gesunkene Kör- 
pergewichtszunahme der Versuchsthiere bei Oel- oder 
Kochsalzgabe, liess sich aus dem Versuche nicht erkennen. 



SSI- 



Untersuchungen über den Einfluss einer an 
Stickstoff und Phosphorsäure reiclien Düngung 
auf die Zusammensetzung der Pflanze und der 
Samen yon Sommerweizen. 

Von 

H. Ritthauseu und Dr. R. Pott. 

(Mitgetheilt von Ritthausen. 'i 



Aus verhältnissmässig zahlreichen Untersuchungen ist be- 
kannt, dass die stickstofFreichen Dünger, namentlich wenn sie 
in etwas grösserer Menge angewandt werden, meist eine Er- 
höhung des Gehaltes der producirten Pflanzenmasse an Stick- 
stolF, resp. Eiweisskörpern zur Folge haben; dasselbe ist auch 
für Wurzelgewächse. Kartoffeln, Rüben u. s. w., zweifellos nach- 
gewiesen worden. 

Viel weniger bestimmt erweisen sich die Resultate, welche 
bei Untersuchung der unter gleichen Umständen erbauten Samen 
erlangt wurden. Während die älteren Versuche von Hermb- 
s t ä d t ' ) und Boussingault^) darthun , dass bei reichlicher 
Düngung des Bodens mit stickstoffreichen Substanzen Weizen- 
und Roggensamen im Gehalt an Eiweisskörpern beträchtlich zu- 
nehmen, ergeben die von John in Hohenheim, ferner die von 
Law es und Gilbert angestellten Untersuchungen das entgegen- 
gesetzte Resultat, wonach sich der Gehalt der Samen an diesen 
Substanzen mehr oder weniger vermindern soll, und A. Müller 
findet bei Analysen der nach verschiedener Düngung gebauten 



^ Schweigger, Journ. 46, 278— 2S5; Erdmanii, Journ. für techn. 
u. Ökonom. Chemie XII, 1 — 53 ^1832'. Siehe auch: Wolff, die chemi- 
schen Forschungen auf dem Gebiet der Agriculturchemie p. 3SG — bS. 

2) Boussingault, die Landwirthschaft I. p. 290 — 291. 



385 



Gerste keinen wesentlichen Unterschied in der Zusammen- 
setzung 1) . 

Hiernach müsste es mindestens zweifelhaft erscheinen, dass 
stickstoffreiche Düngung- einen bestimmten Einfiuss auf den Ge- 
halt der Samen an Proteinstoffen äussere. 

Verschiedene Erfahrungen und hinlänglich erwiesene That- 
sachen deuten indess mit ziemlicher Bestimmtheit auf einen Zu- 
sammenhang zwischen vermehrter oder verminderter Zufuhr an 
Stickstoff und grösserem oder geringerem Gehalt der Samen an 
Eiweisskörpern hin. Die bei Weizen insbesondere^ — aber auch 
bei andern Getreidearten, — so oft beobachteten verhältnissmässig 
hohen Gehalte an Stickstoff, welche man wesentlich als durch 
klimatische Verhältnisse bedingt anzusehen gewohnt ist, drängen 
zu der Annahme eines solchen Zusammenhangs, wenigstens er- 
scheint die Erklärung, nach der sie ausschliesslich Folge klima- 
tischer Verhältnisse seien, so unbestimmt, allgemein und unbe- 
friedigend, dass man nach andern, näherliegenden Erklärungs- 
gründen suchen muss. Nachdem ich nun auch bei der Analyse 
ziemlich zahlreicher, in Poppelsdorf gezogener Weizen solche 
Mengen an Stickstoff gefunden hatte, welche bisher hauptsäch- 
lich nur an südrussischen Weizen beobachtet waren 2], und die 
den Verhältnissen entsprechend nicht dem Klima zugeschrieben 
werden konnten, war es nahe gelegt, einige Versuche und Unter- 
suchungen zur Entscheidung der Frage anzustellen. 

Ich theile nun im Folgenden die Ergebnisse einer ersten 
Reihe solcher Versuche mit, welche auf dem Versuchsfelde der 
Akademie Poppelsdorf im Sommer 1872, bezüglich der chemi- 
schen Untersuchung der Ernteproducte im Laboratorium der 
Versuchs-Station im Winter 1872 — 73 ausgeführt wurden. 

A. Ausführung der Versuche. 

Die Ausführung der Versuche, so weit es sich um die Ge- 
winnung des zur Untersuchung geeigneten Materials handelte, 

1) Stöckhardt, Zeitschrift für deutsche Landwirthe 1S55, p. 172 — 174. 

2) Ritthausen, die Eiweisskörper der Getreidearten u. s. w. (Bonn, 
bei Max Cohen und Sohn^ p. 10 — 13 und 74 — 79. 

Landw. Versuchs-Stat. XVI. 1873. 25 



386 



hatte Hr. Dr. Oemiehen (jetzt Prof. in Jena) freundlichst über- 
nommen, und sind unter dessen Leitung die erforderlichen Ar- 
beiten auf den Versuchsflächen ausgeführt worden. Die Dünger 
wurden von Hrn. Dr. Pott abgewogen und in seiner Gegenwart 
auf die betreffenden Feldchen gestreut. Die gemähten Weizen 
brachte man, in Garben gebunden, zum Trocknen auf den lufti- 
gen Laboratoriumboden, wo sie nach geeigneter Zeit in meiner 
und des Hrn. Dr. Oemiehen Gegenwart entkörnt, und die Wä- 
gung, so wie Bezeichnung der erhaltenen einzelnen Erntepro- 
ducte von mir selbst ausgeführt wurden. 

Die einzelnen Versuchsfeldchen, von je 15 □ Meter Grösse 
empfingen die folgenden, im Frühjahr aufgestreuten und mög- 
lichst tief untergeharkten Düngungen: 

Nr. I. Ungedüiigt. 
» II. 2,5 Kilo schwefelsaures Ammoniak 

III. ) ^'^ ^ 

( 4,0 » liaker- Guano- Superphosphat 

» IV. 4,0 » Superphosphat. 

» V. 3,0 » salpetersaures Natron 

VI 1 ^'^^ " 

/ 4,0 » Superphosphat. 

» VII. Tinge düngt. 

» VIII. 4,0 Kilo Superphosphat. 

1,25 » schwefelsaures Ammoniak. 

2,00 » salpetersaures Natron. 

wie 9, und 

4,0 Kilo Superphosphat. 
» XI. 6 Kilo Superphosphat. 
)) XII. Ungedüngt. 

Es wurden die gewählten Salze absichtlich in ausserge- 
wöhnlich grossen Mengen i) angewandt, da es für den Zweck 
der Untersuchung als nebensächlich anzusehen war, welchen 
Einfluss die grösseren Gaben an Stickstoff auf die Steigerung 
oder Verminderung der Körner- und Strohproduction ausübten. 

Die Möglichkeit, dass bei gleichzeitiger Verwendung von 
Phosphorsäuredünger eine noch weitere Erhi)huug des Gehalts 



IX. 
X. 



Die Berechnung ergiebt z. B. für Versuch 2 = 354 Kilo N, für Vers. 
5 = 336 Kilo N. pr. Hectare oder 90,5 Kilo, 86 Kilo N pr. preuss. Morgen. 



387 



der Samen an Proteinstoffen herbeigeführt werden könnte, gab 
Veranlassung zu den entsprechenden Versuchen mit gemischten 
Düngern und mit unvermischtem stickstoffarmen Superphosphat. 

Als anzubauende Frucht wählte ich für diesen ersten Ver- 
such, dessen Ausführung ich erst im Winter 1871 — 72 beschloss, 
Sommerweizen, weil nach den zahlreich vorliegenden Thatsachen 
in Bezug auf die Zusammensetzung des Weizens überhaupt, an- 
genommen werden durfte, dass sich der vermuthete Einfluss 
stickstoffreicher Düngung vor Allem an dieser Frucht würde 
constatiren lassen. 

Ernteergebnisse* 
Die Wägung der Ernteproducte ergab Folgendes: 



Nr. des 
Feldes 


Düngung 


Gewicht 
der Körner 


Stroh 


Spreu 






Kilo 


Kilo 


Kilo 


l 1 




,84 


5,53 


0,75 




> Nicht gedüngt 


nicht bestimmt 




12 




2,57 


5,48 


0,73 


4 




2,43 


7,59 


0,79 


8 


> Superphosphat 


2,99 


6,24 


0,78 


11 




2,74 


5,86 


0,89 


2 




2,2J 


6,82 


1,05 


5 


y Stickstoffdünger 


2,38 


6,45 


0,81 


9 




2,32 


6,35 


0,93 


3 
6 
10 


Stickstoffdünger 
Superphosphat 


2,30 
2,04 
1,75 


7,65 
6,68 
5.92 


1,05 
0,81 
0,84 



Von nachtheiligem Einfluss auf die Körnerbildung war es 
bei sämmtlichen mit Stickstoff gedüngten Parcellen , dass sich 
die Pflanzen nach dem Schossen in Folge einiger starken Regen- 
güsse lagerten ; im übrigen unterschieden sich diese von denen 
der andern Felder durch eine sehr dunkelgrüne Farbe und eine 
verhältnissmässig üppige Entwicklung der Halme und Blätter. 
Messung und Wägung einiger, kurz vor dem Schossen geschnit- 
tener Pflanzen von verschiedenen Feldern zeigte auch, dass die 
vStickstoffpflanzen die übrigen an Gewicht oder auch Höhe meist 
übertrafen. 

25* 



388 



Nr. 



Düngung 



12 j 

8 V Superphospliat 

» ) 

2 schwefeis. Ammon. 
5 Natronsalpeter 
g j schwefeis. Anamon. 
Natronsalpeter 



Tag der 
Bestim- 
mung 



1. Juli 

26. Juni 
1. Juli 
1. Juli 
26. Juni 
26. Juni 

1. Juli 



94,0 



73,6 



Durch- 
schnittsgewicht 
einer Pflanze 



Durch- 
schnitt- 
liche 
Höhe 

Centim. in Grammen 

65,6 4,77 

81,4 5,30 

90,0 5,08 

66,4 4,66 

69,0 5,27 

100,0 5,95 
4,34 



6,16 



B. Analysen der Grünpflanzen und des Strohes. 

a. Grünpflanzen. 

Zur Analyse wurden 3—4 der dicht über dem Boden ge- 
schnittenen Pflanzen, frei von anhängenden Thautröpfchen und 
Bodentheilchen rasch zu feinem Häcksel zerschnitten und nach 
Bestimmung des Wassers darin im Mörser vollständig zu feinem 
Pulver zerrieben. Es war für den beabsichtigten Zweck genü- 
gend, ausser dem Gehalt an Wasser, die Menge der Asche und 
des Stickstoffs zu ermitteln, letztere in allen Fällen durch Be- 
stimmung mittelst Platinchlorid und Wägung des aus dem Pla- 
tinsalmiak erhaltenen Platins. 

Die Bestimmungen, welche bei diesen Grünpflanzen sowohl, 
wie bei Stroh ausschliesslich von Hrn. Dr. Pott ausgeführt sind, 
ergaben folgende Resultate. 

In lOOGewth. frischer Pflanzen 



Nr. des t^-. 
Feldes Düngung 


Tag der Ent- 
nahme der 
Pflanzen 


Wasser 
Proc. 


Trocken- 
substanz 

Proc. 


j 2 1 Ungedüngt 


1. Juli 


75,22 
73,07 


24,78 
26,93 


^ ] 

8 ^ Superphosphat 


20. Juni 


79,15 . 


20,85 


1. Juli 


77,20 


22.88 


1' 1 


1. Juli 


76,45 


23,55 


2 schwefls. Ammon. 


26 Juni 


78,04 


21,96 


5 Natronsalpeter 


26. Juni 


79,18 


20,82 


q 1 Ammoniaksalz u. 
/ Salpeter 


1. Juli 


75,52 


24,48 



389 



In den bei 110^ getrockneten Substanzen gefunden. 



Nr. 


Asche 


Stickstoii 


Stickstoff be: 
auf Proteins 




Proc. 


Proc. 


Proc. 




7,92 


1,80 


10,8 


12 ( 


1,26 


1 1 tiC , 

j 1»56 
) 1 4*1 ( 


1,50 


4 


9,67 


2,34 


14,04 


8 


8,59 


2,01 


12,06 


11 


j 8,23 
j 8,36 


2,17 


13,02 


2 


7,92 


2,91 


17,46 


5 


( 6,33 
) 6,40 


3,03 


18,18 


9 


6,68 


2,92 


17,52 



rechnet 



b. Stroh. 

Das Stroh wurde in einer Quantität von etwa 500 Grm. zu 
Häcksel zerschnitten und nach vorausgegangenem Trocknen bei 
llO'^ mittelst einer Strohmahlmühle th eilweise zu Pulver ver- 
mählen. Die Resultate der Bestimmungen sind: 



Nr. des 
Feldes 


Wassergehalt 
Düngung des gemahle- 
nen Strohs 
Proc. 


Gehalt der Trockensubst, an. 

ProteinstofFe, 
Asche Stickstoff ber. aus dem 

Stickstoff: 
Proc. Proc. Proc. 






5,84 


6,80 


0,66 


3,96 




> Ungedüngt 


4,65 


6,44 


0,49 


2,94 






5,22 


5,63 


0,57 


3,42 


4 


Superphosphat 


4,89 


7,70 


0,62 


3,72 


2 ■ 


Schwefel. Ammon. 


4,58 


6,41 


0,99 


5,94 


5 


> Salpeters. Natron 


4,75 


5,07 


0,63 


3,78 


9 


t Ammoniaksalz 
/ u. Salpeter 


5,86 


5,44 


0,87 


5,22 




[ Ammoniaksalz 










10 


J Salpeter u. Su- 
j perphosphat 


4,84 


5,97 


0,94 


5,64 



390 



Als Mittelwerthe für den Gehalt von a und b an N, resp. 
Proteinstoffen findet man: 





a. Grünpfianzen 


b. 


Stroh 




N 


ProteinstofFe i) 


N 


ProteinstofFe 




Proc. 


Proc. 






1) Ungedüngt 


1,65 


9,9 


0,57 


3,42 


2) Superphosphat 


2,17 


13,02 


0,62 


3,72 


3) N-Düngung 


2,95 


17,70 


0,86 


5,16 



und verhalten sich diese Zahlen, 1 = 100, 

1 = 2 = 3 1 = 2 = 3. 

wie 100 = 131 = 179; 100 = 108 = 151. 



Die Resultate bestätigen mit hinlänglicher Deutlichkeit die 
aus anderweiten Untersuchungen schon bekannte Erfahrung : 
dass bei vermehrter Zufuhr von Stickstoffnah- 
rung, sei es in Folge directer Düngung des Bodens 
mit stickstoffreichen Substanzen oder in Folge der 
Einwirkung anderer zur Düngung verwandten Ma- 
terien auf den im Boden in unlöslicher oder schwer 
löslicher Verbindung vorhandenen Stickstoff, die 
Bildung von Proteinstoffen in den Pflanzen erheb- 
lich gesteigert wird, so dass Pflanzenmassen bis- 
weilen von beträchtlich höherem Gehalt an diesen 
Substanzen erzeugt werden. 
Der Einfluss der N-Düngung zeigt sich deutlich noch bei dem 
reifen Halme, beim Stroh, welches 50 7o Proteinstoffe mehr als 
»ungedüngt« und ca. 40% mehr als das mit Superphosphat er- 
zeugte Product enthielt. 



1) Die ProteinstofFe sind immer aus dem gefundenen N durch Verviel- 
fältigung mit 6 berechnet worden, wenn auch noch nicht bewiesen ist, dass 
diese Körper in der Pflanze und im Stroh des Weizens die Zusammensetzung 
besitzen, welche sie (im Mittel) in den Samen zeigen. Bei der Berechnung 
konnte ferner auf einen Gehalt von N als Ammoniak oder Salpetersäure 
nicht Rücksicht genommen werden, da die Bestimmung dieser etwa vorhan- 
denen Substanzen unterblieben ist. 



391 



Dass die Superphosphat- oder Phosphorsäuredünguug für 
sich allein schon auf eine Vermehrung der Eiweisskörper in den 
Pflanzen hinwirkte, kann nicht befremden; wenn man erwägt, 
dass die Phosphorsäure den Uebergang des Bodenstickstoffs 
aus unlöslichen in lösliche Verbindungen und in die Gewächse, 
selbst aber auch in etwas grösserer Quantität von diesen aufge- 
nommen die Bildung von Proteinstoffen begünstigen kann, so 
erscheint dieser Erfolg der Düngung als der Bedeutung der Phos- 
phorsäure entsprechend. 

In dem Resultat der Ammoniak- und der Salpetersäuredtin- 
gung zeigt sich, ausser bei Stroh (Vers. 5), kein Unterschied. 

Der Erwähnung werth ist es, dass die Phosphorsäuredün- 
gung eine Zunahme des Gehalts an Aschenbestand- 
t heilen bei den Grünpflanzen, wie auch beim Stroh, gegenüber 
den nicht oder mit Stickstoff allein gedüngten Pflanzen zur 
Folge hatte. Die Erklärung dieser vielleicht schon öfter beobach- 
teten Thatsache bietet indess keine Schwierigkeiten. 

C. Untersuchung der geernteten Samen. 

I. Beschaffenheit der Samen. 

Der angewandte Saatweizen, eine in Poppelsdorf schon seit 
längerer Zeit angebaute Sorte, war völlig glasig und hart 
und von dunkler Farbe ; Körner von anderer Beschaffenheit konn- 
ten auch bei Untersuchung grösserer Mengen nicht aufgefunden 
werden. 

Sehr verschieden jedoch waren die von den einzelnen Fel- 
dern geernteten Samen. 

Die Samen der ungedüngten Felder, Nr. 1, 1, 12, 
waren vorwiegend halbmehlige oder übergehende und 
hellfarbige Körner, gross und voll, mit glatten und glänzen- 
den Oberflächen; auch die glasigen Körner zeigten die letztge- 
nannten Eigenschaften. 

Von ziemlich genau derselben Beschaffenheit erwiesen 
sich die Samen der mit Superphosphat oder Phosphor- 
säure gedüngten Abtheilungen Nr. 4, 8 und 11, doch variirten 



392 



•sie mehr in der Grösse; die Zahl der kleinen, vorwiegend glasigen 
Körner war dem Augenschein nach gleich der der grossen. 

Die Stickstoffdüngung, Nr. 2, 5 und 9, erzeugte nur 
kleine, jedoch gut ausgebildeteKörner, durch weg hart, 
glasig und dunkelfarbig. 

Von der Misch düngung in Nr. 3, 6 und 10 wurden 
ebenso , wie bei reiner Stickstoffdüngung, nur kleine harte , gla- 
sige und dunkle Körner, nebst einer nicht geringen Anzahl ver- 
schrumpfter, unausgebildeter Körner gewonnen. 

Um für die Grösse der Körner einen etwas bestimmteren 
Ausdruck zu gewinnen, wurden die in einem offenen Glase mit 
abgeschliffenem Rande von 52 CG. Wasser Inhalt sorgfältig ab- 
gemessenen Volumen nach Körnerzahl untersucht. Die Zählung 
ergab für 



Nr. 
12 
1 

7 

4 
8 
11 

9 
5 
2 

6 
3 

10 



Ungediingt 



Phosphorsäure- 
Düngung 



Stickstoff- 
Düngung 

Stickstoff und 
Phosphorsäure 



Körner 
1298 
1309 
1312 

1330 
1339 
1347 

1372 
1382 
1484 

13511) 

1422 

1581 



Mittel 



1306 = A 



1339 = B 



1413 = C 



1451 = D 



Es hatte demnach schwefelsaures Ammoniak, auch in Verbin- 
dung mit Superphosphat, nach 2, 3 und 10 die kleinsten Körner 
erzeugt (was theilweise wohl als Folge des Lagerns der Halme 
anzusehen ist) ; sieht man jedoch von den erheblichen Differenzen 
bei Stickstoff- und Mischdüngung ab und hält sich nur an die 
Mittelzahlen, so ist das Verhältniss der Körnermenge 



in A 
= 100 



B 

102 



C 

108 



D 

III, 



1) Die unausgebildeten, verschrumpften und leeren Körner sind in allen 
Pällen vor der Abmessung ausgelesen und entfernt worden. 



393 



Die Grösse des Korns steht natürlich im umgekehrten Verhältniss 
zur Körnerzahl. 

II. Gehalt an Wasser, Stickstoff, Asche und Phosphorsät(,re. 

Bei Analyse der Samen, des Mehls und der Bestimmung 
des auswaschbaren Klebers sind alle die Methoden festgehalten 
worden, welche ich in meiner Schrift: »Die Eiweisskörper 
der Getreidearten, Hülsenfrüchte und Oelsamen« an 
den betreffenden Stellen angegeben habe. Zur Aschebestimmung 
wurden die Körner vorher gewaschen. 

a. Körner. 

Getrocknete Substanz 





Nr. 


Düngung 


"Wasser 
Proc. 


Stickstoff 
Proc. 


Phosphors. 
Proc. 


Asche 
Proc. 




! 1 




13,42 


2,78 


1,27 


2,96 


A. 




> Ungedüngt 


13,59 


2,64 




2,72 




12 ] 




13,91 


2,39 




2,72 


B. 


: 1 
>' 1 


Phosphorsäure- 
^ Düngung 


13,16 
13,80 
13,53 


3,14 
4,77 
2,56 


1,40 


2,27 
2,45 
2,52 


C. 




Stickstoff- 
Düngung 


13,94 
13,71 


3,44 
3,39 


1,03 
1,20 


2,29 
2,51 




« 1 


13,45 


3,48 


1,02 


2,50 




3 


Phosphorsäure- 


13,45 


3,82 


1,23 


2,76 


D. 


6 


, und Stickstoff- 


13,71 


3,36 


1,02 


2,73 




10 


Düngung 


13,65 


3,68 


1,11 


2,96 




Saatweizen 


13,82 


2,60. 







Als Maximum der gefundenen Mengen Stickstoff berechnen 
sich für 

A. B. c. D. 

2,60 2,S2 3,43 3,58 o/^ 

und entsprechen diese Mengen den Verhältnissen 

= 100 = 108 = 132 = 138. 

Demnach hat 

1) die Phosphorsäuredüngung allein eine Zu- 
nahme des Stickstoffgehalts der Samen um . . 8% 

2) die Stickstoffdüngung der Samen um . . .32» 

3) die Stickstoff- und Phosphorsäuredün- 
gung der Samen um 38 » 

bewirkt. 



394 



b. Mehl. 

Das Mehl wurde durch Mahlen einer jedesmal rein gelesenen 
Quantität KSamen (250 Grm.) auf einer Bogardus-Mühle, wie sie 
Prof. Mohr in seiner »pharmaceutischen Technik« beschreibt, 
und Sieben des zuletzt gewonnenen Mahlproducts durch ein sehr 
feines Haarsieb im Laboratorium selbst hergestellt. Da mit die- 
sen Mühlen die einzelnen Schichten des Korns gleichmässiger, 
als mit andern, zerrieben werden, und eine Sonderung des Mehls 
in verschiedene Sorten (gröbere und feinere) nicht stattfand, so 
ist das Mehl häufig reicher an Proteinsubstanz als das Korn, 
hat aber nicht die Feinheit und das schöne Ansehen der bessern 
Mehlsorten des Handels. 

1) Gehalt des Mehls an 











bei 1 1 00 getrocknet 








Wasser 


Stickstoff 


Protein- 
subsanz 


Asche 




1 




14,50 


3,08 


18,48 




A. 


7 


>. Ungedüngt 


14,81 


2,54 


15,24 






12 




14,81 


2,60 


15,60 


2,60 




: ^ 


Phosphorsäure- 
[ Düngung 


14,56 


3,14 


18,84 


2,01 


B. 




14,97 


2,66 


15,96 


2,17 






14,25 


2,90 - 


17,40 


2,58 • 




2 


Stickstoff- 
Düngung 


14,04 


3,64 


21,84 


1,81 


C. 


5 


14,60 


3,56 


21,36 


1,90 




9 


12,91 


3,70 


22,20 


2,51 




3 ■ 


Phosphorsäure 
u. Stickstoff 


13,92 


4,06 


24,36 


2,23 


D. 


6 

lü 


14,43 
14,21 


3,70 
3,77 


22,20 
22,62 


1,85 
2,16 




Saatweizen 


16,14 


2,81 


16,86 





Als Mittelzahlen findet man für 



A. B. c. D. 

Stickstoff 2,74 2,90 3,63 3,84 0/^ 

Proteinsubstanz 16,44 17,40 21,78 23,04 » 

und entsprechen diese dem Verhältniss 

100 = 106 = 132 = 140 

welche mit den Verhältnisszahlen des ganzen Kerns nahe über- 
einstimmen . 



395 



2; Gehalt an auswaschbarem Kleber. 

Von je 20 Grm. Mehl wurde nach dem Einteigen mit Gips- 
wasser der Kleber mit hartem, kühlen Brunnenwasser ausge- 
waschen, frisch gewogen, dann bei 120"^ bis zur Gewichtscon- 
stanz getrocknet (s. Ritthausen, die Eiweisskörper u. s. w. 
p. 4 und 8—9). 







Nr. 


frischer 
Kleber in 

1 00 Th 
lufttr. Mehl 
Proc. 


Gehalt des 
frisch. Klebers 
an Trockensubst. 

Proc. 


Kleber, ge- 
trocknet ber. 
anflOOT^h wqsisfr 

freies Mehl 
Proc. 








46,17 


33,15 


17,91 


A. 


1 


f ; 


h0,42 


31,97 


15,17 








40,62 


32,41 


15,45 






4 


41,58 


32^11 


15,63 


B. 


* 


8 


44,97 


31,13 


16,46 






11 


47,43 


32, GS 


'18,02 








61,13 


32,26 


22,94 


C. 






61,46 


31,34 


22,56 






l « 


64,08 


30,29 


22,65 






3 


67,29 


3 1 ,.1 2 


24,72 


D. 


< 


6 


64,08 


29,82 


22,33 






10 


68,18 


32,13 


25,57 




Saatweizen 39,25 


32,00 


14,96 



Die Mittelwerthe sind für 

A. B. c. D. 

frischer Kleber 42,40 44,76 62,22 66,51 0/^ 

trockner Kleber 16,17 16,70 22,71 24,20 « 

und die Verhältnisszahlen für trocknen Kleber 

100 = 103 = 104 = 149. 
3) Gehalt an reinem Kleber. 

Da die N-gehalte der Kleber immer etwas verschieden sind, 
wurden sie für die Kleber 5—42 und den des Saatweizens be- 
sonders bestimmt. 

Berechnet man nun aus dem N-gehalt des Klebers die Menge 
des als Kleber von 100 Th. trocknem Mehl überhaupt ausscheid- 
baren Stickstoff, — Kleb erstick Stoff — so erhält man 
durch Vervielfältigung mit 6 den Gehalt an reinem Kleber 



B. 



396 



Stickstoff KleberstickstofF Reiner Kleber 

Nr. d. getroekn. in 100 Th. in 100 Th. 

Klebers trockn. Mehl trockn. Mehl 

Proc. Proc. Proc. 

7 14,08 ■ 2,1259 12,81 
12 13,19 2,0378 12,22 

8 14,09 2,3192 13,91 
11 13,07 2,3552 14,13 

5 13,70 3,0707 18,42 

9 13,85 3,1356 18,81 
j 6 13,85 3,0927 IS, 55 

■ ) 10 1 3,14 3,3598 20,15 

Saatweizen 13,26 1,9837 11,90 

Die Mengen des reinen Klebers sind hiernach im Mittel : 
A. B. c. D. 

12,51 14,02 18,61 19.350/0 

= 100 = 112 = 148 = 161. 

Bei Vergleich dieser Verhältnisszahlen mit denen für rohen 
Kleber und für Stickstoff des Mehls und der Körner: 





A. 


B. 


C. 


D. 


Stickstoff 


100 = 


106 = 


132 = 


140 


Roher Kleber 


100 = 


103 = 


140 = 


149 


Reiner Kleber 


100 = 


112 = 


148 = 


161 


Stickstoff 


100 = 


108 = 


132 = 


138 



Mehl 
Körner 

findet man, dass der Gehalt der stickstofifreichen Weizen C und 
D an auswaschbarem Kleber verhältnissmässig grösser ist, als 
der der stickstoffärmeren A und B. 

Es geht dies ziemlich deutlich auch aus folgender Zusam- 
menstellung, in welcher die Menge des Kleberstickstoffs bezogen 
auf den Gesammtstickstoff des Mehls, diese =100 gesetzt, be- 
rechnet ist, hervor^). Von 100 Th. des Stickstoffs im 



1) Doch lässt sich umgekehrt aus den Verhältnisszahlen auch folgern, 
dass die stickstoffreichen Weizen C und D eine nur wenig grössere Menge, 
aber erheblich stickstoffreicheren Kleber enthalten , mithin der Gehalt an 
Gliadin (Pflanzenleim) — Gliadin enthält 18, OIO/qN (Ritthausen, die Eiweiss- 
körper u. s. w. p. 56) — darin wesentlich grösser ist, als in den andern; zur 
Berechnung des reinen Klebers für diese Weizen würde demgemäss ein 
Factor, kleiner als 6, anzuwenden sein, und erscheinen darum die mit 6 be- 
rechneten Klebermengen höher, als sie in Wirklichkeit sind. So lange in- 
dess die quantitative Bestimmung des Gliadins in einem Geraenge von Pro- 
teinstoffen nicht möglich ist, so lange lässt sich über derartige Fragen mit 
Sicherheit nicht entscheiden. 



397 



Mehl waren 
vorhan den. 



B. 



in Form von auswaschbarem Kleber 

Mittel 81,1 o/o 
» 84,2 » 
» 85,1 ). 

D. ) " i » se,? « 

Zur bessern Uebersicht der Verhältnisse von Gesammtmenge 
an Proteinstoffen, rohem Kleber und reinem Kleber, Gesammt- 
stickstoff und Kleberstickstoff stelle ich die betreffenden Zahlen 
noch in folgende Tabelle zusammen : 

100 Theile getrocknetes Mehl enthalten 

Kleber- Protein- 
stickstoff Substanz 
Proc. Proc. 



7 


84 o/n 

/o 


12 


78,3» 


8 


87 » 


11 


81,2 » 


5 


8G,2 » 


9 


84,0 » 


6 


83,6 » 


10 


89,8 » 



B. 



C 



1 

7 

12 

4 
8 
11 

9 



5 
9 
3 
6 
10 

Saatweizen 



D 



Stickstoff 
Proc. 
3,08 
2,54 
2,60 
3,14 
2,66 
2,90 

3,64 
3,56 
3,70 
4,06 
3,70 
3,77 

2,81 



Roher Kleber Reiner Kleber 



2,1259 
2,0378 

2,3192 

2,3552 

3,0707 
3,1356 

3,0927 
3,3598 

1,9837 



18,48 
15,24 
15,60 
18,84 
15,96 
17,40 

21, S4 
21,36 
22,20 
24,36 
22,20 
22,62 

16,86 



Proc. 
17,91 
15,17 
15,45 

15,63 
16,46 
18,02 

22,94 
22,56 
22,65 
24,72 
22,33 
25,57 

14,96 



Proc, 

12,81 
12,22 

13,91 
14,13 

18,42 
18,81 

18,55 
20,15 

11,90 



Auf 100 Th. Gesammtstickstoff oder Proteinstoffe berechnen 
sich die oben angegebenen Procente an Kleberstickstoff oder rei- 
nem Kleber. 

Die vorstehend mitgetheilten Untersuchungen der Weizen- 
samen zeigen : 

1) dass durch verstärkte Düngung mit Ammoniaksalz oder 
salpetersauren Salzen Stickstoff- und kleberreichere Sa- 
men erzeugt werden, wie dies bereits von Her mbstädt 
und Boussingault dargethan wurde; 



398 



2j dass bei gleichzeitiger Stickstoff- und Phosphorsäuredün- 
gung, gegenüber der Stickstoffdüngung allein, die Zunahme 
des Stickstoffs in den Samen noch wesentlich gesteigert 
werden kann; 

3) dass die Phosphorsäure für sich allein auf eine vermehrte 
Bildung von Proteinstoffen hinwirkt, ohne dass der Ge- 
halt der Körner an dieser Substanz wesentlich steigt; 

4) dass das Verhältniss von Phosphorsäure und Stickstoff 
in den stickstoffreichen Weizen nicht wie 1 : 2 ist, son- 
dern, wie bereits früher von mir und Dittmar darge- 
than ist (Ritthausen, die Eiweisskörper u. s. w. 
p. 78 — 79) sich dem N-gehalt dieser Samen entsprechend 
verändert, so dass es darin schwankt von 1 : 2,6 bis 3,0. 

In den untersuchten stickstoffreichen Weizen war dies Ver- 
hältniss nach p. 393. 

Phosphors. Stickstoff 

2 = i = 3,3 

C. ^ b = 1 = 2,8 
9 = 1 = 3,4 

3 = 1 = .3,1 

D. ^ 6 = 1 = 3,3 
10 = 1 = 3,2. 

Es bleibt demnach der procent. Gehalt an Phosphorsäure 
wohl ziemlich constant und wächst nicht auch bei Phosphorsäure- 
dünguug, während der Gehalt an Stickstoff sehr veränderlich ist. 

Gegen die Schlussfolgerungen 1 und 2 lässt sich allerdings 
der Einwand erheben, dass die eigenthümliche Zusammensetzung 
der Samen C und D durch die früh erfolgte Lagerung der Pflan- 
zen wesentlich beeinflusst war und die Entwicklung der Körner 
in hohem Grade beeinträchtigt wurde; man kann z. B. anneh- 
men, es sei insbesondere die Bildung des Stärkemehls gestört 
worden und in Folge dessen eine geringere Menge davon in den 
Samen zur Ablagerung gelangt, die demnach procentisch reicher 
an Proteinstoffen erscheinen mussten. — Dennoch dürfte dieser 
Einwand von geringem Gewicht sein, da es, nach der beträcht- 
lichen Anzahl leerer oder tauber Körner in den betreffenden 
Weizensorten zu schliesseu, viel wahrscheinlicher ist, dass der 
Körneransatz oder auch die Gesammtentwicklung zahlreicher 



399 



Fruchtbildungen beeinträchtigt wurde ; unter andern Verhältnissen 
würden daher nur weit mehr vollständig- ausgebildeter Samen, 
ohne dass deren Zusammensetzung eine Veränderung erfahren 
hätte, erzeugt worden sein. 

Weitere Untersuchungen bei Winterweizen, Roggen und Som- 
merhalmfrüchten dürften wohl noch bestimmtere Aufschlüsse über 
diese Fragen geben. 



Llebig-Deiikmal. 

Aufruf. 

Justus von Liebig ist am 18. April 1873 zu München gestorben. 

Wenige Namen der Zeitgenossen sind so weit wie der seinige über die 
bewohnte Erde gedrungen und allüberall, in der Heimath und in der Fremde, 
in Stadt und Land, bei Reich und Arm, bei Gelehrten und Laien mit gleich 
dankbarer Verehrung genannt. Denn weil über die Grenzen derjenigen Wissen- 
schaft hinaus, der zunächst sein Leben gewidmet war , hat sein fruchtbares 
Wirken sich auf alle Zweige der Naturforschung erstreckt, der Erkenntniss 
neue Mittel und Wege, der Forschung neue Gebiete erschliessend. Während 
sein schöpferischer Geist unermüdet strebte, die Geheimnisse der lebenden 
Natur zu durchdringen und im Wechsel und Wandel der Erscheinungen das 
ewige Gesetz zu erkennen, war es seinem warmen Herzen die freudigste Ge- 
nugthuung, die Ergebnisse der Wissenschaft für die Menschheit fruchtbrin- 
gend zu machen und die Wohlthaten der Cultur in die weitesten Kreise hin- 
aus zu tragen. Noch die späteste Nachwelt Avird den Namen desjenigen 
segnen, der ihr die Macht gegeben, die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten 
und zu mehren , und sie dadurch erlöst hat von der Gefahr der Verödung 
ihrer Wohnsitze. 

So hat Justus von Liebig seinem Namen selbst das unvergänglichste 
Denkmal errichtet. Gleichwohl drängt es uns, die Erinnerung an den grossen 
Forscher, den patriotischen Bürger, den edlen und liebevollen Menschen in 
einem sichtbaren Bilde unter uns zu verewigen. 

In dieser Stadt, die seine Heimath geworden, seit 21 Jahren Zeuge seiner 
segensreichen Wirksamkeit war und ihn mit Stolz ihren Ehrenbürger nannte, 
wollen wir Justus von Liebig ein Avürdiges Denkmal errichten. 

Die Unterzeichneten haben zu diesem Zwecke am 24. April ein Comitö 
gebildet. Sie erwarten, dass die Betheiligung an diesem Werke der Dank- 
barkeit eine ganz allgemeine sein werde und fordern hiermit zu Beiträgen 
für diesen Zweck auf. 



I 



400 

Die Verehrer des grossen Naturforschers werden gebeten , je an ihren 
Wohnorten gleichfalls Comite's zu bilden , die Sammlung von Beiträgen zu 
betreiben und sich mit uns in's Benehmen zu setzen. 

Zugleich richten wir an die Redactionen der Journale die Bitte, 
diesem Aufrufe möglichste Verbreitung zu geben , sich zur Empfangnahme 
von Beiträgen für das Liebig' s Denkmal in München bereit zu erklären i] . 

Die eingegangenen Beiträge, über die wir seiner Zeit öffentliche Rechen- 
schaft ablegen werden, bitten wir an die Herren Moriz Guggenheimer 
und Co., Merck, Christian und Co., R. Oldenbourg, Verlagsbuch- 
handlung, sämmtlich in München, zu senden. 

München, 4. Mai 1873. 

Das Comite für das Liehig's Denkmal. 

I. Vorsitzender : 

Reichsrath von Niethammer, 
I. Vorstand des landwirthschaftlichen Vereins in Bayern. 

II. Vorsitzender : 

Dr. von Bischo ff, 
Universitätsprofessor in München. 



Cassirer : 

R. Oldenbourg, 
Verlagsbuchhändler in München. 

Dr. Erhardt, Bürgermeister. 
Dr. Erlenmeyer, Prof. am Poly- 
technikum. 

M. Guggenh eime r, Vorst, d. Colle- 
giums d. Gemeinde-Bevollm. 

Dr. Paul Heyse. 
Dr. V. Jolly, Professor an der Uni- 
versität. 

J. Knorr, Landtagsabgeordneter und 
Verleger. 

Max Krieger, Kaufmann und Ma- 
gistratsrath. 

Dr. J. Lehmann, Professor am Po- 
lytechnikum. 

V. Lutz, k. Staatsrath und Staats- 
minister. 

Dr. Merck, Vorst, d. Collegiums d. 
Gemeinde-Bevollmächt. 



Schriftführer : 

Dr. J. Volhard, 
Universitätsprofessor in München. 

Dr. Max v. Pettenkofer, Univer- 
sitätsprof. u. Obermed.-Rath. 

V. Piloty, Professor an der Akade- 
mie der bild. Künste. 

V. Planck, z. Z. Rector der Uni- 
versität München. 

Dr. V. Prantl, Universitätsprofessor, 
z. Z. stellvertretender Vorstand der 
Akademie der Wissenschaften. 

Gabriel Sedlmayr, Bierbrauer. 

Freiherr von der Tann-Rath- 
samhausen, General der Infan- 
terie und General-Commandant. 

Dr. Widenmayer. Bürgermeister. 

V. Zwehl, k. Staatsrath und Regie- 
rungspräsident. 



1) Gescliieht hiermit unsererseits. 



No bbe. 



401 



Franz Schulze f. 

Vier Tage vor dem Tode Justus von Liebig in München hat die 
Agricultur Wissenschaft einen zweiten schweren und schmerzlichen Verlust 
erlitten. Am 14. April 1873 starb zu Rostock 

Frauz Ferdinand Schulze, 
Professor der Agriculturchemie an dortiger Universität. 

Am 17. Januar 1815 zu Naumburg a. S. geboren, ist Schulze im Alter 
von 58 Jahren einem reichen Ideenkreise, einer Fülle von Arbeitsplänen vor- 
zeitig entrissen worden. Noch bei dem letzten Besuche, den der Verstorbene 

— im October 1872 — uns in Tharand schenkte, bethätigte sich jenes leb- 
hafte und eingehende Interesse an allen wissenschaftlichen Arbeiten und die 
thatkräftigste Anregung, Avie wir es seit Jahren an ihm kannten. 

Was unsere Wissenschaft an Franz Schulze verloren, ist den Lesern die- 
ser Zeitschrift zur Genüge bekannt. Die genialen Beobachtungen und Ent- 
deckungen, die feinen Untersuchungsmethoden, welche wir Schulze verdan- 
ken, sind ein Gemeingut der Fachgenossen , wie sich Derselbe andererseits 
durch sein schönes »Lehrbuch der Chemie für Landwirthe« ein weiteren Krei- 
sen sichtbares Denkmal gestiftet hat. 

Weniger allgemein bekannt möchte der Antheil sein, den Franz Schulze 
an der Entwicklung des landw. Versuchswesens genommen, und namentlich 
die unablässigen Bemühungen, diese Institution in seinem engern Vaterlande, 
dem vorwiegend Ackerbau treibenden Grossherzogthum Mecklenburg-Schwerin, 
dem er seit 1850 angehörte, Eingang zu verschaffen. 

Den Theilnehmern an der 22, Versammlung Deutscher Land- und Forst- 
wirthe zu Schwerin(l 861) wird unvergesslich sein, von welchem Eifer F. Schulze 
für die Errichtung einer landw. Versuchs-Station für Mecklenburg (Antrag 
Schumacher - Zarchelin!) erfüllt war , Hervorragende praktische Männer 

— wie der genannte Antragsteller • — sind ihm in diesen Bestrebungen ver- 
ständnissvoll und treu zur Seite gestanden — lange Zeit ohne Erfolg. 

1863 am 28. Dec. schreibt uns Franz Schulze über den Stand der 
Mecklenburgischen Versuchs-Stations-Angelegenheit : »Ich kann Ihnen darüber 
leider jetzt noch nichts Genügendes berichten. Nachdem der Bericht der Reise- 
deputation, welche im vorigen Jahre einige Versuchs-Stationen besucht hatte, 
an den »Patriotischen Verein« abgegeben , hat der Vorstand des Vereins die 
in dem Berichte enthaltenen Vorlagen gemeinschaftlich mit einigen andren 
Vereinsmitgliedern geprüft und auf Grundlage unserer nur wenig modificirten 
Vorschläge sich wegen der nöthigen Geldbewilligungen an die Staatsregierung 
gewandt, in deren Händen nun die Sache einstweilen ruht. Sobald eine irgend- 
wie fördernde Entscheidung vorliegt, gebe ich Ihnen sofort Nachricht darüber. 
Unser Antrag geht auf einen Jahres-Etat von 3000 bis 3500 Thlrn. Die öffent- 
liche Meinung unter den Mecklenburgischen Landwirthen hält die Summe 
eher noch für zu klein, als zu gross, und man wünscht namentlich, dass der 
zu berufende Dirigent mit seinem Assistenten möglichst gut honorirt werde, 
welcher Intention ich natürlich aus voller Seele beistimme.« 

In einem Briefe vom 17. Juli 1864 spricht Schulze seine »Gemüthsbe- 
wegung« darüber aus, 

»dass ich Ihnen, da nun endlich seit einigen Wochen die Versuchs- Stations- 
Angelegenheit für Mecklenburg in eine neue Phase eingetreten ist, ein so 
wenig erfreuliches vorläufiges Resultat unserer jahrelangen (Ihnen aus meiner 
vorigen Mittheilung bekannten und von Ihnen ganz richtig aufgefassten) 
Bemühungen berichten muss. Bei der jüngst in Parchim abgehaltenen 
Hauptversammlung des Patriotischen Vereins nämlich hat das Hauptdirec- 
torium den Bescheid des Ministeriums auf die an dasselbe gerichteten An- 



Landw.Versuchs-Stat. XVI. 187.3. 



26 



402 



träge wegen Dotirung der nach unserem Plan ins Leben zu rufenden Ver- 
suchs-Station mitgetheilt. Der Inhalt dieses Bescheides (wörtlich kenne ich 
ihn bis jetzt nicht, da ich die Versammlung leider nicht besuchen konnte) 
ist : die Regierung könne die verlangten Gelder nicht bewilligen, entziehe 
aber dem Unternehmen nicht ihr Interesse , behalte sich vielmehr weitere 
EntSchliessungen vor, wenn erst auf dem Wege der Privatsubscription hin- 
reichende Mittel gesichert seien, um erkennen zu lassen, ob und in welchem 
Grade die zu gewährende Hülfe wahrhaft motivirt sei. 

»Wenn nicht der Zeitverlust von ein paar Jahren schon an und für sich 
etwas Schlimmes wäre , so dürfte man sich vielleicht damit trösten, dass 
der Gewinn der Versuchs- Station für ein Land im Allgemeinen um so 
grösser ist, je weniger die Anstalt den Charakter eines Staats-Institutes 
hat: denn je mehr die Landleute aus ihren eigenen Mitteln mitwirken, um 
so mehr steigert sich ihr Interesse für die Sache. Wesentliche Geldhülfe 
dürfen wir von den Ständen hoffen , bei denen im Augenblick viel guter 
Wille zu sein scheint. Sobald sich derselbe durch Thaten offenbart, oder 
sobald überhaupt der Versuchs- Stations-Embryo ein neues Lebenszeichen 
giebt, berichte ich Ihnen sofort.« 

Noch manches Jahr ist seitdem erfolglos verflossen, während F. Schulze 
fortfuhr im Sinne der Versuchs- Stationen die eminentesten und mühevollsten 
wissenschaftlichen Arbeiten auszuführen. Doch ist ihm bei Lebzeiten noch 
die Genugthuung geworden, den »Embryo« der so beharrlich erstrebten Ver- 
suchs-Station in Rostock i. J. 1871 glücklich ins Leben treten zu sehen. 



Personalnotiz. 

Herr Prof. Dr. H, Ritthausen zu Poppelsdorf-Bonn ist einem Rufe 
als ordentlicher Professor der Agriculturchemie an der Universität nach Kö- 
nigsberg i/P. gefolgt. 



Einladung 

zur 

46. Versammlung deutscher Naturforscher uud Aerzte. 

Die im vorigen Jahre vom 12. bis 18. August in Leipzig 
vereinigte 45. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte 
hat zum diesjährigen Versammlungsorte Wiesbaden erwählt. 

Die unterzeichneten Geschäftsführer erlau])en sich hierdurch 
zu der vom 18. bis 24. September abzuhaltenden 46. Versamm- 
lung die deutschen Naturforscher und Aerzte, sowie die Freunde 
der Naturwissenschaften ergebenst einzuladen. 

Wiesbaden bietet in seinen zahh-eichen Gast- und Badhäu- 
sern, in seinen Privathotels und möblirten Zimmern eine über- 
reiche Auswahl an Wohnungen; auch an gastfreier Aufnahme 
von Seiten der Bewohner wird es nicht fehlen. 



403 



Die von einer Anzahl deutscher Eisenbahn-Directionen be- 
reitwilligst zugestandenen Fahrpreisermässigungen finden nur auf 
Grund einer als Legitimation dienenden Aufnahmekarte statt. Wer 
eine solche schon vorher von der Geschäftsführung zu beziehen 
wünscht, wird gebeten, an den zweiten Geschäftsführer, Herrn 
Dr. Haas senior, vier Thaler oder sieben Gulden rhein. porto- 
frei einzuschicken und beizufügen, ob er die Versammlung als 
Mitglied oder als Theilnehmer zu besuchen gedenkt. 

Die Stadt Wiesbaden hat mit grosser Munificenz reichliche 
Mittel zur Disposition gestellt, so dass wir hierdurch, wie auch 
durch die entgegenkommende Bereitwilligkeit der Königlichen Be- 
hörden in den Stand gesetzt sind, die Festlichkeiten, mit Ausnahme 
der Festessen, ganz oder grösstentheils kostenfrei anzubieten. 

Die Geschäftsführer geben sich daher der frohen Hoffnung 
hin, dass die diesjährige Versammlung eine zahlreich besuchte 
sein wird. — Sie theilen nachstehend das Programm und die 
Tagesordnung mit und vertrauen, es könne daraus Jeder die 
Ueberzeugung schöpfen, dass in jenen Tagen an der Stätte der 
heissen Quellen und an den gesegneten Ufern des Rheines nicht 
allein ein reiches wissenschaftliches Leben, sondern auch Froh- 
sinn und Heiterkeit in ungetrübter Weise herrschen werde. 

Wiesbaden, im Juli 1873. 

pie ^cfcl)äft$fü()rer ber 46. 'gJcrfammfunö bcuffdjer 'glaturforfdjcr 
Dr. R. Fresenius. Dr. L. Haas sen. 

Programm 

der 

46. Versammliiiig deutscher Naturforscher und Aerzte 

zu Wiesbaden. 

§, 1. Die Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte 
wird nach Beschluss der zu Leipzig vereinigten 45. Versammlung in 
Wiesbaden und zwar statutenmässig vom 18. bis 24. September ab- 
gehalten werden. 

§. 2. Ausländischen Gelehrten ist die Theilnahme an den Ver- 
sammlungen gestattet und ist ihre Betheiligung an denselben erwünscht. 

§. 3. Die Versammlung besteht aus Mitgliedern und aus Theil- 
nehmern. — Mitglied mit Stimmrecht ist nach den §§. 3 und 4 
der Statuten nur der Schriftsteller im naturwissenschaftlichen und 
ärztlichen Fache ; eine Inauguraldissertation berechtigt jedoch noch 

26* 



404 



nicht zur Mitgliedschaft. Theilnehmer ohne Stimmrecht können alle 
Freunde der Naturwissenschaften sein. 

§. 4. Das Anmeldebureau befindet sich im Taunus-Hotel gegen- 
über den Bahnhöfen und ist vom 15. September an geöffnet. Da- 
selbst haben sich Alle , Mitglieder und Theilnehmer , persönlich zu 
melden und ihre Legitimationskarten gegen Erlegung von vier Thalern 
oder sieben Gulden rheinisch in Empfang zu nehmen , insofern sie 
solche nicht bereits vorher bezogen haben (vergl. »Einladung«) . 

§. 5. Auf dem Anmeldebiireau wird sich zugleich die Woh- 
nungscommission befinden, um den verehrten Gästen die nöthige Aus- 
kunft zu ertheilen. Diejenigen Herren, welche Wohnungen voraus- 
bestellen wollen, werden gebeten, sich deshalb frühzeitig an den Vor- 
sitzenden der Empfangs- und Wohnungscommission, Herrn Dr. Ale- 
feld, Louisenstrasse 33, zu wenden. 

§. 6. Herr Dr. L. Haas junior und Herr Dr. Arnold Pa- 
genstecher waren so gefällig, die Secretariatsgeschäfte zu über- 
nehmen. Ausserdem hatte eine Anzahl von Freunden der Natur- 
wissenschaft und Heilkunde die Güte, zu einem grösseren Comite 
zusammenzutreten, um die Geschäftsführung bei ihren Arbeiten zu 
unterstützen. Dieselben tragen als Abzeichen eine schwarz- weiss-rothe 
Rosette. 

§. 7. Die allgemeinen Sitzungen werden Donnerstag den 18., 
Montag den 22. und Mittwoch den 24. September im grossen Saale 
des Curhauses abgehalten werden. Dieselben beginnen um 9 Uhr 
Morgens, und ist der Eintritt nur gegen Vorzeigung der Legitimations- 
karte gestattet. 

§. 8. Nur die Mitglieder haben das Recht in den allgemeinen 
Sitzungen Vorträge zu halten, welche in der Regel nicht länger als 
30 Minuten dauern und ein allgemein wissenschaftliches Interesse 
haben sollen. Die Vorträge müssen spätestens Tags zuvor bei der 
Geschäftsführung angemeldet sein. 

§. 9. Der erste Geschäftsführer eröffnet die erste allgemeine 
Sitzung am 18. September mit der Bewillkommnung der Versammlung. 
Sodann verliest der zweite Geschäftsführer die Statuten der Gesell- 
schaft, berichtet über etwa eingegangene Druckschriften und Corre- 
spondenzen und fordert nach Beendigung der wissenschaftlichen Vor- 
träge die Sectionsführer auf, die Sectionen in die ihnen bestimmten 
Locale einzuführen. 

§. 10. In der zweiten allgemeinen Sitzung erfolgt die Wahl 
des Ortes der nächsten Zusammenkunft durch absolute Mehrheit der 
stimmberechtigten Mitglieder. 

§.11. In der dritten allgemeinen Sitzung wird nach Beendigung 
der angekündigten Vorträge die Versammlung durch den ersten Ge- 
schäftsführer geschlossen. 



405 

§. 12. Die Bildimg der nachfolgenden 18 Sectionen wird vor- 
geschlagen. — Die bei jeder Section genannten Herren werden die 
Einführung in die bestimmten Locale übernehmen und bis zur Wahl 
des Präsidenten und der Secretäre die nöthigen Geschäfte leiten. 

§. 13. Sectionen: 

1. Physik und Meteorologie: Oberlehrer Dr. Krebs. 

2. Chemie und Pharmacie : Prof. Dr. Fresenius. 

3. Agriculturchemie : Prof. Dr. Neubauer. 

4. Astronomie und Mathematik: Director Fürstenau. 

5. Mineralogie, Geologie und Paläontologie : Landesgeologe Dr. Koch. 

6. Zoologie und vergleichende Anatomie : Professor Dr. Kirschbaum. 

7. Botanik, Pflanzenphysiologie, Landwirthschaft und Forstwissen- 

schaft: Director Dr. Medicus. 

8. Anatomie und Physiologie: Dr. Alefeld. 

9. Pathologische Anatomie und allgemeine Pathologie : Dr. E. Fritze. 

10. Innere Medicin : Hofrath Dr. Roth. 

11. Chirurgie: Dr. F. Ho ff mann. 

12. Ophthalmologie: Hofrath Dr. Pagenstecher. 

13. Ohrenheilkunde: Dr. Arnold Pagenstecher. 

14. Gynäkologie und Geburtshülfe : Med. -Rath Jäger. 

15. Psychiatrie: Dr. Rick er. 

16. OelFentliche Gesundheitspflege, Gerichtl. Medicin und medic. Sta- 

tistik: Dr. Diesterweg. 

17. Anthropologie: Oberst von Cohausen. 

1 8 . Geographie : Gymnasial-Oberlehrer S e y b e r t h. 

§. 14. Für die Sitzungen der Sectionen sind zunächst Freitag 
der 19., Samstag der 20. und Dienstag der 23. von Morgens 8 bis 
1 Uhr in Aussicht genommen. 

§. 15. Ein Auskunftsbureau befindet sich im Curhause ; auch 
haben sich sämmtliche hiesige Buchhandlungen erboten , jede ge- 
wünschte Auskunft zu ertheilen. 

§. 16. Alle diejenigen Herren, welche Vorträge in den Sectio- 
nen zu halten wünschen, werden gebeten, dieselben am Schlüsse der 
vorhergehenden Sectionsversammlung bei den betreffenden Sections- 
präsidenten anzumelden. Letztere aber werden ersucht, Mittheilung 
hierüber bis 2 Uhr Nachmittags in das Redactionsbureau (Zimmer 
Nr. 2 im Rathhause) gelangen zu lassen, damit dieselbe in das nächste 
Tagblatt aufgenommen werden kann. — Die in das Tagblatt auf- 
zunehmenden kurzen Referate über die Vorträge in den Sectionen 
müssen seitens der Vortragenden am Schlüsse der Sitzungen den 
Secretären der Sectionen druckfertig, deutlich und nur auf einer 
Blattseite geschrieben, übergeben werden ; anderenfalls kann nur das 
Thema des Vortrags in das Tagblatt aufgenommen werden. 

§. 17. Zur Bequemlichkeit der Gäste wird ein Zimmer zum 



406 



Briefschreiben mit den nöthigen Materialien versehen im Cnrhause 
geöffnet sein. 

§. 18. Das Tagblatt der Versammlung wird jeden Morgen 
den Mitgliedern und Theilnehmern am Eingange der betreffenden 
Versammlungsiocale gratis zugestellt. Dasselbe enthält die Liste der 
neu aufgenommenen Mitglieder und Theilnehmer, die Anzeige der zu 
haltenden und Referate über die abgehaltenen Vorträge, Mittheilungen 
über die für den Tag beabsichtigten Festlichkeiten u. s. w. 

§. 19. Während der Dauer der Versammlung wird im Turn- 
saale der höheren Bürgerschule eine Ausstellung von naturwissen- 
schaftlichen und medicinischen Instrumenten, Lehrmitteln, Druck- und 
Bildwerken stattfinden. 

§. 20. Gemeinschaftliche Festmahle werden im grossen Saale 
des Curhauses nach der ersten und dritten allgemeinen Sitzung statt- 
finden. 

§. 21. Den Mitgliedern und Theilnehmern der Versammlung 
stehen die Conversations- und Lesezimmer des Curhauses gegen Vor- 
zeigung der Legitimationskarte ofien. 

§. 22. Bei allen Versammlungen und Festlichkeiten gelten für 
Mitglieder und Theilnehmer die Legitimationskarten, beziehungsweise 
die auf Grund derselben zu erhebenden Beikarten und Damenkarten, 
welche daher mitzuführen und auf Verlangen vorzuzeigen sind. 
Wiesbaden, im Juli 1873. 

pic ^efdjdfbfüfjrcr bcr 46. '^erfammfung beuffcfjcr ^afiuforfdicr un5 ^{cr^tc. 
Dr. R. Fresenius. Dr. L. Haas sen. 

Tagesordnung ^ 

der46.VersainmliingdentsclierNaturforsclieriindAerzte 

für den 17. bis 24. September 1873. 

Mittwoch den 17 : Abendunterhaltung in den Räumen des Cur- 
hauses zur gegenseitigen Begrüssung. 

Donnerstag den 1 8 : Erste allgemeine Sitzung von 9 — I2Y2 Uhr. 

Um 1 Uhr Einführung und Constituirung der Sectionen. 3 Uhr 
Gemeinschaftliches Festmahl im grossen Saale des Curhauses. 
8 Uhr Unterhaltungsmusik im Cursaale. 

Freitag den 19 : Sectionssitzungen von 8 — 1 Uhr. Um 1 Uhr Mittags- 
tafel in den verschiedenen Gasthöfen. Vjo Uhr Gartenconcert 
in den Curhausanlagen. 6Y2 Uhr Festconcert (Künstlerconcert) 
im Curhause. 

Samstag den 20: Sectionssitzungen von 8 — 1 Uhr. Um 1 Uhr Mit- 
tagstafel in den verschiedenen Gasthöfen. Nachmittags Garten- 
/ concert in den Gäranlagen. T'/., Uhr Festball im Curhause. 



407 



Sonntag den 21 : Festfahrt in den Rheingau. Abfahrt per Eisenbahn 
von Wiesbaden mit Extraziig, von Biebrich per Dampfboot. 
Abendconcert in den Curanlagen. 

Montag den 22: Zweite allgemeine Sitzung von 9 — 12 1/2 Uhr. Um 
l Uhr Mittagstafel in den verschiedenen Gasthöfen. 3 Uhr Fest 
auf dem Neroberg, Abends Feuerwerk vor dem Curhause. 

Dienstag den 23: Sectioussitzungen von 8 — 1 Uhr. Mittagstafel in 
den verschiedenen Gasthöfen. Nachmittags Gartenconcert in 
den Curanlagen. Abends Festtrunk im Curhause, gespendet 
seitens der Stadt Wiesbaden ; Monstreconcert und bengalische 
Beleuchtung. 

Mittwoch den 24: Dritte allgemeine Sitzung von 9 — 12V2Uhr. Um 
3 Uhr Festmahl im Curhause. 6Y2 Uhr Festvorstellung im 
Theater. 



seitens der Eisenbahn-Directioneii zugestandenen 

Vergünstigungen. 



(Zur Erlangung derselben ist die Vorzeigung der Aufnahmekarte erforderlich.) 

a) Freie Rückfahrt für das zur Hinfahrt gelöste BiUet. 

(Die Billets werden auf der Hinfahrt nicht abgenommen^ sondern zur Rückfahrt 

benutzt.) 

Alto na- Kieler Eisenbahn und ) 18. bis 30. September 

Glückstadt-Elmshorner Eisenbahn. ) für Herren und Damen. 

Berlin -Hamburger Eisenbahn. 14. bis 28. September. 

Berlin -Stettiner Eisenbahn. Vom 14. September ä I., H., 
HI. Classe für Herren und Damen. Fahrplanmässige Züge 
und Courierzüge, wenn diese zur Hinfahrt benutzt waren. 

Berlin-Görlitzer Eisenbahn. 12. bis 30. September für Her- 
ren und Damen. 

Berlin- Anhaltische Eisenbahn. 14. bis 28. September bei Lö- 
sung von Schuellzug-Billets. 

G rossherz ogl. Mecklenburg-Schwerin'sche Staatsbah- 
nen, n. und HI. Classe bis 28. September. 



Hessische Ludwigsbahn. 14. bis 28. September. 

Königl. Sachs. Eisenbahn. 14. bis 28. Septbr. Schnellzüge nicht. 

Homburger Eisenbahn. Billets sind auf der Rückseite abzu- 



Verzeichiiiss 



der 



Magdeburg-Halberstädter 

Eisenbahn und 
Magdeburg-Cöthen-Hall e- 

Leipzig. 



14. bis 28. September. Bei Sehn ell- 
und Personenzügen. Retourblan- 
quets abzustempeln. 



stempeln . 



408 



Kaiserl. Eisenbahnen in Elsass-Lothringen. Für die 
Rückfahrt werden bei Lösung der Billets Freifahrtscheine 
ausgestellt. 

b) Preisermässigung von 50 %. 

Pfälzische Bahnen. 14. bis 28. September. Eine Dame. 
Kaiser Ferdinand und Mähr.-S chles. Nordbahn. 14. bis 
28. September. 

Turn au-Kr al up-Prager Eisenbahn. II. und III. Classe für 
einmalige Hin- und Rückfahrt. 

Aussig-Teplitzer Eisenbahn. II. und III. Classe. Einmalige 
Hin- und Rückfahrt, 14. bis 28. September, 25 Pfund Frei- 
gepäck. 

K. K. priv. Oestr. Staats-Eisenbahn -Ges. (Sämmtliche Li- 
nien mit Ausnahme von Valkany-Perjamos und Montanbahn) 
2. und 3. Classe. Personenzüge. 25 Zollpfund frei. 

Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahn. 10. bis 30. 
September für Hin- und Rückfahrt. 

Köln -Mindener Eisenbahn. Retourbillets ausgedehnt auf den 
16. bis 30. September; keine Unterbrechung, Personenzüge. 

c) Andere Vergünstigungen. 

Rheinische Eisenbahn. Retourbillet gültig vom 14. bis 28. Septbr. 

Main -Neckar-Eisenbahn. Retourbillets für Dauer der Versamm- 
lung auch für Schnellzüge. 

Grossherzogl. Oldenburgische Eisenbahn. Retourbillets mit 
14tägiger Gültigkeit. 

Leipzig-Dresdener Eisenbahn. 14. bis 28. September. Tages- 
billets mit 33^3^0 Ermässigung in beliebiger Wagenclasse. 
Damen gleichfalls. 

Ebenso Cottbus -Grossenhain. 

Tilsit-Insterburger Eisenbahn-Ges. Tagesbillets mit Gültig- 
keitsdauer vom 18. bis 24. September. 

Thüringische Eisenbahn-Ges. II. und III. Classe, Retour- 
billets am 17. und 18. gelöst bis 28. September gültig. 

K. K. priv. Böhmische Westbahn. 14. bis 28. September. 33% 
bei II. und III. Wagenclasse. 

Kronprinz R u d o 1 p h - B a h n . 3 3 % für einmalige Hin- und 
Rückfahrt II. und III. Classe vom 14. bis 28. September bei 
Post-, Personen- und gemischten Zügen. 

A. priv. Buschtiehrader Eisenbahn. Fahrt in II. oder HI. Wa- 
genclasse hin und zurück zu '^j.^ der normalen Fahrpreise. 

Geschlossen am 11. Juli 1873. 



409 



Historisches über die Absorptioiiskraft des 

Bodens. 

Von 

Professor Dr. Fauste Sestini. 



Als Italiener und Pfleger der landwirthschaftlichen Chemie 
bin ich Herrn Professor Orth zu Dank verpflichtet für die Mühe, 
welche sich derselbe genommen, dem gelehrten Deutschland zur 
Kenntniss zu bringen^), dass 17 Jahre vor Bronn er, Apothe- 
ker zu Wiesloch bei Heidelberg, Gazzeri, Professor der Che- 
mie in Florenz, in einer 1819 veröffentlichten Abhandlung über 
den Dünger bemerkt hatte, dass der Thon das Mistwasser ent- 
färbe, und dass sich besonders die thonige Erde der löslichen, 
dem Boden anvertrauten Substanzen bemächtigt und sie bewahrt, 
um sie nach und nach den Pflanzen, je nach dem sie ihrer be- 
dürfen, abzugeben. 

Nach Gazzeri handelte ein zweiter Italiener, der noch 
lebende Senator Lambruschini aus Figline (bei Florenz) sehr 
eingehend über die absorbirenden Eigenschaften des Bodens. 
Dieser unser vortreffliche Landwirthschaftler lenkte im Jahre 
1830 die Aufmerksamkeit der Akademie der Geogofili di 
Firenze auf diese sogenannte absorbirende Fähigkeit, 
welcher er mit richtigem Urtheil den Namen Incorporirung (in- 
corporamento) beilegen zu müssen glaubte, ohne jedoch sich für 
den Entdecker derselben auszugeben und ohne den Theil zu 
übergehen, welchen er den Vorlesungen Chaptals verdankte. 

Lambruschini bemerkte nicht nur, dass der Boden sich 
die Säfte des Düngers aneignet, sondern auch, dass er es über- 
nimmt, diese Säfte oder Stoffe, welche darin enthalten sind, 



1) Landw. Versuchs-Stat. Bd. XVI. S. 56. 



26b 



410 



später allmälig und in geeigneter Weise den Pflanzen raitzn- 
theilen. 

»Wir können,« sagt Lambruschini S. 330 des IX. Bandes 
(1830) der Atti dei Geogofili di Firenze, »eine specielle 
Verwandtschaft und eine Verbindung sui generis zwischen den 
Nahrungssäften der Pflanzen und den Bestandtheilen des wohl 
hergerichteten Bodens gar wohl erkennen, eine Verbindung, 
welche einmal nicht so schwach ist, um einen leichten Verlust 
der Nahrungssäfte oder ein zu starkes Aufsaugen derselben von 
Seiten der Pflanzen zu gestatten, und zum andern auch nicht so 
stark, um nicht mehr und mehr von der immer zunehmenden 
Wirkung der Lebenskraft der Vegetabilien überwunden zu wer- 
den; um diese Verbindung mit einem besonderu Namen zu be- 
zeichnen, möchte ich sie Incorporirung (incorporamento) nennen.« 

Da einmal von der absorbirenden Fähigkeit die Rede ist, 
so gestatten Sie mir die Bemerkung, dass ich zur Zeit, als die 
Ideen Liebig's über diese wichtigen Eigenschaften des Bodens 
bekannt geworden waren, eine Reihe von Untersuchungen an- 
stellte um die absorbirende Fähigkeit zweier Bodenarten , der 
einen einer Wiese der Cascinen (bei Florenz), der andern eines 
Waldes derselben Oertlichkeit zu messen. 

Ich weiss nicht, ob von dieser meiner Arbeit, welche nur 
in italienischer Sprache veröffentlicht ist, das Ausland Kunde 
bekommen hat (ein Schicksal,' welches einer grossen Anzahl 
Arbeiten italienischer Gelehrten nicht zu Theil wird), und des- 
halb und auch, weil, wenn ich nicht irre, sie in der Zeit, in 
welcher sie ausgeführt wurde, eine gewisse Wichtigkeit in An- 
spruch nehmen durfte, bitte ich Sie mir zu gestatten Ihnen einen 
kurzen Auszug derselben mitzutheilen. 

Von jeder der beiden Erdarten nahm ich drei Proben 1) von 
der Oberfläche des Bodens; 2) in der Tiefe von 30 Centimeter: ^ 
3) in der Tiefe von 1 Meter unter der Oberfläche. Nachdem 
ich die chemische Analyse aller dieser sechs verschiedenen Erd- 
proben gemacht, nahm ich von jeder 50 Grm. und Hess ihnen 
circa 100 CG. einer (titrirten) Lösung freien Ammoniaks und 
einer andern L()sung Chlorammonium (IPNCl) in verschlossenen 
Gefässen in sich aufnehmen ; die Mischung schüttelte ich häufig, 



411 



filtrirte sie nach 24 Stunden und bestimmte dann aufs Neue den 
Titre der Lösung*. 

Aehnlicbe Prüfungen stellte ich mit Lösungen von Soda, 
Phosphat, von Potasche und von Mistwasser an. Es verträgt 
sich natürlich nicht mit der Natur einer Notiz, alle erlangten 
Resultate aufzuführen ; doch glaube ich zwei von mir constatirte 
Thatsachen nicht unberührt lassen zu dürfen, welche im Jahre 
1862 sicherlich den Charakter der Neuheit an sich trugen. Ich 
beobachtete nämlich; dass die Erde der Oberfläche eine grössere 
Absorptionsthätigkeit als die der mittleren Lage (30 Cent. Tiefe) 
entfalte, und diese ihrerseits eine grössere, als die tiefste Lage 
(1 Meter unter der Oberfläche). Da nun die Erde an der Ober- 
fläche thonhaltiger und reicher an organischen, stickstoffhaltigen 
Stoffen als in der Tiefe war, so deuteten die von mir erlangten 
Resultate an, dass die absorbirende Fähigkeit in enger Bezie- 
hung mit dem Bodenreichthum stehe, eine Thatsache, welche 
neuerdings die Herren Prof. W. Knop und Dr. R. Bieder- 
mann in Schätzenswerther Arbeit klar ans Licht gestellt haben. 

Die andere Thatsache, welche ich beobachten konnte, ist 
folgende: Wenn 100 CC. wässeriger Lösung nur 0,015 Grm. 
H^N (sei es im freien Zustand, sei es als Chlorammonium) ent- 
hielten , so war die absorbirende Fähigkeit der thonigen Erde, 
anstatt stärker, schwächer, als die der sandigen Erde, es absor- 
birte also die Erde der tiefsten Lage (zum wenigsten die von 
mir verwandte, welche von 0,020 bis 0,040 Proc. Stickstoff ent- 
hielt) eine grössere Menge Ammoniak; als die Erde der Ober- 
fläche, welche von 0,143 bis 0,243 Proc. Stickstoff enthielt. 

Rom, im Februar 1873. 



412 



Notiz zur Rothfärbung der Knochen durch 

KrappfUtterung, 

Von 

H. Weiske. 



Es ist eine bekannte und in neuerer Zeit besonders von 
Lieberkühn ^) und Kölliker^) zum Studium der Knoeben- 
bildung u. s. w. verwendete Erscheinung, dass bei Fütterung 
mit Krapp die Knochen der betreffenden Thiere in Folge Fixi- 
rung des Krappfarbstoffes roth gefärbt werden. Zur weiteren 
Beurtheilung dieser Thatsache wurden auf hiesiger Station eine 
Anzahl Kaninchen, von denen die jüngsten circa 6 Wochen und 
die ältesten circa 6 Monate alt waren, längere Zeit ausschliess- 
lich mit Kleie, der 5 Proc. fein gemahlene Krappwurzel zuge- 
setzt war, gefüttert. Am 7. Septbr. 1872 wurde mit der Fütte- 
rung begonnen; die Thiere nahmen das vorgesetzte Futter, von 
dem sie nach Belieben fressen konnten, ohne Schwierigkeit an, 
doch starben im Laufe der Zeit besonders von den jüngeren 
Thieren mehrere . In verschiedenen Zeitabschnitten wurden 
einzelne Thiere getödtet, ihre Knochen präparirt und in Bezug 
auf Rothfärbung untersucht, wobei sich Folgendes ergab: 

Nach 3tägiger Fütterung erwiesen sich mikroskopisch bei 
einem circa 6 Wochen und einem circa 6 Monat alten Kaninchen 
die jüngsten Knochenzellen an der Ossificationsgrenze des Inter- 
mediärknorpels (Femur) bereits roth gefärbt ; makroskopisch Hess 
sich die Rothfärbung bei den Knochen des jüngeren Thieres 
nicht, bei denen des älteren Thieres nur schwach wahrnehmen. 

1) Archiv für Anatomie 1864 Heft 5. pag. 598 und Marburger Sitzungs- 
berichte Nr. 10. 

2) Würzburger phys. med. Verhandl. 1872. III. pag. 215. 

3) Vielleicht in Folge von NaCl Mangel? Vergl. G. Bunge: Ueber die 
Bedeutung des NaCl u. s. w. Zeitschrift für Biologie. Bd. IX. S. 104. 



413 



Dasselbe Verhalten zeigten die Knochen zweier circa 6 und 
9 Wochen alter Thiere nach 5 und 9tägiger Krappfütterung. 
Die Röthung war makroskopisch hier immer noch nicht zu be- 
merken^ wohl aber ganz deutlich bei den Knochen eines eben- 
falls 9 Tage mit Krapp gefütterten circa 6 Monat alten Kanin- 
chens; jedoch beschränkte sich dieselbe auch hier nur auf die 
in Verknöcherung begriffenen Enden. 

Nach 14tägiger Krappfütterung waren bei den Röhrenkno- 
chen eines circa 3 Monat alten Thieres nicht nur die jüngst 
gebildeten Producte des Intermediärknorpels, sondern auch die 
Wandungen der Markhöhle und die unter dem Periost liegende 
Schicht deutlich geröthet. Die Röthung der Markhöhlen wandung 
erstreckte sich immer weiter nach der Mitte der Diaphyse zu^ 
als diejenige unter dem Periost. 

Dasselbe Verhalten, nur in etwas stärkerem Masse, zeigten 
die Knochen von einem circa 9 Wochen und einem 3'/2 Monat 
alten Kaninchen nach 21 und 23tägiger Krappfütterung. 

Wesentlich stärker, jedoch ebenfalls nur an den Enden der 
Diaphyse war die Färbung nach 34tägiger Fütterung bei den 
Knochen von circa 4 und 7 Monat alten Thieren; immer trat 
jedoch die Röthung bei den Knochen der älteren Kaninchen 
deutlicher hervor, als bei denen der jüngeren. 

Wiewohl eine Rothfärbung des ganzen Knochens bis in die 
Mitte der Diaphyse noch nicht eingetreten war, so wurde doch 
von jetzt ab (11. Octbr.), da blos noch 2 ältere Thiere zur Ver- 
fügung standen, die Krappfütterung unterbrochen und nur reine 
Kleie gegeben. Der Harn der Thiere, welcher bereits einige 
Tage nach Beginn der Krappfütterung intensiv roth gefärbt war, 
behielt diese Färbung noch längere Zeit bei Verabreichung von 
reiner Kleie. Nach 14 Tagen wurde das eine, nach 28 Tagen 
das andere Kaninchen getödtet. 

Sämmtliche Knochen des ersteren circa l^j-i Monat alten 
Thieres zeigten eine intensive Röthung, die sich noch weiter 
nach der Mitte der Diaphyse zu erstreckte, als dies bei den vor- 
hergehenden der Fall war. Dagegen hatte sich die Färbung bei 
den Knochen des letzteren circa 8 Monat alten Kaninchens be- 
reits vermindert und erstreckte sich, wie früher, mehr auf die 



414 



Enden der Diaphyse ; war jedoch immer noch beinahe von der- 
selben Stärke und in demselben Umfange vorhanden, wie bei 
den Knochen derjenigen Thiere, welche 34 Tage lang mit ihrer 
Nahrang Krapp erhalten hatten. 

Leider standen keine mit Krapp gefütterte Kaninchen wei- 
ter zu Gebote, um die Zeit des vollständigen Verschwindens der 
Kothtärbung feststellen zu können. 

Der Querschnitt von den Enden der Diaphyse (Femur und 
Tibia) des nach 14tägiger Unterbrechung der Krappfütterung 
getödteten Kaninchens erschien dem unbewaffneten Auge homogen 
roth gefärbt; dagegen Hessen sich an den mehr nach der Mitte 
der Diaphyse zu gewonnenen Querschnitten^ deutlich 3 ringför- 
mig parallele Schichten erkennen, von denen die innere und 
äussere roth, die mittlere ungefärbt war. Der Querschnitt von 
der Mitte der Diaphyse zeigte keine Färbung. Mikroskopisch 
erwiesen sich in dem Querschliff von den Enden der Diaphyse 
sämmtliche Knochenkörperchen gefärbt, während in der Inter- 
cellularsubstanz eine Färbung nicht wahrnehmbar war. 

Ein stark gefärbter Knochen mit verdünnter Salzsäure be- 
handelt Hess den zurückbleibenden Knorpel, besonders nach 
Zusatz von Alkali, noch gefärbt erscheinen, während der salz- 
saure Auszug mit Ammoniak versetzt einen Niederschlag von 
phosphorsauren Erdsalzen u. s. w. gab, welcher keine Spur 
einer Röthung zeigte. Der Farbstoff war demnach, wie bereits 
von Lieberkühn angegeben, nicht durch die miueraHsche, son- 
dern durch die organische Substanz des Knochens fixirt. Da 
übrigens die mit Krappfarbstoflf versetzten Lösungen verschiedener 
Mineralsalze oder organische Substanzen (z. B. Leim) auf Zusatz 
der entsprechenden Reagentien Niederschläge gaben, welche je 
nach Quantität des zugesetzten Farbstoffes von ganz wechselnder 
und beliebiger Farbenintensität waren, so kann wohl eine che- 
mische Verbindung zwischen Krappfarbstoff und gefärbter Sub- 
stanz nicht angenommen werden. 

Versuchs-Station Proskau, im Juli 1873. 



415 



Die Bestimmung der Cellulose und ihre Mängel. 

Von 

J. König. 



Zur quantitativen Bestimmung der Cellulose ist bis jetzt ein 
einigermassen befriedigendes Verfahren in Anwendung gebracht, 
nämlich das von Fr. Schulze mit Salpetersäure und chlorsau- 
rem Kali. Dieses Verfahren wurde auf der Versuchs-Station 
Weende von G. Kühn und Collegen etwas modificirt und hat 
sich in dieser Modification an den Versuchs-Stationen Eingang 
verschafft. Nicht immer aber ist es anderen Chemikern (so F. 
Stohmann und Frühling^), E. Schulzen. M. Märcker^), 
Th. Dietrich und Referenten^), gelungen reine Cellulose 
nach dieser Methode zu erhalten. Ausserdem leidet dieselbe an 
dem grossen Uebelstande, dass sie zu lange Zeit in Anspruch 
nimmt und nur in wenigen Fällen Anwendung finden kann. 

Ich war daher bemüht eine einfachere und handlichere 
Methode ausfindig zu machen , indem ich , ausgehend von der 
gewöhnlichen Henneberg'schen Rohfaser, die die Cellulose 
verunreinigende Substanz durch leicht oxydirende Mittel zu ent- 
fernen suchte. Als letztere dienten Chlorwasser und eine Lösung 
von unterchlorigsaurem Kalk. 

Zur Controle, ob Cellulose durch die Behandlungsweise an- 
gegriffen werde, wurde gleichzeitig schwedisches Filtrirpapier, 
welches 44,72 Vo, C und 6,29% H in aschefreier Trockensub- 
stanz ergab und mithin fast reine Cellulose war, derselben Ope- 



1) Landw. Versuchs-Stat. Bd. XIII. S. 41. 

2j Neue Beiträge zur Begründung einer rationellen Fütterung der Wie- 
derkäuer. Göttingen 1870. S. 19 und 114. 

3) Landw. Versuchs-Stat. Bd. XIII. S. 222. 



416 



ration unterworfen. Die Holzfaser war aus Roggen- und Boh- 
nenstroh gewonnen mit folgender Elementarzusammensetzung: 

Holzfaser (aschefrei) 
aus Roggenstroh Bohnenstroh 
C 46, 39 O/o 48,93 o/o 

H 6,53 » 6,42 » 

N 0,13 » 0,14 » 

I. Anwendung von Chlorwasser. 

Concentrirtes Chlorwasser greift schwedisches Filtrirpapier 
— fernerhin auch einfach Cellulose genannt — wie zu erwarten 
stand, stark an, der Verlust betrug 15,52%, ohne dass völlig 
reine Cellulose aus den Holzfasern gewonnen wurde. Die so 
behandelte Bohnenstrohrohfaser ergab : 

gefunden Reine Cellulose verlangt 
C 45,78 o/o 44,440/0 
H 6,04 « 0,17 ») 

N 0,15 » — 

Beim Behandeln mit ^'2 oder Chlorwasser 2) imter 2tägi- 
gem Stehen und 3maliger Erneuerung der Lösung von je 300 CC. 
auf etwa 3 Grm. Substanz wurde ebenfalls ein bedeutender Ver- 
lust des schwedischen Filtrirpapiers beobachtet, nämlich 12,65 
und 9,18 7o- 

Günstiger stellte sich das Ergebniss bei Einwirkung des 
Chlorwassers in der Wärme und auf kürzere Zeit der Ein- 
wirkung. In diesem Falle zeigte: 

1) durch 2maliges 3stündiges Behandeln in der Wärme 
(300 CC. Vo Chlorwasser auf 3 Grm. Substanz) 



Roggen- Bohnenstrohrohfaser Papier 

Verlust 7,68 0/0 9,68 o/q 1,33 O/o 

2) durch 3maliges 3stündiges Behandeln in derselben Weise : 

Verlust 8,940/0 15,210/0 1,270/0 



1) Die Zahlen beziehen sich überall auf Trockensubstanz ; die procen- 
tische Elementarzusammensetziing auf aschefreie Substanz. 

2) Unter 1/2 Chlorwasser ist zu verstehen eine Lösung, welche 1 Vol. 
concentr. Chlorwasser (später conc. Chlorkalklösung) und l^Vol. Wasser ent- 
hielt; unter i/ß ^i^e solche Lösung von 1 Vol. des conc. Chlorwassers luid 
5 Vol. Wasser. 



417 



In letzterem Falle hatten die Rohfasern nach der Behand- 
lung folgende Elementarzusammensetzung: 

Roggen- Bohnenstroh 

C 44,86 o/o 47, 16 o/o 

H 6,36 » 6,16 » 

N 0,09 » 0,19? » 

Die mit Chlorwasser behandelten Massen wurden erst mit 
1/50 Ammoniakwasser, dann mit destillirtem Wasser u. s. w. 
erwärmt. Wurde statt des verdünnten Ammoniaks V2Pi'ocentige 
Kalilauge angewendet und V2 Stunde gekocht, so resultirte zwar 
reinere Cellulose, aber auch gleichzeitig ein erheblicherer Ver- 
lust an Cellulose, nämlich 6.93%. Die wieder erhaltene Roh- 
faser zeigte in diesem Falle folgende Elementarzusammensetzung: 

E-oggen- Bohnenstroh 
C 44,900/0 46,46 0/0 

H 6,21 » 6,22 » 

Viele andere Versuche mit Chlorwasser verschiedener Con- 
centration führten ebenfalls nicht zum Ziele ; es gelingt zwar in 
einzelnen Fällen reine Cellulose ohne Verlust zu erhalten, in 
vielen Fällen aber (so bei Kothrohfasern) muss das Chlorwasser 
jedenfalls in solcher Concentration und so lange einwirken, dass 
ein erheblicher Theil der Cellulose mit angegriffen wird. 

II. Anwendung von Chlorkalklösung. 

Diese wurde als concentrirte Lösung durch Eintragen des 
käuflichen Chlorkalks in Wasser, längeres Stehenlassen und Fil- 
triren hergestellt. Nach Einwirkung der Chlorkalklösung wurde 
die Cellulose erst mit Ammoniakwasser, dann zur Entfer- 
nung des kohlensauren Kalks mit verdünnter Essigsäure behan- 
delt u. s. w. Die Chlorkalklösung wurde durchweg 2 oder 3mal 
erneuert und jedes auf etwa 3 Grm. Substanz 300 CC. der be- 
treffenden Chlorkalklösung verwendet. Hiernach nahm aber in 
der Wärme: 



Lanilw. Yersiichs-Stat. XVI. 1873. 



27 



418 



0 



Bohnen- 
Roggen- strohroh- Papier 
faser 

1 ) Durch i/ostündiges 2maliges Behandeln mit 
Ys Chlorkalklösung und späteres i/^stün- 

diges Kochen mit VsPi'Oc Kalilauge . . 9,980/o 16,260/o \ ^'^^^^^ 

i 5,23 » 

2) Durch i/e Chlorkalklösung in derselben 

Weise — — 4,51 o/o 

Die bei 1 gewonnene Cellulose hatte: 

Roggenstroh Bohnenstroh 
C 44,72 o/o 46, 48 o/o 

H 6,28 » 6,11 ). 

In der Kälte wirkt die Chlorkalklösung nicht so energisch, 
sie verhält sich also umgekehrt wie das Chlorwasser, durch je 
3malige Erneuerung der Chlorkalklösung in 1/2, V3? Vo 
Yg Concentration pr. 1 Tag wurde ein Verlust des schwedischen 
Filtrirpapiers von 0,89 bis 2,40 Proc. beobachtet. 

Es stand daher zu erwarten, dass die Behandlung mit Chlor- 
kalklösung in der Kälte zum Ziele führen werde, und wurden 
3 Grm. Rohfaser einmal mit 300 CC. concentrirtem , dann mit 
% Chlorkalklösung unter täglicher Erneuerung 3 Tage lang in 
der Kälte digerirt. Das Papier zeigte hierbei einen Verlust von 
6,50 und 3,65 % ; Elementarzusammensetzung der erhaltenen 
Cellulose war folgende: 

Roggen- Bohnenstroh 

1) Durch conc, Chlorkalklösung in der Kälte | ^ ^^'fl 

" / H 6,69 » 6,48 » 

2) Durch 2/3 Chlorkalklösung in der Kälte | ^^'f^ " ^^^^ " 

° / H 6,19 » 0,92 » 

Durch 24sttindige Digestion mit ^/2 Chlorkalklösung in der 
Kälte und 3malige Erneuerung der Lösung verlor das Papier 
2, 16% und zeigte die Rohfaser folgende Elementarzusammen- 
setzung : 

Roggen- Bohnenstroh 

c 45,240/0 47,950/0 

H 6,46 » 6,45 » 

Wenn somit auch die Chlorkalklösung Papiercellulose weni- 
ger angreift als Chlorwasser und dabei eine verhältnissmässig 
ebenso reine Cellulose liefert, so zweifle ich doch daran, dass 



419 



sie in allen Fällen zum Ziele führen wird. Ich habe desshalb 
die Versuche unterbrochen, weil mir scheint^ dass eine indirecte 
Bestimmung der Cellulose auf einfachere Weise viel genauere 
Resultate liefern kann. 

III. Indirecte Bestimmung der Cellulose. 

Die nach H e n n e b e r g's Methode dargestellte Rohfaser be- 
steht aus reiner Cellulose und einem mehr oder minder grösse- 
ren Theil Nichtcellulose , welche, bald mit Lignin oder incru- 
stirender Substanz, bald mit Cuticularsubstanz u. s. w. bezeich- 
net, einen höheren KohlenstofPgehalt hat, als die Cellulose. Fr. 
Schulze 1) giebt den Kohlenstoffgehalt des Lignins zu 55,3% 
an; einen demselben naheliegenden Kohlenstoffgehalt hat nach 
Th. Dietrich und R e f e r e n t e n 2) die Nichtcellulose der Wie- 
senheurohfaser, und scheint nach ferneren Versuchen der Kohlen- 
stoffgehalt der Nichtcellulose der Bohnenstrohrohfaser ebenfalls 
bei 55,5 bis 57% zu liegen. 

Angenommen nun, der Kohlenstoffgehalt der Nichtcellulose 
sei im Mittel vieler Versuche ein für alle Mal festgestellt und 
betrage 55%, so ist jedesmal bloss der Kohlenstoffgehalt der 
untersuchten Rohfaser zu ermitteln, um in jedem einzelnen Fall 
den Gehalt derselben an reiner Cellulose berechnen zu können; 
denn beträgt der Kohlenstoffgehalt der gefundenen Rohfaser 
48,4% (Kleeheurohfaser) , und sind in letzterer pr. 100 Theile 
X Theile reine Cellulose, so sind (100 — x) Theile Nichtcellu- 
lose vorhanden, und wir haben dann, weil reine Cellulose 44,4% 
Kohlenstoff enthält, folgende Gleichung: 

44,4 X + (100 - X) 55 _ ^ 
100 

oder 0,444 x — 0,55 x = 48,4 — 55 
oder (0,55 — 0,444) x = 55 — 48,4 

0,106 X = 6,6 



1) Chem. Centrl.-Bl. 1857. S. 321. 

2) Diese Zeitschr. Bd. XIII. 1870. S. 222. 

27* 



420 



d. h. in der gefundenen Rohfaser mit 48,4 ^/^^ C. sind unter der 
Annahme, dass die Nichtcellulose einen Kohlenstoffgehalt von 
550/0 hat, 62,30/0 reine Cellulose; würden wir z. B. 33,2 o/^ Roh- 
faser gefunden haben, so hätten wir darin 

33,2 X 62,3 _ 

löÖ =20,680/0 

reine Cellulose. 

Zur quantitativen Bestimmung der Cellulose wäre daher, 
falls die procentische Zusammensetzung der Nichtcellulose d. h. 
deren C-Gehalt ermittelt wäre, jedesmal nur eine Verbrennung 
nothwendig, um darnach deren Kohlenstoffgehalt statt 48,4 in 
obige Gleichung einzusetzen. 

Eine fehlerhafte Annahme in dem Kohlenstoffgehalt der 
Nichtcellulose bewirkt allerdings einen mehr oder minder erheb- 
lichen Fehler in der Berechnung des Cellulose-Gehalts ; aber 
dieser Fehler lässt sich durch eine genaue Untersuchung jeden- 
falls bis auf ein Minimum reduciren und erreicht meiner Mei- 
nung nach nicht die Grösse, wie sie sich bei unseren bisjetzigen 
Bestimmungsmethoden herausstellt. Es möge z. B. die Nicht- 
cellulose statt der gefundenen und angenommenen 55 0/0 C. in 
Wirklichkeit 560/o C. haben, so ist nach obiger Gleichung : 

(0,56 — 0,444) X = 56 — 48,4 

und wie oben für 33,2o/o gefundene Rohfaser 

33,2 x 65,5 

lÖÖ -^^''^ /o 

reine Cellulose statt wie oben 20,68 0/0 . 

Die Elementarzusammensetzung der Nichtcellulose wird am 
besten in der Weise ermittelt, dass man die erhaltenen Roh- 
fasern mit dem S c h u 1 z e'schen Reagens von Salpetersäure und 
chlorsaurem Kali behandelt, aus dem Gewichtsverlust und der 
Elementarzusammensetzung vor und nach der Behandlung indi- 
rect den Kohlenstoffgehalt der Nichtcellulose berechnet. Eine 
Menge so ausgeführter Bestimmungen wird ergeben, ob der 
Nichtcellulose bei den verschiedenen Futterstoffen eine gleiche 
Zusammensetzung — wofür bereits einige Anzeigen vorliegen — 



II 



421 



zukommt, oder ob sie in einzelne Gruppen zerfallen: jedenfalls 
werden sich durch eine exacte Ausführung Mittelzahlen ergeben, 
durch deren Anwendung wir den der Wirklichkeit ganz nabe- 
liegenden Cellulosegehalt ermitteln können. 

Wie wichtig eine genaue Bestimmungsmethode der Cellulose 
ist, mag folgende Betrachtung zeigen. 

Bekanntlich haben die Rohfasern der verschiedenen Futter- 
stoffe eine sehr verschiedene Elementarzusammensetzung ; so liegt 
der Kohlenstoff der Wiesenheu-, Roggen- und Weizenstrohroh- 
faser zwischen 45 — 46%, bei Kleeheu und Bohnenstroh zwischen 
48—49%. 

Ist die Nichtcellulose in beiden Fällen von gleicher Zusam- 
mensetzung, so giebt uns der Rohfasergehalt ein ganz unklares 
Bild von dem Gehalt an wirklicher Cellulose. Bei 45 — 46% C. 
der Rohfaser haben wir nämlich eine viel reinere Cellulose, als 
bei 48—49% und würde dieselbe z. B. bei Annahme von 
55% C. in der Nichtcellulose betragen: 

im ersten Talle x = ^^^^^ == 84,9 o/. 

üjlÜD 

55—49 

im zweiten Falle x = ^ ^ = 56,6 

0,10b 

Hat bei 48 — 49% C. in der Rohfaser die Nichtcellulose 
einen entsprechend höheren Gehalt an Kohlenstoff, so wird da- 
durch der Cellulosegehalt in der Rohfaser steigen, und giebt dann 
die quantitative Bestimmung der Rohfaser in beiden Fällen ver- 
gleichbarere Zahlen. So wäre für 62% C. in der Nichtcellulose 
dieser Rohfaser : 

62—49 
X = = ''3,80/0 

Aber es bleibt dann noch ein Fehler bei der Ausnutzungs- 
berechnung der Rohfaser in den Fütterungsversuchen, der mei- 
ner Meinung nach sehr beachtet zu werden verdient. Nach den 
vielfachen Ausnutzungs versuchen in Weende, Halle u. s. w. unter- 
liegt es keinem Zweifel, dass von der Futterrohfaser nur die 
Cellulose verdaut wird, und haben die Untersuchungen von 
Th. Dietrich ujad mir^) direct gezeigt, dass die nach zu- 



1] Diese Zeitschr. Bd. XIII. 1870. S. 222. 



422 



lässiger Methode in der Futter- und Kothrohfaser bestimmte 
Nichtcellulose wenigstens beim Wiesenheu sich der Verdauung 
entzieht. Dem entsprechend wird auch in der Kothrohfaser stets 
mehr Kohlenstoff gefunden, als in der Futterrohfaser, z. B. 

Wiesenheu Kleeheu 

1. i\ Dietrich und Henne- 
nach Henneberffi . . 

^ ' König ^) berg3) 

Fatterrohfaser 46,420/o 45,78 u. 45, 570/o 48,4 o/q Kohlenstoff 

Kothrohfaser 47,46 u. 48,52 » 48,04 u. 47,99 » 51,3 » 

Da die Nichtcellulose der Kothrohfaser von derselben Zu- 
sammensetzung wie die der Futterrohfaser sein muss — und die 
Untersuchung von Th. Dietrich und mir bestätigt dieses — 
so folgt, dass wir in der Kothrohfaser verhältnissmässig viel 
weniger reine Cellulose als in der Futterrohfaser haben, dass, 
indem die Kothrohfaser von einer Elementarzusammensetzung 
der Futterrohfaser quantitativ viel weniger beträgt, mit 2 un- 
gleichen Factoren gerechnet wird. Daraus folgt weiter, dass 
die für die Ausnutzungsgrösse der Cellulose ange- 
gebenen Zahlen zu niedrig ausfallen. 

Ein Beispiel mag dies klar machen. Ich wähle dazu einen 
Kleeheufütterungs versuch von Henneberg und Stohmann^) 
und lege der Nichtcellulose in der Futter- und Kothrohfaser 
einmal einen C-Gehalt von 55 % und dann von 62 ^) bei. In 
dem Fütterungsversuch ergab sich : 

Verzehr an trock- Kleeheukoth 
Futterrohfaser, Kothrohfaser, nem Kleeheu trocken 

pr. Tag pr. Tag 

33, 2 O/o mit 48,4 o/o C. 41 ,990/omit5] ,30/o 20,65Pfd. 9,85Pfd. 

Nach obiger Gleichung enthält dann 



5=48,4 



Futterrohfaser reine Cellulose x = ——-—-^== 62,3 o/a 

0,10b 

55 5] 3 

Kothrohfaser reine Cellulose x = ' = 34,90/o 



1) Neue Beiträge u. s. w. Göttingen 1870. S. 91 u. 115. 

2) Diese Zeitschr. XIII, 222. l||f| 

3) Beiträge zur Begründung einer rationellen Fütterung der Wiederkäuer. 
II. Heft 1864. S. 346. 

4) Beiträge u. s. w. 1864. S. 141, 241, 248 u. 346. 

5) C-Gehalt des KorkstofFs nach Gmelin's Handbuch der Chemie VII. Bd. 
S. 593. 



423 



Folglich haben wir reine Cellulose 

im Futter ^^^^^/^'^ = 20,68 0/^ 
100 



und sind 



. ^ . 41,99 x 34,9 , 

im Koth — = 14,6o0/o 



verzehrt 4,27 Pfd. 

ausgeschieden 1,44 » 



also verdaut 2,83 O/o 

= 66,30/0, während nach der gewöhnlichen Berechnungsweise 
39,60/0 von der Rohfaser als verdaut gefunden wurden. 

Nimmt man in der Nichtcellulose 62 7o C. an, ein Gehalt, 
wie er gewiss nicht überschritten werden dürfte, so werden sich 
die Zahlen mehr den gefundenen nähern. Wir haben dann 
in der: 

ß2 48 4 

Futterrohfaser reine Cellulose x = — ^ , ^ ' ■ = 77 o/o 

0,1(5 

Kothrohfaser reine Cellulose x = = 61 O/q 

0, 1 /o 

also reine Cellulose 

im Futter . . . 25,56 o/q 
im Koth . . . 25,61 » 

Darnach sind reine Cellulose: 

verzehrt 5,278 Pfd. 

ausgeschieden 2,523 » 



also verdaut 2,755 Pfd. 

— ^^f-^ /o- 

In ähnlicher Weise würde sich in dem citirten Versuch von 
Th. Dietrich und mir die Menge der verdauten Cellulose zu 

1. 2. 

76 o/o 65 0/o 

berechnen, während 

66 » 54 » 

nach der gewöhnlichen Berechnungs weise gefunden wurde. — 

Sollte nun eine derartige indirecte Bestimmungsmethode der 
Cellulose Beifall finden und sich Eingang verschaffen, so ist die 
erste Bedingung, dass die Reagentien zur Darstellung der Roh- 
faser, deren Elementarzusammensetzung festgestellt werden, die 
Celluluse durchaus nicht angreifen. Es fragt sich daher. 



424 



IV) ob die nach der Henneberg'schen Methode verwen- 
dete Schwefelsäure und Kalilauge einen Theil der Cellulose in 
Lösung bringen? Es ist ja bekannt, dass die Cellulose in zwei 
oder mehreren Modificationen in den Pflanzen vorkommt, von 
denen die eine wahrscheinlich eher in Zucker umgewandelt wird, 
als die andere. Dass Papier-Cellulose von diesen Reagentien nicht 
angegriffen wird, kann noch nicht als Beweis gegen diese Ver- 
muthung angesehen werden, da ja gerade dieser angreifbare 
Theil durch das Fabrications verfahren entfernt sein könnte. 

Nun hat es allerdings*' den Anschein, als wenn durch die 
Behandlung der Futterstoffe mit 1 V4procentiger Schwefelsäure 
und Kalilauge ein kleiner Theil der Cellulose oder eines Stoffes 
von gleicher Elementarzusammensetzung in Lösung geht. Nach 
Untersuchungen in Weende i) ergab nämlich Wiesenheu : 

nach gewöhnlicher Methode, nach der von Fr. Schulze, 
Holzfaser 31,1 o/o 27,80 O/q 

mit Kohlenstoff 46,18« 44,8 » 

Nimmt man in beiden Rohfasern die Nichtcellulose von der- 
selben Zusammensetzung an — und es liegt kein Grund vor, 
sie verschieden zu halten — , so berechnet sich nach den 
Gleichungen 

55—46,18 , 55—44,8 
X = — T-rrr. — und x = — . , 

0,106 0,106 

reine Cellulose im Wiesenheu: 

1) nach der Henneberg'schen Methode 25,870/o 

2) nach der Pr. Schulz e'schen ^> 26,74 » 

In gleicher Weise wurde im Koth gefunden: 

nach gewöhnlicher Methode, nach der von Fr. Schulze 

Hammel III IV Hammel IH IV 

Rohfaser 30,7 0/^ 28,0 27,79 25,67 

mit Kohlenstoff 47,46» 48,52 45,10 45,80 

Hieraus berechnet sich unter derselben Annahme reine 
Cellulose im Koth: 



1) Neue Beiträge u. s. \v. Göttingen 1870. S. 91 u. 114. 

2) Hat die Nichtcellulose 57 0/^ Kohlenstoff, der wohl bei W^iesenheu 
nicht überschritten werden dürfte , so haben wir bei gleicher Berechnungs- 
weise reine Cellulose: 



425 



Hammel III Hammel IV 
1; nach der Henneberg'schen Methode 21,83 17,110/q 
2; nach der von Fr. Schulze « 25,96 22,28 >. 

Es liefert also die Methode von Fr. Schulze mehr reine 
Cellulose, als die von Henneberg. 

Ich glaubte diese Frage in der Weise der Entscheidung 
näher führen zu können^ dass ich Roggen- und Bohnenstroh 
einmal in vorgeschriebener Weise mit l V4procentiger Schwefel- 
säure in Kalilauge behandelte, dann die Schwefelsäure durch 
Malzauszug ersetzte, mit letzterer einen Tag bei gewöhnlicher 
Zimmertemperatur digerirte. 2 mal mit Wasser und schliesslich 
mit obiger Kalilauge in üblicher Weise kochte. Die so erhal- 
tenen Rohfaseru wurden mit dem S c h u 1 z e'schen Reagens be- 
handelt, um durch Eiementaranalyse vor und nach der Behand- 
lung und aus dem Verlust die Elementarzusammensetzung der 
Nichtcellulose und daraus den Gehalt der Rohfasern an reiner 
Cellulose in obiger Weise zu berechnen. 

Auf diese Weise ergab sich bei Anwendung von Malzaus- 
zug statt der Schwefelsäure in beiden Fällen mehr Cellulose, 
so dass die li/4procentige Schwefelsäure die Cellulose zum ge- 
ringen Theil in Lösung zu bringen scheint. Der Versuch bedarf 
aber noch der Wiederholung, weshalb ich die Zahlen einst- 
weilen nicht als massgebend aufführe. Jedenfalls dürfte es an- 
gezeigt sein, die Bestimmungsmethode der Rohfaser resp. der 
Cellulose auch in dieser Richtung einer neuen Prüfung zu unter- 
werfen. 

V. Zum Schluss mache ich noch darauf aufmerksam, dass 
die mehr oder minder feine Zerkleinerung des Futterstoffmaterials 
von einig*em Einfluss auf das Resultat der Analyse ist. So wurde 
Roggenstroh und Kleeheu in der Weise zur Verwendung ge- 
bracht, dass das völlig gleichmässige Material verschieden fein 
gemahlen, die Theile durch Siebe von 0,5, 1,0, 1,5 und 2 Mm. 
getrennt und gewogen wurden. Die einzelnen Portionen wurden 



im Wiesenheu, im Koth 

Hammel III Hammel IV 

1) nach Henneberg's Methode 26,71o/o 23,240/o 18,840/o 

2) nach Schulze's « 26,91« 26,23 » 22,79 « 



426 



sodann wieder zusammengegeben und sorgfältig gemischt. Dar- 
nach bestand : 

I. Roggen st roh 

Probe 12 3 4 

aus Theilen von 

2 Mm 44,20/0 von 1,5 Mm. — — 

40,1» » 1,0 » 74,80/ovon l,OMm. 11, 3 0/0 von 1,0 Mm. 

15,7 » n 0,5 )) 25,2 » » 0,5 » 88,7 » » 0,5 » 

a) durch Wasser gelöst auf Trockensubstanz berechnet 7, 50^0 

7,500/o' 10,230/0 10,640/0 10,84 0/0 

b) Holzfaser mit Berücksichtigung des Absatzes nach Kochen 
mit Schwefelsäure 

50,48 0/0 50,230/0 48,300/0 

— 50,02 « 48,49 » - 

II. Kleeheu. 

Probe 1 2 3 

aus Theilen von 

34,30/0 von 1,5 Mm. — — 

43,9 » « 1,0 » 72,3 0/0 von 1,0 Mm. 12,60/o von 1,0 Mm. 

21,8 » » 0,5 » 27,7 » « 0,5 « 87,4 » » 0,5 » 

a) durch Wasser gelöst auf Trockensubstanz berechnet: 

28,47 o/o 29,04 o/o 29,500/o 

b) Holzfaser mit Berücksichtigung des Absatzes nach Kochen 

mit Schwefelsäure : 

31,840/o 30,96 o/o 30,260/o 

32,26 » 31,09 » 30,57 » 

— 31,00 » 30,38 >> 

Hiernach fällt also der Rohfasergehalt successiv mit der 
Feinheit des Materials, während die durch Wasser extrahirbaren 
Stoffe steigen. Mag nun dieses Resultat zum Theil dadurch mit- 
bedingt sein, dass bei der grösseren Feinheit des Materials mehr 
feine Theilchen durch das Filter in die Lösung gehen — ein 
Fehler, den wir aufs sorgfältigste zu vermeiden suchten, indem 
wir den Absatz aus dem wässerigen Extract und dem der 
Schwefelsäure wieder zu dem Rückstand gaben — , so bleibt es 
darum doch ebenso empfehlenswerth , dass überall ein gleich 
feines Material zur Analyse verwendet wird : und zwar um so 



427 



mehr, als dieser Umstand ohne jegliche Schwierigkeit beachtet 
werden kann. 

Am besten würde natürlich ein Material von möglichst 
grosser Feinheit, z. B. von 0,5 Mm. Weite, sein, aber es hält 
sehr schwer, das Futtermaterial ganz durch ein Sieb von 0,5 Mm. 
zu bringen. Man muss zu diesem Zweck den Rückstand stets 
von Neuem trocknen, was, wenn das Material gleichzeitig zur 
Wasserbestimmung^im ursprünglichen Futter dienen soll, nicht 
zulässig ist und ausserdem viel Zeit wegnimmt. Weniger schwer 
hält es, das Material durch ein Sieb von 1,0 MM, zu bringen, 
und dürfte sich letzteres als zweckmässig empfehlen. 

Landw. Vers. -Stat. Münster, Sept. 1873. 



Beiträge zur qualitatiyen Analyse des 

Weinlaiibs. 

Von 

C. Neubauer 



Seit Jahren mit der qualitativen Analyse des Weinlaubs 
beschäftigt, verarbeitete ich im letzten Sommer eine Quantität 
von ca. 50 Kilogrm. junger Rebtriebe nach folgendem Verfah- 
ren, das zu einigen nicht uninteressanten Resultaten führte. — 
Das im Monat Juni 1872 gesammelte frische Reblaub wurde 
zerschnitten, mit Wasserzusatz zerquetscht und darauf in einer 
der Kochhitze nahen Temperatur mit Wasser vollständig er- 
schöpft. Die abcolirte Flüssigkeit klärte sich nach Zusatz von 
Eiweiss in der Siedehitze vollständig, so dass nach beendigter 



') Aus: »Mittheilungen a. d. ehem. Laboratorium des Prof. Dr. K. Fre- 
senius zu Wiesbaden« mitgetheilt vom Verfasser. 



428 



Coagulation die sonst so langsam verlaufende Filtration mit 
grösster Leichtigkeit von Statten ging. Die klare, dunkel wein- 
gelb gefärbte Flüssigkeit wurde über Gasöfen verdunstet und 
nach genügender Concentration längere Zeit zum Krystallisiren 
bei Seite gestellt. Es schieden sich hierbei neben ganz bedeu- 
tenden Mengen weinsaurer Salze (Weinstein und weinsaurer 
Kalk) auch geringe Mengen von Gyps aus. Im Mittel von 6 
quantitativ mit je 500 Grm. Reblaub ausgeführten Bestimmun- 
gen wurden auf diese Weise durch einfaches Auskrystallisiren 
5,5 Grm. roher Weinstein gewonnen; 1 Kilogr. frisches Reb- 
laub liefert also durchschnittlich 11 Grm. Weinstein, und da ein 
Morgen Weinberg, nach meinen Bestimmungen auf dem Nero- 
berge bei Wiesbaden, durchschnittlich 1986 Kilo sog. Gipfeln 
im Monat August liefert, so beträgt mithin die Weinsteinmenge 
pro Morgen 21,85 Kilogrm., welche allein in den abgeschnitte- 
nen Gipfeln enthalten sind und durch einfaches Auslaugen und 
Krystallisirenlassen gewonnen werden können. 

1) Behandlung der Mutterlauge mit Aether. 

Zur weiteren Behandlung wui'de die von den Krystallisatio- 
nen abgegossene Mutterlauge mässig mit Wasser verdünnt und 
darauf in einer geräumigen Stöpselflasche mit grossen Mengen 
von Aether (10 bis 12 Pfd.) nach und nach ausgeschüttelt. Bei 
dieser Operation bildet der Aether mit der Extractlösung mei- 
stens eine emulsionsartige Masse, aus welcher sich der Aether 
nur sehr langsam und schwierig wieder ausscheidet. Setzt mau 
jedoch der Mischung eine gewisse, durch einen Versuch im Klei- 
nen zuvor annähernd bestimmte Menge von Alkohol zu, so erfolgt 
sehr bald nahezu vollständige Trennung beider Flüssigkeiten, so 
dass der Aether jetzt leicht und ziemlich vollständig von der 
Extractlösung mit einem Heber abgezogen werden kann. 

Von der goldgelb gefärbten ätherischen Lösung wird der 
Aether im Wasserbade abdestillirt, und schon während dieser 
Operation scheiden sich bräunlich gefärbte rhombische Kryställ- 
chen als Krystallmehl in ziemlich erheblicher Menge aus. Ich 
bezeichne diesen Körper mit A. 

Ueberlässt man darauf die Mutterlauge in flachen Glas- 



429 



schalen der Selbstverdunstung , so vermehrt sich die Krystalli- 
sation bald, und neben den eben genannten grösseren, bräunlich 
gefärbten Krystallen scheidet sich eine eigelbe Masse aus , die 
aus haarfeinen, gelben mikroskopischen Nadeln besteht, die 
nicht selten zu kugelförmigen Aggregaten vereinigt sind. Ich 
bezeichne diesen Körper mit B. Endlich bemerkt man nach 
längerer Zeit einen dritten Körper, der sich in grösseren run- 
den, aus dickeren Krjstallnadeln bestehenden Drusen in ziem- 
licher Menge ausscheidet und den ich mit C bezeichnen will. 
Die Gesammtmenge dieser krystallisirten Körper ist jedoch nur 
sehr gering, im Ganzen wurden aus 50 Kilogrm. frischen Wein- 
laubs höchstens 1 — 1,5 Grm. erhalten. 

Sämmtliche Krystalle werden auf einem Filter gesammelt 
und, nachdem die braune Mutterlauge abgelaufen ist, mit kaltem 
destillirten Wasser gewaschen. Behandelt man die Krystall- 
masse darauf mit starkem kalten Alkohol, so lösen sich die 
Krystalle B und C auf, während das sich zuerst ausscheidende 
bräunliche Krystallmehl in dem Alkohol unlöslich zurückbleibt. 

Dieser Körper A ist in Wasser und Alkohol selbst bei der 
Siedehitze unlöslich, und auch Aether nimmt ihn in dieser kry- 
stallinischen Form nur spurenweise auf. Die Prüfung auf Stick- 
stoff ergab ein negatives Resultat. Beim Erhitzen im Probe- 
röhrchen entwickelten sich sauer reagirende Dämpfe und zurück 
blieb eine ziemlich feste Kohle, die auf dem Platinblech weiter 
erhitzt, schliesslich vollständig verbrannte. In verdünnter Na- 
tronlauge ist der Körper löslich und scheidet sich auf Zusatz 
von Essigsäure wieder krystailinisch aus. Der geringen mir bis 
jetzt zu Gebote stehenden Menge wegen habe ich die weitere 
Untersuchung desselben noch verschoben, bis ich durch die Ver- 
arbeitung von weiteren grösseren Mengen von Reblaub in Besitz 
einer genügenden Quantität gelangt sein werde. 

Versetzt man die tief gelb bis gelbbraun gefärbte alkoho- 
lische Lösung, welche von dem Körper A abfiltrirt wurde, mit 
dem etwa gleichen Volum Wasser, so tritt sehr bald Trübung 
ein, und der Körper B krystallisirt jetzt in feinen mikroskopi- 
schen Nadeln und Nadelngruppen massenhaft heraus. Auf dem 
Filter, am besten mit der Bunsen'schen Pumpe gesammelt. 



430 

ausgewaschen und über Schwefelsäure getrocknet stellt der 
Körper in trocknem Zustande eine schön gelbe, glänzende, zu- 
sammenhangende, sich in Lappen vom Papier leicht ablösende, 
aus feinen Krystallnadeln und Nadelgruppen bestehende Masse 
dar, die sich in Alkohol mit grösster Leichtigkeit löst und aus 
dieser Lösung durch Wasserzusatz stets wieder krystallinisch 
gefällt wird. Die concentrirte Lösung des Körpers in Alkohol 
ist bräunlich, die verdünnte dagegen goldgelb gefärbt, beide 
reagiren vollständig neutral. Die Prüfung auf Stickstoff ergab 
ebenfalls ein negatives Resultat. In kaltem Wasser ist der Kör- 
per kaum, in heissem auch nur spurenweise löslich. Alkohol 
löst ihn dagegen leicht, weniger leicht Aether. Beim raschen 
Erhitzen schmilzt er bei etwa 250^ C, und die geschmolzene 
Masse erstarrt beim Erkalten krystallinisch. Bleizucker bewirkt 
in der alkoholischen Lösung einen Orangerothen, dem Gold- 
schwefel nicht unähnlichen Niederschlag. Setzt man zu einer 
alkoholischen Lösung eine Lösung von salpetersaurem Silber- 
oxyd, so färbt sich die Mischung im Moment blutroth, bald tritt 
Trübung ein, und in kürzester Zeit scheidet sich graues metalli- 
sches Silber massenhaft aus. Mit derselben Leichtigkeit wird 
Kupferoxyd reducirt; versetzt man eine alkalische Lösung des 
Körpers mit einigen Tropfen einer verdünnten Kupfervitriol- 
lösung, so scheidet sich beim Erhitzen rothes Kupferoxydul aus. 
Eisenchlorid bewirkt in der alkoholischen Lösung eine dunkel- 
grün bräunliche Färbung. Concentrirte Salpetersäure löst den 
Körper mit blutrother Farbe, beim Erwärmen erfolgt heftige 
Oxydation unter Bildung von Oxalsäure. In Alkalien ist der 
Körper sehr leicht löslich, die Lösungen zeigen je nach der Con- 
centration eine gold- oder braungelbe Farbe. Nach diesen che- 
mischen Eigenschaften, und namentlich nach dem durchaus 
charakteristischen Verhalten zu Bleizucker wie zu salpetersaurem 
Silberoxyd, kann der fragliche Körper kein anderer als Quer- 
cetin sein. 

Die alkoholische Mutterlauge, aus welcher sich das Quer- 
cetin ausgeschieden hat, scheidet auf weiteren Zusatz von Wasser 
grössere kugelförmige Krystalldrusen aus, die aus grösseren und 
dickeren Krystallen des Körpers C bestehen. Zu seiner Gewiu- 



431 



nung erhitzt mau die alkoholische Mutterlauge, aus welcher 
sich das Quercetin ausgeschieden hat, nachdem dieselbe mit 
Thierkohle behandelt ist, bis zur Entfernung des Alkohols, fil- 
trirt darauf und überlässt das Filtrat der Ruhe, worauf bald 
der Körper C in reiner Form herauskrystallisirt. Die grün- 
lich gelben Krystalle desselben sind in kaltem Wasser fast un- 
löslich , leichter löslich in heissem : die gelben Lösungen sind 
ohne Reaction auf Pflanzenfarben. In Alkohol löst sieh der 
Körper leicht, schwerer in Aether. Bei ca. 170^' C. schmilzt 
derselbe, und die geschmolzene Masse erstarrt beim Erkalten 
harzartig. Die wässerige sowie die alkoholische Lösung wird 
durch Eisenchlorid intensiv dunkelgrün gefärbt. Salpetersaures 
Silberoxyd wird in der alkoholischen Lösung schon in der Kälte 
reducirt, obgleich ungleich langsamer, als durch das Quercetin, 
und ausserdem tritt die für das Quercetin so überaus charakteri- 
stische Rothfärbung beim Zusatz der Silberlösung hier nicht ein. 
Essigsaures Bleioxyd fällt den Körper in der Form eines gelben, 
in Essigsäure leicht löslichen Niederschlags. Versetzt man die 
kochende wässerige Lösung mit verdünnter Schwefelsäure, und 
erhält längere Zeit bei einer der Siedehitze nahen Temperatur, 
so scheiden sich bald aus der heissen Flüssigkeit lebhaft gelb 
gefärbte Krystallnadeln aus, die sich fortwährend vermehren, 
während gleichzeitig die ursprünglich gelbe Lösung blasser wird 
und endlich nach dem Erkalten kaum noch einen Stich ins Gelb- 
liche zeigt. Die auf einem Filter gesammelten Krystalle zeigen, 
nach gründlichem Auswaschen, alle Eigenschaften des Quercetins, 
die alkoholische Lösung wird jetzt auf Zusatz von salpetersaurem 
Silberoxyd blutroth gefärbt, und bald beginnt die Ausscheidung 
von metallischem Silber, und ebenso, wie bei einer Lösung von 
Quercetin, giebt Bleizucker den charakteristischen Orangerothen 
Niederschlag. Befreit man die von dem auskrystallisirten Quer- 
cetin abfiltrirte Flüssigkeit von der Schwefelsäure durch Dige- 
riren mit kohlensaurem Baryt, filtrirt und prüft nach genügen- 
der Concentration mit Fehlin g'scher Lösung, so lässt sich der 
abgespaltene Zucker leicht nachweisen. Es unterliegt mithin wohl 
keinem Zweifel, dass der Körper C aus Quercitrin besteht. 
Die braune Mutterlauge, aus w^elcher sich der Körper A 



432 



sowie das Quercetin und Quercitrin ausgeschieden hatten, reagirte 
stark sauer, sie hatte einen intensiv herben Geschmack und gab 
mit Leimlösung versetzt eine dicke Fällung. Der Gerbstoff 
wurde darauf mit eingeweichter Blosse herausgefällt, das Filtrat 
concentrirt, mit Kalkmilch vorsichtig neutralisirt und darauf der 
Ruhe tiberlassen. Es hatten sich nach längerem Stehen einzelne 
Krystalle ausgeschieden, die in der Form sowie in ihrem che- 
mischen Verhalten mit dem weinsauren Kalk übereinstimmten. 
Die erhaltene Menge von weinsaurem Kalk war nur gering, und 
in der That: es war ein weiteres Kalksalz in Lösung, welches 
auf Zusatz von Alkohol in ziemlich erheblicher Menge nieder- 
fiel. Die flockige Masse wurde abfiltrirt, mit Alkohol gewaschen 
und darauf mit geringen Wassermengen in der Wärme behufs 
der Lösung behandelt. Hierbei löste sich ein Theil, während 
die grössere Menge zu einer harzartigen Masse zusammenballte, 
die nach längerem Erwärmen zu einem Krystallpulver zerfiel. 
So aber verhält sich mit Alkohol aus wässeriger Lösung gefällter 
äpfelsaurer Kalk, wenn derselbe in der Hitze mit Wasser be- 
handelt wird; ein in jeder Beziehung charakteristisches Verhal- 
ten. Der so erhaltene äpfelsaure Kalk wurde darauf in heisser 
Salpetersäure (1 Th. Salpetersäure 10 Th. Wasser) gelöst und 
die filtrirte Lösung zur Krystallisation befördert, wobei bald der 
saure äpfelsaure Kalk in seinen charakteristischen Krystallen 
rein herauskrystallisirte und an seinem chemischen Verhalten 
erkannt werden konnte. Die Ausbeute an äpfelsaurem Kalk war 
ungleich bedeutender, als die an weinsaurem. 

Eine noch bedeutendere Menge von Weinlaub habe ich augen- 
blicklich in Arbeit. Ich werde bei dieser mein Augenmerk haupt- 
sächlich auch darauf lenken, ob das von Gorup-Besanez^) 
in den Blättern des wilden Weines gefundene Brenzcatechin, 
ebenso wie etwa vorhandene Glycolsäure in der ätherischen Lö- 
sung neben den' genannten Körpern enthalten sind. Ich hoffe 
nach Beendigung dieser Arbeit auch genügendes Material des 
Körpers A, sowie von Quercetin und Quercitrin zu haben, um 
die noch fehlenden Elementaranalysen liefern zu können. 



1) Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. 159, p. 225. 



433 



2) Behandlung mit Alkohol und Fällung mit neu- 
tralem essigsauren Blei. 

Nachdem das mit Aether ausgeschüttelte Extract zunächst 
auf dem Wasserbade wieder concentrirt war, wurde dasselbe 
zur vollständigen Ausfällung mit dem mehrfachen Volum Alkohol 
versetzt und darauf 24 Stunden der Ruhe überlassen. Die Fäl- 
lung bestand aus einem braunen amorphen Körper, wein saurem 
Kalk, phosphorsaurem Kalk, Gyps und einer nicht unerheblichen 
Menge einer gummiartigen Masse, die ich jedoch vor der Hand 
nicht weiter untersuchte. Nachdem von dem Filtrat der Alkohol 
abdestillirt war, wurde dasselbe mit einer genügenden Menge 
Wasser verdünnt und darauf mit einer Lösung von Bleizucker 
ausgefällt. Nach 24 Stunden wurde der massenhafte Nieder- 
schlag auf mehreren Filtern gesammelt, ausgewaschen, in Wasser 
suspendirt und darauf durch Schwefelwasserstoff zerlegt. Nach- 
dem das Filtrat von Schwefelwasserstoff durch Erhitzen be- 
freit und darauf ziemlich concentrirt war, wurde dasselbe mit 
Kalkmilch vorsichtig neutralisirt, wobei ein braungefärbter, ziem- 
lich schleimiger Niederschlag entstand, der nur geringe Mengen 
von weinsaurem Kalk enthielt. Eine Grün- und dann Braunfär- 
bung beim Zusatz der Kalkmilch, wie sie v. Gorup-Besanez 
bei der Untersuchung von wilden Weinblättern erhielt und die 
durch die Anwesenheit von Brenzcatechin verursacht wurde, 
konnte ich nicht wahrnehmen und auch als die mit Kalk neu- 
tralisirte, von der Fällung abfiltrirte, Flüssigkeit über freiem 
Feuer weiter concentrirt wurde, trat keine irgendwie auffallende 
Nachdunkelung ein. 

Als endlich die genügend concentrirte Lauge der Ruhe über- 
lassen wurde, hatte sich nach 24stündigem Stehen eine ziemlich 
erhebliche Menge harter, kugelförmiger Krystallkörner ausge- 
schieden, die zum Theil der Schalenwand fest adhärirten. In 
kochendem Wasser waren die Krystalle unlöslich, wurden jedoch 
von Säuren leicht aufgenommen. Die Krystalle wurden darauf 
auf einem Filter gesammelt, mit kaltem Wasser abgewaschen, 
zerrieben und nun in heisser verdünnter Salpetersäure (1 Th. 
Salpetersäure und 10 Th. Wasser) kochend gelöst. Die heisse 

Landw. Versnclis-Stat. XVI. 1873. 28 



434 



Lösung wurde mit Thierkohle behandelt und nach dem Filtriren 
zur Krystallisation gebracht, wobei sich eine ganz erhebliche 
Menge sauren äpfelsauren Kalkes in grossen, schönen und reinen 
Krystallen ausschied. 

Die erste Mutterlauge, aus welcher der rohe äpfelsaure Kalk 
herauskrystallisirt war, wurde mit Alkohol gefällt. Es entstand 
ein dicker Niederschlag, der nach dem Auswaschen mit Alkohol 
noch feucht auf dem Filter mit Wasser behandelt wurde. Bei 
dieser Operation erhielt v. Gorup-Besanezi) bei der Bear- 
beitung von wilden Weinblättern im Filtrat eine krystallinische 
Ausscheidung von glycolsaurem Kalk. Ich war leider nicht so 
glücklich; der Nachweis der Glycolsäure in dem durch Blei- 
zucker entstandenen Niederschlage ist mir bis jetzt nicht gelun- 
gen. Auch bei noch so vorsichtigem Zusatz von Alkohol zu der 
Auflösung der oben erwähnten Kalksalze erhielt ich stets zähe 
amorphe Fällungen, die auch nach sehr langem Stehen keine 
Neigung zum Krystallinischwerden zeigten. Der Bleizucker- 
niederschlag enthielt also hauptsächlich Gummi, Weinsäure, viel 
Aepfelsäure, Phosphorsäure und ausserdem nicht unerhebliche 
Mengen' von Gerbstoff. — Bei der Verarbeitung von über hun- 
dert Pfund Riesling- Weinlaub, welches Mitte August gesammelt 
wurde, werde ich mein Hauptaugenmerk auf das etwaige Vor- 
kommen von Brenzcatechin und Glycolsäure richten, die bekannt- 
lich V. Gorup-Besanez beide im Laub des wilden Weins 
aufgefunden hat. 

3) Fällung mit Bleiessig. 

Das Filtrat von dem Bleizuckerniederschlage wurde zunächst 
wieder concentrirt, darauf nahezu neutralisirt und in der Koch- 
hitze mit Bleiessig ausgefällt. Der entstandene Niederschlag 
wurde auf einem Filter gesammelt, ausgewaschen, in Wasser 
suspendirt und darauf mit Schwefelwasserstoff zersetzt. Die 
gelbe vom Schwefelblei abfiltrirte Flüssigkeit färbte sich beim 
Eindampfen dunkler, gab aber mit Eisenchlorid geprüft keine 
Spur einer Färbung. Nachdem dieselbe nochmals filtrirt war, 
wurde sie bis zur schwachen Syrupconsistenz gebracht und darauf 

1) a. a. O. S. 222. 



435 



kochend in einem Stöpselglase mit dem 3- bis 4faclien Volum 
absoluten Alkohols versetzt. Bei dieser Operation trat zuerst 
Trübung ein, der aber sehr bald eine krystallinische Ausschei- 
dung von wenig gefärbtem* Ino sit folgte. 

Nach 24stündigem Stehen wurde die nicht unerhebliche, 
bräunliche Krystallisation auf einem Filter gesammelt, mit Alkohol 
gewaschen, darauf in Wasser gelöst, mit reiner Thierkohle be- 
handelt, filtrirt und die vollständig farblose Lösung darauf mit 
absolutem Alkohol übergössen und bedeckt der Ruhe überlassen, 
worauf sich der Inosit sehr bald in seinen charakteristischen 
Krystallformen ausschied. 

Ausser der bekannten Scher er'schen Inositreaction ist auch 
namentlich die von Gallois angegebene, ihrer Empfindlichkeit 
und des sicheren Gelingens wegen, zu empfehlen. Zu ihrer Aus- 
führung verdunstet man die Inositlösung in einer Porzellanschale 
bis auf wenige Tropfen und setzt darauf einen Tropfen einer 
Lösung von salpetersaurem Quecksilberoxyd hinzu (Liebig's 
Lösung zur Harnstoffbestimmung) , wodurch zunächst ein gelb- 
licher Niederschlag entsteht. Breitet man diesen möglichst auf 
der Wand der Schale aus und erwärmt weiter mit grosser Vor- 
sicht, so bleibt, sobald alle Flüssigkeit verdunstet ist und mau 
nicht zu viel von dem Reagens zugesetzt hat, zuerst ein weiss- 
lich gelber Rückstand^ der bald, je nach der Menge des vor- 
handenen Inosits, mehr oder weniger dunkelroth wird. Beim 
Erkalten verschwindet die Farbe, lässt sich jedoch durch gelin- 
des Erwärmen wieder zum Vorschein bringen. (Vergl. Fre- 
senius, Zeitschrift Bd. IV, 264.) Wie schon angeführt, zeichnet 
sich diese Reaction durch einen hohen Grad von Empfindlichkeit 
und bei einiger Vorsicht auch durch leichtes Gelingen aus. 

4) Fällung mit Bleiessig und Ammon. 

Das Filtrat von dem Bleiessigniederschlag wurde schliess- 
lich mit Ammon unter weiterem Zusatz von Bleiessig gefällt 
und der hellgelbe Niederschlag auf einem Filter ausgewaschen. 
In Wasser suspendirt und mit Schwefelwasserstoff zersetzt resul- 
tirte ein wenig gefärbtes Filtrat, welches zuerst auf dem Wasser- 
bade concentrirt und darauf der Selbstverdunstung überlassen 

28* 



436 



wurde. Nach einigen Tagen zeigten sich Spuren von Krystalli- 
sation, die sich auf Zusatz von absolutem Alkohol schnell und 
erheblich vermehrten. Auch diese Krystallisation bestand aus 
Inosit, welcher nach dem oben angegebenen Verfahren gerei- 
nigt in vollkommen farblosen Krystallen erhalten wurde, die die 
Reactionen von Scher er und Gallo is aufs schönste, selbst in 
kleinster Menge zeigten. Im Ganzen erhielt ich so aus ca. 50 
Kilogrm. Weinlaub 1,6 Grm. reinen Inosit. Die Mutterlauge des 
Inosits enthielt erhebliche Mengen von gährungsfähigem Zucker, 
der jedoch bis jetzt noch nicht zum Krystallisiren zu bringen war. 

5) Nachweis von Zucker im Rebenlaub. 

Zum Nachweis des Zuckers in dem Rebenlaub kann man 
auch dasselbe Verfahren einhalten, welches zur Auffindung ge- 
ringer Zuckermengen im Harn -von mir benutzt wird. Zu die- 
sem Zweck verwendet man den wässerigen Auszug des Reben- 
laubs, aus welchem die weinsauren Salze herauskrystallisirt sind. 
Man dampft die Mutterlauge bis zur Extractconsistenz ein und 
extrahirt den Rückstand in der Hitze mit absolutem Alkohol. 
Nach wiederholtem und gründlichem Schütteln lässt man erkal- 
ten und fiitrirt die alkoholische Lösung ab. Versetzt man die- 
selbe darauf mit einer alkoholischen Lösung von Aetzkali, so 
tritt eine sehr starke Ammoniakentwickelung ein, und eine braune 
firnissartige Masse scheidet sich massenhaft aus. Die Flüssig- 
keit wird darauf abgegossen, der entstandene Niederschlag mit 
Alkohol gewaschen, in Wasser gelöst und die Lösung, nachdem 
dieselbe mit Essigsäure neutralisirt ist, mit Bleizucker gefällt. 
Aus dem Filtrat entfernt man das überschüssige Bleioxyd mit 
Schwefelwasserstoff, fiitrirt und erhitzt bis zur Verjagung des 
Schwefelwasserstoffes im Wasserbade. Die so erhaltene Lösung 
zeigt nicht allein alle Zuckerreactionen aufs schönste, sondern 
lässt sich auch mit ausgewaschner Bierhefe mit Leichtigkeit in 
Gährung versetzen, nach deren Beendigung der entstandene 
Alkohol durch Destillation gewonnen werden kann. Auch das 
von den weinsauren Salzen durch Auskrystallisiren befreite Ex- 
tnict der frischen Weinblätter lässt sich bei genügender Ver- 
dünnung und bei geeigneter Temperatur leicht durch Hefe in 



437 



Grährung versetzen und liefert sodann nach Beendigung derselben 
ein Destillat, welches nach wiederholten Destillationen concen- 
trirt, durch ein ausserordentlich fein duftendes Weinbouquet aus- 
gezeichnet ist. Vielleicht lässt sich hiervon in der Praxis Ge- 
brauch machen, denn viele geübte Weinkenner, welchen ich das 
Präparat zeigte, erklärten das so dargestellte Weinbouquet als 
ausgezeichnet. 

Aus einigen nach dem letzten Verfahren ausgeführten quan- 
titativen Bestimmungen konnte aus der erhaltenen Alkoholmenge 
für je 1 Pfd. frischer, zu verschiedenen Vegetationsperioden 
gesammelter Blätter ein Zuckergehalt von 3,5 bis 6 Grm. be- 
rechnet werden. — Direct in dem wässerigen Auszug der Blätter 
kann man den Zuckergehalt nach Fehling's Methode nicht 
bestimmen, da hierin sicherlich, ausser dem Quercetin u. s. w., 
auch noch andere Stoffe enthalten sind, welche die Kupferlösung 
reduciren. Daher mag es auch kommen, dass A. Petit^j in 
1 Pfd. Weinblätter bis zu 15 Grm. Zucker gefunden haben will. 

Die jungen Triebe u. s. w. der Weinrebe enthalten endlich 
auch Spuren von Amylum, welches sich durch die mikrosko- 
pische Prüfung mit lodlösung leicht nachweisen lässt. Mit dem 
allmäligen Reifen des Holzes nimmt der Amylumgehalt stetig 
zu, er ist daher im Herbst sowie in dem vorjährigen und noch 
älteren Holz am grössten. Eine Abkochung solchen Holzes wird 
mit lodlösung versetzt deutlich blau. Die Stärkemehlkörnchen 
selbst sind ganz ausserordentlich klein. 

6) Nachweis von Oxalsäure im Weinlaub. 

Auch die Oxalsäure findet sich im Weinlaub, jedoch nur 
gebunden an Kalk. Zu ihrer Abscheidung übergiesst man die 
mit Wasser erschöpften Blätter u. s. w. mit ganz verdünnter Salz- 
säure und lässt 24 Stunden in der Kälte stehen. Die filtrirte 
Lösung übersättigt man mit Ammon und säuert darauf sogleich 
mit Essigsäure wieder schwach an. Lässt man die Mischung 
darauf 6 bis 8 Tage ruhig stehen, so setzt sich der oxalsaure 
Kalk am Boden der Gefässe als weisses Pulver ab , welches 



1) Annal, d. Oenologie Bd. 1, S. 441. 



438 



unter dem Mikroskop nicht selten die schönsten Quadratoctaeder 
zeigt. Man sammelt den Niederschlag auf einem Filter, wäscht 
aus und zersetzt ihn durch Kochen mit einer Lösung von kohlen- 
saurem Natron. Das alkalische Filtrat wird mit Essigsäure an- 
gesäuert und darauf die Oxalsäure mit Bleizucker gefällt. Die 
nach dem Zersetzen des Oxalsäuren Bleioxydes mit Schwefel- 
wasserstoff erhaltene Lösung liefert nach genügender Concen- 
tration die Oxalsäure in rein weissen Kry stallen. 

Versetzt man endlich die Lösung, aus w^elcher sich der Oxal- 
säure Kalk abgeschieden hat, mit dem mehrfachen Volum Alkohol, 
SO entsteht ein gallertartiger Niederschlag, der nach dem Trock- 
nen sich zu einem nahezu farblosen Pulver zerreiben lässt, wel- 
ches sich in Wasser zu einem dicken Schleim auflöst, der mit 
lod violett gefärbt wird. Ich habe diesen Körper noch nicht 
näher untersucht. 

Nach dem beschriebenen Verfahren wurden also in den jungen 
Trieben und Blättern von Vitis vinifera folgende Körper gefunden : 
Weinstein, weinsaurer Kalk, Quercetin, Quercitrin, Gerbstoff, 
Amylum, Weinsäure, Aepfelsäure, Gummi, Inosit, Zucker, Oxal- 
säure und ausserdem ein durch Aether ausziehbarer krystallini- 
scher Körper, sowie Ammon, phosphorsaurer Kalk und Gyps. 



Nachschrift. Die im Herbst gesammelten Blätter gaben 
etwas andere Resultate. Von 19 Pfd. trockner Rieslingblätter 
erhielt ich 4,8 Grm. Quercetin, aber kaum Spuren von Quercitrin, 
und ebenso scheinen der Inosit sowie die Aepfelsäure in der 
späteren Vegetationsperiode zu fehlen. 



439 



lieber den winterlichen Farbenwechsel einiger 

Cnpresslneen. 

Von 

James Mc. Nab. 

Gelesen in der März-Sitzung der Edinburger Bot. Gesellschaft.) 

Es ist in diesem Jahre ein imgewöhnliclier Umstand in dem 
Aussehen einer grossen Gruppe verschiedener Arten von Cupres- 
sineen, welche im Königl. Botanischen Garten zu Edinburgh 
cultivirt werden, der erwähnenswerth erscheint : — nämlich der 
Mangel des gewöhnlichen röthlich braunen Farbentons, den viele 
jener Arten in dieser Jahreszeit darbieten, und besonders solche, 
die der östlichen Hemisphäre ursprünglich angehören. Aus viel- 
jährigen Beobachtungen habe ich die Erfahrung gewonnen, dass 
ein grosser Theil von Arten der Gattungen Thuja, Biota und Cu- 
pressus , obschon sie während des Sommers vollkommen grün 
sind, in der Kegel im Herbst und Winter mehr oder minder ein 
röthliches Braun annehmen, und während der Frühlingsmonate 
zu ihrer gewöhnlichen grünen Farbe zurückkehren^). 

Einige Varietäten, wie die säulenförmige Biota orientalis ele- 
gantissima und die kugelförmige Thuja aurea, sind gemeiniglich im 
Winter ganz braun, während der Frühlingsmonate nehmen sie die 
gewöhnliche grüne Farbe an, dagegen bekommen sie im Sommer 
eine reiche goldige Färbung. Gegen den Herbst verschwindet 
der goldene Ton, und es folgt ihm die gewöhnliche grüne Farbe 
der originalen Speeles, und schliesslich kehren sie zu der brau- 
nen oder Winterfarbe zurück. In den Anlagen der Herren 
J. Dickson und Sons zu Inverleith empfingen diese Herren 
im Herbst 1872 eine Anzahl Pflanzen der Biota orientalis ele- 
gantissima von Orleans, welche ausgehoben waren, während sie 
ihre goldige Färbung besassen. Diese Pflanzen haben ihre Farbe 
den ganzen Winter über behalten, und besitzen noch den reichen 

1) Vgl. hierzu H. v. M o h 1 : »Untersuchungen über die winterliche Fär- 
bung der Blätter« (1S37]. Vermischte Schriften S. 375. — Red. 



440 



goldenen Schein. In dieser Jahreszeit (März) sind die meisten 
östlichen Species, mit Ausnahme der B. or. tatarica. welche jetzt 
in verschiedenen Theilen des Gartens durch ihren röthlich- 
braunen Farbenton in die Augen fällt, vom reinsten Grün, und 
haben sich so während der Herbst- und Wintermonate erhalten. 
Die eben erwähnten goldigen Varietäten haben allen Anschein 
eines plötzlichen Uebergangs vom herbstlichen Grün zum goldigen 
Sommerton. Die Ursache dieser bemerkenswerthen Anomalie 
schreibe ich dem grossen Mangel an Sonne während des letzten 
Sommers und Herbstes zu, was bedeutend beiträgt die Säfte zu 
reifen und sie so befähigt, ihre gewöhnlichen periodischen Pha- 
sen zu durchschreiten. 

Die Cupressineen von der westlichen Halbkugel bieten nicht 
dieselben markirten Differenzen dar, wie sie an den östlichen Spe- 
eles in der Regel beobachtet werden; jedoch ist in einigen Fällen 
eine sehr schwach braune oder dunkel grüne Linie oft bemerk- 
bar. Die tiefer braunen Tinten sieht man hauptsächlich an Va- 
rietäten, die, wie ich vermuthe. in Baumschulen oder Gärten 
producirt worden sind und augenscheinlich Hybriden zwischen 
östlichen und westlichen Arten sind. Die Biota cristata, die vor 
einigen Jahren von Amerika herüber gekommen, zeigt nach einem 
schönen Sommer mehr von der braunen Winterfärbung, als irgend 
eine andere mir bekannte amerikanische Varietät. 

Die nämlichen Bemerkungen gelten auch für verschiedene 
Speeles Neu-Seeländischer, unter Glas cultivirter Coniferen, wie 
das Dacrydium cupressinum und D. Franklinii. Im Allgemeinen 
nehmen diese Speeles beide einen röthlich braunen Ton während 
der Wintermonate au; in diesem Jahre jedoch ist das Dacry- 
dium cupressinum im Conservatorium , obschon leicht gebräunt, 
nichts im Vergleich mit den dunklen Tinten früherer Jahre, 
während kein wahrnehmbarer Unterschied zu constatiren ist an 
den Pflanzen von Dacrydium - Franklinii, mögen sie im Gewächs- 
hause oder in freier Luft wachsen. Zahlreiche andere Beispiele 
könnten angeführt werden, aber ich denke, es sind genug ge- 
geben um die Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand zu leiten 
und die Beobachtung auf sie hinzulenken. 



I 



441 



lieber einige stickstoflflialtige Verbindungen des 

Milchzuckers 1). 

Von 

Dr. Robert Sachsse. 



Dusart, Thenard und Schützenberger haben durch 
Einwirkung von Ammoniak auf Kohlenhydrate stickstoffhaltige 
Producte erhalten, deren unerquickliche Eigenschaften indess eine 
nähere Untersuchung verhinderten. Es Hess sich hoffen, dass 
durch Ersetzung des Ammoniaks durch eine minder energisch 
wirkende Stickstoff base bessere Kesultate zu erhalten sein wür- 
den. Ich habe daher über die Einwirkung von Anilin auf Koh- 
lenhydrate, zunächst auf Milchzucker, einige Versuche angestelltj 
deren vorläufiges Ergebniss im Folgenden mitgetheilt werden 
soll. Erhitzt man 1 Tbl. Milchzucker mit 2 Thln. Anilin in 
einer offenen Kochflasche, so löst sich ersterer allmälig unter 
bedeutendem Schäumen der Flüssigkeit auf. Eine Gasentwick- 
lung findet hierbei nicht statt. Man thut wohl daran, bei dem 
Erhitzen das Gefäss fortwährend umzuschwenken, und lieber eine 
geringe Menge des Milchzuckers ungelöst zu lassen, als das Er- 
hitzen zu lange fortzusetzen. Sobald das Anfangs auftretende 
Schäumen der Flüssigkeit fast ganz aufgehört hat, unterbricht 
man das Erhitzen, und setzt, nachdem die Masse fast ganz er- 
kaltet ist, das gleiche Volum absoluten Alkohols zu. Hierdurch 
wird die Flüssigkeit so weit verdünnt, dass sie sich, wenn auch 
langsam, filtriren lässt. Im Filtrat oder, wenn das Filtriren 
besonders langsam von Statten geht, bereits im Kolben und auf 
dem Trichter setzt sich nach und nach ein dicker Krystallbrei 
ab. Man trennt denselben von der Flüssigkeit, wäscht mit Alko- 
hol, presst zwischen Fliesspapier aus und kocht ihn dann zwei- 
mal mit Aether und etwa dreimal mit absolutem Alkohol aus. 



ij Vom Verf. im. Separatabzuge mitgetheilt. 



442 



filtrirt heiss, presst abermals aus und löst in sehr wenig heissem 
Wasser, filtrirt, versetzt das Filtrat mit 5- bis 6facliem Volumen 
absoluten Alkohols, dann mit einer grossen Menge Aether und 
überlässt die klare Flüssigkeit der Ruhe. Nach einiger Zeit 
setzen sich blendend weisse Kry stallnadeln ab. Man filtrirt und 
versetzt das Filtrat nochmals mit Aether^ wodurch sich nach 
einiger Zeit eine zweite Krystallisation abscheidet. Beide Kry- 
stallisationen ausgepresst und im Wasserbade getrocknet bilden 
das reine Product. Man erhält von 30 Grm. angewandten Milch- 
zuckers etwa 8 bis 10 Grm. desselben. 

Bei der beschriebenen Reaction erhält man je nach Umstän- 
den, die noch nicht näher ermittelt worden sind, zwei verschie- 
dene stickstoffhaltige Producte, entweder eins oder das andere 
allein oder ein Gemenge beider. Die Analysen des einen Pro- 
ducts ergeben Zahlen, die zu der Formel €oqH49N02i führten : 



Gefunden Berechnet 

I. II. 

C 47,44 — 47,43 

H 6,36 — 6,45 

N . 1,80 1,86 1,84 



Producte anderer Darstellungen ergaben bei den Analysen 
47,77—47,76—47,68% Kohlenstoff und ebenso einen etwas 
höheren Stickstoffgehalt, als obiger Formel entspricht. Sie wa- 
ren daher offenbar noch etwas mit der zweiten Verbindung, die 
sich bei der in Rede stehenden Reaction bilden kann, verun- 
reinigt. 

Diesem letztgenannten Körper muss man nach den bisher 
ausgeführten Analysen die Formel €36H54N2O20 zuweisen: 



Gefunden Berechnet 





I. 


II. 


III. 


IV. 




c 


51,63 


51,63 


51,68 


51,53 


5J,79 


H 


6,66 


6,47 


6,69 


6,85 


6,47 


N 


3,20 


3,30 


3,22 




3,36 



Die Entstehung beider Körper lässt sich ausdrücken durch die 
folgenden beiden Gleichungen: 

IL G2,E,,Bn + 2€oH7N = €3,H,4N2 O^o -\- 'lE^^. 



443 



Beide Körper sind sehr leicht löslich in Wasser, sehr schwer 
löslich in absolutem Alkohol, fast unlöslich in reinem Aether. 
Sie reduciren alkalische Kupferoxydlösung. Versetzt man ihre 
wässrige Lösung mit Brom, so verschwindet dasselbe augen- 
blicklich. 

Die weitere Untersuchung dieser Körper wird in dem hiesigen 
agriculturchemischen Laboratorium Hr. Kern vornehmen, dem 
ich bereits die Mehrzahl der angeführten analytischen Daten ver- 
danke. Es wird wahrscheinlich gelingen, durch nochmalige Ein- 
wirkung von Anilin die Verbindung mit dem niederen Stickstoff- 
gehalt in die mit dem höheren überzuführen. Auch andere Koh- 
lenhydrate, namentlich Traubenzucker, so endlich Mannit, lösen 
sich mit Leichtigkeit in Anilin. Ich behalte mir deren Unter- 
suchung in der angedeuteten Richtung vor. 



lieber die Vermehrung der Weiden. 

Von 

Dr. W. 0. Focke. 

(Aus den »Abhandlungen herausgeg. v. naturwiss. Verein zu Bremen«. 

Bd. III, Heft III.) 



Im Septemberhefte des Journal of botany vom Jahre 1871 
spricht Rev. L e e f e Zweifel aus in Betreff des häufigen Vorkom- 
mens von Weidenbastarden ; er stützt sich dabei auf die ver- 
meintliche Erfahrung, dass Keimpflanzen von Weiden ausser- 
ordentlich selten seien. In Deutschland bedürfen derartige An- 
sichten keiner Widerlegung, da wir durch Wie hur a's Versuche 
wissen, dass Weidensamen zwar ihre Keimkraft bald verlieren, 
dafür aber auch in frischem Zustande ungewöhnlich leicht kei- 
men. Wichura hat auch gezeigt, dass es keineswegs schwierig 



444 



ist, Weidenbastarde zu erzeugen. Wenn Mr. Leefe trotz emsi- 
gen Suchens keine Keimpflanzen von Weiden hat finden können, 
so rührt das ohne Zweifel daher, dass er sie an ungeeigneten 
Stellen gesucht hat. Indess erinnern mich seine Bemerkungen 
doch an eine auf Weidensämlinge bezügliche Beobachtung, deren 
Deutung mir lange zweifelhaft gewesen ist. Ich halte zwar nicht 
die Keimpflanzen der Weiden überhaupt für selten, wohl aber 
die gewisser hybriden Weiden. 

Frische Weidensamen beginnen aufzuquellen und zu keimen, 
sobald sie nur feuchten Erdboden berühren. Zu ihrer weiteren 
Entwicklung ist eine gleichmässige Feuchtigkeit der oberfläch- 
lichen Bodenschichten erforderlich. Keimpflanzen von Salix aurita 
L. z. B. findet man leicht an etwas feuchten, abgeplaggten 
Stellen am Kande unserer Haiden ; sie wachsen gewöhnlich ver- 
einzelt zwischen einem Zwergwäldchen von Birkensämlingen. 
An denselben Stellen so wie in halb bewachsenen Dünenthälern 
oder in feuchten Sandniederangen trijOft man Keimpflanzen von 
S. repens L. an. In grosser Massenhaftigkeit erscheinen indess 
die Weidensämlinge am Weserufer. Diese schaaren weise wach- 
senden jungen Weiden gehören sämmtlich zwei Arten an, der 
S. viminalis L. und der S. triandra L. Das gedrängte strich- 
weise Vorkommen dieser Sämlinge beruht darauf, dass die Samen 
durch den Fluss ans Ufer gespült werden. Die Sämlinge kom- 
men daher in jedem Jahre in einem bestimmten Niveau vor, 
welches dem Wasserstande zur Zeit der Samenreife entspricht; 
steigt der Fluss im Juli oder August längere Zeit über dies 
Niveau, so scheinen die jungen Pflänzchen zu Grunde zu gehen. 

Die Beobachtung, deren Erklärung mir zweifelhaft war, ist 
nun folgende. Die Häufigkeit der einzelnen Arten unter den 
Weidensämiingen am Weserufer steht in gar keinem Verhältniss 
zur Häufigkeit der einzelnen Arten in dem ausgewachsenen Wei- 
dengebüsch. Es ist schwierig, die durchschnittliche Häufigkeit 
der Arten am Flussufer zu schätzen, da an manchen Stellen die 
eine, an andern eine zweite Art zahlreicher vertreten ist. Be- 
sonders ungleichmässig ist die Vertheilung der S. purpurea L., 
die z B. auf der Strecke zwischen Bremen und Seehausen sehr 
spärlich vorkommt. Wenn man die seltenen Bastarde (z. B. 



445 



S. purpurea X viminalis) und die nur an besonders hoch ge- 
legenen Stellen wachsenden Arten (S. cinerea L. und S. pen- 
tandra L.) unberücksichtigt lässt, so ergiebt sich etwa folgendes 
procentarische Verhältniss in der Häufigkeit der Sträucher und 
der Keimpflanzen : - 





Sträucher 


Sämlinge 




. . 50,0 


60,0 




. 33,0 


39,0 


— hippophaefolia Thuill. . 


. . 10,0 






. 3,0 . 




— mollissima Ehrh 


. . 0,2 






0,8 






. . 1,0 






. . 1,0 


i 1,0 




. . 1,0 





wobei die Zahl der Sämlinge der drei letzten Arten sehr hoch 
angeschlagen ist. 

Sämlinge von S. cinerea L. kommen nicht in Betracht, weil 
die Pflanze eine längere Ueberschwemmung durch Weserwasser 
nicht erträgt, daher in niedrigeren Lagen bald zu Grunde geht. 

Zwischen der Häufigkeit der Pflanzen und Sämlinge von 
S. triandra L. und S. viminalis L. besteht kein Miss verhältniss ; 
ebenso ist kein wesentlicher Unterschied in der Häufigkeit von 
Pflanzen und Sämlingen bei S. alba L., S. Russeliana Sm. und 
S. purpurea L. vorhanden. Auch für den Umstand, dass z. B. 
die Sträucher von S. triandra etwa 50mal, die Sämlinge dieser 
Art aber mindestens 150mal häufiger sind, als die Sträucher und 
Sämlinge von Sal. purpurea L., ist eine Erklärung unschwer zu 
finden. 

Die Keimpflanzen von S. triandra L. und S. viminalis L. 
stehen in der Regel so dicht gedrängt, dass schon des Raumes 
wegen nur wenige gross werden können. Es bleibt somit nur 
noch das Fehlen oder die grosse Seltenheit der Keimpflanzen 
von S. hippophaefolia Thuill., S. undulata Ehrh., S. mollissima 
Ehrh. und S. fragilis L. zu erklären. S. hippophaefolia Thuill. 
und S. undulata Ehrh. tragen niemals keimfähigen Samen bei 
uns, für S. mollissima ist mir das Vorkommen keimfähigen 
Samens unwahrscheinlich ; alle drei hybriden Sorten habe ich bei 



446 



uns nur in weiblichen Exemplaren gesehen. Keimpflanzen dieser 
Hybriden würden somit einzig und allein aus Samen der hybri- 
disirten Stammarten hervorgehen können: man müsste sie also 
namentlich zwischen Sämlingen von S. viminalis L. und S. tri- 
andra L. suchen. Ich dachte Anfangs, dass vielleicht in ein- 
zelnen Jahren Kreuzungen dieser Arten besonders häufig vor- 
kommen möchten, allein ich habe keine Thatsachen finden können, 
welche diese Vermuthung bestätigen. Auch das vollständige Fehlen 
männlicher Exemplare jener hybriden Weiden ist eine auffällige 
Erscheinung, welche durch die Annahme zeitweilig häufigerer 
Kreuzung nicht erklärt wird. 

Die wahrscheinlich richtige Lösung des Räthsels bot mir S. 
fragilis L. Ich habe keine Keimpflanzen dieser Art gefunden, 
zweifle jedoch nicht an deren Vorkommen. Die Vermehrung der 
S. fragilis L. erfolgt indess in der Regel nicht durch Samen, 
sondern vermittelst abgebrochener Zweige, welche, ans Ufer ge- 
spült und im Flussschlamm eingebettet, Wurzel schlagen und 
dadurch auf vegetativem Wege die Art erhalten. Die fraglichen 
hybriden Weiden sind nun zwar nicht so brüchig wie die S. 
fragilis L., aber dafür scheinen ihre Zweige, die namentlich 
durch Eis in Menge abgebrochen werden, ganz besonders leicht 
Wurzel zu schlagen. Ich glaube daher, dass die Vermehrung 
der drei genannten hybriden Weidensorten fast nur auf vegeta- 
tivem Wege erfolgt, und dass eine spontane Neubildung der- 
selben ein ausserordentlich seltenes Ereigniss ist. Daher erklärt 
sich auch das Fehlen männlicher Exemplare, so wie die Gleichför- 
migkeit aller Sträucher dieser drei Weiden, ein Umstand, der 
um so auffallender erscheint, als die eine Stammart, die S. tri- 
andra L,, am Weserufer in ungemein zahlreichen Formen auf- 
tritt. Beiläufig bemerkt, glaube ich alle drei Hebriden von S. 
triandra L. und S. viminalis L. ableiten zu müssen. 



447 



Die Einwii*kung der scliwefligen Säure auf die 

Pflanzen. 

Von 

Dr. Julius Schröder. 



Im XV. Bande der Landwirthschaftlichen Versuchs-Stationen 
berichteten wir über Untersuchungen betreffend die Einwirkung 
der schwefligen Säure auf die Pflanzen. Diese Arbeiten sind im 
Laufe des Sommers 1872 an der Tharander forstlichen Versuchs- 
Station weiter fortgeführt worden. Indem wir in Folgendem 
das Hauptsächlichste der neuen Ergebnisse auszugsweise mit- 
theilen, verweisen wir bezüglich der Details auf das Tharander 
forstliche Jahrbuch (Bd. XXIII. Heft 3 u. 4). 

I. Entstellung der „NerTaturzeiehnung" auf den Blättern 
durch Einwirkung einer Luft, die schweflige Säure enthält. 

Bei den Transpirationsversuchen, welche früher mitgetheilt 
wurden, haben wir gezeigt, dass durch Einwirkung der schwef- 
ligen Säure bei einigen Blättern, und zwar besonders schön bei 
ßothbuche und Spitzahorn i), regelmässige Zeichnungen entstehen. 
Diese Zeichnungen erscheinen in der Art, dass zu beiden Seiten 
der Hauptnerven und ihrer nächsten Verzweigungen das Blatt- 
gewebe auf einige Linien Entfernung hellgrün aussieht, während 
die übrigen den Nerven entfernter liegenden Partieen des Blatt- 
gewebes fahl und dunkler grün werden. Wir gaben für diese 
eigenthümliche Art des Hervortretens der Nerven damals eine 
Erklärung, welche einen verschiedenen Wassergehalt der be- 



ll Abbildung der Nervaturzeichnung eines Rothbuchenblattes : Tharander 
forstliches Jahrbuch 1872, S. 224. — Ein Spitzahornblatt in Landwirthschaft- 
liche Versuchs- Stationen 1872. Bd. XV. S. 345. 



448 



treffenden Gewebepartieen voraussetzte. Durch die Einwirkung 
der schwefligen Säure ist das ganze Blatt mehr oder weniger 
desorganisirt und daher in der Verrichtung seiner normalen 
Functionen gestört und behindert. Das von dem Zweige auf- 
gesogene Wasser dringt durch die Blattstiele in die Blätter und 
die Hauptnerven der Letzteren. Von hier aus verbreitet es sich 
aber nicht gleichmässig über das ganze Blattgewebe, sondern 
nur in die den Nerven zunächst gelegenen Partieen, welche da- 
her heller grün und durchscheinender werden und sich deutlich 
von dem übrigen fahlen, mattgrünen und wasserärmeren Ge- 
webe unterscheiden. Beim Spitzahorn sahen wir an diesen, den 
Hauptnerven nahe liegenden, hellgrünen Streifen, nach einiger 
Zeit das Wasser in Tröpfchen (Honigthau) hervortreten. Alle 
diese Versuche, bei denen die oben angegebene Nervaturzeich- 
nung beobachtet wurde, waren im Sommer 1871 mit abgeschnit- 
tenen ins Wasser gestellten x\esten angestellt worden. Es war 
nun auffallend, dass bei Räucherungsversuchen mit Spitzahorn- 
bäumchen, die im freien Lande festwurzelten, die besprochene 
Nervaturzeichnung gar nicht oder nur in höchst undeutlicher, 
andeutungs weiser Art sich beobachten liess; wie ja auch in den 
Rauchgegenden die Blätter der erkrankten Laubbäume derartige 
Erscheinungen unseres Wissens niemals zeigen. Worin iiegi; 
nun der Grund dieses verschiedenen Verhaltens? War die oben 
gegebene Erklärung eine richtige, so konnte die Ursache darin 
zu suchen sein, dass im freien Lande im Boden die genügende 
Wassermenge fehlt, durch deren Eintritt in die Blätter die Ner- 
vaturzeichnung erst hervortreten kann. Ist aber diese Voraus- 
setzung zutreffend, so musste es gelingen, bei einem im freien 
Lande stehenden Bäumchen, nach vollendeter Einwirkung der 
schwefligen Säure, die Blattzeichnungen hervorzubringen durch 
Zufuhr einer gehörigen Quantität von Wasser. Um diese Frage 
zu beantworten, wurde der folgende Versuch mit zwei Spitz- 
ahornbäumchen ausgeführt : 

Die beiden Bäumchen, die vollkommen gesund und normal gewachsen 
waren, standen im freien Lande dicht neben einander auf einige Zoll Ent- 
fernung. A hatte 81 Cm. Hohe, B 70 Cm. Ueber Beide wurde am 21. Juni 
ein Glasgehäuse gestellt und in den Mittagsstunden von 1 — 3 Uhr durch 



449 



freiwillige Abdunstung einer -wässerigen Lösung von schwefliger Säure, so 
viel von letzterem Gase verbreitet, dass die Gehäuseluft circa Viooo ihres 
Rauminhaltes enthielt. "Während dieser Zeit befand sich das Gehäuse mit 
dem Bäumchen in tiefem Schatten. Nach Verlauf der zwei Stunden, wo das 
Gas also hier auf beide Bäumchen unter vollkommen gleichen äusseren Ver- 
hältnissen seinen Einfluss ausgeübt, wurde das Glasgehäuse abgenommen. 
Die Bäumchen zeigten im Allgemeinen gar keine Einwirkung, nur die bei- 
den obersten jüngsten Blättchen hingen etAvas schlaff und welk herab. Es 
'.vurde nun B hart über der Erde mit einem scharfen Messer abgeschnitten, 
in ein Gefäss mit Wasser gestellt und auf ein Eenster des Laboratoriums 
gesetzt, wo nur am Nachmittag ein paar Stunden lang directes Sonnenlicht 
hinkam. Das Bäumchen A verblieb im Lande'. 

Um 6 Uhr Abends, beobachtete man folgendes Verhalten: 
A. Nur an ein paar Blättern zeigt sich schwach eine Andeutung zur 
Nervaturzeichnung. Die afficirten Blätter sehen über die ganze Fläche hin 
gleichmässig fahl und mattgrün aus. B. Die meisten Blätter, und besonders 
die tiefer stehenden,, zeigen eine starke Nervaturzeichnung, wie sie 
auch früher bei den Transpirationsversuchen beobachtet wurde. 

Am Vormittag des folgenden Tages, am 22. Juni, hat sich das verschie- 
dene Aussehn der Blätter noch mehr gesteigert : 

A, Die paar obersten jüngsten Biättchen hängen schlaff herab. Die übri- 
gen Blätter sehen krank aus , zeigen aber keine Zeichnung ; nur bei einem 
Blatt unten am Bäumchen findet sich eine geringe, aber bestimmte Andeu- 
tung auf der einen Hälfte der Fläche. 

B. Die Nervaturzeichnung ist bei allen Blättern mit ausser- 
ordentlicher Schönheit und Regelmässigkeit hervorgetreten. 
Nur die paar obersten Blättchen hängen wie bei A schlaff herab und zeigen 
keine Zeichnung. 

Durch den eben beschriebenen Versuch ist unserer Ansicht 
nach die Richtigkeit der Erklärung, welche oben für die Ent- 
stehung der Nervaturzeichnung gegeben wurde, als vollkommen 
erwiesen zu betrachten. Das Hervortreten der Nervaturzeichnung 
hängt ab von dem Vorhandensein einer genügenden Wasser- 
menge. Tritt die Letztere in ein durch schweflige Säure erkrank- 
tes Blatt ein, so erkennt man sofort die gestörten Leitungsver- 
hältnisse. Die Gesammtverdunstung eines solchen Blattes ist 
daher auch geringer, wie die eines gesunden Blattes unter gleichen 
Verhältnissen. Es kann also nach dem vorliegenden Versuche 
wohl keinem Zweifel weiter unterliegen, dass die Blätter der im 
freien Lande stehenden Pflanzen, sofern sie von schwefliger Säure 
betroffen wurden, in ihrem Wasserleitungsvermögen in derselben 

Landw. Versuchs-Stat. XYI. 1873. 29 



450 



Weise krankhaft verändert sind, wie die Blätter der abgeschnit- 
tenen Aeste. Bei den Ersteren werden diese Verhältnisse nur 
deswegen dem Auge nicht sichtbar, weil es an einer genügen- 
den Wasserquantität fehlt. 

II. Einwirkung der schwefligen Säure bei Liclit und im 

Finstern. 

Aus einem früher mitgetheilten Versuche mit Tannenzweigen 
ging hervor, dass die schweflige Säure mit verschiedener Stärke 
eingewirkt hatte, je nachdem die äusseren Bedingungen dabei 
verschieden waren. Der eine Tannenzweig war dem Einfluss 
des Gases bei Gegenwart von hoher Temperatur in directem 
Sonnenlicht und trockener Luft ausgesetzt, der andere dagegen 
im Finstern bei niederer Temperatur und feuchter Luft. Ersterer 
zeigte ein krankhaftes äusseres Ansehen und hatte bei einer 
tiefer greifenden Störung der gesammten Wassercirculation grössere 
Mengen schwefliger Säure aus der Luft aufgenommen. Der Letz- 
tere dagegen war anscheinend äusserlich gesund, zeigte indessen 
eine merkliche Depression der Verdunstung und hatte ebenfalls, 
wenn auch geringere Mengen des Gases absorbirt. 

Die genannten äusseren Bedingungen, welche in dieser Weise 
zunächst in ihrer Gesammtwirkung beobachtet wurden, sollten 
nun durch eine Reihe von Versuchen einzeln mit einander ver- 
glichen werden. Wir theilen nun zuerst die Ergebnisse mit, 
welche wir bei Räucherungen im Licht und im Finstern erhielten : 

1. Versuch. 

Zwei Fichtefibäumclien, welche bereits im Herbste 1S71 aus dem freien 
Lande in Töpfe ausgesetzt waren und hier ein vollkommen gesundes , nor- 
males Wachsthum zeigten, wurden zu gleicher Zeit der Einwirkung der 
schwefligen Säure ausgesetzt. 

Die Bäumchen waren 25 — 2(3 Ctm. hoch und hatten Triebe in der Länge 
von 5 — 6 Ctm. 

Die beiden Fichten kamen am 18. Juni unter zwei vollkommen gleiche 
Glasgehäuse, von denen jedes 162,4 Liter Inhalt hatte. In den Nachmittags- 
stunden von 5 — 7 Uhr wurde in den Letzteren durch Verbrennung 'Räuche- 
rung; von mit Alkohol verdünntem Schwefelkohlenstoff so viel schweflige 
Säure erzeugt, dass die Luft der Gehäuse ihrem Raiiminhalt nach ViOOOO 



451 



schädlichen Gases enthielt. Das Glasgehäuse mit dem Bäumchen A stand 
Avährend der zwei Stunden auf einemFenster des Laboratoriums und erhielt hier 
nur diffuses Licht. Das Gehäuse mit dem Bäumchen B wurde auf einen Tisch 
in eine anstossende Kammer gesetzt, welche durch Verhängen des Fensters 
vollkomman verfinstert war. Die Temperatur der Luft im Laboratorium und 
in der dunkelen Kammer war nahezu gleich, auch war für einen gleichen 
Feuchtigkeitsgrad der Erde in den Töpfen gesorgt. Die Nadeln der beiden 
Fichten wurden nicht befeuchtet. Nach Ablauf der zwei Stunden wurden 
die Glasgehäuse abgenommen und beide Töpfe neben einander auf das er- 
wähnte Laboratoriumsfenster gestellt. Es zeigte sich bei Beiden fürs Erste 
keine Einwirkung. 

Den 19. Juni. Vom vorhergehenden Tage ist noch keine Nachwirkung 
bemerkbar. Nachdem B mit dem Gehäuse von 7 Uhr 30 Min. bis 8 Uhr 
30 Min. früh in der dunkelen Kammer gestanden , wird bei beiden Bäum- 
chen, wie am Tage vorher, von 8 Uhr 30 Min. bis 9 Uhr 30 Min. früh eine 
Räucherung zu ViOOOO vorgenommen. A erhält während der Letzteren wieder 
nur diffuses Licht, die Intensität der Beleuchrung ist aber etwas stärker als 
beim ersten Versuche. Gleich nach der Einwirkung um 9 Uhr 30 Min. früh 
erscheinen beide Bäume noch gesund grün. B bleibt noch eine Stunde in 
der dunkelen Kammer, und darauf werden die Töpfe neben einander auf das 
Fenster gestellt, wo sie von nun an verbleiben und in den Vormittagsstun- 
den eine Zeit lang vom directen Sonnenlicht getroffen werden. 

Schon um 10 Uhr 30 Min. Vormittags, als B aus dem Dunkel ins Licht 
zurückgesetzt wird, zeigen sich bei A die ersten Spuren einer 
Schädigung. Die jungen Triebe beginnen fahl und heller grün zu wer- 
den. Um Y2I2 Uhr treten diese Symptome bei A noch deutlicher und ent- 
schiedener hervor, während B keinerlei Einwirkung zeigt. 

Den 20. Juni. Die Nadeln bei A, namentlich an den heurigen Trie- 
ben , haben eine mehr oder weniger gelbliche Färbung angenommen ; das 
ganze Bäumchen sieht sehr krank und angegriffen aus und scheint demnächst 
eingehen zu wollen. B hat sein gesundes Aussehen bewahrt und lässt in 
keinerlei "Weise eine Affection durch schweflige Säure erkennen. 

Im Laufe des Juli-Monates kränkelt das Bäumchen A weiter fort 
und stirbt zuletzt vollkommen ab, indem es vertrocknet und seine Nadeln 
verliert. Das Bäumchen B wächst dagegen freudig fort und zeigt auch spä- 
terhin keine Nachwirkungen der vorgenommenen Bäucherungen. 

Ganz in derselben Weise waren zwei weitere Versuche an- 
gelegt und ergaben beide ein dem ersten analoges Resultat. 
Unter Anwendung von V40000 der Gehäuseluft an schwefliger Säure 
wurden bei sonst gleichen Verhältnissen im diiGPusen Licht au 
einem Fichtenbäumchen Krankheitserscheinungen sichtbar, wäh- 
rend ein anderes Bäumchen im Finstern geräuchert gesund bleibt. 

29* 



452 



Von zwei Feldahornbäumchen die mit Vioooo Gases be- 
handelt werden, geht das in directem Lichte geräucherte z. Thl. 
ein — das andere im Dunkeln geräucherte bleibt fast ganz un- 
versehrt. 

Aus diesen Versuchen geht mit Bestimmtheit hervor, dass 
das Licht die schädlichen Wirkungen der schwef- 
ligen Säure in hohem Grade unterstützt. Es wird hier- 
durch der Schluss, den wir bereits; früher gezogen, dass die 
schweflige Säure bei Tage auf die Pflanzen schädlicher wirkt 
als zur Nachtzeit, von Neuem bestätigt. Ebenso können wir als 
wahrscheinlich annehmen, dass die Schädigung am Morgen und 
am Abend geringer sein wird, als um Mittagszeit, dass sie bei 
diffusem Licht kleiner sein muss als bei directem Licht und 
überhaupt mit der Intensität der Beleuchtung zunehmen wird. 
Unter sonst gleichen Verhältnissen müssen Eauchentwickelungen 
um Mittagszeit den Pflanzen am gefährlichsten werden, in den 
Nachtstunden dagegen die geringste Wirkung ausüben. 

III. Einwirkung der schwefligen Säure bei verschiedenen 

Feuchtigkeitsverhältnissen. 

Die praktische Erfahrung hat in den Kauchgegenden gezeigt, 
dass die Pflanzen eine verschiedene Empfindlichkeit gegen den 
Rauch aufweisen, je nachdem ihre Blattorgane feucht oder trocken 
sind. Das Wasser soll hiernach die Einwirkung des Rauches 
begünstigen, und der Letztere schädlicher wirken, wenn Thau 
oder Regentropfen auf den Blättern liegen, als wenn diese trocken 
sind. Es wurden Versuche mit Fichtenbäumchen angestellt, um 
diese Sätze einer Prüfung zu unterziehen. 

Zwei in Töpfen befindliche Fichtenbäumchen waren bei 
jedem Versuch unter zwei gleich grossen Glasgehäusen der Ein- 
wirkung der schwefligen Säure ausgesetzt. Temperatur- und 
Beleuchtungsverhältnisse waren in beiden Fällen immer gleich. 
Vor jeder Räucherung wurde der eine Topf stark begossen und 
das Bäumchen selbst mit Wasser besprengt, so dass das Letztere 
in Tropfen, wie Thau, an den Nadeln hing. Der zweite Topf 
v/Lirde nicht begossen und die Nadeln des Bäumchens blieben 



453 



trocken. Nach jeder Räucherung wurden die Glasgeh äuse abge- 
hoben und die beiden Töpfe neben einander auf das Fenster des 
Laboratoriums gestellt. 

Als Beispiel für die Art und Weise des Verlaufes dieser 
Versuche theilen wir den ersten mit den zugehörigen Zahlen- 
details mit: 

Versuch bei Anwendung von Vsoooo schwefliger Säure. 

A. Fichtenbäumchen trocken geräuchert. 

B. Fichtenbäumchen geräuchert nach vorhergegangenem Giessen und 
Sprengen mit Wasser. 

Alle Räucherungen verliefen bei diflfusem Licht. 

29. Juli. 10—11 Uhr Vormittags: erste Käucherung. 

29. Juli. 2 U. 30—3 U. 30 Nachmittags: zweite Räucherung. 

30. Juli. 8 U. 15 — 9 U. 15 Vormittags: dritte Räucherung. 

31. Juli. 10 U. 40 — 11 U. 40 Vormittags : vierte Räucherung. 
31. Juli, 12 — 1 ü. Mittags: fünfte Räucherung. 

31. Juli. 3 U. 40 — 4 U. 40 Nachmittags: sechste Räucherung. 
1. August: Die erste Einwirkung macht sich bemerkbar 
und ist ein deutlicher Unterschied im Aussehn beider Bäum- 
chen sichtbar. A ist im Allgemeinen gesund und normal grün, nur ganz 
vereinzelt erscheinen einige Nadeln lädirt. B hat im Ganzen einen entschie- 
den gelblichen Ton angenommen, besonders die Triebe sind mehr oder we- 
niger fahlgrün. 

An demselben Tage, von 9 U. 35 — 10 U. 35 Vormittags, wird die sie- 
bente Räucherung vorgenommen. Nach derselben kommen beide Bäumchen 
auf ein Fenster ins directe Sonnenlicht, wo der Unterschied ihres Aussehens 
in einigen Stunden noch bedeutend verstärkt wird. 

Den 2. August: Die Triebe bei B sind fast ganz abgestorben und die 
Nadeln trocken, während A sein gesundes Aussehn bewahrt. 

Den 3. August: Auch bei A zeigt sich eine geringe Einwirkung, indem 
die ganze Pflanze ihr Aussehen merklich verschlechtert, immerhin ist aber 
ein sehr bedeutender Unterschied im Gegensatz zum Bäumchen B, welches 
jetzt fast ganz abgestorben erscheint. 

Weitere Versuche wurden angestellt unter Anwendung von 
Vtoooo, Veoooo. Vsoooo und V30000 schwefliger Säure. Das Resultat 
war stets, dass die trocken geräucherten Bäumchen entweder 
gesund blieben oder nur sehr wenig afficirt erschienen, während 
die nach vorhergehendem Besprengen geräucherten Fichten z. Thl. 
eingingen; z. Th. sehr starke Krankheitssymptome aufwiesen. 



454 

Die Feuchtigkeit begünstigte die schäcili che Ein- 
wirkung der schwefligen Säure. Waren der Boden und 
die Nadeln der Versuchspflanzen trocken, so konnten diese mehr 
von dem giftigen Gase vertragen, als wenn ein Sprengen und 
G-iessen mit Wasser vorhergegangen war. Hiernach ist die prak- 
tische Erfahrung, dass der Rauch • den Pflanzen mehr schadet, 
wenn Regentropfen oder Thau auf ihnen liegt , wie wenn die 
Blattorgane trocken sind, als vollkommen begründet zu betrachten. 

Es unterliegt kaum einem Zweifel, dass auch die Wärme, 
ebenso wie Licht und auf den Pflanzen befindliches Wasser die 
schädlichen Einwirkungen beschleunigen und unterstützen wird. 
Die Versuche, die indessen nach dieser Richtung hin bis jetzt 
angestellt wurden, haben noch nicht zu einem so bestimmten 
Resultate geführt, dass wir es unseren Lesern schon mitzutheilen 
vermöchten. 

Mit den bis jetzt gewonnenen Ergebnissen können wir nun 
eine Anzahl von Bedingungen näher bestimmen, unter denen die 
schädlichen Raucharten mit grösserem oder geringerem Nachtheil 
auf die umliegende Vegetation einwirken müssen. Der Schaden 
muss zur Nachtzeit immer geringer sein als bei Tage, und zwar 
wird sowohl bei Tage als zur Nachtzeit die Schädigung immer 
grösser sein , wenn Regenwetter ' der Einwirkung des Rauches 
vorher geht. Nach starkem Thau muss der Rauch nachtheiliger 
wirken, als wenn wenig Thau vorhanden ist. Am allerstärksten 
wird die Schädigung sein, wenn Licht, Feuchtigkeit und Wärme 
die Einwirkung des Rauches unterstützen, also zur Mittagszeit 
nach stattgehabtem Regen , während der Schaden in kühlen, 
trockenen Nächten am kleinsten sich herausstellen wird. 

IT. Einwirkung gleicher Mengen SO2 und SO3. 

Wenn die schweflige Säure, die sich so leicht oxydirt, von 
den Blattorganeu aufgenommen wird, so kann man schliessen, 
dass sie auch hier im Organismus der Pflanzen durch Sauer- 
stoffaufnahme nach längerer oder kürzerer Zeit in Schwefelsäure 
übergehen wird. Ist es nun die auf diese Art entstandene 
Schwefelsäure, welche die Giftwirkungen bedingt, oder müssen 



400 



die Letzteren den chemischen Eigenschaften der schwefligen Säure 
selbst zugeschrieben werden? Um diese Frage zu beantworten, 
wurden nach Art der früher beschriebenen Transpirationsversuche 
vergleichende Versuche mit Schwefelsäure und schwefliger Säure 
angestellt, indem die Aufnahme und Einwirkung gleicher (d. h. 
äquivalenter) Mengen beider Säuren unter gleichen äusseren Ver- 
hältnissen neben einander beobachtet wurde. Unter einem Glas- 
gehäuse stand ein Zweig eine Zeit lang unter Einwirkung einer 
bestimmten Menge schwefliger Säure. Unter einem zweiten, eben 
so grossen Gehäuse stand ebenso lange ein anderer Zweig, und 
wurden hier durch Abrauchen einer gewissen Menge concentrirter . 
Schwefelsäure, Dämpfe dieser Säure in der Luft verbreitet. Die 
Menge der concentrirten Säure wurde immer so genommen, dass 
sie der im anderen Gehäuse vorhandenen Quantität schwefliger 
Säure äquivalent war. Unter Einhaltung dieser Verhältnisse hatte 
man in dem einen Gehäuse eben so viel wasserfreie Schwefelsäure, 
wie man im anderen Gehäuse erhalten haben würde, wenn alle 
schweflige Säure durch Aufnahme von Sauerstoff in Schwefelsäure 
übergegangen wäre. Die bestimmte Menge der concentrirten 
Schwefelsäure (die ja immer nur ein paar Tropfen betrug) wurde 
in die Vertiefung des Deckels eines kleinen Platintiegels gebracht, 
und indem dieser im Glasgehäuse dann über die Flamme einer 
Spirituslampe gehalten wurde, verbreiteten sich die Dämpfe der 
Säure in ganz kurzer Zeit in der Gehäuseluft. Die schweflige 
Säure kam in concentrirter wässriger Lösung, in abgemessener 
Menge, in ein ganz kleines Kölbchen, durch dessen Kork ein 
kurzes Leitungsröhrchen ins Glasgehäuse führte. Durch Erwär- 
men des Kölbchens mittelst einer Spiritusflamme konnte alle 
schweflige Säure in Zeit von einigen Minuten leicht in Gasform 
ins Gehäuse übergeführt werden. 

1. Versuch mit Buchenzweigen. 

Zweig A zeigt den normalen Zustand; — B steht zuerst 
zwei Stunden lang in einer Luft die ^/leooo ihres Volums an 
SO2 enthält; — C dieselbe Zeit lang in einer Luft, in welcher 
die der schwefligen Säure äquivalente Menge Schwefelsäure ver- 
breitet war. Der ganze Versuch dauert von V2IO Uhr Morgens 



456 



den 4. Juni bis Y2II Uhr Vormittags den 5. Mit Ausnahme der 
letzten 3 Stunden erhielten die Zweige nur diffuses Licht. B 
zeigt eine schwache Nervaturzeichnung, C ist dagegen wie A 
am Ende des Versuches vollkommen gesund und normal grün. 
Die Blattfläche betrug bei: 

A = 1436, bei B = 1439 und bei C = 1535 UQmA) 

A. B. C. 

Frischgewicht vor dem Versuche 24,15 25,95 26,90 

» nach » « 25,10 27,00 27J5 

Gewichtszunahme — 0,95 1,05 0,85 

Wasser in Summa verdunstet 66,50 26,50 61,25 

Im Zweige vorhanden gewesenes Wasser verdunstet . 0,00 0,00 0,00 

1000 □ Centimeter verdunsten aufgenommenes Wasser 46,31 18,42 39,90 

Verhältniss = 2,5 : 1 : 2,2 

Wie man aus diesen Zahlen ersieht, haben die Schwefel- 
säuredämpfe in der angewandten Menge fast gar keine Herab- 
setzung der Verdunstung hervorgebracht, und war auch äusser- 
lich dem Zweige C Nichts anzusehen gewesen. Die äquivalente 
Menge schwefliger Saure dagegen hat nicht nur wahrnehmbar 
Krankheitserscheinungen, sondern auch eine Depression der Ver- 
dunstung von 2,5 auf 1 bewirkt. 

# 

2. Versuch mit Buchenzweigen. 

Die Menge der schwefligen Säure wurde gesteigert. Zweig B befand sich 
am Anfang des Versuches 2 Stunden lang in einer Luft , die V5333 i^^^^ 
Rauminhaltes an 80-2 enthielt. C erhielt dieselbe Zeit hindurch die äquiva- 
lente Schwefelsäuremenge. 

A zeigt das normale Verhalten. Dauer des Versuches von 
V2IO Uhr Vormittags den 6. Juni bis Uhr Vormittags 

den 8. Mit Ausnahme einiger Stunden erhalten die Zweige 
meist diffuses Licht. 

A ist beim Schluss normal und gesund: — C zeigt keine 
Einwirkung. Bei B zeigte sich zuerst starke Nervaturzeichnung, 
die zuletzt verschwindet, indem die Blätter fleckig uu d missfar- 
big werden. 



1) Oder die doppelten Zahlen für beide Seiten. 



457 



Die Blattflächen betrugen beim Zweige 

A = 1809, B = 1448 und C = 1532 DCm. 



A. B. C. 

Frischgewicht vor dem Versuche 29,25 27,35 27,60 

nach » « 28,55 27,35 26,80 

Gewichtsabnahme = 0,70 0,00 0,80 

Wasser in Summa verdunstet 56,95 24,25 49,60 

Im Zweige vorhanden gewesenes Wasser verdunstet . 0,70 0,00 0,S0 

Aufgenommenes Wasser verdunstet 56,25 24,25 48,80 

Berechnet auf 1000 DCm 31,09 16,75 31,85 



Verhältniss = 1,86 : 1 : 1,90 

Dieser Versuch führt zu demselben Ergebniss, wie der erste. 

Bei den folgenden zwei Versuchen wurde die Menge der 
einwirkenden Säuren bis auf i/iooo Raumtheil der Gehäuseluft 
gesteigert und nach Abschluss der Beobachtungen in den Aschen 
der Blätter und Nadeln die Schwefelsäuremenge bestimmt. 

3. Versuch mit Buchenzweigen. 

Dauer der Exposition = 2 Stunden. Dauer des ganzen Versuches vom 
9. Juni 11h Vormittag bis den 11. Juni um 9^^ Vormittag. Bezeichnung der 
Zweige wie bei Versuch 1 und 2. Oberfläche der Blätter bei A = 2791, 
B = 2389 und bei C = 2118 DCm. Stets diffuses Licht. 

A bis zuletzt normal. B: schon nach einigen Stunden tritt 
die Nervaturzeichnung sehr deutlich hervor und verbleibt bis zu 
Ende des Versuches. Auch C zeigt eine Einwirkung deutlich, 
— es entsteht (aber später als bei auf einigen Blättern eine 
Zeichnung, die der bei B vollkommen ähnlich aber schwächer 
ist und auf den meisten Blättern ganz fehlt. 

A. B. c. 

Frischgewicht vor dem Versuche 52,20 39,90 38,45 

» nach )) » 54,35 42,70 40,30 

Gewichtszunahme = 2,15 2,80 1,85 

Aufgenommenes Wasser in Summa verdunstet . . . 167,50 34,80 53,20 

Berechnet auf 1000 DCm 60,02 14,56 25,12 

Verhältniss = 4,17 : 1 : 1,72 

Die Schwefelsäurebestimmungen in der früher angegebe- 
nen Weise ausgeführt, ergaben folgendes Resultat: 

1) Landw. Versuchs-Stat. Bd. XV. S. 323. 



,458 



.100 Thl. Trockensubstanz der Buchenblätter enthalten Schwefelsäure 
0,2376 1,0475 1,0418 

100 : 441 : 438 

4. Versuch mit Tannenzweigen. 

Expositionsdauer = 2 Stunden. Yersuchsdauer vom 26. Juni 4^ 15-'^ 
Nachmittag bis 10^ SO^" Vormittag den 29. Juni. Bezeichnung der Zweige 
wie bisher. Nadelfxächen bei A = 3978, bei B = 4249 u. bei C = 4028 
□ Cm. Exposition bei diffusem Licht; — später z. Thl. directes Licht. 

Am 27. Vormittags sind viele Nadeln bei B gebräunt; das 
krankhafte Aussehn steigert sich besonders durch vorübergehende 
Einwirkung directen Sonnenlichtes ; beim Schluss des Yersuches 
beginnen die Nadeln z. Thl. abzufallen. Bei C wird erst am 
28. Morgens eine geringe krankhafte Bräunung einiger Nadeln 
beobachtet ; — diese Symptome sind bis zu Ende des Versuches 
nicht im Entferntesten mit der bei B stattgehabten Einwirkung 



zu vergleichen. 

A. B. c. 

Frischgewicht vor dem "Versuche 152,55 153,95 143,95 

» nach « » ......... 152,50 127,95 141,70 

Gewichtsabnahme = 0,05 26,00 2,25 

Wasser in Summa verdunstet 33,45 45,75 34,35 

Im Zweige vorhanden gewesenes Wasser verdunstet 0,05 26,00 2,25 

Wasser aiifgenommen und verdunstet 33,40 19,75 32,10 

Berechnet auf 1000 DCm ' 8,40 4,65 7,97 

Yerhältniss = 1,81 : 1 : 1,71 

1,05 1 

100 Thl. Trockensubstanz der Tannennadeln enthalten Schw'efelsäure 
A. B. C. 

0,1905 0,2791 0,2739 

100 147 144 



Als hauptsächlichstes Resultat ergiebt sich aus den vor- 
stehenden Versuchen, dass die Schwefelsäure schwächer einwirkt 
und geringere Schädigungen hervorbringt, als die äquivalente 
Menge schwefliger Säure. Bei Versuch 1 und 2 hat die Schwe- 
felsäure gar nicht gewirkt. Beim Versuch 3 bei gesteigerter 
Menge wirkt sie schwächer, als die schweflige Säure, sowohl 
bezüglich der äusserlich wahrnehmbaren Krankheitserscheinungen 
als auch in der Herabsetzung der Verdunstung. Die äusseren 



459 



Symptome sind bei der Schwefelsäurewirkung ähnlich wie bei 
Einwirkung der schwefligen. Beim Versuch 4 ist durch Schwe- 
felsäure wohl eine geringe Bräunung der Tannennadeln hervor- 
gebracht ; eine Depression der Verdunstung fand aber nicht statt, 
während die schweflige Säure tiefgreifende Störungen der Wasser- 
circulation hervorbrachte. 

Interessant ist der Umstand, dass sowohl in Versuch 3 als 
4 der Schwefelsäuregehalt der Trockensubstanz der Blätter und 
Nadeln durch SO2 und SO3 fast ganz gleich gesteigert erscheint. 
Die eingetretene Schädigung ist also diesem Mehrgehalt keines- 
wegs proportional und es erscheint nicht gleichgültig, ob der 
Zuwachs der Schwefelsäure in den Blattorganen durch Schwe- 
felsäure selbst oder durch schweflige Säure bedingt ist. Die 
Pflanzen leiden in letzterem Falle mehr. Man kann daher die 
Giftwirkungen der SO2 nicht oder doch nur z. Thl. daraus er- 
klären, dass Veranlassung gegeben ist zur Bildung eines den 
Pflanzen schädlichen üebermasses an SO3. 

V. Räucherungsversuche mit Laulbhölzern und mit der 

gemeinen Kiefer. 

Die nachfolgenden Versuche hatten den Zweck, die Wider- 
standsfähigkeit einer Anzahl von Laubhölzern und der Kiefer 
mit einander zu vergleichen, indem es sich darum handelte, 
diejenigen Arten herauszufinden, welche am Besten die Einwir- 
kungen der SO2 überdauern, und welche daher eventuell bei 
grösseren Culturversuchen in Rauchgegenden in erster Linie zu 
beachten sein würden. Ehe wir auf die Darstellung dieser 
Versuche genauer eingehen, sei uns erlaubt, ein paar aus den 
früheren Mittheilungen sich ergebende Gesichtspunkte zuerst her- 
vorzuheben. 

Wir haben gesehen, dass die äusseren Verhältnisse, unter 
denen die Einwirkung der SO2 verläuft, von allergrösster Be- 
deutung sind ; dass das Licht, die Feuchtigkeit, und aller Wahr- 
scheinlichkeit nach auch die Wärme den schädlichen Einfluss 
mehr oder weniger befördern. Soll daher durch Räucherungen 
entschieden werden, ob eine Pflanze widerstandsfähiger als die 



460 



andere ist, so müssen die äusseren Verhältnisse bei allen Ver- 
suchen möglichst gleich gemacht werden, weil die Resultate der- 
selben sonst mit einander nicht vergleichbar sein können. Man 
wird z. B. bei directem Sonnenlichte geringere Mengen SO^ 
berechnen, um denselben Erfolg zu erzielen, als bei diffusem 
Lichte, oder man wird bei gleichen Mengen schwefliger Säure 
im ersteren Falle stärkere Einwirkung beobachten, als in letz- 
terem. Hieraus erklären sich dann auch die sich scheinbar wider- 
sprechenden Resultate in Bezug auf die Anzahl von Räucherun- 
gen, welche eine Holzart bei Anwendung einer gewissen Menge 
von SO2 zu ertragen im Stande ist. Bei unseren Versuchen 
z. B., die unter den für die Pflanzen ungünstigsten Bedingungen 
angestellt wurden (bei Gegenwart von directem Sonnenlichte und 
nach vorhergegangenem Sprengen mit Wasser), ist im Gegen- 
satz zu den früheren von A. Stöckhardt mitgetheilten Ver- 
suchen durchgängig die Anzahl der Räucherungen eine sehr viel 
geringere. — Es kommt hierbei weiter aber auch die Indivi- 
dualität der betreffenden Versuchspflanze selbst mit in Betracht. 
Der Fehler, welcher dadurch entsteht, dass das eine Individuum 
widerstandsfähiger ist, das andere aber geringere Resistenz zeigt, 
kann natürlich nur durch eine grössere Reihe von Versuchen 
ausgeglichen werden. 

1. Versuch. 

Angewendete Menge SO.2 = Vioooo Raumtheil der Gehäuseluft. 

Alle zu diesem und den folgenden Versuchen verwendeten 
Laubhölzer- ^ und Kiefernbäumchen standen im freien Lande in 
einem Garten in der Nähe des Laboratoriums. Die Räucherun- 
gen sind stets in der Art ausgeführt , dass in den verwendeten 
Glasgehäusen, welche über die Bäumchen gestellt wurden, eine 
abgemessene Menge mit Alkohol verdünnten Schwefelkohlenstoffes 
verbrannt wurde. Um den Versuch möglichst schnell unter den 
gleichen äusseren Witterungs Verhältnissen zu Ende zu führen, 
war die Einwirkungszeit immer zu einer Stunde genommen, 
so dass man bei gleichzeitiger Anwendung von drei Glasgehäu- 
sen an einem Vormittage in etwa vier Stunden bequem 12 Räuche- 
rungen zu Ende bringen konnte. Der Platz, wo die Bäumchen 



461 



standen, bekam in den Vormittagsstunden directes Sonnenlicht, 
und wurden zu den Räucherungen nur solche Tage gewählt, wo 
der Himmel vollkommen klar und unbewölkt war. Vor jeder 
Räucherung wurden die betreffenden Bäumchen begossen und die 
Blätter resp. Nadeln mit der Brause einer Gieskanne besprengt, 
so dass sie vollkommen benetzt erschienen. Unter diesen Ver- 
hältnissen wirkte die schweflige Säure unter Bedingungen, welche 
ihren Einfluss nach allen Richtungen unterstützten, bei Gegen- 
wart von directem Lichte, Wärme und Feuchtigkeit. 

Die ersten Räucherungen wurden am 21. Juni in den Vor- 
mittagsstunden von 8 — 12 Uhr mit folgenden Pflanzen vorge- 
nommen: Weisserle, Birke, Esche, Hainbuche, Roth- 
buche, Eiche, Goldregen, Spitzahorn, Feldahorn und 
K iefer. 

Die erste Einwirkung ist eine sehr starke, und die Blatt- 
organe aller Pflanzen sind mehr oder weniger vernichtet. 

Am Nachmittag desselben Tages, am 21. Juni, zeigen die 
Bäumchen im Einzelnen folgendes Verhalten: 

Weisserle, Birke, Esche. Die Blätter sehen alle wie verwelkt aus ; 
bei der Erle haben sie eine gelbbraune, fahle Färbung, während sie bei Birke 
und Esche wie gewöhnliches trockenes Laub erscheinen. Bei allen dreien 
haben die Blätter ihre Steifheit verloren und sind zum Theil gewelkt und 
vielfach gekrümmt. 

Hainbuche und Rothbuche. Die Blätter sind steif, zeigen keine 
Krümmungen, haben aber fast durchgehend eine braune bis intensiv roth- 
braune Färbung angenommen. 

Eiche. Die Blätter sind steif und sehen gleich am Anfang nach der 
Einwirkung wie stark mit Chausseestaub bedeckt aus. Später treten aber 
mehr einzelne missfarbige Stellen hervor , so dass sie im Allgemeinen mehr 
fleckig und gesprenkelt erscheinen. 

Goldregen. Die Blätter sind ganz matt und schlaff unä. haben eine 
hellgelbe bis weisse Färbung angenommen. 

Feldahorn und Spitzahorn. Alle Blätter mehr oder weniger gelb- 
lich und fahl. Keine Krümmungen. 

Kiefer. Jüngere Nadeln ganz hellgelb gefärbt, die älteren ebenfalls 
stellenweise von gelblicher oder bräunlicher Färbung. 

Am 24. Juni ist das Aussehen der gesammten Bäumchen 
wenig verändert. Die abgestorbenen Blätter der Laubhölzer 
fallen im Laufe der Zeit allmälig ab, und es beginnt eine neue 



Belaubung sich einzustellen. Die Letztere ist indessen bei den 
einzelnen Bäumen in Bezug auf die Vollkommenheit des Ersatzes 
eine sehr verschiedene, so dass man bei einigen den stattge- 
habten Eingriff durch die Räucherung später fast gar nicht mehr 
wahrnimmt, während er bei anderen noch immer sehr deutlich 
hervortritt. 

Am 23. August zeigen die Bäumchen im Einzelnen folgen- 
des Verhalten: 

Weiss er le. Die alten Blätter sind ganz abgefallen und eine üppige, 
neue Belaubung ist an ihre Stelle getreten. Die neuen Blätter sind von nor- 
maler Grösse und frischem, gesundgrünem Aussehen. Neue Triebe bis 0,"^6 
Länge sind entstanden. 

Birke. Die alten Blätter sind abgefallen und eine neue, aber ziemlich 
spärliche Belaubung ist hervorgetreten. Die neu gebildeten Blättchen sind 
von nicht ganz normaler Grösse, aber im Allgemeinen meist gesundem Aus- 
sehen. Der Wiederersatz ist hier bei Weitem kein so vollkommener, wie 
bei der Erle. 

Esche. An Stelle der abgefallenen alten Blätter ist eine frische, ziem- 
lich reichliche, gesunde Belaubung getreten. Die neuen Blätter sind indessen 
nicht von ganz normaler Grösse. Der AViederersatz ist hier reichlicher und 
besser als bei der Birke. 

Hainbuche. Die alten Blätter sind abgefallen. Neue spärliche Blätt- 
chen von fast normaler Grösse sind gebildet. Der Wiederersatz ist etwa 
wie bei der Birke. 

Rothbuche. Die neue Belaubung ist sehr dürftig und spärlich, der 
Wiederersatz entschieden schlechter, als bei Hainbuche und Birke. Die in 
geringer Anzahl vorhandenen neuen Blättchen sind im Durchschnitt von 
kaum halber normaler Grösse, z. Thl. hell, kränklich und von mattgrünem 
Aussehen. 

Eiche. Reichlicher Wiederersatz der abgestorbenen alten Belaubung. 
Die neuen Blätter sind von normaler Grösse und gesundem , grünem Aus- 
sehen. 

Goldregen. Das Bäumchen ist abgestorben, und hat so gut wie gar 
kein Ersatz stattgefunden. Nur an der Basis des Stammes sind einige neue 
kleine Blättchen entstanden. 

Spitzahorn. Eine neue Belaubung ist in reichlicher Menge entstan- 
den. Die gebildeten Blätter sind normal gross und von vollkommen gesun- 
dem Aussehen. 

Feldahorn. Der Wiederersatz ist im Allgemeinen noch reichlicher 
und besser als bei dem Spitzahorn. Die neuen Blätter sind in jeder Be- 
ziehung normal. 

Kiefer. Alle Nadeln von der Spitze aus gerechnet bis zur Hälfte ihrer 
Länge ganz todt und vertrocknet, während die Basis grün ist. 



463 



Durch die Räucherung mit ^/loooo bei Gegenwart von 
Licht, Wärme und Feuchtigkeit ist die Belaubung aller Ver- 
suchsbäumchen zu Grunde gerichtet. Die Stärke und Nachhal- 
tigkeit dieses Eingriffes lässt sich hier nur an der Fähigkeit 
messen, welche den einzelnen Bäumen in Bezug auf den Wieder- 
ersatz zukommt. Aus dem vorliegenden Versuche würde sich 
etwa folgende Eintheilung ergeben: 

Mehr oder weniger vollkommene i Weisserle , Feldahoni , Spitz- 
Reproduction: i ahorn, Eiche, Esche. 

Mittelmässige Reproduction: Birke, Hainbuche. 

Sehr dürftige oder keine Repro 
duction : 



Rothbuche, Goldregen, Kiefer. 



2. Versuch. 

Angewendete Menge 80-2 = V20000 Gehäuseluft. 

Einmalige Räucherungen am 22. Juni in derselben Weise 
angestellt und mit denselben Arten wie bei Versuch 1 . Ist auch 
die erste Einwirkung nicht so stark wie beim Versuch 1 , so ver- 
schlechtern die Bäumchen im Laufe einiger Tage ihr Aussehn 
doch so sehr^ dass am 24. Juni ein Zustand eintritt, in dem sie 
fast ganz den Bäumchen des ersten Versuches gleichen. Das 
Laub geht wie dort grossentheils ein und wird bis Ende August 
in grösserer oder geringerer Menge wiederersetzt. Dieser Ver- 
such gestaltet sich daher wesentlich wie eine Wiederholung des 
ersten. Mit Ausnahme des Goldregen (welcher bei 1. keinen 
Wiederersatz, hier dagegen einen reichlichen zeigt) sind die 
Reproductionen ganz in derselben Stufenfolge eingetreten, so 
dass die Eintheilung der Bäumchen nach der Fähigkeit des 
Wiederersatzes der Belaubung hier wie dort gilt. 



Bei den nun folgenden Versuchen bei verminderter Menge 
der SO2 wird durch einmalige Räucherung ein totales Absterben 
der Belaubung nicht mehr erreicht. Es wurden daher diejenigen 
Bäumchen, die bei einer Räucherung gar nicht oder sehr schwach 
afficirt erschienen, einer weiteren Behandlung unterworfen bis 
der Erfolg sich deutlich zeigte — diejenigen Bäumchen dagegen. 



464 



die entschieden und stark angegriffen waren, bei der folgenden 
Räucherung weggelassen. Auf diese Art fielen zuerst die empfind- 
lichsten Arten aus, und wurden die Räucherungen dann fortge- 
setzt, bis eine Einwirkung auch bei den widerstandsfähigsten 
sichtbar ward. 

3. Versuch. 

Angewendete Menge SO2 = V30000 Gehäuseluft. 

Nach der ersten Räucherung zeigen die stärkste Einwir- 
kung: Rothbuche, Eiche und Kiefer; eine mittlere Empfindlich- 
keit der Blattorgane : Hainbuche , Birke , Weisserle und Spitz- 
ahorn. Zwei weitere Räucherungen mit den hier fast gar nicht 
angegriffenen Bäumchen : Esche , Goldregen und Feldahorn an- 
gestellt zeigen, dass unter diesen dreien erstere am empfind- 
lichsten, letzterer am resistentesten ist. 

4. Versuch. 

Angewendete Menge SO2 = V40000 Gehäuseluft. 

Als Resultat dreier Räucherungen ergiebt sich folgende Stu- 
fenfolge der Blattempfindlichkeit : 

Stärkste Einwirkung: Rothbuche, Eiche. Mittlere 
Einwirkung: Birke, Spitzahorn. Geringste Einwirkung: 
Esche, Feldahorn. 

5. Versuch. 

Angewendete Menge SO2 = Vsoooo Gehäuseluft. 

Vier Räucherungen. 

Ordnet man die Bäume dieses Versuches nach ihrer Empfind- 
lichkeit, so erhält man zuerst die Rothbuche, dann die 
Eiche, Weisserle, Spitzahorn und zuletzt, als die 
resistentesten Bäume, Kiefer und Feldahorn. 

6. Versuch. 

Angewendete Menge SO2 = Vtoooo Gehäuseluft. 

Drei Räucherungen. Bei der ersten Räucherung standen die 
Bäumchen ausnahmsweise im Schatten. 



465 



Die Reihenfolge, die sich aus diesem Versuche ergiebig ist, 
begiunend mit der am wenigsten resistenten Rothbuche, folgende : 
Rothbuche, Eiche, Spitzahorn, Feldahorn und Kiefer. 

Ueberblicken wir nun die Reihe der besprochenen Versuche, 
so fällt es zunächst auf, dass die einzelnen Bäume nach zwei 
verschiedenen Richtungen hin ein ungleiches Verhalten zeigen. 
Einmal ist die Empfindlichkeit der Blattorgane gegen 
die schweflige Säure eine verschiedene, das andere Mal aber 
die Fähigkeit, den erlittenen Schaden durch Repro- 
duction der Belaubung wieder zu ersetzen. Die Eiche 
z. B. zeigt ihre Blätter sehr empfindlich, in der Fähigkeit der 
Reproduction tibertrifft sie aber andere Holzarten, deren Blätter 
beim ersten Eingriff viel resistenter sind, wie z. B. Birke und 
Hainbuche. Die Rothbuche vereinigt mit grosser Empfindlichkeit 
ihrer Blätter ein geringes Reproductionsvermögen, der Feldahorn 
dagegen zeigt seine Blätter unempfindlicher und ein bedeutendes 
Reproductionsvermögen. Die Blätter der Weisserle stehen in ihrer 
Empfindlichkeil etwa auf einer Stufe mit denen der Birke und 
Hainbuche; die Erle tibertrifft diese Bäume aber in ihrer Re- 
productionsfähigkeit um ein Bedeutendes. Will man nun den 
Gesammteffect beurtheilen, welcher bei längerer Einwirkung der 
schwefligen Säure in Rauchgegenden bei einer Holzart sich wahr- 
scheinlich äussern wird, so liegt es nahe, dass die beiden eben 
besprochenen Eigenschaften in gleicher Weise in Betracht ge- 
zogen werden mtissen. Diejenigen Holzarten, welche mit der 
geringsten Empfindlichkeit ihrer Blätter das grösste Reproduc- 
tionsvermögen vereinigen, werden im Ganzen ausdauernder und 
resistenter sein, als solche, deren Blätter empfindlicher sind, und 
deren Reproductionsvermögen ein geringeres ist. Bei gleicher 
Empfindlichkeit der Blätter werden die Arten mit grösserem Re- 
productionsvermögen vorzuziehen sein, und bei gleichem Repro- 
ductionsvermögen werden sich diejenigen Arten mehr empfehlen, 
deren Blätter die geringere Empfindlichkeit zeigen. 

Die beiden ersten Räucherungsversuche, bei denen die Blatt- 
organe der sämmtlichen Bäumchen eingegangen waren, zeigen, 
wie verschieden das Reproductionsvermögen sein kann. Wir 
haben nach dem tibereinstimmenden Resultate beider Reihen auf 



Landw. Versr.clis-Stat. XVI. 1S73. 



30 



466 



S. 255 versucht, die Versuchspflanzen nach dieser Richtung hin 
in drei Gruppen zu theilen. Was nun die Empfindlichkeit der 
Blattorgane anbetrifft, so haben bei den vier letzten Versuchs- 
reihen leider nicht immer die genügende Anzahl von Bäumchen 
zur Disposition gestanden, um die Räucherungen tiberall bei allen 
Arten durchzuführen, und wir müssen unsere Betrachtung daher 
an eine verhältnissmässig ungenügende Beobachtung knüpfen. 
Ebenso hat die Kiefer ein nicht ganz übereinstimmendes Resultat 
geliefert, indem sie, im Gegensatze zum Versuche 3, sich bei 
der 5. und 6. Reihe sehr unempfindlich zeigte. Wenn wir dem- 
nach die betreffenden Versuchsbäumchen auch nach der Empfind- 
lichkeit der Blattorgane in drei Gruppen eintheilen, so mag 
dieses nur als ein vorläufiger Versuch betrachtet werden, 
mit dem wir weiteren Beobachtungen keineswegs vorzugreifen 
beabsichtigen. Wir würden unter dieser Einschränkung nach 
den sechs Reihen die folgende Uebersicht erhalten: 





Die Repr 

mehr oder weni- 
ger vollkommen 


oductionsfähi 
mittelmässig 


gkeit ist : 
am geringsten 


Grösste 
Empfindlichkeit 
der Blattorgane 


Eiche 

! 




Roth buche. 
Kiefer (nach 
Versuch 3;. 


Mittlere 
Empfindlichkeit 
der Blattorgane 


Spitzahorn. 
Weisserle. 


Birke 
Hainbuche. 




Geringste 
Empfindlichkeit 
der Blattorgane. 


Feldah orn. 

Esche. 
Goldregen 
(nach Versuch 2) 




Kiefer (nach 
Versuch 5 u. 6) . 

Goldregen 
(nach Versuch 1). 



Die Eiche und Rothbuche würden nach dieser Eintheilung 
in Bezug auf die Resistenz die letzte Stelle unter den Laubhöl- 
zern einnehmen. Beide zeigen eine sehr grosse Empfindlichkeit 
der Blätter, die Eiche wird aber wegen ihres grösseren Repro- 
ductionsvermögens der Rothbuche vorzuziehen sein. Für diese 
beiden Bäume, auf welche in allen sechs Versuchsreihen Rück- 



467 

sieht genommen werden konnte, erscheint unser Resultat auch 
mit am gesichertsten. Dasselbe gilt fiir die beiden Ahornarten, 
welche die Rothbuche und Eiche in ihrer Resistenz weit tiber- 
treffen. Der Feldahorn nimmt unter den Versuchsbäumen die 
erste Stelle ein und wird dem Spitzahorn wiegen der geringeren 
Empfindlichkeit der Blätter noch vorzuziehen sein. Dem Feld- 
ahorn würde sich die Esche anschliessen und dann vielleicht der 
Goldregen, bei welchem indessen die beiden ersten Versuche 
nicht übereinstimmen. Birke und Hainbuche werden sowohl der 
Weisserle und dem Spitzahorn als auch dem Feldahorn und der 
Esche nachstehen, ob sie aber der Eiche vorzuziehen sind, lässt 
sich schwer entscheiden. Es wird sich, unserer Ansicht nach, 
überhaupt für eine Anzahl von Bäumen, selbst unter der Vor- 
aussetzung, dass eine Eintheilung, wie wir sie zu geben ver- 
suchten, vollkommen stichhaltig ist, doch nur sehr schwer eine 
fortlaufende Reihenfolge für die Widerstandsfähigkeit geben 
lassen. Immer wird es nämlich sehr schwierig bleiben, bei den- 
jenigen Hölzern, welche nicht in Bezug auf die eine der beiden 
Eigenschaften annähernd wenigstens in eine Kategorie fallen, zu 
entscheiden, welches Moment schliesslich den Ausschlag geben 
wird. Hier können natürlich nur länger fortgesetzte Beobach- 
tungen zum Ziele führen. 

Soll das Resultat unserer Räucherungsversuche mit Berück- 
sichtigung des am Eingange dieses Abschnittes bezeichneten 
Zweckes in Kürze zusammengefasst werden, so glauben wir 
dasselbe etwa in folgender Form ausdrücken zu können: Zu 
C ulturversuchen im Grossen in Rauchgegenden wür- 
den sich unter den Laubhölzern: Weisserle, Spitz- 
ahorn, Esche und besonders Feldahorn empfehlen, 
geringeren Erfolg in Aussicht stellen: Birke, Hain- 
buche und Eiche; am wenigsten dürfte die Rothbuche 
zu berücksichtigen sein. 

Die Kiefer hat sich bei den letzten Räucherungsversuchen 
in ihrem Verhalten nicht ganz gleich gezeigt. In der Versuchs- 
reihe 3, bei Anwendung von Vsoooo schloss sie sich in der 
Empfindlichkeit ihrer Nadeln der Eiche und Rothbuche an, 
während sie in den Reihen 5 und 6 bei V50000 Vtoooo ^^^2 

30* 



468 



sich dem am meisten resistenten Feldahorn gleich zeigte. Ob 
bei Anwendung verschiedener Mengen des schädlichen Gases ein 
solcher Unterschied wirklich begründet ist, möge fürs Erste da- 
hingestellt sein. In den beiden letzten Versuchsreihen 5 und 6 
stimmt das Verhalten der Kiefer überein mit den Ergebnissen, 
welche wir früher bei Tannenzweigen erhielten^ wo die Nadeln 
stets resistenter waren als Laubblätter. Ein Umstand, auf 
den wir hier indessen besonders aufmerksam machen 
wollen, ist das Verhalten der Kiefernbäumchen in 
der ersten und zweiten Versuchsreihe. Als hier nach 
Käucherung mit V20000 Vi 0000 SO2 die Beiaubung aller Laub- 
hölzer vernichtet war, und die Kiefemadeln ebenfalls sehr starke 
Spuren der stattgehabten Schädigung aufwiesen, Hess sich nicht 
entscheiden, welche der Holzarten hier als am meisten betroffen 
hingestellt werden sollte. Nach zwei Monaten aber hatte ein 
Theil der Laubhölzer sich mehr, ein anderer weniger vollkom- 
men durch Wiederersatz der Belaubung erholt, die Kiefern da- 
gegen bewahrten fast dasselbe kranke Aussehen wie am Anfang, 
und schlössen sich nun in dieser Beziehung denjenigen Laub- 
holzarten an, deren Reproduction die geringste gewesen war. 
In diesem Verhalten ist die Ursache, warum die Nadelhölzer 
nach allen praktischen Erfahrungen in Eauchgegenden mehr lei- 
den als die Laubhölzer, — wenn der Ausdruck erlaubt ist — 
gleichsam ad oculos demonstrirt. Die Empfindlichkeit der Blatt- 
organe tritt überhaupt bei den Nadelhölzern als leitender Ge- 
sichtspunkt des Vergleiches mit den Laubhölzern mehr als unter- 
geordnetes Moment in den Hintergrund, die geringe Reproduc- 
tion sfähigkeit giebt hier ganz vorherrschend den Ausschlag. 
Weil die Laubhölzer ein bedeutend stärkeres Re- 
productions vermögen besitzen, als die Nadelhölzer, 
so leiden die Letzteren in Rauchgegenden mehr, 
wenngleich die Nadeln sich bei den meisten dahin 
zielenden Versuchen gegen schweflige Säure wider- 
standsfähiger bewiesen, als Laubblätter. 



469 



Zusammenstellung der Resultate. 

1) Die Nervaturzeiclmung, welche früher bei Spitzahorn und 
Rothbuche beobachtet wurde, entsteht bei diesen Bäumen im 
freien Lande deswegen nicht, weil es meist an einer genügen- 
den Quantität Wasser fehlt. Hat die schweflige Säure auf die 
Blätter eingewirkt, so kann die Zeichnung hervorgebracht wer- 
den durch Zufuhr von Wasser. 

2) Es liegt in diesem Verhalten nach 1) der Beweis, dass 
die durch die schweflige Säure herabgesetzte Transspiration eines 
Blattes durch eine Stockung der normalen Wassercirculation zu 
Stande kommt. Die den Nerven anliegenden Theile des Ge- 
webes füllen sich übermässig mit Wasser und werden hellgrün 
durchscheinend, die den Nerven weiter abliegenden Theile ver- 
mögen aber kein Wasser aufzunehmen und erscheinen dunkler. 
Die Nervaturzeichnung erklärt sich also durch einen verschiede- 
nen Wassergehalt der bezeichneten Gewebetheile eines Blattes. 

3) Licht befördert die schädliche Einwirkung der schwefligen 
Säure, während Abwesenheit von Licht die Pflanzen zum Theil 
schützt. 

4) In Uebereinstimmung mit unseren frühei'en Resultaten 
können wir daher nach 3) voraussetzen, dass die Rauchschäden 
zur Nachtzeit immer geringer sein werden, als bei Tage. 

5) Wasser, welches sich auf den Blattorganen der Pflanzen 
befindet, unterstützt die Schädigungen, welche die schweflige 
Säure hervorbringt. Trockenheit der Blattorgane schützt die 
Pflanzen zum Theil. 

6) Nach 5 wird die praktische Erfahrung bestätigt, dass 
die Rauchschäden bei starkem Thau, während des Regens oder 
unmittelbar nachher, grösser sind, als ohne Thau oder Regen. 

7j Da das Licht und die Feuchtigkeit den Einfluss der 
schwefligen Säure verstärken, so müssen bei Versuchen, die 
dahin zielen, die Empfindlichkeit verschiedener Pflanzen bei 
gleichen Mengen des schädlichen Gases zu prüfen, diese Ver- 
hältnisse auch gleich gemacht werden, weil sonst die Resultate 
nicht vergleichbar sein können. 

8) Schwefelsäure, welche auf die Blattorgane der Pflanzen ge- 
langt, wirkt ebenfalls schädlich und bringt Erscheinungen hervor, 
welche den Giftwirkungen der schwefligen Säure ähnlich sind. 

9) Wirken äquivalente Mengen von Schwefelsäure und von 
schwefliger Säure auf die Blattorgane der Pflanzen, so wird der 
Schwefelsäuregehalt der Trockensubstanz bei Nadeln und Blättern 
durch beide fast in gleicher Weise erhöht. Die Giftwirkungen 
der schwefligen Säure sind dabei aber viel intensiver, als die- 



470 



j eiligen, welche durch die Schwefelsäure hervorgebracht werden. 
Die Schwefelsäure ist daher ein viel weniger schädlicher Stoff, 
als die schweflige Säure. 

10) Nach 9) steht daher zu vermuthen, dass die Giftwir- 
kungen der schwefligen Säure aller Wahrscheinlichkeit nach auch 
auf die chemischen Eigenschaften dieses Gases selbst zurückge- 
führt werden müssen. Sie können nicht, oder doch nur zum 
Theil, daraus erklärt werden, dass die schweflige Säure, nach- 
dem sie in die Blattorgane eingedrungen ist, dort zur Bildung 
eines den Pflanzen schädlichen Uebermasses von Schwefelsäure 
Veranlassung giebt. 

11) Soll bei einer Holzart die Widerstandsfähigkeit gegen 
länger andauernde Kauchwirkungen beurtheilt werden, so ist in 
Betracht zu ziehen : 1 . die Empfindlichkeit ihrer Blattorgane, 
und 2. ihre Fähigkeit, einen einmal erlittenen Schaden durch 
Eeproduction der Belaubuug wieder ausgleichen zu können. 

12) Nach 11) werden daher diejenigen Holzarten die wider- 
standsfähigsten sein, welche mit geringer Empfindlichkeit ihrer 
Blattorgane eine grosse Eeproduction sfähigkeit vereinigen. 

13) Zu Culturversuchen im Grossen würden sich nach un- 
seren Versuchen in Rauch gegenden Weisserle, Spitzahorn, 
Esche, und besonders F e 1 d a h o r n empfehlen ; geringeren Er- 
folg stellen Birke, Hainbuche und Eiche in Aussicht; am 
wenigsten dürfte die ßothbuche zu berücksichtigen sein. 

14) Der Grund, warum die sämmtlichen Nadelhölzer in 
Ranchgegenden mehr leiden, als die Laubhölzer, beurtheilt sich 
nach den unter 11) bezeichneten Gesichtspunkten. Die Nadeln 
haben sich nach allen unseren Versuchen meist viel unempfind- 
licher gezeigt, als die Laubblätter, trotzdem zeigen die Nadel- 
hölzer aber eine geringere Resistenz, weil bei ihnen die Fähig- 
keit der Reproduction eine verhältnissmässig sehr 
geringe ist. Die Richtigkeit dieses Satzes erhellt für die 
Kiefer sehr deutlich aus unseren beiden ersten Räucherungsver- 
suchen. 



Thätigkeitsberichte ans den landw. Versuchs- 
stationen. 

A-us dem »Bericht über die Wirksamkeit der Station "Weende 1871/2, erstattet 
von Prof. W. Henneberg in der Versammlung des Centrai-Ausschusses d. 

K. Landw. -Gesellsch. zu Celle.« 

In dem Laboratorium der Versuchs-Station sind 56 einge- 
sandte Gegenstände, nämlich 2 Futtermittel. 20 käufliche 



471 



Dünger, meistens Superphosphate, 11 Mergel, 5 Schlammabsätze 
und Fliisswässer und 18 Bodenarten^ zur quantitativen Analyse 
gelangt. Besondere Erwähnung verdient eine Suite von 18 Moor- 
und Untergrundsproben aus Ostfriesland, von der Königlichen 
Landdrostei Aurich eingesandt, um Anhaltspunkte für die Düngung 
zu gewinnen, welche auf verschiedenen zu Dammcultur- Versuchen 
bestimmten Parcellen am zweckmässigsten anzuwenden. Es hat 
sich durch die Untersuchung herausgestellt, dass zwar die Moor- 
erden in ihrem Gehalt an Pflenzennährstoffen hinter dem Cunrauer 
Drömiings-Moor (nach der Analyse von G. Kühn, Annal. der 
Landw. Wochenblatt 1871 S. 58) nicht unerheblich zurückstehen 
i0,5 — 1,4% Stickstoff gegen 2 — 3 im Cunrauer Moor; 0,3 — 
6,00/oKalk gegen 5-6%; 0,l-0,2o/, Kali gegen 0,2-0,3 % ; 
0,01—0,1 % Phosphorsäure gegen 0,1—0,2%), dass dagegen bei 
dem Untergrunde theilweise wenigstens das entgegengesetzte Ver- 
hältniss stattfindet (Pfarrdotation zu Blomberg- Neuschow : 0,06 — 
1,28% Kalk gegen 0,16%; 0,01— 0,10 o/o Kali gegen 0,02%; 
0,01 —0,05 % Phosphorsäure gegen 0,04 %)) . Jedenfalls sind da- 
nach auch auf den in Rede stehenden Moorstrecken Kali- und 
Phosphorsäure-Dünger ganz an ihrem Platze. 

Von den aus eigener Initiative unternommenen Arbeiten er- 
wähnt der Herr Referent zunächst: Untersuchungen über 
die Methoden zur Bestimmung der löslichen Phos- 
phorsäure in Superphosphaten. Die Resultate derselben 
sind für eine am 11. Febr. d. J. in Magdeburg zusammengetre- 
tene Gonferenz von Versuchsstations- und Handels-Chemikern 
verwerthet 1) . Man hat in Magdeburg ein gemeinsames Unter- 
suchungsverfahren der Superphosphate verabredet und damit, wie 
die Erfahrung gelehrt, das frühere häufige Vorkommen höchst un- 
angenehmer Differenzen so gut wie ganz beseitigt. 

Als Fortsetzung früherer Arbeiten ist ferner zu bezeichnen: 
eine Untersuchung der Futterrückstände von dem 
Diffusions- Verf ahren der Zuckerfabriken, der sog. 
Diffusionsschnitzel 2) . Der Gegenstand hat augenblicklich für die 
südlichen Landestheile Hannovers, insbesondere aber für das Göt- 
tingen'sche, ein nicht geringes Interesse, da an die älteren Fa- 
briken die Frage herantritt; ob sie, wie in Nordstemmen z. B. 
bereits geschehen, von dem bisherigen Verfahren zu dem Diffu- 
sions-Verfahren übergehen sollen, und da die im Bau begriffene 
erste Zuckerfabrik im Göttingen'schen, bei Nörten, auf Diffusion 
eingerichtet wird. — Die hauptsächlichsten Fragen, deren Be- 



0 Landw. Yers.-Stat. XVI, S. 233. 
2) Journ. f. Landw. 1871 S. 293. 



472 



antwortung erstrebt wurde, waren: Ij In welchem Verhältniss 
gehen die Rübenbestandtheile in die ungepressten und gepressten 
Schnitzel über? 2) Wie verhalten sich die gepressten und un- 
gepressten Schnitzel bei der Aufbewahrung in den Kuhlen? 

Das zusammengehörige von ein- und- derselben Rübenliefe- 
rung herstammende Material war von der Zuckerfabrik Wasser- 
leben bezogen. Zum Pressen der Schnitzel dient dort eine Klee- 
mann'sche Presse, deren Leistungen insofern zu wünschen übrig 
lassen, als der Wassergehalt der Schnitzel dadurch nicht genü- 
gend reducirt wird. Die vergohrenen Schnitzel waren 2 i/o Mo- 
nate eingekuhlt gewesen. Der procentische Gehalt an Trocken- 
substanz und Wasser betrug bei 

Trocken- Wasser 
Substanz wasfeer 

Rüben 19,9 80,1 Proc. 

Schnitzel, ungepresst, frisch 5,4 94, ti 

gepresst, frisch 6.S 93,2 

ungepresst, vergohren ... 8,0 92,0 

gepresst, vergohren .... 13,7 86,3 

Die vergohrenen gepressten Schnitzel hatten daher einen für 
alle Fütterungszwecke geeigneten Gehalt an Trockensubstanz (an- 
nähernd gleich dem guter Futterrüben) , die übrigen dagegen nicht. 

Von 100 Pfd. Trockensubstanz der Rüben gingen über in die 
frischen Schnitzel: ungepresst 27 Pfd., gepresst 26 Pfd.; von 
iOO Pfd. Pmteinsubstanz desgl. ungepresst 58 Pfd., gepresst 
57 Pfd. , in beiden Beziehungen hatte mithin das Pressen nur einen 
verhältnissmässig geringen Substanzverlust zur Folge gehabt. 

Durch das Einkuhlen verloren die Schnitzel Trockensubstanz 
und Proteinstoffe in dem Masse, dass von 100 Pfd. uusprüng- 
licher Trockensubstanz übrig blieben bei den ungepressten 
Schnitzeln 93, bei den gepressten 96 Pfd.; von 100 Pfd. ur- 
sprünglich vorhandenen Proteinstoff'en bei den ungepressten 
Schnitzeln 90, bei den gepressten 100 Pfd. Das Pressen hat 
daher auch für die Conservirung des Futterwerthes gute Dienste 
geleistet. 

Das Verhältniss zwischen Proteinstoffen und stickstofffreien 
Extractstoffen war bei den Rüben 1 : 17, bei den Schnitzeln: 

frisch vergoliren 
ungepresst . . . 1 : 5,0 1 : 5,7 

gepresüt .... 1 : 5,5 1 : 5,1 

gegen 1 : 10 bis 1 : 12 in den Pressrückständen und Centrifugen- 
rückständen nach den Angaben in der Wolff^schen Futtertabelle, 
mithin bei den Schnitzeln ein weit engeres, als bei diesen, was 
bekanntlich meistens erwünscht. 



473 



Zur Statistik des landw. Versucliswesens. 

*Die erste agricultur-chemische Versuchs-Station in Ungarn. 

In Verbindung mit der k. ung. höheren landwirthschaft- 
lichen Lehranstalt zu Ungarisch-Altenburg ist am 1. Juli 
1873 eine agricultur-chemische Versuchs-Station, die erste im 
Königreich Ungarn, errichtet worden. Die technische Leitung 
derselben ist Herrn Dr. R. Ulbricht, Prof. der Chemie und 
Technologie an genannter Lehranstalt, übertragen worden. Die 
Versuchs-Station zu Ungarisch-Altenburg wird sich in erster Li- 
nie mit wissenschaftlichen Untersuchungen und praktischen Ar- 
beiten auf dem Gebiete der landwirthschaftlich-technischen Neben- 
gewerbe beschäftigen. Einstweilen ist ein Assistent angestellt, 
dem jedoch von Ostern k. J. ab ein zweiter beigesellt werden 
wird. Die speciellere Organisation des Instituts erhellt aus fol- 
gendem 

Statut 

für die mit der k. ung. höheren landwirthschaftlichen Lehranstalt Ung.- 
Altenburg verbundene agricultur-chemische Versuchs-Station. 

§ 1. Der Zweck dieser Versuchs-Station — Hebung der 
Landwirthschaft — soll angestrebt werden : 

1) Durch Ausführung wissenschaftlicher Untersuchungen auf 
dem Gebiete der Bodenkunde, Düngerlehre, Pflanzen- und 
Thierproduction und der landwirthschaftlich-technischen 
Nebengewebe (Weinbereitung, Branntweinbrennerei, Braue- 
rei, Kalk- und Ziegelbrennerei, Zuckerfabrication u. s. w.) ; 

2) durch Untersuchungen in obiger Richtung mit vorwiegend 
praktischer Tendenz (Felddüngungs- und Fütterungsver- 
suche, praktische Arbeiten im Weinkeller und dem zur 
Akademie gehörigen Brennerei- und Brauereilaboratorium 
u. dgl. m.) ; 

3) durch Ueberwachung des Düngermarktes (Controle der Dün- 
gerhandlungen) und Analyse neuer Düngestoffe; 

4) durch Veröffentlichung der bei den Arbeiten der Station 
erzielten Resultate in gemeinverständlicher Weise; 

5) durch Ausführung von Honoraranalysen auf Verlangen von 
Privatpersonen oder Landwirth Schaftsvereinen gegen Ent- 
richtung von im unten mitgetheilten Tarife enthaltenen 
Gebühren — doch nur in so weit, als die sub 1 — 4 
genannten Untersuchungen und die vorhande- 
nen Arbeitskräfte es gestatten; 



474 



6) durch Heranbildung junger, in den Grundlehren der 
Chemie bereits bewanderter Männer zu selbststän- 
digen Agriculturchemikern, theils in ihrer Stellung als Vo- 
lontaire, theils als Assistenten an hiesiger Versuchs-Station. 
§ 2. Die Geschäfte der Versuchs-Station führt der Director 
der hiesigen Akademie als Vorstand der Station, der Professor für 
Chemie und Technologie als technischer Leiter und Schriftführer 
und der Rechnungsführer der Lehranstalt für die Geldgebahrung. 

§ 3. Die Seitens der Versuchs-Station bei ihren Unter- 
suchungen erzielten Ergebnisse werden zunächst in Form von 
Eiuzelberichten dem königl. ung. Ackerbauministerium unter- 
breitet, worauf die Veröffentlichung derselben in »Gazdasägi 
Lapok« und dem zum Pester Lloyd gehörigen »Wochenblatt für 
Land- und Forstwirthschaft« erfolgt. Nach Ablauf jeden Jahres 
wird das Wichtigste der Stationsarbeiten als Ganzes in einem 
gedruckten Jahresberichte veröffentlicht werden. 

Ung.- Altenburg, am 1. Juli 1873. 

Dr. Masch m. p. Prof. Dr. Ulbriclit m. p. 

Vorstand der Versuchs-Station. techn. Leiter der Versuchs-Station. 



Tarif der Yersuchs-Station zu Ung.-Altenburg. 



Nr. 




Taxe 
in fl. 


Einzusen- 
dende 1 
Quantität 


Art der 

Ver- 
packung 


1 

2 

3 

4 
5 

6 
7 

8 


A. Gesteine, Erdarten u. dgL 

Untersuchung der morphologischen Be- 
schaffenheit e. Erdart (sog. Schlämm- 
analysej incl. des Feuchtigkeitsge- 
haltes des lufttrockenen Bodens, des 
Glühverlustes und der in verdünn- 
ter Salzsäure löslichen Stoffe . . 

Vollständige Analyse einer Erdart 
(incl. Schlämmanalyse) oder eines Ge- 

Quantitative Bestimmung eines einzel- 
nen Bestand theiles (Lösliches oder 
Unlösliches, Kali, Kalk erde u. s. w.) . . 

B. Wasser. 

iBestimmung der fixen Bestandtheile 

Bestimmung der organischen Materien 
Bestimmung der durch Kochen aus- 
scheidbarenStoffe ^Kesselsteinbildnerl 
Bestimmung der nach dem Kochen ge- 
löst bleibenden Kalk- undMagne- 
sialsalze (z. Th. Kesselsteinbildner) . 


6 

10—15 
1-21/2 

1 

2 
2 

21/2 
3 


1 

! 

10 Pfund 

1 Pfd. bei Ge- 
steinen. 
10 Pfd. bei 
Erdarten 

wie bei 2 

1 Mass 

1 » 

1 » 

2 » 

1 2 >^ 


In gut gereinigten Im lufttrockenen Zustande 
und sorgfaltig ver- i,^ Säcke verpackt cin- 
schlossenen (Has- zusenden, 
naschen. 



475 




Vollständige Analyse (d. h. so weit sie 
für die Zwecke des Landwirthes erforder- 
lich ist) 

Bestimmung eines einzelnen Bestand- 
theiles 

C. Düngemittel. 

Bestimmung der Feuchtigkeit 

» desUnverbrennlichen . 

» des in Salzsäure Unlös- 
lichen 

» der Gesammtphosphor- 
säure 

» der lösl. Phosphorsäure 

» desGesammtstickstoffes 

» der Salpetersäure .... 

» desAramons 

» der Kalk- oder Talkerde 

» desKalis 

» der Schwefelsäure oder 
des Chlors 

D. Pflanzen- und TMerstolfe, 
Nahrungsmittel, Futterstoffe, 
Excrete. 

Bestimmung des Feuchtigkeitsgehal- 
tes in organischen Substanzen überhaupt 

Bestimmung des Saftgehaltes (in Trau- 
ben u. s. w.) , 

Bestimmung des Gesammtstickstoffes 
der Salpetersäure und des A m m o n s 

Bestimmung des Zuckergehaltes. . . . 

Directe Bestimmung des Stärkegehaltes 
in organischen Substanzen überhaupt . . 

Bestimmung des Fettgehaltes . . . . . 

Bestimmung anderer organischer Verbindun- 
gen, soweit dafür genügend genaue Me- 
thoden vorhanden sind 

Bestimmung des Aschengehaltes . . . 

Vollständige Aschenanalyse . . . . 

Bestimmung des Nähr- oder Futter Wer- 
th es (Feuchtigkeit, Proteinstoffe, Fett, 
Rohfaser, Asche , sonstige stickstofffreie 
Nährstoffe — mit gleichzeitiger Bestim- 
mung der Salpetersäure und des Ammons) 

Bestimmung der Gradhaltigkeit eines 
Viehsalz es 

Prüfung der Milch durch das Pikno- und 
Cremometer 

Vollständige Analyse von Milch, 
Rahm, Butter oder Käse 



20 
1-21/2 



1 

IV2 
11/2 

2V2 
21/2 

1 
1 



IV2 
21/2 

wie 
16—18 
2V2 

2V2 
2 

je nach 
Massgabe 
von Zeit 
u. Arbeit 



3 
12 



12 

2V2 
2 
10 



15 Mass 



5 )» 



.1-1 -4^ 

m 



00 



05 



03 



3 O 



2 Pfund in ver- 
J> siegelten Glas- 



gefässen 



1 Pfund 

5 » 



1 Pfund 
5 >) 



2 ). 

1 n 

1 Mass 

1 » 
resp. 1 Pfd. 



o 
IS 



w 

u 
a> 

o 

ö 

Ol 

o 
ü 
CO 



o 

03 

op 

faß 



O 
ö 

0) 



CO 

C 

o 



tu 
o 



476 




Taxe 
in fi. 



Einzusen- 
dende 
Quantität 



Art der 

Ver- 
packung 



E. Rohmaterialien und Producte 
der technisi3lien Gewerbe. 



Bestimmung der Trockensubstanz 
)) des Alkohols 

Gesammtsäure 
Weinsteins 



der 
des 
der 
des 
des 
des 



E ssigsäure 



«c-i *^ 
>^ ^ • 

C (ü • 



1^ Ol 



Vollständige 



obiger Stoffe 



Zuckers 
S tick st o f f s 
Gerb- und Färb 
Stoffs 
der A s c Ii e n m e n g e 
Analyse 

Mikroskopische Untersuchung obiger Stoffe 

Wird Zeichnung des Befun des verlangt: 

Kostproben unter Zuziehung von Fach- 
leuten erfolgen unentgeltlich 

Bestimmung der Ausbeute anMaisch- 
extract aus Getreide u. dgl. . . . 

Indirecte Stärkebestimmung in Kar- 
toffeln 

Bestimmung von Feuchtigkeit, Harz, 
Gerbstoff u. Unlöslichem im Hopfen 

Bestimmung des Saftgehaltes von Zucker- 
rüben 

Bestimmung des Gehaltes von Zuckerrü- 
ben, Rübensaft, Rohzucker und 
Raffinaden an Zucker, org. Nicht- 
zucker, Salzen und Feuchtigkeit 

Bestimmung des Zuckergehaltes in Me- 
lassen 

Bestimmung der Potascheausbeute aus 
Melasse 

Bestimmung des Gehaltes des Spodiums 
an kohlensaurem Kalk 

Bestimmung des Gehaltes des Spodiums 
an kohlensaurem Kalk und Gyps 

Bestimmung des Entf ärbu ngs ve rmö - 



gens des Spodiums 

Vollständige Spodiumuntersuchung . . . . 

Prüfung von Essig, Potasche, Soda 
u. dgl. auf ihren Gehalt an Essigsäure, 
kohlensaurem Kali und Natron . 

Thone, Kalke und Dolomite (siehe 
unter A) 

Bestimmung des reinen Weil haar es in 
der Schafwolle 

Gerbstoffbestimmung in Gerbma- 
terialien 



1-11/2 

IV2 
1 

IV2 

21/2 
2 

2 
3 

10—15 
1 

5 



2 

8 



2 j 

j 

5 
9 



00 

VI 



2 Mass 
V2 >» 



1/2 Mass 
2 Pfund 



c % % 

"55 fi 'S 

S fi s 

fi.fi 

fi fi ^ 

?i oC 

ce fi^ CO 

cc ^ S 

fi S 

Kl bo 



10 



In Blech- 
büchsen oder 
Stopfen- 
eläseru 



10 Pfd. Rüben bei Zucker iu 
1 Pfd. Zucker { verstopften 
u. dgl. ! Gläsern. 



1 Pfund 
1 

1 « 
1 



iVo! 
12 ' 



1 - 

1 ). 

1/2 Mass 
resp.V2Pfd- 



V2 Pfd. 
1—2 Pfd. 



477 



Bestimmungen für die Düngercontrole. 

1) Die Düngercontrole hat die Aufgabe, die verschiedenen im Hände 
vorkommenden Düngemittel auf ihren Gehalt an nutzbaren Pflanzennähr- 
^tofFen zu untersuchen, und hierdurch einerseits dem soliden Fabrikanten 
oder Händler den Absatz seiner Waare zu erleichtern, andererseits den Ab- 
nehmer vor Verfälschungen und üebertheuerung zu schützen. 

2) Zu diesem Zweck wird zwischen der Versuchs- Station einer- und 
dem Fabrikanten, resp. Händler andererseits ein nach folgendem allgemein 
gehaltenen Schema entworfener Vertrag abgeschlossen : 

§ 1. Herr N. N. gestattet den Chemikern der k. Station zu jeder be- 
liebigen Zeit freien Zutritt in seine Fabrik- und Lagerräume , sowie , dass 
dieselben sich jederzeit alle wünschenswerthe Einsicht in den gesammten 
Betrieb verschaffen, und beliebige Proben aus den Vorräthen u. s. w. ent- 
nehmen. 

§ 2. Diese Proben werden in der Versuchs-Station gewissenhaft und 
thunlichst bald untersucht, der Befund aber dem Herrn N. N. in Form eines 
beglaubigten Attestes sogleich nach beendeter Analyse mitgetheilt. 

§ 3. Dieses Attest muss im Verkaufsiocale zu Jedermanns Einsicht aus- 
gestellt bleiben, bis ein neues an dessen Stelle tritt. Ist die Waare tadelns- 
werth, so wird das Attest ausdrücklich besagen , ob sie dies ist in Folge : 
1) von zu grossem Feuchtigkeitsgehalte, 2) von fremdartigen Beimengungen, 
3) eines zu hohen, zu seinem wahren Dungwerthe ausser Verhältniss stehen- 
den Verkaufspreises. 

§ 4. Herr N. N. garantirt seinen Abnehmern einen mit den Analysen 
der Station im Einklang stehenden Procentgehalt seiner Waare an den für 
dieselben massgebenden Pflanz ennährstofifen. Wenn Herr N. N. seinem Ab- 
nehmer beim Ankauf eines bestimmten Quantums Waare gestattet, durch die 
Versuchs- Station auf seine (des Verkäufers) Kosten eine Controlanalyse aus- 
führen zu lassen, oder wenn bei jedem beliebigen Quantum der Käufer die 
Kosten einer solchen Analyse selbst trägt , so verpflichtet sich Herr N. N. 
bei nicht der Garantie entsprechendem Befunde dem Käufer gegenüber zum 
Schadenersatz. 

§ 5. Die Gebühren für die Düngercontrole werden nach dem Tarif der 
Versuchs- Station berechnet. Die Auszahlung an die Kasse der Versuchs- 
Station erfolgt vierteljährlich. 

§ 6. Der analytische Befund der Waare wird seitens der Versuchs- 
Station sofort der Redaction von »Gazdasägi Lapok« und des zum Pester 
Lloyd gehörigen «AVochenblattes für Land- und Forstwirthschaft« zur Ver- 
öfientlichung übergeben , zugleich aber dem Herrn N. N. freigestellt , auch 
durch andere Zeitungen das Publicum von dem bestehenden Vertragsver- 
hältniss und den Befunden in Kenntniss zu setzen. 



478 



Von den untersuchten Düngemitteln werden, soweit dies zulässig, Pro- 
ben ein volles Jahr lang unter amtlichem Verschlusse behufs etwaiger Nach- 
controle aufbewahrt. 



Facliliterarische Eingänge. 



Ha na mann, Dr. J., Sechsjährige Vegetations- und Düngungsversuche 
in Verbindung mit meteorologischen Beobachtungen und Bodenanalysen, an- 
gestellt an der Fürst zu Schwarzenberg'schen chemischen Versuchs- Station 
in Lobositz. Mit 4 graphischen Darstellungen. Prag 1873. gr. 8. 105 S. 

Derselbe: Die Fortschritte im Bauwesen auf den hochfürstl. Schwar- 
zenberg'schen Gütern in Böhmen. Leitmeritz 1873. 8. 74 S. 

Bechi, Prof. E. : Saggi di esperienze agrarie. Fase. II. Firenze. 1873. 
8. 90 S. 

Miraglia, Nicola: E-elazione intorno ai risultamenti della coltivazione 
delle barbabietole zuccherine in Italia nel 1872 (Letta al Congresso dei di- 
rettori delle stazioni agrarie nell' adunanza del 20. gennaio 1873. Roma 
1873. 8. 26 S. 

Settegast, H. : Der landwirthschaftliche Unterricht. Breslau 1873. 8. 
48 S. 

Lorenz, Dr. Jos. R. und Wessely, Jos,: Die Bodencultur 
Oesterreichs. Redigirt im Auftrage des K. K. Ackerbauministeriums. 
Wien 1873. 8. 374, 324 und 59 S. 

H o h e n b r u c k, Arthur Frhrr. von, Die Weinproductionin Oester- 
reich. Nach den neuesten statistischen Erhebungen von Fachmännern aus 
den einzelnen weinbauenden Ländern zusammengestellt. Veröffentlicht vom 
K. K. Ackerbauministerium. Mit einer Karte. Wien 1873. 4. 203 S. 

Scharnaggl, S. : Die Forstwirthschaft im Oesterr. Küstenlande mit 
vorzüglicher Pvücksicht auf die Karst-Bewaldung. Wien 1873. 4. 89 S. 

Giebel, Prof. Dr. C. G. : Zeitschrift für die gesammten Naturwissen- 
schaften N. F. 1873. Bd. VII mit 6 Tafeln. Berlin 1873. 8. VIlI u. 574 S. 

Hamilton, A. : Brennerei-Erfahrungen aus 35 Brennperioden u. s. w. 
5. Auflage. Mit Abbildungen. Leipzig 1873. 8. XXVII und 464 S. — 

Wittmack, Dr. L. : Allgemeiner Katalog des königlichen landwirth- 
schaftlichen Museums zu Berlin. Zweite Auflage. Berlin 1873. 8. XII und 
216 S. 

Derselbe: Führer durch das königl. landw. Museum zu Berlin. Mit 
einem Plane. Berlin 1873. 12. 60 S. 

Vierter Bericht der naturwissenschaftlichen Gesellschaft zu Chemnitz 
(1871—1872). Chemnitz 1873. 8. 104 S. 



479 



Blev, Carl: Sitzungsberichte der naturvviss. Gesellschaft »Isis« in Dies- 
den. Jahrgg. 1873. Jan, Febr. März. Dresden 1813. 8. 

Verhandlungen des agrarischen Congresses in Wien 1873. Nach den 
stenographischen Mittheilungen zusammengestellt im K. K. Ackerbauministe- 
rium. Wien 1873. 8. 250 S. 

Naumann, Alex.: Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie 
und verwandter Theile anderer Wissenschaften. Unter Mitwirkung von K. 
Birnbaum, W. Dittmar, F. Hoppe-Seyler , A. Laubenheimer, A. Michaelis, 
F. Nies, Th. Zincke und K. Zöppritz. Für 1870. Giessen 1873. Heft 3. 8. 
XL VII und 521 S. 

Dasselbe. Für 1871. Ebenda. Heft 1. 8. 480 S. 



*Personal-Notizen. 



Herr Dr. J. Fittbogen, zweiter Chemiker der Versuchs-Station Re- 
ge n w a 1 d e , ist als Nachfolger des Herrn Prof. Hellriegel, welcher 
letztere zu Neujahr k. J. seine Stellung aufgeben wird, um dem Vernehmen 
nach in den Herzoglich Anhaltinischen Staatsdienst überzutreten, zum Vor- 
stande der Versuchs-Station Dahme ernannt worden. 

Herr Dr. B. Dietzel 1, bisher Assistent der Versuchs-Station Mö c k er n, 
ist als zweiter Chemiker der Versuchs-Station zu Augsburg angestellt 
worden. 



Corrigenda. 



In Bezug auf den Aufsatz A. S chis chkin's: »Culturversuche mit Lein« 
werden uns von befreundeter Seite die folgenden Schreibfehler betreffenden 
Berichtigungen übermittelt. 

Bd. XV. Seite 130 Zeile 14 von oben statt: 1,73 Proc. lies: 1,68 Proc. 



M 


U 


» 


130 




15 


» 


» 


U 


17,84 


u 




18,71 




» 


)) 


)> 


130 




16 




u 


» 


80,43 


)) 




79,61 






)) 




130 




7 


» 


)> 




2,29 


I) 




5,46 


» 


» 


» 


» 


130 




7 








23,90 


» 




52,07 




» 


» 


» 


130 


» 


8 








73,81 


» 


» 


42,47 


» 


» 






131 


» 


6 


)> 


» 


» 


5,20 


» 


)) 


5,21 




» 




» 


131 


» 


7 


» 




i) 


5,67 


» 


)> 


6,07 


» 








131 




8 




» 


» 


7,27 




» 


31,67 


» 



480 



tri 







o 






a' 






o 
































00 


oo 


«rt- 


-1 


—1 


CO 


cc 




o 




Ol 


OD 


















•Tj 


OD 




o 






o 


"od 






o 




cf 








0- 


00 


«! 


CO 




00 


00 


t— Ii 


jr> 




v 


"od 


CO 




1— k 


CO 










o 






o 


OD 






00 






o 






^ 












o 






o 







OD 
CO 



oo 

CO 



"co 

CO 



CO 

__CO 

CR 





03 


Sä 




3 


3 


2 










97* 




P 








t/1 




ft> 




I—» 




t3 



W tri Cd O ^ 

^ ^ ^ M. 



Oj 
O) 
"•i 

O 

er 
o 



<T> ET 

(T> (D fD CD 
H >-S , , HS 



2 



2 

2 

3 

o 



3 

CD 
i-{ 

O 
CD 



CD ft> 



CD 

3 

O 



CD 
O 

cd' 



3 

CD 
-j 

3 
O 

& 

5" 

3 



l>5 CO 

OD 
ZJ\ CO 
O CJ» 



h-k CO 
1-^ cn 



IM 



CO 

CO "o 



4^ SS 

CO O CO 

Iii- to >— 

CO ^ C" 



3j 
3 

N 
(D 

3 

«rt- 

3- 
C 



o o o o 



to CO 

OD CO 

Ol CO 



CT' OD 
CO l-O 



Trockensubstanz 
in 1000 Pflanzen 
Grm. 



^ KS -3 — SS 

CO CO fcO CO 

"Oi *QO OD "o tO 

m o >^ o o 



OD CD 
CO C5 

Cji o 



*t». CO to 

CO tO CO CO 

o "— 

CO rfa. CO CO 



CO bO O JW O 

Ol >— ' CT» O ^1 

OD O CO O O 

CO h- CD OD td ^1 

C: 05 CO 05 OC — 1 



CO >U 



CO tO Üi CO 

CO cn CO CO bfc» 



ootoo ooo^coto 

-JCOOiOrf^i-'OitO 



CO 

V tO OD 

iO O JO 

CT» CO CO 



►ta. CO — . lO 
-J -4 CO CO 

"od ^ "-l 



CO 
CO 



O tO O CTi O 



OCOCOtsS'-'i^^OO-v 
lOrfii^lOCOCO^Cn 
-JONS'— »CCCT'Ü'CO 

co'-^^OcococT'O: 



Oel 

in 1000 Theilen 
Trockensubstanz 



Oel 

in 1000 Pflanzen 
Grm. 



Trockensubstanz 
in 1000 Pflanzen 
Grm. 



Oel 

in 1000 Theilen 
Trockensubstanz 



Oel 

in 1000 Pflanzen 
Grm. 



Trockensubstanz 
in 1000 Pflanzen 
Grm. 



Oel 

in 1000 Theilen 
Trockensubstanz 



Oel 

in 1000 Pflanzen 
Grm. 



CD 
O 

o 



t>5 



CD 

o' 

CD 



CO 

o* 

o 



Driick von Breitkopf und Härtel in Leipzig. 



1 



t 



1